Skip to main content

Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

See other formats


§M$mä 


m mm 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


i n I ) r e s d e n. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktionskomitee. 


Jahrgang  1907. 


Mit  5 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Kommission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1908. 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktionskomitee. 


Jahrgang  1907. 

Januar  bis  Juni. 


Mit  5 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Kommission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 


1907. 


uni 


Redaktionskomitee  für  1907. 

Vorsitzender:  Grell.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Mitglieder:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi,  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner,  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  M.  Toepler  und  Staatsrat 

Prof.  M.  Grübler. 

Verantwortlicher  Redakteur:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Inhalt, 

Verzeichnis  der  Mitglieder  S.  V. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sektion  für  Zoologie  S.  3.  — Jacobi,  A.:  Schrillapparate  bei  Singzikaden  S.  4; 
über  Beuteltiere  S.  5.  — Schlaginhaufen.  0.:  Körperbau  eines  jungen  Schimpansen 
S.  4.  — Viehmeyer,  H.:  Hochzeitsflug  und  Nestgründung  der  Ameisen  S.  3.  — 
Wagner,  P. : Stellung  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts  an  den  Mittelschulen 
S.  4.  — Wandolleck,  B.:  Brutpflege  im  Tierreich,  mit  Bemerk,  von  K.  Heller, 
Mifsbildungen  bei  Reptilien,  Regenerationserscheinungen  von  Reptilien  S.  3,  mit  Be- 
merk. von  A.  Jacobi,  M.  Mann  und  K.  Verhoeff  S.  4. 

II.  Sektion  für  Botanik  S.  5.  — Drude,  0.:  Flora  der  Antarktis  S.  5.  — Dutsch- 
mann,  Gr.:  Wirkung  des  Windes  auf  die  Vegetation  von  Sylt  S.  6.  — Schlagin  - 
häufen,  0.:  Das  sog.  „Inkabein“,  neue  Literatur  S.  6.  — Schorler,  B. : Besprechung 
neuer  Literatur,  Fortschritte  in  der  bildlichen  Darstellung  der  Diatomeen,  Lebens- 
geschichte  einiger  Mall omonas -Arten  S.  6.  — Ausflug  nach  Kötzschenbroda  zur 
Besichtigung  der  blühenden  Trachycarpus  excelsa  S.  6. 

III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  7.  — Baldauf,  R.:  Über  Meteor-  und 
tellurische  Eisen  S.  7.  — Engelhardt,  H.:  Eozänflora  im  Fajüm  S.  7.  — Kal- 
kowsky, E. : Neue  Sektionen  der  geologischen  Reliefkarte  von  Sachsen,  Besprechung 
neuer  Literatur  S.  7.  — Stutzer,  0. : Entstehung  und  Einteilung  der  Erzlagerstätten 
S.  7.  — Uhlig,  J.:  Molekularstruktur  der  Kristalle  S.  7.  — Wagner,  P.:  Wissen- 
schaftliche Ergebnisse  der  Vesuvbeobachtungen  während  der  Eruption  im  April  1906 
48.7.  — Wanderer,  K.:  Über  Flugsaurier  S.  7. 

IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen  S.  8.  — Deichmüller,  J. : Vorlage 
neuer  Funde  aus  Sachsen  S.  8;  prähistorische  Typenkarten  S.  9;  Besprechung  neuer 
Literatur,  die  ersten  Kupferfunde  aus  Sachsen  S.  10.  — Hentschel,  W.:  Ozeanien, 
die  Heimat  des  Neolithikers  S.  8,  mit  Bemerk,  von  J.  Deichmüller  und  H.  Wiechel 
S.9.  — Schlaginhaufen,  0.:  Über  ein  Skelett  von  Lunkhofen  S.  10.  — Wiechel,  H, : 
Vorgeschichtliches  Schichtenprofil  als  Seitenstück  zum  geologischen  Schichtenprofil  S.  8. 

— Neue  Literatur  S.  9. 

V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  10.  — Lottermoser,  A. : 
Einiges  über  kolloidale  Metalle  S.  11.  — Rebenstorff,  H, : Neue  Schulversuche 
S.  10.  — Witting,  A. : Neues  über  Linienspektra  S.  11.  — Besichtigung  des  Fern- 
heiz- und  Elektrizitätswerks,  des  Instituts  für  Telegraphie  und  Signalwesen  und  des 
Elektrotechnischen  Instituts  der  K.  Technischen  Hochschule  S.  11. 

VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  11.  — Heger,  R.:  Über  die 
Kugeln,  die  einem  unebenen  Viereck  M,  A2  As  A4  eingeschrieben  sind,  S.  11;  Berech- 
nung der  homogenen  Koordinaten  des  9.  Schnittpunktes  zweier  Kurven  III.  Ordnung  aus 
8 gegebenen  S.  13.  — Helm,  Gr. : Eine  Konstruktion  des  Krümmungskreises  bei  Kegel- 
schnitten S.  12.  — Henke,  R. : Gegenpunkte  und  Gegenkurven  beim  Dreieck  S.  13. 

— Grübler,  M.:  Gleichgewicht  und  Ruhe  S.  12.  — Krause,  M.:  Zur  Theorie  des 
ebenen  Gelenkvierecks  S.  11.  — Weinmeister,  Ph.:  Die  Ellipse  im  Dienste  der 
Landwirtschaft  S.  11. 


Inhalt  des  Jahrganges  1907. 

Verzeichnis  der  Mitglieder  S.  V. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sektion  für  Zoologie  S.  3 und  21.  — Escherich,  K.:  Reise  nach  Erythraea  S.  21. 

— Jacobi,  A.:  Schrillapparate  bei  Singzikaden  S.  4;  über  Beuteltiere  S.  5 ; Vorlage 
von  Literatur  S.  21.  — Schlaginhaufen.  0.:  Körperbau  eines  jungen  Schimpansen 
S.  4.  — Viehmeyer,  H.:  Hochzeitsflug  und  Nestgründung  der  Ameisen  S.  3.  — 
Wagner,  P.:  Stellung  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts  an  den  Mittelschulen 
S.  4.  — Wandolleck,  B.:  Brutpflege  im  Tierreich,  mit  Bemerk,  von  K.  Heller, 
Mifsbildungen  bei  Reptilien,  Regenerationserscheinungen  von  Reptilien  S.  3,  mit  Be- 
merk. von  A.  Jacobi,  M.  Mann  und  K.  Verhoeff  S.  4. 

II.  Sektion  für  Botanik  S.  5 und  21.  — Drude,  0.:  Flora  der  Antarktis  S.  5;  die 
1907  in  Dresden  abgehaltenen  botanischen  Versammlungen,  kartographische  Dar- 
stellung mitteldeutscher  Vegetationsformationen,  Besprechung  neuer  Literatur  S.  22.  — 
Dutschmann,  Gr.:  Wirkung  des  Windes  auf  die  Vegetation  von  Sylt  S.  6.  — Nau- 
mann, A.:  Die  Myxomyceten  als  Erreger  gewisser  Pflanzenkrankheiten  S.  22.  — 
Neger,  F.:  Habitus  der  Koniferen  S.  21.  — Schlaginhaufen,  0.:  Das  sogen. 
„Inkabein“,  neue  Literatur  S.  6.  — Schorle r,  B.:  Fortschritte  in  der  bildlichen  Dar- 
stellung der  Diatomeen,  Lebensgeschichte  einiger  Mallomonas- Arten  S.  6;  Besprechung 
neuer  Literatur  S.  6 und  21.  — Ausflüge  nach  Kötzschenbroda  zur  Besichti- 
gung der  blühenden  Trachycarpus  excelsa  S.  6,  nach  Tharandt  zur  Besichtigung 
des  Forstgartens  S.  21. 

III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  7 und  23.  — Baldauf,  R.:  Uber  Meteor- 
und  tellurische  Eisen  S.  7.  — Engelhardt,  H.:  Eozänflora  im  Fajüm  S.  7.  — Kal- 
kowsky,  E. : Neue  Sektionen  der  geologischen  Reliefkarte  von  Sachsen,  Besprechung 
neuer  Literatur  S.  7;  Korundgranulit  von  Waldheim  S.  23.  — Menzel,  P. : Flora  des 
Braunkohlenreviers  von  Senftenberg  S.  23.  — Stutzer,  0.:  Entstehung  und  Ein- 
teilung der  Erzlagerstätten  S.  7.  — Uhlig,  J.:  Molekularstruktur  der  Kristalle  S.  7. 

— Wagner,  P.:  Wissenschaftliche  Ergebnisse  der  Vesuvbeobachtungen  während  der 
Eruption  im  April  1906  S.  7;  neue  Literatur  S.  23.  — Wanderer,  K.:  Uber  Flug- 
saurier S.  7. 

IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen  S.  8 und  23.  — Arldt,  Th.:  Heimat 
und  erste  Ausbreitung  des  Menschen  S.  23.  — Deich müller,  J. : Vorlage  neuer 
Funde  aus  Sachsen  S.  8;  prähistorische  Typenkarten  S.  9;  Besprechung  neuer  Literatur, 
die  ersten  Kupferfunde  aus  Sachsen  S.  10.  — Hentschel,  W.:  Ozeanien,  die 
Heimat  des  Neolithikers  S.  8,  .mit  Bemerk,  von  J.  Deichmüller  und  H.  Wiechel 
S.9.  — Schlaginhaufen,  0.:  Über  ein  Skelett  von  Lunkhofen  S.  10.  — Wiechel,  H.: 
Vorgeschichtliches  Schichtenprofil  als  Seitenstück  zum  geologischen  Schichtenprofil  S.  8. 

— Neue  Literatur  S.  9 und  24. 

V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  10  und  24.  — Beythien,  A.: 
Neuere  Aufgaben  der  Nahrungsmittelchemie  S.  25.  — Lottermoser,  A. : Einiges 
über  kolloidale  Metalle  S.  11.  — Rebenstorff,  TI.:  Neue  Schulversuche  S.  10.  — 
Toepler,  M.:  Gleitende  Entladungen  S.  24.  — Witting,  A.:  Neues  über  Linien- 
spektra S.  11.  — Besichtigung  des  Fernheiz-  und  Elektrizitätswerks,  des  Instituts 
für  Telegraphie  und  Signal  wesen  und  des  Elektrotechnischen  Instituts  der  K.  Tech- 
nischen Hochschule  S.  11. 


IV 


VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  11  und  25.  — Grübler,  M.: 
Gleichgewicht  und  Ruhe  S.  12;  Elastizitätstheorie  S.  25.  — Heger,  R.:  Über  die 
Kugeln,  die  einem  unebenen  Viereck  A1  Ä2  As  A4  eingeschrieben  sind,  S.  11;  Berech- 
nung der  homogenen  Koordinaten  des  9.  Schnittpunktes  zweier  Kurven  III.  Ordnung  aus 
8 gegebenen  S.18.  — Helm,  G. : Eine  Konstruktion  des  Krümmungskreises  bei  Kegel- 
schnitten S.  12;  Beziehungen  der  Sammelbegriffe  zur  Wahrscheinlichkeitsrechnung 
S.  27.  — Henke,  ft.:  Gegenpunkte  und  Gegenkurven  beim  Dreieck  S.  13.  — 
Krause,  M.:  Zur  Theorie  des  ebenen  Gelenkvierecks  S.  11.  — Naetsch,E.:  Licht- 
grenzkurven und  geodätische  Linien  S.  27.  — Weinmeister,  Ph.:  Die  Ellipse  im 
Dienste  der  Landwirtschaft  S.  11. 

VII.  Hauptversammlungen  S.  13  und  28.  — Beamte  der  Isis  im  Jahre  1908  S.  29 
und  31.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  16  und  29.  — Kassenabschlufs 
für  1906  S.  14,  15  und  17.  — Voranschlag  für  1907  S.  14.  — Freiwillige  Beiträge  zur 
Kasse  S.  30.  — Bericht  des  Bibliothekars  S.  33.  — Geschenke  für  die  Bibliothek  S.  6 
und  9.  — 79.  Versammlung  Deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Dresden  S.  14.  — 
Drude,  0.:  Linnes  Leben  und  Wirken  S.  15;  Organisation  und  Arbeiten  des  Bundes 
„Heimatschutz“  im  Jahre  1907  S.  29.  — Engelhardt,  H. , Photographie  eines 
Braunkohlen  - Tagebaus  von  Senftenberg  S.  15;  über  Musophyllum  Kinkelini  S.  16. 
— Heller,  K. : Ausflüge  auf  den  Inseln  Gran-Canaria  und  Tenerife  S.  29.  — 
Helm,  G.:  Die  neueren  Ansichten  über  das  Wesen  der  Naturerkenntnis  S.  13.  — 
Kalkowsky,  E.:  Über  Weltsprache  und  gegen  Esperanto  S.  15;  Verlauf  der  79.  Ver- 
sammlung Deutscher  Naturforscher  und  Ärzte  in  Dresden  S.  28;  Gründung  einer 
geologischen  Gesellschaft  in  Freiberg  S.  29.  — Nessig,  R.,  Thallwitz,  J.  und 
Wagner,  P.:  Reform  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts  an  den  Mittelschulen 
S.  14  und  15  (vergl.  auch  S.  4).  — Schlaginhaufen,  0.:  Die  körperlichen  Merkmale 
des  altdiluvialen  Menschen  S.  15.  — Schreiber,  P.:  Der  Wärmehaushalt  an  der 
Erdoberfläche  S.  16.  — Stadelmann,  H. : Stellung  der  Psychopathologie  zur  Kunst 
S.  28.  — Wawrziniok,  0.:  Die  Metallmikroskopie  und  metallographische  Unter- 
suchungsmethoden S.  14.  — Besichtigung  der  Völkergruppe  „Wild-Afrika“  im  Zoo- 
logischen Garten  S.  28,  der  Sonderausstellung  „Die  Elbe  und  ihre  Bedeutung  für 
Dresden“  S.  29. 


B.  Abhandlungen. 

Drude,  0.:  Carl  v.  Linne,  sein  Leben  und  Wirken.  S.  26. 

Hentschel,  W.:  Ozeanien,  die  Heimat  des  Neolithikers.  S.  3. 

Kalkowsky,  E.:  Der  Korundgranulit  von  Waldheim  in  Sachsen.  S.  47. 
Rebenstorff,  H.:  Neue  Apparate  zur  Bestimmung  von  spezifischen  Gewichten.  Mit 
3 Abbildungen.  S.  8. 

Schorler,  B : Das  pflanzengeographische  Formationsherbarium.  S.  66. 

Schorler,  B.:  Über  Herbarien  aus  dem  16.  Jahrhundert.  S.  73. 

Toepler,  M.:  Gleitfunken  auf  Glasröhren.  Mit  2 Abbildungen.  S.18. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantwortlieh  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonderabzüge  unentgeltlich,  eine  gröfsere  Anzahl  gegen  Er- 
stattung der  Herstellungskosten. 


Verzeichnis  der  Mitglieder 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden 

im  Juni  1907. 


Berichtigungen  bittet  man  an  den  Sekretär  der  Gesellschaft, 
d.  Z.  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Y.  Deiclimüller  in  Dresden,  K.  Mineral.- geologisches  Museum 

im  Zwinger,  zu  richten. 


I.  Ehrenmitglieder.  Jahr  der 

0 Aufnahme. 

1.  Agassiz,  Alex.,  Dr.  phil.,  Kurator  a.  D.  des  Museums  of  Comparative  Zoology  in 

Cambridge,  Mass 1877 

2.  Credner,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Geh.  Bergrat,  Professor  an  der  Universität  und 

Direktor  der  geologischen  Landesuntersuchung  des  Königreichs  Sachsen  in 
Leipzig (1869)1895 

3.  Galle,  J.  G.,  Dr.  phil.,  Geh.  Regierungsrat,  Professor  a.  D.  in  Potsdam  . . 1866 

4.  Haughton,  Sam.,  Rev.,  Professor  am  Trinity  College  in  Dublin 1862 

5.  Jones,  T.  Rupert,  Professor  a.  I).  in  Penbryn,  Chesham,  Bucks 1878 

6.  Laube,  Gust.,  Dr.  phil.,  K.  K.  ILofrat,  Professor  an  der  Universität  in  Prag  1870 

7.  Ludwig,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  am  Gymnasium  in  Greiz  (1887)1895 

8.  Magnus,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin 1895 

9.  Omboni,  Giov.,  Professor  an  der  Universität  in  Padua 1868 

10.  Rohn,  Karl,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  (1885)1904 

11.  Seydewitz,  Paul  von,  Dr.  jur.  et  phil.,  Staatsminister  a.  D.  in  Dresden,  Zinzen- 

dorfstr.  47  1903 

12.  Stacke,  Guido,  Dr.  phil.,  K.  K.  Hofrat,  Direktor  a.  D.  der  K.  K.  Geologischen 

Reichsanstalt  in  Wien  . (1877)1894 

13.  Tschermak,  Gust.,  Dr.  phil.,  Hofrat,  Professor  an  der  Universität  in  Wien  . 1869 

14.  Yerbeek,  Rogier  D.  M.,  Dr.  phil.,  Direktor  der  geologischen  Landesuntersuchung 

von  Niederländisch-Indien  in  Buitenzorg 1885 

15.  Wolf,  Franz,  Dr.  phil.,  Professor,  Realschuldirektor  in  Rochlitz 1895 

16.  Zeuner,  Gust.,  Dr.  phil.,  Geh.  Rat,  Professor  a.  D.  in  Dresden,  Lindenaustr.  la  1874 

17.  Zirkel,  Ferd.,  Dr.  phil.,  Geh.  Rat,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  . . 1895 


II.  Wirkliche  Mitglieder. 

A.  In  Dresden  und  den  Vororten. 


1.  Baensck,  Willi.,  Verlagsbuchhandlung  und  Buchdruckerei,  Waisenhausstr.  34  1898 

2.  Baldauf,  Rieh..  Privatmann,  Geinitzstr.  5 1878 

3.  Barthel,  Theod.,  Kais.  Telegraphensekretär,  Ludwig  Richterstr.  35  . . . . 1901 

4.  Bauer,  J.  Adolf,  Kaufmann,  Falkenstr.  12 1903 

5.  Beck,  F.  Heinr.,  Bezirksschullehrer,  Lortzingstr.  15 1896 

6.  Becker,  Herrn.,  Dr.  med.,  Oberarzt  am  Stadtkrankenhause,  Sidonienstr.  16  . 1897 

7.  Berger,  Karl,  Dr.  med.,  Pragerstr.  44  1898 

8.  Bernkopf,  Georg,  akadem.  Bildhauer,  Wittenbergerstr.  43  1900 

9.  Besser,  C.  Ernst,  Professor,  Hohestr.  59  1863 

10.  Beythien,  Adolf,  Dr.  phil.,  Direktor  des  ehern.  Untersuchungsamtes  der  Stadt 

Dresden,  Düppelstr.  8 1900 

11.  Biedermann,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Tierärztlichen  Hochschule 

und  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Reinickstr.  11 1898 

12.  Bobine,  Max,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  111.  Realschule,  Böhnischplatz  17  . 1904 

13.  Bölimig,  Konr.  Heinr.,  Dr.  med.;  Hauptstr.  36  1904 

14.  Bose,  K.  Mor.  von,  Dr.  phil.,  Fabrikdirektor,  Leipzigerstr.  11  . . . . 1868 

15.  Bracht,  Eugen,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Akademie  der  bildenden 

Künste,  Frank linstr.  11 . 1905 

16.  Brömel,  Alb.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Pulsnitzerstr.  10  1906 

17.  Burdach,  Fritz,  Dr.  med.,  Oberstabsarzt,  Melanchtonstr.  5 1902 


VTII 


Jahr  der 
Aufnahme. 

18.  Calberla,  Ghist.  Mor.,  Privatmann,  Bürgerwiese  8 1846 

19.  Calberla,  Heinr.,  Privatmann,  Bürgerwiese  8 1897 

20.  Cüppers,  Friedr.,  Kaufmann,  Julius  Ottostr.  12 1896 

21.  Dannenberg,  Osk.  Eugen,  Dr.  med.,  Christianstr.  1/8 1902 

22.  Deichmüller,  Job.,  Dr.  pliil.,  Hofrat,  Professor,  Kustos  des  K.  Mineral.-geolog. 


23.  Dember,  Harry,  Dr.  phil. , Assistent  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Residenzstr.  9 1906 

24.  Dietz,B,ud.,Dr.phil.,  Privatdozent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Sedanstr.  14  1902 

25.  Disteli,  Mart.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Hübnerstr.  1b  1905 

26.  Döring,  Herrn.,  Bezirksschuldirektor,  Glacisstr.  24  1885 

27.  Dressier,  Heinr.,  Seminaroberlebrer,  Bernhardstr.  69  1893 

28.  Drude,  Osk.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Direktor  des  K.  Botanischen  Härtens,  Stübel- Allee  2 1879 

29.  Dutschmann,  Georg,  Lehrer,  Nostitz- Wallwitzplatz  15 1903 

30.  Ebert,  Gust.  Bob.,  Dr.  phil.,  Professor,  Gr.  Plauenschestr.  20  1863 

31.  Ebert,  Otto,  Taubstummenoberlehrer,  Ammonstr.  92  1885 

32.  Ehnert,  Osk.  Max,  Vermessungsingenieur,  Teutoburgstr.  8 1893 

33.  Engelhardt,  Bas.  von,  Dr.  phil..  wirkl.  Kais.  Buss.  Staatsrat,  Astronom, 

Liebigstr.  1 1884 

34.  Engelhardt,  Herrn.,  Hofrat,  Professor,  Bautznerstr.  34  1865 

35.  Entner,  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Residenzstr.  25  . . 1906 

36.  Fehrmann,  Max  Rieh.,  Bürgerschullehrer,  Neubertstr.  19 1901 

37.  Fickel,  Joh.,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium, 

Anton  Graffstr.  11 1894 

38.  Fischer,  Hugo  Bob.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Schnorrstr.  57  1879 

39.  Flachs,  Rieh.,  Dr.  med.,  Oberarzt  am  Säuglingsheim,  Sidonienstr.  6 ...  1897 

40.  Flathe,  Mart.,  Bergdirektor  a.  D.,  Richard  Wagnerstr.  5 1905 

41.  Förster,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hof  rat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Hohestr.  46  1895 

42.  Francke,  Hugo,  Dr.  phil.,  Mineralog,  Müllerbrunnenstr.  5 1889 

43.  Freitag,  F.  Gl.  Willy,  Realschullehrer,  Eisenstuckstr.  26  1906 

44.  Freude,  Aug.  Bruno,  Bürgerschullehrer,  Seminarstr.  11 1889 

45.  Freyer,  Karl,  Bezirksschuldirektor,  Herbertstr.  34  1896 

46.  Friedrich,  Edm.,  Dr.  med.,  Sanitätsrat,  Lindengasse  20  1865 

47.  Friese,  O.  Walter,  Dipl.  - Ingenieur,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Ostra- Allee  31 1905 

48.  Frölich,  Gust.,  K.  Hofbaurat,  Elisenstr.  11 1888 

49.  Galewsky,  Eug.  Eman.,  Dr.  med.,  Christianstr.  21 1899 

50.  Gebhardt,  Mart.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Vitzthumschen  Gymnasium, 

Walpurgisstr.  11 1894 

51.  Geinitz,  Leop.,  Bureauassistent  an  den  K.  Sächs.  Staatsbahnen,  Rabenerstr.  11  1886 

52.  Geissler,  Gust.  Alfr.,  Lehrer  an  der  I.  Realschule,  Wittenbergerstr.  18  . . 1904 

53.  Giseke,  Karl,  Privatmann,  Franklinstr.  17 1893 

54.  Gravelius,  Harry,  Dr.  phil.,  Astronom,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Reissigerstr.  13 1897 

55.  Grossmann,  Alb.,  Dr.  ing.,  Fabrikbesitzer,  Königsbrückerstr.  22  1906 

56.  Grübler,  Mart.,  Kais.  Russ.  Staatsrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Bernhardstr.  98  1900 

57.  Grützner,  Max,  Realschuloberlehrer,  Ermelstr.  5 b 1906 

58.  Gühne,  Herrn.  Bernh. , Dr.  phil.,  Professor  beim  K.  Sächs.  Kadettenkorps, 

Jägerstr.  28  1896 

59.  Günther,  Osw.,  Chemiker,  Frankenstr.  5 1899 

60.  Guthmann,  Louis,  Geh.  Kommerzienrat,  Fabrikbesitzer,  Prägerstr.  34  . . . 1884 

61.  Haase,  Gertr.,  Drs.  med.  Ww.,  Eisenstuckstr.  28  1907 

62.  Hiinel,  F.  Paul,  Chemiker,  Fabrikbesitzer,  Behrischstr.  30  1899 

63.  Hallwachs,  Wilh. , Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Münchnerstr.  2 ....  1893 

64.  Hartmann,  W.  E.  Alb.,  Privatmann,  Münchnerstr.  20  1896 

65.  Hefelmann,  Rud.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Schreibergasse  6 1884 

66.  Heger,  Gust.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Studienrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Hähnelstr.  15 1868 

67.  Heinrich,  Karl,  Buchdruckereibesitzer,  Johann  Georgen- Allee  27  1898 


IX 


Jahr  der 
Aufnahme. 

68.  Heller,  Karl,  Dr.  phil.,  Professor,  Kustos  des  K.  Zoolog,  und  Anthrop.-ethnogr. 

Museums,  Franklinstr.  22  1900 

69.  Helm,  Georg  Ferd.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Lindenaustr.  la 1874 

70.  Heinpel,  Walt.  Matthias,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Zelleschestr.  44  1874 

71.  Henke,  K.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor,  Konrektor  an  der  Annenschule,  Lindenau- 

strafse  9 1898 

72.  Herrmann,  Em.,  Bezirksschullehrer,  Döbelnerstr.  62  1905 

73.  Hesse,  Walt.,  Dr.  med.,  Obermedizinalrat,  Julius  Ottostr.  11 1901 

74.  Hofmann,  Alex.  Emil,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Goethestr.  5 1866 

75.  Hofmeier,  Ernst,  Privatmann,  Leubnitzerstr.  32  ...  1903 

76.  Holz,  Karl,  Realschullehrer,  Sachsenplatz  4 1906 

77.  Hoyer,  K.  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Fürstenstr.  57  1897 

78.  Hübner,  Georg,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Am  Markt  3 und  4 1888 

79.  Hupfer,  Herrn.  Paul,  Dr.  phil. , Oberlehrer  an  der  II.  höh.  Töchterschule, 

Gneisenaustr.  20  1907 

80.  Jacobi,  Arn.,  Dr.  phil. , Professor,  Direktor  des  K.  Zoolog,  und  Anthrop.- 

ethnogr.  Museums,  Marsdorferstr.  7 1904 

81.  Jacoby,  Julius,  K.  Hofjuwelier,  Jüdenhof  1 1882 

82.  Jahr,  Rieh.,  Photochemiker,  Fabrikbesitzer,  Schubertstr.  15 1899 

83.  Jenke,  Andreas,  Bezirksschuloberlehrer,  Zirkusstr.  10 1891 

84.  Jühling,  Franz,  Streichinstrum.-  und  Saitenfabrikant,  Moritzstr.  2 ...  . 1900 

85.  Ihle,  Karl  Herrn.,  Professor,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt, 

Kamenzerstr.  9 1894 

86.  Kadner,  Paul,  Dr.  med.,  Franklinstr.  22 1906 

87.  Kämnitz,  Max,  Dipl.  - Chemiker,  Bautznerstr.  79  1894 

88.  Käseberg,  Mor.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Institutslehrer,  Gr.  Plauenschestr.  9 . . . 1886 

89.  Kalkowsky,  Ernst,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule  und  Direktor  des  K.  Miner. -geolog.  Museums  nebst  der  Prähistor. 
Sammlung,  Bismarckplatz  11 1894 

90.  Kelling,  Em.  Georg,  Dr.  med.,  Professor,  Christianstr.  30  1899 


92.  Klähr,  Max,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Fürstenstr.  11 1899 

93.  Klette,  Alfons,  Privatmann,  Residenzstr.  18 1883 

94.  König,  Klemens,  Professor,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt, 

Stephanienstr.  95  1890 

95.  Kopeke,  Klaus,  Dr.  ing.,  Geh.  Rat,  Sedanstr.  25  1877 

96.  Köpert,  Otto  Herrn.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Vitzthumschen  Gymnasium, 

Krenkelstr.  17 1903 

97.  Kotte,  Erich,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer,  Briesnitz,  Maximilianstr.  8 . . 1905 

98.  Krause,  Martin,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Räcknitz,  Friedrich  Wilhelmstr.  82  1888 

99.  Krone,  Herrn.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Josefinenstr.  2 1852 

100.  Kühn,  Gust.  Em.,  Dr.  phil.,  Geh.  Schulrat,  Vortragender  Rat  im  K.  Ministerium 

des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts,  Ferdinandstr.  16 1865 

101.  Kühnscherf,  Alex.,  Techniker,  Gr.  Plauenschestr.  20  1904 

102.  Kühnscherf,  Emil,  Fabrikbesitzer,  Gr.  Plauenschestr.  20  1866 

103.  Kühnscherf,  Erich,  Kaufmann,  Gr.  Plauenschestr.  20  1904 

104.  Kürzel,  Arth.  Eduard,  Privatmann,  Nordstr.  25  1903 

105.  Küster,  Max  G.,  Dr.  med.,  Fürstenstr.  58  1905 

106.  Kuntze,  F.  Alb.  Arth.,  Bankier,  An  der  Kreuzkirche  1 1880 

107.  Kunz-Krause,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Medizinalrat,  Professor  an  der  K.  Tierärztlichen 

Hochschule,  Ludwig  Richterstr.  6 1901 

108.  Ledebur,  Hans  Em.  Freiherr  von,  Friedensrichter,  Uhlandstr.  6 . ...  1885 

109.  Ledien,  Franz,  Garteninspektor  am  K.  Botanischen  Garten,  Stübel- Allee  2 1889 

110.  Lehmann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Seidnitzerplatz  7 1906 

111.  Lehmann,  F.  Georg,  K.  Hofbuchhändler,  Handelsrichter,  Schlofsstr.  32  . . 1898 

112.  Lehmann,  Hellmuth,  Gärtner,  Gartenstr.  1 1905 

113.  Leuner,  F.  Osk.,  Ingenieur,  Klarastr.  16 1885 

114.  Lewicki,  Ernst,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Würz- 

burgerstr.  51  . 1898 

115.  Lewicki,  J.  Leonidas,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  29  1875 


X 


Jahr  der 
Aufnahme. 

116.  Lohmann,  Hans,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  König  Georg  -Gymnasium,  Bern- 

hardstr.  106 1896 

117.  Lohrmann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  II.  Realschule,  Struvestr.  34  1892 

118.  Lottermoser,  K.  A.  Alfred,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Wintergarten  str.  15 1898 

119.  Ludwig,  J.  Herrn.,  Bezirksschullehrer,  Wintergartenstr.  66  1897 

120.  März,  Christ.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Bautznerstr.  22  1907 

121.  Mangoldt,  Friedr.  von,  Dr.  med.,  Hofrat,  Oberarzt  am  Karolahaus,  Bürger- 

wiese 21 1903 

122.  Mann,  Max  Georg,  Dr.  med.,  Ostra- Allee  7 1900 

123.  Meier,  E.  F.  Gust.,  Oberturnlehrer  am  Yitzthumschen  Gymnasium,  Dippoldis- 

waldaergasse  6 1900 

124.  Meigen,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  II.  Realschule,  Nöthnitzerstr.  26  1901 

125.  Meinert,  Eugen,  Dr.  jur.,  Moltkeplatz  3 1895 

126.  Meiser,  Emil,  Mechaniker,  Kurfürsten  str.  27  1901 

127.  Meissner,  Georg,  Ingenieur,  Palaisstr.  8 . 1907 

128.  Menzel,  Osk.,  Baumeister  und  Architekt,  Ferdinandstr.  8 1902 

129.  Menzel,  Paul,  Dr.  med.,  Mathildenstr.  46  1894 

130.  Meyer,  Ernst  von,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Lessingstr.  6 1894 

131.  Modes,  Herrn.,  Ingenieur,  Antonstr.  18 1887 

132.  Möhlau,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Semperstr.  4 1895 

133.  Mollier,  Rob.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

George  Bährstr.  4 1897 

134.  Morgenstern,  Osk.  Wold.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Kügelgenstr.  40  . 1891 

135.  Moritz,  P.  Wald.,  Zahnarzt,  Pragerstr.  48  1906 

136.  Mühlberg,  Job.,  Rumän.  Konsul,  Kaufmann,  Webergasse  32  1903 

137.  Miihlfriedel,  Rieh.,  Bezirksschuloberlehrer,  Ludwigstr.  1 1898 

138.  Müller,  G.  Felix,  Dipl. -Ingenieur,  Bernhardstr.  115 1903 

139.  Müller,  Rud.  Ludw.,  Dr.  med.,  Blasewitz,  Friedrich  Aüguststr.  25  ...  . 1877 

140.  Naetsch,  Emil,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Blase- 

witz, Striesenerstr.  5 1896 

141.  Naumann,  K.  Arno,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Botanischen  Garten  und  Lehrer 

an  der  Gartenbauschule,  Nicolaistr.  19 1889 

142.  Nessig,  Rob.,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Luther- 

platz 9 1 893 

143.  Neumann,  H.  Paul,  Dr.  jur.,  Rechtsanwalt,  Marschallstr.  5 1905 

144.  Niedner,  Chr.  Frz.,  Dr.  med.,  Geh.  Medizinalrat,  Winckelmannstr.  33  . . 1873 

145.  Nowotny,  Franz,  Oberfinanzrat,  Chemnitzerstr.  27  1870 

146.  Ostermaier,  Josef,  Kaufmann,  Blasewitz,  Weinbergstr.  3 ......  . 1896 

147.  Pander,  John,  Eisenbahndirektor  a.  D.,  Wintergartenstr.  9 1905 

148.  Pattenhausen,  Bernh.,  Geh.  Hofrat,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule und  Direktor  des  K.  Mathem.-physikal.  Salons,  Reichenbachstr.  53  . 1893 

149.  Pazsclike,  Otto,  Dr.  phil.,  Privatmann,  Forststr.  29  1905 

150.  Pestei,  Rieh.  Mart.,  Mechaniker  und  Optiker,  Hauptstr.  1 1899 

151.  Peuckert,  F.  Adolf,  Oberlehrer  an  der  Dorotheenscbule,  Seilergasse  2 . . 1873 

152.  Pfltzner,  Paul,  Dr.phil.,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule,  Bettinastr.  12  1901 

153.  Pötschke,  F.  Jul.,  Techniker,  Gärtnergasse  5 1882 

154.  Pressprich,  Gust.,  Stadtbaumeister,  Schumannstr.  6 j:  . . 1904 

155.  Putscher,  J.  Wilh.,  Privatmann,  Reichsstr.  26  1872 

156.  Rahenhorst,  G.  Ludw.,  Privatmann,  Stolpenerstr.  8 1881 

157.  Range,  E.  Alb.,  Oberbaurat,  Blumenstr.  1 1898 

158.  Rebenstorff,  Herrn.  Alb.,  Professor  beimK.  Sachs.  Kadettenkorps,  Glacisstr.3  1895 

159.  Reichard,  Max,  Dipl. -Bergingenieur,  Struvestr.  32  1905 

160.  Reichardt,  Alex.  Wilibald,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  am  Wettiner 

Gymnasium,  Chemnitzerstr.  35  1897 

161.  Renk,  Friedr.,  Dr.  med.,  Geh.  Medizinalrat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule  und  Direktor  der  Zentralstelle  für  öffentliche  Gesundheitspflege, 
Münchner  Platz  16 . 1894 

162.  Richter,  F.  Arth.,  Privatmann,  Blasewitz,  Marschall- Allee  18 1899 

163.  Richter,  K.  Wilh.,  Dr.  med.,  Hähnelstr.  1 1898 

164.  Richter,  Konrad,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Räcknitz,  Friedrich  Wilhelm- 

strafse  74  1895 


XI 


Jahr  der 
Aufnahme. 

165.  Richter  I,  M.  J.  Em.,  Dr.  jur.,  Rechtsanwalt,  Grunaerstr.  16 1901 

166.  Riemer,  Osk.,  Chemiker,  Braumeister,  Chemnitzerstr.  58  1906 

167.  Röhner,  K.  Wilh.,  Bezirksschullehrer,  Elisenstr.  16 1898 

168.  Rohrs,  Eriedr.,  Cand.,  Lehrer  an  der  Handelsschule,  Behrischstr.  16  . . . 1907 

169.  Rühencamp,  Roh.,  Dr.  phil,  Fabrikdirektor,  Blasewitz,  Südstr.  17  . . 3903 

170.  Salbacli,  Franz,  Dipl.-Ingenieur,  Uhlandstr.  2 . . 1895 

171.  Saupe,  Albin,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Kyffhäuserstr.  17  . 1907 

172.  Schade,  Albin,  Gymnasiallehrer,  Struvestr.  3 1906 

173.  Schanz,  Fritz,  Dr.  med.,  Oberarzt  am  Karolahaus,  Pragerstr.  36  ....  1901 

174.  Scheele,  Kurt,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium, 

Blasewitzerstr.  13 1893 

175.  Scheidhauer,  Rieh.,  Zivilingenieur,  Reinickstr.  9 1898 

176.  Schiller,  Karl,  Privatmann,  Bautznerstr.  47  1872 

177.  Schlaginhaufen,  Otto,  Dr.  phil.,  wissenschaftl.  Hilfsarbeiter  am  K.  Zoolog. 

und  Anthrop.  - ethnogr.  Museum,  Galeriestr.  9 1907 

178.  Schmidt,  Herrn.  G.,  Bezirksschullehrer,  Niederwaldstr.  15 1898 

179.  Schneider,  Bernh.  Alfr.,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Schandauerstr.  43  ....  1895 

180.  Schönfeld,  Jul.  Georg,  Bezirksschullehrer,  Naufslitz,  Annabergerstr.  2 . . 1905 

181.  Schöpf,  Adolf,  Kommissionsrat,  Betriebsdirektor  des  Zoologischen  Gartens, 


182.  Schorler,  Bernh.,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  und  Kustos  des  Herbariums 

an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Krenkelstr.  34  1887 

183.  Schreiber,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor,  Direktor  des  K.  Sachs.  Meteorolog. 

Instituts,  Gr.  Meifsnerstr.  15 1888 

184.  Schulze,  Georg,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule, 

Markgraf enstr.  34  1891 

185.  Schulze,  Jul.  Ferd.,  Privatmann,  Liebigstr.  2 1882 

186.  Schunke,  Th.  Huldreich,  Dr.  phil.,  Professor,  Seminaroberlehrer,  Blase witz, 

Waldparkstr.  2 1877 

187.  Schwede,  Rud.,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Gutzkowstr.  28  1901 

188.  Schweissinger,  Otto,Dr.  phil., Apotheker,  Medizinalrat, Dippoldiswaldaerplatz 3 1890 

189.  Schwotzer,  Mor.,  Bürgerschullehrer,  Kl.  Plauenschestr.  12 1891 

190.  Seyde,  F.  Ernst,  Kaufmann,  Strehlenerstr.  29  ...  1891 

191.  Seyler,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Nürnbergerstr.  30b 1905 

192.  Simon,  H.  Jos.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Pllanzenphysiologischen  Ver- 

suchsstation, Pirnaischestr.  32  1904 

193.  Sohle,  Ulrich,  Dr.  phil.,  Geolog,  Bernhardstr.  28  1904 

194.  Stadelmann,  Heinr.,  Dr.  med.,  Bismarckplatz  9 1905 

195.  Stauss,  Walt.,  Dr.  phil.,  Chemiker  der  städtischen  Gaswerke,  Pillnitz erstr.  57  1885 

196.  Stephan,  R.  Karl,  Apothekenbesitzer,  Bautznerstr.  15 1904 

197.  Stiefelhagen,  Hans,  Bezirksschullehrer,  Christianstr.  7 1897 

198.  Stresemann,  Rieh.  Theod.,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Residenzstr.  42  ....  1897 

199.  Struve,  Alex.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer,  Struvestr.  8 1898 

200.  Tedesco,  Adolf,  Fabrikdirektor  a.  D.,  Blasewitz,  Forsthausstr.  4 1903 

201.  Tempel,  Paul,  Professor,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Mark- 

grafenstr.  37  1891 

202.  Thallwitz,  Joh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Mathildenstr.  6 . 1888 

203.  Thiele,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Winckelmannstr.  27  1895 

204.  Thiele,  Karl,  Apotheker,  Leipzigerstr.  82  1900 

205.  Thümer,  Ant.  Jul.,  Institutsdirektor,  Blasewitz,  Residenzstr.  12 1872 

206.  Toepler,  Aug.,  Dr.  phil.  et  med.,  Geh.  Rat,  Professor  a.  D.,  Reichenbachstr.  9 1877 

207.  Toepler,  Max,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Techn.  Hochschule,  Uhlandstr.  40  1896 

208.  Tschaplowitz,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Privatmann,  Kurfürstenstr.  11 1906 

209.  Uhlig,  Job.,  Dr.phii.,  Assistent  ander  K.  Technischen  Hochschule,  Werderstr.  12  1906 

210.  Ulbricht,  F.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Geh.  Baurat,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Hettnerstr.  3 1885 

211.  Verhoeff,  Karl  Wilh.,  Dr.phii,  Zoolog,  Pohlandstr.  25  1906 

212.  Yiehmeyer,  Hugo,  Bezirksschullehrer,  Reissigerstr.  21  .......  1898 

213.  Yieth,  Joh.  von,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt, 

Arndtstr.  9 1884 

214.  Yogel,  G.  Klemens,  Bezirksschullehrer,  Lindenaustr.  25  1894 

215.  Yogel,  J.  Karl,  Fabrikbesitzer,  Leubnitz  erstr.  14 1881 

216.  Yorländer,  Herrn.,  Privatmann,  Parkstr.  2 1872 

217.  Wagner,  M.  Joh.,  Dr.phii,  Bürgerschullehrer,  Spenerstr.  51 1903 


XII 


Jahr  der 
Aufnahme. 


218.  Wagner,  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Eisenacherstr.  18 

219.  Walther,  Reinhold  Freiherr  von,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Münchnerstr.  15 

220.  Wanderer,  Karl,  Dr.  phil.,  wissenschaftl.  Hilfsarbeiter  am  K.  Miner. -geolog. 

Museum  nebst  der  Prähistor.  Sammlung,  Wintergartenstr.  29 

221.  Wandolleck,  Benno,  Dr.  phil.,  Direktorialassistent  am  K.  Zoolog,  und  Anthrop.- 

ethnogr.  Museum,  Terrassenufer  21 

222.  Weher,  Friedr.  Aug.,  Institutslehrer,  Zirkusstr.  34 

223.  Weher,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Nahrungsmittelchemiker,  Loschwitz,  Leonhardistr.  5 

224.  Weigel,  Joh.,  Kaufmann,  Marienstr.  12  

225.  Weissbach,  Joh.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Daheimstr.  19 

226.  Werner,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Elisenstr.  79 

227.  Werther,  Joh.,  Dr.  med.,  Oberarzt  am  Stadtkrankenhause,  Sedanstr.  47  . . 

228.  Wicke,  Fritz,  Dr.  phil.,  Realschullehrer,  Zwickauerstr.  42 

229.  Wiechel,  Hugo,  Oberbaurat,  Bismarckplatz  14 

230.  Winzer,  Hugo,  Dr.  phil.,  Privatmann,  Mockritzerstr.  6 

231.  Witting,  Alex.,  Dr.  phil.,  Prof.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule,  Waterloostr.  13 

232.  Wohst,  Karl,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Ammonstr.  78  . . 

233.  Wolf,  Theod.,  Dr.  phil.,  Privatgelehrter,  Hohestr.  62 

234.  Zeuner,  Gust.,  Dr.  phil.,  Geh.  Rat,  Professor  a.  D.,  Lindenaustr.  la  . . . 

235.  Zielke,  Otto,  Apotheker,  Altmarkt  10 

236.  Zipfel,  E.  Aug.,  Bezirksschuldirektor,  Zöllnerstr.  7 

237.  Zsckau,  E.  Fchgtt.,  Professor,  Klingenbergerstr.  5 

238.  Zschnppe,  F.  Aug.,  Finanzvermessungsingenieur,  Holbeinstr.  15 


1897 


1895 


1906 

1906 

1865 

1893 

1894 
1903 

1902 
1896 
1905 
1880 

1903 
1886 
1868 
1891 
1874 
1899 
1876 
1849 
1879 


B.  Aufserhalb  Dresden. 


239.  Arldt,  Th.,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  in  Radeberg,  Badstr.  8 . . . . 1906 

240.  Beck,  Ant.  Rieh.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  ....  1896 

241.  Boxberg,  Georg  von,  K.  Kammerherr,  Rittergutsbesitzer  auf  Rehnsdorf  bei 

Kamenz,  Sa 1883 

242.  Carlowitz,  Karl  von,  K.  Kammerherr,  Majoratsherr  auf  Liebstadt  ....  1885 

243.  Dietel,,  E.,  Hauptmann  und  Batteriechef  im  K.  Sachs.  Feldartillerieregiment 

Nr.  28  in  Pirna 1902 

244.  Döring,  Horst  von,  K.  Oberförster  in  Klotzsche -Königswald,  Gartenstr.  22  1905 

245.  Engelhardt,  Rud.,  Dr.  phil.,  Dipl.  - Chemiker  in  Oberlöfsnitz,  Reichsstr.  19  . 1896 

246.  Escherick,  K.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . 1907 

247.  Fritzsche,  Felix,  Privatmann  in  Niederlöfsnitz,  Wilhelmstr.  2 1890 

248.  Gehler,  Walter,  Fabrikbesitzer  in  Pirna,  Mühlenstr.  10-12 1904 

249.  Häkle,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Radebeul,  Leipzigerstr.  103  ....  1897 

250.  Hentschel,  L.  W.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Rittergutsbesitzer,  Buchholz- 

Fried  ewald  1902 

251.  Hoffmann-Lincke,  Max,  Privatmann  in  Radebeul,  Leipzigerstr.  17  ...  . 1902 

252.  Jentsch,  Joh.  Aug.,  emer.  Lehrer  in  Klotzsche,  Königsbrückerstr.  86  . . . 1885 

253.  Jentzsch,  Albin,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Radebeul,  Goethestr.  34  . . 1896 

254.  Kesselmeyer,  Charles,  Privatmann  in  Bowdon,  Cheshire 1863 

255.  Krntzsch,  Herrn.,  K.  Oberförster  in  Hohnstein 1894 

256.  Mammen,  F.,  Dr.  phil.,  Forstassessor,  Privatdozent  an  der  K.  Forstakademie 

in  Tharandt 1902 

257.  Müller,  Karl,  Apotheker,  Niederpoyritz,  Pillnitzerstr.  13 1904 

258.  Neger,  Frz.  Wilh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1905 

259.  Schreiber,  Alfred,  Dr.  ing.,  K.  Eisenbahn -Bauinspektor  in  Niedersedlitz  . 1907 

260.  Seidel,  T.  J.  Rud.,  Kunst-  und  Handelsgärtner  in  Grüngräbchen  ....  1899 

261.  Siegert,  Theod.,  Bergrat,  Professor,  Badebeul,  Gabelsbergerstr.  1 . . . . 1895 

262.  Thiermann,  Rud.,  Forstassessor,  Assistent  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt 1906 

263.  Täter,  Heinrich,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1882 

264.  Weinmeister,  Joh.  Philipp,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt 1900 

265.  Wislicenus,  Adolf,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1899 

266.  Zetzsche,  Frz.,  Nahrungsmittelchemiker,  Assistent  an  der  Techn.  Prüfungs- 


stelle der  K.  S.  Zoll-  und  Steuerdirektion,  Kötzschenbroda,  Schützenstr.  19  1906 


XIII 

Jahr  der 
Aufnahme. 

III.  Korrespondierende  Mitglieder. 

1.  Alberti,  Osk.  von,  Regierungsrat,  Badedirektor  in  Elster 1890 

2.  Altenkirch,  Gust.  Mor.,  Dr.  phil.,  Realschullehrer  in  Oschatz 1892 

3.  Amthor,  K.  E.  A.,  Dr.  phil.,  in  Hannover 1877 

4.  Ancona,  Cesare  de,  Dr.,  Professor  am  R.  Institnto  di  studi  snperiori  in  Florenz  1863 

5.  Ardissone,  Franz,  Dr.  phil.,  Professor  an  dem  Technischen  Institut  und  der 

Ackerhauschule  in  Mailand 1880 

6.  Artzt,  Ant.,  Vermessungsingenieur  in  Plauen  i.  V 1883 

7.  Ascherson,  Paul,  Dr.  phil.,  Geh.  Regierungsrat,  Prof,  an  der  Universität  in  Berlin  1870 

8.  Bachmann,  Ewald,  Dr.  phil.,  Professor,  Konrektor  an  der  Realschule  in 

Plauen  i.  V 1883 

9.  Baltzer,  Armin,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Bern 1883 

10.  Barth,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Institutsoberlehrer  in  Leipzig 1903 

11.  Bernhardi,  Joh.,  Landhauinspektor  in  Altenburg 1891 

12.  Bibliothek,  Königliche,  in  Berlin 1882 

13.  Blaschka,  Rud.,  naturwissensch.  Modelleur  in  Hosterwitz 1880 

14.  Blochmann,  Rud.,  Dr.  phil.,  Physiker  am  Marinelaboratorium  in  Kiel  . . . 1890 

15.  Brusina,  Spiridion,  Professor  an  der  Universität  in  Agram 1870 

16.  Bureau,  Ed.,  Dr.,  Professor  am  naturhistor.  Museum  in  Paris 1868 

17.  Capelle,  G.,  Apotheker  in  Springe 1903 

18.  Carstens,  K.  Dietr.,  Ingenieur  in  Varel 1874 

19.  Conwentz,  Hugo  Willi.,  Dr.  phil.,  Professor,  Direktor  des  Westpreuss.  Pro- 

vinzialmuseums in  Danzig 1886 

20.  Danzig,  Emil,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Rochlitz  1883 

21.  Dathe,  Ernst,  Dr.  phil.,  Geh.  Bergrat,  K.  Preufs.  Landesgeolog  in  Berlin  . 1880 

22.  Dittmarsch,  Alfr.  Ludw.,  Bergschuldirektor  in  Zwickau 1870 

23.  Döll,  Ed.,  Dr.,  Oberrealschuldirektor  in  Wien 1864 

24.  Doss,  Bruno,  Dr.  phil.,  Professor  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga  ....  1888 

25.  Dzieduszycki,  Wladimir  Graf,  in  Lemberg 1852 

26.  Eisei,  Roh.,  Privatus  in  Gera 1857 

27.  Flohr,  Konrad,  Amtsgerichtsrat  in  Leipzig 1879 

28.  French,  0.,  Esqu.,  Go  vernement  Entomologist  in  Melbourne 1877 

29.  Friederich,  A.,  Dr.  med.,  Sanitätsrat  in  Wernigerode  1881 

30.  Friedrich,  Osk.,  Dr.  phil.,  Professor,  Konrektor  am  Gymnasium  in  Zittau  . 1872 

31.  Fritsch,  Ant.,  Dr.  med.,  Professor  an  der  Universität  und  Direktor  a.  D.  des 

böhmischen  Landesmuseums  in  Prag 1867 

32.  Gaudry,  Alb.,  Dr. , Membre  de  lTnstitut,  Professor  am  naturhistorischen 

Museum  in  Paris 1868 

33.  Geheeb,  Adelb.,  Apotheker  in  Freihurg  i.  Br 1877 

34.  Geinitz,  Frz.  Eug.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Rostock  . . . 1877 

35.  Gonnerinann,  Max,  Dr.  phil.,  Apotheker  und  Chemiker  in  Rostock  . . . 1865 

36.  Groth,  Paul,  Dr.  phil.,  Geh.  Rat,  Professor  an  der  Universität  in  München  . 1865 

37.  Haupt,  Em.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Bautzen 1902 

38.  Heim,  Alb.,Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  und  am  Polytechnikum  in  Zürich  1872 

39.  Heine,  Ferd.,  K.  Domänenpächter  und  Klostergutsbesitzer  auf  Hadmersleben  1863 

40.  Hennig,  Georg  Rieh.,  Dr.  phil.,  Dozent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga  . 1888 

41.  Herb,  Salinendirektor  in  Traunstein 1862 

42.  Hernnann,  Wilh.,  Dr.  theol.  et  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Marburg  1862 

43.  Hibsch,  Emanuel,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Höh.  Ackerbauschule  in  Lieb- 

werd  hei  Tetschen 1885 

44.  Hilgard,  W.  Eug.,  Professor  an  der  Universität  in  Berkeley,  Kalifornien  . . 1869 

45.  Hirzel,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Leipzig 1862 

46.  Hofmann,  Herrn.,  Bürgerschullehrer  in  Grofsenhain 1894 

47.  Hottenroth,  Isidor  R.  M.,  Lehrer  in  Gersdorf 1903 

48.  HuU,  Ed.,  Dr.,  Professor  in  London 1870 

49.  Issel,  Arth.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Genua 1874 

50.  Jentzscb,  Alfr.,  Dr.  phil.,  Professor,  K.  Preufs.  Landesgeolog  in  Berlin  . 1871 

51.  Kesselmeyer,  Wilh.,  in  Manchester 1863 

52.  Kirbach,  Fr.  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Realschule- in  Meifsen  . . 1894 

53.  Klein,  Herrn.,  Herausgeber  der  „Gaea“  in  Köln 1865 

54.  Köhler,  Ernst,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  a.  D.  in  Schneeberg 1858 

55.  König  von  Warthausen , Wilh.  Rieh.  Freiherr  von,  Kammerherr  auf  Wart- 

hausen bei  Biberach 1855 


XIY 


Jahr  der 
Aufnahme. 

56.  Krebs,  Wilh.,  Privatgelehrter  in  Altona 1885 

57.  Krieger,  W.,  Lehrer  in  Königstein 1888 

58.  Kyber,  Arth.,  Chemiker  in  Riga 1870 

59.  Lanzi,  Matthaeus,  Dr.  med.,  in  Rom 1880 

60.  Lapparent,  Alb.  de,  Ingenieur  des  mines,  Professor  in  Paris 1868 

61.  Letevre,  Theod.,  Dr.,  in  Brüssel 1876 

62.  Leonhardt,  Otto  Emil,  Seminaroberlehrer  in  Nossen 1890 

63.  Liittke,  Joh.,  Dr.  phil. , Fabrikbesitzer  in  Hamburg 1884 

64.  Mann,  Otto,  Dr.  phil.,  Geolog  in  Berlin  . 1903 

65.  Mayer,  Charles,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Zürich 1869 


67.  Menzel,  Karl,  Geh.  Bergrat,  Bergamtsrat  a.  D.  in  Ereiberg.  ...  . . . . 1869 

68.  Möller,  Yalerian  von,  Kais.  Russ.  Staatsrat,  Oberberghauptmann  in  Petersburg  1869 

69.  Müller,  Herrn.  Otto,  K.  Oberförster  in  Unterwiesenthal . • 1896 

70.  Müller,  K.  Alb.,  Dr.  phil.,  Professor,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Pirna  1888 

71.  Muhle,  Willy,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  in  Kamenz 1905 

72.  Naschold,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Aussig 1866 

73.  Naumann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Geolog  in  Berlin 1898 

74.  Naumann,  Herrn.,  Professor  an  der  Realschule  in  Bautzen  ........  1884 

75.  Nobbe,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrat,  Prof,  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1864 

76.  Osborne,  Wilh.,  Privatmann  in  München 1876 

77.  Osborne,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  München 1898 

78.  Pabst,  Mor.,  Dr.  phil.,  Professor,  Konrektor  am  Realgymnasium  in  Chemnitz  1866 

79.  Pabst,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Kustos  der  naturhistor.  Sammlungen  in  Gotha  . . 1881 

80.  Papperitz,  Erwin,  Dr.  phil.,  Oberbergrat,  Professor  an  der  K.  Bergakademie 

in  Freiberg 1886 

81.  Peschei,  Ernst,  Lehrer  in  Nünchritz 1899 

82.  Petrascheck,  Wilh.,  Dr.  phil.,  K.  K.  Sektionsgeolog  in  Wien . . . . . . 1900 

83.  Pigorini,  L.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  und  Direktor  des  prähistor. 

und  Kircherianischen  Museums  in  Rom 1876 

84.  Prasse,  Ernst  Alfr.,  Betriebsingenieur  a.  D.  in  Leipzig 1866 

85.  Rathsburg,  A.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  in  Chemnitz 1906 

86.  Rehmann,  Antoni,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Lemberg  ....  1869 

87.  Reiche,  Karl,  Dr.  phil.,  in  Santiago,  Chile 1886 

88.  Reidemeister,  K.,  Dr.  phil.,  Fabrikdirektor  in  Schönebeck 1884 

89.  Rimann,  Eberhard,  Dr.  phil.,  Student  in  Freiberg . 1905 

90.  Schimpfky,  Paul  Ricli.,  Lehrer  in  Lommatzsch.  1894 

91.  Schnorr,  Veit  Hans,  Professor  und  Konrektor  a,  D.  in  Zwickau  ....  1867 

92.  Scott,  Dr.  phil.,  Direktor  der  Meteorological  Office  in  London 1862 

93.  Seidel,  Osk.  Mor.,  Seminaroberlehrer  in  Zschopau 1883 

94.  Seidel,  Heinr.  Beruh  , Seminaroberlehrer  in  Zschopau  . . • • • • • • 1872 

95.  Seidlitz,  Georg  von,  Dr.  phil.,  in  Ludwigsort  bei  Königsberg  i.  Pr.  . . . 1868 

96.  Sieber,  Georg,  Privatus  in  Niederlöfsnitz 1879 

97.  Stephani,  Franz,  Kaufmann  in  Leipzig 1893 

98.  Sterzei,  Joh.  Traug.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  I.  höheren  Mädchenschule 

in  Chemnitz j 1876 

99.  Steuer,  Alex.,  Dr.phil.,  Bergrat,  Grofsherzogl.  Hess.  Landesgeolog  in  Darmstadt  1888 

100.  Stevenson,  John  J.,  Professor  an  der  University  of  the  City  in  New -York  1892 

101.  Temple,  Rud.,  Direktor  des  Landesversicherungamts  in  Budapest  ....  1869 

102.  Thiimer,  K.  A.,  Dr.  med.  in  Karlshorst  bei  Berlin  . . . . . . . . . 1904 

103.  Ulrich,  George  H.  F.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Dunedin, 

Neu- Seeland 1876 

104.  Umlauf,  Karl,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  in  Hamburg . . . . 1897 

105.  Yetters,  K.,  Dr.  phil.,  Prof,  an  den  Technischen  Staatslehranstalten  in  Chemnitz  1884 

106.  Yoigt,  Bernh.,  Steuerrat,  Bezirkssteuerinspektor  a.  D.  in  Oberloschwitz  . . 1867 

107.  V oretzsch,  Max,  Dr.  phil. , Prof,  am  Herzog!  Ernst-Realgymnasium  in  Altenburg  1893 

108.  Weinland,  Dav.  Friedr.,  Dr.,  in  Hohen  Wittlingen  bei  Urach 1861 

109.  Weise,  Aug.,  Buchhalter  in  Ebersbach 1881 

110.  Welemeusky,  Jak.,  Dr.  med.  in  Prag 1882 

111.  White,  Charles,  Dr.,  Kurator  am  National -Museum  in  Washington  . . . 1893 

112.  Wiesner,  Jul.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Wien  . 1868 

113.  Worgitzky,  E.  Gg.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  in  Frankfurt  a.  M 1894 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1907. 


I.  Sektion  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  24.  Januar  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K.  Heller. 
— Anwesend  32  Mitglieder. 

Dr.  B.  Wandolleck  spricht  über  Brutpflege  im  Tierreich  und 
erläutert  seine  Ausführungen  durch  40  Original-Projektionsbilder. 

Die  Brutpflege  ist  aufzufassen  als  ein  Teil  des  im  Tiere  ruhenden  Triebes,  die  Art 
sicher  fortzupflanzen.  Die  Besprechung  der  verschiedenartigen  Mittel,  der  sich  die  ver- 
schiedenen Tiere  bedienen,  um  diesen  Zweck  zu  erreichen,  und  die  mit  der  Mitgabe  von 
Nahrungsdotter  und  einer  riesigen  Keimfruchtbarkeit  beginnen  und  mit  einer  Brutpflege, 
wie  sie  der  Mensch  ausübt,  schliefsen,  bildet  den  Inhalt  des  Vortrages. 

Im  Anschlufs  daran  erwähnt  der  Vorsitzende  die  eigentümliche 
Brutpflege  bei  Passaliden  (Coleoptera),  die  von  Dr.  Fr.  Ohaus  ent- 
deckt und  in  der  Entomolog.  Zeitung,  Stettin  1900,  S.  164  u.  f.  beschrieben 
wurde. 

Lehrer  H.  Viehmeyer  spricht  über  den  Hochzeitsflug  und  die 
Nestgründung  der  Ameisen,  speziell  von  Camponotus  ligni- 
perda  Ltr. 

Vortragender  beobachtete  den  Hochzeitsflug  dieser  Art  am  27.  Juni  1906  in  der 
Dresdner  Heide.  Eine  eigentliche  Schwarmbildung  war  nicht  vorhanden,  die  Geschlechts- 
tiere kreisten  einzeln  in  Mannshöhe  über  dem  Waldboden.  Eine  grofse  Anzahl  von 
Kolonien  mufste  sich  an  dem  Fluge  beteiligen,  denn  über  eine  Stunde  weit  war  die  Luft 
von  geflügelten  Ameisen  erfüllt.  Die  Weibchen  waren  in  der  Überzahl.  Nach  kurzem 
Fluge  sanken  sie  entkräftet  zur  Erde,  kletterten  an  den  Grashalmen  empor,  um  von 
deren  Spitzen  aus  wieder  aufzufliegen.  Ein  entflügeltes  Weibchen  wurde  mitgenommen; 
es  legte  schon  nach  einigen  Tagen  sechs  Eier,  die  aber  infolge  des  Austrocknens  des 
Nestes  zu  gründe  gingen.  Ende  August  waren  sechs  neue  Eier  vorhanden.  Die  daraus- 
schlüpfenden Larven  sind  jetzt  2 mm  grofs.  Einige  nachgelegte  Eier  und  auch  eine 
der  Larven  wurden  von  der  Mutter  gefressen.  Die  Königin  erhielt  nur  Wasser. 


Zweite  Sitzung  am  14.  März  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi. 
— Anwesend  32  Mitglieder. 

Dr.  B.  Wandolleck  spricht  über  Mifsbildungen  bei  Reptilien. 

Der  Vortragende  bespricht  eine  typische  Buckelbildung  bei  Testudo  graeca  L.  und 
erläutert  seinen  Vortrag  durch  Demonstration  des  betreffenden  Exemplares,  einer  Ab- 
bildung der  verbildeten  Wirbelsäule  und  derjenigen  eines  normalen  Exemplares.  Hierzu 
wird  vorgelegt : 

Wandolleck,  B.:  Eine  bucklige  Testudo  graeca’L.  Zoolog.  Jahrb.  XX,  1904. 

Anschliefsend  spricht  Derselbe  über  die  Regenerationserschei- 
nungen von  Reptilien,  besonders  über  die  Versuche  von  Tornier,  unter 
Vorlage  von 


4 


Meliely,  L.  von:  Ueber  das  Entstehen  überzähliger  Gliedmafsen.  Mathem. 
und  naturwiss.  Ber.  aus  Ungarn  XX,  1904; 

Tornier,  G.:  Ueber  Amphibiengabelschwänze  und  einige  Grundgesetze 
der  Generation.  Zoolog.  Anzeiger  XXIII,  1900; 

Tornier,  G.:  Ueber  experimentell  erzeugte  dreischwänzige  Eidechsen  und 
Doppelgliedmafsen  von  Molchen,  und:  Ueber  Operationsmethoden,  welche 
sicher  Hyperdaktylie  erzeugen,  mit  Bemerkungen  über  Hyperdaktylie 
und  Hyperpedie.  Ebenda  XX,  1897; 

Tornier,  G. : Neues  über  das  natürliche  Entstehen  und  experimentelle 
Erzeugen  überzähliger  und  Zwillingsbildungen.  Ebenda  XXIV,  1901; 

Tornier,  G.:  Ueber  Hyperdaktylie,  Regeneration  und  Vererbung,  mit 
Experimenten.  Archiv  f.  Entwickelungsmechanik  der  Organismen,  Bd.  III , 
Heft  4 und  Bd.  IV,  Heft  1,  1896. 

Dr.  K.  Verhoeff  erinnert  daran,  dafs  bei  Chilopoden  etwas  ähnliches, 
nämlich  eine  komplimentäre  Ergänzung  der  Segmente  vorkommt. 

Dr.  M.  Mann  vermutet  als  Ursache  der  Verbildung  der  Wirbelsäule 
tuberkulöse  Erkrankung  derselben. 

Prof.  Dr.  A.  Jacobi  weist  darauf  hin,  dafs  man  bei  jungen  Hunden 
durch  mechanische  Einwirkungen  auch  Verkrümmungen  der  Wirbelsäule 
hervorrufen  könne. 

Dr.  0.  Schlaginhaufen  spricht  über  den  Körperbau  eines  jungen 
Schimpansen. 

Es  handelt  sich  um  ein  vierjähriges,  dem  Zoologischen  Museum  unlängst  zugegangenes 
Exemplar.  Der  Vortragende  vergleicht  in  eingehender  Weise  die  Körpermafse  dieses 
Tieres  mit  denen  eines  gleichalterigen  Menschen.  Zur  Erläuterung  dienen  verschiedene 
Tafeln.  Darauf  spricht  er  über  die  Farbe  und  das  Relief  der  Haut,  besonders  von  Hand 
und  Fufs,  und  schliefslich  von  dem  Ohre.  Die  ausführliche  Bearbeitung  dieses  Gegen- 
standes erschien  in  den  Abhandl.  und  Ber.  des  K.  Zoolog.  Museums  Dresden  XI,  1907. 
Es  zirkulieren: 

Fritsch,  G. : Die  Gestalt  des  Menschen,  2.  Aull.  Stuttgart  1905; 

Meyer,  A.  B.:  Notizen  über  die  anthropomorphen  Affen  des  Dresdener 
Museums.  Mitteil,  aus  dem  K.  Zoolog.  Museum  zu  Dresden  II.  Heft, 
Dresden  1877,  und  zwei  Gypsabgüsse  von  Fufs  und  Hand  und  Photo- 
graphien von  Fufs  und  Hand,  Kopf  und  Ohr  des  Schimpansen. 

Prof.  Dr.  A.  Jacobi  spricht  über  Schrillapparate  bei  Singzikaden. 

Der  Vortragende  geht  von  dem  nach  dem  Prinzip  der  Zungenpfeifen  gebildeten, 
bekannten  Stimmorgane  unserer  südeuropäischen  Ciccida  plebeja  aus  und  schildert  dann 
einen  Schrillapparat,  der  sich  bei  der  Gattung  Tettigacles  (Chile)  vorfindet.  Er  besteht 
aus  Schrilleisten  auf  einem  ovalen  Felde  in  der  Nähe  der  Vorderecke  des  Mittelrückens. 
Auf  diesem  Felde  reibt  eine  Leiste,  die  sich  an  der  Unterseite  eines  nach  aufwärts  ge- 
bogenen Lappens  des  Vorderflügels  befindet. 


Dritte  Sitzung  am  16.  Mai  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi. 
— Anwesend  34  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  referiert  über  die  Stellung  des  natur- 
wissenschaftlichen Unterrichts  an  den  Mittelschulen.  Der  Referent 
kommt  zu  folgenden  Thesen: 

1.  Für  die  Auswahl  und  Behandlungsart  alles  naturwissenschaftlichen  Lehrstoffes 
ist  nicht  das  Bedürfnis  des  künftigen  Studierenden  der  Naturwissenschaften  mafsgebend, 
sondern  lediglich  die  Rücksicht  auf  den  kraftbildenden  Wert  des  Stoffes,  seine  Wichtig- 
keit für  die  Erkenntnis  des  Naturganzen,  in  zweiter  Linie  sein  praktischer  Nutzen  für 
den  Menschen. 

2.  Nicht  die  Erwerbung  einer  grofsen  Summe  von  Einzelkenntnissen,  nicht  die 
Vorführung  möglichst  vieler  Naturobjekte  bildet  die  Hauptsache  des  naturwissenschaft- 
lichen Unterrichts ; es  soll  vielmehr  ein  Einblick  in  die  Lebenstätigkeit  der  Organismen 


5 


und  in  die  dynamischen  Vorgänge  in  der  anorganischen  Natur  als  dauernder  geistiger 
Besitz  dem  Schüler  vermittelt  werden. 

3.  Ein  solcher  Einblick  ist  nur  auf  Grund  chemischer  und  physikalischer  Kennt- 
nisse möglich;  daraus  ergibt  sich  die  Notwendigkeit,  dafs  sowohl  der  mineralogisch- 
geologische, als  der  zoologisch-botanische  Unterricht  bis  auf  die  Oberstufe  neunklassiger 
Anstalten  durchgeführt  werden  mufs.  Es  wird  dabei  vorausgesetzt,  dafs  Physik  und 
Chemie  in  ihrem  bisherigen  Umfange  erhalten  bleiben. 

4.  Den  Abschlufs  des  gesamten  biologischen  Unterrichts  mufs  eine  Betrachtung  der 
physiologischen  Vorgänge  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Punktionen  des  mensch- 
lichen Körpers  bilden. 

5.  Durch  Beschränkung  des  Tatsachenmaterials  in  der  anorganischen  Chemie  ist 
darnach  zu  streben,  dafs  im  letzten  Kursus  hinreichend  Zeit  für  Berücksichtigung  der 
organischen  Chemie  gewonnen  werde. 

6.  Ein  voller  Erfolg  des  biologischen  und  geologischen  Unterrichts  kann  nur  er- 
zielt werden,  wenn  er  durch  Ausflüge  und  durch  Lösung  leichter  Beobachtungsaufgaben 
zu  einem  Teile  in  die  Natur  selbst  verlegt  wird. 

Diese  Thesen  werden  nach  eingehender  Aussprache  einstimmig  an- 
genommen. 

Prof.  Dr.  A.  Jacobi  spricht  über  die  Beuteltiere. 

Der  Vortragende  gibt  zunächst  einen  Überblick  über  den  Bau  der  Marsupialien, 
wobei  er  die  Bildung  des  Gebisses  und  die  darauf  gegründete  Einteilung  in  dipro- 
todonte  und  polyprotodonte  Beuteltiere  näher  erörtert  und  die  Einschränkung  des  Zahn- 
wechsels hervorhebt.  Sodann  wird  die  Familie  nach  den  Eigenschaften  ihrer  Organi- 
sation und  Lebensweise  besprochen  und  durch  Vertreter  in  ausgestopften  Exemplaren, 
Skeletten  und  Abbildungen  veranschaulicht;  die  durch  gleiche  Lebensweise  entstandenen 
konvergenten  Eigenschaften  vieler  Formen  (mit  plazentalen  Säugetieren)  Anden  besondere 
Erwähnung.  Weiter  geht  der  Bedner  auf  die  geographische  Verbreitung  der  Marsupialien 
ein,  die  sich  durch  das  Vorkommen  fossiler  Formen  befriedigend  erklären  läfst;  er 
schliefst  mit  dem  Hinweise,  dafs  man  in  den  Beuteltieren  nicht,  wie  es  besonders  früher 
geschah,  die  Vorfahren  der  höheren  Säuger  erblicken  darf,  sondern  eine  selbständige 
Abzweigung  von  den  Mammalia  ditremata,  die  sich  .in  eigenen  Bahnen  weiter  entwickelt 
und  deutliche  Sonderausbildung  ihrer  einzelnen  Aste  unter  der  Verschiedenheit  der 
Lebensweise  erlangt  hat.  Allerdings  dürften  diese  Vierfüfser  den  Höhepunkt  ihrer 
Stammesgeschichte  seit  dem  Pleistozän,  wo  weit  gröfsere  Gestalten  vorhanden  waren, 
überschritten  haben. 


II.  Sektion  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  7.  Februar  1907.  Vorsitzender:  Geb.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  44  Mitglieder  und  Gäste. 

Geb.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  über  die  Flora  der  Ant- 
arktis, insbesondere  nach  den  Veröffentlichungen  der  Chun-  und  Drygalski- 
schen  Expeditionen. 

Vorgelegt  werden  die  früheren  und  jetzigen  einschlägigen  Werke  von 

Wedell,  H.  A.:  Chloris  andina.  Paris  1855; 

Fries,  R.:  Zur  Kenntnis  der  alpinen  Flora  im  nördlichen  Argentinien. 

Nov.  act.  reg.  soc.  scientiar.  Upsaliensis  IV,  Vol.  I,  No.  1.  Upsala  1905; 
Voyage  au  Pole  Sud  et  dans  l’Oceanie.  Paris  1842 — 45; 

Düsen,  P.:  The  Vegetation  of  Western  Patagonia.  Stuttgart  1903; 
Nordenskjöld,  0. : Antarktic.  Zwei  Jahre  in  Schnee  und  Eis  am  Südpol. 
Berlin  1904; 

Schenk,  H.:  Flora  von  Kerguelen,  St.  Paul  und  Neu- Amsterdam. 
Wissensch.  Ergehn,  d.  deutschen  Tiefsee-Exped.  auf  d.  ValdiviavonC.  Chun, 
Bd.  II.  Jena  1905; 

Drygalski,  E.  von:  Deutsche  Südpolar-Expedition  1901—03,  VIII.  Band: 
Botanik.  Berlin  1906. 


G 


Weiter  legt  Dr.  B.  Schorler  von  neuerer  botanischer  Literatur 
vor  uncl  erläutert: 

Matsumura,J.  und  Hayata,  B.:  Enumeratio  plantarum  in  insula Formosa 
crescentium.  Journ.  of  the  College  of  Science  imp.  univers.  Tokyo,  Japan. 
Tokyo  1906; 

Verhandlungen  des  internationalen  botanischen  Kongresses  in  Wien  1905. 
Jena  1906; 

Lotsy,  J.  P.:  Progressus  rei  botanicae,  1.  Bd.,  1.  Hft.  Jena  1907; 

Vries,  H.  de:  Arten  und  Varietäten.  Berlin  1906; 

Lotsy,  J.  P.:  Vorlesungen  über  Descendenztheorien.  Jena  1906. 


Zweite  Sitzung  am  4.  April  1907  (in  Gemeinschaft  mit  der  Sektion 
für  Zoologie).  Vorsitzender:  Dr.  B.  Schorler. — Anwesend  Bl  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  demonstriert  die  Fortschritte  in  der  bild- 
lichen Darstellung  der  Diatomeen  von  Leeuwenhoek  an  bis  auf  die 
„Diatomaceae  Germaniae“  von  H.  v.  Schönfeldt  und 

spricht  hierauf  über  die  Lebensgeschichte  einiger  Mallomoncts- 
Arten. 

Mallomonas  longiseta  Lern,  und  M.  caudata  Iwan  wurden  von  ihm  im  vorigen 
Sommer  in  einem  Schwarzwasserteich  des  Erzgebirges  bei  Marienberg  gefunden.  Die 
beiden  Arten  zeigten  aber  nicht  den  gelben  Farbstoff,  welcher  sonst  den  Chrysomona- 
dinen  zukommt,  sondern  waren  chlorophyllgrün  gefärbt.  Diese  Färbung  wird  als  kom- 
plementäre Anpassung  an  das  gelbbraune  Torfwasser  gedeutet. 

Lehrer  G.  Dutschmann  schildert  die  Wirkung  des  Windes  auf 
die  Vegetation  von  Sylt,  unter  Vorlegung  zahlreicher  Photographien 
und  getrockneter  Pflanzen. 

Dr.  0.  Schlaginhaufen  trägt  vor  über  das  sog.  „Inkabein“,  eine 
Abänderung  des  Hinterhauptbeines  am  menschlichen  Schädel. 

Die  beiden  Abhandlungen,  welche  Vortragender  aufserdem  vorlegt: 
„Ueber  eine  Schädelserie  von  den  Marianen“  und  „Das  Hautleistensystem 
der  Primaten -Planta“,  macht  derselbe  der  Gesellschaft  zum  Geschenk. 


Dritte  Sitzung  am  6.  Juni  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude. 

Die  Sektion  versammelte  sich  nachmittags  Q1/^  Uhr  auf  dem  Bahn- 
hofe zu  Kötzschenbroda,  um  die  blühende  Trachycarpus  excelsa 
im  Wilhelmsbade  daselbst  zu  besichtigen. 

Der  Besitzer  des  Bades,  Herr  W.  Timmers,  empfing  die  Gesellschaft  auf  das 
freundlichste  und  führte  sie  auf  die  Veranda,  wo  die  blühende  Palme  mit  zwei  jüngeren 
Genossen  derselben,  früher  als  Chamaerops  excelsa  Thunbg.  beschriebene  Art,  frei  ohne 
jeden  Deckschutz  den  Sommer  über  steht,  während  sie  in  einem  ungeheizten  Vorraum 
sogar  nicht  einmal  ganz  frostfrei  überwintert.  Die  älteste,  jetzt  vielleicht  vier  Jahr- 
zehnte zählende  Palme  blühte  mit  vier  zwischen  den  Blattscheiden  herabgebogenen  und 
50—85  cm  Länge  (einschliefslich  Stiel!)  besitzenden  Kolben,  deren  schöne,  leuchtend  gelbe 
Blüten  eifrig  von  Pollen  sammelnden  Bienen  besucht  wurden.  Der  Vorsitzende  setzte 
die  eigentümliche  Geschlechtsverteilung  bei  Chamaerops  und  Trachycarpus  auseinander; 
die  Blüten  dieser  Palme  besitzen  neben  vollem  männlichen  Geschlecht  drei  wohl  aus- 
gebildete Carpelle,  deren  jedes  je  ein  anscheinend  befruchtungsfähiges  Ei  enthält.  Da 
die  Palme  in  früheren  Jahren  einige  halbreife  Früchte  ausbildete,  wäre  dieses  Mal  die 
Möglichkeit  erst  recht  vorhanden,  da  die  vier  Kolben  seit  dem  9.  Mai  bis  jetzt  bei  anfangs 
sehr  heifsem  Wetter  ungestört  geblüht  haben.  Es  ist  kein  sicheres  Anzeichen  dafür 


7 


vorhanden,  ob  das  weibliche  Geschlecht  in  den  Blüten  fruchtbar  sei  oder  nicht;  in  25 
untersuchten  Blüten  verschiedener  Kolben  war  es  ganz  gleichartig  gut  entwickelt. 

Nachdem  die  Gesellschaft  dann  noch  die  elektrischen,  kohlensauren  und  Lichtbad- 
Einrichtungen  genauer  besichtigt  hatte,  folgte  sie  einer  Einladung  ihres  eben  erst  von 
Korsica  zurückgekehrten  Mitgliedes  Herrn  AlbertKuntzein  dessen  Grundstück,  welches 
hoch  oben  auf  einer  schotterigen  Hügelspitze  über  der  früheren  Weinbergskultur  zwischen 
der  normalen  Hügelformation  von  Sedum- Arten,  JDianthus  Carthusianorum , Centaurea 
maculosa , Rosa  und  Rubus  den  jetzt  als  einzig  geltenden  Standort  von  Libanotis  mon- 
tana  im  Elbtal  einschliefst.  Die  für  uns  seltene  Umbellifere  findet  hier  auf  ca  100  Qm 
ein  üppiges  Gedeihen  und  beherrscht  an  manchen  Stellen  den  Geröllboden  ausschliefslich. 

Die  Gesellschaft  erfreute  sich  der  lieblichen  Aussicht  auf  das  glänzende  Band  der 
Elbe  im  Abendsonnenschein  und  verbrachte  bei  Wein  und  Erdbeerbowle  auf  der  Terrasse 
vor  der  Villa  eine  heitere  Abendstunde. 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  14.  Februar  1907.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  35  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  zwei  neue  Sektionen  (Fürstenwalde 
und  Hinterhermsdorf)  der  geologischen  Spezialkarte  des  König- 
reichs Sachsen  vor,  die  von  Sanitätsrat  Dr.  Barth  als  Reliefs  ausge- 
führt worden  sind,  und  bespricht 

Wagner,  P.:  Lehrbuch  der  Geologie  und  Mineralogie  für  höhere  Schulen. 

Leipzig  1907. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  hält  einen  Vortrag  über  die  wissenschaft- 
lichen Ergebnisse  der  Vesuvbeobachtun  gen  während  der  Eruption 
im  April  1906. 


Zweite  Sitzung  am  18.  April  1907.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  52  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  gibt  eine  kurze  Mitteilung  über  seine  Unter- 
suchung der  Eozän  fl ora  im  Fajüm. 

Bergwerksbesitzer  R.  Baldauf  legt  eine  grofse  Meteoreisenplatte 
vom  Mukerop-Bassin  in  Deutschsüdwestafrika,  ein  Stück  Ovifakeisen 
und  eisenführenden  Basalt  vor  und  erläutert  die  Struktur  derselben 
durch  Lichtbilder. 

Dr.  0.  Stutzer-Freiberg  hält  einen  Vortrag  über  die  Entstehung 
und  Einteilung  der  Erzlagerstätten. 


Dritte  Sitzuug  am  20.  Juni  1907.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  40  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  J.  Uhlig  spricht  über  die  Molekularstruktur  der  Kristalle 
unter  Vorführung  zahlreicher  Raumgittermodelle. 

Dr.K.Wan  derer  legt  einen  wertvollen  Rhamphorhynchus  Gemmingi 
H.  v.  M.  aus  dem  Dresdener  Museum  vor  und  knüpft  daran  allgemeine  Er- 
läuterungen über  die  Flugsaurier. 


8 


IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  21.  Februar  1907.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof. 
Dr.  J.  D ei  chm  aller.  — Anwesend  34  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  Steinäxte  von  der  Rittergutsflur  Riesa,  von 
Wölkisch  bei  Zehren,  Mügeln  bei  Oschatz  und  vom  Pionierübungsplatze 
bei  Mickten,  sowie  einen  bei  der  Gründung  eines  Hauses  in  Röder  au 
gefundenen  Br onze schmuck  aus  körbchenförmigen  Bronzeanhängern  und 
einer  blauen  Glasperle,  die  auf  einen  Bronzedraht  gereiht  sind,  vor. 

Dr.  W.  Hentschel  spricht  über  Ozeanien,  die  Heimat  des  Neo- 
lithikers.  (Vergl.  Abhandlung  I.) 


Zweite  Sitzung  am  11.  April  1907.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller.  — Anwesend  29  Mitglieder. 

Oberbaurat  H.  Wiechel  spricht  über  ein  vorgeschichtliches 
Schichtenprofil  als  Seitenstück  zum  geologischen  Schichten- 
profil. 

Im  Hörsaale  für  Mineralogie,  wo  die  Sitzungen  der  Isis  - Sektionen  für  Mineralogie 
und  für  Prähistorie  stattfinden,  hängt  ein  schmales  hohes  Profil  der  geologischen  Schichten 
in  der  Reihenfolge  ihrer  Bildung  als  stets  sichtbarer  Leitfaden  bei  geologischen  Fragen. 
Wenn  auch  der  Fachmann  derartiger  nüchterner,  schematischer  Hülfsmittel  nicht  bedarf, 
so  kann  man  dies  von  dem  Studierenden  und  den  Freunden  der  Wissenschaft,  die  sich 
nicht  ausschliefslich  mit  den  Sonderfragen  eines  Faches  beschäftigen,  nicht  behaupten; 
ihnen  ist  ein  Blick  auf  eine  übersichtlich  graphisch  dargestellte  Systematik  immer  will- 
kommen. Ganz  besonders  gilt  dies  für  die  Vorgeschichte  bis  zurück  zu  den  ersten  Spuren 
des  Menschen.  Noch  vor  zwei  Jahrzehnten  wäre  ein  solches  vorgeschichtliches  Schichten- 
profil kaum  aufstellbar  gewesen.  Durch  die  Ausdehnung  der  Forscherarbeit  auf  das  von 
allen  Seiten  zuströmende  neue  Material  an  Fundsachen  und  durch  die  immer  eindringen- 
deren Vergleichsstudien  treten  die  Umrisse  der  vorhistorischen  Chronologie  täglich  deut- 
licher aus  dem  Nebel  der  bisherigen  Hypothesen,  so  dafs  heute  wohl  gewagt  werden  kann, 
derartige  Profile  aufzutragen.  Dev  Einwand,  dafs  bei  dem  bevorstehenden  Fortschritte 
der  Erkenntnis  wohl  alljährlich  Änderungen  und  Nachträge  nötig  werden  würden,  ist 
anzuerkennen;  indessen  dürfte  gerade  aus  diesem  Umstande  ein  erhöhter  Wert  der  Profil- 
zeichnung für  eine  Gesellschaft  wie  die  Isis  abzuleiten  sein;  denn  den  zahlreichen  Freunden 
der  Vorgeschichte  wird  durch  die  Nachträge  immer  wieder  vor  Augen  geführt,  auf 
welchem  Gebiete  und  in  welchem  Umfange  diese  Wissenschaft  foitschreitet. 

Das  Vorgeschichtsprofil  wird  in  erster  Linie  auf  die  Verhältnisse  Sachsens  zuzu- 
schneiden sein.  Vom  Jahre  930  nach  Chr.,  wo  mit  der  deutschen  Besetzung  des  Landes 
der  Scheinwerfer  geschichtlicher  Überlieferung  erstmalig  deutliche  Kunde  bringt,  können 
abwärts  die  Jakrhundertabschuitte  aufgetragen  werden  durch  die  slawische,  die  mero- 
wingische  bis  zur  Römerzeit;  es  folgt  das  merkwürdige  Vakuum  in  der  Junglatene- 
zeit,  das  spärliche  Mittellatene  und  das  reiche  Altlatene  im  unmittelbaren  Anschluß  an 
die  jüngere  Bronzezeit.  Die  feineren  Gliederungen  dieser  und  der  älteren  Bronzezeit 
werden  für  Sachsen  noch  nicht  streng  durchzuführen  sein;  ebenso  liegen  die  Ver- 
hältnisse in  der  jüngeren  Steinzeit.  Es  empfiehlt  sich  deshalb,  zu  beiden  Seiten  des 
sächsischen  Schichtenprofils  die  Verhältnisse  unserer  südlichen  und  nördlichen  Nachbarn 
darzustellen,  wo  vielfach  reicheres  Fundmaterial  als  in  Sachsen  zum  verfeinerten  Ausbau 
der  Schichtengliederung  geführt  hat. 

In  das  Profil  werden  besonders  bezeichnende  Wendepunkte  in  der  Bestattungsform, 
in  der  Anlage  der  Grabstätten,  im  Gebrauch  von  Metallen,  in  der  Form  der  Werk- 
zeuge usw.  einzutragen  sein;  ebenso  die  Namen  der  besonders  bezeichnenden  bekannten 
Fundorte.  Alle  Darstellungen  sollen  sich  in  erster  Linie,  wie  gesagt,  auf  Sachsen  be- 
ziehen und  die  nachbarlichen  Verhältnisse  nur  so  weit  mit  berücksichtigt  werden,  als  sie 
zur  Klärung  der  heimischen  vorgeschichtlichen  Verhältnisse  beitragen.  Der  Vortragende 
glaubt  dadurch  zum  Ziele  zu  kommen,  dafs  ein  Mitglied  einen  vorläufigen  Entwurf 
skizzenhaft  aufstellt,  und  dafs  durch  die  Besprechung,  die  Kritik  der  Vorlage  neuer  Stoff 


9 


in  erwünschter  Weise  den  Sitzungen  zugeführt  wird.  Wenn  dann  etwa  nach  Jahresfrist 
der  durch  das  Feuer  der  Kritik  geläuterte  Entwurf  im  allgemeinen  Zustimmung  ge- 
funden haben  sollte,  würde  er  in  den  Mitteilungen  der  Isis  zu  veröffentlichen  sein  und 
damit  mancher  neue  Freund  vorgeschichtlicher  Forschungen  gewonnen  werden  können. 

In  der  Debatte  wird  der  Wert  eines  vorgeschichtlichen  Schichtenprofils 
für  die  Verhandlungen  der  Sektion  allgemein  anerkannt  und  die  Aufstellung 
eines  solchen  trotz  der  Schwierigkeit  und  Unsicherheit  der  Darstellung  auf 
Grund  der  gegenwärtigen  Kenntnis  der  Vorgeschichte  Sachsens  lebhaft 
befürwortet. 

Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  von  der  deutschen 
anthropologischen  Gesellschaft  herausgegebenen  prähistorischen  Typen- 
karten. 

Während  die  älteren  Fundkarten  nur  die  Verbreitung  der  einzelnen  Kulturperioden 
kartographisch  festlegten,  sollen  die  neuen  Typenkarten  dazu  dienen,  zu  ergründen, 
welchen  Einflüssen  die  vorgeschichtliche  Kultur  unserer  Heimat  ihre  Entstehung  ver- 
dankt und  wieweit  sich  dieselbe  hier  selbständig  entwickelt  hat.  In  den  bisher  er- 
schienenen drei  Berichten,  Berlin  1904 — 1906,  sind  die  Typen  der  Ruder-,  Scheiben-, 
Badnadeln  und  der  Äxte  nach  ihren  Formen  und  ihrer  Zeitstellung  eingehend  behandelt, 
die  wichtigsten  Fundstellen  in  Deutschland  und  den  Nachbarländern  zusammengestellt 
und  auf  fünf  Kartenblättern  die  Verbreitung  der  einzelnen  Typen  dargestellt. 

Vortragender  erläutert  an  einem  Beispiele  die  Vorteile  der  Karten.  Aus  der  der 
Steinaxt  nachgebildeten  „Flachaxt“  aus  Kupfer  oder  Bronze  ging  zunächst  die  „Rand- 
axt“ hervor,  indem  die  Bänder  leistenartig  erhöht,  die  Mitte  eingeschnürt  oder  ein- 
geknickt wurden,  um  die  seitliche  Verschiebung  des  Schaftes  und  das  Eindringen  der 
Klinge  in  denselben  beim  Gebrauch  zu  verhüten.  Die  Praxis  lehrte  dann,  dafs  die  ur- 
sprünglich bis  zur  Schneide  reichenden  Randleisten  das  Eindringen  der  Axt  in  das 
Arbeitsstück  erschwerten.  Deshalb  befreite  man  die  Klinge  in  der  Schneidenhälfte  von 
den  Randleisten  und  schuf  in  der  Mitte  einen  Absatz,  gegen  den  sich  der  Schaft  stützt; 
so  entstand  die  „Absatzaxt“.  Aus  dieser  Form  entwickelte  sich  durch  weitere  Ver- 
kürzung der  Randleisten,  Verbreiterung  und  Umbiegen  derselben  nach  dem  Blatt  die 
„Lappenaxt“.  Von  der  oberständigen  Lappenaxt,  bei  welcher  die  Schaftlappen  dicht  am 
Bahnende  stehen,  bis  zur  jüngsten  Form,  der  „Tüllenaxt“,  ist  nur  ein  Schritt.  Aus  den 
Karten  ist  leicht  zu  ersehen,  wie  sich  in  bestimmten  Verbreitungsgebieten  bestimmte 
Typen  der  einzelnen  Axtformen  herausgebildet  haben.  So  ist  z.  B.  eine  als  „sächsischer 
Typus“  bezeichnete  Form  der  Randaxt  in  der  Hauptsache  auf  das  Königreich  und  die 
Provinz  Sachsen,  Thüringen  und  Anhalt  beschränkt  und  im  Königreiche  Sachsen  die 
fast  alleinherrschende;  hierher  gehören  die  Äxte  aus  den  grofsen  Depotfunden  von  Cars- 
dorf bei  Pegau  und  Wauden  bei  Lommatzsch,  die  Einzelfunde  von  Oetzsch,  Knautklee- 
berg, Binnewitz,  Briefsnitz,  Neschwitz  und  Wurschen. 

Eine  in  der  Vorbereitung  begriffene  Karte  wird  die  Verbreitung  der  Latene-Fibeln 
behandeln. 

Oberbaurat  H.  Wiechel  gibt  aus  der  Zeitschrift  für  Ethnologie  einige 
ergänzende  Bemerkungen  zudem  in  der  Februarsitzung  von  Dr.  W.  Hentschel 
gehaltenen  Vortrage  über  die  Heimat  des  Neolithikers. 

Der  Vorsitzende  macht  auf  eine  neue  über  diesen  Gegenstand  er- 
schienene Veröffentlichung  aufmerksam: 

Penka,  K.:  Die  Entstehung  der  neolithischen  Kultur  Europas.  Beiträge 
zur  Rassenkunde,  Heft  2.  Leipzig  1907. 


Dritte  Sitzung  am  13.  Juni  1907.  Vorsitzende:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller  und  Direktor  H.  Döring.  — Anwesend  22  Mitglieder 
und  Gäste. 

Als  Geschenk  des  Verfassers  wird  der  Bibliothek  überreicht: 

Schlaginhaufen,  0.:  Ein  Fall  von  Ossifikation  des  Ligamentum  apicis 
dentis  epistropbei  beim  Menschen  und  entsprechende  Bildungen  bei  den 
Affen.  Morpholog.  Jahrb.  XX  XVII,  1907. 

** 


10 


Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bespricht  das  Buch  von  0.  Mertins: 
„Wegweiser  durch  die  Urgeschichte  Schlesiens“.  Breslau  1906. 

In  chronologischer  Folge  stellt  Mertins  die  Altertümer  Schlesiens  nach  der  gegen- 
wärtigen Kenntnis  der  Vorgeschichte  des  Landes  zusammen  und  schildert  auf  Grund 
eigener  Forschungen  den  Gang  der  Entwicklung,  den  die  Kultur  des  Landes  genommen 
hat.  Die  in  Schlesien  fehlende  ältere  Steinzeit  wird  nach  den  in  den  Nachbarländern 
herrschenden  Zuständen  behandelt.  Die  jüngere  Steinzeit  zeigt  viele  Verwandtschaften 
mit  unserer  sächsischen.  An  die  älteste  Bronzezeit  mit  den  Hockergräbern  des  Aun- 
jetitzer  Typus  schliefst  sich  wie  bei  uns  die  Periode  der  grofsen  Urnenfelder  mit  Ge- 
fäfsen  des  Lausitzer  und  Billendorfer  Typus.  Die  Latenezeit,  die  in  ihrem  älteren 
Abschnitte  durch  Skelett-  und  Brandgräber,  im  jüngeren  nur  durch  ßrandgräber  ver- 
treten ist,  wird  von  der  römischen  Zeit  abgelöst,  die  zahlreiche,  oft  recht  kostbare  Kultur- 
niederschläge hinterlassen  hat,  während  die  Altertümer  der  Völkerwanderungszeit  nur 
spärlich  vorhanden  sind.  Den  Schlufs  bildet  die  slawisch-polnische  Periode  mit  Lang- 
und  Burgwällen  und  vereinzelten  Pfahlbauten.  Die  zahlreichen  vortrefflichen  Abbildungen, 
mit  denen  das  Buch  ausgestattet  ist,  bieten  einen  leichten  und  vollständigen  Überblick 
über  die  Typen  schlesischer  Altertümer. 

Derselbe  berichtet  weiter  über  die  ersten  Kupfer funde  aus 
Sachsen. 

Noch  bis  vor  kurzem  waren  Kupferfunde  aus  Sachsen  unbekannt.  Vor  zwei  Jahren 
erwarb  die  K.  Prähistorische  Sammlung  in  Dresden  eine  durchlochte  Kupferaxt  von 
ungarischem  Typus  mit  gekreuzten  Schneiden,  angeblich  1876  bei  Grofsenhain  gefunden. 
Zu  diesem  Funde  ist  jetzt  der  einer  rohen  Flachaxt  gekommen,  die  1900  von  einem 
Holzfäller  auf  der  Flur  des  Rittergutes  Treuen  i.  V.  in  etwa  16  cm  Tiefe  entdeckt  wurde. 

Dr.  0.  Schlaginhaufen  spricht  über  ein  Skelett  von  Lunk- 
hofen. 

Der  Vortragende  legt  die  Reste  eines  prähistorischen  (Alemannen-?)  Skeletts  vor, 
das  hei  Lunkhofen  im  Kanton  Aarau  in  der  Schweiz  gefunden  wurde.  Dasselbe  weist 
eine  Anzahl  von  Merkmalen  auf,  die  in  dieser  Vereinigung  beim  rezenten  Europäer  nicht 
bekannt  ist.  Hier  seien  erwähnt:  die  grofse  absolute  Länge  des  Schädels,  die  grofsen 
Augenbrauen wülste,  das  starke  Hervortreten  der  zum  Ansatz  der  Muskeln  dienenden 
Leisten  und  Höcker  namentlich  am  Hinterhaupt,  das  kurze,  stark  gekrümmte  und  an 
seinem  Brustbeinende  mächtig  verdickte  Schlüsselbein,  die  kräftige  Tuberosites  deltoidea 
am  Oberarmknochen,  der  Trochanter  tertius  am  Oberschenkelbein  und  die  seitliche  Ab- 
plattung oder  Platyknemie  des  Schienbeins.  Genauere  Untersuchungen  sollen  folgen. 


V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Erste  Sitzung  am  10.  Januar  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  M.Toepler. 
— Anwesend  63  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Rebenstorff  spricht  über  neue  Schulversuche  unter  Vor- 
führung von  Experimenten.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 

Der  Vortragende  demonstriert  den  Verdrängungsapparat  zur  Volum-  und  Dichte- 
bestimmung faustgrofser  Mineralstücke.  Das  Differential -Aero-Pyknometer  gibt 
das  spezifische  Gewicht  einer  in  das  Pyknometergläschen  gebrachten  Flüssigkeit  bis  auf 
einige  Einheiten  der  vierten  Dezimale  genau  an.  Bei  der  besonders  empfindlichen  und 
handlichen  Senkwage  mitZentigrammspindel  wird  die  Sichtbarmachung  der  Ein- 
stellung der  Spindel  für  gröfsere  Entfernung  (Schule,  Hörsaal)  durch  verschiedene  Färbung 
der  Zehnerbereiche  der  Zentigrammspindelskala  erreicht.  Das  Rohr  für  Wasserstofs 
zeigt  das  Emporschleudern  weniger  Tropfen  Wasser  bis  zur  Hörsaaldecke  durch  eine  nur 
um  20  cm  fallende  Wassersäule.  Die  vielfache  und  äufserst,  bequeme  Anwendbarkeit  eines 
gefüllt  bleibenden  Hebers  (mit  Wasser  gefülltes  Chlorkalziumrohr,  dessen  Schenkel 
mit  drei  gekreuzt  gelegten  Lagen  feinen  Tülls  Überbunden  sind)  wird  gezeigt.  Zur 
Füllung  des  kleinen  Wasserstoff-Luftballons  bei  Demonstrationen  werden  die  jetzt  leicht 
und  billig  beziehbaren  Magnesiumspäne  empfohlen. 


11 


Prof.  Dr.  A.  Witting  hält  einen  Vortrag:  Neues  über  Linienspektra 
unter  besonderem  Eingehen  auf  die  neuesten  Arbeiten  über  den  Doppler- 
effekt an  Kanalstrahlen. 


Zweite  Sitzung  am  7.  März  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  M.  Toepler. 
— Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  A.  Lottermoser  hält  einen  Experimentalvortrag:  Einiges 
über  kolloidale  Metalle. 


Dritte  Sitzung  am  3.  Mai  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  M.  Toepler. 
— Anwesend  60  Mitglieder  und  Gäste. 

Unter  Führung  und  erläuterndem  Vortrage  durch  Prof.  W.  Kühler  wird 
das  Fernheiz-  und  Elektrizitätswerk  der  Technischen  Hochschule 
besichtigt.  Hieran  schliefsen  sich  Besichtigungen  des  Instituts  für  Tele- 
graphie und  Signalwesen  mit  Lichtbildervortrag  über  Telegraphie  ohne 
Draht  durch  Geh.  Baurat  Prof.  Dr.  R.  Ulbricht  und  des  Elektrotech- 
nischen Instituts  unter  Prof.  J.  Görges  mit  Demonstrationen  im  grofsen 
Hörsaale  desselben. 


Yl.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  17.  Januar  1907.  Vorsitzender:  Staatsrat  Prof. 
M.  Grübler.  — Anwesend  14  Mitglieder. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  zur  Theorie  des  ebenen 
Gelenkvierecks. 

Wenn  von  den  vier  Seiten  eines  ebenen  Gelenkvierecks  die  eine  festgehalten  wird, 
so  lassen  sich  die  trigonometrischen  Funktionen  der  Richtungswinkel  der  drei  übrigen 
Seiten  als  elliptische  Funktionen  eines  Parameters  darstellen.  Der  Vortragende  entwickelt 
diese  Darstellung  nach  einer  durchsichtigen  und  eleganten  Methode,  indem  er  von  der 
Theorie  der  Thetafunktionen  III.  Ordnung  Gebrauch  macht  und  insbesondere  den  Satz 
benutzt,  dafs  zwischen  je  vier  solchen  Funktionen  immer  wenigstens  eine  homogene 
lineare  Relation  mit  konstanten  Koeffizienten  besteht. 


Zweite  Sitzung  am  14.  März  1907.  Vorsitzender:  Staatsrat  Prof. 
M.  Grübler.  — Anwesend  17  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  die  Ellipse  im  Dienste 
der  Landwirtschaft. 

Bei  der  Entwässerung  einer  ebenen  Wiese  von  gegebener  Neigung  gegen  die  Hori- 
zontalebene  kommt  der  folgende  geometrische  Satz  in  Betracht:  Die  Orthogonalprojektion 
c'  einer  beliebigen  ebenen  Schnittkurve  c des  Rotationskegels  auf  die  durch  die  Kegel - 
spitze  S senkrecht  zur  Kegelachse  gelegte  Ebene  ist  so  beschaffen,  dafs  der  Abstand 
eines  beliebigen  Punktes  der  Kurve  c'  vom  Punkte  S zu  seinem  Abstande  von  einer 
gewissen  festen  Geraden  in  einem  konstanten  Verhältnis  steht.  Für  diesen  Satz  gibt 
Vortragender  einen  einfachen  und  direkten  Beweis. 

Studienrat  Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  die  Kugeln,  die  einem 
unebenen  Viereck  Ax  A2  As  eingeschrieben  sind. 


12 


Es  werde  die  auf  der  Ebene  des  Winkels  Ai,  stehende  Höhe  des  Tetraeders  A1  A2 
13  A 4 mit  hi,  derjenige  Winkel  bei  Ai,  auf  dessen  Symmetrieebene  die  Kugelmitte  M liegt, 
mit  2 ai,  die  Tangente  von  Ai  an  die  Kugel  mit  U,  der  an  der  Kante  Ai  Au  liegende 
Raumwmkel  des  Tetraeders  A2A3  A4  mit  ßik,  die  Kante  Ai  An  mit  2 lik,  der  Kugel- 
halbmesser mit  p bezeichnet;  ferner  seien  xyz  die  rechtwinkligen  Koordinaten  von  M 
und  die  homogenen  Koordinaten  von  M in  bezug  auf  das  Tetraeder  A±  A2  As  A4. 

— Dann  erhält  man 

1.  aus  der  Plückerschen  Formel 

^1  |2  I ^3  1 ^4 1 

h^h^h^  Ih  ~ 

und  aus 


%i*=p*  — tiHg*ai 

eine  Gleichung  für  p,  nämlich  die  Relation 


h V^2  ~ ^92  ai~\ b P2  — V tcJ2  a-4  — 1 ’ 

2.  aus  dem  Kreis  Viereck,  das  die  anstofsenden  Seiten  %i&  und  AI  gegenüber  den 
Winkel  ßik  hat,  die  Formel 

p2  sm2  ßijc  =ti 2 tg2-ai-\-tk*  tg2ajc  — 2 Ufo  tgoti  tgak  • cos 

3.  aus  der  Cayleyschen  Gleichung  (Baltzer,  Determinanten,  § 16,  1 1)  für  die  Strecken 
zwischen  fünf  Punkten  die  Relation 


0 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

0 

4^i22 

4^1 32 

4V 

P2  + ^l2 

1 

4Z122 

0 

4*232 

4 Cr 

p2H-*22 

1 

4 ^132 

4?232 

0 

«34* 

P2  + h2 

1 

4?14W 

4^242 

4^342 

0 

P2  ~b  V 

1 

p2  -p 

p2  + *22 

p2  + V 

?a-+v 

0 

Der  Koeffizient  von  p4  in  der  Determinante  verschwindet  identisch,  und  man  erhält 


0 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

0 

47  2 
4t12 

4^32 

4Z142 

b2 

1 

4Z122 

0 

4Z232 

4 1,2 

V 

1 

4?1S2 

4^*32 

0 

G2 

1 

4?142 

4 V 

4?342 

0 

*42 

1 

V2 

^2  2 

tA 

V 

0 

0 

1 

1 

l 

1 

1 

0 

4/122 

4^32 

4 ^14 

1 

4Z122 

0 

4Z232 

4 ^24 

1 

4^132 

4Z232 

0 

4 ^34 

1 

4^i42 

4^2 

4 7 2 

0 

Die  Gleichungen  der  Ebenen,  welche  die  Kugelmitte  enthalten  und  mit  den  Seiten 
des  Vierecks  rechte  Winkel  bilden,  sind,  wenn  mit  a ik,  bik,  ca  die  Richtungscosinus  von 
Ai  Ak  bezeichnet  werden, 

Cl  ik  ' X -\-b  ilt  ‘ y ~\~  Gik  ' Z = yy  — i 2 — V Je 2 — ti2  -{-  t fc2^  , 

wobei 


ist. 


n * = x i2 y i2 -j- -z'i2 


Staatsrat  Prof.  M.  Grübler  spricht  über  Gleichgewicht  und  Ruhe. 

An  dem  Beispiel  eines  materiellen  Punktes,  der  in  vertikaler  kreisförmiger  Bahn 
unter  ausschliefslichem  Einflufs  der  Schwerkraft  steht,  wird  gezeigt,  dafs  Gleichgewichts- 
lagen und  Ruhelagen  nicht  gleichbedeutend  zu  sein  brauchen. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  eine  Konstruktion  des 
Krümmungskreises  bei  Kegelschnitten. 

Es  handelt  sich  um  die  Aufgabe,  zu  einem  nebst  seiner  Tangente  t gegebenen 
Kegelschnittspunkte  P das  Krümmungszentrum  G zu  finden;  als  bekannt  werden  voraus- 
gesetzt der  Mittelpunkt  M des  Kegelschnitts  und  die  Richtungen  (nicht  die  Längeu) 
der  Achsen.  Man  kann  zunächst  die  Normale  n und  die  nach  dem  zweiten  Schnitt- 
punkte des  Krümmungskreises  mit  dem  Kegelschnitt  führende  Gerade  s zeichnen  (s  und  t 
liegen  harmonisch  zu  den  Achsenrichtungen!).  Wird  nun  der  zu  P in  bezug  auf  eine 
Achse  des  Kegelschnitts  symmetrische  Punkt  P'  geradlinig  mit  Al  verbunden  und  die 
erhaltene  Gerade  mit  s zum  Schnitt  gebracht,  so  geht  die  im  Schnittpunkt  Häuf  s er- 
richtete Senkrechte  durch  das  Krümmungszentrum,  das  sich  andrerseits  auch  auf  n vor- 
findeii  mufs. 


13 


Dritte  Sitzung  am  13.  Juni  1907.  Vorsitzender:  Staatsrat  Prof. 
M.  Grübler.  — Anwesend  12  Mitglieder. 

Konrektor  Prof.  Dr.  R.  Henke  spricht  über  Gegenpunkte  und 
Gegenkurven  beim  Dreieck. 

Verbindet  man  einen  beliebigen  Punkt  P der  Ebene  geradlinig  mit  den  Ecken  A, 
P,  C eines  gegebenen  festen  Dreiecks  und  konstruiert  zu  den  drei  entstehenden  Eck- 
transversalen dieses  Dreiecks  die  Gegentransversalen*),  so  gehen  diese  wieder  durch  einen 
Punkt  P17  welchen  man  den  Gegenpunkt  von  Pin  bezug  auf  das  gegebene  Dreieck  nennt. 
Da  hiernach  jedem  Punkt  P ein  bestimmter  Gegenpunkt  P,  zugeordnet  ist,  so  wird 
auch  jeder  Kurve  c — gedacht  als  geometrischer  Ort  von  P — eine  bestimmte  neue 
Kurve  ct  — als  geometrischer  Ort  von  P1  — entsprechen;  diese  Kurve  wird  dann  als 
Gegenkurve  von  c bezeichnet. 

Der  Vortragende  führt  nun  aus,  wie  durch  Einführung  der  Beziehung  zwischen 
Kurve  und  Gegenkurve  eine  grofse  Anzahl  von  Sätzen  und  Tatsachen  der  neueren  Drei- 
ecksgeometrie, die  sonst  isoliert  auftreten,  in  einen  inneren  Zusammenhang  gebracht 
werden  können.  So  zeigt  sich  z.  B.  dafs  die  Gegenkurve  zu  einer  Geraden  stets  ein 
durch  die  Ecken  A,  P,  C des  gegebenen  Dreiecks  gehender  Kegelschnitt  ist;  insbesondere 
entspricht  der  unendlich  fernen  Geraden  der  Umkreis  des  Dreiecks,  der  Geraden  von 
Lemoine  die  Steinersche  Ellipse,  dem  Brocardschen  Durchmesser  des  Brocardschen  Kreises 
die  Kiepertsche  gleichseitige  Hyperbel.  Allgemein  tritt  als  Gegenkurve  zu  einer  ge- 
gebenen Geraden  eine  Ellipse,  oder  eine  Parabel,  oder  eine  Hyperbel  auf,  je  nachdem 
diese  Gerade  den  Umkreis  meidet  oder  berührt  oder  schneidet;  und  insbesondere  ergibt 
sich  eine  gleichseitige  Hyperbel,  wenn  die  Gerade  durch  den  Umkreismittelpunkt  geht; 
der  Mittelpunkt  einer  solchen  gleichseitigen  Hyperbel  befindet  sich  stets  auf  dem  Feuer- 
bachschen  Kreise,  und  die  Asymptoten  sind  zwei  Simsonsche  gerade  Linien. 

Studienrat  Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  die  Berechnung  der 
homogenen  Koordinaten  des  9.  Schnittpunktes  zweier  Kurven 
IH.  Ordnung  aus  8 gegebenen. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  31.  Januar  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  88  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  die  neueren  Ansichten 
über  das  Wesen  der  Naturerkenntnis. 

Ausgehend  von  den  Arbeiten  der  Mathematiker  über  die  von  Riemann  und  von 
Helmholtz  aufgeworfene  Frage:  Welche  Erfahrungen  sind  es,  die  unserer  Raum- 
anschauung zu  gründe  liegen?  berichtet  der  Vortragende  über  die  Untersuchungen,  die 
sich  auf  das  Wesen  der  Bewegungsgesetze  und  der  physikalischen  Prinzipien  überhaupt 
beziehen.  Der  Einflufs  von  C.  Neumann,  Kirchhoff,  Helmholtz,  Maxwell,  Hertz  wird 
geschildert,  vor  allem  aber  ergab  sich  als  das  Lebenswerk  von  Emst  Mach  die  Über- 
zeugung, dafs  die  wissenschaftliche  Naturerkenntnis  auf  grundsätzlich  denselben  Wegen 
zu  stände  kommt,  auf  denen  wir  alltäglich  uns  in  unserer  Umwelt  zurecht  zu  finden 
wissen. 

Diese  neuere  Richtung  fand  ihren  Philosophen  von  Fach  in  Richard  Avenarius, 
der  den  natürlichen  Weltbegriff,  den  wir  alle  hatten,  ehe  wir  zu  philosophieren  be- 
gannen, als  ausreichende  Grundlage  der  aus  Erfahrung  geschöpften  Erkenntnis  betont. 

Poincare  hat  neuerdings  die  Ergebnisse  dieser  deutschen  Forscher  mit  französi- . 
scher  Klarheit  und  Präzision  dargestellt,  und  die  Schriften  dieses  grofsen  Mathematikers 
waren  der  unmittelbare  Anlafs  des  Vortrags. 


*J  Zwei  von  einer  Ecke  des  Dreiecks  ausgehende  Transversalen  werden  als  Gegen- 
transversalen  bezeichnet,  wenn  sie  symmetrisch  liegen  zur  Halbierungslinie  des  betreffenden 
Dreieckswinkels. 


14 


Nach  dieser  Schilderung'  der  geschichtlichen  Entwicklung  wendet  sich  der  Vortrag 
dazu,  an  einzelnen  Beispielen  zu  zeigen,  wie  es  lediglich  Beziehungen  der  Dinge  zu 
einander  und  zu  uns  sind,  die  wir  in  unseren  Anschauungen  über  Raum  und  Zeit, 
Kausalität  und  Kraft,  Masse  und  Atom  festhalten,  nie  die  Qualitäten  der  Dinge,  und 
dafs  jeder  Begriff,  insofern  wir  ihn  als  beziehungslos,  als. absolut  denken,  für  die  Er- 
fahrungserkenntnis unnütz  ist.  Er  mag  Wünsche  oder  Überzeugungen  des  Einzelnen 
bezeichnen,  — allgemein  gültige  Erkenntnis  gibt  er  nicht  wieder. 

Jede  unserer  Erfahrung  zugängliche  Beziehung  suchen  wir  nun  in  der  jeweilig 
bequemsten  Weise  darzustellen  und  danach  die  Erscheinungen  zu  klassifizieren,  damit 
wir  ihre  Fülle  überblicken  und  ihren  Verlauf  so  weit  Voraussagen  können,  um  unser 
Handeln  danach  einzurichten.  So  hat  z.  B.  die  Lehre  der  Wissenschaft,  dafs  sich  die 
Erde  dreht,  den  Sinn  einer  bequem  zusammenfassenden  Beschreibung  unzählig  vieler 
Erfahrungen,  genau  so  wie  der  Alltagsausspruch,  dafs  ein  Rad  vor  mir  sich  dreht. 
Nicht  darum  handelt  es  sich,  ob  eine  solche  Darstellung  der  Erscheinungen  endgültig 
„wahr“  ist,  sondern  ob  sie  innerhalb  des  jeweilig  erforderten  Genauigkeitsgrades  kon- 
trollierbar und  bequem  ist;  wahr  hat  sich  immer  nur  erwiesen,  dafs  es  jeweilig  eine 
solche  Darstellungsform  gibt.  Den  Wert  einer  Theorie  kann  dieser  Relativismus  nur 
darin  finden,  dafs  sie  scheinbar  weit  auseinander  liegende  Erfahrungen  in  Beziehung 
setzt,  so  dafs  sie  sich  gegenseitig  stützen. 

Der  Vortrag  schliefst  mit  dem  Hinweis  auf  die  hervorragende  Stellung,  die  bei 
dieser  Auffassungsweise,  bei  diesem  Suchen  nach  bequemster  Darstellung  der  reinen 
Beziehungen,  der  mathematischen  Behandlung  unserer  Erfahrungen  und  insbesondere 
der  Energetik  zufällt,  während  die  Bilder,  die  in  unseren  Hypothesen  und  Theorien 
benutzt  werden,  keinen  anderen  Wert  haben  als  den,  die  erfahrungsmäfsigen  Beziehungen 
durch  Anschaulichkeit  bequem  wiederzugeben.  Gerade  die  mathematischer  Darstellung 
fähigen,  quantitativen  Beziehungen  haben  sich  als  die  wertvollsten  Hilfsmittel  für  den 
eigentlichen  Zweck  der  Erkenntnis  erwiesen,  die  Erscheinungen  vorauszusagen. 


Zweite  Sitzung  am  28.  Februar  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  49  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrates,  Prof.  H.  Engelhardt,  legt  den 
Kassenabschlufs  für  1906  (siehe  S.  17)  und  den  Voranschlag  für 
1907  vor. 

Zu  Rechnungsprüfern  werden  Bildhauer  G.  Bern  köpf  und  Prof. 
Kl.  König  gewählt;  der  Voranschlag  wird  genehmigt. 

Adjunkt  Diplomingenieur  0.  Wawrziniok  hält  unter  Vorführung  von 
Lichtbildern  und  graphischen  Darstellungen  einen  Vortrag  über  die  Metall- 
mikroskopie und  metallographische  Untersuchungsmethoden. 


Dritte  Sitzung  am  21.  März  1907.  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engel- 
hardt. — Anwesend  47  Mitglieder  und  Gäste. 

Eingegangen  ist  die  Einladung  zur  79.  Versammlung  Deutscher 
Naturforscher  und  Ärzte  in  Dresden  im  September  1907. 

Auf  der  Tagesordnung  steht  die  Aussprache  über  eine  Reform  des 
naturwissenschaftlichen  Unterrichts  an  den  Mittelschulen. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  spricht  über  den  Unterricht  in  der 
Ch  emie, 

Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz  über  den  biologischen  Unterricht, 
insbesondere  an  den  Realanstalten,  und 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  über  den  Unterricht  in  Mineralogie 
und  Geologie. 


15 


Nach  längerer  Aussprache  über  die  von  den  Berichterstattern  unab- 
hängig voneinander  aufgestellten  Leitsätze  für  eine  Reform  des  natur- 
wissenschaftlichen Unterrichts  beschliefst  die  Gesellschaft,  diese  Angelegen- 
heit in  einer  späteren  Sitzung  auf  Grund  einer  einheitlichen  Überarbeitung 
der  Leitsätze  nochmals  zu  behandeln.  (Vergl.  Sitzung  der  Sektion  für 
Zoologie  vom  16.  Mai  1907.) 


Vierte  Sitzung  am  25.  April  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  102  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  teilt  mit,  dafs  die  Rechnungsprüfer  den  Kassen- 
abschlufs  für  1906  geprüft  und  richtig  befunden  haben.  Der  Kassierer 
wird  entlastet. 

Dr.  0.  Schlagin  häufen  spricht  über  die  körperlichen  Merkmale 
des  altdiluvialen  Menschen. 

In  seinen  Arbeiten  über  Pithecanthropus  und  Neanderthaler  hat  G.  Schwalbe 
die  Mittel  geschaffen,  die  erlauben,  an  jedem  Schädel  nachzuweisen,  ob  er  der  Spezies 
Homo  sapiens  angehört,  welche  die  heute  lebende  Menschheit  umfafst,  oder  der  Spezies 
Homo  primigenius , die  ausgestorben  ist.  Die  heute  bekannten  Vertreter  der  letzteren 
sind:  der  Neanderthalmens ch , die  Menschen  vonSpy  in  Belgien  und  die  Menschen 
von  Krapina.  Als  hauptsächlichste  spezifische  Merkmale  derselben  wurden  erkannt: 
die  Niedrigkeit  des  Schädels  (Kalottenhöhenindex),  die  starke  Neigung  des  Stirnbeins 
(Bregmawinkel,  Index  der  Lage  des  Bregma),  geringe  Wölbung  des  Stirnbeins  (Stirn- 
winkel), Überwiegen  der  Länge  des  sagittalen  Stirnbogens  über  diejenige  der  sagittalen 
Parietalbogen  (Scheitelbeinindex),  starke  Neigung  der  Oberschuppe  des  Hinterhauptbeins 
(Lambdawinkel).  Die  Kapazität  des  Neanderthalschädels  ist  aber  so  grofs,  dafs  er  in 
bezug  auf  diese  Eigenschaft  in  die  Schwankungsbreite  des  rezenten  Menschen  fällt. 
Auch  an  den  Extremitätenknochen  ergeben  sich  bereits  eine  Anzahl  Merkmale,  die  in 
ihrer  Kombination  von  Klaatsch  als  spezifisch  für  den  Homo  primigenius  befunden 
wurden.  Auf  Grund  dieser  Untersuchungen  läfst  sich  auch  zeigen,  dafs  der  heute  lebende 
Mensch  nicht  aus  kleinen  Formen  hervorging,  wie  das  von  manchen  Forschern  an- 
genommen wird.  Beispielsweise  hat  der  Vortragende  für  die  kleinwüchsigen  Semang 
von  Malakka  (Abh.  u.  Ber.  d.  K.  Zool.  Mus.  Dresden,  1907)  nachgewiesen,  dafs  sie  keine 
Merkmale  von  Homo  primigenius  besitzen. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  spricht  über  Weltsprache  und  gegen 
Esperanto. 


Fünfte  Sitzung  am  30.  Mai  1907  (im  K.  Botanischen  Garten).  Vor- 
sitzender: Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  51  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  teilt  mit,  dafs  in  der  Versammlung  des  Vereins  zur 
Förderung  des  mathematischen  und  naturwissenschaftlichen  Unterrichts 
Oberlehrer  Dr.  E.  Lohrmann  über  die  von  der  Isis  angenommenen  Thesen 
(siehe  S.  4)  berichtet  hat. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  zum  Gedächtnis  an  Linnes 
zweihundertjährigen  Geburtstag  über  dessen  Leben  und  Wirken. 


Sechste  Sitzung  am  27.  Juni  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt  legt  die  Photographie  eines  Braun- 
kohlen-Tagebaus  von  Senftenberg,  in  dem  noch  Reste  aufrecht- 
stehender Taxodium- Stämme  zu  sehen  sind,  vor  und 


16 


gibt  Mitteilungen  über  Musophyllum  Kinkelini  aus  dem  Tertiär  von 
Münzenberg. 

Prof.  Dr.  P.  Schreiber  spricht  über  den  Wärmehaushalt  an  der 
Erdoberfläche. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 


Am  15.  April  1906  ist  Hermann  Baessler,  Direktor  der  Strafanstalt 
in  Voigtsberg,  korrespondierendes  Mitglied  seit  1866,  gestorben. 

Am  10.  Februar  1907  starb  Prof.  Dr.  Richard  Ulbricht  in  Losch- 
witz,  wirkliches  Mitglied  seit  1884. 

Am  7.  April  1907  starb  Kommerzienrat  Dr.  Karl  Wilkens,  Direktor 
der  Steingutfabrik  von  Villeroy  & Boch  in  Dresden,  wirkliches  Mitglied 


seit  1876. 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 


Fscherich,  K.,  Dr.  phih,  Professor  an  der  R.  Forstakademie  in  Tharandt, 
am  30.  Mai  1907; 

Haase,  Gertr.,  Drs.  med.  Wwe.  in  Dresden,  am  28.  Februar  1907; 
Hupfer,  Herrn.  Paul,  Dr.  phih,  Oberlehrer  in  Dresden,  am  21.  März  1907; 
März,  Christian,  Dr.  phih,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule 


in  Dresden, 


Meissner,  Georg,  Ingenieur  in  Dresden,  J ’ 

Rohrs,  Friedrich,  Cand.,  Handelsschullehrer  in  Dresden,  l am  27.  Juni 
Saupe,  Albin,  Dr.  phih,  Realschuloberlehrer  in  Dresden,  / 1907; 

Schlaginhaufen,  Otto,  Dr.  phih,  wissenschaftlicher  Hilfsarbeiter  am 
K.  Zoolog,  u.  Anthropol.-ethnogr.  Museum  in  Dresden,  am  31.  Januar 
1.907; 

Schreiber,  Albert,  Dr.  ing.,  K.  Eisenbahn -Bauinspektor  in  Niedersedlitz, 
am  27.  Juni  1907; 

In  die  korrespondierenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 

Muhle,  Willy,  Dr.  phih,  Realschuloberlehrer  in  Kamenz. 


Kassenabschlufs  der  Naturwiss.  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1906. 

Einnahme.  Ausgabe. 


17 


00«)0 

HCDH^ 


p co  cd  03  uo  >— i0>j> 
^COHCQiO«3CQ  WO 

S ft  1— I 


a 'S 

£ fl 


03 

PA 

CO 


ft  0 

o)  03 


-r,  © 

i—l  >7^ 

fl 


fl  . 


. SR 

03  ka 
ft  02 
co  fl 
• o fl 

öß_ 

CO  ft 

PS  Ö 
fl  PS 


rfl 

önO.„ 

a co  aS 

43.3  o 

ft)  03  5 

0 f-i  cq 

PS  03  ^ 

03  h>  r_4 
Ü3  ft 

WS* 

'fl  .0 

1 bß° 

53  gr« 

^äft 

fl  ft  o 

N *3 

^©rS 5 © g s 

OtdWWcqp^HM 


03 


ft-S 


- * A TS 

'g'fl'Ög 

< r§  fl  ^ -g 

3 03c2;fl  03 

£ £ £ 03 
03  03  «2 

* ‘ ® « § 


Oi  CO  Tji  lO  CO  Ü>  00 


ft  ^ 
fl  o? 


I »O  O I O 00 

I o«  I co  t- 


^HVCO^CDOCOOO 
3 lO  CO  ft  CD  03  OOlOO 
«s  H CD  H CD  rn 

JS  rH  02 


M 


* ft 

fl 

•O 

• fl 

03' 

.rfl 

C3 

CO 


• Ö 
fl 


00  O I !>ONO 
03  Oi  I lOlOOi  VO 


CD  O 

O?  r-l 


i>O00OCDftCDftlßO3 
^CO^^HHOOCOIOOO 
3<OOOOOiiCixOiOC3aO?> 
rH  lO  rH  CO  H H ffi) 


9061  ‘IIX  US  ™oa 

sjn^  uiap  q.it?a 


^ CsJ 


M 


>-4 

bß  <D 
fl  :9  ’o, 


03-2 

bßx? 

:fl  .rn 

03  ft  PQ 

bß  .-3 w 

:cö  5h  03  ft 

22  © 03 

3 d 

03  ft  3h  03 
33  ’rj  > ft 
bn-W  .5  © 

.t?.S  S © 


ft  ft  03  rH 
:Q  ft 

«Mft  « “ 

O fl  03 

ö GO  .3  H? 

03  ft  03  g 
ft  C3  ft  _fl 
ft  3 © 03 
Ofj 

Mfi  „ g 

CO  CO  03  fl 

PS  fl -fl 
a a _ 5 

fl  n 'i 
CO  CO  03  ^ 
:C  :0  w ^ 

'ft  "ft  .3  :fl 

13  Klafft 


A 

fl  j-j 

s © 

03  _o 

•-3  fl 


& S) 

gft 

% w 


_S  fl 


bß 

0 bß 


'fl 

PI  g) 

ft  fl 

fl  ft  H r ft  ft 

1 1-3 

2^  ö 0}  Ph  o5  cp 

03  ft  fl  CO  fl  cq  O '"fl  fl  ^ 

® 2 © bß^ft  5 

fl^  £^-h  S 

M<1pqctO  >: pm 3Q S3 p3 


H (M  CO  tII  »O  CD  b- 00  O) 


Dresden,  am  26.  Februar  1907.  Hofbuchhändler  Georg  Lehmann,  z.  Z.  Kassierer  der  Isis. 


Sitzungsberichte 

der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1907. 


I.  Sektion  für  Zoologie. 


Vierte  Sitzung  am  12.  Dezember  1907  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Sektion  für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi.  — Anwesend 
44  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  als  bemerkenswerte  Erwerbung  der  Bibliothek 
des  K.  Zoologischen  Museums  das  Werk  von 

Saville-Kent,  W.:  The  Great  Barrier-Reef  of  Australia.  London  1898, 

vor. 

Prof.  Dr.  K.  Escherich  hält  einen  Vortrag  über  seine  Reise  nach 
Erythräa,  unter  Vorführung  von  Lichtbildern  und  Vorlage  der  Königin- 
zelle einer  Termite. 


II.  Sektion  für  Botanik. 


Vierte  (aufserordentliche)  Sitzung  am  11.  Juli  1907. 

Einer  Einladung  von  Prof.  Dr.  F.  Neger  folgend  versammelten  sich 
zahlreiche  Mitglieder  nachmittags  5 Uhr  auf  dem  Hauptbahnhofe,  um  nach 
Tharandt  zu  fahren. 

Vom  Einladenden  begriffst  begab  sich  die  Gesellschaft  in  den  regenschwer  da- 
liegenden Forstgarten,  den  sie  von  der  Freiberger  Strafse  aus  bis  zu  den  Heiligen  Hallen 
auf  Zickzackpfaden  dem  schlechten  Wetter  zum  Trotz  unter  den  lehrreichen  Erläute- 
rungen von  Prof.  Dr.  F.  Neger  und  anregenden  Diskussionen  durchwanderte.  Der  Vor- 
tragende führte  sowohl  zu  den  auf  der  Hochfläche  des  Gartens  neu  angelegten  Rabatten 
für  forstliche  Standorts-  (Sand-,  Kalk-,  Humus-,  Moor-,  Holzschlag-  usw.)  Pflanzen,  als 
besonders  erläuterte  er  den  ,, Habitus  der  Koniferen“  an  der  grofsen  Mannigfaltig- 
keit der  im  Garten  befindlichen  Arten  mit  ihren  zum  Teil  hervorragend  schön  ge- 
wachsenen und  schon  genügend  alten  Exoten. 

Dieser  Demonstration  im  Freien  folgte  ein  Vortrag  über  dasselbe  Thema  im  Hör- 
saal des  forstbotanischen  Instituts,  bei  welchem  nunmehr  zahlreiche  Lichtbilder  den 
Habitus  der  Koniferen  zu  erläutern  bestimmt  waren  und  auch  solche  Arten,  wie  Arau- 
caria , zur  Besprechung  ihrer  Charakterform  gelangten,  deren  Kultur  im  Freien  unser 
Klima  ausschliefst. 

Nach  einer  gemeinsamen  Stärkung  in  der  Baderestaui  ation  verabschiedeten  sich  die 
Dresdner  Mitglieder  mit  herzlichem  Danke  von  Prof.  Dr.  F.  Neger. 


Fünfte  Sitzung  am  7.  November  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  39  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  B.  Schorler  bespricht  einige  Erscheinungen  der  neueren 
Literatur,  nämlich: 


22 


Holläs,  L. : Die  Gasteromyceten  Ungarns.  Leipzig  1902,  ein  Foliowerk 
mit  ausgezeichneten  bunten  Tafeln; 

Kirchner,  0.,  Loew,  E.  und  Schröter,  C.:  Die  Lebensgeschichte  der 
Blütenpflanzen  Mitteleuropas.  Stuttgart  1906.  Dieses  grofse,  sehr  be- 
deutungsvolle Werk  wird  die  Gesellschaft  bei  seinem  ferneren  Erscheinen 
noch  mehrfach  beschäftigen. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  legt  vor  einen  Faksimile -Neudruck 
von  Caroli  Linnaei  ,,Species  plantarum“,  Editio  I,  1753. 

Die  Seltenheit  der  ersten,  für  die  botanische  Nomenklatur  klassisch  gewordenen 
Ausgabe  hat  bei  der  Linne-Jubelfeier  ihre  Neuausgabe  veranlafst,  da  sich  in  den  meisten 
Bibliotheken  nur  die  zweite,  in  Stockholm  1762  erschienene  befindet.  Es  hat  daher  auch 
unsere  botanische  Bibliothek  diesen  40  Mk.  kostenden  zweibändigen  Neudruck,  der  bei 
0.  Weigel-Leipzig  im  Kommissionsverlag  sich  befindet,  angeschafft. 

Dr.  A.  Naumann  spricht  über  Myxomyceten  als  Erreger  ge- 
wisser Pflanzen  krank  heiten,  unter  Vorlage  zahlreicher  mikroskopischer 
und  Spiritus-Präparate. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  die  unter  erfreulich  starker  Be- 
teiligung vom  8.  — 20.  September  hier  abgehaltenen  botanischen 
Versammlungen,  welche,  wie  wohl  noch  nie  zuvor,  eine  Menge  der  ver- 
schiedensten Fachvertretungen  deutscher,  österreichischer  und  auch  einiger 
fremdländischer  Botaniker  in  Dresden  zusammengebracht  haben. 

Vom  8.  bis  11.  September  tagten  gleichzeitig  in  den  Räumen  der  Technischen 
Hochschule  die  „Vertreter  der  angewandten  Botanik“  und  die  „Freie  Vereinigung  für 
botanische  Systematik  und  Pflanzengeographie“  unter  ihren  Präsidenten  Zacharias- 
Hamburg  und  Engler-Berlin.  Beide  Vereine  hatten  in  ihrer  gemeinsamen  Tagung  in 
Hamburg  1906  Dresden  zum  Orte  ihrer  diesjährigen  gemeinsamen  Tagung  erwählt  und 
waren  dadurch  mafsgebend  dafür  geworden,  dafs  nun  auch  die  „Deutsche  botanische 
Gesellschaft“,  obgleich  diese  leider  sich  vom  Orte  der  Naturforscher -Versammlung  zu 
trennen  in  Meran  beschlossen  hatte,  entgegen  diesem  Beschlüsse  in  diesem  Herbst  nach 
Dresden  kam,  um  hier  ihr  25jähriges  Jubiläum  seit  der  Gründung  in  Eisenach  1882 
zu  feiern. 

Sie  hielt  unter  ihrem  in  bewundernswerter  Frische  und  Rüstigkeit  unentwegt  am 
Präsidentenplatze  stehenden  Leiter,  S.  Schwendener-  Berlin,  ihre  Generalversammlung 
am  Donnerstag,  den  12.  September,  ihre  Festsitzung  am  Freitag,  den  13.  September  in 
einem  festlich  mit  Pflanzenschmuck  vom  Botanischen  Garten  hergerichteten  Saale  des 
Äusstellungsgebäudes  an  der  Stübel- Allee  ab.  An  diesen  Sitzungen  sowohl  wie  am 
Festmahl  der  Gesellschaft  (Donnerstag  Abend  im  Belvedere)  beteiligten  sich  eine  Anzahl 
botanischer  Isis-Mitglieder,  und  Geheimrat  Kalkowsky  sprach  beim  Festmahl  die  Glück- 
wünsche der  Isis  aus. 

Der  Vortragende  berichtet  dann  weiter  über  eine  Abhandlung:  „Die 
kartographische  Darstellung  mitteldeutscher  Vegetationsformationen;  I.  Wein- 
böhla, II.  Zschirnsteine,  III.  Altenberg.“  Dresden  1907,  welche  als  Sonder- 
druck der  Englerschen  Jahrbücher  für  Systematik  und  Pflanzengeographie 
vom  Botanischen  Institut  der  Technischen  Hochschule  herausgegeben  wurde, 
mit  drei  pflanzengeographischen  Karten  und  einer  farbigen  Formationstafel, 
an  denen  der  Vortragende,  vielfach  von  Kustos  Dr.  B.  Schorler  unterstützt, 
in  den  letzten  Jahren  gearbeitet  hat. 

Die  Karten  sind  in  ausgezeichneter  Weise  von  der  hiesigen  Firma  Meinhold  & Söhne 
auf  15  farbigen  Steinplatten  gedruckt  und  sollen  noch  in  diesem  Winter  einer  zweiten 
Abhandlung  beigegeben  werden,  welche  die  Prinzipien  der  floristischen  Kartographie 
nach  allgemeineren  Gesichtspunkten  im  Dresdner  Verein  für  Erdkunde  zur  Darstellung 
bringen  soll. 

Das  durch  die  genannten  Karten  umschriebene  Gebiet  sollte  nun  für  diese  botanischen 
Vereinigungen  im  September  auch  als  Exkursionsgebiet  dienen.  Nachdem  bereits  am 
Montag,  den  9.  September,  nachmittag  von  Neusörnewitz  aus  die  „Freie  Vereinigung“ 
zu  einem  durch  das  schönste  Wetter  begünstigten  Ausfluge  über  die  Bosel  nach  Meifsen 


23 


(Gebiet  der  Karte  I)  geführt  war,  begann  eine  gröfsere,  mit  zwei  Nachtquartieren  in 
Tetschen  geplante  Exkursion  am  Freitag,  den  13.  September,  Nachmittag  mit  einer  Be- 
steigung des  Grofsen  Zschirnsteins  (Karte  II),  um  von  da  zum  Böllberg  bei  Niemes  und 
in  die  Elbgehänge  des  Böhmischen  Mittelgebirges  bei  Salesel  und  Czernosek  zu  führen. 
Diese  am  Sonntag  Abend,  den  15.  September,  geschlossene  Exkursion  wurde  vom  Vor- 
tragenden, Dr.  B.  Schorler  und  Dr.  A.  Naumann  gemeinsam  geführt;  bedauerlicherweise 
war  Prof.  Dr.  F.  Neger- Tharandt  durch  Erkrankung  gehindert,  sich  an  der  Führung  zu 
beteiligen,  die  auch  bei  dem  Ausfluge  nach  Tharandt  zur  Besichtigung  des  Forstgartens 
(am  11.  September)  von  Prof.  Dr.  A.  Beck  und  Inspektor  G.  A.  Büttner  an  seiner  Stelle 
übernommen  wurde. 

Die  Beschreibung  der  Ausflüge  ist  im  Jahresbericht  der  „Freien  Vereinigung“, 
zugleich  in  Englers  botanischen  Jahrbüchern  1907/08,  ausführlicher  wiedergegeben. 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Vierte  Sitzung  am  14.  November  1907.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
Dr.  P.  Wagner.  — Anwesend  58  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

Gäbert,  C.:  Die  Gneise  des  Erzgebirges  und  ihre  Kontaktwirkungen. 
Zeitschr.  Deutsch.  Geol.  Ges.  LIX,  1907. 

Geb.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  berichtet  über  den  Ko  rund - 
granulit  von  Waldheim.  (Vergl.  Abhandlung  V.) 

Dr.  P.  Menzel  hält  einen  Vortrag  über  die  Flora  des  Braunkohlen- 
reviers von  Senftenberg. 

Vergl.  hierzu  die  Veröffentlichung  des  Vortragenden:  „Ueber  die  Flora  der 
Senftenberger  Braunkohlenablagerungen.“  Abhandl.  K.  Pr.  Geol.  Landes- 
anstalt, n.  F.  Bd.  46,  1906. 


IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 


Vierte  Sitzung  am  21.  November  1907.  Vorsitzender:  llofrat  Prof. 
Dr.  J.  Deich müll er.  — Anwesend  55  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  Th.  Arldt  spricht  über  Heimat  und  erste  Aus- 
breitung des  Menschen. 

Die  Frage  nach  der  Urheimat  des  Menschen  hat  die  verschiedensten  Beantwortungen 
gefunden;  es  gibt  keinen  Kontinent,  der  nicht  dafür  schon  in  Betracht  gezogen  wurde. 
Zu  ihrer  Beantwortung  führen  zwei  Wege,  ein  rückschreitender,  analytischer,  der  anthro- 
pologisch-prähistorische, und  ein  vorwärtsschreitender,  synthetischer,  der  paläogeo- 
graphisch- phylogenetische.  Letzterer  wurde  vom  Vortragenden  eingeschlagen.  Die 
paläogeographische  Forschung  stützt  sich  wieder  auf  eine  petrographisch-paläontologische 
und  auf  eine  biogeographische  Methode,  deren  Besultate  durch  ihren  Vergleich  gröfsere 
Sicherheit  der  Schlufsfolgerungen  gewährleisten.  Durch  die  wechselnden  Verbindungen 
zwischen  den  Kontinenten  treten  Faunenmischungen  ein,  bei  denen  das  Herrschen  mehrerer 
Gesetze  sich  erkennen  läfst,  die  man  als  Gegenseitigkeits-,  Massenwirkungs-  und  klima- 
tisches Gesetz  bezeichnen  kann,  auch  läfst  sich  in  der  Entwickelung  eine  Periodizität 
in  mathematischem  Sinne  nicht  verkennen.  Infolge  dieser  Änderungen  gab  es  früher 
andere  Regionen  und  Reiche  als  jetzt,  sie  sind  auch  die  Ursache,  dafs  wir  in  den 
lebenden  Kontinentalfaunen  verschiedene  Schichten  unterscheiden  können. 

Suchen  wir  den  im  Menschen  gipfelnden  Zweig  der  Wirbeltiere  in  seiner  geo- 
graphischen Entwickelung  zu  verfolgen,  so  liegt  die  Heimat  der  ältesten  Säugetiere 
wahrscheinlich  in  Südafrika  bez.  im  permischen  Südkontinente.  Von  hier  gelangten  sie 


24 


über  Süd-  nach  Nordamerika,  wo  sie  zn  den  Plazentaliern  sich  weiterentwickelten, 
während  in  Australien  die  Kloakentiere,  in  Südamerika  die  Beutler  sich  ausbildeten. 
Vor  Beginn  der  Tertiärzeit  spalteten  sich  die  Plazentalier  in  vier  Hauptzweige  und  ge- 
langten auch  nach  dem  Süden,  darunter  die  Primaten,  von  denen  im  Oligozän  in  Süd- 
amerika die  Breitnasen,  in  Afrika  und  Madagaskar  die  Lemuren,  in  Asien  und  dem 
nordatlantischen  Kontinente  die  Uraffen  (Anaptomorphiden  und  Pachylemuriden)  und  in 
Nordeuropa  die  Schmalnasen  gelebt  haben  dürften.  Im  Miozän  gelangen  diese  nach 
Mitteleuropa,  bereits  in  Hunds-  und  Menschenaffen  geschieden,  und  breiten  bald  auch 
nach  Indien  sich  aus.  Hier  entwickeln  sich  als  gesonderte  Zweige  Gibbon,  Pithecan- 
thropus,  Schimpanse  und  Orang  Utan.  Der  Urmensch  hat  wohl  weiter  im  Norden  sich 
entwickelt,  etwa  zwischen  Skandinavien  und  dem  Himalaya,  vielleicht  in  Nordasien,  das 
damals  wärmer  war  als  jetzt.  Nachdem  er  hier  seine  körperliche  Ausbildung  infolge 
seines  aufrechten  Ganges  erlangt  hatte,  veranlafste  ihn  zur  Ausbildung  der  ersten  Kultur 
die  Notlage,  in  die  Horden  des  Affenmenschen  gerieten,  als  im  Pliozän  das  inner- 
asiatische Hochland  sich  erhob  und  sie  in  ihm  isoliert  wurden.  Hierher  möchten  wir 
daher  die  Ausbildung  des  Menschen  verlegen,  von  hier  aus  konnte  er  auch  im  Pliozän 
am  raschesten  und  leichtesten  über  alle  Kontinente  sich  ausbreiten.  Zuerst  breiteten  die 
protomorphen  Rassen  sich  aus,  von  denen  nur  die  Neandertalrasse  den  alten  Typus  uns 
rein  zeigt,  während  die  anderen  Zweige  sich  gleichsinnig  mit  den  Hauptrassen  weiter- 
entwickelt haben.  Im  Süden  stellen  aufeinanderfolgende  Völkerwellen  dar  die  woll- 
haarigen  Völker,  die  Wedda,  die  Dravida  und  Australier,  sowie  die  Urmalayen,  Schmidts 
austrische  Rasse.  Im  Norden  besiedelte  die  Neandertalrasse  den  Westen,  die  Vorfahren 
der  Aino  waren  deren  Repräsentanten  im  Osten.  Die  Negroiden,  Mongoloiden  und 
Mittelländer  sind  selbständige  Zweige,  die  getrennt  von  einander  aus  protomorphen 
Stämmen  hervorgingen,  und  zwar  in  Afrika  bez.  West-  und  Ostasien.  In  Europa  sind 
die  Urneger  von  Mentone  vielleicht  mit  den  Hottentotten  zusammenzubringen,  jedenfalls 
sind  sie,  wie  viele  afrikanische  Tiere,  vom  Süden  gekommen.  Gleiches  gilt  vielleicht 
vom  Löfsmenschen,  den  wir  der  westeuropäischen  Rasse  gleichsetzen  möchten,  während 
die  Cro-Magnonrasse  den  Indogermanen  zuzuzählen  ist.  Die  erste  ist  wahrscheinlich  von 
Nordafrika  nach  Europa  gelangt,  während  die  Ausbreitung  der  letzteren  wohl  nördlich 
vom  Pontus  erfolgt  ist. 

Yorgelegt  werden: 

Schoetensack,  0.:  Die  Bedeutung  Australiens  für  die  Heranbildung  des 
Menschen  aus  einer  niederen  Form.  Verh.  Naturhist.-med.  Ver.  Heidel- 
berg VII,  1902; 

Arldt,  Th.:  Die  Entwicklung  der  Kontinente  und  ihrer  Lebewelt. 
Leipzig  1907; 

— Paläogeographisches  zum  Stammbaum  des  Menschen.  Zeitschr.  f.  Morph, 
u.  Anthr.  X,  1907; 

— Die  Gröfse  der  alten  Kontinente.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  usw.  1907,  1. 

An  der  sich  an  den  Vortrag  anschliefsenden  Debatte  beteiligen  sieb 
Dr.  W.  Hentschel,  Prof.  Dr.  A.  Jacobi  und  der  Vortragende. 


V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Vierte  Sitzung  am  17.  Oktober  1907,  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
M.  Toepler.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  M.  Toepler  spricht  über  gleitende  Entladungen. 

Unter  Umständen  kann  man  bei  relativ  kleiner  Spannung  auf  der  Oberfläche  ver- 
schiedener Körper  starke  elektrische  Funken  von  ganz  auffallender  Länge  (z.  B.  mit 
weniger  als  50  Kilovolt  mehr  als  2 m lange  Funken)  erhalten  — „gleitende  Entladung“. 
Dies  Phänomen  ist  altbekannt;  erst  neuerdings  aber  sind  vom  Vortragenden  die  Be- 
dingungen, unter  denen  die  Erscheinung  eintritt,  und  deren  Gesetze  durch  messende 
Versuche  festgestellt  worden*). 


*)  Vergl.  z.  B.  auch  diese  Berichte,  Jahrgang  1907,  Abhandl.  3. 


25 


Unter  den  mannigfachen  Entstehungsbedingungen  gleitender  Entladung  sind  zwei 
von  besonderer  Wichtigkeit.  Die  eine,  durch  Einfachheit  ausgezeichnet,  liegt  vor,  wenn 
eine  konstante  Spannung  plötzlich  an  die  Enden  der  Funkenbahn  angelegt  wird.  Die 
andere  hat  neuerdings  für  die  Technik  eine  hervorragende  Bedeutung  gewonnen ; bei  ihr 
handelt  es.  sich  um  Anlegung  hochgespannter  Wechselströme.  Eingehender  ist  bisher 
nur  die  erste  Art  untersucht. 

Man  erhält  leicht  mit  kleiner  Spannung  auffallend  lange  Gleitfunken  auf  Metall- 
pulvern, vergoldeten  Bilderrahmen,  Rufs,  feuchtem  Gips  (Stuck),  feuchtem  Holze,  feuchtem 
oder  auch  trockenem  Schiefer,  Basalt,  Wasseroberflächen,  aber  auch  unter  bestimmten 
Bedingungen  auf  blanken,  trockenen,  nichtleitenden  Jsolatorenoberflächen  (Glimmer, 
Glas,  Porzellan).  Vortragender  zeigte  dies  durch  eine  grofse  Reihe  von  Experimenten. 
Während  bei  erstgenannten  Fällen  die  Verdampfung  des  Bahnmaterials  zur  Funken- 
bildung mit  beiträgt,  ist  diese  in  den  weiteren  Fällen  ausschliefslich  durch  eine  Eigen- 
tümlichkeit der  Elektrizitätsleitung  der  Gase  (Luft)  ermöglicht.  Gase  sind  (ähnlich  wie 
z.  B.  der  Glühkörper  in  der  Nernstlampe)  für  schwache  Ströme  schlechte  Leiter,  für 
starke  dagegen  sehr  gute.  Infolgedessen  gelten  für  kurze,  schwache  Entladungen  ganz 
andere  Gesetze  als  für  so  starke  Entladungen,  wie  sie  bei  den  Gleitphänomen  vorliegen. 
Als  bemerkenswerte  Gesetze  für  die  Gleitfunkenbildung  wurden  vom  Vortragenden 
gefunden : 

1.  Die  Gleitfunkenlänge  ist  proportional  der  Aufnahmefähigkeit  der  Bahnlängen- 
einheit für  Elektrizität. 

2.  Die  gröfstmögliche  Gleitfunkenlänge  ist  je  nach  festgestellten  Umständen  der 
zweiten  bis  fünften  Potenz  der  Spannung  proportional. 

Die  grofse  Wachstumsfähigkeit  macht  die  gleitende  Entladung  (wegen  der  mit  ihr 
verbundenen  Brand-  und  Kurzschlufsgefahr)  zu  einem  für  die  Technik  hochgespannter 
Ströme  sehr  zu  fürchtenden  Phänomen;  schon  heute  kommt  die  Frage  der  Formgebung 
von  Isolierungen  für  hohe  Spannungen  zum  grofsen  Teile  auf  das  Problem  der  Ver- 
meidung von  Gleitprozessen  auf  Isolatorenoberflächen  hinaus. 

Auch  alle  weithingehenden  Raumbüschel  zeigen  Gleitcharakter.  Der  Schlüssel  zu 
ihrer  Erklärung  und  quantitativen  Beurteilung  ist  durch  obengenannte  Gesetze  gegeben. 
Zu  völlig  fehlerhaften  Schlüssen  mufs  es  dagegen  führen,  wenn  man  die  Gesetze  der 
direkten  Entladung  über  kurze  Luftstrecken  auf  irgendwelche  Gleitphänomen  anwendet, 
also  speziell  auch,  wie  das  bisher  immer  geschehen  ist,  auf  das  gröfste  Gleitphänomen, 
die  Blitzbildung. 


Fünfte  Sitzung  am  5.  Dezember  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
M.  Toepler.  — Anwesend  39  Mitglieder  und  Gäste. 

Direktor  Dr.  A.  Beythien  spricht  über  neuere  Aufgaben  der 
Nahrungsmittel  chemie. 


Yl.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 

Vierte  Sitzung  am  4.  Juli  1907.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.Witting. 
— Anwesend  10  Mitglieder  und  Gäste. 

Staatsrat  Prof.  M.  Grübler  spricht  über  die  Elastizitätstheorie. 
Der  Vortragende  erwähnt  einleitungsweise,  däfs  man  bisher  zwischen  Dehnung 
und  Spannung  in  Körpern  das  Proportionalitätsgesetz:  s = a0 . o = -=-  oder  auch  das 

Bachsche  Potenzgesetz  s = a0  . <j»  angenommen  hat.  Das  letztere  Gesetz  hat  aber  den 
Nachteil,  dafs  für  den  Fall  a = 0 der  Elastizitätsmodul  JE0  ==  oo  wird.  Wahrscheinlich 
besteht  ein  komplizierteres  Gesetz  e = f (a)  als  das  Proportionalgesetz  bei  vielen  Körpern. 

Während  bisher  die  Zugfestigkeit  durch  die  Zerreifsungsmethode  bestimmt  wurde, 
ermittelte  der  Vortragende  diese  an  auf  Innendruck  beanspruchten  Hohlzylindern  und 
erläutert  näher  sein  zur  Bestimmung  der  Zugfestigkeit  dienendes  Verfahren.  Er  hebt 
hervor,  dafs  es  ihm  gelungen  sei,  den  Innenraum  eines  Hohlzylinders  unter  starken  Druck 
zu  setzen,  ohne  den  Körper  selbst  durch  irgendwelche  andere  Kräfte  zu  beanspruchen. 


26 


Diese  Art  der  Beanspruchung  entspricht  auch  genau  der  Differentialgleichung  des 
Deformationsvorganges. 

Ist  E der  Elastizitätsmodul  für  Druck,  Ez  der  für  Zug,  a die  tangentiale,  v die 
radiale  Spannung  und  X die  bekannte  Konstante,  so  ergibt  sich 

als  Dehnung  in  tangentialer  Richtung:  et  = X = = — , 

Ez  E r 


als  Dehnung  in  radialer  Richtung:  er  = — Xz 


dv 

dr 


Hieraus  folgt 


<s  I 1 {—  + ^v'\  und  V = - + v' } 

1 — XX*  Ir  J 1-XXjI  r 1 J 


E~ 

Setzt  man  demnach  = p.2  und  1 + Xz  — X p.2  = c , so  lautet  die  Differential- 


ff i ^ / o ^ 

v = l*-2  * --ö, 


gleichung  der  Deformation; 

c 

die  Integralgleichung  derselben  hingegen 

v — A . rm i -j-  B . rm 2, 

wobei  und  w2  die  Wurzeln  der  quadratischen  Gleichung 

m2  -J-  (c  — 1) . m — p2  = 0 

sind.  Es  berechnet  sich  dann  für  r = rt  das  Maximum  der  Spannung  a zu 


. = JP_ i_  f /r  x ] 

1 >».  - j j- 


Nimmt  man  nun 

1)  p,  = 1 (Proportionalitätsgesetz)  und  X = Xz,  so  wird  m = + 1 und 

A4  ‘3  I A4  2 

^ Pi  (Lame);  [hierin  bezeichnet  pL  den  Innendruck j 


r22  — r1 


2)  Xz  = X = 0,  so  ist  m — + p.  und  a,  = p, 


woraus  für  den  Fall  p2  = \ sich  a 


/r0\2,u 

ergibt; 


7\  2 


1 u.2  — 1 

3)  X = Xz  = T (Poisson),  so  ist  m = 1 — - — + 
4 o 


V(^)‘ 


woraus  für  p.  = — sich  mA  ==  0,4150,  m2  = — 0,6025  und 

/w 


0,4150  + 0, 


(-) 

,6025  \r1/ 


px  ergibt. 


1,0175 ^ 

Diese  Spezialfälle  haben  bei  einem  Versuch  u.  a.  folgende  Werte  ergeben: 


1)  x>0 

2)  Xz  = X = 0 

00 

.11 

II- 

1 

1 

p.  — 1 

= 2 

■*='2 

<Jt  ==  39,82 

36,67 

38,78  at-, 

welche  nur  sehr  wenig  von  einander  abweichen,  trotzdem  im  ersten  Falle  Es  = E 

und  im  letzten  Ez  = \ E ist. 

4 


27 


Fünfte  Sitzung  am  10.  Oktober  1907.  Vorsitzender:  Staatsrat  Prof. 
M.  Grübler.  — Anwesend  12  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  E.  Naetsch  spricht  über  Lichtgrenzkurven  und  geo- 
dätische Linien. 

Als  eine  Lichtgrenzkurve  einer  gegebenen  Fläche  soll  jede  Kurve  bezeichnet 
werden,  welche  auf  dieser  Fläche  liegt  und  so  beschaffen  ist,  dafs  die  zu  den  Punkten 
der  betreffenden  Kurve  gehörenden  Tangentialebenen  der  Fläche  sämtlich  zu  einer  und 
derselben  Richtung  (Lichtrichtung!)  parallel  sind,  dafs  also  die  längs  der  Kurve  um  die 
Fläche  beschriebene  Developpable  eine  Z.ylinderfläche  ist.  Dann  läfst  sich  leicht  einsehen, 
dafs  es  auf  jeder  nicht  abwickelbaren  Fläche  im  ganzen  oo2  Lichtgrenzkurven  geben 
mufs.  Andererseits  enthält  aber  die  Fläche  bekanntlich  auch  genau  oo2  geodätische 
Linien;  es  ist  daher  der  Fall  denkbar,  dafs  auf  einer  nicht  abwickelbaren  Fläche  jede  Licht- 
grenzkurve eine  geodätische  Linie  und  auch  umgekehrt  jede  geodätische  Linie  eine  Licht- 
grenzkurve ist.  Dafs  dieser  Fall  wirklich  vorkommt,  zeigt  das  Beispiel  der  Kugeloberfläche. 

Im  Vorfrage  wird  nun  auf  analytischem  Wege  der  Nachweis  erbracht,  dafs  die 
Kugeloberfläche  die  einzige  Fläche  von  der  gewünschten  Beschaffenheit  ist.  Zu  diesem 
Zwecke  wird  zunächst  für  eine  beliebige  Fläche,  deren  Gleichung  in  der  Form  z = f (x,  y) 
angesetzt  wird,  einerseits  die  Differentialgleichung  der  Lichtgrenzkurven,  andererseits 
die  Differentialgleichung  der  geodätischen  Linien  aufgestellt;  hierauf  werden  die  not- 
wendigen und  hinreichenden  Bedingungen  dafür  formuliert,  dafs  diese  beiden  gewöhn- 
lichen Differentialgleichungen  II.  Ordnung  miteinander  identisch  sein  sollen.  Es  ergeben 
sich  vier  Bedingungsgleichungen,  welche  sich  als  vier  partielle  Differentialgleichungen 
III.  Ordnung  mit  derselben  unbekannten  Funktion  f (er,  y)  erweisen.  Die  nähere  Unter- 
suchung zeigt,  dafs  dieselben  ein  „beschränkt  integrables“  System  bilden  und  dafs  sich 
dieses  zurückführen  läfst  auf  ein  System  von  zwei  partiellen  Differentialgleichungen 
II.  Ordnung,  welches  seinerseits  „unbeschränkt  integrabel“  ist;  nämlich  auf  das  bekannte, 
sofort  geometrisch  zu  deutende  System 

r s t 

1 + P2  ~ PV~~  f + L2’ 

Bildet  man  aber  mit  der  vollständigen  Lösung  des  letzteren  Systems,  mit  der  Funktion 

f(x,  y)  = c-{-  y&2  — (x  — a)2Sr(i/  — ö) 2 ( a b,  c,  k willkürliche  Konstanten) 

die  Gleichung  z = f (cc,  y),  so  hat  man  die  Gleichung  oo 4 der  Kugeloberflächen  des  Raums. 
Diese  sind  somit  in  der  Tat  die  einzigen  Flächen  von  der  gewünschten  Beschaffenheit. 


Sechste  Sitzung  am  12.  Dezember  1907.  Vorsitzender:  Staatsrat 
Prof.  M.  Grübler.  — Anwesend  14  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  die  Beziehungen  der 
Sammelbegriffe  zur  Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

Unter  Bezugnahme  auf  seinen  früher  in  der  Isis  (Sitzungsberichte  1899,  S.  11) 
gehaltenen  Vortrag  über  statistische  Beobachtungen  biologischer  Erscheinungen  ent- 
wickelt der  Vortragende  den  Gedanken,  die  von  Fechner  zuerst  bearbeiteten  Kollektiv- 
gegenstände zur  erfahrungsmäfsigen  Grundlage  der  Wahrscheinlichkeitslehre  zu  machen. 
Nach  dieser  Auffassung  bezeichnet  Wahrscheinlichkeit  niemals  eine  Eigenschaft  des 
Einzelgegenstandes,  von  dem  sie  ausgesagt  wird,  sondern  des  Sammelbegriffs,  dem  dieser 
Einzelgegenstand  angehört;  nur  über  den  Sammelbegriff,  nicht  über  irgendein  einzelnes 
ihm  angehöriges  Exemplar  besitzen  wir  statistisches  Wissen,  und  wenn  wir  es  mit  Hilfe 
des  Wahrscheinlichkeitsbegriffs  als  ein  quasi  - Wissen  über  den  Einzelgegenstand  dar- 
stellen, so  ist  das  nur  eine  oft  bequeme,  aber  mit  Vorsicht  zu  gebrauchende  Ausdrucks- 
weise. So  gibt  z.  B.  die  Wahrscheinlichkeit,  aus  einer  Urne,  die  s schwarze  und  w weifse 
Kugeln  enthält,  bei  zwei  Zügen  zwei  weifse  Kugeln  zu  ziehen,  eine  Eigenschaft  des 
Sammelbegriffs  aller  Ziehungen  von  Kugelpaaren  aus  dieser  Urne  an,  nämlich  das 
Häufigkeit  s Verhältnis  der  Paare  weifser  Kugeln  zu  allen  möglichen  Paaren. 

Die  elementaren  Lehrsätze  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  ergeben  sich  bei  diesem 
Ausgangspunkte  unmittelbar  durch  Anwendung  des  disjunktiven  Urteils  auf  die  Sammel- 
begriffe. 

Während  des  Vortrags  wurden  verschiedene  der  Erfahrung  entnommene  oder  auch 
logisch  kombinierte  Sammelbegriffe  besprochen,  zum  Schlüsse  auch  die  kollektiven  Be- 
griffe physikalischer  Natur,  aiif  die  der  Vortragende  bei  der  diesjährigen  Versammlung 
deutscher  Naturforscher  und  Arzte  hingewiesen  hat. 


38 


VII.  Hauptversammlungen. 


Siebente  Sitzung  am  26.  September  1907. 

Die  Versammlung  findet  im  Zoologischen  Garten  statt,  wo  zunächst 
die  Vorführungen  der  Völkergruppe  „Wild-Afrika“  besichtigt  werden. 

Hieran  schliefst  sich  eine  Hauptversammlung,  an  der  31  Mitglieder 
teilnehmen. 

Der  Vorsitzende,  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  spricht  dem 
anwesenden  Direktor  des  Zoologischen  Gartens,  Kommissionsrat  A.  Schöpf, 
den  Dank  der  Gesellschaft  für  die  den  Mitgliedern  seitens  des  Aufsichts- 
rates und  Direktoriums  des  Gartens  gewährte  Vergünstigung  des  unent- 
geltlichen Eintritts  aus  und 

erstattet  einen  kurzen  Bericht  über  den  Verlauf  der  79.  Versamm- 
lung Deutscher  Naturforscher  und  Arzte  in  Dresden  vom  15. — 21. 
September  1907. 


Achte  Sitzung  am  24.  Oktober  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  74  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  H.  Stadelmann  hält  einen  durch  Lichtbilder  erläuterten 
Vortrag  über  die  Stellung  der  Psychopathologie  zur  Kunst. 

Die  Psychopathologie  ist  Untersuchungsmittel  der  Kunst,  insofern  als  die  Kunst 
seelisches  Erzeugnis  ist,  das  sich  vod  den  normalen,  d.  h.  durchschnittlichen  menschlichen, 
seelischen  Erzeugnissen  quantitativ  unterscheidet. 

Durch  das  „Erleben“  wird  die  objektive  Aufsenwelt  zu  einer  subjektiven  Welt. 
Bei  der  Bildung  der  subjektiven  Welt  zerfallen  Vorstellungskomplexe,  aus  deren  Ele- 
menten sich  neue  Komplexe  nach  den  alten  Notwendigkeiten  bilden  mit  Hilfe  der  Ge- 
fühle und  Stimmungen;  es  folgt  einem  Vorgänge  seelischer  Dissoziierung  eine  erneute 
Assoziierung.  In  besonders  hohem  Grade  treffen  diese  Vorgänge  beim  Werke  schaffender 
Künstler  zu.  Die  Möglichkeit  dieser  erhöhten  Dissoziierung  ist  verursacht  durch  eine 
gesteigerte  Beizbarkeit  des  Gehirns.  Und  zwar  ist  diese  gesteigerte  Reizbarkeit  die 
Folge  der  Ermüdung.  Bei  der  Ermüdung  werden  Stoffe  erzeugt,  die  gesteigerte  Reiz- 
barkeit im  Gehirn  hervorbringen,  der  herabgesetzte  Reizbarkeit  nachfolgt.  Die  geniale 
Gehirnanlage,  die  eine  stark  gesteigerte  Reizbarkeit  aufweist,  hat  die  Neigung,  leicht 
zu  ermüden  und  namentlich  das  erste  Stadium  der  Ermüdung,  die  gesteigerte  Reizbarkeit 
hervorzubringen.  Ganz  ähnlich  verhält  es  sich  bezüglich  der  Ermüdung  bei  der  Anlage 
zur  Psychose.  Beide  Anlagen  sind  „Ermüdungsanlagen“.  Allein  Genialität  ist  nicht 
Psychose.  Wie  Gebautes  zu  Zerstörtem  verhält  sich  das  Werk  des  Genialen  zum  Chaos 
des  Psychotischen.  In  der  Möglichkeit  der  erneuten  Verknüpfung  der  dissoziierten 
Elemente  zu  einer  Einheit  liegt  der  scharfe  Unterschied  des  Genies  von  der  Psychose. 
Beim  Genie  fortwährendes  Zerlegen  und  erneutes  Bauen,  ein  gesteigerter  Lebensprozefs ; 
bei  der  Psychose  fortschreitender  Zerfall.  Das  Genie  kann  zur  Psychose  werden,  wenn 
es  die  dissoziierten  seelischen  Elemente  nicht  mehr  zu  einen  vermag;  hier  entscheiden 
die  individuelle  Veranlagung  und  die  Erlebnisse.  Es  können  aber  psychotische  Elemente, 
wie  Kontrast-  (Pervers-)  und  Negationswertungen,  Illusionen  und  Halluzinationen  u.  dergl. 
in  einem  Werke  Vorkommen;  deshalb  ist  das  Werk  nicht  psychotisch.  Der  Begriff: 
„psychotisch“  schliefst  den  Begriff  Werk  aus.  Das  Einfiechten  derartiger  Elemente  in 
ein  Werk  ergibt  neue  Schaffensmöglichkeiten.  Z.  B.  hat  Oskar  Wilde  in  seinem  Drama 
„Salome“  ein  psychopathologisches  Moment  (das  Verlangen  der  Salome  nach  dem  Kopfe 
des  von  ihr  geliebten  Jochanaan)  in  das  Werk  eingeflochten.  Hier  dient  das  psycho- 
pathologische  Moment,  das  mit  andern  psychischen  Elementen  zu  einer  Einheit  gefügt 
ist,  dazu,  den  tragischen  Konflikt  in  Herodes  zu  künstlerisch  wirkungsvoller  Höhe  zu 
bringen. 

Die  Grenze  zwischen  Kunst  und  Psychose  ist  eine  fliefsende,  wenn  auch  scharf  be- 
stimmbare. Beim  künstlerischen  Wachstum  gibt  es  Zerfall  und  Aufbau.  Wenn  die 


29 


Assoziationen  sich  nicht  immer  sofort  nach  den  Dissoziationen  einstellen,  kann  der 
Künstler  infolgedessen  oft  weit  mehr  in  der  Psychose  zu  Hause  sein  als  in  der  Kunst. 
Aus  dem  Grenzlande  der  Kunst  zur  Psychose  kommen  meist  die  Werke  mit  den  ein- 
gestreuten psychotischen  Elementen;  aber  es  ist  auch  das  Leichenfeld  alter  Werte  und 
der  Ursprungsort  neuer. 

Wie  die  Natur  seihst  beim  Genie  Reizzustände  erzeugt  durch  den  Vorgang  der 
Gehirnermüdung,  so  treten  beabsichtigterweise,  vergleichbar  den  dort  durch  die  Lebens- 
vorgänge selbst  entstandenen  Reizmitteln,  künstliche  Mittel  (Alkohol,  Opium,  Haschisch, 
Selbsthypnose  usw.)  an  die  Stelle,  um  Gefühle  und  Stimmungen  zu  heben. 

Den  genialen  Veranlagungen  liegen  Typen  zu  Grunde  wie  den  psychotischen. 
Diese  Typen  sind  unterschieden  voneinander  durch  die  jeweilige  Möglichkeit,  auf  Reize 
zu  reagieren,  sowie  durch  die  Möglichkeit  der  Wiederherstellung  zur  individuellen  Norm 
nach  dem  Reiz. 

Die  Psychopathologie  in  ihrer  Stellung  zur  Kunst  arbeitet  am  Werke  der  Er- 
kenntnis; ihr  sind  die  Untersuchungen  derjenigen  seelischen  Geschehnisse  anvertraut,  die 
sich  von  dem  Gewohnten  entfernen.  Ihr  Werk  enthält  die  Nachbildung  der  erhebenden 
Verkünder  menschlicher  Übernormalität  in  der  Kunst,  wie  auch  der  bedrückenden 
Zeugen  des  Überschreitens  der  Norm  in  der  Psychose.  Allein  die  von  dem  Gewohnten 
abweichenden  seelischen  Erscheinungen,  Psychose  und  Kunst,  ihrem  Wesen  nach  gleich- 
zusetzen, hiefse  die  beiden  Pole  des  Lebens,  Zersetzung  und  Gestaltung,  verkennen. 


Neunte  Sitzung  am  28.  November  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  28  Mitglieder. 

Das  Ergebnis  der  zu  Beginn  der  Sitzung  vorgenommenen  Neuwahl 
der  Beamten  für  1908  ist  auf  S.  31  zusammengestellt. 

Der  Vorsitzende  teilt  mit,  dafs  in  Freiberg  eine  geologische 
Gesellschaft  gegründet  worden  ist. 

An  die  Sitzung  schliefst  sich  eine  Besichtigung  des  heimatkundlichen 
Schulmuseums  mit  der  Sonderausstellung:  ,,Die  Elbe  und  ihre  Be- 
deutung für  Dresden“,  unter  Führung  und  eingehendster  Erläuterung 
durch  die  Herren,  welche  die  einzelnen  Abteilungen  zusammengestellt  haben. 


Zehnte  Sitzung  am  19.  Dezember  1907.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  67  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  als  Vertreter  der  Tsis  im 
Bund  „Heimatschutz“  über  die  neue  Organisation  und  die  Arbeiten 
des  Bundes  im  Verlauf  des  Jahres. 

Prof.  Dr.  K.  Heller  spricht  über  seine  Ausflüge  auf  den  Inseln 
Gran-Canaria  und  Tenerife,  unter  Vorführung  von  Lichtbildern. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Anfang  Juni  1907  starb  in  Dresden  Privatmann  Gustav  Moritz 
Calberla,  der  Senior  der  Isis-Mitglieder,  aufgenommen  in  die  Gesellschaft 
im  Jahre  1846. 

Am  27.  August  1907  starb  Geh.  Hofrat  Prof.  Leonidas  Lewicki 
in  Dresden,  wirkliches  Mitglied  seit  1875. 


BO 


Am  16.  Oktober  1907  verschied  Ingenieur  Albert  Hart  mann  in 
Dresden,  wirkliches  Mitglied  seit  1896. 

Am  17.  Oktober  1907  starb  Geh.  Rat  Prof.  a.  D.  Dr.  Gustav  Zeuner 
in  Dresden,  Ehrenmitglied  seit  1874. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Beier,  Hermann,  Bürgerschullehrer  in  Dresden,  am  28.  November  1907; 
Bruhm,  Alfred,  K.  Forstassessor  in  Dresden,  am  19.  Dezember  1907; 
Ernemann,  Alexander,  Ingenieur  in  Dresden,  am  24.  Oktober  1907; 
Köckhardt,  Walter,  Gymnasiallehrer  in  Dresden,  am  19.  Dezember  1907; 
Neumann,  Günter,  Dr.  phil.,  Seminarlehrer  in  Dresden,  i am  28.  No- 
Teucher,  Alfred,  Gymnasialoberlehrer  in  Dresden,  1 vember  1907; 
Wirth,  Alexander,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  in  Dresden,  am  24.  Ok- 
tober 1907. 

In  die  korrespondierenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 

Schlaginhaufen,  Otto,  Dr.  phil.,  z.  Z.  in  Simpsonhafen,  Deutsch-Neu- 
guinea. 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellscliaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bach  mann,  Plauen  i.V., 
3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur  Blaschka, 
Hosterwitz,  3 Mk.;  Apotheker  Capelle,  Springe,  6 Mk.  5 Pf.;  Privatmann 
Ei  sei,  Gera,  3Mk.;  Chemiker  Dr.  Haupt,  Bautzen,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Hibsch, 
Liebwerd,  3Mk.;  Bürgerschullehrer  Hof  mann,  Grofsenhain,  3 Mk.;  Lehrer 
Hottenroth,  Gersdorf,  3 Mk.;  Kais.  Geolog  Dr.  Mann,  Berlin,  3 Mk.; 
Prof.  Dr.  Müller,  Pirna,  3 Mk.;  Prof.  Naumann,  Bautzen,  3 Mk.  5 Pf.; 
Privatmann  Osborne,  Starnberg,  3M.;  Sektionsgeolog  Dr.  Petrascheck, 
Wien,  3 Mk.;  Dr.  Reiche,  Santiago -Chile,  3 Mk.;  Oberlehrer  Seidel  I, 
Zschopau,  4 Mk. ; Prof.  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Dr.  med.  Thümer, 
Karlshorst,  6 Mk.  — In  Summa  64  Mk.  10  Pf. 

G.  Lehmann, 
Kassierer  der  „Isis“. 


31 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1908. 

Vorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 
Zweiter  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassierer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Direktorium. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 
Zweiter  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sektionsvorstände: 

Prof.  Dr.  A.  J acobi , 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner, 

Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deich müller, 

Prof.  Dr.  A.  Lottermoser, 

Rektor  Prof.  Dr.  R.  Henke. 

Erster  Sekretär:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deich  müller. 

Zweiter  Sekretär:  Institutsdirektor  A.  Thümer. 

Verwaltungsrat. 

Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  Geh.  Kommerzienrat  L.  Guthmann, 

Privatmann  W.  Putscher, 

Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

Zivilingenieur  R.  Scheidhauer, 

Geh.  Hofrat  Prof.  H.  Fischer, 

Bankier  A.  Kuntze. 

Kassierer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatmann  A.  Richter. 

Sekretär:  Institutsdirektor  A.  Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I.  Sektion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  J acobi. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  K.  Heller. 

Protokollant:  Lehrer  H.  Viehmeyer. 

Stellvertreter:  Lehrer  G.  Dutschmann. 

II.  Sektion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Kustos  Dr.  B.  Schorle r. 

Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  E.  Lohrmann. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

* 


32 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner. 

Stellvertreter:  Dr.  K.  Wanderer. 

Protokollant:  Dr.  J.  Uhlig. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  A.  Geifsler. 


IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Direktor  H.  Döring. 

Protokollant:  Oberlehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  M.  Klahr. 

V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  Lottermoser. 

Stellvertreter:  Direktor  Dr.  A.  Beythien. 

Protokollant:  Dr.  H.  Thiele. 

Stellvertreter:  Fabrikbesitzer  R.  Jahr. 


VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 

Vorstand:  Rektor  Prof.  Dr.  R.  Henke. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  A.  Witting. 

Protokollant:  Prof.  Dr.  E.  Naetsch. 

Stellvertreter:  Realschullehrer  Dr.  F.  Wicke. 


Redaktionskomitee. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Direktoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Sekretärs. 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1907  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tausch. 

(Die  tauschende  Gesellschaft  ist  verzeichnet,  auch  wenn  im  laufenden  Jahre  keine 
Schriften  eingegangen  sind.) 

I.  Europa. 

1.  Deutschland. 

Altenburg:  Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes. 

Annaber g- Buchholz:  Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg.  — 
37.  Bericht.  [Aa  18.] 

Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verband].,  Jahrg.48. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  58,  Heft  2 — 4; 

Bd.  59,  Heft  1 — 3;  Monatsberichte  1907,  Nr.  3 — 7.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Zeitschrift  für  Ethnologie,  38.  Jahrg.,  Heft  6;  39.  Jahrg.,  Heft  1 — 5; 
Gener.-Register  zu  Bd.  21—34.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Rheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  63.  Jahrg.,  2.  Hälfte. 
[Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  ■ — Sitzungs- 
ber.,  1906,  2.  Hälfte.  [Aa  322.] 

Braunschiveig:  Verein  für  Naturwissenschaft. 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XIX,  Heft  1. 
[Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 84.  Jahresber. 

mit  Ergänzungsheft.  [Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  XII,  Heft  1. 
[Aa  80.] 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbl.,  4.  Folge,  27.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landesteile. 

Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jahresber.  1905 — 1906. 
[Aa  47.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“. 
Dresden:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Heft  5—6,  und  Mitglieder- 
verzeichnis 1907.  [Fa  6.] 


34 


Dresden'.  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 

Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXVIII.  [G  75.] 

Dresden : Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mitteil., 
1906—1907.  [Ha  9.] 

Dresden : K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden : K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum. 

Dresden : K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden : K.  Tierärztliche  Hochschule.  — Bericht  für  das  Jahr  1906,  n. 
F.  I.  [Ha  26b.|  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen  in  Sachsen,  51.  Jahrg. 
[Ha  26.] 

Dresden : K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  für  das  Studien- 
jahr 1905 — 1906;  Verzeichnis  der  Vorlesungen  und  Uebungen  samt 
Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1907,  W.-S.  1907—1908.  [Je  63.] 
— Personalverz.  Nr.  XXXV— XXXVI.  [Je  63b.] 

Dresden:  K.  Sächs.  meteorologisches  Institut. 

Dürkheim'.  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  ,,Pollichia“.  — 
Mitteil.  LXIII,  Nr.  22;  H.  Zwick:  Grundlagen  einer  Stabilitätstheorie 
für  passive  Flugapparate  und  für  Drachenflieger.  [Aa56.] 
Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 90.  Jahresber.  [Aa  48.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrb.,  Heft  XXXII 
u.  XXXIII.  [Aa  263.] 

Erlangen:  Physikalisch -medizinische  Sozietät.  — Sitzungsber.,  38.  Band. 
[Äa  212.] 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1907.  [Aa  9 a.]  — Festschrift  zur  Erinnerung  an  die  Eröffnung 
des  neu  erbauten  Museums  d.  Senckenberg.  naturforsch.  Ges.  1907. 
[Aa  9b.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein.  — Jahresbericht  für  1905 — 1906. 
[Eb  35.] 

Frankfurt  a.  O.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt. 

Freiberg:  K.  Sächsische  Bergakademie.  — Programm  für  das  141.  u.  142. 

Studienjahr.  [Aa  323.] 

Fulda:  Verein  für  Naturkunde. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Bericht, 
n.  F.,  medizin.  Abt.,  Bd.  2;  naturwissensch.  Abt.,  Bd.  1.  [Aa  26.] 
Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Abhandl.,  Bd.  25,  Heft  2.  [Aa  3.] 
Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Codex  diplo- 
maticus  Lusatiae  superioris,  Bd.  81,  Heft  3;  Neues  Lausitzisches 
Magazin,  Bd.  83.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 

— Jahreshefte,  Bd.  II,  Heft  2.  [G  113.] 

Greifswald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mitteil.,  38.  Jahrg.  [Aa  68.] 

Greif sivald:  Geographische  Gesellschaft.  — X.  Jahresber.;  Bericht  über 
die  Tätigkeit  in  den  ersten  25  Jahren.  [Fa  20.] 

Greiz:  Verein  der  Naturfreunde.  — Abhandl.  u.  Ber.  V.  [Aa  338.] 


35 


Guben : Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte. — 
Niederlausitzer  MitteiL,  IX.  Bd.,  Heft  1 — 4;  X.  Bd.,  Heft  1—2.  [G  102.] 
Güstrow:  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg.  — 
Archiv,  Jahrg.  60,  Abt.  II,  u.  Jahrg.  61,  Abt.  I.  [Aa  14.] 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XLIII.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1907.  [Fa  16.] 
Hamburg:  Wissenschaftliche  Anstalten.  — Jahrbuch,  XX III.  Jahrg.  mit 
Beiheft  1 — 5.  [Aa  276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl. , III.  Folge, 
14.  Heft.  [Aa  293.]  — Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  Natur- 
wissenschaften, Bd.  XIX,  Heft  1 — 2.  [Aa  293b.] 

Hamburg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung. 

Hanau : Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesamte  Naturkunde. 
Hannover : Naturhistorische  Gesellschaft. 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft.  — Zweiter  Nachtrag  zum  Kataloge 
der  Stadtbibliothek.  1906.  [Fa  18.] 

Heidelberg : Naturhistorisch -medizinischer  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  VIII, 
Heft  3—4.  [Aa  90.] 

Hof : Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landeskunde. 
Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  19.  [Aa  88.] 
Karlsruhe : Badischer  zoologischer  Verein. 

Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  u.  Bericht,  Nr.  LI.  [Aa242.] 
Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde. 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig-Holstein.  — Schriften, 
Bd.  XIII,  Heft  2.  [Aa  189.] 

Köln:  Redaktion  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  43.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
47.  Jahrg.  [Aa  81.] 

Königsberg  i.  Pr.:  Altertums-Gesellschaft  Prussia. 

Krefeld : Verein  für  Naturkunde. 

Landshut:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft.—  Sitzungsberichte,  33.  Jahrg.  [Aa202.] 
Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-phys.  Klasse,  LVIII.  Bd.,  Heft  6—8;  LIX.  Bd., 
Lieft  1—3.  [Aa  296. ] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung. 

Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum. 
Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 

— Jahresheft  XVII.  [Aa  210.] 

Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Magdeburg:  Museum  für  Natur-  und  Heimatkunde. 

Mainz:  Römisch-germanisches  Centralmuseum. 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesamten  Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber.,  Jahrg.  1906.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Mitteilungen  aus 
den  Sitzungen  der  Vereinsjahre  1906 — 1907.  [Aa  319.]  — Zusammen- 
stellung der  Monats-  und  Jahresmittel  der  Wetterwarte  Meissen  im 
Jahre  1906.  [Ec  40.] 


36 


München : Bayerische  botanische  Gesellschaft  zur  Erforschung  der  hei- 
mischen Flora.  — Mitteil.,  Bd.  II,  Nr.  1 — 4;  Berichte,  Bd.  XI.  [Ca  29.] 
München:  Deutscher  und  Oesterreichischer  Alpenverein.  — Mitteil.,  Jahrg. 

1907.  [Fa  28.]  — Zeitschrift,  Bd.  XXXVIII.  [Fa  28b.] 

Münster:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 
Neisse : Wissenschaftliche  Gesellschaft  „Philomathie“.  — 33. Bericht.  [Aa  28.] 
Nürnberg : Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  1905;  Abhand]., 
Bd.  XVI.  [Aa  5.] 

Offenbach : Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Passau : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Posen : Deutsche  Gesellschaft  für  Kunst  u.  Wissenschaft.  — Zeitschr.  der 
naturwissenschaftl.  Abteilg.,  XIII.  Jahrg.,  Heft  3;  XIV.  Jahrg.,  Heft  1 — 2. 
[Aa  316.] 

Pegensburg : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Regensburg : K.  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg : Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin : Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 

Geflügelzucht,  Jahrg.  XXXI.  [Bf  57.] 

Stuttgart : Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  63,  mit  2 Beilagen.  [Aa  60.] 

Stuttgart : Württembergischer  Altertumsverein. 

Tharandt : Redaktion  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirts ch.  Versuchsstationen,  Bd.  LXV,  Heft  5 — 6;  Bd.  LXVI;  Bd.  LXVII, 
Heft  1 — 4.  [Ha  20.] 

Thorn : Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — Mitteil., 
14.  Heft.  [Aa  145.] 

Trier : Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Tübingen : Universität.  — Württembergische  Jahrbücher  für  Statistik 
und  Landeskunde,  Jahrg.  1902 — 1906;  1907,  Heft  I.  [Aa  335.] 

Ulm : Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm : Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar : Thüringischer  botanischer  Verein.  • — Mitteil.,  n.  F.,  22.  Heft. 
[Ca  23,] 

Wernigerode : Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden : Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  60. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — - Sitzungsber.,  Jahrg. 
1906.  [Aa  85.] 

Zerbst : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Zwickau:  Verein  für  Naturkunde.  — XXXIV.  u.  XXXV.  Jahresber.  [Aa  179.] 


2.  Österreich-Ungarn. 

Aussig : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz : Gewerbelehrlingsschule. 

Brünn:  Naturforschender  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  XLIV,  u.  24.  Bericht  der 
meteorolog.  Kommission.  [Aa  87.] 


37 


Brünn'.  Lehrerverein,  Klub  für  Naturkunde.  — Bericht  VIII.  [Aa  330.] 
Budapest : Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtani  Közlöny,  XXXY1. 

köt.,  10.  — 12.  füz.;  XXXVII.  köt.,  1. — 8.  füz.  [Da  25.] 

Budapest'.  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. 

Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark. 

Hermannstadt:  Siebenbür gischer  Verein  für  Naturwissenschaften.  — Ver- 
handl.  u.  Mitteil.,  Jahrg.  LV  u.  LVI.  [Aa  94.] 

Iglo : Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrb.,  Jahrg.  XXXIV.  [Aa  198.] 
Innsbruck:  Naturwissenschaftlich  - medizinischer  Verein.  — Berichte, 
XXX.  Jahrg.  [Aa  171.] 

Klagenfurt:  Naturhistorisches  Landesmuseum  für  Kärnten.  — Carinthiall, 
Mitteil.,  Jahrg.  96,  Nr.  5 — 6;  Jahrg.  97,  Nr.  1 — 4.  [Aa  42b.] 

Laibach : Musealverein  für  Krain.  — Mitteil.,  Jahrg.  XIX;  Izvestja  Let- 
nik  XVI.  [Aa  301.] 

Linz:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 36.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Linz:  Museum  Francisco-Carolinum.  — 65.  Bericht  nebst  der  59.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Olmütz:  Naturwissensch.  Sektion  des  Vereins  „Botanischer  Garten“. 
Prag:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Bd.  XXVI  u.  naturwissenschaftl.  Zeitschrift 
Lotos,  1.  Bd.,  Nr.  1 — 3.  [Aa  63.] 

Prag:  K.  Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch.  Kl.,  1906.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1906; 
[Aa  270.] 

Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Bericht  1906. 

[Aa  272.]  — Pamätky  archaeologicke,  dil.  XXII,  ses.  3 — 6.  [G  71.] 
Prag:  Lese-  und  Redehalle  der  deutschen  Studenten.  — Jahresber.  für  1906. 
[Ja  70.] 

P*ag:  Ceska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  trida  II, 
rocnik  XIV — XV.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  IX.  annee,  p.  II; 
X.  annee,  p.  I — II.  [Aa  313b.]  — A.  Reychler:  Chemie  fysikälnä. 
[Aa  313 c.J  — Baborovsky  u.  Plzäk:  Elektrochemie.  [Aa  313 d.]  — 
K.  Chodounsky:  Nastuzeni  a choroby  z nastuzeni.  [Aa  313  e.]  — Pa- 
laeozoologie,  1.  Bd.:  Invertebrata;  2.  Bd.:  Vertebrata.  [Aa  313 f.J  — 
Katalog  der  Fossilia  vertebrata  Bohemiae.  [Aa  313g.] 

Presburg:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde. 

Peichenberg:  Verein  der  Naturfreunde. 

Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mitteil.,  Bd.  XLV1 
u.  XLVII.  [Aa  71.] 

Temesvar:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXX.  evol.,  füz.  3 — 4;  XXXI.  evol.,  füz.  1 — 2. 
[Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Komitates. 
Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1906,  Nr.  25—27. 
[Aa  11.] 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XLVII.  [Aa  82.] 


38 


Wien : K.  k.  naturhist.  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XX,  Nr.  4;  Bd.  XXI, 
Nr.  1—2.  [Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft. 

Wien:  K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  — Verhandl.,  1906,  Nr.  13  — 18; 
1907,  Nr.  1—10.  [Da  16.]  — Jahrbuch,  Bd.  LVI1.  [Da  4.]  — Ab- 
handh,  Bd.  XVIII,  Heft  2.  [Da  1.] 

Wien : K.  k.  zoologisch-botanische  Gesellschaft  — Verhandl.,  Bd.L VI.  [Aa  95.1 
Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität.  — Mitteil.  1905, 
Nr.  1 — 3;  1906,  Nr.  7 — 10;  1907,  Nr.  1—11;  Festschrift  zur  Feier  des 
25jährigen  Bestandes.  [Aa  274.] 

Wien:  K.  k.  Zentral-Anstalt  für  Meteorologie  und  Geodynamik.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1905.  [Ec  82.] 

3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Analele,  tomul  XVIII. 
[Ec  75.] 

4.  Schweiz. 

Aarau:  Aargauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XIX.  Heft  1 — 2. 
[Aa  86.] 

Bern:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteilungen,  Nr.  1609  — 1628. 
[Aa  254.] 

Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  HeftXVI.  [Ca  24.] 
Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.  der 
89.  Jahresversamml.  [Aa  255.] 

Cliur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens.  — 49.  Jahresber.  [Aa51.] 
Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Memoires:  Bo- 
tanik, Bd.  11,  Heft  2 — 3;  Geologie,  Bd.  IV,  Heft  3;  Chemie,  Bd.  II, 
Heft  3 — 4;  Bd.  III,  Heft  1.  [Aa  264b.] 

St.  Gallen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  5.  ser., 
vol.  XLII,  no.  156—157;  vol.  XLI1I,  no.  158-  160.  [Aa  248.] 
Neuchatel:  Societe  Neuchäteloise  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mitteil., 
Bd.  XI,  Heft  5 u.  6.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe Valaisanne  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin, 
fase.  XXXIV  mit  SuppL  [Ca  13.] 

Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  51, 
Heft  2 — 4;  Jahrg.  52,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France. 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Proces-verbaux, 
annee  1905 — 1906;  Cinquantenaire  1906.  [Aa  253. | — Observations 
pluviometriques  et  thermometriques  1905 — 1906.  [Ec  106.] 


39 


Cherbourg'.  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques. — 
Memoires,  tome  XXXV.  [Aa  137.] 

Dijon : Academie  des  Sciences,  arts  et  belles  lettres.  — Memoires,  ser.  4, 
tome  X.  [Aa  138.] 

Le  Mans : Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe. 

Lyon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  52  u.  53.  [Aa  132.] 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  etindustrie.  — Annales  1905.  [Aa  133.] 
Lyon:  Academie  des  Sciences,  belles -lettres  et  arts. 

Paris : Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXX.  [Ba  24.] 
Toulouse : Societe  Fran^aise  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel : Societe  royale  zoologique  et  malacologique  de  Belgique. 

Brüssel : Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  50.  [Bk  13.] 
Brüssel : Societe  Beige  de  geologie,  de  paleontologie  et  d’hydrologie.  — 
Proces-verbaux,  tome  XX,  fase.  3—5;  tome  XXI,  Jan. — Juli;  tables 
generales  des  matieres  des  tomes  I — XX.  [Da  34.] 

Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  43, 
[Ca  16.] 

Gembloux:  Station  agronomique  de  l’etat. 

Lüttich : Societe  geologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XXXIII,  livr.  3; 
tome  XXXIV,  livr.  1—2.  [Da  22.] 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Groningen *.  Natuurkundig  Genootschap.  — Verslag  106.  [Je  80.]  — 
Centralbureau  voor  de  Kennis  van  de  provincie  Groningen  en  om- 
gelegen  streken.  Bijd ragen,  deel  II,  stuk  3.  [Aa  333.] 

Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  X,  p.  4;  vol.  XI,  p.  1.  [Aa  217.] 
Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises  des 
Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  XII.  [Aa  257.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  grandducke  de  Luxembourg. 
Luxemburg:  Institut  grand-ducal.  — Archives  trimestrielles,  fase.  III — IV. 
[Aa  144.] 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  ,, Fauna“.  — Mitteil., 
16.  Jahrg.  [Ba  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  l’anno  1906.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — ßollettino,  fase. 

XCII— XCIV.  [Aa  149b.]  — Atti,  serie  IV,  vol.  XIX.  [Aa  149.] 
Florenz:  Societä  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXXVIII, 
trimestre  I — II.  [Bk  193.] 

Mailand : Societä  Italiana  di  scienze  naturali. 

Mailand:  R.  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2, 
vol.  XXXIX,  fase.  17 — 20;  vol.  XL,  fase.  1 — 16.  [Aa  161.]  — Memorie, 
vol.  XX,  fase.  9.  [Aa  167.] 

Modena:  Societä  dei  naturalisti. 


40 


Padua : Accademia  scientifica  Veneto-Trentino-Istriana.  — Atti,  nuova 
serie,  anno  III,  fase.  1 — 2;  anno  IV,  fase.  1 — 2.  [Aa  193.] 

Palermo : Societa  di  scienze  naturali  ed  economiche. 

Parma:  Redaktion  des  Bullettino  di  paletnologia  Italiana.  — Bullettino, 
anno  XXXII,  no.  10 — 12  mit  Titel,  Index  u.  Bibliografia;  anno  XXXIII, 
no.  1 — 10.  [G  54.] 

Pisa : Societa  Toscana  di  scienze  naturali.  — Processi  verbali,  vol.  XVI, 
no.  1—5.  — Memorie,  vol.  XXII.  [Aa  209.] 

Rom : Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  vol.  XI,  2.  sem.,  fase.  5; 
vol.  XV,  2.  sem.,  fase.  11—12;  Rendic.  sol.  d.  3.  giugno  1907;  Rendic., 
vol.  XVI,  1.  sem.,  fase.  1 — 12;  2.  sem.,  fase.  1 — 11.  [Aa  226.] 

Turin : Societa  meteorologica  Italiana.  — Bolletino  bimensuale,  vol.  XXV, 
no.  11 — 12;  vol.  XXVI,  no.  1 — 7;  Bolletino  meteorologico  e geodina- 
mico  dell’osservatorio  del  Real  Collegio  Carlo  Alberto,  Moncalieri,  1906, 
Dez.;  1907,  Jan. — Sept.;  Pubblicazione  del  Real  Collegio:  Dr.  C.  Albera, 
Riassunto  delle  osservazioni  meteorologiche  fatte  al  Grand  Hotel  du 
Mont  Cervin  durante  la  stagione  estiva  1906.  [Ec  2.] 

Venedig:  R.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  d’agricoltura,  scienze,  lettere,  arti  e commercio  di 
Verona.  - — Atti  e Memorie,  ser.  IV,  vol.  V,  fase.  II;  vol.  VI  e append. 
al  vol.  IV  u.  V della  ser.  V.  [Ha  14.] 

10.  Rrofsbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  Irish  academy.  — Proceedings,  vol.  XXVI,  sect.  A,  no.  2; 

sect.  B,  no.  6—10;  vol.  XXVII,  sect.  A,  no.  1 — 3.  [Aa  343.] 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Ireland. 

Edinburg:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  IX,  p.  1.  [Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society. 

Glasgow:  Natural  history  society. 

Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  and  mining  society. 

Newcastle-upon-Tyne:  Natural  history  society  of  Northumberland,  Durham 
and  Newcastle-upon-Tyne.  — Transactions,  new  ser.,  vol.  I,p.  III.  [Aal26.] 

11.  Schweden. 

Stockholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  27. 
[Bk  12.] 

Stockholm:  K.Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Mänadsblad, 
1903 — 1905.  [G  135b.]  — Fornvännen  meddelanden,  1906.  [G  135c.] 
TJpsala:  Geological  institution  of  the  university. 

12.  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  1906,  3.  Heft;  1907,  1. — 2.  Heft;  Aarsberet- 
ning  1906.  [Aa  294.] 

Christiania:  Universität. 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmärkers  bevaring.  — 
Aarsberetning  1906.  [G  2.] 

Christiania:  Redaktion  des  Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne.  — Nyt 
Mag.,  Bind  44,  Heft  4;  Bind  45,  Heft  1 — 2.  [Aa  340.] 

Tromsoe:  Museum.  — Aarsberetning  1905;  Aarshefter  28.  [Aa  243.] 


41 


13.  Rufsland. 

Ekatharinenburg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles. 

— Bulletin,  tome  XXVI.  [Aa  259.] 

Helsingfors : Societas  pro  fauna  et  flora  fennica. 

Kharkoff : Societe  des  naturalistes  a l’universite  imperiale. 

Kieiv:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XX,  livr.  2.  [Aa  298.] 
Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  1905,  no.  4;  1906, 
no.  1 — 4.  [Aa  134.] 

Odessa : Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie. 

Petersburg : Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tome 
XXVII,  fase.  1.  [Ca  10.] 

Petersburg : Comite  geologique. 

Petersburg : Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  1904.  [Ec  7.] 
Petersburg : Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletins,  tome  XXII  - XXIV 
u.  Jahrg.  1907,  no.  1—17.  [Aa  315.] 

Petersburg : Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  2.  Ser., 
Bd.  44,  Lief.  1 — 2.  [Da  29.]  — Travaux  de  la  section  geologique  du 
cabinet  de  Sa  Majeste,  vol.  VI,  livr.  2.  [Da  29c.] 

Riga : Naturforscher -Verein.  — Korrespondenzblatt  IL  u.  L.  [Aa  34.] 


IX®  A m erika. 

1.  Nordamerika. 

Albany:  University  of  tlie  state  of  New- York.  — State  Museum  report, 
no.  57—58.  [Aa  119.] 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XXIII, 
no.  186,  187,  189,  191 — 198.  [Aa  278.]  — American  journal  of  mathe- 
matics,  vol.  XXVIII,  no.  2 — 4;  vol.  XXIX,  no.  1 — 3.  [Ea  38.]  — 
American  Chemical  journal,  vol.  35,  no.  5—6;  vol.  36 — 37;  Gener. 
Index  für  vol.  11 — 20.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic. 
Science,  ser.  XXIV,  no.  3 — 12;  ser.  XXV,  no.  1 — 5.  [Fb  125.]  — American 
journal  of  philology,  vol.  XXVII;  vol.  XXVIII,  no.  1 — 2.  [Ja  64.]  — 
Maryland  geological  survey,  vol.  pliocene  and  pleistocene.  [Da  35.] 
Berkeley:  University  of  California.  — Departement  of  geology:  Bulletin, 
vol.  IV,  no.  14 — 19;  vol.  V,  no.  1 — 8;  Publications:  Issued  quarterly, 
vol.  VIII,  no.  2.  [Da  31.]  — College  of  agriculture:  Bulletin  177  — 187. 
[Da  31b.]  — Botany,  vol.  II,  pag.  237 — 308.  [Da  31c.]  — Pliysiology, 
vol.  III,  pag.  38  — 60.  [Da  31  e.]  — Pathology,  vol.  I,  no.  8 — 9.  [Da  31  f.] 
Boston : Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  32,  no.  3—12; 
vol.  33,  no.  1 — 2.  [Aa  111.]  — Occasional  papers,  vol.  VII,  no.  4 — 7. 
[Aa  111b.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XLII,  no.  13 — 29;  vol.  XLIII,  no.  1 — 6.  [Aa  170.] 

Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  VIII,  no. 4 — 5.  [Aa  185.] 
Cambridge:  Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol.  XLIII,  no.  5; 

vol.  L,  no.  6 — 9;  vol.  LI,  no.  1 — 6;  Annual  report  1905 — 1906.  [Ba  14. 
Chicago:  Academy  of  Sciences.  — Bulletin,  no.  IV,  p.  2;  no.  VI.  [Aa  123b. 
Chicago:  Field  Columbian  museum,  — Publications  no.  117 — 120.  [Aa  324. 


42 


Davenport : Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.  XL  [Aa  219.] 
Halifax : Nova  Scotian  institute  of  natural  Science. 

Lawrence:  Kansas  university.  — Science  Bulletin,  vol.  IV,  no.  1 — 6. 
[Aa  328.]  — Geological  survey,  vol.  VIII.  [Aa  328b.]  — Annual  bulletin 
of  the  mineral  resources  of  Kansas  1902  u.  1903.  [Aa  328c.] 
Madison:  Wisconsin  academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XV,  p.  1.  [Aa  206.] 

Mexiko : Sociedad  cientifica  ,, Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
tomo  XXII,  no.  7—12;  tomo  XXIII,  no.  5 — 12;  tomo  XXIV,  no.  1 — 9. 
[Aa  291.] 

Milwaukee:  Public  museum  of  the  city  of  Milwaukee.  — Annual  report 
25.  [Aa  233  b.] 

Milwaukee:  Wisconsin  natural  liistory  society.  — Bulletin,  new  ser., 
vol.  V,  no.  1—3.  [Aa  233.] 

Montreal:  Natural  liistory  society. 

Neiv-Haven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences.  — Transactions, 
vol.  XII;  vol.  XIII,  pag.  1— 46,  149  — 297.  [Aa  124.] 

Neiv-York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  XVII,  p.  1.  [Aa  101.] 
Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.LVIII,  p.  2—3; 
vol.  LIX,  p.  1.  [Aa  117.] 

Philadelphia : American  pliilosophical  society.  — Proceedings,  vol.  XLV, 
no.  183—184;  vol.  XLVI,  no.  185  — 186;  The  Franklin  bicentennial 
celebration.  [Aa  283.] 

Philadelphia:  Wagner  free  institute  of  Science. 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Annual  report  35.  [Ba  22.] 
Pochester:  Academy  of  Science. 

Pochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  XVII.  [Da  28.] 
Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco : California  academy  of  Sciences. 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XV,  no.  6;  vol.  XVI, 
no.  1 — 7.  [Aa  125.] 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — Annual  report  1906.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XX,  p.  2.  [Aa  303.] 
Toronto:  Canadian  institute. 

Tafts  College. 

Washington:  Smithsonian  institution.  — Annual  report  1905.  [Aa  120.] 
— Report  of  the  U.  S.  national  museum  1905,  1906.  [Aa  120c.] 
Washington:  United  States  geological  survey. 

Washington:  Bureau  of  education. 

2.  Südamerika. 

Buenos- Aires:  Museo  nacional.  — Anales,  ser.  3,  tomo  VI  u.  tomo  VIII. 
[Aa  147.] 

Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  LXII,  entr. 

2 6;  tomo  LXIII;  tomo  LXIV,  entr.  1.  [Aa  230.] 

Cordoba:  Academia  nacional  de  ciencias. 

Im  Plata:  Museum.  — Revista,  tomo  XT.  [Aa  308.]  — Anales:  Seccion 
palaeontologica  V,  seccion  botanical.  [Aa  308b.] 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Flora  Uruguaya,  tomo  III,  entr.  1 — 2. 
[Aa  326.] 


43 


Rio  de  Janeiro : Museo  nacional. 

San  Jose : Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica. 
Sao  Paulo : Commissäo  geographica  e geologica  de  S.  Paulo. 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


111.  Asien, 

Batavia:  K.  natuurkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  66.  [Aa  250.] 

Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Records,  voh  XXXIV,  p.  3 — 4; 
vol.  XXXV,  p.  1 — 4.  [Da  11.]  — Annual  report  of  the  board  of  scien- 
tific advice  for  India  1905—1906.  — Palaeontologia  Indica,  new  ser., 
vol.  II,  no.  3;  vol.  V,  no.  2.  [Da  9.]i 
Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens. 


IV-  Australien. 

Melbourne:  Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretary 
for  mines  1906.  [Da  21.] 


B.  Durch  Geschenke. 

Ambronn,  G.:  Die  geologischen  Verhältnisse  und  die  chemische  Zusammen- 
setzung der  Pyroxenquarzporphyre  und  der  Pyroxengranitporphyre  im 
Leipziger  Kreise.  Inaug.-Dissert.  1907.  [De  255.] 

Arldt,  Th.:  Die  Gestalt  der  Erde.  Sep.  1905.  [Fb  145.] 

Arldt,  Th. : Die  tiergeographischen  Reiche  und  Regionen.  Sep.  1906.  [Bb  68.] 
Arldt,  Th.:  Grundgesetze  des  Erdreliefs.  Sep.  1906.  [Fb  145b.] 

Arldt,  Th.:  Parallelismus  auf  der  Erdoberfläche.  Sep.  1906.  [Fb  145c.] 
Arldt,  Th.:  Parallelismus  der  Inselketten  Ozeaniens.  Sep.  1906.  [Fb  145 d. | 
Arldt,  Tli.:  Die  Gröfse  der  alten  Kontinente.  Sep.  1907.  [Fb  145  e.] 
Arldt,  Th. : Die  antipodische  Lage  von  Land  und  Meer.  Sep.  1907.  [Fb  145  f.] 
Arldt,  Th.:  kolvtol  pst.  Sep.  1907.  [Ab  95.] 

Arldt,  Tli.:  Die  Säugetierwelt  Südamerikas.  Sep.  1907.  [Bb  68b.] 

Arldt,  Tli.:  Zerstreute  Verbreitungsgebiete.  Sep.  1907.  [Bb  68c.] 

Arldt,  Th.:  Paläogeographisches  zum  Stammbaum  des  Menschen.  Sep.  1907. 
[Bd  35.] 

Arldt,  Th.:  Die  älteste  Säugetierfauna  und  ihre  Beziehungen.  Sep.  1907. 
[Dd  152.] 

Arldt,  Th.:  Der  Baikalsee  und  seine  Lebewelt.  Sep.  1907.  [Bb  68d.] 
Arldt,  Tli.:  Die  Entwicklung  der  Kontinente  und  ihrer  Lebewelt.  1907. 
[Bb  68  e.] 

Barrande,  J.:  Systeme  silurien  du  centre  de  la  Boheme,  vol.  IV,  Gastero- 
podes,  tome  II.  [Dd  3.] 

Bergt,  W.:  Dr.  Hermann  Obst  f.  Sep.  1906.  [Jb  94.] 

Bergt,  W.:  Die  Abteilung  für  vergleichende  Länderkunde  am  Städtischen 
Museum  für  Völkerkunde  zu  Leipzig.  Sep.  1906.  [Je  119.] 

Block,  G.:  Tafeln  zur  Berechnung  der  Störung  einer  Gruppe  kleiner  Planeten 
durch  Saturn.  1907.  [Ea  54.] 


44 


Boddaert,  D.\  Misure  magnetiche  nei  dintorni  di  Torino.  Sep.  1907. 
[Ec  107.] 

Bohlin,  K.:  Der  zweite  Sternhaufen  im  Herkules  Messier  92.  1906.  [Ea52b.] 
Bolilin,  K.:  Versuch  einer  Bestimmung  der  Parallaxe  des  Andromeda- 
Nebels.  Sep.  1907.  [Ea  52  c.] 

Brüssel : Observatoire  royal  de  Belgique.  — Annales,  nouv.  ser.:  Physique 
du  globe,  tome  III,  fase.  2.  [Ea  51b.]  — Annales  astronom.,  tome  IX, 
fase.  2 — 3;  tome  XI,  fase.  1.  [Ea  51c.]  — Annuaire  astronomique 
pour  1907.  [Ea  51.]  — Les  observatoires  astronomiques  et  les  astro- 
nomes.  [Ea  51  d.] 

Curdy,  H.  u.  Castle,  W.:  Selection  and  cross -breeding  in  relation  to 
the  inheritance  of  coat-pigments  and  coat-patterns  in  rats  and  Guinea- 
pigs.  [Bc  50  c.] 

Deichmüller,  J.\  Die  Gegend  von  Dresden  in  vorgeschichtlicher  Zeit. 
Sep.  1907.  [G  1 19  e.] 

Dresden:  Kgl.  Sammlungen  für  Kunst  und  Wissenschaft.  — Bericht  über 
Verwaltung  und  Vermehrung  während  der  Jahre  1904  und  1905. 
[Je  77.] 

Drude,  O.:  Carl  v.  Linne,  sein  Leben  und  Wirken.  Sep.  1907.  [Jb  95.] 
Drude,  O.:  Die  kartographische  Darstellung  mitteldeutscher  Vegetations- 
formen: I.  Weinböhla,  II.  Zschirnsteine,  III.  Altenberg.  1907.  [Cd  131.] 
Ehler,  E.\  Der  Arsengehalt  der  „Maxquelle“  in  Bad  Dürkheim  a.  d.  Haardt. 
Sep.  1907.  [Ed  71.] 

Engelhardt , H.:  Musophyllum  Kinkelini.  Sep.  1907.  [Dd  94 aa.] 

Geinitz,  E.:  Die  Eiszeit.  16.  Heft  der  Sammlung  naturwissenschaftlicher 
und  mathematischer  Monographien.  Braunschweig  1906.  [De  217  s.] 
Henriksen,  G.:  Sundry  geological  problems.  1906.  [De  250b.] 

Kuntze,  A. : Tabelle  zum  Bestimmen  der  Arten  der  Gattung  Empis.  Sep. 
1906.  [Bk  249.] 

Lima : Cuerpo  de  ingenieros  de  minas  del  Peru.  — Boletin  41,  44 — 49, 
51—54.  [Aa  337.] 

Lissauer,  A. : 3.  u.  4.  Bericht  über  die  Tätigkeit  der  von  der  deutschen 
anthropol.  Gesellsch.  gewählten  Kommission  für  prähistorische  Typen- 
karten. Sep.  1906.  [G  149.] 

Ludwig,  F.:  Weiteres  zur  Biologie  von  Helleborusfoetidus.  Sep.  1907.  [Cg  35.] 
Menzel,  P.:  Ueber  die  Flora  der  Senftenberger  Braunkohlen- Ablagerungen. 
Abhandl.  der  Kgl.  Preufs.  geolog.  Landesanstalt  und  Bergakademie, 


Heft  46.  1906.  [Dd  151.] 

Monaco : Institut  oceanographique.  — Bulletins  87 — 108.  [Aa  336.] 

Naumann,  E.  u.  Picard,  E.:  Ueber  Ablagerungen  der  Ilm  und  Saale  vor 
der  ersten  Vereisung  Thüringens.  Sep.  1907.  [De  254. 

Neander,  A.:  Ueber  die  jährliche  Parallaxe  des  Doppelsternsystemes 
6 Cygni.  Sep.  1907.  [Ea  55.] 

Raleigh:  Elisha  Mitchell  scientific  society.  — Journal,  vol.  XII,  no.  3—4; 
vol.  XIII,  no.  2.  [Aa  300.] 

Schlaginhaufen,  O.:  Das  Hautleistensystem  der  Primatenplanta  unter  Be- 
rücksichtigung der  Palma.  Sep.  1905.  [Bc  52.] 

Schlaginhaufen,  O.:  Ueber  eine  Schädelserie  von  den  Marianen.  Sep.  1906. 
[Bc  52  b.] 

Schlaginhaufen,  O.:  Beschreibung  und  Handhabung  von  Bud.  Martins 
diagraphentechnischen  Apparaten.  Sep.  1907.  [Bc  52  c.] 


45 


Schlaginliaufen,  0.\  Ein  Fall  von  Ossifikation  des  Ligamentum  apicis  dentis 
epistrophei  beim  Menschen  und  entsprechende  Bildungen  bei  den  Affen. 
Sep.  1907.  [Bc  52  d.] 

Stöpel,  Th.:  Eine  Reise  in  das  Innere  der  Insel  Formosa  und  die  erste 
Besteigung  des  Niitakayama  Weihnachten  1898.  Ueberreicht  vom 
deutschen  wissenschaftl.  Vereine  zu  Buenos-Aires.  [Fb  144.] 

Tower,  W.:  An  investigation  of  evolution  in  Chrysomelia  Beetles  of  the 
genus  Leptinotarsa.  1906.  [Bk  250.] 

Walton,  L.  B.\  The  metathoracic  pterygoda  of  the  hexapoda  and  their 
relation  to  the  wings.  Sep.  1901.  [Bk  248.] 

Wandolleck,  B.:  Eine  bucklige  Testudo  graeca  L.  Sep.  1904.  [Bg  30.] 


C.  Durch  Kauf. 


Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforsch.  Gesellschaft,  Bd.  XXIX, 
Heft  2.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizerische  Altertumskunde,  neue  Folge,  Bd.  VIII, 
Heft  3—4;  Bd.  IX,  Heft  1-2.  [G  1.] 

Anzeiger , zoologischer,  Jahrg.  XX.  [Ba  21.] 

Berichte  des  westpreufsischen  botanisch-zoologischen  Vereins.  — Bericht  29. 
[Aa  341.] 

Bronn' 's  Klassen  und  Ordnungen  des  Tierreichs,  Bd.  II,  Abt.  3 (Echino- 
dermen),  Lief.  74—77;  Bd.  III  (Mollusca),  Lief.  90 — 94;  Suppl.  (Tunicata), 
Lief.  73 — 80;  Bd.  IV  (Vermes),  Lief.  75 — 91;  Suppl.  (Nemertini),  Lief. 
27—29;  Bd.  Y (Crustacea),  Abt.  2,  Lief.  78—79.  [Bb  54.] 
Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz : Ueber  Berg  und  Thal,  Jahrg.  1907. 
[Fa  19.] 

Hedwigia , Bd.  45.  [Ca  2.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenklub,  Jahrg.  42.  [Fa  5.] 

Prähistorische  Blätter , Jahrg.  XIX,  Hf't.  1.  [G  112.] 

Prometheus , No.  899 — 946.  [Ha  40.] 

Wochenschrift , naturwissenschaftliche,  Bd.  XX.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift , allgemeine,  für  Entomologie,  Bd.  XII.  [Bk  245.] 

Zeitschrift  für  die  Naturwissenschaften,  Bd.  79.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  24.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XXV.  [Ee  16.] 
Zeitschrift , Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  57.  [Ca  8.] 

Zeitung , botanische,  Jahrg.  65.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  23.  Dezember  1907. 


A.  Richter, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grofse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1907. 


I.  Ozeanien,  die  Heimat  des  Neolithikers. 

Von  Dr.  W.  Hentsehel. 


Es  war  mir  vergönnt,  unter  diesem  Titel  in  der  prähistorischen  Sektion 
der  Isis  am  21.  Februar  d.  J.  einen  Vortrag  zu  halten,  über  den  ich  hier 
kurz  berichte,  um  noch  einige  Bemerkungen  an  das  Vorgetragene  zu  knüpfen. 

Nachdem  sich  die  Erkenntnis  von  der  Abstammung  der  indogräko- 
italischen,  wie  der  slawischen  und  keltischen  Völker  von  den  steinzeitlichen 
Bewohnern  der  Ostseeküste  mehr  und  mehr  befestigt  hat,  ist  in  neuerer 
Zeit  auch  die  Frage  nach  der  Urheimat  des  Neolithikers  besprochen  worden. 
Wenn  die  Ostseeländer  während  eines  nicht  zu  weit  zurückliegenden  Zeit- 
raumes unter  dem  Nordlandeise  begraben  lagen,  so  können  ihre  Bewohner 
erst  während  eines  jüngeren  Abschnittes  der  Steinzeit  ihre  Küstensitze 
bezogen  haben;  es  fragt  sich,  von  wannen  sie  gekommen  sind? 

Als  erster  hat  sich  zu  dieser  Frage  meines  Wissens  Wilser  geäufsert, 
der  früher  an  Mitteleuropa  dachte,  neuerdings  auf  den  Westen  des  Erd- 
teils als  die  Heimat  des  Neolithikers  hinwies.  Penka  neigt  derselben 
Meinung  zu,  indem  er  betont,  der  Osten  Europas  käme  deshalb  nicht  in 
Betracht,  weil  derselbe  schon  während  der  Eiszeit  den  gleichen  kontinen- 
talen Charakter  getragen  habe  wie  heute,  während  die  Ostseerasse,  die 
wir  im  heutigen  Norddeutschland  und  Skandinavien  vor  Augen  haben,  auf 
die  Dauer  nur  in  einem  Seeklima  gedeiht:  in  Norwegen  besser  als  in 
Schweden,  im  Norden  Deutschlands  besser  als  im  Süden,  in  Kalifornien 
mit  seinem  gleichmäfsig  warmen  Klima  besser  als  im  kontinentalen  Amerika. 

Zu  demselben  Ergebnis  ist  auch  die  Sprachvergleichung  gelangt,  wenn 
sie  eine  Reihe  durchgreifender  indogermanischer  Sprachgleichungen  auf- 
stellte, die  sich  auf  Gegenstände  beziehen,  die  nur  den  Bewohnern  des 
europäischen  Westens  bekannt  sein  konnten,  z.  B.  die  Buche,  die  an  die 
mitteleuropäische  Kalkzone  gebunden  ist  und  östlich  der  Linie  Königsberg- 
Krim  nur  noch  ausnahmsweise  vorkommt,  unter  den  Fischen  Aal  und 
Lachs,  die  ostwärts  über  das  Stromgebiet  des  Schwarzen  Meeres  hinaus 
nicht  mehr  angetroffen  werden  u.  a. 

Wie  man  sieht,  richten  sich  diese  sprachlichen  Fingerzeige  noch  gegen 
die  alte  Theorie  von  der  vorderasiatischen  Heimat  der  Indogermanen,  für 
die  engere  Entscheidung  für  dieses  oder  jenes  Ländergebiet  kommen  sie 
nicht  in  Betracht. 

Indessen  konnte  Wilser  sowohl  als  auch  Penka  eine  Reihe  von  Argu- 
menten Vorbringen,  die  dafür  sprachen,  dafs  der  Neolithiker  aus  dem 
diluvialen  Renntierjäger  Westeuropas  hervorgegangen  sei.  Hinter  seinem 
sich  in  nördlichere  Regionen  zurückziehenden  Jagdtiere  her  sei  er  während 


4 


der  nacheiszeitlichen  Jahrhunderte  bis  an  die  Nordsee  vorgedrungen,  wo 
er  feste  Wohnplätze  bezogen  und  sich  schrittweise  auf  eine  immer  höhere 
Stufe  konstitutiver  und  kultureller  Entwicklung  emporgehoben  habe.  Tat- 
sächlich hat  man  in  den  ältesten  dänischen  Muschelhalden  aus  der  Kiefer- 
periode (Fund  bei  Magiemose)  die  früher  in  jenen  Abraumhaufen  ver- 
mifsten  Renntierstangen  gefunden,  wie  auch  einige  an  die  mitteleuropäische 
Renntierkultur  anklingende  Geräte  und  Schmuckstücke. 

Gegen  diese  durchaus  nicht  unbefriedigende  Ansicht  erheben  sich  bei 
genauerer  Betrachtung  indessen  einige  Bedenken.  Es  ist  nämlich  auffällig, 
dafs  sich  die  Kjökkenmöddinger  fast  immer  nur  in  der  Nähe  des  Strandes 
finden ; wo  man  sie  aber  im  Lande  gefunden  hat,  da  liefs  sich  ihre  nach- 
trägliche Verlegung  durch  Landerhebungen  nachweisen.  Die  Bewohner 
jener  alten  Wirtschaftsstätten  müssen  also  wohl  ein  Seefahrervolk  gewesen 
sein;  dafür  spricht  auch  der  Umstand,  dafs  die  Abfallhaufen  neben  den 
Resten  zahlreicher  Landtiere  vornehmlich  aus  Muschelschalen  und  Fisch- 
resten bestehen,  und  dafs  sich  unter  den  letzteren  auch  solche  nachweisen 
liefsen,  die  von  Hochseefischen  herrühren.  Die  Menschen,  die  diese  Spuren 
hinterlassen  haben,  waren  der  See  vertraut,  sie  waren  nicht  zufällig  hierher 
geraten;  wären  sie  wirklich  die  Enkel  des  mitteleuropäischen  Renntier- 
jägers, so  wäre  der  Grund  nicht  einzusehen,  weshalb  sie  sich  unter  allen 
ihnen  zu  Gebote  stehenden  Plätzen  gerade  die  Seeküste  ausgewählt  hätten. 
Die  Geschichte  der  Seevölker  lehrt  uns  ja,  dafs  sie  sich  in  keinem  Falle 
über  Nacht  aus  landsässigen  Völkern  entwickelt  haben.  Die  Chinesen 
haben  viele  Jahrhunderte  ihre  wohlgelegenen  Küstengebiete  bewohnt,  ohne 
jemals  seemächtig  zu  werden,  und  wenn  man  an  den  Japanern  anderes 
gesehen  hat,  so  weifs  man,  dafs  hier  altes  Malayenblut  mitspricht  und 
dafs  die  insulare  Einspinnung  der  Japaner  eine  durch  historische  Ereig- 
nisse bedingte  vorübergehende  Erscheinung  war.  Wir  haben  vielmehr  Grund 
zu  der  Annahme,  es  sei  dem  Menschengeschlecht  im  Laufe  seiner  Ent- 
wicklung überhaupt  nur  ein  einziges  Mal  beschieden  gewesen,  sich  mit 
der  See  zu  vertrauen,  so  dafs  sich  alle  seefahrenden  Völker  von  dieser 
bestimmten  Menschengruppe  herleiten,  deren  Heimat,  ich  darf  es  nun 
aussprechen,  in  Ozeanien  gelegen  hat.  Dahin  möchte  ich  auch  die  Heimat 
des  Neolithikers  der  Ostseeküste  und  mittelbar  des  geschichtskräftigen 
Menschen,  der  arischen  Rasse  verlegen. 

In  der  Südsee  hatte  sich  schon  während  des  Diluviums  aus  der 
Kreuzung  der  schwarzen  und  gelben  Menschenrasse  jener  entwicklungs- 
fähige ozeanische  Typus  von  grofser  Variationsbreite  gebildet,  dem  das 
Angebinde  der  Seeherrschaft  in  die  Wiege  gelegt  worden  war. 

Dieser  von  mir  vor  Jahren  vorgetragene  rein  hypothetische  Gedanke 
ist  in  letzter  Zeit  wiederholt  durch  ethnologische,  mythologische  und 
baugeschichtliche  Entdeckungen  bestätigt  worden.  So  hat  Frobenius  nach- 
gewiesen, dafs  die  Sonnenmythen  aller  Völker  von  einem  ozeanischen 
Mittelpunkte  aus  entsprungen  sind.  Von  hier  aus  haben  sie  sich  (als  die 
Weltanschauungen  und  Rechtfertigungsgedanken  erobernden  Seenomaden) 
über  alle  Küsten  und  Länder  verbreitet.  Klemm  hat  ihre  Träger  die 
aktiven  Völker  genannt,  Lippert  nennt  sie  die  uranischen,  ich  habe  sie  die 
heroische  Völkergruppe  genannt;  und  es  ist  sehr  auffällig,  dafs  ihr  von 
mir  aufgestellter  Stammbaum  sich  mit  der  Frobeniusschen  Mythentafel 
vollkommen  deckt,  auffällig,  indessen  nicht  verwunderlich,  wenn  man  sich 
dem  vorgetragenen  Gedanken  anschliefst. 


5 


Tut  man  das,  so  hat  man  keinen  Grund,  nicht  auch  den  Neolithiker 
als  einen  Sprofs  des  ozeanischen  Yölkerstammes  anzusehen,  der  im  Ver- 
laufe diluvialer  Klimaschwankungen,  wahrscheinlich  über  Afrika,  nach 
Europa  vorgedrungen  ist.  Im  Südosten  von  Afrika  hat  man  steinzeitliche 
Kulturschichten  gefunden,  die  dem  Reichtum  und  der  Gliederung  nach 
mit  denjenigen  des  Ostseegebietes  wetteifern,  und  in  Nr.  1 der  Zeitschrift 
für  Ethnologie  von  1905  hat  Ankermann  den  Zusammenhang  westafrika- 
nischer und  ostpapuanischer  Kulturschichten  behauptet.  Frobenius  hat 
freilich  darauf  erwidert:  es  beständen  ja  die  intimsten  Beziehungen  zwischen 
westafrikanischen  und  westeuropäischen  Altertümern,  aber  das  kann  doch 
den  nicht  Wunder  nehmen,  der  beide  Küstenkulturen  von  Ozeanien  her- 
leitet; zwei  einer  dritten  ähnliche  Gröfsen  müssen  doch  auch  unter  sich 
ähnlich  sein. 

Wir  dürfen  annehmen,  der  neue  Mensch  habe  sich  längs  des  Roten 
und  Mittelländischen  Meeres  oder  gar  durch  Afrika  nach  dem  Nordwesten 
vorgeschoben,  er  habe  sich  im  südlichen  Europa  unter  Vermischung  mit 
negroiden  Elementen  zum  homo  mediterraneus  umgebildet  (der  Cro 
Magnon-Rasse),  an  den  entlegenen  Gestaden  der  Ostsee  sich  aber  in 
glückverheifsender  Vereinsamung  und  Ruhe  zu  dem  wüchsigen  Reis  ent- 
wickelt, aus  dem  sich  in  der  Folge  die  indogermanischen  Völker  abzweigten. 

Für  diese  Auffassung  spricht  der  freilich  negative  Umstand,  dafs  die 
Wissenschaft  bisher  nicht  in  der  Lage  war,  eine  organische  Entwicklung 
des  Neolithikers  nachzuweisen;  was  man  in  solchem  Sinne  vorgetragen 
hat,  beruht  auf  Schein;  man  vergleicht  verschiedene  diluviale  Funde  und 
bildet  sich  eine  willkürliche  Skala,  an  deren  Ende  man  den  neolithischen 
Menschen  als  die  Krone  einer  hypothetischen  Entwicklungsreihe  setzt. 

Im  Gegensätze  dazu  hat  es  den  Anschein,  als  sei  der  neue  Mensch 
gewappnet  und  fertig  ans  Land  gestiegen;  wo  er  in  der  Folge  Abände- 
rungen erleidet,  da  geht  es  mit  ihm  nicht  bergauf,  sondern  bergab,  da 
wird  sein  Wuchs  kleiner,  da  schwinden  seine  Merkmale  im  Gefolge  von 
Kreuzung  mit  minderwertigen  Rassen  und  Kontraselektion.  Er  steht  heute 
in  seinen  letzten  Positionen  vor  dem  Untergange  und  damit  vor  der  Auf- 
gabe, nach  den  sein  Dasein  bedingenden  Existenzgrundlagen  zu  suchen, 
nachdem  die  Geschichte  von  fünf  Jahrtausenden  bis  zum  Uberdrufs  gezeigt 
hat,  dafs  er  auf  der  historisch  geschaffenen  Grundlage  seine  Erfolge  mit 
dem  Untergange  bezahlen  mufs. 

Ich  habe  mit  diesen  Ausführungen  mein  Thema  nicht  erschöpft.  Ich 
hatte  mich  in  meinem  Vortrage  noch  mit  der  interessanten  Frage  der 
Depigmentierung  der  nordischen  Rasse  beschäftigt,  kann  mich  aber  hier 
nicht  dabei  aufhalten,  weil  ich  die  Aufmerksamkeit  der  Leser  dieser  Zeit- 
schrift noch  auf  eine  Entdeckung  lenken  will,  die  meines  Erachtens  ein 
helles  Licht  auf  den  hier  behandelten  Gegenstand  wirft.  Ich  meine  die 
von  Paul  Sarasin  im  ersten  Doppelheft  des  laufenden  Jahrganges  der  Zeit- 
schrift für  Ethnologie  aufgestellte  Theorie  vom  Ursprünge  des  griechischen 
Tempels  aus  der  Lobo,  dem  Männerhause  von  Celebes. 

Die  Mitglieder  der  prähistorischen  Sektion  sind  bereits  in  einer  der 
letzten  Sitzungen  durch  Herrn  Oberbaurat  Wiechel  auf  diesen  interessanten 
Gegenstand  hingewiesen  worden,  durch  den  eine  durch  zwei  Jahrtausende 
gesponnene  kunstgeschichtliche  Frage  ihren  Abschlufs  findet.  Freilich 
lassen  sich  diese  Dinge  nur  an  der  Hand  der  Sarasinsche.n  Abbildungen 
würdigen  und  verstehen;  dazu  gehören  noch  weiter  einige  Erörterungen 

* 


6 


desselben  Verfassers  aus  seiner  trefflichen  Schrift  „Zur  Einführung  in 
das  prähistorische  Kabinett  der  Sammlung  für  Völkerkunde  im  Basler 
Museum“.  Ich  will  es  aber  versuchen,  hier  ein  gedrängtes  Bild  der 
Sarasinschen  Wahrnehmungen  zu  geben. 

Derselbe  nennt  die  neolithische  Periode  das  „Zeitalter  der  Pfahl- 
bauten“; er  vergleicht  die  rezenten  Pfahlhäuser  der  Südsee  mit  denjenigen 
des  neolithischen  Zeitalters,  deren  Reste  ja  nicht  blofs  in  Schweizer  Seen, 
sondern,  wenn  auch  in  verminderter  Form,  im  weitesten  Umkreise  der 
neolithischen  Schichten  nachgewiesen  sind. 

Bei  seinen  Studien  in  Celebes  fiel  ihm  auf,  dafs  die  Pfahlhäuser 
daselbst  hauptsächlich  im  Bereiche  der  Flutzone  am  Seegestade  errichtet 
werden,  darüber  hinaus  in  Flüssen  und  Landseen,  an  Stellen,  die  gleich- 
falls bei  Hochwasser  überflutet  werden.  Die  Bewohner  erklärten  ihren 
Brauch  auf  Befragen  mit  der  Angabe,  es  sei  ihr  Vorteil,  wenn  der  Ab- 
raum ihrer  Häuser  (den  sie  durch  im  Boden  derselben  angebrachte  Öff- 
nungen fallen  lassen)  vom  Wasser  fortgespült  würde.  Der  Reisende  fand 
denn  auch  den  Boden  zwischen  den  Pfählen  nach  dem  Rückzuge  des 
Wassers  rein  gefegt  und  er  ist  der  Ansicht,  die  ursprüngliche  Absicht  des 
Pfahlbaues  habe  sich  auf  diese  primitive  Kanalisation  gerichtet.  Der  Pfahl- 
bau sei  also  ursprünglich  an  der  Küste  entstanden  und  habe  sich  auf  dem 
Trocknen  nur  auf  Grund  der  Konstanz  der  organischen  Bildung  erhalten; 
einige  Vorteile  mögen  dazugekommen  sein,  z.  B.  der  Schutz  vor  Ratten,  die 
sich  der  Pfahlbauer  durch  glatte  und  abgerundete  Kopfstücke  an  seinen 
Pfählen,  die  dem  Echinus  der  dorischen  Säule  gleichen,  vom  Leibe  hält. 

Diese  Wahrnehmungen  aus  dem  ozeanischen  Inselgebiete  sind,  so 
meint  Sarasin  ungezwungen,  auf  unsere  neolithischen  Verhältnisse  zu  über- 
tragen. Wir  haben  uns  die  Kjökkenmöddinger  natürlich  von  Pfahlbau- 
dörfern überragt  zu  denken,  nur  dafs  dieselben  hier  aus  irgendwelchen 
Gründen,  vielleicht  aus  Sorge  der  Anwohner  vor  den  Hochfluten,  vielleicht 
auch  erst  im  Laufe  der  Zeit  durch  Landerhebungen  der  eigentlichen  Flut- 
zone entrückt  sind. 

Und  wo  immer  der  Neolithiker  sich  im  Inneren  des  Landes  ansiedelte, 
da  geschah  es,  wie  uns  das  die  megalithischen  Steinbauten  zeigen,  längs 
der  Wasserläufe.  Bei  weiterem  Vordringen  werden  die  Landseen  bevor- 
zugt, aber  auch  auf  trockenem  Boden  nach  wie  vor  an  dem  Pfahlbau 
festgehalten  — dort  die  Schweizer  Seedörfer,  hier  die  Terramaren. 

Wir  sehen  also  in  Europa  eine  makroskopische  Wiederholung  des 
Befundes  von  Celebes.  Wenn  man  die  Pfahlbaurasse  bei  uns  genauer 
gerade  aus  den  Landseen  kennt,  so  hängt  das  damit  zusammen,  dafs  die 
Pfähle  hier  seit  der  Stein-  und  Bronzezeit  der  Fäulnis  widerstanden. 

Sarasin  hat  auch  versucht,  sich  über  die  Konstruktion  unserer  neo- 
lithischen Pfahlbauten  ein  genaueres  Bild  zu  verschaffen.  Er  fand  bei 
einer  sorgfältigen  Ausgrabung  im  Torfmoore  von  Wauwyl  in  der  Tat  An- 
klänge an  die  malaiische  Bauweise , einen  weit  bedeutsameren  Einblick 
brachte  ihm  indessen  die  Wahrnehmung,  dafs  der  griechische  Tempel  im 
Männerhause  von  Celebes,  der  Lobo,  sein  lang  gesuchtes  Vorbild  findet. 
Bekanntlich  leiteten  auch  die  Griechen  ihren  Tempel  vom  Megaron,  dem 
Männerhause  her.  Der  besondere  Charakter  desselben  kam  dadurch  zustande, 
dafs  der  ursprünglich  auf  Pfähle  gestellte  Versammlungssaal  des  Männer- 
hauses sich  in  den  Architrav  des  Tempels  verwandelt  hat,  während  der 
ursprüngliche  Versammlungsraum  in  die  Cella,  also  auf  ebene  Erde  ver- 


7 


legt  worden  war;  auch  diese  fand  Sarasin  übrigens  bei  einigen  Pfahl- 
häusern von  Celebes  als  einen  wirtschaftlichen  Zwecken  dienenden,  zwischen 
den  Pfählen  befindlichen  Verschlag  bereits  vorgebildet.  Die  Triglyphen, 
die  die  Kunstgeschichte  seit  Vitruv  als  Balkenköpfe  angesprochen  hat, 
entsprechen  den  Fenstern  der  Lobo,  die  in  Celebes  gelegentlich  gleichfalls 
durch  zwei  Längsstäbe  in  drei  Felder  geteilt  vorgefunden  wurden;  wie 
denn  Euripides,  dem  die  Gestalt  des  Megarons  noch  gegenwärtig  war,  den 
Pylades  seinem  Freunde  die  Worte  zurufen  läfst:  „ Schaue  zu  den  Tri- 
glyphen hinein,  wo  es  Raum  hat,  Dich  hinab  zu  lassen l“ 

Wenn  sich  aber  die  Gestalt,  die  eine  alte  Bevölkerung  ihren  Wohn- 
räumen  gab,  im  letzten  vorchristlichen  Jahrtausend  in  Bauten  erhalten 
hat,  die  den  konservativen  Kultzwecken  dienten,  so  dürfen  wir  annehmen, 
dafs  sie  im  zweiten  und  dritten  vorchristlichen  Jahrtausend,  im  Bronze- 
und  Steinzeitalter  auch  den  Profanbau  beherrscht  hat,  und  da  der  dorische 
Tempel  ein  thrakisches  Requisit  ist,  die  Thraker  aber  als  Ostarier  von 
der  Ostsee  stammen,  so  dürfte  sich  der  Tatbestand  ungezwungen  in  die 
hier  vorgetragene  Theorie  einpassen  — die  Annahme  vom  ozeanischen 
Ursprünge  des  Neolithikers.  Seine  und  damit  auch  unsere  Vergangenheit 
lag  auf  dem  Wasser. 

Zum  Schlüsse  noch  eine  sprachliche  Anmerkung.  Grillparzer  gibt  in 
seinem  erst  neuerdings  über  die  Bühne  gegangenen,  an  ethnographischen 
Hinweisungen  reichen  Drama  Libussa  eine  mythische  Deutung  des  Wortes 
Prag.  Praha  bedeutet  tschechisch  die  Schwelle.  Ganz  ähnlich  lautet  aber 
das  slawische  prach  = Asche,  Staub,  Abraum.  Wenn  dieses  die  ältere 
Bedeutung  des  Wortes  ist,  so  würde  man  im  Pfahlbauzeitalter  an  Stelle 
von:  ,,Ich  überschreite  die  Schwelle“  gesagt  haben:  „ — den  Abraum“. 
Dieser  mufste  ja,  wie  wir  das  von  den  Terramaren  kennen  und  uns  von 
den  Kjökkenmöddingern  vorstellen  müssen,  einen  zwischen  den  Pfählen  des 
Hauses  allmählich  sich  verbreitenden  Hügel  bilden,  dessen  Fufs  derjenige 
überschreiten  mufste,  der  die  ,,vier  Pfähle“  eines  Hauses  betreten  wollte 
— eine  Frage  an  die  Sprachkundigen? 


II.  Neue  Apparate 

zur  Bestimmung  von  spezifischen  Gewichten. 

Yon  Prof.  H.  Reben  stör  ff. 

Mit  3 Abbildungen. 


I.  Der  Verdrängungsapparat. 

Zur  Messung  der  Volumina  fester  Körper  benutzt  man  seit  sehr  alter 
Zeit  sog.  konstante  Gefäfse,  aus  denen  die  ein  bestimmtes  Niveau  über- 
schreitende Wassermenge  seitlich  abfliefst.  Senkt  man  nach  dem  Auf- 
hören des  Abfliefsens  einen  Gegenstand  in  das  Wasser  ein,  so  wird  ein  ihm 
gleiches  Volumen  in  ein  leeres  Glas  verdrängt,  dessen  Wägung  oder  Messung 
das  gesuchte  Volumen  angibt.  Die  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichtes 
des  Gegenstandes  erfordert  dann  nur  noch  diejenige  des  absoluten  Ge- 
wichtes, das  am  besten  voraufgehend  für  den  noch  trockenen  Gegenstand 
aufgesucht  worden  war. 

Der  zu  beschreibende  Apparat  ist  eine  Verbesserung  des  kon- 
stanten Gefäfses  im  Sinne  einer  Erhöhung  seiner  Genauigkeit  und  des 

Umfanges  seiner  Anwendbarkeit.  Der  „Ver- 
drängungsapparat“ (Fig.  1)  besteht  aus  einem 
sehr  standfesten  Zylinder,  der  oberhalb  seiner 
Mitte  einen  seitlichen  Tubus  zur  Aufnahme 
des  Abflufsröhrchens  besitzt.  Bei  solcher  Lage 
ist  dieses  vor  zufälligen  Berührungen  mit  dem  ein- 
zusenkenden Gegenstände  geschützt,  die  das 
Niveau  des  Abflusses  leicht  ein  wenig  verändern 
und  dadurch  das  zu  messende  Volumen  stark 
fehlerhaft  machen.  Der  Seitentubus  hat  ellip- 
tischen, in  der  Vertikalen  gestreckten  Querschnitt. 
Im  Korke  oder  Gummipfropfen  sitzt  in  seiner 
Mündung  das  kleine  Abflufsröhrchen,  von  dessen 
Beschaffenheit  die  Genauigkeit  der  Messung  ab- 
hängt. Während  die  innere  Öffnung  des  Röhr- 
chens, dessen  Ende  hier  nach  oben  konkav  halb- 
kreisförmig gebogen  ist,  möglichst  wagerecht  liegen 
soll,,  liegt  die  äufsere  Öffnung  um  1 bis  1%  cm 
tiefer.  Nur  bei  einem  solchen  geringen  Gefälle 
wird  das  Abfliefsen  sehr  gleichmäfsig.  Bei  schnellerem  Einströmen  des 
Wassers  in  die  wagerechte  Öffnung  bilden  sich  bald  früher,  bald  später 
kleine  Wirbel,  die  Luft  mit  hineintreten  lassen  und  eine  ungleichmäfsige 


Fig.  1 


9 


Beendigung  des  Abflusses  bewirken.  Aus  dem  gleichen  Grunde  darf  das 
Abflufsröhrchen  auch  nur  einen  geringen  Durchmesser  haben.  Um  den 
Wasserabflufs  jedesmal  plötzlich  aufhören  zu  lassen,  versah  Wein  hold 
das  Röhrchen  kurz  vor  der  Aufsenmündung  mit  einer  sehr  kleinen  Heber- 
biegung. Ist  diese  infolge  Sinkens  des  Wasserstandes  im  Gefäfse  nicht 
mehr  voll  Wasser,  so  rinnen  nur  selten  noch  einige  einzelne  Tropfen  hinter 
der  Hauptmenge  des  Wassers  her,  was  als  eine  bedeutende  Annehmlichkeit 
bemerkbar  wird. 

Eine  kleine  Verschiedenheit  des  Abflusses  ist  indessen  die  Folge  davon, 
dafs  — besonders  nach  längerem  Gebrauche  des  Abflufsröhrchens  — beim 
Beginne  des  Fliefsens  eine  kleine  Luftblase  im  Röhrchen,  meistens  in  der 
Heberbiegung  an  der  Wand  hängen  bleibt.  Sie  verlangsamt  den  Abflufs 
und  bewirkt,  dafs  bis  zum  Aufhören  des  Fliefsens  einige  Kubikzentimeter 
mehr  heraustreten.  Hierin  liegt  eine  gewisse  Unsicherheit  der  Messung 
mit  dem  konstanten  Gefäfs. 

Die  öftere  Bildung  der  störenden  Luftblase  beim  Vollaufen  des  Abflufs- 
röhrchens schränkt  die  neue  Konstruktion  ein.  An  die  Stelle  der  Heberbiegung 
tritt  einfach  eine  Paraffinierung  der  wagerechten  Einströmungs- 
öffnung. Erwärmt  man  den  Rand  dieser  Öffnung  durch  kurzes  Einbringen 
in  eine  Flamme,  tupft  auf  ein  Paraffinstück  auf  und  läfst,  den  Rand  wage- 
recht nach  unten  gehalten,  erkalten,  so  ist  das  Röhrchen  imstande,  den 
Wasserabflufs  plötzlich  und  recht  gleichmäfsig  aufhören  zu  lassen.  Bei  dem 
Fortfallen  der  Adhäsion  infolge  des  Paraffinüberzuges  beginnt  ein  erneutes 
Fliefsen  erst  dann,  wenn  der  Wasserstand  im  Gefäfse  um  einige  Millimeter 
höher  geworden  ist.  Sehr  kleine  Volumina  kann  man  daher  nur  bestimmen, 
wenn  gleichzeitig  eine  bekannte  gröfsere  Wasserverdrängung  vorgenommen 
wird,  am  einfachsten  durch  Eingiefsen  von  100  oder  200  ccm  Wasser.  Er- 
wähnt sei,  dafs  eine  solche,  die  Heberbiegung  ohne  Verlängerung  des  ganzen 
Röhrchens  völlig  ersetzende  Aufhebung  der  Adhäsion  auch  durch  Über- 
streichen des  Randes  mit  Aluminium  (vorher  Betupfen  mit  Lauge)  erzielt 
werden  kann.  Die  Randbedeckung  erneuert  man  in  wenigen  Sekunden,  wenn 
nach  langem  Stehen  des  Apparates  Staub  oder  Pilzfäden  in  unreinem  Wasser 
auf  dem  Paraffin  die  Aufhebung  der  Adhäsion  unvollkommen  machten. 

Der  ,, Verdrängungsapparat“  kann  erstens  ohne  weiteres  Zubehör 
in  der  beschriebenen  Weise  verwendet  werden.  Zum  Schutze  des  Glas- 
zylinders gegen  das  Zerstofsenwerden  beim  Hineinfallenlassen  grofser  Ge- 
steinsstücke, kann  man  auf  den  Boden  eine  runde  Scheibe  Leder  oder 
dergleichen  bringen.  Selbstverständlich  ist,  dafs  man  dem  Leder  anhaftende 
Luftblasen  abstreift,  die  sonst  zur  Unzeit  aufsteigen  und  dem  gleichen 
Wasservolumen  Platz  machen  könnten. 

Infolge  der  Gröfse  der  Wasseroberfläche  kommen  die  beim  Einbringen 
der  Gegenstände,  sowie  beim  Anstofsen  des  Tisches  entstehenden  Wellen- 
bewegungen erst  nach  geraumer  Zeit  zur  Ruhe.  Bei  dieser  ersten  Ver- 
wendungsart des  Apparates  wird  man  daher  alle  Bewegungen  der  Wasser- 
oberfläche recht  ruhig  vornehmen  und  während  des  Abfliefsens  Erschütte- 
rungen möglichst  vermeiden ; denn  ohne  weiteres  ist  klar,  dafs  man  keinen 
gleichmäfsigen  Abflufs  erzielen  kann,  wenn  nicht  die  W asseroberfläche  so 
gut  wie  ganz  ruhig  geworden  ist,  sobald  das  Niveau  bis  zum  plötzlichen 
Stocken  des  Abflusses  gesunken  ist. 

Schneller  beruhigen  sich  die  Erregungen  der  W asseroberfläche,  wenn 
der  zum  Apparate  gehörige  Schwimmer  aus  Nickelblech  eingesetzt  war. 


10 


Dieser  hat  unten  eine  durchlochte  schwere  Schale  zur  Aufnahme  von  Gegen- 
ständen; oben  befindet  sich  ein  Bügel  zum  Emporziehen  des  ganzen  Ein- 
satzes und  in  der  Mitte  ist  der  grofse  Schwimmzylinder,  der  am  Boden 
drei  in  gleichen  Abständen  befindliche  kleine  Drahtbügel  besitzt,  die  den 
Schwimmer  in  der  Mitte  des  Wassers  halten.  Die  Reibung  zwischen  diesen 
Bügeln  und  der  Glaswand  ist  unter  Wasser  bei  senkrechter  Stellung  des 
Schwimmers  sehr  gering.  Würde  sich  beim  Fehlen  der  Bügel  die  Schwimmer- 
wand oben  gegen  das  Glas  anlegen,  so  erhielte  die  Bewegung  des  Schwimmers 
infolge  der  Kapillarwirkung  des  Wassers  eine  so  grofse  Hemmung,  dafs  an 
gleichmäfsigen  Abflufs  nicht  zu  denken  wäre. 

Es  empfiehlt  sich,  wenn  nicht  ganz  besonders  grofse  Volu- 
mina zu  bestimmen  sind,  mit  dem  Schwimmer  zu  arbeiten,  d.  h. 
diesen  jedesmal  vor  dem  Hineinlegen  des  Gegenstandes  anzuheben  und, 
ohne  dafs  Wasser  neben  den  Zylinder  abtropft,  ihn  wieder  auf  die  Wasser- 
oberfläche zu  senken,  sobald  der  Gegenstand  auf  den  Zylinderboden  ge- 
bracht ist.  Bei  angehobenem  Schwimmer  hat  man  zugleich  Zeit,  mit  einem 
(vorher  schon  benetzten)  Glasstabe  dem  Gegenstände  anhaftende  Luftblasen 
abzustreifen.  Es  ist  dies  besonders  erwünscht,  wenn  das  Volumen  von 
Kies  oder  dergleichen  zu  bestimmen  ist.  Erst  beim  Wiederaufsetzen  des 
Schwimmers  beginnt  der  Wasserabflufs  und  es  ist  eine  besondere  Annehm- 
lichkeit, dessen  Eintritt  mit  der  Bewegung  des  Schwimmers  in  der  Hand 
zu  haben.  Durch  einen  etwas  tieferen  Druck  beim  Aufsetzen  des  Schwimmers 
läfst  man  das  Wasser  plötzlich  in  das  Abflufsröhrchen  hinein- 
schiefsen.  Eine  Luftblase  bleibt  dabei  ganz  selten  darin  zurück,  und 
sollte  eine  solche  sichtbar  sein,  so  hebt  man  den  Schwimmer  wieder  an 
und  drückt  ihn  noch  ein  wenig  energischer  in  das  Wasser. 

Zur  Erprobung  der  Gleichmäfsigkeit  desWasserab  fl  usses  giefst 
man  eine  bekannte  Wassermenge  aus  dem  Mefszylinder,  z.B.  genau  100  ccm 
bei  geringem  Anheben  des  Schwimmers  zwischen  Schwimmer  und  Glaswand 
hinein.  Nach  Unterhalten  des  Mefszylinders  unter  das  Abflufsröhrchen  läfst 
man  den  Abflufs  ruckartig  beginnen,  indem  man  den  Schwimmer  etwas 
tiefer  hineindrückt  und  alsdann  natürlich  ruhig  schwimmen  läfst.  Nach 
etwa  einer  halben  Minute  stockt  der  Abflufs.  Im  Mefszylinder  ist  der  Wasser- 
stand oft  genau  wieder  bei  100  ccm,  wie  vor  dem  Hineingiefsen.  Vor  Be- 
ginn einer  Messung,  die  recht  zuverlässig  werden  soll,  macht  man  diese 
Probe  einige  Male.  War  auch  zuletzt  der  Abflufs  der  normale,  so  ist 
garantiert,  dafs  nicht  ein  ausnahmsweiser  Zufall  (Erschütterung)  einen 
Fehler  in  die  Bestimmung  bringt. 

Nach  Abtropfenlassen  eines  innen  benetzten  Becherglases  stellt  man 
dies  zum  Auffangen  des  verdrängten  Wassers  unter  das  Abflufsröhrchen, 
bringt  in  der  beschriebenen  Weise  den  Gegenstand  in  den  Zylinder,  er- 
öffnet mit  dem  Schwimmer  den  Abflufs  und  mifst  schliefslich  die  abgeflossene 
Wassermenge  mittels  geeigneter  Mefszylinder. 

Bei  einer  ganzen  Folge  von  Bestimmungen,  z.  B.  für  Gesteinsproben, 
ist  es  besonders  des  bequemeren  Emporholens  wegen  zweckmäfsig,  die 
grofsen  Gegenstände  an  einem  dünnen  Faden  zu  befestigen,  an  dem  man 
sie  in  das  Wasser  hinabläfst.  Der  schlaff  an  der  Gefäfswand  liegende 
Faden  verursacht  keinen  bemerkbaren  Fehler.  Besonders  beim  Unter- 
richtsgebrauche des  Apparates  ist  die  Verwendung  von  Fäden 
zweckmäfsig.  Nachdem  das  erste  Einbringen  des  Gegenstandes  bis  auf 
den  Boden  des  Zylinders  sein  Volumen  ergeben  hat,  kann  auch  die  Be- 


11 


Stimmung  seines  absoluten  Gewichtes  mittels  des  Verdrängungsapparates 
erfolgen.  Man  hebt  mit  der  einen  Hand  den  Schwimmer  genügend  hoch 
heraus  — am  bequemsten  hängt  man  den  Drahthenkel  über  eine  hoch 
aufgestellte  Stativklemme  oder  ein  besonderes  Galgengestelle,  wenn  man 
ohne  Gehülfen  arbeiten  will  — man  zieht  hierauf  den  Gegenstand  empor 
und  bringt  ihn,  nur  mit  den  Fingerspitzen  zugreifend,  in  die  untere  Schale 
des  Schwimmers.  Wasser  darf  hierbei  freilich  nicht  von  den  benetzten 
Dingen  daneben  herabtropfen,  sondern  alles  ist  oberhalb  des  Zylinders  aus- 
zuführen. Die  Benetzung  der  Fingerspitzen  kommt  nicht  in  Betracht. 

Setzt  man  hierauf  den  Schwimmer  wieder  in  das  Wasser,  so  gelangt 
eine  Wassermenge  zum  Abflufs,  die  ebenso  schwer  wie  der  Gegenstand 
im  Wasser  ist.  Läfst  man  sie  gleich  in  den  die  erste  Wasserportion  ent- 
haltenden Mefszylinder  abfliefsen,  so  macht  sie  mit  dieser  zusammen  eine 
Wassermenge  aus,  deren  Gewicht  gleich  dem  Gewichte  des  Gegenstandes 
in  Luft  ist.  Das  spezifische  Gewicht  ist,  wie  sofort  ersichtlich,  aus 
den  beiden  Ablesungen  am  Mefszylinder  durch  Division  zu  finden.  Da  frei- 
lich nicht  Wasser  von  4°,  sondern  von  Zimmerwärme  abfliefst,  so  ist  die 
Zahl  der  das  zweite  Mal  verdrängten  Kubikzentimeter  etwas  (1  bis  2 %0) 
gröfser  als  das  Gewicht  des  Gegenstandes  (in  Wasser)  in  Grammen.  Für 
die  meisten  Zwecke  des  Apparates  ist  die  geringe  Differenz  verschwindend. 
Man  erhält  in  der  Tat  eine  entsprechend  gröfsere  Zahl  von  Kubikzenti- 
metern als  Mafs  für  das  Gewicht  eines  ganzen  oder  halben  Kilogrammes, 
wenn  man  ein  solches  Gewichtsstück  mitten  in  den  Luftraum  des  Schwimmers 
hineinsetzt.  Damit  auch  bei  einer  solchen  Belastung  der  Schwimmer  senk- 
recht bleibt,  schiebt  man  das  Gewichtsstück  zu  Anfang  des  Wasserabflusses 
je  nach  der  Neigung  des  Schwimmers  mehr  in  die  Mitte. 

Von  anderen  Unterrichtsversuchen  mit  dem  Apparate  sei  der 
Nachweis  erwähnt,  dafs  auf  dem  vorhin  angegebenen  Wege  das  Luft- 
gewicht eines  Gegenstandes  gefunden  wird.  Nachdem  zunächst  das  von 
diesem  verdrängte  Wasser  abgemessen  und  die  Wassermenge  nach  Be- 
schweren der  unteren  Schwimmerschale  mit  dem  Gegenstände  hinzu- 
gekommen ist,  nimmt  man  den  Schwimmer  empor  und  überträgt  den 
Gegenstand  von  der  unteren  Schale  in  den  grofsen  Lufti’aum  des 
Schwimmers.  Man  achtet  hierbei  darauf,  dafs  abtropfendes  Wasser  in 
den  Zylinder  zurückfällt.  Die  kleine,  an  den  Fingerspitzen  bleibende  Wasser- 
menge kommt  wieder  nicht  in  Betracht.  Setzt  man  den  Schwimmer  jetzt 
wieder  hinein,  nachdem  von  der  noch  im  Mefszylinder  befindlichen  Wasser- 
menge ein  Teil  in  den  Zylinder  zurückgegossen  wurde,  so  fliefst  bei  normalem 
Abrinnen  genau  ebensoviel  Wasser  in  den  daruntergehaltenen  Mefszylinder 
hinein,  als  zuletzt  darin  war.  Es  ist  klar,  dafs  selbst  eine  beliebig  gröfsere 
Wassermenge  an  dieser  Übereinstimmung  nichts  ändern  würde,  die,  an  dem 
Gegenstände  haftend,  von  unten  nach  oben  mit  übertragen  würde.  Durch 
Eingiefsen  von  Wasser  in  den  Schwimmer,  das  aus  dem  Röhrchen  durch 
Herunterdrücken  des  Schwimmers  vorher  verdrängt  war,  kann  man  dies 
sofort  demonstrieren.  Die  gleichmäfsige  Einstellung  des  Wasserniveaus 
zeigt  sich  stets  darin,  dafs  z.  B.  genau  100  ccm  wieder  abfliefsen,  wenn 
man  diese  nach  geringem  Anheben  des  Schwimmers  in  den  Zylinder 
hineingofs. 

Die  Gewichtsbestimmung  mit  dem  Verdrängungsapparat  gibt 
in  den  verdrängten  gleich  schweren  Wassermengen  ein  sehr  anschauliches 
Bild  der  ungleichen  Gewichte  von  Körpern  verschiedener  Dichte.  Als 


12 


Beispiel  für  eine  solche  Benutzung  sei  die  Gewichtsbestimmung  von  Metall- 
körpern (Mg,  Al,  Zn,  Sn,  Cd)  hinzugefügt,  die  eine  besonders  einfache  Be- 
stätigung des  Satzes  von  der  Gleichheit  der  Atomwärmen  liefern.  Hierzu 
verwende  ich  dicke  rechteckige  Gufsstiicke  der  Metalle,  die  je  10  Gramm- 
atomgewicht schwer  sind.  Mittels  einer  übergestülpten  Glocke,  in  deren 
Rohransatz  Wasserdampf  eintritt,  werden  diese  Körper  einzeln  schnell  auf 
100°  erhitzt  und  sodann  mittels  daran  befestigten  Hakens  in  das  Kalori- 
meter versenkt,  wohin  sie  in  für  den  Unterricht  genügend  genauer  Weise 
die  gleiche  Wärmemenge  übertragen.  Während  des  Heizens  hat  man  Zeit, 
das  Gewicht  des  nächsten  Metallstückes  zu  demonstrieren.  Der  Magnesium- 
körper verdrängte  nach  Hineinlegen  in  den  Schwimmer  244  ccm.  Man  hebt 
ihn  heraus  und  setzt  das  nächst  schwerere  Stück  Aluminium  hinein,  es 
fliefsen  weitere  27  ccm  aus,  die  man  in  einem  besonderen,  mit  dem  zuerst 
verwendeten  gleichweiten  Zylinder  auffängt.  Das  Zinkstück  läfst  sodann 
weitere  383  ccm  ausfliefsen  usf.,  soweit  man  über  die  Metallstücke  ver- 
fügt. Man  stellt  hinterher  diese  neben  den  Zylindern  mit  den  Wassermengen 
auf.  Jedes  wiegt  so  viel,  wie  die  voraufgehenden  Wassermengen 
zusammen. 

Der  Verdrängungsapparat  ist  ferner  ein  bequemes  Mittel,  gröfsere 
Mengen  von  Gasen  recht  genau  abzumessen,  die  mittels  abgewogener 
Stoffmengen  chemisch  entwickelt  wurden.  Hierbei  benutzt  man  eine  in 
den  Zylinder  hineinpassende,  unten  mit  Bleifufs  beschwerte  Glocke, 
in  die  man  durch  das  im  Stopfen  oben  befindliche  Glasrohr  das  Gas  ein- 
leitet. In  den  von  mir  angegebenen  Entwicklerkölbchen  (Zeitschr.  f.  d. 
phys.  u.  ehern.  Unterricht  XVIII,  277  und  XIX,  98)  kann  man  bequem  die 
abgewogenen  Metallmengen  zunächst  neben  dem  Säureüberschufs  getrennt 
halten  und  nach  Herstellung  der  Anschlüsse  und  dem  Druckausgleich  das 
Metall  in  die  Säure  fallen  lassen.  Das  verdrängte  Wasser  fängt  man  im 
vorher  benetzten  Glase  auf  und  überträgt  es  in  die  Mefszylinder.  Der 
Sicherheit  wegen  giefst  man  zuletzt  etwas  Wasser  zurück  und  läfst  es  wieder 
zum  übrigen  a‘bfliefsen.  Das  Glas  in  der  Glocke  befindet  sich  unter  dem 
Drucke  der  Wassersäule,  die  ein  Zentimetermafs  erkennen  läfst.  Um  sofort 
die  Zahl  der  Kubikzentimeter  zu  erhalten,  um  die  das  Gasvolumen  bei 
Atmosphärendruck  gröfser  ist  als  jetzt,  da  es  zugleich  unter  dem  Drucke 
der  Wassersäule  (a  cm)  steht,  braucht  man  nur  a Promille  des  abgemessenen 
Volumens  zu  berechnen.  Durch  Hinzufügen  der  kleinen  Volumgröfse 
ergibt  sich  das  Volumen  des  Gases  bei  Atmosphärendruck.  Auch  für  die 
Reduktion  auf  0°,  Trockenheit  und  normalen  Barometerstand  habe  ich 
(a.  a.  0.)  eine  einfache  Annäherungsrechnung  angegeben,  deren  Fehler  bei 
geringen  Abweichungen  von  der  so  häufig  vorhandenen  Zimmerwärme  von 
19°  unter  einem  Promille  bleiben.  Als  Beispiel  für  einen  solchen,  die 
stöchiometrischen  Rechnungen  bestätigenden  Versuch  sei  die  Auflösung  von 
1 g Aluminiumblech  erwähnt.  Der  Wasserstoff  drängte  bei  20°  und  754  mm 
Luftdruck  1345  ccm  Wasser  aus  dem  Apparat.  Das  Wasser  in  der  Glocke 
stand  zuletzt  19  cm  tiefer  als  im  Standzylinder.  Die  Reduktion  auf  nor- 
male Verhältnisse  ergibt  1238  ccm,  während  die  berechnete  Menge  1240  ccm 
beträgt.  Bei  anderen  Versuchen  gleicher  Art  überschritten  die  Abweichungen 
selten  10  ccm. 

Bezüglich  der  Genauigkeit  der  Volumbestimmung  mit  dem  Verdrängungs- 
apparat ist  zu  bemerken,  dafs  sie  verhältnismäfsig  um  so  gröfser  ist,  je 
gröfser  das  Volumen  selbst  ist.  Besonders  wenn  man  mehrmals  das  in 


13 


den  Mefszylinder  geflossene  Wasser  wieder  zurückgiefst,  um  eine  kleine 
Anzahl  von  ganz  wenig  differierenden  Angaben  zu  erhalten,  deren  Mittel- 
wert berechnet  wird,  kann  man  auch  bei  Körpern  von  nur  100  bis  200  ccm 
den  Fehler  unter  1/2  ccm  herabsetzen.  Eigentlich  braucht  man  zum  wieder- 
holten Abmessen  der  verdrängten  Wassermengen  Mefszylinder,  die  auf 
Ausgufs  geeicht  sind.  Die  kleine,  der  Zylinderwand  adhärierende  Wasser- 
menge in  gewöhnlichen  Mefszylindern  kann  man  indessen  leicht  durch 
Wägung  des  trocknen  und  des  innen  benetzten  Zylinders  ermitteln  und 
nötigenfalls  in  Abzug  bringen. 


II.  Eine  Senkwage  mit  Zentigrammspindel. 


Fig.  2. 


Apparate  wie  die  gewöhnlich  nach  Nicholson  benannte  Senkwage 
(Gewichtsaräometer)  sind  erheblich  älter,  als  meistens  angenommen  wird. 
So  findet  sich  in  s’Gravesande,  Elementa 
Physices  (1720),  S.  118  ein  Gewichtsaräo- 
meter mit  kalibrierter  Spindel  für  die  kleinsten 
Differenzen  und  mit  zwei  Schalen  (in  Wasser 
und  in  Luft)  beschrieben,  in  Fig.  5 der 
Tafel  22  abgebildet.  In  der  verbesserten 
Form  (Tr  all  es)  läfst  die  Senkwage  die  Be- 
stimmung etwas  gröfserer  Gewichte  zu,  wäh- 
rend bei  der  gewöhnlichen  Nicholsonschen 
Konstruktion  diese  nur  sehr  leicht  sein  dürfen. 

Beide  Formen  erfordern  beim  Gebrauche  in- 
dessen eine  geradezu  mühselige  Einstellung 
auf  eine  Marke  des  aus  dem  Wasser  heraus- 
ragenden Drahtes  und  damit  viel  mehr  Zeit 
als  das  Ab  wägen  unter  Wasser  mittels  einer 
Analysenwage. 

Für  den  im  Gebrauch  feinerer  Glasinstru- 
mente Geübteren  ist  die  Verwendung  der  zu. 
beschreibenden  Senkwage  (Fig.  2)  eine  be- 
sondere Annehmlichkeit,  da  die  Aufhängung 
am  Faden  fortfällt,  die  ja  aufserdem  bei  einem 
aus  Körnern  bestehenden  Stoffe  unausführbar 
ist.  Unterhalb  der  Schwimmkugel  des  Appa- 
rates befindet  sich  das  Schälchen  zur  Auf- 
nahme des  im  Wasser  Abzuwägenden.  Oben 
schraubte  man  auf  die  Schwimmkugel  die  einem 
besonderen  Futteral  entnommene  „Zenti- 
grammspindel“ fest,  auf  die  man  das  Luftschälchen  aus  Nickelblech 
aufsetzt.  Bei  senkrechter  Haltung  der  Senkwage  kann  man  mit  der  Hand 
stets  an  der  dünnen  Glasspindel  zugreifen.  Sonst  erfafst  man  die  Schwimm- 
kugel. Bringt  man  die  Senkwage  auf  das  Wasser  in  einem  hohen  Aräo- 
meterzylinder, so  ragt  ein  erheblicher  Teil  der  Schwimmkugel  heraus.  Man 
mufs  31  g auf  die  Schale  legen,  damit  Einsinken  bis  zum  Skalenanfang  (0) 
erfolgt,  während  nach  Auflegen  von  32  g die  Spindel  bis  zum  Ende  der 
Zentigrammteilung  (1)  einsinkt.  Nur  um  einzelne  Zentigramme  setzt  sich 
die  Skaleneinteilung  über  diese  Hauptmarken  fort.  Die  Zehner  der  Zenti- 
gramme sind  für  die  schnellere  Ablesung  von  allen  Seiten  durch  die  mittels 


14 


der  bekannten  Armeefarbenfolge  hergestellte  Farbenreibe:  Grau,  Weifs, 
Rot,  Gelb,  Blau  deutlicher  kenntlich  gemacht.  Eine  Anzahl  nahe  heran- 
getretener Schüler  kann  die  Einstellung  gleichzeitig  nachprüfen.  Auf  die 
genauere  Ablesung  unterhalb  des  Wasserspiegels  kann  bei  solcher  Massen- 
beobachtung verzichtet  werden,  wenn  jedesmal  von  oben  abgelesen  wird. 
Ist  die  Wasseroberfläche  nicht  ganz  rein  oder  die  Spindel  nicht  gleich- 
mäfsig  benetzt,  so  zeigt  sich  ohnehin  eine  gewisse  Unsicherheit  der  Ein- 
stellung durch  die  Zähigkeit  des  Wasserhäutchens,  die  ja  bei  allen  aräo- 
metrischen  Beobachtungen  unter  diesen  Umständen  bemerkbar  wird.  Man 
erhält  Unterschiede  der  Einstellung  von  etwa  2 Zentigrammen,  wenn  man 
bei  wenig  reiner  Oberfläche  einmal  nach  leisem  Herabdrücken,  dann  nach 
geringem  Emporheben  die  Ablesung  wiederholt. 

Die  Apparate  sind  in  ihrem  Gewichte  derart  abgeglichen,  dafs  bei  18° 
unter  einer  Schalenbelastung  mit  31  bez.  32  g die  Einstellung  beim  Anfang 
bez.  beim  Ende  der  Zentigrammskale  erfolgt.  Hat  das  Wasser  eine  etwas 
abweichende  Temperatur,  so  legt  man  ein  Drahtstückchen  bis  zur  richtigen 
Nulleinstellung  auf  oder  man  notiert  die  abweichende  Einstellung  für  die 
anschliefsenden  Wägungen.  War  dieselbe  infolge  zu  grofser  Wärme  des 
Wassers  bei  31  g Schalenbelastung  z.  B.  beim  Teilstrich  4 der  Zentigramm- 
skale (man  schreibt  31 ; 0,04),  während  eine  Belastung  durch  einen  Gegen- 
stand neben  4 g die  Einstellung  beim  Teilstrich  67  hervorruft  (man  schreibt 
4;  0,67),  so  wiegt  der  Gegenstand  27,63  g.  Legt  man  den  Gegenstand  auf 
die  untere  Schale,  so  erhält  man  eine  dritte  Einstellung,  die  mit  der 
zweiten  verglichen  sofort  den  Gewichtsverlust  in  Wasser  angibt. 

Beim  Abwägen  von  Gegenständen  gröfseren  Volumens  auf  der  oberen 
Schale  kann  es  an  Platz  für  die  daneben  aufzulegenden  Gewichtsstücke 
fehlen;  man  benutzt  dann  zweckmäfsig  die  zweite  Reihe  der  Gewichts- 
stücke des  Kästchens  (die  vernickelten),  die  das  aufgeschriebene  Gewicht 
nicht  in  Luft,  sondern  unter  Wasser  haben.  Man  kann  damit  zugleich  für 
vielerlei  Unterrichtsversuche,  bei  denen  Gewichtsänderungen  demonstriert 
werden  sollen,  die  Stabilität  der  Senkwage  grofs  machen.  Mit  fünf  Gewichten 
in  jeder  Reihe  kommt  man  aus,  zugleich  durchschnittlich  etwas  schneller 
wägend,  wenn  die  Gewichte  nicht  nach  der  üblichen  Folge,  sondern  1,  2, 
4,  8,  16  g schwer  benutzt  werden.  Natürlich  ist  diese  Anordnung  nach 
Potenzen  von  2 nur  für  einen  kleinen  Gewichtssatz  eine  Verbesserung,  da 
sonst  die  Addition  im  Kopfe  Schwierigkeiten  macht.  Zum  Wechseln  der 
Gewichte  auf  der  unteren  Schale  hebt  man  mit  der  einen  Hand  die  Spindel 
an,  greift  mit  der  anderen  Hand  an  der  Schwimmkugel  zu  und  legt  das 
Gewichtsstück  auf.  Dann  senkt  man  bis  zur  Spindel  in  das  Wasser  ein, 
hält  diese  selbst  wieder  in  der  Hand  und  lüftet  einen  Augenblick  die  Finger. 
An  der  schnellen  oder  sonst  sehr  langsamen  Bewegung  der  Senkwage  er- 
mifst  man  meistens  sofort,  ob  und  in  welcher  Richtung  die  Schalenbelastung 
für  die  Einstellung  auf  einen  Punkt  der  Zentigrammskale  zu  ändern  ist. 

Die  Dichtebestimmung  erfolgt  in  der  beschriebenen  Weise  sicher  und 
erspart  viel  Zeit;  beim  Unterrichte  wird  es  möglich,  Dichten  von  Mineralien 
oder  wichtigen  Stofftypen  in  wenigen  Augenblicken  zu  ermitteln.  Dafs  man 
ebenso  gut  viele  kleine  Ge  st  eins  Stückchen,  als  ein  einziges  kompaktes 
untersuchen  kann,  war  schon  angedeutet  worden.  Hartnäckig  anhaftende 
Luftblasen,  besonders  solche,  die  Spalten  erfüllen,  entfernt  man,  indem 
man  nach  Abwägen  in  Luft  die  Mineralstückchen  in  ein  Reagensglas  mit 
Wasser  bringt,  dieses  an  die  Luftpumpe  anschliefst  (oder,  wenn  angängig, 


15 


kocht)  und  hinterher  nach  Daumenschlufs  unter  Wasser  alles  in  die  untere 
Schale  der  Senkwage  sinken  läfst.  In  der  Zeitschr.  f.  d.  phys.  u.  chem. 
Unterricht  XIX,  10  (1906)  sind  eine  Anzahl  von  Zahlenbeispielen  für  die 
Bestimmung  der  spezifischen  Gewichte  von  Münzen  (die  Senkwage  trägt  ein 
silbernes  Fünfmarkstück,  auch  bis  80  Mark  in  Gold)  und  Mineralien  mit- 
geteilt. Die  Genauigkeit  der  Bestimmung  hängt  von  der  absoluten  Gröfse 
der  Dichte  des  betreffenden  Stoffes  ab.  Werden  bei  den  beiden  Wägungen 
in  Luft  und  in  Wasser  jedesmal  Fehler  in  Höhe  von  /\p  gemacht,  und  zwar 
so,  dafs  sie  sich  nicht  teilweise  auf  heben,  sondern  in  ihrer  Wirkung  ver- 
stärken, so  ist  für  einen  Gegenstand  von  p g Gewicht  und  der  Dichte  s der 

Fehler  der  Bestimmung  s=-^  ’-(l  — 2s). 

Bei  gröfseren  Werten  von  s nimmt  der  Fehler  also  fast  mit  dem  Qua- 
drate von  s zu.  Vergleicht  man  alte  Tabellen  der  spezifischen  Gewichte 
mit  neueren  Bestimmungen,  z.  B.  die  von  Al  Khäzini  herrührende  (Ger- 
land  und  Traumüller:  Geschichte  der  physikalischen  Experimentierkunst, 
1899,  S.  73),  so  berechtigen  die  verhältnismäfsig  genauen  Zahlen  für  die 
Metalle  Gold  (19, 05  gegenüber  19,26),  Quecksilber  (13,56  gegen  13,59),  Blei 
(11,32  gegen  11,35)  in  verstärktem  Grade  ein 
günstiges  Urteil  über  manche  schon  von  den 
Arabern  vorgenommenen  Wägungen. 

Eine  Anzahl  weiterer  Anwendungen  der 
Senkwage  habe  ich  in  der  Zeitschr.  f.  d. 
phys.  u.  chem.  Unterricht  XX,  153  (1907)  be- 
schrieben. 

III,  Das  Differential- Aräo -Pyknometer. 

Für  Gehaltsbestimmungen  von  Lösungen, 
mehr  oder  weniger  konzentrierten  Säuren  usw. 
ist  das  Aufsuchen  des  spezifischen  Gewichtes 
und  die  Ermittlung  der  Prozentsatzzahl  mit- 
tels einer  Tabelle  ein  bequemes  Verfahren. 

Der  Gebrauch  eines  Aräometers  erfordert  in- 
dessen eine  erhebliche  Menge  der  Flüssigkeit, 
und  man  mufs  über  einen  ganzen  Satz  feinerer 
Aräometer  verfügen,  wenn  die  Bestimmung 
auf  eine  Einheit  der  3.  Dezimalen  oder  noch 
etwas  genauer  werden  soll.  Das  Abwägen 
mittels  des  Pyknometers  ist  etwas  umständ- 
lich; beim  Abwägen  des  Gewichtsverlustes 
eines  eingesenkten  Glaskörpers  ist  der  ab- 
kühlenden Verdunstung  wegen,  die  auch  durch 
Konvektionsströmungen  stört,  besonders  bei 
ätherartigen  Flüssigkeiten,  die  gleichzeitige 
Temperaturbestimmung  unsicher. 

Durch  Vereinigung  eines  Pyknometers  mit  einem  Aräometer  erhält  man 
ein  für  schnellen,  bequemen  Gebrauch  geeignetes  Instrument.  Das  Pykno- 
metergefäfs  (Fig.  3)  nimmt  aus  einer  Pipette  oder  einem  Trichterchen  un- 
gefähr 30  ccm  der  zu  untersuchenden  Flüssigkeit  auf.  In  vielen  Fällen 


Fig.  3. 


16 


kann  man  einen  etwaigen  Wasserrest  vom  Ausspülen  nach  der  letzten  Be- 
nutzung durch  zweimaliges  Spülen  mit  kleinen  Anteilen  der  zu  unter- 
suchenden Flüssigkeit  vorher  entfernen.  Die  Temperatur  der  letzteren  ist  am 
besten  ganz  wenig  niedriger  als  diejenige  des  Wassers  im  Aräometerzylinder. 
Beim  Einbringen  leicht  verdunstender  Flüssigkeiten  tritt  durch  Überlaufen 
gewöhnlich  von  selbst  dieser  Zustand  ein.  Nach  Abschliefsen  des  Gefäfses 
mit  dem  langen  Schliffstöpselchen  bringt  man  das  Aräometer  zum  Schwimmen, 
wobei  es  aber  nur  dann  bis  zu  einem  Punkte  der  Skale  einsinkt,  wenn  die 
Flüssigkeit  eine  selten  hohe  Dichte  hat.  Dieselbe  mufs  zwischen  den 
Grenzwerten  1,9  und  2,0  gelegen  sein.  Die  bisher  beschriebene  Einrichtung 
besafs  auch  das  Aräo-Pyknometer  von  A.  Eichhorn. 

Es  sind  nun  dem  Instrumente  vier  Anhängegewichte  beigegeben,  die, 
mit  Aufschriften  0,8,  0,4,  0,2  und  0,1  versehen,  das  Gewicht  um  genau 
so  viel  erhöhen,  als  der  Flüssigkeit  an  Schwere  fehlt,  um  bis  zu  einem 
Punkte  der  Skale  einzusinken.  Sie  haben  unter  Wasser  (von  15°)  einfach 
das  Gewicht  0,8_p,  0,4 p usf.,  wobei  p das  Gewicht  des  Wassers  ist,  das  in 
das  Pyknometergefäfs  hineingeht.  Ist  also  die  Einstellung  z.  B.  beim  An- 
hängen der  Gewichte  0,8 + 0,4  gleich  1,948,  so  ist  1,948  — 1, 2= 0,748  die 
gesuchte  Flüssigkeitsdichte  für  die  Temperatur  des  Wassers  im  Aräometer- 
zylinder (15°).  Ein  eigenartiger  und  für  bequemes  Arbeiten  erwünschter 
Vorzug  des  Apparates  liegt  darin,  dafs  die  Einflüsse  kleinerer  Tem- 
peraturabweichungen auf  die  Flüssigkeit  im  Pyknometergefäfs  und  im 
Aräometerzylinder  sich  stets  entgegen  wirken  und  zum  Teil  aufheben. 
Befindet  sich  eine  verdünnte  wässerige  Lösung  im  ersteren,  die  also  die 
geringe  Wärmeausdehnung  des  Wassers  bei  Zimmerwärme  besitzt,  so  gibt 
der  Apparat  erst  bei  18°  bez.  bei  11°  das  spezifische  Gewicht  um  0,ooi  zu 
hoch  bez.  zu  niedrig  an.  Die  Temperatur  von  15°  braucht  also  nur  auf 
etwa  1 Grad  genau  innegehalten  zu  werden.  Noch  günstiger  wird  es  für 
Flüssigkeiten,  die  eine  nicht  so  ausnahmsweise  geringe  Wärmeausdehnung 
besitzen.  Für  konzentriertere  wässerige  Lösungen  (Dichte  ungefähr  1,8, 
thermischer  Ausdehnungskoeffizient  etwa  0,0003)  sind  die  Angaben  erst  für 
19°  um  0,0005  zu  grofs,  unter  10°  um  ebensoviel  zu  klein.  Diese  Präzision 
des  Apparates  ist  für  schnelles  Arbeiten  recht  bemerkenswert.  Für  zahl- 
lose organische  Flüssigkeiten,  die  wie  Alkohol  etwas  leichter  als  Wasser 
sind  und  eine  Wärmeausdehnung  von  etwa  0,ooi  pro  Grad  besitzen,  sind 
die  Angaben  bei  18°  um  0,ooi  zu  niedrig,  bei  12,5°  um  ebensoviel  zu  hoch. 
Etwas  genauer  ist  bei  besonders  leichten  und  sich  stark  ausdehnenden 
Flüssigkeiten  wie  Äther  auf  Annäherung  der  Wassertemperatur  an  15 0 zu 
sehen.  Die  Angaben  werden  für  letztere  Flüssigkeit  schon  bei  16,5°  um 
0,ooi  zu  klein,  bei  13,5°  um  ebensoviel  zu  grofs.  War  aber,  wie  oben  er- 
wähnt, die  Temperatur  der  ätherischen  Flüssigkeit  beim  Einbringen  etwas 
unter  Zimmerwärme  gesunken,  so  nimmt  sie  in  kurzer  Zeit  nach  dem 
Einsetzen  des  Instrumentes  die  Temperatur  des  Wassers  (15°)  an. 
Es  entweichen  dann  einzelne  feine  Tröpfchen  neben  dem  Stöpselchen  des 
Pyknometergefäfses,  stets  aber  nur  so  lange,  als  sie  infolge  der  Wärme- 
ausdehnung noch  herausgeprefst  werden.  Durch  besondere  Versuche  wurde 
festgestellt,  .dafs  hierbei  keine  Bestimmungsfehler  auftreten. 

Die  gefundene  Zahl  ist  nicht  das  „spezifische  Gewicht“  im  strengen 
Sinne  des  Wortes  (Gewicht  der  Volumeneinheit),  sondern,  ebenso  wie  das 
Ergebnis  der  Dichtebestimmung  nach  Abwägen  eines  Körpers  in  Luft,  sowie 
in  Wasser  von  Zimmerwärme,  diejenige  Zahl,  die  streng  genommen  als 


17 


„relatives  Gewicht“  zu  bezeichnen  ist,  was  ja  aber  gewöhnlich  nicht  ge- 
schieht. Nach  der  Bezeichnung  von  Gockel  (siehe  dessen  Vortrag  beim 
internationalen  Kongrefs  für  angewandte  Chemie  in  Berlin  1903) 

15°C 

ist  die  Angabe  des  Aräo- Pyknometers  durch  -^-rf  (76)  gekennzeichnet. 

lD  vj. 

15°C.\  . 

-jöq“  1 1 wenn  rQan  die  aÖ- 

gelesenen  mit  der  Dichte  des  Wassers  bei  15°,  0,99913  multipliziert.  Für 
die  Deduktion  der  durch  Wägung  festgestellten  Gewichte  ( d ) auf  den  luft- 
leeren Raum  gab  Gockel  eine  Tabelle  an,  die  sich  durch  die  Formel 
ersetzen  läfst:  d!  — 0,9988  d + 0,0018.  Man  sieht,  dafs  diese  Reduktion 
auf  den  luftleeren  Raum  unter  den  Genauigkeitsverhältnissen  des  be- 
schriebenen Apparates  nur  dann  in  Betracht  kommt,  wenn  die  Dichte  der 
Flüssigkeit  eine  selten  grofse  ist.  Eine  einzelne  Bestimmung  hat  einen 
Fehler,  der  unter  0,ooi  liegt. 

Für  kleine  Laboratorien  (Schulen)  ist  der  Gebrauch  des  bequemen  und 
genauen  Instrumentes  recht  zweckmäfsig.  Der  Lehrer  verschafft  sich  damit 
vielerlei  Aufklärungen  bei  seiner  vorbereitenden  Arbeit.  Im  Unterrichte 
kann  man  schnell  damit  die  Vorzüge  und  Schattenseiten  der  verschiedenen 
Verfahren  der  Dichtebestimmung  von  Flüssigkeiten  demonstrieren.*) 


*)  Das  Aräo  - Pyknometer  liefert  das  Phys.- ehern.  Institut  von  Dr.  Gockel  in 
Berlin  NW.,  Luisenstrafse. 

Die  Bezugsfirma  für  die  3 beschriebenen  Apparate,  Max  Kohl  in  Chemnitz,  entlieh 
die  Cliches  der  Figuren.  II  und  III  stehen  unter  Musterschutz. 


Die  wahren  spezifischen  Gewichte  erhält  man 


III.  Crleitftmken  auf  Glasröhren. 

Von  Max.  Toepler. 

Mit  2 Abbildungen. 


Die  Ausbildung  gleitender  Entladung  auf  sehr  weiten  Glasröhren  mit 
relativ  geringer  Wandstärke  und  mit  einem  schmalen  Metallstreifen  entlang 
der  Rückseite*)  unterscheidet  sich  naturgemäfs  nicht  von  der  früher  ein- 
gehend untersuchten  auf  Platten.  Dies  gilt  jedenfalls,  solange  die  Rohr- 
weite so  grofs  ist,  dafs  der  seitlichen  Ausbreitung  des  Gleitbüschels  keine 
Grenzen  gezogen  sind.  Nun  beträgt  die  Breite  von  ebenen  Gleitbüscheln 
auf  Platten  von  mehr  als  0,2  mm  Stärke  schon  dicht  hinter  dem  Büschel- 
kopfe etwa  3 cm.  Man  wird  also  auf  allen  Glasröhren,  deren  Umfang 
weniger  als  3 cm  beträgt  (bei  mehr  als  0,2  mm  Wandstärke)  die  seitliche 
Ausbildung  des  Gleitbüschels  als  seiner  ganzen  Länge  nach  behindert  und 

in  bestimmter  Weise  festgelegt 
anzusehen  haben;  auf  solch  engen 
Rohren  ist  dann  (im  Gegensätze 
zu  Platten)  die  jeweils  geladene 
Oberfläche  proportional  der 
Gleitbüschellänge.  Dem  ent- 
sprechend sind  auch  für  diese  etwas 
veränderte  Bildungsgesetze  zu  er- 
warten. Einen  Beitrag  zur  Kennt- 
nis dieser  Gesetze  sollen  nach- 
stehende Untersuchungen  liefern.**) 

T ersuchsanordnung 
und  Beobachtungseinzelheiten. 

a)  Die  im  folgenden  angewandte 
Versuchsanordnung  (Fig.  1)  ist  die 
gleiche,  wie  die  früher***)  von  mir 
zur  Herstellung  von  Gleichfunken 
erster  Art  benutzte. 


*)  Man  kann  hierbei  natürlich  entweder  den  Streifen  innen  legen  und  die  Funken- 
bildung aufsen  erfolgen  lassen,  oder  umgekehrt. 

**)  Bemerkt  sei,  dafs  sich  die  Hoffnung,  es  werde  aus  obengenannten  Gründen  die 
Gleitbüschel-  und  Gleitfunkenbildung  auf  Rohren  gleichmäfsiger  und  regelmäfsiger  er- 
folgen als  auf  Platten,  nicht  erfüllt  hat;  die  Unsicherheit  der  Ausbildung  gleitender 
Entladung  scheint  hiernach  wesentlich  in  ihrem  Mechanismus  mit  begründet. 

***)  M.  Toepler,  Abh.  d.  naturw.  Ges.  Isis  in  Dresden  1897,  Heft  1;  Wied.  Ann.  66, 
1898,  S.  1061;  Ann.  d.  Phys.  21,  1906,  S.  193. 


Fig.  1. 


19 


Es  bedeutet: 

M eine  vielplattige  Influenzmaschine; 

Cj  C2  zwei  gleichgrofse  Batterien  (je  zwei  Schachtel batterien  von 
je  40  000  cm  Kapazität,  sodafs  also  die  wirksame  Kapazität 
der  benutzten  Batterieanordnung  40000  cm  betrug); 

F Primärfunkenstrecke  zwischen  Messingpolkugeln  von  je  6 cm 
Durchmesser; 

W ein  Wasserwiderstand  von  ca.  3.106  Ohm; 

G das  Glasrohr  mit  den  Gleitfunkenpolen  p1  und  p2. 

Da  enge  Rohre  durch  Gleitfunken  im  Innern  leicht  zertrümmert 
werden,  war  die  Aufsen Oberfläche  für  die  gleitende  Entladung  benutzt*). 
Als  Metallbelag  im  Innern  diente  entweder  Quecksilberfüllung  oder  Ver- 
silberung mit  Drahteinlage  im  Rohrinnern.  (Vergl.  die  Angaben  in  fünfter 
Spalte  von  Tab.  I). 

b)  Wählt  man  als  Metallbelag  im  Rohrinnern  dünne  Oberflächenver- 
silberung ohne  Drahteinlage,  so  erscheint  die  Versilberung  nach  mehr- 
maliger Benutzung  in  merkwürdiger  Weise  angefressen.  Der  Metallbelag 
ist  stellenweise  verschwunden  und  dies  längs  zahllosen  senkrecht  zur 
Rohrachse  stehenden,  ringsumlaufenden  sehr  schmalen  Streifen. 

c)  Ist  das  benutzte  Rohr  gebogen,  so  folgt  die  gleitende  Entladung 
ohne  Erschwerung  dem  Rohre  als  Leitlinie.  Erst  wenn  sich  Rohrteile 
soweit  nähern,  dafs  die  längs  des  Gleitbüschels  bei  Bildung  herrschende 
Potentialdifferenz  zum  Überschlagen  von  Rohrteil  zu  Rohrteil  durch  die 
Luft  genügt,  wird  natürlich  dieser  Weg  gewählt.  Es  war  also  z.  B.  möglich, 
einen  Gleitfunken  einer  mit  Quecksilber  gefüllten  Glasrohrspirale  (5  mm 
Rohrdurchmesser,  0,3  mm  Wandstärke)  von  4 cm  Spiraldurchmesser  und 
nur  2 cm  Ganghöhe  über  mehr  als  fünf  volle  Rohrwindungen  folgen  zu  lassen. 

d)  Läuft  in  einem  Glasrohre  die  Rohrbelegung  unter  p2  durch  auch 
nach  rückwärts  hin  fort,  so  bilden  sich  (wie  auch  im  analogen  Falle  auf 
Glasplatten)  von  p1  jeweils  gleichzeitig  nach  beiden  Seiten,  nach  a und  b 
hin  Gleitbüschel.  Je  nachdem  ob  das  Büschel  über  a oder  über  b den 
Anschlufs  an  die  Ableitung  p2  eher  erreicht,  findet  Gleitfunkenbildung 
nach  a oder  nach  b hin  statt.  Bemerkenswert  und  für  manche  Zwecke 
wohl  nicht  uninteressant  ist  es  nun,  dafs,  solange  der  Weg  über  a von  dem 
über  b (gleiche  Bahnbeschaffenheit  vorausgesetzt)  nicht  mehr  als  etwa  10°/0 
verschieden  ist,  sich  meistens  bei  jeder  Entladung  sowohl  auf  dem  Wege 
a wie  über  b ein  Gleitfunken  bildet.  Es  liegt  also  die  experimentelle 
Möglichkeit  vor,  mit  Sicherheit  eine  lange  Funkenbahn  in  zwei  Äste  zu 
spalten. 

Messungsergebnisse. 

Die  Tabelle  I gibt  die  Messungsergebnisse  auf  einer  Reihe  von  Glas- 
röhren verschiedenen  Durchmessers  und  verschiedener  Wandstärke.  Nach 
Analogie  mit  den  Verhältnissen  auf  Glasplatten  wird  weder  die  eine  noch 
die  andere  genannter  Gröfsen  allein,  sondern  die  Kapazität  der  Glasrohr- 
längeneinheit für  die  Gleitfunkenlänge  die  wesentlichste  Rolle  spielen**). 


*)  Sehr  störend  wirkte  auch  bei  Gleitfunkenerzeugung  im  Rohrinnern  die  ein- 
tretende Temperaturerhöhung,  denn  nach  orientierenden  Messungen  wächst  die  Gleit- 
funkenlänge cet.  par.  angenähert  proportional  der  absoluten  Temperatur. 

**)  Die  Rohre  sind  geordnet  nach  abnehmender  Kapazität;  die  Nummerierung  be- 
ginnt mit  Nr.  3 in  Fortsetzung  der  Zählung  in  der  Arbeit  Annalen  66,  1898,  S.  1066. 


20 


Diese  Kapazitäten,  in  bekannter  Weise  mittels  Telephons  bestimmt,  sind 
in  der  zweiten  Spalte  der  Tabelle  angegeben.*) 


Tabelle  I (beobachtete  Gleitfunkenlängen  f in  cm). 


CD 

g 

9 

2 

Ä 

O 

Pi 

Nr. 

o Kapazität  der 

2’  Rohrlängen- 
| ernheit 

CD 

1 

+3 

m 

§ 

£ 

a in  mm 

ö •• 

p Äußerer  Robr- 
B durchmesser  i 
B 

Art  des 
Metallbelages 

F 

in  cm 

Kilo- 

volt 

0,25  j 

8,8 

0,50 

17,i 

0,75 

25,2 

1,00 

32,6 

1,25 

39,7 

1,50 

46,4 

1,75 

52,8 

3 

1,77 

1,79 

3,97 

Quecksilb. 

— 

_* 

3,5* 

4,i* 

5,4 

9,6 

15,6 

4 

2,93 

1,61 

4,34 

?> 

1,2* 

2,i* 

3,8* 

6,6 

12,8 

23,3 

34,5 

5 

4,80 

0,94 

2,62 

V 

— 

■ — 

3,6* 

12,i 

24,7 

42,8 

— 

6 

12,o 

0,90 

4,46 

V 

1,4* 

7,o 

19,4 

41,6 

77,5 

129 

— 

7 

12,7 

0,85 

5,83 

n 

1,3* 

5,8 

16,3 

43,5 

81 

128 

190 

8 

14,4 

0,81 

6,61 

,, 

1,2* 

5,9 

18,0 

43 

82 

126 

182 

9a 

l QA  J 

1,02 

10,7 

jj 

1,3* 

6,9 

20,5 

52 

102  ‘ 

— 

— 

9b 

j20’9 1 

1,02 

10,8 

V 

1,2* 

7,0 

22 

55 

— 

— ' 

10 

51,4 

0,30 

9,1 

Silber 

1,2* 

16 

53 

99 

■ 

- 

— 

11 

86,1 

0,31 

14,4 

5) 

1,2* 

22,5 

64 

— 

— 

— ; 

.Die  Tabellenwerte  zeigen  zunächst,  dafs  man  auch  auf  Glasröhren 
wieder  zweierlei  Funkenbildung  zu  unterscheiden  hat,  solche  „durch  Luft“ 
und  solche  „gleitend“.  Die  zu  erster  Kategorie  gehörigen  Werte  sind  in 
der  Tabelle  mit  einem  Sternchen  versehen**). 

Speziell  bei  gleitender  Entladung  erscheint  als  bemerkenswert  die 
durch  relativ  sehr  kleine  Spannung  erreichbare  grofse  Gleitfunkenlänge. 
Auf  Glasrohr  Nr.  8 wurden  2,1  m lange  Funken  mit  dem  mittleren  Gefälle 
von  nur  270  Volt-Zentimeter  erzeugt! 

Korrektion  der  Gleitfunkenlänge  wegen  ungenügender  Kapazität 

der  Batterie. 

Vor  Benutzung  zu  eingehenderer  quantitativer  Diskussion  bedürfen 
die  angegebenen  Werte  der  zum  Teil  beträchtlichen  Korrektion  auf  unend- 
lich grofse  Batteriekapazität.  Wie  bei  dünnen  Platten  ist  bei  dünnwandigen 
Glasröhren  die  zur  Ladung  der  Rohroberfläche  während  der  Büschelbildung 
verbrauchte  Elektrizitätsmenge  sehr  beträchtlich.  Benutzt  man  nicht 
sehr  grofse  Batterien,  so  veranlafst  der  genannte  Elektrizitätsaufwand 
eine  Verkürzung  der  für  bestimmte  Spannung  erreichbaren  Gleitfunken- 
länge. 

Für  sehr  grofse  Kapazität  würden  natürlich  die  Gleitfunkenlängen 
schliefslich  jeweils  einen  bestimmten,  von  Kapazitäts Vermehrung  nicht 
mehr  merklich  abhängigen  gröfsten  Wert  erreichen. 

*)  Die  Angaben  unter  Rohr  9a  und  9b  beziehen  sich  aut  das  gleiche  Rohr,  nur 
wurden  hier  die  Gleitfunken  einmal  nach  dem  einen,  dann  nach  dem  anderen  Rohrende 
hin  erzeugt. 

**)  Eingehenderes  über  den  Unterschied  „durch  Luft“  und  „gleitend“  ist  zu  finden 
in  Ann.  d.  Phys.  21,  1906,  S.  201. 


21 


Es  sei  die  angelegte  Spannung  P,  die  bei  voller  Entwicklung  des 
Gleitbüschels  noch  herrschende  Spannung  P — AP,  die  hierbei  wirklich 
erreichte  Gleitbüschel-  (Gleitfunken-)  länge  f,  die  bei  beliebig  grofser  Kapa- 
zität (konstant  bleibendem  P)  erreichbare  gröfste  Länge  f-j-Af  und  das 
Wachstumsgesetz  angenähert  f = a . Pn.  Ist  die  benutzte  Kapazität 
nicht  zu  klein,  so  dafs  die  Werte  AP  und  Af  klein  bleiben,  so  lassen 
sich  diese,  und  somit  entweder  die  wirklich  zur  Länge  f gehörige  korri- 
gierte Spannung  (P — AP)  oder  die  für  die  Spannung  P gröfstmög- 
liche,  korrigierte  Gleitfunkenlänge  (f  + Af)  berechnen.  Es  ist  nämlich 
AP : P gleich  dem  Verhältnisse  der  auf  der  Glasplattenoberfläche  bei 
gröfster  Gleitbüschelausbildung  sitzenden  Elektrizitätsmenge  zu  der  in  der 
Batterie  ursprünglich  vorhandenen,  d.  h.  gleich  (c  . P . 0) : (P  . G),  worin 
c die  Kapazität  der  Plattenoberflächeneinheit,  0 die  Gröfse  der  um  p3 
herum  geladenen  Fläche,  P den  Mittelwert  der  Spannung  auf  dieser 
Fläche,  P die  an  p2  p2  anfänglich  gelegte  Spannung  (gleich  der  an  der 
Primärfunkenstrecke  F)  und  C die  wirksame  Kapazität  der  Batterie  be- 
deutet. Liegt  auf  Platten  der  Pol  p1  fest  nahe  am  Streifen  ende,  so 
ist  bei  schmalem  Streifen  für  Korrektionszwecke  hinreichend  genau 
0 — 0,15  . f 2 ; auf  Rohren  dagegen  ist  c.O  gleich  dem  Produkt  aus  f.cc, 
wo  Cc  die  Kapazität  der  -Rohrlängeneinheit  bedeutet,  anzunehmen. 

Ferner  ist  P = ; — - — rr -7= ; — • P zu  setzen.*)  Es  wird  somit  für  Platten 

(n  + l)(3n  + l) 

2 TI  ^ c 

A P = 0,15  • t — r7V7n — \ — üt  • ■ f ' (wobei  auf  Platten  n = 4 zu  setzen 

(n  +l)(2n  +1)  C 


ist) 


und  für  Rohre  AP 


2 n2 

(n+1)  (2n  + l) 


cc  f 

mi 


Natürlich  kann  man  auch  an  Stelle  der  zum  beobachteten  f wirklich 
gehörigen  Spannung  P — AP  die  zur  anfänglich  angelegten  Spannung  P 
gehörige  gröfstmögliche  Gleitfunkenlänge  f-j-Af  berechnen;  es  ist 

AP 

nämlich  A f = n . « . P 11  — 1 = n.f.  — p— , worin  AP  : P wie  vorangehend 


angedeutet  zu  berechnen  ist. 

Wie  aus  den  unkorrigierten  Werten  von  Tab.  I hervorgeht,  ist  die 
Gleitfunkenlänge  auf  Rohren  in  rohester  Annäherung  proportional  der 
dritten  Potenz  der  Spannung.  Zum  Zweck  der  Errechnung  der  Korrektion 
genügt  dieser  Ansatz  jedenfalls  innerhalb  der  Grenzen  vorliegender  Unter- 
suchung. Mittels  dieser  Annahme  würde  sich  dann  die  Korrektur  der 
Funkenlänge  zu 

Af=3.0^.^.cc  ,2 

rechnen  (cc  Kapazität  der  Rohrlängeneinheit,  C Batteriekapazität,  f beob- 
achtete Gleitfunkenlänge).  Die  Zahlfaktoren  3 und  0,64  entsprechen  n und 
n 2 

(2  n -j-  1)  (n  -j-  1)  C^er  voranSehend  gegebenen  Ableitung,  während  der  Faktor 
2 in  vorliegendem  Falle  deshalb  noch  hinzuzufügen  ist,  weil  bei  den  Ver- 


*)  Näheres  über  die  Ableitung  dieser  Formel  siehe  Sitzungsberichte  der  naturwiss. 
Ges.  Isis  in  Dresden  1906,  S.  21. 

* 


22 


suchen  auf  Glasröhren  der  Metallinnenbelag  nicht  unter  dem  Pole  px  endete, 
sondern  nach  rückwärts  (p2  abgewandt)  fortlief,  sodafs  jeweils  von  pA 
aus  durch  zwei  gleichzeitige  Büschel  vor  und  rückwärts  von  p.,^  die  Rohr- 
länge 2 f geladen  wurde.*) 


Tabelle  II  (korrigierte  Längen  f -j-  A f in  cm). 


Tabelle  I II  (Relativlängen). 


Rohr 

Kap. 

F in 
cm 

0,50 

0,75 

1,00 

1,25 

1,50 

1,75 

0,50 

0,75 

1,00 

1,25 

1,50 

1,75 

Nr. 

Cc 

Kilo- 

volt 

17,1 

25,2 

32,6 

39,7 

46,4 

52,8 

17,1 

25,2 

32,6 

39,7 

46,4 

52,8 

3 

1,77 







5,4 

9,6 

15,6 













4 

2,93 

— 

— 

6,6 

12,8 

23,4 

34,8 

— 

— 

1,00 

1.94 

3,54 

5,27 

5 

4,80 

— 

— 

12,2 

25,0 

43,6 

— 

— 

— 

1,00 

2,04 

3,57 

— 

6 

12,o 

7,i 

19,8 

43,6 

83,5 

148 

— 

0,162 

0,454 

1,00 

1,92 

3,40 

— 

7 

12,7 

5,8 

16,6 

45,8 

89 

148 

234 

0,126 

0,362 

' 1,00 

1,94 

3,23 

5,11 

8 : 

14,4 

5,9 

18,4 

45,5 

91 

148 

228 

0,130 

0,404 

1,00 

2,00 

3,25 

5,oo 

9a  , 
9b 

} 20,9  { 

7.0 

7.1 

21,3 

23 

57,4 

61 

123 

— 

— 

0,122 

0,116 

0,371 

0,377 

1,00 

1,00 

2,14 

— 

— 

10 

51,4 

17,3 

67,4 

147,4 

— 

— 

■— 

0,117 

0,457 

1,00 

— 

— 

— 

11 

86,1 

26,5 

98 

Mittel : 

0,129 

0,404 

1,00 

2,00 

3,40 

5,13 

Tabelle  II  gibt  die  in  eben  angegebener  Weise  auf  unendlich  grofse 
Batterie  korrigierten  Gleitfunkenlängen. 


Abhängigkeit  der  Gleitfunkenlänge  von  Spannung  und  Kapazität 
der  Rohrlängeneinheit. 

Um  das  gemeinsame  Gesetz  des  Gleitfunken  Wachstums  mit  der  Span- 
nung hervortreten  zu  lassen,  sind  in  Tabelle  III  schliefslich  die  jeweils 
auf  die  bei  f = 1 cm  beobachtete  Gleitfunkenlänge  als  Einheit  umgerech- 
neten  relativen  Werte  angegeben.  Man  sieht,  trotz  aller  Unsicherheit 
der  Einzelbestimmungen,  dafs  die  Wertefolge  der  relativen  Gloit- 
funkenlänge  auf  allen  Rohren  die  gleiche  ist. 

Der  Verlauf  der  in  letzter  Zeile  angegebenen  Mittelwerte  ist  in  Eig.  2 
dargestellt.  Soviel  ist  sicher  zu  erkennen,  dafs  nur  in  roher  Annäherung 
das  Gesetz  f proportional  P3  erfüllt  wird.  Eine  genauere  Formulierung 
erscheint  mir  jedoch  verfrüht. 


*)  Die  Korrektionen  sind  znm  Teil  nicht  unbeträchtlich.  Die  benutzte  Kapazität 
(zweimal  16  Leydnerflaschen)  betrug1  noch  nicht  die  Hälfte  der  mir  verfügbaren.  Trotzdem 
habe  ich  mich  mit  Anwendung  derselben  begnügt,  denn  mit  der  wachsenden  Kapazität 
nimmt  auch  die  Stärke  des  Gleitfunkens  und  somit  auch  die  Erschütterung  des  Rohres 
zu.  Bedenkt  man,  dafs  die  Bestimmung  jedes  einzelnen  der  angegebenen  Gleitfunken- 
längenwerte derart  erfolgte,  dafs  die  Schlagweite  jeweils  bis  zum  Versagen  schrittweise 
vergröfsert  wurde  und  dafs  die  Tabelle  Mittelwerte  aus  je  fünf  solchen  Einzelbestimmungen 
gibt,  so  sieht  man,  dafs  für  jede  Tabellenangabe  mindestens  50  Gleitfunken  nötig  waren; 
Rohr  Nr.  8 hat  z.  B.  insgesamt  über  700  Gleitfunken  aushalten  müssen. 


23 


Auffallend  einfach  gestaltet  sich  dagegen  auf  Rohren  die  Abhängigkeit 
der  Länge  von  der  Bahnkapazität;  trotz  gröfster  Unsicherheit  im  Ein- 
zelnen läfst  sich  doch  der  Satz  aussprechen: 


Fig.  2. 


Kilovolt 

•50 


■40 


1 

1 


o — — beobachtet 

+ x=(y:32,Ö)J 


relative  Gleitfunkenlünge 
2 3 4 

i i i 


5 


Die  mit  der  gleichen  Spannung  auf  verschiedenen  Rohren 
erreichbare  gröfste  Gleitfunkenlänge  ist  proportional  der  Kapa- 
zität der  Rohrlängeneinheit. 

Vergleiche  zwischen  Platten  und  Rohren. 

Wie  schon  bemerkt,  besteht  der  prinzipielle  Unterschied  der  Gleit- 
funkenbildung auf  Platten  und  Rohren  darin,  dafs  auf  ersteren  die  Breite 
der  Gleitbüschel,  also  des  jeweils  geladenen  Oberflächengebietes  nicht  be- 
schränkt festgelegt  ist,  sondern  der  Einregulierung  durch  den  Prozefs  der 
Büschelbildung  selbst  überlassen  bleibt.  Hierdurch  ist  bei  der  Gleitfunken- 
bildung auf  Platten  (und  sehr  weiten  Rohren)  ein  Moment  der  Kompli- 
kation mehr  vorhanden  als  auf  (nicht  zu  weiten)  Rohren;  die  Gesetze  der 
gleitenden  Entladung  auf  letzteren  werden  also  die  einfacheren  und  die- 
jenigen auf  Platten  aus  ihnen  abzuleiten  sein. 

Bei  Rohren  war  oben  angenäherte  Proportionalität  zwischen  der  für 
bestimmte  Spannung  erreichbaren  Länge  und  der  Kapazität  der  Bahn- 
längeneinheit gefunden.  Bei  Platten  ist  letzterer  analog  die  Kapazität, 
welche  ein  Oberflächenstreifen  von  der  Breite  gleich  derjenigen  des 
Büschels  (und  der  Länge  von  1 cm)  besitzt.  Die  eben  genannte  Kapazität 
ist  jedoch  längs  jedes  Büschels  auf  Platten  nicht  konstant;  die  Büschel- 
breite nimmt  ja  vom  Pole  nach  dem  Büschelkopfe  hin  auf  Platten  ab. 
In  nachstehenden  Tabellen*)  ist  der  Mittelwert  eben  genannter  Breite 
angegeben.  Er  rechnet  sich,  wenn  die  Büschelfläche  k.f2  beträgt,  zu  k.f 
und  die  in  Rede  stehende  mittlere  Kapazität  der  Büschellängen- 

*)  Soweit  Beobachtungen  auf  Platten  herangezogen  sind,  habe  ich  dieselben  den 
früheren  Angaben  Ann.  d.  Phys.  21,  1906,  S.  194,  Tab.  I,  Tab.  II,  und  S.  207,  Tab.  X 
entnommen. 


24 


einheit  zu  c . k . f,  wo  c wie  früher  die  Kapazität  der  Plattenoberflächen- 
einheit bedeutet. 


Tabelle  IV  (F  = 0,75  cm). 


f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

ec  bez. 
c . k . f 

Rohr  4 

3,8 





1,2 

3,8 

2,93 

Platte  10  . 

10,4 

3,60 

0,200 

2,i 

10,4 

7,49 

Platte  11 . 

H,4 

3,81 

0,190 

2,2 

H,4 

8,25 

Rohr  7 

16,3 

— 

— 

1,8 

16,6 

12,7 

Rohr  8 

18,o 

— 

— 

2,i 

18,4 

14,1 

Rohr  6 

19,4 

— 

— 

1,3 

19,8 

12,o 

Platte  12  . 

19,7 

4,96 

0,150 

3,o 

19,9 

14,8 

Rohr  9 a . 

20,5 

— 

— 

3,4 

21,3 

20,9 

Rohr  9 b . 

22 

— 

— . 

3,4 

23 

20,9 

Rohr  10  . 

53 

— 

— 

2,9 

67,4 

51,4 

Rohr  11  . 

64 

— 

— 

4,5 

98 

86,1 

Tabelle  V (F 

= 1,00  cm). 

f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

Cc  bez. 
c . k . f 

Rohr  4 . 

6,6 

_ 



1,2 

6,6 

2,93 

Rohr  5 . 

12,i 

— 

— 

0,8 

12,2 

4,80 

Platte  8 . 

13,5 

2,05 

0,180 

2,4 

13,6 

5,02 

Platte  9 . 

19,2 

2,36 

0,150 

2,9 

19,4 

6,87 

Platte  10 . 

30,8 

3,60 

0,120 

3,8 

31,8 

13,7 

Rohr  6 . 

41,6 

— 

— 

1,2 

43,6 

12,0 

Rohr  8 

43 

— 

— 

2,i 

45,6 

14,4 

Rohr  7 . 

43,5 

— 

— 

1,8 

45,8 

12,7 

Platte  12  . 

50,8 

4,96 

0,ioo 

5,5 

55,4 

27,5 

Rohr  9 a . 

52 

— 

— 

3,4 

57,4 

20,9 

Rohr  9 b . 

55 

— 

— 

3,4 

61 

20,9 

Rohr  10  . 

99 

— 

— 

2,9 

147,4 

51,4 

Tabelle  VI  (F  = 1,50  cm). 


f 

beob. 

c 

k 

mittlere 

Büschel- 

breite 

f 

korr. 

ec  bez. 
c . k . f 

Platte  6 . . . . 

10,5 

0,74 

0,200 

2,1 

10,5 

1,55 

Platte  7 . . . . 

12,7 

0,88 

0,180 

2,3 

12,7 

2,oi 

Rohr  3 . . . . 

15,6 

— 

— 

1,2 

15,6 

1,77 

Rohr  4 . . . . 

34,5 

— 

— 

1,2 

34,8 

2,93 

Platte  8 . . . . 

106 

2,05 

0,090 

11,1 

123 

22,7 

Platte  9 . . . . 

128 

2,36 

0,085 

13,5 

159 

31,9 

Rohr  8 ...  . 

182 

— 

' — 

2,i 

228 

14,4 

Rohr  7 . . . . 

190 

— 

— 

1,8 

234 

12,7 

25 


Die  Tabellen  IV  und  V lassen  folgendes  erkennen: 

Auf  den  verschiedensten  Platten  und  Rohren  sind  die  je- 
weils für  bestimmte  Spannung  erzielbaren  gröfsten  Gleitfunken- 
längen (Gleitbüschellängen)  proportional  der  (mittleren  bei 
Platten)  Kapazität  der  Bahnlängeneinheit.  Hierbei  ist  die  Pro- 
portionalitätskonstante die  gleiche  für  Rohre  und  Platten. 

Diese  Beziehung  gilt  jedoch  (vergl.  Tabelle  VI)  nur  so  lange,  wie  die 
mittlere  Büschelbreite  und  die  Belagbreite  (auf  den  herangezogenen  Platten 
stets  2 cm)  nicht  allzuverschieden  sind.  Bei  grofser  Büschelbreite  wächst 
die  Länge  schliefslich  langsamer  als  proportional  der  genannten  Kapazität. 

Hiermit  sind  die  Beobachtungen  mit  Platten  im  wesentlichen  auf  die- 
jenigen mit  Rohren  reduziert.  Speziell  das  eigentümliche  Interpolations- 
gesetz*) für  Platten  a2 . c8  = const.  (mit  seinen  Abweichungen  auf  dünnsten 
Platten)  erscheint  hiernach  nur  als  eine  durch  die  Inkonstanz  der  Büschel- 
breite auf  Platten  modifizierte  Form  des  einfacheren  Gesetzes  a . cc  = 
const.,  wo  Cc  wie  oben  die  freilich  ihrerseits  vom  Gleitprozesse  abhängig 
variable  wirksame  Kapazität  der  Bahnlängeneinheit  bedeutet. 


*)  Vergl.  Ann.  d.  Pliys.  21,  1901,  S.  206. 


Physika!.  Institut  der  Technischen  Hochschule  Dresden,  7.  Juli  1907. 


IV.  Carl  v.  Linne,  sein  Leben  und  Wirken.*) 

Von  Prof.  Dr.  O.  Drude. 


Im  Laufe  der  letzten  Woche  sind  die  Zeitungen  erfüllt  gewesen  von 
Berichten  über  Festversammlungen  und  Linne-Feiern,  welche  zu  Ehren 
der  Wiederkehr  des  200jährigen  Geburtstages  dieses  weltbekanntesten  aller 
schwedischen  Naturforscher  an  allen  gröfseren  Mittelpunkten  naturwissen- 
schaftlichen Lebens  abgehalten  worden  sind  und  unter  denen  diejenige  in 
Upsala  naturgemäfs  voransteht.  Auch  in  unserer  botanischen  Sektion  stand 
der  Plan  einer  solchen  Feier,  wenigstens  in  Gestalt  eines  Festvortrages, 
seit  lange  fest,  und  ich  habe  nun  heute  die  Freude,  eine  auserwählte  Ver- 
sammlung hier  im  Botanischen  Garten  zwischen  Palmen  und  Araucarien 
vor  dem  mit  einem  frischen  Reis  von  Linnaea  geschmückten  Bilde  des 
grofsen  Forschers  willkommen  zu  heifsen  und  den  Dank  dafür  auszu- 
sprechen, dafs  gerade  die  Hauptversammlung  unserer  Gesellschaft  im  Mai 
den  Raum  für  diese  Versammlung  bot. 

In  den  Annalen  unserer  Isis-Hefte  ist  schon  einmal  ein  solcher  Linne- 
Gedenktag  zu  finden,  als  es  sich  um  die  Feier  seines  100jährigen  Todes- 
tages am  10.  Januar  1878  handelte.  Herr  von  Kiesenwetter,  dessen  an- 
sprechenden Reden  wir  Älteren  in  der  Gesellschaft  noch  oft  gelauscht 
haben,  hielt  damals  in  der  ersten  botanischen  Sektion  des  Vereinsjahres  1878 
einen  Vortrag,  dessen  Inhalt**)  wir  aus  der  Kürze  der  Wiedergabe  nur 
mehr  vermuten  können.  Um  so  passender  erscheint  es,  in  die  Annalen 
unserer  Gesellschaft  in  Anlafs  der  heutigen  Feier  eine  Lebensskizze  Linnes 
aufzunehmen,  welche  ursprünglich  für  eine  von  der  diesjährigen  inter- 
nationalen Gartenbau -Ausstellung  zu  Anfang  dieses  Monats  geplante  Linne- 
Feier  bestimmt  war,  und  diese  Geschichte  seines  Lebens  mit  einer  kriti- 
schen Würdigung  seiner  hauptsächlichsten  wissenschaftlichen  Taten  und 
Erfolge  zu  versehen,  um  gegenüber  manchen  Verkleinerungen  dieser  Grofs- 
taten  in  neuerer  Zeit  stets  wieder  zu  betonen:  „Mit  Recht  gilt  Linne  auch 
im  Lichte  der  modernen  Naturforschung  als  einer  ihrer  Begründer  und  als 
der  bedeutendste  Forscher  seiner  eigenen  Zeit!  Seine  Zeit  schon  nannte 
ihn  den  Vater  der  modernen  Naturgeschichte  und  die  Nachwelt  hat  diese 
stolze  Bezeichnung  zu  bestätigen.“ 

Sein  Leben  ist  nicht  so  ruhig  verlaufen  wie  bei  vielen  anderen  grofsen 
Gelehrten,  sondern  auf  rauher  Bahn  strebte  er,  unerschüttert  durch  Mangel 


*)  Vortrag  in  der  Hauptversammlung  am  30.  Mai  im  Kalthause  des  K.  Botanischen 
Gartens,  zur  Feier  der  200jährigen  Wiederkehr  von  Linnes  Geburtstage  am  23.  Mai. 

**)  Sitzungsberichte  1878,  S.  40—42. 


27 


und  Neid,  seinem  Ziele  zu,  vermochte  alle  ihm  entgegenstehenden  Hinder- 
nisse durch  rastlose  Energie  zu  überwinden,  und  er  hat  dann,  zum  Gipfel 
des  Ruhms  emporgehoben,  unaufhörlich  weiter  arbeitend  für  sich  selbst 
den  Lohn  seiner  Anstrengungen  in  der  Liebe  zu  seiner  Wissenschaft,  zu 
seinem  Vaterlande,  Schülern  und  Familie  gesucht  und  gefunden.  Von 
diesen  Gesichtspunkten  aus  mag  die  zu  entwerfende  knappe  Lebensskizze 
Ihr  Interesse  beanspruchen  und  es  mag  das  Verdienstliche  seiner  Arbeiten 
in  noch  hellerer  Beleuchtung  daraus  hervorgehen.  — Der  23.  Mai  des 
Jahres  1707  war  der  Geburtstag  unseres  Carl  Linnäus,  dessen  Vorfahren 
schwedische  Bauern  gewesen  waren  und  später  unter  Änderung  ihres 
Namens  den  Pflug  mit  der  Feder  vertauschten.  Nicolas  Linnäus,  sein 
Vater,  war  damals  schon  seit  zwei  Jahren  in  Räshult,  einem  kleinen  Dorfe 
der  Provinz  Smäland,  als  Prediger  angestellt  und  seine  Mutter  entstammte 
gleichfalls  einer  Pfarrersfamilie.  Als  Erstgeborener  wurde  er  schon  in  der 
Wiege  zum  Studium  der  Theologie  und  womöglich  zur  Nachfolge  im  väter- 
lichen Amte  bestimmt,  zumal  als  sein  Vater  schon  im  folgenden  Jahre 
eine  viel  bessere  Pfarre  zu  Stenbrohult  erhielt.  Hier  war  der  grofse  mit 
dem  Pfarrhause  verbundene  Garten  der  erste  Schauplatz,  auf  dem  der 
heranwachsende  Knabe  die  im  zartesten  Alter  bei  ihm  hervorgetretene 
Liebe  zur  Blumenwelt  betätigen  konnte,  und  schon  vom  vierten  Jahre  an 
liefs  er  sich  von  seinem  Vater  und  dessen  zum  Besuch  anwesenden  Amts- 
genossen in  der  Benennung  seiner  Pflanzen  unterweisen,  machte  auch  später 
fleifsig  Ausflüge  in  die  Umgegend  und  verpflanzte  aus  den  heimatlichen 
Wäldern  und  Wiesen  eine  grofse  Menge  seltnerer  Gewächse  in  das  ihm 
zur  alleinigen  Wartung  übergebene  Gärtchen.  Zehn  Jahre  lang  lebte  er 
so  in  friedlicher  Stille  der  Entfaltung  seiner  geistigen  Anlagen,  welche 
durch  den  Unterricht  seines  Vaters  in  Lesen,  Schreiben  und  Religion, 
auch  schon  in  den  Anfangsgründen  vom  Latein  und  etwas  Geographie  eine 
angemessene  Nahrung  erhielten.  Als  er  aber  1717  auf  die  lateinische 
Schule  in  der  benachbarten  Stadt  Wexiö  kam,  da  zeigte  es  sich,  dafs  er 
für  das  Erlernen  der  zu  dem  für  ihn  ausersehenen  Berufe  nötigen  Disziplinen 
durchaus  nicht  den  nötigen  Eifer  entwickelte;  er  liebte  es  viel  mehr,  in 
der  Umgegend  Blumen  zu  suchen,  als  Vokabeln  auswendig  zu  lernen,  und 
ein  Glück  war  es,  dafs  sein  Magister  als  ebenso  eifriger  Freund  der  Botanik 
den  kleinen  Linne  seiner  Neigung  wegen  lieb  gewann  und  ihm  manches 
andere  nachsah.  Doch  hörte  diese  Nachsicht  auf,  als  er  mit  17  Jahren 
auf  das  höhere  Gymnasium  zu  Wexiö  gekommen  war,  und  wie  sein  Vater 
im  Jahre  1826  einmal  dort  einen  Besuch  abstattete,  um  sich  nach  seinem 
ältesten  und  liebsten  Sohne  zu  erkundigen,  da  traf  es  ihn  wie  ein  Donner- 
schlag, dafs  sich  alle  Lehrer  über  seinen  Mangel  an  Fleifs  und  seine  sehr 
geringen  Fortschritte  in  der  Theologie  beklagten;  sie  gingen  so  weit,  dafs 
sie  dem  Vater  Linne  rieten,  nicht  mehr  unnützes  Geld  für  die  Ausbildung 
seines  Carl  zu  verschwenden,  sondern  ihn  zu  einem  Handwerker  in  die 
Lehre  zu  geben.  Und  da  sein  Vater  selbst  nur  sehr  geringes  Vermögen 
besafs,  so  würde  er  vielleicht  diesem  Rate  nachgegeben  haben,  wenn  nicht 
ein  neuer  Gönner  sich  für  den  untauglichen  Theologen  verwendet  hätte. 
Der  Pliysikus  Dr.  Rothmann  unterrichtete  am  Gymnasium  in  Naturkunde 
und  dieser  allein  hatte  die  bedeutenden  Anlagen  Linnes  erkannt;  er  er- 
teilte ihm  im  Gespräch  mit  seinem  Vater  das  wärmste  Lob  und  versicherte, 
dafs  er  später  einmal  Bedeutendes  würde  leisten  können,  nur  niemals  auf 
dem  Gebiete  der  Theologie,  Als  diese  Vorstellungen  allein  nichts  fruchteten, 


28 


erklärte  er  sich  grofsmütig  bereit,  den  jungen  Linne  während  des  letzten 
Gymnasialjahres  privatim  zu  unterrichten  und  ihn  in  seinem  eigenen  Hause 
wohnen  zu  lassen.  Hiermit  war  der  Pfarrer  Linnäus  zufrieden,  und  dieses 
Einverständnis  war  die  wichtigste  Unterstützung,  welche  er  seinem  Sohne 
zu  seinen  späteren  Erfolgen  leistete.  Er  überliefs  ihn  fast  ganz  seinem 
Schicksale  und  seinen  Gönnern,  verwendete  alle  seine  Kräfte  und  Geld- 
mittel auf  die  Erziehung  seines  jüngeren  Sohnes,  fand  in  diesem  auch 
wirklich  seine  Hoffnungen  erfüllt,  da  er  Prediger  wurde  und  ihm  nach 
seinem  Tode  im  Amte  folgte. 

Carl  Linne  verlebte  nun  noch  ein  Jahr  fleifsig  in  Wexiö  bei  seinem 
väterlichen  Freunde  Rothmann,  dem  die  Nachwelt  ein  dankbares  Andenken 
schuldet,  und  ging  dann  im  Jahre  1727  nach  Lund,  um  sich  dem  Studium 
der  Medizin  zu  widmen.  Ein  widriges  Schicksal  schien  ihn  hier  zu 
empfangen;  unter  den  Professoren  dieser  schwedischen  Universitätsstadt 
hatte  sich  ein  Verwandter  der  Linnäusschen  Familie  befunden,  welcher 
dem  jungen  Studenten  Obdach  und  Beköstigung  bieten  wollte:  derselbe 
war  aber  gerade  zur  Zeit  seiner  Ankunft  gestorben.  Glücklicherweise 
wurde  der  damalige  Professor  der  Medizin  und  Botanik  Kilian  Stobäus 
auf  Linne  aufmerksam,  gewann  ihn  seines  Charnkters  wegen  lieb  und  nahm 
ihn,  den  gänzlich  Unbemittelten,  zu  sich  in  sein  Haus.  Was  man  sonst 
von  grofsen  Gelehrten  hört,  deren  Lebensglück  allein  von  ihrem  Fleifse 
und  ihrem  Rieseneifer  abhing,  das  alles  wiederholte  sich  hier:  die  Nacht 
wurde  zum  Tage  gemacht;  die  ganze  botanische  Bibliothek  des  Professors 
und  ein  grofser  Teil  der  medizinischen  wanderte  erst  heimlich,  dann  mit 
Erlaubnis  des  Besitzers  auf  die  stille  Dachkammer  des  emsigen  Studenten 
hinauf,  der  sie  zu  seinem  geistigen  Eigentume  verarbeitete;  die  äufserste 
Sparsamkeit  liefs  ihn  mit  dem,  was  er  hatte,  auskommen;  zu  irgend  welcher 
Erholung  hatte  er  weder  Zeit  noch  Geld. 

Ein  Ferienbesuch  in  seinem  elterlichen  Hause  liefs  dann  schon  nach 
einem  Jahre  eine  Veränderung  eintreten:  Rothmann,  sein  erster  Beschützer, 
besuchte  ihn  dort  und  riet  ihm  an,  Lund  mit  Upsala  zu  vertauschen, 
wo  seinen  Studien  mehr  Vorschub  geleistet  werden  könnte.  Leicht  war 
Linne  zu  überzeugen,  und  da  ihm  seine  Eltern,  erfreut  über  die  Fort- 
schritte in  des  Sohnes  neuer  Laufbahn,  ihm  noch  einmal  und  zum  letzten 
Male  100  Taler  schenkten,  so  bezog  er  im  Herbst  1728  die  Universität 
zu  Upsala. 

Hier  lag  Medizin  und  Botanik  in  den  Händen  der  Professoren  Rud- 
bek  und  Roberg;  aber  Bedeutenderes  in  der  Pflanzenkunde  als  sie  beide 
leistete  der  auch  in  anderer  Hinsicht  vielgenannte  Professor  der  Theologie 
Olof  Celsius.  In  einem  zehn  Jahre  später  geschriebenen  Briefe  be- 
zeichnet Linne  diesen  Theologen  als  den  einzigen  wirklich  bedeutenden 
Botaniker  Schwedens  damaliger  Zeit  und  stets  hat  er  ihn  als  einen  seiner 
hervorragendsten  Lehrer  anerkannt.  Nur  war  Celsius  zum  Unglück  für 
Linne  damals  fern  von  Upsala  mit  einer  wissenschaftlichen  Arbeit  be- 
schäftigt und  dadurch  war  Linne  zunächst  auf  sich  allein  und  auf  die  aus 
dem  Elternhause  mitgenommenen  Subsidien  angewiesen,  welche  bald  zu 
Ende  gingen.  Der  junge  Student  der  Medizin,  ohne  jede  Möglichkeit,  sich 
irgend  etwas  zu  verdienen,  geriet  nun  alsbald  in  die  drückendste  Verlegen- 
heit, aus  der  ihm  nur  notdürftig  durch  wohltätige  Kameraden  heraus- 
geholfen ward;  diese  schenkten  ihm  auch  abgelegte  Kleidung,  und  gelegent- 
lich ward  Linne  in  der  für  einen  angehenden  Gelehrten  wenig  passenden 


29 


Beschäftigung  angetroffen,  sich  eigenhändig  seine  Stiefel  mit  Birkenrinde  zu 
flicken.  Da  safs  er  einst,  froh  nur  durch  die  Liebe  zu  seinem  Studium,  mit  der 
Bestimmung  einiger  Pflanzen  im  akademischen  Garten  beschäftigt,  als  ein 
ehrwürdiger  Geistlicher  zu  ihm  trat  und  ein  botanisches  Gespräch  mit  ihm 
anknüpfte.  Erstaunt  über  die  Kenntnisse,  die  Linne  entfaltete,  forderte  er 
ihn  auf,  ihm  zu  seinem  Hause  zu  folgen,  wo  sie  die  Unterredung  weiter 
führen  wollten,  und  jener  merkte  denn  alsbald,  dafs  kein  anderer  als  der 
berühmte  Celsius  hinter  dem  Inkognito  des  theologischen  Gewandes  ver- 
borgen war.  Nun  lächelte  ihm  wieder  das  Glück:  Celsius,  der  bald  von 
der  Dürftigkeit  seines  jungen  Freundes  Kenntnis  erhalten  hatte,  nahm  ihn 
zu  sich  ins  Haus  und  in  Kost  und  die  Dankbarkeit  des  jungen  Studenten 
fand  schon  jetzt  einen  Ausweg,  sich  seinem  Wohltäter  in  einer  wichtigen 
Sache  erkenntlich  zu  zeigen,  indem  er  ihm  bei  der  Bearbeitung  seines 
später  in  Druck  erschienenen  „Hierobotanicon“  (Upsaliae  1745 — 47)  tat- 
kräftig half. 

In  diese  Zeit  seiner  Studien  fällt  der  Wendepunkt  von  Linnes  eigener 
Kichtung.  Er  war  bisher  ein  eifriger  Anhänger  Tourneforts  gewesen, 
dessen  Tod  ein  Jahr  nach  Linnes  Geburtsjahr  fällt  und  dessen  Prinzipien 
auch  die  folgenden  Jahrzehnte  noch  beherrschten.  Eine  kleine  Schrift  des 
früh  verstorbenen  Le  Vaillant  über  die  Blütenstruktur  (1718)  brachte 
Linne  auf  neue  Gedanken  hinsichtlich  der  Prinzipien  in  botanischer  Systematik 
und  schon  im  Jahre  1729  schrieb  er  die  ersten  Betrachtungen  über  seine 
eigenste  Schöpfung,  das  bekannte  Sexualsystem,  nieder  und  trat  in  einer 
kleinen  akademischen  Abhandlung  1730  mit  diesen  seinen  Ansichten  hervor. 
Hierdurch  lenkte  er  nun  auch  die  Aufmerksamkeit  des  Botanikers  zu 
Upsala,  0.  Rudbeck  auf  sich,  der  ihn  dann  alsbald  so  schätzen  und  lieben 
lernte,  dafs  er  ihn  aus  Celsius’  Hause  fort  in  sein  eigenes  als  Yicarius 
überführte  und  ihn  in  dieser  Eigenschaft  schon  im  gleichen  Jahre  Vor- 
lesungen im  Botanischen  Garten  halten  liefs.  So  war  unser  Linne,  erst 
23  Jahre  alt  und  ohne  Titel  und  Würden,  nach  dreijährigen  Studien  schon 
Dozent  der  Botanik  und  versah  sein  Amt  mit  ebensoviel  Eifer,  als  mit 
Umsicht  und  Erfolg. 

Eine  neue  Ehre  bot  sich  ihm  im  folgenden  Jahre:  die  schwedische 
Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu  Upsala  ging  mit  dem  Plane  um,  das 
in  naturhistorischer  Beziehung  damals  noch  fast  ganz  unbekannte  Lapp- 
land bereisen  zu  lassen  und  erwählte  dazu  unsern  Linne.  So  trifft  ihn 
denn  der  Mai  des  Jahres  1732  auf  der  nordischen  Heise  begriffen. 

Das  unwirtliche  Lappland  setzte  damals  den  jugendlichen  Kräften 
unseres  Helden  sehr  grofse  Schwierigkeiten  entgegen.  Drei  Mal  war  er  in 
wirklicher  Lebensgefahr:  bei  einer  Bergbesteigung  hätte  ihn  fast  ein  herab- 
rollendes Felsstück  zerschmettert,  auf  der  Überfahrt  über  einen  der  zahl- 
reichen lappländischen  Binnenseen  entging  er  mit  genauer  Not  dem  Unter- 
gänge in  Sturm  und  Nebel  und  einmal  mufste  er  mit  gezogenem  Hirsch- 
fänger sein  Leben  gegen  einen  ihn  mit  Pfeil  und  Bogen  angreifenden 
Seefinnen  verteidigen.  Er  lebte  nach  Lappenweise  von  Fischen,  Renntier- 
milch, Brot  und  Salz  und  ging  in  Lappentracht.  Ein  später  in  Holland 
verfertigtes  Bild,  dessen  Nachbildung  auch  moderne  Linne -Werke  ziert 
(s.  Anhang,  Literatur  I.  7 und  II.  11),  vergegenwärtigt  uns  die  stolze,  im- 
ponierende Haltung  des  jungen  Gelehrten  mit  dem  stets  an  ihm  gerühmten 
scharf  durchdringenden  Blick;  ein  breiter  Gürtel,  der  seinen  am  Halse 
mit  herabhängender  Schnur  zusammengezogenen  weiten  Mantelrock  fest  in 


30 


der  Taille  umschliefst,  trägt  zugleich  die  notwendigsten  Reiseutensilien, 
Mafsstab,  Messer,  Reisebuch,  Efssack  und  Tabaksbeutel;  der  Geldbeutel 
ist  geräumig  zur  Aufnahme  der  Kupfermünzen  — denn  in  dieser  Geldsorte 
sollen  ihm  die  112  K.  Reisekosten  ausgezahlt  sein  — , in  der  mit  Hand- 
schuh geschützten  Rechten  trägt  er  seine  Blume,  die  von  Gronovius  mit 
seinem  Namen  belegte  Linnaea. 

Ende  Oktober  traf  Linne  wieder  in  Upsala  ein  und  begann  sofort  die 
Bearbeitung  seiner  gesammelten  wissenschaftlichen  Schätze;  noch  im  selben 
Jahre  lieferte  er  einen  Bericht  ein  über  die  Kulturfähigkeit  Lapplands 
und  dessen  Produkte,  welcher  von  seinem  schnell  das  Wesentliche  erfassen- 
den Blicke  ein  beredtes  Zeugnis  gibt,  und  gleichzeitig  erschien  die  erste 
Bearbeitung  der  Flora  von  Lappland  unter  dem  Titel  „Florula 
Lapponica“  in  den  „Acta  liter.  et  scient.  Sueciae“  vom  Jahre  1732. 

Hier  sei  die  erste  botanische  Bemerkung  über  eines  der  nach  meiner 
Ansicht  epochemachendsten  Werke  Linnes  eingeschaltet.  Ist  schon  der 
1732  erschienene  Vorläufer  der  lappländischen  Flora  aus  dem  Grunde  von 
grofsem  Interesse,  weil  er  einmal  Linnes  erste  gedruckte  Arbeit  darstellt 
und  aufserdem  auch  zum  ersten  Male  das  alsbald  ganz  allgemein  zur  Herr- 
schaft gelangte  Sexualsystem  praktisch  vorführte,  so  liegt  noch  ein  viel 
gröfserer  Reiz  in  der  1737  erschienenen  „Flora  Lapponica“*)  selbst,  von 
welcher  Smith  eine  zweite  Londoner  Ausgabe  1792  in  der  seitdem  erfolg- 
reich durchgeführten  binären  Nomenklatur  der  Spezies  veranstaltet  hat. 
Denn  ich  erachte  diese  lappländische  Flora  Linnes  als  ein  noch  heute 
gültiges  Muster  für  eine  die  Artbeschreibung  mit  den  biologischen  Charakteren 
der  Pflanzen,  ihren  Standortsverhältnissen  und  Verwendungen  im  mensch- 
lichen Haushalt  verbindende  Landesflora  und  möchte  sie  denen  zum  Studium 
empfehlen,  welche  die  Leistungen  Linnes  für  die  damalige  Periode  der 
Naturwissenschaften  für  einseitig  halten  und  gering  schätzen,  weil  sie  zu- 
meist nur  mit  dem  Diagnosenstil  der  „Species  plantarum“  bekannt  wurden. 
In  der  „Flora“  sind  380  Arten  Blütenpflanzen,  19  Farne  und  Verw., 
32  Moose,  30  Lichenen,  12  Algen  und  64  Pilze  diagnostisch  dargestellt  und 
zum  Teil  auf  den  Kupfertafeln  trefflich  abgebildet.  Die  „Prolegomena“ 
enthalten  in  einer  geographischen  Gliederung  Lapplands  die  Bezeichnung 
der  Standorte  und  Andeutung  gewisser  Formationen  durch  Hinweise  auf 
die  im  speziellen  Teile  folgenden  Arten.  Die  Kulturverhältnisse  und  der 
menschliche  Haushalt  finden  ausgedehnte  Berücksichtigung.  So  geht  z.  B. 
über  zwei  Seiten  hinweg  die  Schilderung  von  Vaccinium  Myrtillus  mit  der 
Zubereitungsweise  einer  Lieblingsspeise  der  Lappländer  aus  Renntiermilch, 
Käse  usw.,  die  immense  Menge  der  Heidelbeeren  wird  mit  dem  Auftreten 
des  Auerhahns,  des  Schneehuhns  usw.  in  Verbindung  gebracht.  Auf  diese 
Verhältnisse  greift  Linne  dann  in  Kl.  XXIII.  3 bei  Empetrum  nigrum  zu- 
rück, welches  an  Stelle  der  „Korinthen“  dient.  Betula  nana , die  lapp- 
ländischen Weiden,  die  Rasenbinse  Scirpus  caespitosus  haben  ähnliche 
interessante  Ausführungen,  und  so  durch  das  ganze  Werk. 

Wir  kehren  zum  Gange  der  Lebensskizze  Linnes  zurück.  Die  Schwe- 
dische Gesellschaft  der  Wissenschaften  hatte  ihn  für  den  vorzüglichen 
Erfolg  seiner  Reise  dadurch  belohnt,  dafs  sie  ihn  zu  ihrem  Mitgliede  erhob 
und  ihm  ferner  die  Erlaubnis  erteilte,  Vorlesungen  über  Botanik  und 


*)  Fl.  Lapp.,  exhibens  plantas  per  Lapponiam  crescentes,  secundum  Systema  sexuale 
collectas  in  itinere  impensis  Soc.  reg.  Sc.  Sueciae  1732  instituto.  372  S.  u.  XII  Taf.  8°. 


31 


Mineralogie  in  selbständiger  Weise  zu  halten,  womit  er  im  Jahre  1733 
auch  begann;  aber  der  Hoffnung  auf  eine  ruhige  Gestaltung  seines  weiteren 
Lebenslaufes  trat  nunmehr  Neid  und  Eifersucht  entgegen.  Ein  anderer 
junger  und  sehr  strebsamer  Gelehrter  Rosen,  welcher  der  Nachfolger 
Rudbecks  zu  werden  hoffte  und  schon  an  dessen  Stelle  Anatomie  las,  sah 
in  Linne  einen  sehr  gefährlichen  Nebenbuhler  und  suchte  ihn  zu  stürzen. 
Er  machte  geltend,  dafs  Linne  noch  nicht  einmal  zum  Doktor  promoviert 
sei  und  also  nicht  Vorlesungen  halten  dürfe.  Diese  befremdliche  Tatsache 
hing  damit  zusammen,  dafs  damals  für  die  jungen  Gelehrten  Schwedens 
der  Gebrauch  bestand,  im  Auslande  zu  promovieren,  und  Linne  hatte  zu 
einer  solchen  Reise  bisher  noch  nicht  die  Mittel  gehabt.  Trotz  der  vielen 
Freunde,  welche  Linne  zu  unterstützen  suchten,  setzte  es  sein  eifriger 
Gegner  durch,  dafs  die  Fakultät  ihm  das  Abhalten  von  Vorlesungen  ver- 
bot. Linne  war  rasend;  nicht  allein  war  ihm  für  den  Augenblick  sein 
einziger  Lebensunterhalt  entzogen,  sondern  er  sah  nun  auch  keine  Aus- 
sicht vor  sich,  die  akademische  Laufbahn  weiter  zu  verfolgen.  Nur  mit 
Mühe  war  er  daran  zu  verhindern,  dafs  er  den  von  der  Fakultätssitzung 
heimkehrenden  Rosen  auf  offener  Strafse  mit  blankem  Degen  erstach,  und 
dieser  hatte  dann  den  weiteren  Triumph,  dafs  die  Universität  an  Linne 
für  diese  Handlungsweise  einen  scharfen  Verweis  mit  Androhung  von 
Relegation  erteilte.  Aber  zu  sehr  war  dieser  empört,  als  dafs  er  nicht 
noch  ferner  sich  mit  Mordgedanken  umhergetragen  hätte,  bis  endlich  in 
ihm  der  bessere  Mensch  siegte.  Er  erzählt  davon  in  seinem  Tagebuche, 
welches  die  bezeichnende  Aufschrift  Nemesis  divana  führt:  ,,Als  ich  den 
Plan,  *Rosen  zu  töten,  mit  mir  herumtrug,  da  fuhr  ich  einst  zur  Nachtzeit 
aus  schweren  Träumen  empor,  dachte  klarer  darüber  nach  und  beschlofs, 
den  Plan  zu  verbannen.  Tue  es  nicht,  sagte  ich  zu  mir,  Gott  wird  als 
Rächer  dastehen.  Und  seit  der  Zeit  kehrte  sich  mir  alles  zum  Besseren.“ 
Noch  oft  sehen  wir  in  Briefen  und  Schilderungen  seiner  selbst  diesen 
frommen  Zug  wiederkehren,  der  in  dem  Glauben  gipfelte,  dafs  alles  Schlechte 
hier  auf  Erden  unmittelbar  die  göttliche  Rache  nach  sich  ziehe. 

Linne  bewarb  sich  nun  um  eine  Adjunktenstelle  bei  der  medizinischen 
Fakultät  in  Lund,  aber  vergeblich;  endlich  fand  er  eine  Aussicht  auf 
Verdienst  in  dem  Anerbieten  von  früheren  Zuhörern,  welche  ihn  um  eine 
Führung  auf  ihre  Kosten  nach  den  reichen  Erzstätten  zu  Falun  baten,  und 
so  wurde  diese  Reise  noch  zu  Ende  des  Jahres  1733  unternommen.  In 
Falun  lernte  der  Gouverneur  Baron  Reuterholm  ihn  kennen  und  liefs 
ihn  zur  naturwissenschaftlichen  Ausbildung  seiner  Söhne  eine  Reise  mit 
denselben  durch  Dalekarlien  und  nach  Norwegen  unternehmen,  womit  ein 
grofser  Teil  des  folgenden  Jahres  ausgefüllt  ward.  Nach  Falun  zurück- 
gekehrt, begann  Linne  dann  auf  eigene  Autorität  hin  mineralogische  Vor- 
lesungen zu  halten  und  hatte  das  Glück,  dieselben  von  Erfolg  gekrönt  zu 
sehen.  Dennoch  war  seine  Stellung  sehr  unsicher  und  schien  sich  nicht 
seinen  Lehrtalenten  entsprechend  gestalten  zu  wollen. 

Da  kam  ein  neuer  glücklicher  Wendepunkt  seines  Lebens,  der  mit 
seinen  späteren  Folgen  Linne  der  Wissenschaft  erhielt,  obgleich  er  zunächst 
die  Schwierigkeiten  seiner  Lage  zu  vergröfsern  schien.  Er  verlobte  sich 
nämlich  mit  Fräulein  Sara  Lisa  Moräus,  der  Tochter  eines  reichen  Faluner 
Arztes.  Tatsächlich  ist  in  den  unmittelbar  auf  seine  Verlobung  folgenden 
Jahren  der  Reichtum  seiner  Braut  das  für  ihn  notwendigste  und  nützlichste 
gewesen.  Der  offene,  treu  und  redlich  in  allen  Stücken  handelnde  Charakter 


Linnes  widerspricht  aber  durchaus  einer  Zumutung,  als  ob  er  sich  durch 
eine  Verlobung  hätte  in  Geldbesitz  setzen  wollen,  und  volles  Zutrauen  ver- 
dienen wohl  Linnes  eigene  Briefe,  aus  denen  hervorgeht,  dafs  hier  wie  bei 
der  eigensinnigen  Wahl  seines  Berufes  die  Neigung  sein  Leitstern  war. 
Jedenfalls  war  die  Persönlichkeit  seiner,  wie  man  sagt,  sehr  schönen  Braut 
nicht  ihrem  späteren  Gemahl  ebenbürtig  und  sie  hat  es  nicht  verstanden, 
in  ihrem  Ehestande  ein  Hauswesen  zu  begründen,  welches  dem  wissen- 
schaftlichen Ruhm  ihres  Mannes  entsprach.  Sie  war  zänkisch  und  eigen- 
sinnig, und  verfuhr  in  späteren  Jahren  gegen  ihren  eigenen  Sohn,  den 
einzigen  männlichen  Erben  des  grofsen  Namens  und  Nachfolger  in  der 
väterlichen  Professur,  mit  einer  unnatürlichen  Härte.  Um  so  höher  ist  es 
anzuschlagen,  dafs  Linne  seine  Gemahlin  bis  zu  seinem  Tode  mit  einer 
Treue  geliebt  hat,  die  seinem  Charakter  überhaupt  eigentümlich  war. 

Der  Verlobte  sollte  nun  zu  einer  gesicherten  Lebensstellung  schreiten. 
Sein  Schwiegervater,  Dr.  Moräus,  wünschte  dringend,  dafs  er  praktischer 
Arzt  werden  solle,  aber  zu  dem  Zwecke  mufste  er  sich  im  Auslande  die 
Doktorwürde  erwerben.  Durch  seine  Braut  reichlich  mit  Geld  versehen, 
reiste  er  schon  im  April  des  folgenden  Jahres  1735  über  Hamburg  nach 
Holland,  um  dort  auf  der  Akademie  zu  Harderwyk  zu  promovieren,  und 
so  grofs  war  sein  Fleifs,  dafs  er  schon  am  24.  Juni  desselben  Jahres  mit 
einer  Dissertation  über  die  Ursache  der  Wechselfieber  den  Doktorgrad 
erhielt. 

Noch  eine  kleine  Zeit  beabsichtigte  er  nun  in  Holland  zu  bleiben, 
ehe  er  sich  in  Falun  als  praktischer  Arzt  niederliefs,  um  sich  Land  und 
Leute  anzusehen,  und  unternahm  daher  zuerst  eine  Reise  nach  Leiden. 
Hier  waren  damals  viele  Naturforscher  versammelt,  von  denen  einer, 
Gronow,  alsbald  mit  Linne  innige  Freundschaft  schlofs.  Auf  ihr  Anraten 
entschlofs  sich  Linne,  die  Zeit  seines  Aufenthaltes  zu  schriftstellerischen 
Arbeiten  zu  benutzen  und  alsbald  erschien  auf  14  Seiten  sein  „Systema 
naturae“*),  eine  systematische  Anordnung  der  drei  Naturreiche.  Sensation 
und  Beifall,  zugleich  auch  Neid  und  Anfeindung  folgten  diesem  Werke 
unmittelbar  und  bewirkten  wenigstens,  dafs  der  in  Leiden  lebende  be- 
rühmteste Arzt  der  damaligen  Zeit,  Boerhaave,  ein  bedeutender  Bota- 
niker, auf  Linne  aufmerksam  wurde  und  ihn  zu  einer  Audienz  einlud. 
Bisher  war  es  Linne  noch  nicht  möglich  gewesen,  sich  bei  ihm  Zutritt  zu 
verschaffen,  trotz  aller  angewendeten  Mühe;  denn  bei  Boerhaave  war  der 
Zudrang  von  Gelehrten  wie  von  Hilfsbedürftigen  ein  so  grofser,  zugleich 
die  Dienerschaft  so  berechnend  und  bevormundend,  dafs  mancher  nur 


*)  Kein  Werk  hat  so  vielerlei  Auflagen  erlebt  und  dabei  so  vielerlei  Gestalt  an- 
genommen, als  dieses.  Es  bestach  sogleich  mit  seiner  ersten  Ausgabe  1735  durch  die 
analytische  Tabellenform,  in  welcher  die  drei  Reiche  der  Natur  dargestellt  sind:  ., Systema 
naturae,  sive  regna  tria  naturae  systematice  proposita.“  Aus  diesem  Grunde  machte 
J.  J.  Langen  in  Halle  eine  unberechtige  Neuausgabe  im  Jahre  1740  in  lateinischer  und 
deutscher  Sprache;  ein  Exemplar  davon,  welches  ich  aus  eigenem  alten  Familienbesitz 
unserer  botanischen  Bibliothek  (T.  H.)  überweisen  konnte,  macht  durch  seine  Form  mit 
vorgebundenen  Handpapierblättern  in  Querfolio  den  Eindruck,  als  hätte  es  zu  Kolleg- 
zwecken benutzt  werden  sollen. 

Vom  Pflanzenreich  erschien  hier  also  das  Sexusalystem  zum  zweiten  Male  in 
praktisch  brauchbarer  Übersicht,  später  selbstverständlich  in  binärer  Nomenklatur.  Fünf 
Jahre  nach  deren  Einführung  (im  Jahre  1753)  führte  Linne  selbst  dann  auch  in  der 
X.  Ausgabe  zum  ersten  Male  die  binäre  Nomenklatur  in  der  zoologischen  Systematik  ein, 
weshalb  auch  von  dieser  Ausgabe  ein  späterer  Neudruck  veranstaltet  ist. 


33 


gegen  ein  hohes  Trinkgeld  eine  Audienz  erhielt.  Linne  beabsichtigte  gerade 
die  Rückreise  anzutreten,  als  ihn  einen  Tag  zuvor  noch  die  Aufforderung 
zum  Besuche  bei  Boerhaave  traf.  Die  kurze  Unterredung  genügte,  um 
die  beiden  so  verschieden  in  Alter  und  Würden  stehenden  Männer  zu 
gegenseitiger  gröfster  Achtung  und  Freundschaft  zu  bringen;  als  Linne 
Tags  darauf  seine  Weiterreise  an  trat,  hatte  er  schon  als  Beweis  von  Boer- 
haaves  Zutrauen  eine  Empfehlung  an  Burmann  in  Amsterdam  bei  sich, 
der  damals  mit  der  Bearbeitung  einer  Flora  Ceylons  beschäftigt  war. 
Diese  Empfehlung  verschaffte  ihm  eine  freundliche  Aufnahme  und  da 
Burmann  alsbald  merkte,  wie  nützlich  ihm  Linne  bei  seiner  ceylonischen 
Flora  sein  könne,  so  nahm  er  ihn,  der  schon  wieder  auf  fremde  Unter- 
stützung angewiesen  war,  in  seinem  Hause  auf  und  beide  arbeiteten  ge- 
meinschaftlich. Linne  benutzte  hier  die  grofse  Bibliothek  seines  Gast- 
gebers, um  ausgedehnte  Literaturstudien  zu  machen,  die  er  auch  alsbald 
zu  einer  neuen  Publikation  verwertete,  nämlich  zu  der  im  Jahre  1736  in 
Amsterdam  herausgegebenen  „Bibliotheca  botanica“,  einem  systemati- 
sierenden, merkwürdigen  Katalog  der  botanischen  Werke  und  Autoren.  So 
ging  das  Promotionsjahr  1735  zu  Ende  und  Linne  dachte  ernstlich  an  seine 
Heimkehr,  als  eine  neue  Stellung  ihm  in  Holland  angeboten  und  sein  Auf- 
enthalt dort  dadurch  wesentlich  verlängert  ward.  Der  Bürgermeister  von 
Amsterdam  Cliffort  besafs  als  reicher  Mann  in  der  Umgebung  der  Stadt 
einen  grofsen  Garten  zu  Hartecamp  und  bot  Linne  auf  Boerhaaves  Em- 
pfehlung an,  dort  als  Botaniker  und  Privatarzt  zu  wohnen  bei  freier  Be- 
köstigung und  1000  Gulden  jährlichem  Gehalt.  Eine  so  günstige  Stelle 
hatte  sich  Linne  bisher  noch  nie  geboten  und  mit  Freuden  willigte  er  in 
den  gemachten  Vorschlag  um  so  lieber  ein,  als  Cliffort  auch  ansehnliche 
Sammlungen  besafs,  die  er  nun  in  der  Stille  des  ländlichen  Aufenthaltes 
nach  Kräften  ausbeuten  konnte.  Neue  wissenschaftliche  Leistungen,  neue 
Sensation  und  neuer  Ruhm  gaben  alsbald  die  Kunde  davon,  was  für  ein 
Botaniker  jetzt  in  Hartecamp  seinen  Wohnsitz  aufgeschlagen  habe.  Die 
„Musa  Cliffortiana“,  besonders  aber  der  als  Katalog  von  2500  Pflanzen- 
arten auf  532  Seiten  mit  37  Kupfertafeln  herausgegebene  „Hortus  Cliffor- 
tianus“  1737  haben  den  Namen  des  Bürgermeisters  auch  in  der  Botanik 
verewigt,  der  diese  Werke  in  kleiner  Auflage  drucken  liefs  und  verschenkte. 
Die  K.  Leopoldinische  Akademie  der  Naturforscher  fühlte  sich  ver- 
anlafst,  schon  damals  Linne  unter  dem  Namen  „Dioscorides“  zu  ihrem 
Mitgliede  zu  machen.  — Cliffort  veranlafste  Linne  auch  zu  einer  Reise 
nach  England,  um  für  seinen  Garten  fremdländische  Gewächse  von  dorther 
zu  holen.  Selten  sind  wohl  so  günstige  Empfehlungen,  wie  sie  Linne  be- 
safs, so  wenig  beachtet  worden.  Boerhaave  hatte  seinem  wissenschaft- 
lichen Freunde,  dem  Baronet  H.  Sloane,  der  nachmals  das  berühmte 
britische  Museum  gestiftet  hat,  den  jungen  Linne  mit  folgenden  Worten 
empfohlen:  „ Linnäus , der  Euch  diesen  Brief  überreicht,  ist  allein  ivürdig , 
Euch  zu  sehen,  und  allein  ivürdig,  von  Euch  gesehen  zu  werden.  Wer 
Euch  beide  gleichzeitig  sieht , wird  ein  Paar  von  Männern  sehen,  wie  der 
Erdkreis  kein  ähnliches  besitzt.“  Allein  gerade  der  Umstand,  dafs  Boer- 
haave den  jungen  Linne  als  ebenbürtig  dem  stolzen  Sloane  an  die  Seite 
gestellt  hatte,  liefs  die  Empfehlung  an  letzterem  wirkungslos  vorüber- 
gehen, und  nicht  weniger  wurde  Linnes  Stolz  von  den  übrigen  Engländern 
gekränkt,  da  sogar  der  alte  Dillenius  in  seiner  Gegenwart  über  ihn  — 
allerdings  in  englischer  Sprache,  die  Linne  nur  wenig  verstand  — das 


34 


Urteil  gefällt  hatte:  „Sehen  Sie,  das  ist  der  junge  Mensch,  der  die  ganze 
Botanik  verwirrt.“  Aus  diesen  Kontrasten  vermag  man  zu  ersehen,  wie  sehr 
die  von  Linne  angestrebte  Reform  in  den  systematischen  und  termino- 
logischen Grundlagen  damals  zu  gären  und  die  Botaniker  zu  beschäftigen 
begann. 

Am  stärksten  trat  dieses  im  Jahre  1737  hervor,  wo  Linne  seinen 
gröfsten  Fleifs  entwickelte  und  in  sechs  Originalwerken  zusammen  etwa 
200  gedruckte  Bogen  herausgab,  die  alle  in  der  Muse  zu  Hartecamp  nieder- 
geschrieben  waren  und  die  Reform  der  Botanik  in  Theorie  und  Praxis 
durchführten.  Die  Meinungen  darüber  waren  in  zwei  Heerlager  getrennt 
und  zu  den  Gegnern  Linnes  schien  sich  auch  damals  der  grofse  nach 
Göttingen  berufene  Haller  gesellen  zu  wollen,  welcher  gegen  die  Un- 
natürlichkeit des  neuen  Linneschen  Sexualsystems  sofort  auftrat.  Höchst 
interessant  ist  der  erste  Brief,  welchen  damals  Linne  an  Haller  schrieb 
und  in  dem  er  von  seinem  eigenen  neuen  System  in  sehr  bescheidener 
Weise  spricht,  wie  es  später  nicht  mehr  der  Fall  war.  Er  beschwört 
Haller,  mit  ihm  in  Frieden  zu  bleiben:  „Wer  triumphiert  ohne  Wunden? 
— Sie  allein  und  Dillenius  möchte  ich  nicht  zu  meinen  Feinden  haben, 
denn  Sie  haben  eben  das  Buch  — die  Natur  — gelesen,  das  ich  lese^.  Die 
anderen  Botaniker,  die  blofs  Büchergelehrte  sind,  achte  ich  nicht,  wenn  sie 
auch  noch  so  viel  Weisheit  besitzen.“  — Eine  edle  Freundschaft  begann 
auf  diesen  Brief  hin  zwischen  beiden  Forschern  aufzublühen,  die  leider 
nicht  die  spätere  Lebenszeit  hindurch  anhielt,  sondern  vielfach  durch  die 
gegenseitige  Rivalität  und  literarische  Anfeindung  getrübt  wurde. 

Andere  nichts  weniger  als  bedeutende  Botaniker  griffen  Linne  damals, 
1737,  mit  um  so  gröfserer  Heftigkeit  an  und  keiner  mehr  als  der  Professor 
zu  Helmstedt  Heister,  der,  als  er  selbst  aus  dem  Felde  geschlagen  war, 
seinen  in  Petersburg  angestellten  Schüler  Siegesbeck  gegen  Linne  zu 
Felde  rief.  Er  führte  den  Kampf  mit  solcher  gemeinen  Heftigkeit,  dafs 
der  Name  Siegesbeck  für  Linne  immer  als  Bezeichnung  von  etwas  höchst 
Widerwärtigem  galt.  Als  sich  ihm  später  im  Jahre  1739  noch  immer 
keine  botanische  Stellung  bot  und  er  sich  mit  der  ärztlichen  Praxis  er- 
nähren mufste,  da  rief  er  bekümmert  aus:  „Äskulap  gibt  alles  Gute,  Flora 
aber  nur  Siegesbecke.“  Und  noch  später,  als  kein  Gegner  mehr  seinen 
Ruhm  schädigen  konnte,  rächte  er  sich  durch  eine  Aufstellung  einer  Rang- 
liste der  Botaniker  unter  dem  Namen  „Floras  Gardekorps“,  in  der  er 
selbst  als  General  voransteht  und  mit  sehr  grofsem  Rechte  Bernh.  Jussieu 
als  Generalmajor  folgen  läfst,  Haller  mit  zwei  Leidener  Botanikern  als 
Obersten  bezeichnet;  in  diesem  Korps  bekleidet  Siegesbeck  die  niedrigste 
Charge  als  Feldwebel. 

Linne  wollte  nun  endlich  nach  Schweden  zurückkehren.  Es  bemächtigte 
sich  seiner  die  gröfste  Sehnsucht  nach  Vaterland  und  Braut  und  war  sogar 
die  Ursache,  mehrere  sich  ihm  sehr  vorteilhaft  bietende  wissenschaftliche 
Stellungen  in  Holland  auszuschlagen.  Im  Winter  1737  ging  er  noch  einmal 
nach  Leiden  zu  seinen  Freunden,  besuchte  im  März  des  folgenden  Jahres 
zum  letzten  Male  Hartecamp  und  eilte  dann,  von  seinem  greisen  väterlichen 
Freunde  Boerhaave  Abschied  zu  nehmen.  Die  Abschiedsworte,  die  dieser 
mit  zitternder  Stimme  zu  ihm  sagte,  kann  man  als  ein  Vermächtnis  dieses 
vortrefflichen  Mannes  ansehen,  welches  sich  bei  seinem  Lieblinge  glänzend 
erfüllt  hat.  „ Mein  Leben  neigt  sich  zu  Ende“,  sagte  er,  „und  meine  Tage 
sind  gezählt;  ich  habe  alles  getan,  was  in  meiner  Macht  stand.  Dir  hinter- 


35 


bleibt  noch  diese  Pflicht,  und  mag  Gott  Dich  dabei  schützen.  Was  die  Welt 
von  mir  zu  fordern  hatte,  hat  sie  bekommen , aber  von  Dir  erwartet  sie 
noch  viel  mehr.  Lebe  wohl,  mein  teuerer  Linnäus!u  — Und  Linne  mufste 
eiliger  reisen,  als  zuvor  seine  Absicht  gewesen  war,  da  er  gern  in  einem 
weiten  Bogen  über  Leipzig  und  Göttingen,  um  hier  Haller  persönlich  kennen 
zu  lernen,  nach  Schweden  zurückgekehrt  wäre.  Allein  es  waren  merkwürdige 
Dinge  in  Falun  vor  sich  gegangen;  der  Freund  Linnes,  der  die  Korrespondenz 
zwischen  ihm  und  seiner  Braut  vermittelte,  hatte  letzterer  unter  der  Vor- 
Spiegelung,  dafs  der  ungetreue  Linne  niemals  zurückkehren  wolle,  für  sich 
selbst  einen  Heiratsantrag  gemacht.  Noch  rechtzeitig  wurde  sein  Freund- 
schaftsbruch entlarvt,  und  auch  er  ist  später,  wie  Linne  in  seinem  Tagebuch 
bemerkt,  „von  der  Strafe  des  Himmels  getroffen  und  von  tausend  Wider- 
wärtigkeiten verfolgt“. 

So  traf  Linne,  nach  eiliger  Durchreise  durch  Paris  zum  Besuche  bei 
den  beiden  berühmten  Jussieu,  im  Juni  wieder  in  seiner  Heimat  ein.  Nun 
sollte  er  der  ursprünglichen  Bestimmung  gemäfs  sich  als  praktischer  Arzt 
niederlassen  und  ging  zu  diesem  Zwecke  nach  Stockholm,  aber  er  hatte 
weder  grofse  Neigung  zur  Praxis,  noch  zuerst  wenigstens  Glück  mit  ihr. 
Der  Ruf  des  grofsen  Botanikers  war  ihm  vorangeeilt,  aber  eben  darum 
vertraute  man  ihm  keine  Patienten  an,  sodafs  der  nun  schon  so  berühmt 
gewordene  Gelehrte  alsbald  wieder  in  grofser  Verlegenheit  sich  befand.  In 
dieser  widrigen  Lage  schrieb  Haller  voller  Freundschaft  einen  Brief  an  ihn 
(November  1738)  des  Inhaltes,  dafs  er  Lust  habe,  sobald  sein  eigenes  Vater- 
land, die  von  Haller  nie  vergessene  Schweiz,  ihm  dort  eine  passende  Stellung 
anweise,  von  Göttingen  fortzugehen,  und  dann  wolle  er  dafür  Sorge  tragen, 
dafs  Linne  an  seiner  Stelle  dorthin  berufen  werde,  da  er  keinem  Würdigeren 
seine  Stellung  übertragen  könne.  — Als  aber  Haller  später  wirklich  Göt- 
tingen verliefs,  war  Linne  in  Upsala  in  der  glücklichsten  Lage  und  die 
1738  blühende  Freundschaft  zwischen  den  beiden  Männern  war  ziemlich 
erkaltet. 

Übrigens  brachte  schon  das  folgende  Jahr  unserm  Linne  durch 
einige  glückliche  Kuren  eine  günstigere  Lage.  Der  dem  königlichen  Hause 
nahestehende  Graf  Tessin  wurde  sein  Wohltäter,  erreichte  es  auch,  dafs 
Linne  in  den  Staatsdienst  treten  konnte  unter  der  Eigenschaft  eines  „König!. 
Botanikus  und  Marinearztes“,  worauf  denn  Linne  am  26.  Juni  desselben 
Jahres  (1739)  mit  seiner  seit  fünf  Jahren  verlobten  Braut  Hochzeit  hielt. 

Eine  bittere  Enttäuschung  brachte  ihm  noch  das  folgende  Jahr:  der 
Professor  der  Botanik  in  Upsala  Rudbeck  war  gestorben  und  Linne  hoffte, 
dessen  Nachfolger  zu  werden.  Allein  vergeblich,  denn  sein  alter  Rivale 
Rosen  wurde  ihm  vorgezogen  und  Linne  blieb,  was  er  war  und  wohnte 
nach  wie  vor  zu  Stockholm.  Noch  waren  seine  Gegner  nicht  beschwichtigt 
und  erhoben  gegen  den  kühnen  Revolutionär  auch  in  Schweden  zahlreich 
ihre  Stimmen,  sodafs  sich  Linne  zu  einer  anonym  herausgegebenen  Ver- 
teidigungsschrift genötigt  sah,  in  der  er  die  gelehrten  Naturforscher  Euro- 
pas mit  ihrem  Urteile  über  ihn  für  sich  sprechen  läfst*).  Ein  spafshaft 
klingendes,  fast  möchte  man  sagen  kleinliches  Mittel  darf  hier  nicht  uner- 
wähnt bleiben,  welches  Linne  kräftig  handhabte,  um  sich  an  seinen  Feinden 
dauernd  zu  rächen.  Bei  der  Benennung  von  Pflanzengattungen  oder  - Arten, 
die  ja  gröfstenteils  von  ihm  neu  vollführt  wurde,  widmete  er  seinen  Freunden 


*)  Siehe  Anhang,  Literatur  I.  (1). 


36 


schöne  und  seltene,  seinen  Feinden  aber  recht  häfsliche  und  unansehnlich 
blühende  Pflanzen,  welche  noch  heute  deren  Namen  tragen.  Er  legte  über- 
haupt auf  diese  Widmungen  ein  grofses  Gewicht  und  war  stolz  auf  die  lieb- 
liche, seinen  Namen  führende  Pflanze. 

Das  Jahr  1741  ward  aber  nun  bedeutungsvoll  für  sein  Glück:  der 
20.  Januar  war  der  Geburtstag  seines  einzigen  Sohnes  und  späteren  Nach- 
folgers, mit  dessen  frühem  Tode  der  männliche  Stamm  der  Ritter  v.  Linne 
erlosch.  Am  31.  März  wurde  zu  Stockholm  die  schwedische  Akademie  der 
Wissenschaften  offiziell  begründet,  die  Linne  ihr  Entstehen  verdankte  und 
unter  seinem  Präsidium  zuerst  ihre  Sitzungen  hielt.  Im  Frühlinge  machte 
er  dann  im  Aufträge  des  Staates  eine  Reise  nach  den  schwedischen  Ostsee- 
inseln, um  dieselben  naturhistorisch  zu  untersuchen  und  dem  Vaterlande 
einen  neuen  Teil  des  Gebietes  wissenschaftlich  zu  erschliefsen.  Endlich 
wurde  er,  als  zu  Upsala  eine  Vakanz  in  der  Professur  für  Medizin 
und  Anatomie  eintrat,  für  dieselbe  gewählt  und  hatte  nun  also  im 
34.  Lebensjahre  das  hauptsächlichste  Ziel  seiner  Wünsche  erreicht.  Er 
siedelte  im  September  mit  seiner  Familie  nach  Upsala  über  und  ist  dieser 
Akademie  dann  zeitlebens  treu  geblieben.  Nur  das  trübte  noch  sein  völliges 
Glück,  dafs  er  Medizin  und  Anatomie  lesen  sollte,  während  sein  alter  Rivale 
Rosen  Botanik  vertrat.  Aber  dieses  Mifsverhältnis  wurde  auch  letzterem 
und  der  Fakultät  sehr  bald  klar  und  schon  1742  erfolgte  ein  gegenseitiger 
Austausch  der  Professuren.  Und  nun  endlich  in  dem  ruhigen  Hafen  an- 
gelangt, nach  dem  er,  durch  Sturm  sich  hindurchkämpfend,  gestrebt  hatte, 
widmete  sich  Linne  fast  allein  der  von  ihm  so  geliebten  Pflanzenwelt,  der 
er  auch  bis  dahin  unvergleichlich  mehr  genützt  hatte  als  den  anderen 
Naturwissenschaften,  deren  Reformen  sich  gewissermafsen  an  das  für  die 
Botanik  gelieferte  Modell  anschlossen.  Ein  neuer  botanischer  Garten  wurde 
gegründet;  schon  im  Juli  1743  siedelte  Linne  in  denselben  über  und  widmete 
ihm  alle  seine  Kräfte.  Seinem  weit  berühmten  Namen  war  es  zu  verdanken, 
dafs  der  Garten  durch  Schenkungen  aus  aller  Herren  Länder  alsbald  einer 
der  reichhaltigsten  in  Europa  wurde.  Seine  Auditorien  füllten  sich  mit 
zahlreichen  Studenten,  die  nur  seinetwegen  aus  fernen  Gegenden  herkamen, 
und  wurden  die  besuchtesten*);  im  Sommer  wurden  die  botanischen  Vor- 
lesungen durch  häufige  Exkursionen  ergänzt,  wie  sie  wohl  mit  gröfserer 
Liebe  aller  Teilnehmer  kaum  jemals  wieder  veranstaltet  sind.  An  200  Teil- 
nehmer sollen  den  Heiteres  und  Ernstes  in  gleicher  Weise  hier  zur  Schau 
tragenden  Professor  oft  begleitet  haben;  sie  zerstreuten  sich  an  verab- 
redeten Plätzen,  um  auf  die  Suche  zu  gehen,  und  wenn  Linne  oder  einer 
aus  dem  Gefolge  etwas  besonders  Interessantes  gefunden  hatte,  so  wurde 
mit  Waldhörnern  zum  Sammeln  geblasen;  alles  vereinigte  sich  dann  um 
den  ehrwürdigen  Meister,  der  mit  klaren  Worten  das  Wissenwürdige  an 
dem  gemachten  Funde  auseinandersetzte. 

Verschiedene  gröfsere  Reisen  unternahm  Linne  noch  in  den  vierziger 
Jahren  nach  Westgothland  und  Schonen,  sonst  aber  lebte  er  mit  seinen 
Arbeiten  beschäftigt  still  zu  Hause.  Der  Flora  Schwedens  folgte  eine 
Fauna  seines  Heimatlandes  aus  seiner  Feder,  dann  die  Bearbeitung  der  Flora 
von  Ceylon  nach  getrockneten  Pflanzen,  dann  die  Resultate  seiner  Reise- 
studien, dann  der  unter  dem  Namen  ,,Philosophia  botanica“  bekannte 


*)  Angeblich  stieg  die  Zahl  der  Studenten  an  der  Universität  Upsala  unter  Linnes 
Einflufs  von  500  auf  1500. 


37 


Grundrifs  über  die  Geschichte  und  Prinzipien  seiner  Wissenschaft  und 
1753  die  erste  Ausgabe  der  Species  plantar  um,  die  auf  1200  Seiten  die 
Beschreibungen  von  7300  Arten  brachte.  Mehr  Arten  konnten  damals 
kaum  beschrieben  werden,  denn  Linnes  Sammlungen  waren  reichhaltiger 
als  die  irgend  eines  anderen;  als  aber  später  Schüler  von  ihm  in  ferne 
Weltteile  gingen,  um  deren  Flora  zu  erschliefsen,  da  war  es  ihm  selbst 
noch  vergönnt,  in  wiederholten  Ausgaben  des  letztgenannten  Werkes  und 
in  Spezialarbeiten  wesentliche  Ergänzungen  zu  bringen  und  die  Zahl  der 
beschriebenen  Arten  noch  stark  zu  vermehren.  Es  ist  übrigens  allgemein 
bekannt,  dafs  die  im  deutschen  Sprachgebiet  vereinigte  Flora  Mitteleuropas 
allein  schon  jetzt  mehr  Arten  (Blüten-  und  Sporenpflanzen)  zählt,  als  Linnes 
Species  plantarum  von  der  ganzen  Erde  damals  enthielten. 

Es  mag  hier  nun  eine  weitere  Einschaltung  Platz  finden  über  die 
eben  genannten  Werke,  fundamental  für  ihre  Zeit  und  nachwirkend  in  die 
Gegenwart  hinein. 

Der  Umstand,  dafs  dieselben  aus  manchen,  wenn  auch  mehr  formalen 
Gründen  noch  heutzutage  gebraucht  und  in  botanischen  Bibliotheken  nach- 
geschlagen werden,  wie  ebenso,  dafs  die  deskriptive  Richtung  der  Syste- 
matik und  Floristik  die  Beschreibungen  von  Gattungen  und  Arten  zu  wesent- 
lichem Anteil  noch  in  dieselben  Formen  — mutatis  mutandis!  — giefst, 
welche  Linne  damals  dafür  anwenden  lehrte,  beweist  allein  schon  deren 
tatsächliche  Bedeutung,  und  wenn  davon  manche  neuere  Botaniker  nichts 
wissen  wollen,  weil  sie  in  einer  anderen  Richtung  arbeiten,  so  sagen  sie 
damit  noch  nichts  in  Beziehung  auf  diejenigen  Richtungen  der  Botanik, 
welche  damals  als  notwendig  anerkannt  waren  und  sich  rapide  eine  Allein- 
herrschaft bis  in  das  19.  Jahrhundert  hinein  verschafften.  Dafs  man  den 
durch  so  alte  Werke  in  formaler  Beziehung  ausgeübten  Zwang  in  manchen 
Beziehungen  als  lästig  empfinden  kann,  sagt  auch  noch  nichts  gegen  die 
damalige  glückliche  Institution  solcher  formaler  Begriffe,  wie  sie  z.  B.  die 
Spezies-Nomenklatur  als  eine  für  die  Wissenschaft  notwendige  Zugabe  archi- 
vischer  Art,  ganz  unabhängig  von  der  freien  Forschung,  mit  sich  bringt. 
In  mancher  Beziehung  hat  man  nur  versäumt,  rechtzeitig  gewisse  Ände- 
rungen anzubringen,  welche  die  Kompromisse  zwischen  formalen  Dingen 
und  neuen  Erfahrungen  der  Forschung  verlangten,  und  diese  Schuld  trifft 
die  Schüler  und  Epigonen,  nicht  den  alten  Lehrmeister! 

Das  könnte  man  doch  auch  sogar  von  dem  Linneschen  Sexualsystem 
sagen,  dafs  es  nämlich  bei  rechtzeitigen  Änderungen  noch  heute  — natür- 
lich nicht  ein  System  — wohl  aber  die  nützlichste  ,, Clavis  analytica“  zur 
Bestimmung  der  Genera  eines  kleineren  Florengebiets  abgeben  würde, 
während  es  — trotz  der  konservativen  Lehrpläne  der  Schulen  — in  der 
ursprünglichen  Form  Linnes  doch  jetzt  als  ganz  unbrauchbar  angesehen 
werden  mufs.  Mufsten  es  denn  immer  24  Klassen  sein?  Konnten  nicht 
die  Sporenpflanzen  weiter  zerlegt,  andere  Klassen  zusammengezogen  wer- 
den? Hat  die  Blütenmorphologie  nicht  längst  festgestellt,  dafs  nicht  die 
Zahl  der  Staubblätter  an  sich  das  wichtigste  ist,  sondern  die  Art  und 
Weise,  wie  sie  zu  stände  kommt  (wie  es  auch  Linne  bei  Cruciferen  und 
Labiatifloren  richtig  erkannt  hatte!)?  So  dafs  also  z.  B.  Blüten  mit  dedoub- 
lierten  Staubblättern,  wie  Ruta , sich  dann  durch  diese  Verdoppelung  aus- 
zeichnen und  die  viergliedrig  aufgebaute  Blüte  8 Staubblätter,  die  fünf- 
gliedrige aber  10  Staubblätter  notwendigerweise  haben  mufs,  statt  sie 
nach  Klasse  VIII  und  X zu  trennen.  — Ich  will  hiermit  nur  andeuten, 


38 


was  man  mit  vielem  von  Linnes  Schöpfungen  hätte  machen  können,  wenn 
man  es  entwickelungsfähig  gehalten  und  nicht  vorgezogen  hätte,  die  alten 
Formen  bis  zur  Unmöglichkeit  auszubeuten.  Die  Wege,  welche  Linne  da- 
mals betreten  hatte,  waren  jedenfalls  sehr  wegsam. 

Diese  Wege  kennzeichnete  er  am  meisten  in  seiner  ,,Philosophia 
botanica“,  die  man  als  ein  recht  altes,  ehrwürdiges  Lehrbuch  der  Botanik 
in  der  abrifsartigen  Form  ansehen  mufs,  wie  sie  eben  Linne,  dem  scharfen 
Diagnostiker,  zu  eigen  war.  Dafs  sein  Wissen  viel  weiter  ging,  als  es  der 
Rahmen  der  „Philosophia“  andeutet,  braucht  kaum  hinzugefügt  zu  werden. 
Was  dieses  alte  Lehrbuch  — und  ich  möchte  hinzufügen,  dafs  ich  in  der 
älteren,  mir  zu  Gebote  stehenden  Literatur  kein  anderes,  früheres  Buch 
gefunden  habe,  welches  man  so  wie  Linnes  „Philosophia“  als  Lehrbuch 
bezeichnen  könnte  — für  eine  Bedeutung  damals  gehabt  hat,  das  bezeugt 
ja  seine  Verbreitung  allein  schon. 

Nach  einem  schon  im  Jahre  1732  verfertigten  Manuskripte,  welches 
damals  keinen  Verleger  fand,  gab  Linne  1736  die  „Fundamenta  botanica“ 
heraus,  die  aber  wenig  verbreitet  blieben.  Somit  trug  er  seine  geläuterten 
Reformideen  in  die  einzige  von  ihm  besorgte  und  1751  in  Stockholm  er- 
schienene erste  Ausgabe  der  „Philosophia  botanica“  nach  zehnjähriger  Lehr- 
tätigkeit als  Professor  hinein,  und  dieses  Buch  mufs  damals  — nach  seiner 
noch  jetzt  starken  Verbreitung  und  dem  niedrigen  Antiquariatspreise  von 
ca.  6 Mk.  zu  schliefsen  — sehr  stark  gekauft  worden  sein. 

Drei  andere  Ausgaben  sind  dann  nach  Linnes  Tode  von  anderen 
tüchtigen  Botanikern  veranstaltet  worden,  die  Editio  II  im  Jahre  1780  von 
Gleditsch,  die  Editio  III  im  Jahre  1790  von  Willdenow,  die  Editio  IV 
im  Jahre  1809  von  C.  Sprengel.  Willdenow  änderte  nur  die  letzte  der 
beigefügten  elf  Tafeln  mit  ihren  zwar  schematisierten,  aber  dadurch  doch 
recht  eindrucksvollen,  wie  Diagramme  wirkenden  Figuren,  und  erst  Sprengel 
zeichnete  sämtliche  Figuren  um.  Und  hören  wir  nun,  was  Sprengel  in 
seinem  lateinischen  Vorwort  sagt: 

„Das  Buch,  das  ich  schon  als  Knabe  und  Jüngling  hochschätzte  und  bewundert 
habe,  aus  dem  ich  überhaupt  all  mein  Wissen  in  der  Pflanzenkunde  geschöpft  habe,  das 
Buch,  welches  ich  durch  mehr  als  zwölf  Jahre  in  jedem  Sommer  in  öffentlichen  Vor- 
lesungen kommentierte,  das  biete  ich  hiermit  den  Gelehrten  und  Anfängern,  vermehrt 
und  illustriert  mit  den  Errungenschaften  unserer  Zeit.  Es  scheint  weder  angebracht 
noch  meine  Pflicht  zu  sein,  in  Lobeserhebungen  über  dies  Buch  mich  zu  ergehen,  welches 
ich  für  einzig  halte  und  für  das  vortrefflichste  in  der  ganzen  Naturwissenschaft.  Nur 
mufs  ich  kurz  vorausschicken,  was  ich  mit  eigener  Arbeit  hinzugefügt,  verändert  oder 
zu  verbessern  versucht  habe.“ 

Solche  Worte,  begleitet  von  Taten,  bezeugen  ganz  von  selbst,  welchen 
Rang  man  noch  vor  100  Jahren  den  Werken  Linnes  beimafs,  und  wenn 
wir  heute  glücklicherweise  in  der  Lebewelt  das  Werdende,  das  sich  Ent- 
wickelnde und  die  Erscheinungen  der  Anpassung  als  unerläfslich  zum  Ver- 
ständnis der  fertigen  Form  erforschen,  so  sind  wir  doch  zu  dieser  ge- 
läuterten Erkenntnis  hauptsächlich  auf  dem  Wege  gelangt,  den  die  Bo- 
tanik des  18.  Jahrhunderts  unter  Linnes  Führung  betrat;  ja  es  ist  die  Frage, 
ob  die  von  den  Physiologen  und  Chemikern  damals  gleichfalls  eröffneten 
Wege  allein  uns  hätten  so  weit  bringen  können.  Zur  umfassenden  Kenntnis 
des  Pflanzenreichs  konnte  man  mindestens  nur  auf  ersterem  gelangen. 

Über  die  Rolle  der  „Species  plantarum“,  deren  Editio  I im  Jahre 
1753,  die  viel  weiter  verbreitete  Editio  II  im  Jahre  1763  erschien,  und 
über  die  „Genera  plantarum“,  deren  Editio  V vom  Jahre  1754  die 


39 


v 


Nomenklatur-Grundlage  der  Spezies  ergänzte,  habe  ich  wohl  kaum  nötig, 
in  unserer  naturforschenden  Gesellschaft  Bemerkungen  zu  machen;  diese 
Werke  sind  noch  heute  allbekannt.*) 

Bemerkt  möchte  vielleicht  werden,  dafs  die  Zahl  der  „Genera“  im 
Jahre  1754  sich  auf  1105  belief,  welche  alle  in  gleicher  Weise  nach  den 
Signaturen  Calyx,  Corolla,  Stamina,  Pistillum,  Pericarpium  und  Semen  in 
Diagnosen  gekleidet  sind.  Die  Zahl  der  Gattungen  beträgt  gegenwärtig 
beiläufig  das  Zehnfache. 

Selbstverständlich  gilt  für  die  Anordnung  in  diesen  Systemwerken 
stets  das  Sexualsystem  in  24  Klassen,  meist  unter  Beifügung  eines  be- 
sonderen Anhanges  für  Palmen  u.  a.,  welche  sich  dem  sexuellen  Klassen- 
system nicht  fügen  wollten.  Aber  trotzdem  wird  man,  wenn  man  sich  in 
Linnes  eigene  Schriften  vertieft,  immer  und  immer  wieder  zu  der  Meinung 
geführt,  dafs  er  selbst  seine  Anordnung  nach  Klasse  I — XXIV  als  eine 
interimistische  ansah  und  nicht  gerade  in  ihr  den  Hauptwert  seiner  Arbeiten 
erkannt  haben  würde.  Wohl  wufste  er,  dafs  er  durch  Anwendung  dieser 
Methode  Ordnung  in  die  Beschreibung  der  Pflanzenwelt  gebracht  hatte, 
aber,  wenn  er  auch  mit  der  Gattungs-  und  Speziesdefinition  zufrieden  ge- 
wesen sein  wird:  mit  den  Klassen  war  er  es  nicht! 

Zwar  entsprechen  sie  seinem  in  der  „Philosophia  botanica“  unter  § 164 
geäufserten  Grundsatz: 

„Dispositio  vegetabilium  primaria  a sola  fructificatione 
desumenda  est“, 

sowie  dem: 

„Filum  ariadneum  Botanices  est  Systema,  sine  quo  Chaos 
est  Bes  herbaria“. 

Aber  zugleich  spricht  er  unter  § 77  freimütig  aus: 

„Methodi  Naturalis  fragmenta  studiose  inquirenda  sunt. 

Primum  et  ultimum  hoc  in  Botanicis  desideratum  est.“ 

Und  stets  ist  es  mir  erschienen,  als  wenn  Linne,  wenn  er  noch  einmal  ein 
neues  Leben  hätte  haben  können,  seine  sexuelle  Anordnung  hätte  um- 
werfen  mögen  und  selbst  eine  neue  getroffen  hätte,  vielleicht  so,  wie  bald 
nach  seinem  Tode  Jussieu  (im  Jahre  1789)  mit  der  Einführung  des 
„Methodus  naturalis“  es  machte. 

Es  wird  dies  in  bemerkenswerter  Weise  bestätigt  durch  das  am  Schlufs  der  hier  fol- 
genden Literatur-Zusammenstellung  unter  II.  (14)  angeführte,  von  Ove  Dahl  jüngst  erst 
herausgegebene  „Collegium  botanicum“  Linnes  von  1767.  In  einer  ganz  überraschenden 
Weise  hebt  dieses  rein  deskriptive  Kolleg  mit  Klasse  IV  an  und  fafst  die  „Stellatae“ 
voranstehend  zusammen,  fügt  hinter  Cornus  dann  die  „Umbellatae“  bei,  ergeht  sich  in 
den  Umbelliferen  und  läfst  dann  erst  die  Klasse  V „Pentandria“  folgen,  um  unter  deren 
Monogynia  die  Asperifolien  zu  behandeln.  Und  so  weitergehend  schliefst  er  hinter 
Gentiana  nun  zunächst  die  Didynamia  (also  Klasse  XIV  anstatt  Klasse  VI)  an,  er- 
ledigt die  Klasse  III  am  Schlufs  mit  Ausführung  der  Gräser  und  behandelt  die  Cyperaceen 
einschliefslich  Carex  im  Anhang  als  . „Graminibus  affinia“.  Also  er  trug  seinen  Zu- 
hörern unter  Wechsel  der  ursprünglichen  Klassenfolge  die  Pflanzenwelt  in  dem  Zusammen  - 
schlufs  der  grofsen  natürlichen  Gruppen,  der  „Ordines  naturales“,  vor,  wobei  allerdings 
die  Mono-  und  Dikotyledonen  noch  nicht  als  gesonderte  Hauptgruppen  erschienen. 

In  dieser  Hinsicht  ist  von  gröfstem  Werte  ein  Werk,  welches  erst 
14  Jahre  nach  Linnes  Tode  von  einem  seiner  Schüler,  Paul  Dietr.  Giseke, 


*)  Da  die  erste  Ausgabe  der  „Species  plantarum“  (1753)  als  Ausgangspunkt  der 
binären  Nomenklatur  noch  heute  in  den  botanischen  Bibliotheken  quellenmäfsig  ein- 
gesehen werden  mufs,  ist  in  diesem  Jahre  ein  Faksilime- Neudruck  veranstaltet  (bei 
0.  Weigel,  Leipzig,  für  40  Mk.  käuflich). 


40 


herausgegeben  wurde,  die  Vorlesungen  Linnes  über  die  natürlichen  Pflanzen- 
familien*). Es  ist  wohl  nicht  ohne  Bedeutung,  dafs  hier  im  Texte  die 
Palmae  voranstehen,  diese  prachtvoll  natürliche  Familie,  die  Linne  in 
seinen  Klassen  nie  mit  Befriedigung  unterbringen  konnte.  Aber  noch 
lehrreicher  für  das,  was  Linne  dachte,  ist  die  Wiedergabe  einiger  Ge- 
spräche zwischen  Meister  und  Schüler. 

Letzterer  dringt  in  ihn,  kühn  und  entschlossen  die  Ordines  naturales  aufzuhauen. 
Linne  sagt,  es  sei  unmöglich.  „Kannst  Du  mir  den  Charakter  einer  einzigen  Ordnung 
lierstellen?“ 

Giseke:  ,,lch  glaube  es  zu  können,  z.  B.  für  die  Umbelliferen.“ 

Linne:  „Und  ihr  Charakter?“ 

Giseke:  „Eben  der  im  Namen  liegende:  sie  tragen  die  Blüten  in  Dolden.“ 

Linne:  „Gut;  aber  es  gibt  auch  andere  Pflanzen,  die  solche  Infloreszenz  tragen.“ 

Giseke:  „Gewifs.  Es  ist  noch  hinzuzufügen:  „Semina  duo  nuda“  (damalige  falsche 
Auffassung  des  Fruchtknotens  der  Umbelliferen). 

Linne:  „Dann  gehört  Echinophora  nicht  hierher,  obgleich  sie  Umbellate  ist.  Und 
wohin  bringst  Du  Eryngium?“ 

Giseke:  „Zu  den  Aggregatae.“ 

Linne:  „Auf  keinen  Fall!  Es  ist  ganz  gewifs  eine  Umbellifere!“  (Folgt  die  Be- 
gründung.) 

Giseke:  „Solche  Pflanzen  müssen  an  den  Schlufs  der  Ordnung  gestellt  werden, 
damit  sie  einen  Übergang  zu  einer  anderen  Ordnung  machen.  Eryngium  würde  die 
Umbellaten  mit  den  Aggregaten  verbinden.“ 

Linne:  „Ah!  Das  ist  allerdings  ganz  etwas  anderes,  die  Übergänge  kennen  und 
die  Charaktere  der  Ordnung  kennzeichnen.  Jene  kenne  ich  zwar  und  wie  die  eine 
Ordnung  mit  der  andern  zu  verbinden  sei;  aber  ich  möchte  es  nicht  sagen  — ich  kann 
es  nicht  sagen.“ 

Es  ist  unschwer  einzusehen,  dafs  Linnes  Bestreben,  den  Klassen  des 
Systems  feste,  abgerundete  Merkmale  zu  geben,  mit  seinen  genetischen 
Weltanschauungen  zusammenhing.  Er  betrachtete  die  Arten  und  Gattungen 
als  natürlich,  weil  sie  ,,ab  initiou  geschaffen  seien;  die  Klassen  dagegen 
erschienen  ihm  als  Gemisch  von  Natur  und  künstlicher  Wissenschaft.  Wir, 
die  wir  heute  auf  dem  Standpunkte  der  Deszendenztheorie  und  der  Muta- 
tion der  Arten  stehen  — ein  Standpunkt,  der  erst  aus  dem  innerlichen 
Zusammenwirken  verschiedenartiger  Zweige  der  Natur forschung  sich  er- 
geben konnte  — , wir  verbinden  schon  mit  der  Art  den  Begriff  des 
Flüssigen,  Veränderlichen  und  lernen  schon  bei  den  Stammeinheiten  des 
Systems  mit  den  Übergängen  und  Verbindungsformen  rechnen.  Jussieu 
tat  das  unentwegt  auch  schon  in  jener  alten  Zeit  bei  seinen  „Ordines 
naturales“;  aber  wer  weifs,  wie  viel  er  selbst  aus  dem  harten  Ringen 
Linnes,  Natur  und  künstliche  Wissenschaft  zu  verbinden,  gelernt  hatte. 

So  kann  ich  nach  meinem  Empfinden  den  Wert  des  Linneschen  Sexual- 
systems, welches  man  stets  neben  der  Methode  seiner  Diagnostik  und  der 
Einführung  der  binären  Nomenklatur  der  „Spezies“  als  seine  botanische 
Hauptleistung  zu  nennen  pflegt,  hauptsächlich  in  den  beiden  Momenten 
finden,  einmal  für  jene  frühe  Zeit  der  über  die  ganze  Erde  sich  ausbreiten- 
den Pflanzenkunde  eine  höchst  nützliche,  damals  unentbehrliche  schema- 
tische Anordnung  getroffen  zu  haben,  welche  das  breitschleppende  Gewand 
der  langatmigen  Kräuterbücher  wirkungsvoll  ersetzte  und  einen  enormen 
Aufschwung  der  Kenntnisse  zuliefs,  ja  forderte;  und  zweitens  in  dem  für 
die  wissenschaftliche  Ausübung  sehr  nützlichen  methodischen  Hinweis  auf 
ein  analytisches  Bestimmungsverfahren,  welches  nach  den  Grundsätzen  der 
fortschreitenden  Blütenmorphologie  längst  hätte  weiter  ausgebaut  werden 


*)  Oaroli  a Linne  Praelectiones  in  Ordines  naturales  plantarum.  Hamburg'  1792. 


41 


sollen,  um  die  in  der  Erkenntnis  der  natürlichen  Pflanzenfamilien  für  An- 
fänger und  nicht  fachmännisch  Durchgebildete  auch  heute  noch  liegenden 
Schwierigkeiten  möglichst  zu  beseitigen.  Die  Naturforschung  dringt  auf 
Fortschritt  und  man  hat  durch  die  konservative  Beibehaltung  der  Linne- 
schen  Originalklassen  seiner  Methode  auf  dem  Gebiete,  wo  sie  dauernd 
brauchbar  sein  konnte,  nur  im  Ansehen  geschadet. 

Dafs  in  jener  Periode  der  botanischen  Entwickelung,  die  nun  schon 
weit  hinter  uns  liegt  und  seit  welcher  auch  die  exakten  Naturwissenschaften 
eine  ungeahnte  und  fruchtbar  weiterwirkende  Entwicklung  durchliefen,  die 
beschreibende  Seite  der  Botanik  vorangehen  mufste,  ist  ganz  selbstver- 
ständlich. Auch  Physik  und  Chemie,  selbst  die  exakteste  aller  Wissen- 
schaften, die  Astronomie,  haben  ihre  breiten  deskriptiven  Grundlagen,  in 
deren  Bereich  erst  hinterher  die  Theorie  zusammenfassen  konnte  und  die 
induktive  Forschung  begann.  Diese  Grundlagen,  an  denen  wir  heute  mit 
geläuterter  Erkenntnis  noch  immer  weiter  ausbauen,  in  ihrem  Werte  für 
die  organische  Naturforschung  zu  verkennen,  kann  nur  Ausdruck  einer 
tadelnswerten  Einseitigkeit  nach  anderer  Richtung  hin  sein,  der  sich  in 
unserer  Zeit  niemand  schuldig  machen  sollte! 

Damals  wurde  diese  Seite  hoch  verehrt;  „Deus  creavit  — Linnaaus 
disposuit“  — ein  solcher  Denkspruch  besagt  alles.  Aber  man  würde  doch 
irren,  wollte  man  nach  diesen  Arbeiten  das  Wissen  und  die  Lehrtätigkeit 
von  Linne  beurteilen.  Um  diese  richtig  zu  würdigen,  mufs  man  andere, 
weniger  bekannte  und  verbreitete  Bücher  hinzuziehen,  so  seine  „Materia 
medica“  (in  welcher  die  diagnostische  Methode  auch  auf  eine  Einteilung 
der  Medikamente  angewendet  wurde  und  dann  die  offizinellen  Tier-,  Pflanzen- 
und  Mineralheilmittel  systematisch  angeordnet  folgten),  besonders  aber 
die  „ Amoenitates  academicae“. 

Sieben  Bände  dieser  akademischen  Disputationen  und  Dissertationen 
sind  von  Linne  selbst  herausgegeben  (1749 — 1769),  die  drei  letzten  Bände 
veröffentlichte  Schreber  1785 — 1790.  Jeder  Band  enthält  10—20  Einzel- 
bearbeitungen, meist  von  Schülern  Linnes,  denen  er  Aufgaben  gestellt  hatte 
und  deren  Resultate  er  kritisierte,  zum  kleineren  Teile  auch  von  ihm  selbst. 
Aus  ihnen  kann  man  die  Fülle  von  Anregungen  ersehen,  die  im  botanischen 
Garten  zu  Upsala  gegeben  wurden,  und  nur  selten  mag  ein  akademischer 
Lehrer  fruchtbarer  nach  dieser  Richtung  hin  gewirkt  haben. 

Von  besonderem  Werte  für  die  damaligeZeit,  in  welcher  die  Physio- 
logie der  Befruchtung  sich  zunächst  auf  das  Aufserliche  der  Organbildung 
zu  beschränken  hatte,  sind  die  dahin  gehörigen  Dissertationen,  in  Band  I, 
No.  XII  die 

„Sponsalia  plantarum,  proposita  a J.  G.  Wahlbom.  Upsaliae  1746“, 
und  aufserdem  in  Band  X,  No.  IX  die  Preisschrift  Linnes 

„Disquisitio  de  Sexu  plantarum“  vom  Jahre  1760. 

Hier  tritt  auch  die  experimentelle  Methode  in  ihre  Rechte  und  die 
z.  B.  mit  Clutia  tenella*)  ( Cluytia , Euphorbiacee)  ähnlich  wie  mit  Mer- 
curialis  angestellten  Versuche  zeigen  Linnes  eigene  Beobachtungstätigkeit. 
Diesen  Arbeiten  schliefsen  sich  floristisch -monographische  Bearbeitungen 
an,  wie  z.  B.  gleich  die  erste  Dissertation  über  die  Zwergbirke  Betula 
nana , erläutert  durch  Tafeln. 


0 Bd.  VII,  S.  117. 


42 


In  den  Beziehungen  zur  geographischen  Verbreitung  hat  Linne  der 
Klimatologie  grofse  Beachtung  geschenkt  und  thermometrische  Beobach- 
tungen viel  angestellt,  schon  seit  seiner  lappländischen  Expedition.  Von 
grofsem  Interesse  ist  der  von  Wittmack  (Lit.  II.  13.)  kürzlich  gegebene 
Hinweis,  dafs  die  Celsius’  Namen  tragende  100-teilige  Thermometerskala 
in  ihrer  seit  damals  gebräuchlichen  Bezifferung,  Null  am  Gefrierpunkte, 
100°  am  Siedepunkte,  von  Linne  herrührt,  da  die  ursprüngliche  Bezeich- 
nung den  Nullpunkt  am  Siedepunkte  gehabt  hat  und  die  Frostgrade  nach 
unten  hin  von  101°  an  fortlaufend  zählte.  Der  klimatisch -pflanzengeo- 
graphische Wert  des  Gefrierpunktes  des  Wassers  ist  dadurch  zu  seinem 
Rechte  gekommen. 

Diese  Dinge  aus  Linnes  akademischer  Lehrtätigkeit  und  wissenschaft- 
licher Glanzzeit  behalten  ein  dauerndes  Interesse,  neben  dem  sich  nur 
noch  einiges  von  Aufserlichkeiten  beifügen  läfst.  Ein  Gelehrter  wie  er, 
dem  die  Schüler  aus  allen  Kulturländern  zuströmten,  mufste  auch  schon 
bei  Lebzeiten  aller  Ehren  teilhaftig  werden,  welche  die  Wissenschaft  ver- 
leiht, und  er  ist  es  geworden.  Schon  in  den  Jahren  1746  und  1747  wurden 
ihm  zu  Ehren  zwei  Denkmünzen  geschlagen;  die  zweite  zeigt  auf  der  Vorder- 
seite sein  Bildnis,  auf  dem  Revers  das  einfache,  vielsagende  Wort ,, Illustrat“. 
Viele  Gesellschaften  und  Akademien  erwählten  ihn  zu  ihrem  Mitgliede. 
Von  allen  Gelehrten  zuerst  erhielt  Linne  den  neu  gegründeten  Nordstern- 
Orden  und  wurde  im  Jahre  1756  in  den  Adelsstand  erhoben.  Von  da  an 
erst  stammt  seine  Bezeichnung  als  Ritter  C.  v.  Linne,  während  er  selbst 
in  Briefen  und  Werken  immer  seinen  ursprünglichen  Familiennamen 
C.  Linnäus  beibehalten  hat. 

Damals  stieg  auch  seine  Wohlhabenheit  von  Jahr  zu  Jahr,  sowohl  durch 
Gehalt  als  durch  Honorare  und  Schenkungen.  In  seinen  späteren  Jahren 
kaufte  er  sich  das  Gut  Hammarby,  eine  Meile  von  Upsala  gelegen,  und 
benutzte  dies  als  Sommeraufenthalt,  hatte  sich  dort  auch  ein  eigenes 
Auditorium,  fast  eine  kleine  Akademie  eingerichtet,  da  die  Zuhörer  ihm 
dorthin  folgten.  Dies  Landgut  war  der  Witwensitz  seiner  ihn  überlebenden 
Gemahlin  mit  ihren  zwei  unverheirateten  Töchtern;  eine  dritte  Tochter 
war  sehr  glänzend  verheiratet  und  sein  einziger  Sohn,  Linne  filius,  folgte 
ihm  später  im  Amte. 

Eine  lange  glückliche  Reihe  von  Jahren  hindurch  erfreute  sich  Linne 
seiner  so  erfreulichen  Lage  bis  zum  hohen  Alter,  und  nur  Krankheitsfälle, 
die  seine  letzten  Jahre  trübten  und  seinen  regen  Geist  umnachteten,  warfen 
einen  Schatten  von  Trauer  über  ihn  hin.  Nachdem  er  noch  im  Jahre  1772 
zum  dritten  Male  Rektor  der  Universität  gewesen  war  und  sein  Amt  mit 
der  berühmten  Rede  über  die  Schönheiten  der  Natur*)  niedergelegt  hatte, 
traf  ihn  1774  bei  den  Vorlesungen  im  botanischen  Garten  zum  ersten  Male 
ein  Schlaganfall,  dem  zwei  Jahre  darauf  ein  zweiter  folgte.  Seine  Gesund- 
heit war  zerrüttet  und  mit  lakonischem  Humor  schreibt  er  in  sein  Tage- 
buch: „Linne  hinkt,  kann  kaum  gehen,  spricht  undeutlich  und  kann  kaum 
schreiben.“ 

Nur  zuweilen  noch  trat  seine  Entschiedenheit  und  seine  Geisteskraft 
glänzend  hervor,  aber  wer  ihn  früher  im  vollen  Besitz  seiner  Körper-  und 
Geisteskräfte  gekannt  hatte,  der  durfte  nicht  klagen,  als  ihn  am  10.  Januar 
des  Jahres  1778  ein  sanfter  Tod  erlöste.  — Wahrhaft  empfundene  Trauer 


*)  14.  Dezember  1772:  DeliciaeNaturae.  — Amoenitates  academ.  Bd.X,  No  VIII,  S.  66. 


43 


sprach  sich  am  Sarge  dieses  grofsen  Mannes  aus,  dessen  Leben  bestimmt 
war  durch  die  Vereinigung  von  drei  Triebfedern:  Liebe  zur  Wissenschaft, 
zum  Ruhm  und  zur  Frömmigkeit.  Von  der  ersten  geben  seine  Werke 
Zeugnis,  von  den  beiden  letzteren  sein  Wahlspruch:  „Famam  extendere 
factis“  und  die  schönere  Richtschnur  seines  Lebens  „lnnocue  vivito! 
Numen  adest“.  Dieser  Spruch  stand  sogar  als  Mahnung  für  seine  Zu- 
hörer über  dem  Auditorium  geschrieben. 

Sein  feuriger  Geist  hat  ihm  einen  lange  nachhallenden  Ruhm  ver- 
schafft und  wohl  keines  Naturforschers  Andenken  ist  mit  so  grofser  Liebe 
in  allen  Wissenschaft  treibenden  Ländern  an  den  Gedenktagen  seiner  Ge- 
burt und  seines  Todes  gefeiert.  Mehrere  nach  seinem  Tode  entstandene 
Gesellschaften  haben  sich  nach  ihm  benannt;  Zeitschriften  führen  seinen 
Namen;  alljährlich  sind  Linnäusfeste  an  seinem  Geburtstage  abgehalten, 
z.  B.  durch  Martius  in  München.  Auch  seine  Sammlungen,  welche  Smith 
im  Jahre  1783  für  die  Linnean  Society  erwarb  und  auf  einem  Schiffe 
nach  London  entführte,  sind  fortdauernd  der  Gegenstand  teils  nüchterner 
Vergleichsarbeit,  teils  pietätvollen  Andenkens  geblieben. 

So  hat  die  dankbare  Nachwelt  in  weiten,  und  nicht  nur  botanischen, 
Kreisen  den  grofsen  Reformator  geehrt  und  wird  ihn  ferner  ehren.  So 
lange  historische  Gerechtigkeit  mit  Erwägung  der  wissenschaftlichen  An- 
schauungen, unter  denen  Linne  grofs  wurde  und  die  auch  ihn  in  Fesseln 
hielten,  über  ihn  und  seine  Verdienste  urteilt,  so  lange  wird  Linnes  Leben 
und  Streben  als  nachahmungswürdiges  Beispiel  für  mustergiltig  durch- 
geführte und  vom  schönsten  Erfolge  gekrönte  Arbeiten  gelten  können. 
Und  fort  und  fort  wird  sein  Name  in  der  Geschichte  der  Wissenschaft 
als  der  eines  unerschütterlich  und  begeistert  seinem  hohen  Ziele  zustreben- 
den Naturforschers  glänzen  — und  solange  zwischen  ihren  moosigen 
Steinen  alljährlich  neu  sich  verjüngend  die  Linnaea  ihre  zarten  Glocken 
entfaltet,  so  lange  wird  man  bei  ihrem  lieblichen  Anblick  mit  stiller  Ehr- 
furcht des  grofsen  Namens  gedenken,  den  sie  in  ferne  Zeiten  hinüberträgt. 


1.  Anhang:  Literatur  zur  Lebensskizze*). 

I.  Eigene  Aufzeichnungen  Linnes. 

(1) .  Judicium  de  C.  Linnaei  Scriptis,  anonym  i.  J.  1741  in  Upsala  erschienen;  wieder 

abgedruckt  von  Stöver  1792,  s.  Abtlg.  II.  Nach  W.  Junk  (1907,  S.  16)  eine  der 
seltensten  Schriften,  in  welcher  Linne  sich  gegen  seine  Gegner  verteidigte. 
Auch  von  dieser  ist  1907  ein  Neudruck  (Preis  10  Mk.)  veranstaltet. 

(2) .  D.  H.  Stöver:  Collectio  epistolarum  quas  ad  viros  ill.  et  dar.  scripsit.  Accedunt 

opuscula  pro  et  contra  eum  scripta.  Hamburg  1792. 

(3) .  H.  C.  van  Hall:  Epistolae  ineditae.  Groningen  1830. 

(4) .  Caroli  Linnaei  epistolae  ad  Nie.  Jos.  Jacquin.  Ed.  C.  N.  J.  eques  a Schreibers, 

notas  adj.  St.  Endlicher.  Vind.  1841. 

(5) .  Egenhändiga  anteckningar  of  CarlLinnaeus  om  sig  sielf  med  anmärk- 

ningar  och  tillägg.  Stockholm  1823.  Utgifna  of  Adam  Afzelius. 

(„)  Linnes  eigenhändige  Anzeichnungen  über  sich  selbst,  mit  Anmerkungen  und  Zu- 
sätzen von  Afzelius.  Aus  dem  Schwed.  übersetzt  von  Karl  Lappe.  Berlin  1826. 

(6) .  A Selection  of  the  correspondence  of  Linnaeus  by  Sir  F.  E.  Smith,  2 vol.  London  1821. 

(7) .  Carl  von  Linnes  Svenska  Arbeten.  I urval  och  med  nota  utgifna  of  Ewald  Ahr- 

ling.  Stockholm  1879. 


*)  Einen  sehr  ausführlichen,  mit  dem  Bildnis  Linnes  geschmückten  Katalog  seiner 
ganzen  Werke  „Carl  von  Linne  in  Memoriam“  veröffentlichte  die  Buchhandlung  Björck 
& Börjesson  in  Stockholm  unter  Nr.  60,  Botanik  1907. 


44 


II.  Biographische  Bearbeitungen  und  Lebensschilderungen. 

(1) .  A g a r d h : Antiquitates  Linnaeanae ; Lund  1826  (Fol.)  [Programma  ad  inaugurationem 

philosophiae  doctorum]. 

(2) .  Richard  Pulteney:  A general  view  of  the  writings  of  Linnaeus.  24.  edition  by 

W.  Gr.  Maton,  with  the  Diary  of  Linnaeus.  London  1805. 

(3) .  D.  H.  Stöver:  Lehen  des  Ritters  Carl  von  Linne.  2 Bde.  Hamburg  1792. 

(4) .  Gedächtnisrede  auf  . . . Carl  v.  Linne,  vor  der  Kgl.  Akad.  d.  Wiss.  am  5.  Dez.  1778 

gehalten  vom  Hn.  Arch.  und  Ritter  A,  Bäck.  — Aus  dem  Schwed.  übers. 
Stockholm  und  Upsala  1779. 

(5) .  Gedächtnisrede  bei  der  am  24.  Juni  1835  im  Bot.  Gart,  zu  Regensburg  begangenen 

lOOjähr.  Jubelfeier  der  Doktorpromotion  K.  v.  Linne’s,  gehalten  von  Dr.  A. 
E.  Für nr ohr.  [Flora  1835,  Nr.  27,  S.  417.] 

(6) .  Reden,  gehalten  zur  Feier  des  Linnäusfestes  von  Martius.  [Reden  und  Vorträge 

aus  dem  Gebiete  der  Naturforschung.  Stuttg.  u.  Tüb.  1838.  S.  1,  23,  35,  42,  67.] 

(7) .  A.  L.  A.  Fee:  Vie  de  Linne,  redigee  sur  les  documens  autographes  laisses  par  ce 

grand  homme.  [Memoires  de  la  societe  royale  des  Sciences  de  l’agriculture  et 
des  arts  de  Lille,  1832,  I.  partie.] 

(8) .  Johannes  Gistel:  Carolus  Linnaeus,  ein  Lebensbild.  Frankfurt  a.  M.  1873. 

(9) .  Rede  ter  herdenking  van  den  sterfdag  van  Carolus  Linnaeus,  eene  eeuw  na  diens 

verscheiden,  in  felix  meritis,  op  den  lOden  januari  1878  nitgesproken  door  Oude- 
mans.  Amsterdam  1878.  Daran  angebunden:  Linnaeana  in  Nederland 
aanwezig.  (Die  gesammte  Linne  - Literatur !) 

(10) .  Biographie  von  . . .,  v.  Th.  M.  Fries.  Stockholm,  Fahlcrantz  1903. 

(11) .  Jung,  W. : C.  v.  L.  u.  seine  Bedeutung  für  die  Bibliographie.  Festschr.  u.  2 Porträts. 

Berlin  1907  (W.  Junk,  Kurfürstendamm  *). 

(12) .  Linne-Feier  am  24.  Mai  1907  in  Wien  (R.  v.  Wettstein);  Verhandlungen  der  K.  K. 

zoologisch -botanischen  Gesellschaft  in  Wien,  LVII,  1907,  S.  139—152. 

(13) .  Die  Linne  - Feier  in  der  Gesellschaft  naturforschender  Freunde  zu  Berlin  (L.  Witt- 

mack); Sitzungsberichte  der  Ges.  nat.  Fr.  1907,  Nr.  5,  S.  119— 156. 

(14) .  Ove-Dahl,  Carl  von  Linnes  Forbindelse  med  Norge.  Trondhjem  1907.  41  S.  in 

4°  mit  einem  „Collegium  botanicum  Linnaeanum  Upsaliae  ao  1766“  von  71  S. 
in  4°. 


2.  Anhang:  Die  Hauptperioden  in  Linnes  Lebensgang. 

1707 — 1717  Aufenthalt  im  Pfarrhause. 

1717—1727  Schulzeit  in  Wexiö  und  Gymnasium. 

1727 — 1730  Studium  der  Medizin  in  Lund  und  Upsala. 

1731—1738  Jugendreisen,  Expeditionen  und  Aufenthalt  im  Auslande  mit  beginnender 
wissenschaftlicher  Berühmtheit. 

1738 — 1741  Arzt  und  „Botanicus  regius“  in  Stockholm;  Heirat. 

1741—1774  Akademische  Glanzzeit  und  Professur  in  Upsala. 

1774 — 1778  (10.  Januar)  Altersschwäche  und  Tod. 


*)  Diese  Festschrift  ist  eine  höchst  verdienstvolle  bibliographische  Arbeit , in 
welcher  die  Nachweise  über  die  literarischen  Veröffentlichungen  Linnes  und  seiner  Zeit- 
genossen chronologisch  an  dem  Leitfaden  seiner  Biographie  angereiht  sich  finden.  — 
Diese  wie  alle  wichtigen  Originalwerke  Linnes  finden  sich  in  der  Bibliothek  des 
Botan.  Instituts,  Techn.  Hochschule,  zur  Einsicht  unserer  Mitglieder. 


YII.  Hauptversammlungen  S.  13.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  16.  — 
Eassenabschlufs  für  1906  S.  14,  15  und  17.  — Voranschlag  für  1907  S.  14.  — Geschenke 
für  die  Bibliothek  S.  6 und  9.  — 79.  Versammlung  Deutscher  Naturforscher  und  Ärzte 
in  Dresden  S.  14.  — Drude,  0.:  Linnes  Leben  und  Wirken  S.  15. — Engelhardt,  H.: 
Photographie  eines  Tagebaus  von  Senftenberg  S.  15;  über  Musophyllum  Kinkelini 
S.  16.  — Helm,  Gr.:  Die  .neueren  Ansichten  über  das  Wesen  der  Natur erkenntnis 
S.13.  — Kalkowsky,  E.:  Über  Weltsprache  und  gegen  Esperanto  S.15.  — Nessig,  R., 
Thallwitz,  J.  und  Wagner,  P.:  Reform  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts 
an  den  Mittelschulen  S.  14  und  15  (vergl.  auch  S.  4).  — Schlaginhaufen,  0.:  Die 
körperlichen  Merkmale  des  altdiluvialen  Menschen  S.  15.  — Schreiber,  P.:  Der 
Wärmehaushalt  an  der  Erdoberfläche  S.  16.  — Wawrziniok,  0.:  Die  Metallmikro- 
skopie upd  metallographische  Untersuchungsmethoden  S.  14. 


B.  Abhandlungen. 

Drude,  0.:  Carl.  v.  Linne,  sein  Leben  und  Wirken.  S.  26. 

Hentschel,  W.:  Ozeanien,  die  Heimat  des  Neolithikers.  S.  3. 

Rebenstorff,  H.:  Neue  Apparate  zur  Bestimmung  von  spezifischen  Gewichten.  Mit 
3 Abbildungen.  S.  8. 

Toepler,  M.:  Gleitfunken  auf  Glasröhren.  Mit  2 Abbildungen.  S.  18. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonderabzüge  unentgeltlich,  eine  gröfsere  Anzahl  gegen  Er- 
stattung der  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1907. 

September.  26.  Hauptversammlung. 

Oktober.  3.  Zoologie.  10.  Mathematik.  17.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  24.  Haupt- 
versammlung. 

November.  7.  Botanik.  14.  Mineralogie  und  Geologie.  21.  Prähistorische  Forschungen 
28.  Hauptversammlung. 

Dezember.  5.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  12.  Zoologie  und  Botanik.  — Mathematik 
19.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdachsche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8..  . . . . . 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntnis  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  ...  6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  . . . 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  . . . . . . . . . . . . 1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  der  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-Dezember  .....  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  der  Jahrgang.  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869.  Januar -September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Dezember 31.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-Dezember  ......  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  der  Jahrgang  . . . 4M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni 2 1.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880/  Juli-Dezember  . . . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1881.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1887  bis  1906,  der  Jahrgang 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgangl886.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1907.  Januar- Juni  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  .Rabatt  von  25  Proz.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  Sitzungsberichte 
werden  von  dem  ersten  Sekretär  der  . Gesellschaft,  d.  Z.  Hofrat 
Prof.  Dr.  Deichmiiller,  Dresden -A.,  Zwingergebäude,  K.  Mineral. - 
geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmäfsige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittiert  wird. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


der 


TI 


□ 


ichti 


li 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktions komitee. 


Jahrgang  1907. 

Juli  bis  33  © z;  e m b e i*. 


Dresden. 

In  Kommission  der  K.  Bachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1908. 


□ 

— 

r 

i'r 


Redaktionskomitee  für  1907. 

Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Mitglieder:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi,  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner,  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  D ei  chm  ü Iler,  Prof.  Dr.  M.  Toepler  und  Staatsrat 

Prof.  M.  Grübler. 

Verantwortlicher  Redakteur:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller.# 


‘ Sitzungskalender  für  1908. 

Januar.  9.  Botanik.  16.  Mathematik.  23.  Mineralogie  und  Geologie.  30.  Haupt- 
versammlung. 

Februar.  6.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  13.  Prähistorische  Forschungen.  20.  Zoo- 
logie. 27.  - Hauptversammlung. . 

März.  5.  Botanik.  12.  Mathematik.  19.  Mineralogie  und  Geologie.  26.  Haupt- 
versammlung. 

April.  2.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  9.  Prähistorische  Forschungen.  23.  Zoo- 
logie und  Botanik.  30.  Hauptversammlung. 

Mai.  7.  Botanik.  14.  Mineralogie  und  Geologie.  — Mathematik.  21.  Hauptversammlung 
oder  28.  Exkursion. 

Juni.  4.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  18.  Prähistorische  Forschungen.  25.  Haupt- 
versammlung. 

September.  24.  Hauptversammlung. 

Oktober.  1.  Zoologie.  8.  Botanik,  — Mathematik.  15.  Mineralogie  und  Geologie. 
22.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  29.  Hauptversammlung. 

November.  5.  Prähistorische  Forschungen.  12.  Zoologie.  19.  Botanik  und  Zoologie. 
26.  Hauptversammlung. 

Dezember.  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10.  Mathematik.  17.  Hauptversammlung. 


Abhandlungen 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1907. 


Y.  Der  Koruiidgranulit  von  Waldheim  in  Sachsen. 

Von  Professor  Dr.  Ernst  Kalkowsky. 


I.  Korund  und  Prismatin. 

In  seinem  Mineralogischen  Lexikon  für  das  Königreich  Sachsen, 
Leipzig  1874,  schreibt  August  Frenzei  S.  177  unter  Nr.  140  Korund: 
„als  Einsprengling  in  Magneteisenerz  — mit  rotem  Strichpulver  — im 
Mittelberg  bei  Waldheim“.  Zu  der  Zeit,  als  Ernst  Dathe  im  sächsischen 
Granulitgebiet  kartierte,  fehlte  dort  ein  natürlicher  oder  künstlicher  Auf- 
schlufs;  er  gibt  in  den  Erläuterungen  zur  Geologischen  Spezialkarte  des 
Königreichs  Sachsen,  Sektion  Waldheim,  1879,  S.  14  an,  dafs  in  dem 
Gesteine,  zum  grobkörnigen,  eklogitartigen  Diallaggranulit  gehörend,  „das 
in  Bruchstücken  auf  dem  Mittelberge  bei  Wald  heim  zerstreut  liegt,  auch 
Korund  in  kleinen  Kriställchen  vorgekommen“  sei  „nach  Stelzner  (Sitzungs- 
ber.  d.  Isis  1870,  12)“.  An  dieser  Stelle  berichtet  aber  Stelzner  über  den 
Korund  im  Seufzergründel  bei  Hinterhermsdorf,  ohne  den  Korund  von 
Waldheim  überhaupt  zu  erwähnen.  Gegenwärtig  ist  das  sonderbare  zu 
den  Pyroxengranuliten  in  Beziehung  stehende  Gestein  im  Anschnitt  des 
Mittelberges  durch  die  Güterbahnhofstrafse  gut  aufgeschlossen,  auf  der 
Höhe  aber  liegen  Bretter  einer  Fabrik  aufgestapelt,  und  ich  habe  hier 
Korund  nicht  gefunden,  wohl  aber  in  dem  benachbarten  Gestein,  das 
Prismatin  enthält. 

Der  Name  Mittelberg  ist  auf  der  zweiten  Auflage  der  Sektion  Waldheim 
wohl  wegen  Raummangel  weggefallen.  Nördlich  von  ihm  erhebt  sich 
orographisch  selbständig  und  auch  durch  eine  in  einer  Einsattelung  ver- 
laufende Strafse  getrennt  ein  namenloser  Hügel,  östlich  von  der  Bahn 
und  am  nördlichen  Ende  des  Bahnhofes;  er  ist  von  der  Fortsetzung  der 
Güterbahnhofstrafse  angeschnitten  und  enthält  das  Prismatin  führende 
Gestein.  Letzteres  ist  in  den  siebziger  Jahren  wohl  überhaupt  nicht  zu 
Tage  ausgegangen,  und  Dathe  hatte  dort  auf  der  Karte  den  Granulit  als 
zum  Gebiete  des  Andalusitgranulites  gehörig  bezeichnet.  Auch  die  zweite 
Auflage  der  Sektion  Waldheim  vom  Jahre  1900  spricht  noch  von  Andalusit- 
granulit.  Es  gibt  jedoch  im  sächsischen  Granulitgebiet  überhaupt  keinen 
Andalusitgranulit,  sondern  nur  Sillimanitgranulit;  es  ist  wohl  nicht  zu 
vermeiden  gewesen,  dafs  die  diesbezügliche  Angabe  in  meinen  Elementen 
der  Lithologie,  1886,  S.  183  nicht  beachtet  worden  ist,  denn  in  einem 
für  Studierende  bestimmten  Lehrbuche  pflegt  niemand  neue  Angaben  zu 
suchen.  Im  Gebiet  also  des  Sillimanitgranulites,  wie  Sauer  richtig  angibt, 
fand  dieser  den  Prismatin  als  ein  neues  Mineral.  Er  berichtete  darüber 


48 


in  der  Zeitschrift  der  Deutschen  Geologischen  Gesellschaft  1886,  Bd.  38, 
S.  704:  in  einem  Gestein,  einer  in  jeder  Hinsicht  eigenartigen  Mineral- 
kombination, das  vollkommen  quarzfrei  der  Hauptsache  nach  aus  mittel- 
körniger albitischer  Feldspatmasse  bestünde,  fänden  sich  als  weitere 
Bestandteile  spärlich  bis  sehr  häufig  Prismatin  mit  seinem  Umwandlungs- 
produkt Kryptotil,  Granaten  und  Turmälinkörnehen.  In  den  Erläute- 
rungen zur  zweiten  Auflage  der  Sektion  Waldheim,  1900,  S.  5 wird  das 
Gestein  von  E.  Danzig  kurz  als  ein  rein  körniger  Granulit  bezeichnet, 
„der  sich  aufser  durch  seine  haselnufsgrofsen,  randlich  meist  in  Chlorit 
umgewaiidelten  Granaten  vornehmlich  durch  die  reichliche  Führung  von 
Prismatin  auszeichnet“. 

Dieses  Vorkommnis  von  Prismatin,  das  einzige  auf  der  Erde,  galt 
merkwürdigerweise  in  weiteren  Kreisen  als  nicht  mehr  zugänglich  oder 
gar  als  erschöpft.  Es  steht  aber  immer  noch  völlig  aufgeschlossen  und 
an  einer  öffentlichen,  wenn  auch  auf  fiskalischem  Grunde  befindlichen 
Strafse  leicht  zugänglich  an.  Ich  habe  die  Stelle  in  diesem  Herbste 
dreimal  besucht  und  das  Profil  und  die  Gesteine  zum  Teil  mit  Assistent 
und  Gehilfen  und  auch  mit  Gebrauch  einer  Leiter  möglichst  eingehend 
durchforscht.  Die  Mineralienniederlage  der  Königlichen  Bergakademie 
in  Freiberg  i.  S.  hat  dabei  auch  reichliches  Material  sammeln  lassen. 
Herr  Dr.  Uhlig  in  Dresden  ist  mit  einer  erneuten  näheren  Untersuchung 
des  Prismatins,  seiner  von  mir  gefundenen  Endflächen  und  seiner  chemischen 
Zusammensetzung  beschäftigt.  Ich  beschränke  mich  in  dieser  Abhandlung 
auf  die  geologischen  und  petrographischen  Verhältnisse  des  Gesteins,  das 
sich  als  Ko  rund  granulit  erwiesen  hat.  Das  räumlich  beschränkte,  aber 
hochinteressante  Gestein  würde  vielleicht  Prismatingranulit  genannt  werden 
können,  wenn  nicht  Korund  einerseits  sein  bedeutsamster,  andererseits  sein 
wesentlicher  Gemengteil  wäre:  nur  eine  Abart  wird  wohl  besser  als  Korund 
führender  Prismatingranulit  weiter  unten  erwähnt  werden.  Der  Korund  ist 
in  dem  Gestein  in  lichtvioletten  bis  rötlichen  Täfelchen  oder  in  kleinen 
lichtbläulich- grauen  Haufwerken  schon  mit  blofsem  Auge  zu  sehen;  seine 
Menge  beträgt  bis  3 v.  H.  des  Gesteins,  und  er  ist  stets  vorhanden  und 
gleichmäfsig  verbreitet,  was  von  dem  Prismatin  nicht  in  dem  gleichen 
Mafse  gilt.  Das  Gestein  selbst  ist  und  bleibt  ein  Granulit,  solange  man 
diese  Bezeichnung  als  einen  geologischen  Begriff  benutzt  und  benutzen 
mufs.  Analog  dem  Namen  Hercynitgranulit,  der  ohne  mein  Zutun  in  Auf- 
nahme gekommen  ist,  obwohl  der  Hercynit  immer  quantitativ  in  nur  sehl- 
geringer  Menge  vorhanden  ist,  soll  hier  sogleich  die  Bezeichnung  des 
Gesteins  als  Korundgranulit  eingeführt  werden. 

Der  Korundgranulit  ist  ein  alumokrates  Gestein,  dessen  vorwaltender 
Gemengteil  Plagioklas  ist;  seine  Gemengteile  werden  am  besten  unter 
folgenden  fünf  Kategorien  aufgeführt: 

A.  Vorläufer:  1.  Zirkon;  2.  Rutil. 

B.  Aluminium  reiche  Gemengteile:  3.  Andalusit;  4.  Disthen ; 

5.  Sillimanit;  6.  Korund. 

C.  Farbige,  schwere,  magn esiumhaltige  Gemengteile: 

7.  Prismatin;  8.  Dumortierit  (?);  9.  Granat;  10.  Turmalin; 

11.  Biotit. 

D.  Helle,  leichte  Gemengteile:  12.  Muscovit;  13.  Plagioklas; 

14.  Orthoklas;  15.  Quarz;  (16.  Apatit). 

E.  Sekundäre  Ge  meng  teile. 


49 


II.  Lagerung  des  Korundgranulites. 

Der  Korundgranulit  ist  dem  System  der  Granulit-Abarten  konkordant 
in  Form  einer  Linse  eingelagert.  Diese  Lagerungsform  ist  hier  mit  dem- 
selben Rechte  anzugeben,  wie  sonst  für  besonders  ausgezeichnete  Gesteine 
im  Bereiche  des  sächsischen  Granulitgebietes.  Im  Liegenden  des  Korund- 
granulites  treten  Biotitgranulite  und  gemeine,  meist  ,,rein  körnige“  Gra- 
nulite  auf.  Das  unmittelbare  Liegende  bildet  ein  quarzreicher  Granulit 
mit  Sillimanit  und  ein  wenig  Hercynit  und  mit  Granat;  er  weist  ungleich- 
mäfsige  Mörtelstruktur  auf.  Halbwegs  zwischen  der  liegenden  Grenze  des 
Korundgranulites  und  der  auf  der  Karte  eingezeichneten  Barytader  wurden 
zwei  an  Biotit  sehr  reiche,  nur  etwa  1 cm  mächtige  schiefrige  Lagen  ge- 
sammelt, die  keine  Spur  von  Mörtelstruktur  aufweisen  und  bei  Armut  an 
Quarz  neben  Feldspäten,  darunter  Mikroperthit,  grofse  Mengen  von  Silli- 
manitbüscheln  von  genau  der  Beschaffenheit,  wie  sie  aus  dem  Korund- 
granulit beschrieben  werden  sollen,  enthalten;  Rutil,  Disthen  und  Zirkon, 
der  auch  aus  diesen  Lagen  isoliert  und  genauer  studiert  werden  konnte, 
sind  weiter  erwähnenswert. 

Das  unmittelbare  Hangende  des  Korundgranulites  bildet  in  einer 
Mächtigkeit  von  60 — 100  cm  ein  ganz  ähnliches  schiefriges,  leicht  zu  Grus 
zerfallendes,  ebenfalls  an  Sillimanit  reiches  Gestein  mit  viel  Biotit  und 
ebenfalls  ohne  jede  Spur  von  Mörtelstruktur.  Eingelagert  sind  dieser  Bank 
mehrere  kürzere  oder  längere  Lagen  von  wenigen  Zentimetern  Mächtigkeit 
von  gemeinem,  rötlichem  Sillimanitgranulit  mit  ungleicher  Korngröfse,  also 
mit  einer  Art  von  Mörtelstruktur.  Es  folgen  nach  oben  gemeine  Granu- 
lite,  Biotitgranulite,  Sillimanitgranulite. 

Das  Streichen  der  Granulite  und  also  auch  das  der  Linse  von  Korund- 
granulit ist  N 13°  geogr.  W bei  einem  Einfallen  von  60°  in  0,  soweit 
sich  das  überhaupt  im  Gebiete  der  Granulite  genauer  bestimmen  läfst. 
Da  die  Strafse  und  die  Felswand  noch  mehr  nach  N gewendet  streichen, 
so  ist  die  Linse  auch  nicht  annähernd  quer  durchschnitten;  doch  ge- 
winnt man  von  einem  Punkte  auf  der  Strafse  weiter  nach  N zu  recht  wohl 
den  Anblick  des  Querschnittes.  Im  Profil  an  der  Strafse  wird  die  Linse 
von  oben  her,  wo  sie  sich  nachweislich  am  Gehänge  auskeilt,  nach  unten 
zu  im  Niveau  der  Strafse  sehr  schnell  mächtiger;  in  Wirklichkeit  ist  der 
hier  aufgeschlossene  obere  Teil  der  Linse  schlanker,  die  Sohlfläche  aber 
ist  bauchiger  als  die  Dachfläche,  und  die  wirkliche  Mächtigkeit  der  Linse 
im  Niveau  der  Strafse  dürfte  nur  3 m betragen.  Es  ist  nicht  die  geringste 
Andeutung  vorhanden,  ob  das  aufgeschlossene  Stück  die  Hälfte,  den 
gröfseren  oder  den  kleineren  Teil  der  ganzen  Linse  darstellt. 

Fl^Diese  Linse  von  Korundgranulit  ist,  im  ganzen  betrachtet,  eine  ein- 
heitliche Masse,  die  sich  durch  ihre  Gemengteile  scharf  vom  Liegenden 
und  vom  Hangenden  abhebt.  Innerhalb  der  Linse  sind  mehrfache  An- 
deutungen von  Parallelstruktur  vorhanden,  vor  allem  aber  ein  reicher 
Wechsel  der  Abarten  des  Gesteins.  Ein  beständiges  Schwanken  aller  Ver- 
hältnisse des  Korundgranulites  ist  für  ihn  charakteristisch;  ein  beständiger 
Wechsel  innerhalb  im  ganzen  doch  enger  Grenzen  an  Gemengteilen,  Korn- 
gröfse, Textur,  Ausscheidungen  macht  das  Gestein  zu  einem  wahren  Proteus: 
die  chemische  Zusammensetzung  dessen,  was  hier  als  Korundgranulit  zu- 
sammengefafst  wird,  könnte  auch  durch  ein  Dutzend  Analysen  nicht  genau 
angegeben  werden,  denn  das  Mengenverhältnis  der  Abarten  läfst  sich  nicht 


50 


erkennen.  Ich  wage  es  anzugeben,  clafs  im  liegenden  Teil  der  Linse  der 
Prismatin  am  reichlichsten  vorhanden  ist,  darüber  folgt  ein  an  Biotit  reicher 
Teil,  dann  die  Abart  mit  den  gröfsten  Korunden,  zu  oberst  wohl  wieder  an 
Prismatin  reicheres  Gestein.  Ich  habe  den  Korundgranulit  in  54  Dünn- 
schliffen untersucht,  zu  denen  die  Stücke  von  den  verschiedensten  Teilen 
der  Linse  herstammen,  und  ich  bin  doch  noch  nicht  ganz  sicher,  ob  ich  im 
folgenden  wirklich  eine  erschöpfende  Schilderung  des  Gesteines  geben  kann. 

Trotzdem  die  Linse  bei  dem  Anschnitt  nahezu  im  Streichen  ungefähr 
15  m lang  an  der  Strafse  und  auf  eine  Höhe  bis  zu  8 m über  der  Strafse 
aufgeschlossen  ist,  kann  man  die  Abarten  leider,  wie  übrigens  meist  im 
Granulitgebiet,  doch  nur  erst  bestimmen , wenn  man  das  Gestein  anschlägt, 
denn  alle  reichlich  vorhandenen  Zerklüftungsflächen  sind  durch  Bestege 
verhüllt. 

Aufser  der  steilen  Stellung  der  Linse  und  der  Zerklüftung  sind  weitere 
Störungen  der  Lagerung  kaum  zu  erkennen;  vielleicht  ist  die  Linse  von 
einigen  ganz  unbedeutenden  Verschiebungen  betroffen,  und  wenige  Zenti- 
meter mächtige  Barytadern  durchsetzen  sie  ebenso  wie  ihr  Liegendes  und 
ihr  Hangendes.  Eine  stärkere  Verwitterung  fehlt  dem  ja  erst  künstlich 
aufgeschlossenen  Gestein  völlig. 

III.  Struktur  des  KorundgrauuJites. 

Durch  einander  parallel  gelagerte  Blättchen  von  Biotit  tritt  eine  Paral- 
lelstruktur bald  schwächer,  bald  stärker  entwickelt,  bis  zur  guten  Spalt- 
barkeit des  Gesteins  nur  bei  der  Abart  des  rötlichen,  schiefrigen  Korund- 
granulites,  auf.  Und  wenn  auch  sonst  Biotite  oder  andere  Gemengteile 
einander  parallel  gelagert  sein  können,  so  ist  im  allgemeinen  die  Struktur 
der  meisten  Abarten  doch  fast  richtungslos  zu  nennen.  Auch  eine  Parallel- 
struktur im  grofsen  durch  Wechsellagerung  der  Abarten  oder  nur  durch 
geringe  Unterschiede  in  der  mineralischen  Zusammensetzung  tritt  nicht 
absonderlich  hervor;  gleichwohl  läfst  es  sich  nicht  in  Abrede  stellen,  dafs 
innerhalb  der  ganzen  Linse  durchaus  die  Tendenz  zu  irgendwelcher  Parallel- 
struktur vorhanden  ist. 

Der  Korundgranulit  hat  zuckerkörnige  Struktur;  auch  die  frischesten 
kleinen  Stücke  lassen  sich  zu  Sand  zerdrücken.  Der  Korngröfse  nach  ist 
das  Gestein  im  allgemeinen  als  feinkörnig  bis  kleinmittelkörnig  zu  be- 
zeichnen, indem  die  einzelnen  Körner  von  Plagioklas,  die  hierfür  ausschlag- 
gebend sind,  nur  seltener  über  1 mm  Durchmesser  aufweisen.  Es  fehlt 
dem  Gestein  in  allen  seinen  Abarten  jede  Spur  von  Mörtelstruktur;  es 
fehlen  ihm  Mikroklin,  zerstückelte  Plagioklase,  gebogene  Zwillingslamellen, 
undulöse  Auslöschung,  kurz  alle  Erscheinungen,  die  als  Folgen  einer  mecha- 
nischen Beeinflussung  aufgefafst  zu  werden  pflegen.  Wenn  jedoch  zer- 
brochene Gemengteile,  und  zwar  namentlich  solche  von  prismatischem 
Habitus  Vorkommen,  wie  sich  das  an  Kristallen  von  Prismatin  schon  ma- 
kroskopisch gar  nicht  selten  beobachten  läfst,  so  dürfte  meines  Erachtens 
diese  altbekannte  Erscheinung  nicht  auf  von  aufsen  einwirkende  mecha- 
nische Kräfte  zurückzuführen  sein,  sondern  einzig  und  allein  auf  die  mole- 
kularen Kräfte,  die  beim  Kristallisieren  auftreten:  innere  Arbeit  im  fest- 
werdenden, im  kristallinische  Struktur  gewinnenden  Gestein  ist  es,  die  zur 
Zerteilung  von  Gemengteilen  führen  kann,  die  früher  starr  werden,  die, 
wenn  auch  noch  so  wenig,  älter  sind. 


51 


Und  hier  im  Korund granulit  sind  die  Altersunterschiede  zwischen  den 
verschiedenen  Gemengteilen  äufserst  gering,  wie  weiter  unten  bei  mehreren 
derselben,  insonderheit  beim  Turmalin,  hervorgehoben  werden  wird.  Im 
wesentlichen  sind  vielmehr  alle  Gemengteile  gleich  alt:  sie  kristallisierten 
nicht  nach  einander,  sondern  wesentlich  durch  einander,  nur  hat  eben  in 
bekannter  Weise  ein  Mineral  mehr  Kristallisationstendenz  als  ein  anderes, 
eine  Richtung  an  einem  Kristall  eine  gröfsere  als  eine  andere.  Eine  An- 
ordnung der  Gemengteile  nach  ihrem  Alter  läfst  sich  ungezwungen  nicht 
durchführen,  ebensowenig  eine  Anordnung,  bei  der  man  nach  Beziehungen 
zwischen  spezifischem  Gewicht  und  Alter  sucht.  Zirkon  und  Rutil  können 
nur  mit  einem  Anschein  von  Recht  als  „Vorläufer“  angegeben  werden: 
wie  weit  das  richtig  ist,  wird  sich  im  folgenden  zeigen. 

Die  Gleichmäfsigkeit  des  Gefüges  des  Korundgranulites  in  allen  seinen 
Abarten  wird  unterbrochen  durch  Ausscheidungen  leukokrater  Natur,  die 
einige  Verwandtschaft  mit  pegmatitischen  Massen  in  den  kristallinischen 
Gesteinen  haben.  Ich  habe  die  Vorstellung,  dafs  solche  Ausscheidungen 
entstehen  durch  den  Zusammentritt  von  verwandten  Molekeln,  die  aus 
irgend  einem  Grunde  beweglicher  sind  als  andere.  Vielleicht  kommt 
dabei  die  Beihilfe  der  sogenannten  Mineralisatoren  in  Frage;  es  mag  an 
dieser  Stelle  genügen,  darauf  hinzuweisen,  dafs  Einschlüsse  von  flüssiger 
Kohlensäure  nur  in  Prismatin  und  Turmalin  in  Ausscheidungen  nachge- 
wiesen werden  konnten. 

Die  Ausscheidungen  haben  im  Korundgranulit  immer  nur  geringe 
Gröfse:  die  Mächtigkeit  von  einem  Zentimeter  und  die  Länge  von  einigen 
Dezimetern  wird  nur  selten  überschritten  werden,  während  es  wohl  zu 
beachten  ist,  dafs  solche  Ausscheidungen  auch  nur  als  Hülle  eines  ein- 
zigen kleinen  Prismatinkristalles  auftreten  können.  Bei  stark  entwickelter 
Parallelstruktur  liegen  die  Ausscheidungen  alle  parallel  der  Schieferung, 
konkordant  eingeschaltet.  Durchgreifende  Lagerung,  die  sich  also  dadurch 
zu  erkennen  gibt,  dafs  die  Ausscheidungen  sehr  verschiedene  Stellung  im 
Anstehenden  quer  gegen  die  Mittelebene  der  Linse  haben  können,  kommt 
ganz  sicher  ebenfalls  vor,  aber  doch  nicht  oft.  Die  Ausscheidungen  können 
manchmal  makroskopisch  recht  scharfe  Grenzen  haben,  im  Dünnschliff 
sind  die  Grenzen  immer  verschwommen.  Es  gibt  aber  auch  Partien  im 
Gestein,  und  zwar  sehr  oft,  die  unregelmäfsig  begrenzt  sind  und  gar  keine 
scharfen  Grenzen  haben  und  die  dabei  so  „unrein“  sind,  dafs  man  nicht 
mehr  weifs,  ob  man  sie  als  Ausscheidungen  bezeichnen  soll  oder  nicht. 
Es  finden  sich  auch  alle  Zwischenstufen  zwischen  Hauptgesteinsmasse 
und  Ausscheidung;  es  sind  eben  die  Ausscheidungen  keine  fremden,  von 
aufsen  hinzugekommene  Massen,  sie  sind  nicht  etwa  Injektionen  von 
aufsen  her. 

Die  Korngröfse  der  reineren  Ausscheidungen  übertrifft  vielleicht  stets 
ein  wenig  die  der  Hauptgesteinsmasse,  und  bei  den  Gemengteilen  zeigen 
sich  auch  einige  Unterschiede.  Die  Ausscheidungen  sind  wie  gesagt  leu- 
kokrater Natur;  es  überwiegt  in  ihnen  der  Feldspat,  dem  sich  der  Quarz 
zugesellt;  es  tritt  der  Andalusit  und  der  Muscovit  allein  in  ihnen  auf, 
es  fehlt  ihnen  der  Disthen  und  der  Sillimanit.  Dann  aber  bilden  die 
Ausscheidungen  die  Hauptlagerstätte  des  Prismatins,  der  stets  makrosko- 
pisch auftritt  und  dessen  gröfste  Individuen  nur  in  deutlichen  Ausscheidun- 
gen auftreten.  In  der  Mittelebene  oder  Mittellinie  der  Ausscheidungen  tritt 
der  Prismatin  auf;  die  Stücke  des  Gesteins  zerteilen  sich  öfters  nach 


52 


solchen  Flächen,  die  dann  die  reichlichste  Anhäufung  dieses  Minerals  auf- 
weisen. Wie  aber  durchaus  alle  Verhältnisse  beim  Korundgran ulit  schwanken, 
so  können  solche  Ausscheidungen  auch  ganz  frei  von  Prismatin  sein,  und 
andererseits  kann  er  so  im  Gestein  gleichmäfsig  verteilt  sein,  dafs  es  eine 
höchst  gezwungene  Auffassung  wäre,  wollte  man  dann  den  Prismatin  noch 
mit  den  doch  an  Feldspat  reicheren  Ausscheidungen  in  Beziehung  bringen. 

Was  andere  Gemengteile  betrifft,  so  kommen  sie  sowohl  im  Gesteins- 
gefüge, wie  in  Ausscheidungen  vor.  Zum  Beispiel  der  Biotit,  der  Tur- 
malin, der  Granat.  Der  Korund  ist  überall  im  Gestein  vorhanden,  aber 
die  allergröfsten  Kristalle  treten  doch  erst  in  Ausscheidungen  auf,  während 
die  kleinen  Haufwerke  von  Korundtäfelchen  darin  selten  sind. 

An  diese  leukokraten  Ausscheidungen  schliefst  sich  wohl  an  eine 
quarzhaltige  grobkörnige  Masse  mit  Zerklüftung  in  kleine  Prismen;  sie  ist 
nur  klein  und  ihre  Grenzen  waren  schwer  verfolgbar.  Das  Königliche 
Mineralogisch- Geologische  Museum  in  Dresden  bewahrt  ferner  ein  im  Jahre 
1885  vom  Baurat  Engelhardt  geschenktes  Stück  an  Prismatin  reichen  Granu- 
lites  auf,  dessen  eine  Fläche  mit  einer  etwa  2 mm  dicken  Lage  von  wirr  durch- 
einander liegenden  schwarzen  Turmalinsäulchen  von  winziger  Gröfse  bis 
1 mm  dick  und  40  mm  lang  bedeckt  ist;  in  einer  Ecke  derselben  Fläche 
liegt  ein  grobes  Quarzaggregat  mit  wenig  Turmalin.  Das  ist  offenbar  auch 
ein  Primärtrum  in  dem  Granulitstück,  das  anf  einer  anderen  Seite  auch 
noch  eine  Ausscheidung  mit  grofsen  Muscovitkristallen  aufweist.  Der  sehr 
stark  pleochroitische  Turmalin  ist  verschieden  von  dem  sonst  in  dem 
Gestein  vorkommenden. 

IT.  GemeugteiJe  des  Korundgraimlites. 

A.  Vorläufer. 

Die  beiden  Gemengteile  Zirkon  und  Rutil,  die  das  höchste  spezifische 
Gewicht  haben  und  Elemente  enthalten,  die  in  Silikate  nur  ungern,  so 
möchte  man  sagen,  eintreten,  enthalten  keine  Einschlüsse  der  anderen 
Gemengteile,  kommen  dagegen  ihrerseits  als  Einschlüsse  in  allen  vor,  die 
deren  überhaupt  aufnehmen.  Man  möchte  ihnen  deshalb  ein  höheres 
Alter  zuschreiben.  Rutil  erscheint  eingeschlossen  im  Prismatin,  allein  im 
Dünnschliff  sieht  man  nicht  selten,  dafs  die  Rutile  aufsen  dicht  am  Pris- 
matin liegen,  und  auf  den  Abdruckflächen  aus  dem  Gestein  herausge- 
brochener Prismatine  sieht  man  fast  regelmäfsig  eine  ganze  Menge  grofser 
Rutilkristalle  schon  mit  blofsem  Auge.  Das  erweckt  den  Eindruck,  als 
wären  die  Rutile  von  dem  Prismatin  bei  seiner  Bildung  zur  Seite  ge- 
schoben worden.  Der  Zirkon  ist  zu  spärlich  vorhanden,  um  an  ihm  eine 
ähnliche  Beobachtung  machen  zu  können. 

1.  Zirkon.  Scharf  ausgebildete  Kriställchen,  zum  Teil  sehr  flächen- 
reich, kommen  vor;  sie  wurden  namentlich  in  dem  bei  der  Isolierung  des 
Korundes  zeitweilig  gewonnenen  Kristallsande  gefunden.  Meist  tritt  der 
Zirkon  in  kleinen  Körnern  hinab  bis  zu  winziger  Gröfse  auf,  die  Oltropfen 
ähnlich  glatt  sind,  stellenweise  aber  dabei  doch  Kombinationsstreifung  deut- 
lich beobachten  lassen.  Es  läfst  sich  in  keiner  Weise  die  Ansicht  begrün- 
den, es  hätten  die  Körner  Geröllform.  Die  Zirkone  sind  farblos,  stark  licht- 
brechend, optisch  einaxig;  den  optischen  Charakter  festzustellen  gelang 
an  den  wenigen  dafür  in  Betracht  kommenden  Körnchen  nicht.  Verwachsung 


53 


mit  Rutil  wurde  mehrfach  beobachtet;  winzigste,  opak  erscheinende  rund- 
liche Einschlüsse  sind  selten,  ihre  Natur  mufs  unbestimmt  bleiben. 

2.  Rutil.  Der  Korundgranulit  ist  meinen  Beobachtungen  nach  der- 
jenige Granulit,  der  die  gröfste  Menge  von  Rutil  enthält.  Bis  ein  Milli- 
meter lange  dicke  Säulchen  treten  fast  überall  auf  den  Bruchflächen  des 
Gesteins  durch  ihren  starken  Diamantglanz  in  Menge  lebhaft  hervor, 
unter  dem  Mikroskop  aber  nimmt  ihre  Menge  erstaunlich  zu.  So  wurden 
z.  B.  bei  schwacher  Vergröfserung  im  Gesichtsfelde  auf  einmal  gegen 
50  stärkere  Kriställchen  gezählt.  Und  mit  Erstaunen  sieht  man  bei 
einer  kleinen  Verschiebung  des  Präparates  nur  lange,  dünne  und  aller- 
dünnste  Nadeln  in  Menge  liegen.  Ein  solcher  unaufhörliche]-  Wechsel  in 
der  Gröfse  der  Rutile  ist  überall  in  allen  Präparaten  wahrzunehmen. 
Alle  die  gelben  dünnen  bis  rotbraunen  dicken  Rutile  haben  scharfe  Kristall- 
form, nur  an  den  Enden  tritt  bisweilen  eine  Rundung  auf;  eine  weitere 
auffällige  Ausnahme  wird  beim  Korund  zu  erwähnen  sein.  Knieförmige 
Zwillinge  sind  durchaus  selten.  Wenn  sehr  lange  Nadeln  in  dicht  hinter- 
einander liegende  Stücke  zerteilt  sind,  so  dürfte  hier  in  der  Tat  eine  Zer- 
teilung, eine  Zerstückelung  bei  der  Kristallisation  der  Wirte  vorliegen. 
Ausnahmsweise  wurden  auch  einige  haarfeine  gebogene  Nadeln  gesehen. 

B.  Aluminiumreiche  Gemengteile. 

Der  Korundgranulit  liegt  im  Bereiche  der  Sillimanitgranulite;  Korund 
und  Sillimanit  verleihen  ihm  in  erster  Linie  einen  besonderen  Charakter, 
und  wenn  auch  der  Turmalin  gewifs  zu  den  tonerdereichen  Gemengteilen 
gehört,  so  verweist  ihn  doch  sein  Gehalt  an  Magnesia  in  die  nächste  Gruppe. 

3.  Andalusit.  Nur  ein  einziges  gröfseres  Korn  in  allen  54  Präpa- 
raten konnte  durch  seinen  charakteristischen  Pleochroismus  mit  Sicher- 
heit als  Andalusit  bestimmt  werden.  Es  liegt  vergesellschaftet  mit  Mus- 
covit  und  Quarz,  also  höchst  wahrscheinlich  in  einer  Ausscheidung.  Da- 
gegen wurden  mehrere  grofse  Pseudomorphosen  auch  in  Ausscheidungen 
oder  doch  an  Stellen  mit  besonderer  mineralischer  Zusammensetzung 
gefunden,  die  wenigstens  wahrscheinlich  auf  Andalusit  zurückzuführen 
sind.  Die  auf  den  Gesteinsbruchflächen  zum  Teil  mehr  als  ein  Quadrat- 
zentimeter grofsen  Pseudomorphosen  von  licht  grünlichgrauer  Farbe  sind 
meist  ziemlich  scharf  rechteckig,  namentlich  steht  eine  Fläche  senkrecht 
gegen  eine  schwach  hervortretende  Faserung.  Sie  treten  auf  in  der 
Gesellschaft  von  primären  Museo vitblättern  und  von  Quarz,  bestehen  aus 
einem  Filz  von  glimmerartigen  Schuppen  und  enthalten  bisweilen  Ein- 
schlüsse von  Turmalin  in  gut  geformten  Kriställchen : da  letzterer  niemals 
im  Prismatin  eingeschlossen  vorkommt,  so  liegen  nicht  etwa  Umwand- 
lungsprodukte dieses  Minerals  vor,  mit  dem  auch  die  Form  nicht  stimmt. 
Als  einen  akzessorischen  Gemengteil  in  akzessorischen  Bestandmassen 
könnte  man  den  Andalusit  bezeichnen. 

4.  Disthen.  Allgemein  verbreitet,  aber  nur  in  geringer  Menge  und 
mikroskopisch  klein  erscheint  der  Disthen.  Er  bildet  Körnchen,  die 
wenigstens  teilweise  Kristallumrisse  aufweisen;  vollständig  reine  Substanz, 
schiefe  Auslöschung  gegen  scharfe  Spaltrisse  und  gegen  die  Begrenzungs- 
linien und  seltener  auftretende  Zwillingsbildungen  charakterisieren  ihn 
hier  wie  in  anderen  Granuliten.  Auf  sein  Verhalten  bei  der  Verwachsung 
mit  Turmalin  soll  schon  hier  vorläufig  aufmerksam  gemacht  werden. 


54 


5.  Sillimanit.  Dieser  überall  und  meist  ziemlich  reichlich  vor- 
handene Gemengteil  erscheint  in  dreifacher  formaler  Entwickelung.  Nur 
in  der  rötlichen  schiefrigen  Abart  des  Korundgranulites  gewahrt  man 
vereinzelt  locker  radialstrahlige  Gruppen  von  bis  1 cm  langen  und  bis 
0,5  mm  dicken  wasserklaren,  stark  glänzenden  Prismen,  die  stets  mit  Biotit 
verwachsen  sind.  Ungleich  häufiger  sind  die  beiden  anderen  Erscheinungs- 
weisen, die  auch  in  der  erwähnten  Gesteinsabart  und  sonst  überall  auf- 
treten,  durch  Übergänge  miteinander  verbunden,  aber  doch  einigermafsen 
gesondert  in  den  einzelnen  mikroskopisch  untersuchten  Stücken  Vorkommen. 
Makroskopisch  treten  sie  nicht  hervor,  nur  mit  der  Lupe  kann  man  ihre 
Anwesenheit  öfters  halbwegs  erkennen. 

Die  zweite  Erscheinungsweise  schliefst  sich  an  die  erste  eng  an; 
es  treten  Anhäufungen  von  wasserklaren,  einschlufsfreien  Nadeln  auf,  die 
mehr  oder  minder  parallel  liegen  oder,  öfter,  schwach  divergent  strahlig, 
und  zwar  locker  angeordnet  sind.  Sie  zeigen  die  bei  solchen  Sillimanit- 
nadeln  ganz  gewöhnliche  Zerstückelung  und  die  seitlichen  Einschnitte 
und  Lücken;  in  Granuliten  pflegen  diese  Erscheinungen  besonders  deutlich 
und  klar  entwickelt  aufzutreten. 

Zum  dritten,  und  zwar  besonders  häufig,  bildet  der  Sillimanit  dicht 
geschlossene  schwach  radialstrahlige  Bündel,  knötchenartige  Gebilde  mit 
einem  Durchmesser  bis  über  1 mm;  der  Ausstrahlungspunkt  liegt  meist 
am  Rande.  Die  Interferenzfarben  sind  auch  in  sehr  dünnen  Schliffen 
oft  unregelmäfsig  durcheinander  gemischt,  was  auf  einen  verflochten 
filzigen  Aufbau  hinweist.  Aufserst  charakteristisch  ist  für  sie  das  Ver- 
hältnis, dafs  über  den  Rand  der  Knötchen  einzelne  Kristallspitzen  ein 
wenig  hervorragen  — wie  ausgefranst  sehen  die  Bündel  an  der  dem 
Ausstrahlungspunkt  gegenüberliegenden  Seite  aus.  Einschlüsse  fehlen. 
Querschnitte  der  Bündel,  deren  Individuen  übrigens  gar  nicht  sehr  fein 
sind,  zeigen  die  charakteristische  Spaltbarkeit  des  Sillimanites,  woran  er 
am  leichtesten  mit  Sicherheit  zu  erkennen  ist.  Der  Sillimanit  ist  leicht 
mit  Flufssäure  isolierbar.  Eine  faserkieselartige  Durchwachsung  mit  Quarz 
kommt  gar  nicht  vor.  Die  beiden  letzten  Erscheinungsweisen  finden  sich 
in  allen  Sillimanitgranuliten  Sachsens.  Daran,  dafs  der  Sillimanit  aus 
Biotit  hervorgegangen  sei,  mit  dem  er  bisweilen  verwachsen  vorkommt, 
ist  hier  nicht  zu  denken. 

6.  Korund.  Meines  Wissens  ist  bisher  der  Korund  noch  nicht  als 
ein  gleichmäfsig  verteilter  wesentlicher  Gemengteil  eines  Gesteins,  abgesehen 
natürlich  vom  Schmirgelfels,  in  Europa  bekannt  geworden.  Es  mag  des- 
halb erlaubt  sein,  ihn  etwas  ausführlicher  zu  besprechen. 

Da  Korund  durch  Säuren  und  auch  durch  Flufssäure  nicht  ange- 
griffen wird,  so  schien  es  zunächst  eine  leichte  Aufgabe  zu  sein,  ihn 
aus  dem  Gemenge  von  Silikaten  zu  isolieren.  Bei  der  Behandlung  des 
zerdrückten  Gesteins  mit  Flufssäure,  kalt  oder  warm,  mit  oder  ohne 
Zusatz  von  Schwefel-  oder  Salzsäure,  bleiben  auch  bei  langer  Einwirkung 
leider  auch  Rutil,  Turmalin,  Prismatin,  Sillimanit,  Disthen,  Granat  übrig; 
grofse  Korunde  kann  man  aussuchen,  die  allerwinzigsten  Täfelchen  durch 
Schlämmen,  wenn  auch  nicht  rein,  gewinnen.  Da  nun  angegeben  wird, 
dafs  Korund  auch  durch  Natriumkaliumkarbonat  im  Schmelzflufs  nicht 
angegriffen  wird,  so  schien  der  Weg  zur  Absonderung  des  Korundes  aus 
dem  Rückstände  der  Behandlung  mit  Flufssäure  gegeben.  Rutil  löst  sich 
in  der  Schmelze  bekanntlich  leicht  und  schon  bei  verhältnismäfsig  nie- 


55 


clriger  Temperatur  auf,  aber  die  übrigen  Mineralien  und  vor  allem  der 
Prismatin  bedürfen  zu  ihrer  Auflösung  anhaltender  starker  Hitze  schon 
im  feinstverteilten  Zustande.  Grofse  Prismatinkörner  widerstehen  dem 
Schmelzflufs  stundenlang.  Behandelt  man  nun  jenen  Rückstand  in  dieser 
Weise,  dann  sind  aus  ihm  alle  kleinen  Korunde  verschwunden,  sie  haben 
sich  aufgelöst,  die  gröfsten  sind  abgerundet,  angegriffen.  Ein  direkter 
Versuch  zeigte,  dafs  Korund  sich  langsam  auflöst  in  geschmolzenem 
kohlensauren  Natronkali,  in  dem  zunächst  Quarz  aufgelöst  worden  war; 
dicke  Spaltungsstücke  gehen  aus  dem  Schmelzflufs  nach  einstündiger  Ein- 
wirkung mit  abgerundeten  Kanten  und  Ecken  und  stark  verkleinert  hervor: 
Korund  kann  in  einem  Schmelzflufs  mit  freier  Kieselsäure 
nicht  bestehen  und  noch  viel  weniger  sich  daraus  bilden. 

Bei  der  winzigen  Gröfse  vieler,  ja  der  meisten  Kriställchen  von  Ko- 
rund ist  eine  völlig  exakte  Bestimmung  der  Menge  derselben  im  Gestein 
unmöglich;  chemische  Versuche  und  Ausmessungen  und  Berechnungen  an 
den  Dünnschliffen  machen  es  mir  wahrscheinlich,  dafs  die  Menge  dem 
Gewicht  nach  3 v.  H.  nicht  übersteigt  in  den  an  Korund  reichsten 
Stücken;  in  der  daran  ärmsten  Abart  des  quarzreichen  Granulites  sinkt 
die  Menge  offenbar  auf  vielleicht  0,01  v.  H. 

Dafs  der  Korund  durch  Atmosphärilien  doch  zersetzt  wird,  ist  mehr- 
fach beobachtet  worden;  es  bleiben  auch  hier  trübe,  weifse  Substanzen 
zurück,  doch  kann  auch  ich  etwas  genaueres  nicht  angeben. 

Der  Korund  hat  in  dem  vorliegenden  Gestein  die  hellviolette  Farbe  des 
sogenannten  orientalischen  Amethystes;  die  Farbe  tritt  an  allen  gröfseren 
Individuen  auf  und  auch  an  dem  feinsten  isolierten  Staube  im  Haufen 
unter  Wasser  hervor.  In  auffallendem  Lichte  erscheinen  die  Korunde  oft 
licht  rosa;  überdies  sind  manche  etwas  heller,  andere  etwas  kräftiger  ge- 
färbt, so  dafs  man  im  Dünnschliff  unter  dem  Mikroskop  oft  einen  an  das 
Schokoladenfarbige  grenzenden  Ton  sieht.  Dickere  Kristalle  sind  schwach 
aber  deutlich  pleochroitisch. 

Starke  Lichtbrechung  und  schwache  Doppelbrechung  lassen  den  Korund 
unter  dem  Mikroskop  namentlich  bei  schwacher  Vergröfserung  auf  den 
ersten  Blick  erkennen;  Haufwerke  kleiner  Individuen  aber  erscheinen  im 
durchfallenden  Lichte  durch  Totalreflexion  recht  dunkel,  und  sie  sind  schwer 
analysierbar.  Optische  Einaxigkeit,  negativer  Charakter  und  seltenes  Auf- 
treten optischer  Anomalie  liefsen  sich  an  den  isolierten  Kristallen  leicht 
feststellen. 

In  den  isolierten,  in  Balsam  eingebetteten,  tafelförmigen  und  natürlich 
meist  auf  der  Basis  liegenden  grofsen  bis  kleinsten  Kristallen  gewahrt  man 
nicht  selten  winzigste  farblose,  sehr  stark  doppeltbrechende  Körnchen,  die 
dem  Zirkon  angehören  mögen.  Rutil  erscheint  oft  eingeschlossen  im  Ko- 
rund, merkwürdigerweise  aber  meist  in  abgerundeten,  spindelförmigen 
Körpern,  die  durch  Farbe  und  Liebt-  und  Doppelbrechung  doch  unzweifel- 
haft ihre  Natur  erkennen  lassen.  Da  erhebt  sich  denn  doch  die  Frage, 
ob  der  Rutil  schon  als  fertiggebildeter,  älterer  Gemengteil  bei  der  Kristal- 
lisation des  Korundes  von  diesem  umhüllt  worden  sei,  denn  sonst  hat  er 
ja,  wie  erwähnt,  im  Gestein  scharfe  Kristallform.  Nur  sehr  selten  wurden 
pleochroitische  Körner  augenscheinlich  von  Turmalin  als  Einschlufs  in 
isolierten  gröfseren  Korunden  gesehen;  es  handelt  sich  gewifs  um  Ein- 
schlüsse, nicht  nur  um  angewachsene  Körnchen. 


56 


Ferner  enthält  der  Korund  farblose,  anisotrope,  meist  ovale  Ein- 
schlüsse, die  wohl  dem  Feldspat  angehören:  die  alsbald  zu  besprechenden 
Wachstumserscheinungen  bieten  dieser  Deutung  eine  genügende  Stütze.  In 
den  gi  öfseren  Korundtafeln  sind  diese  Einschlüsse  bisweilen  in  der  Mitte 
besonders  zahlreich.  Flüssigkeitseinschlüsse  konnten  nicht  nachgewiesen 
werden,  winzige  dunkel  erscheinende  Dinge  mögen  vielleicht  Gasporen  sein. 
Aber  auffällig  sind  besonders  farblose,  ovale  Einschlüsse  mit  schmaler 
Umrandung,  die  sich  isotrop  verhalten.  Ich  möchte  sie  doch  für  Einschlüsse 
von  Feldspat  halten,  denen  sie  der  Form  und  Gröfse  nach  ähneln;  sie 
sind  vielleicht  so  dünn,  dafs  sie  auf  das  polarisierte  Licht  nicht  mehr 
merklich  einwirken. 

Der  Korund  tritt  in  zwei  Erscheinungsweisen  auf,  in  einzelnen,  meist 
gröfseren  Kristallen  und  in  Haufwerken  aus  sehr  kleinen.  Übergänge  sind 
vorhanden,  aber  verhältnismäfsig  selten.  Was  zunächst  die  Einzelkristalle 
an  betrifft,  so  sind  sie  stets  tafelförmig  durch  Yorwalten  der  Basis,  die 
von  Rhomboederflächen  begrenzt  wird.  Der  gröfste  Kristall,  der  gefunden 
wurde,  hat  die  Mafse  10:5:  0,5  mm;  kleinere  von  2 — 4 mm  Durchmesser 
sind  häufig  in  der  Abart  des  roten  schiefrigen  Korundgranulites.  Auch 
noch  kleinere  und  kleinste  Einzelkristalle  kommen  reichlich  vor.  Die 
Tafeln  sind  oft  scharfe  Kristalle,  bisweilen  aber  auch,  wenigstens  scheinbar, 
durch  Wachstumsverhältnisse  abgerundet.  Auf  der  Basis  nicht  nur  der 
gröfseren  sondern  selbst  kleinster  Tafeln  sieht  man  meist  die  charak- 
teristischen dreieckigen  Fortwachsungen,  und  es  ist  vielleicht  zu  beachten, 
dafs  die  beiden  Basisflächen  sich  gerade  so,  wie  dies  von  grofsen  säulen- 
förmigen Korundkristallen  bekannt  ist,  hierbei  verschieden  verhalten  können; 
eine  Basis  kann  kräftige,  sich  stufenförmig  wiederholende  Fortwachsungen 
aufweisen,  die  der  Gegenfläche  vielleicht  ganz  fehlen. 

Oft  sind  nun  in  die  Tafeln  von  aufsen  her  Feldspatkörner  mit  rund- 
lichem Umrifs  eingewachsen,  sie  können  selbst  tief  in  die  Körner  Vor- 
dringen; in  den  mit  Flufssäure  behandelten  Korunden  sieht  man  dann 
rundliche,  lappige  Einbuchtungen  und  Löcher  mitten  in  den  Tafeln.  Ich 
möchte  darauf  aufmerksam  machen,  dafs  solche  in  Balsam  eingebettete 
Korunde  in  den  Einbuchtungen  Luftbläschen  festhalten  können,  die 
dann  Flüssigkeitseinschlüsse  Vortäuschen.  Andererseits  ist  offenbar  ein 
Zusammenhang  vorhanden  zwischen  dem  Eindringen  der  Feld  späte  mit 
rundlichen  Umrissen  und  der  Form  der  Einschlüsse  von  Feldspat. 

Die  Fortwachsungsstreifung  auf  der  Basis  ist  natürlich  nicht  mit 
Zwillingsbildung  verbunden;  Zwillingslamellen  wurden  durchaus  niemals 
beobachtet.  Doch  spaltet  der  Korund  sehr  leicht  nach  Rhomboederflächen, 
die  Tafeln  sind  sogar  sehr  spröde,  sie  zerbrechen  leicht,  und  es  ist  fast 
unmöglich,  gröfsere  Korunde  in  einem  genügend  dünnen  Präparat  zu  er- 
halten. An  den  irgendwie  gröfseren  Einzelkristallen,  die  doch  in  Dünn- 
schliffen zur  Beobachtung  gelangen , wird  man  wohl  mit  Sicherheit  bis- 
weilen auch  feststellen  können,  dafs  sie  zerbrochen  im  Gesteinsgewebe 
liegen ; sie  sind  zerbrochen  worden  bei  der  Kristallisation  der  Feldspäte. 

Ungemein  charakteristisch  ist  nun  die  zweite  Erscheinungsweise  des 
Korundes  in  kleinen  Haufwerken  von  etwa  0,5  mm  oder  weniger  Durch- 
messer. Diese  Haufwerke  treten  makroskopisch  als  kleine,  aber  scheinbar 
gröfsere,  hellbläulichgraue  Fleckchen  überall,  bald  reichlicher,  bald  spär- 
licher deutlich  hervor;  man  mufs  sich  nur  erst  ein  wenig  daran  gewöhnen, 
sie  besonders  zu  beachten.  Sehr  kleine  Täfelchen  von  Korund  liegen  nur 


57 


sehr  selten  vereinzelt  im  Gestein;  häufiger  ist  schon  eine  lockere  An- 
sammlung derselben.  Meist  aber  sind  eben  die  0,03  bis  0,io  mm  grofsen 
Täfelchen  zu  Haufwerken  zusammengetreten  mit  eingelagerter  Feldspat- 
masse. Die  Haufwerke  haben  unregelmäfsige  rundliche  Form  oder  sie 
zeigen  einzelne  geradlinige  Begrenzungen,  selbst  annähernd  sechseckige 
Gestalt.  Die  Täfelchen  selbst  sind  nicht  selten  partienweise  einander 
parallel  gestellt,  was  natürlich  nur  dort  zu  erkennen  ist,  wo  sie  im  Prä- 
parat aut  der  Kante  stehen;  man  erhält  den  Eindruck,  dafs  an  Ort  und 
Stelle  gröfsere  Kristalle  von  Korund  haben  entstehen  wollen,  das  Be- 
streben der  Tonerdemolekeln,  sich  aneinander  zu  legen,  konnte  aber  den 
Widerstand  der  schon  fertigen  oder  im  Bildungsakte  befindlichen  Feld- 
spatmolekeln nicht  mehr  überwinden.  Dasselbe  Verhältnis  offenbart  sich 
an  der  Form  der  einzelnen  Täfelchen,  die  man  weniger  gut  im  Dünnschliff 
als  im  isolierten  Staube  prüfen  kann:  neben  spärlicheren  ganz  scharf 
hexagonal  umgrenzten  herrschen  die  mehr  rundlichen  entschieden  vor. 

Die  grofsen  Kristalle  liegen  in  dem  roten  schiefrigen  Korundgranulit 
im  Gesteinsgewebe  eingestreut  wie  irgend  ein  anderer  Gemengteil,  meist 
parallel  der  Schieferung,  gelegentlich  aber  auch  quer  dagegen  gestellt. 
Sie  sind  meist  auf  manchen  Schieferungsebenen  reichlicher  vorhanden.  Sehr 
grofse  und  die  gröfsten  Korunde  erscheinen  aber  in  demselben  Gestein 
auch  in  den  feldspatreichen  Ausscheidungen,  neben  dem  Prismatin  und 
gelegentlich  auch  mit  ihm  verwachsen.  In  dieser  Gesteinsabart  liegen 
aber  auch  unzählige  Haufwerke  von  Korund,  beide  Erscheinungsweisen 
treten  also  auch  zugleich  auf.  in  den  meisten  Abarten  finden  sich  nur 
die  Haufwerke  und  nur  ausnahmsweise  auch  einmal  eine  gröfsere  Tafel. 
Wie  erwähnt  bildet  Feldspat  das  Bindemittel  der  einzelnen  Täfelchen  in 
den  Haufwerken,  und  diese  selbst  liegen  zwischen  den  gröfseren  Feldspat- 
körnern. Besonders  beachtenswert  aber  ist  es,  dafs  die  kleinen  Korund- 
täfelchen auch  sehr  oft  sich  an  die  Kristalle  und  Körner  von  Disthen 
und  an  die  Bündel  von  Sillimanit  anlegen,  nicht  mehr  in  den  gleichsam 
selbständigen  geschlossenen  Haufwerken,  sondern  als  eine  nur  schmälere 
Kruste  an  einer  Seite  jener  Silikate  oder  selbst  rundherum.  Das  sieht 
dann  so  aus,  als  wäre  das  Wachstum  der  Silikate  durch  die  Bildung  der 
Tonerdekristalle  zum  Stillstand  gekommen.  Man  könnte  aber  auch  die 
Frage  aufwerfen,  ob  nicht  etwa  die  Korunde  erst  durch  epigenetische 
Prozesse  aus  den  Tonerdesilikaten  entstanden  sind.  Da  nun  aber  winzige 
Korunde  auch  lockere  Anhäufungen  im  und  zwischen  Feldspat  bilden 
können,  da  grofse  Korunde  in  den  Ausscheidungen  Vorkommen,  in  sehr 
reinen  Ausscheidungen,  die  niemals  auch  nur  eine  Spur  von  Sillimanit 
enthalten,  so  läfst  sich  meines  Erachtens  kein  genügender  Anhalt  finden, 
um  die  epigenetische  Entstehung  der  Korunde  zu  behaupten.  Es  hielse 
sich  zu  sehr  einer  grundlagelosen  Spekulation  hingeben,  wollte  man  aus 
dem  beobachteten  Nebeneinander  gleich  auf  ein  Entstehen  aus  einander 
schliefsen.  Man  müfste  dann  eben  auch  gleich  darauf  Rücksicht  nehmen, 
dafs  die  Korundhaufwerke  nun  nicht  blofs  nakt  im  Feldspat  liegend  Vor- 
kommen, sondern  auch  zunächst  von  Turmalin  oder  von  Biotit  umwachsen 
auftreten.  Man  müfste  also  mit  gleichem  Rechte  auch  einen  Nachweis 
oder  doch  den  Beweis  der  Möglichkeit  verlangen,  dafs  auch  wieder  der 
Korund  aufgebraucht  werden  kann  zur  Bildung  von  Turmalin.  In  der 
quarzreichen  Abart  des  Korundgranulites  wurde  beobachtet,  dafs  ein  Korn 
von  Sillimanit  zunächst  von  Korund,  dieser  von  Feldspat  und  letzterer 


58 


noch  von  Quarz  umwachsen  auftritt;  eine  Hülle  folgt  auf  die  andere  als 
ein  Beispiel  für  die  in  allen  Granuliten  so  häufige  zentrische  Struktur. 

Niemals  ist  Korund  unmittelbar  mit  Quarz  verwachsen,  wohl  aber 
erscheint  letzterer  in  mikroskopischer  Nähe  des  Korundes,  in  Entfernungen, 
die  nach  Hundertsteln  vom  Millimeter  zu  messen  sind. 

C.  Farbige,  schwere,  magnesiumhaltige  Gemengteile. 

Erst  bei  der  Besprechung  der  Abarten  des  Korundgranulites  wird  es 
zu  erläutern  sein,  inwieweit  die  magnesiumhaltigen  Gemengteile  einander 
vertreten,  obwohl  sie  auch  nebeneinander  Vorkommen.  Der  fragliche 
Dumortierit  wird  hier  eingereiht,  weil  er  nur  mit  dem  Prismatin  zusammen 
auftritt. 

7.  Prismatin.  Nach  der  einzigen  Analyse  Sauers,  die  wir  bisher  von 
diesem  Mineral  besitzen,  ist  der  Prismatin  wesentlich  ein  magnesium- 
haltiges Tonerdesilikat.  Er  tritt  nur  in  stets  makroskopisch  sichtbaren 
Kristallen  auf,  und  zwar  eben  in  Kristallen;  Körner  sind  auch  unter  dem 
Mikroskop  nur  in  der  Mitte  von  Kristallgruppen  in  geringer  Menge  vor- 
handen. Die  in  unsere  Hand-  und  Lehrbücher  übergegangene  Mitteilung, 
dafs  er  in  bis  daumenstarken  Kristallen  vorkomme,  bedarf  doch  einer 
starken  Einschränkung;  ich  wenigstens  habe  in  zwei  Zentnern  klein  ge- 
schlagenen Gesteins  nur  einen  Kristall  einer  solchen  Gröfsenordnung  ge- 
funden. Es  sind  schon  Prismen  von  5 — 7 mm  Durchmesser  ziemlich 
selten,  die  dabei  eine  Länge  von  2 — 3 cm  erreichen.  Am  häufigsten  sind 
die  Kristalle  0,5  — 2 mm  dick  und  5 — 20  mm  lang;  reichlich  vorhanden 
sind  Kristalle  von  1 — 2 cm  Länge,  doch  können  auch  2 mm  dicke  Indi- 
viduen bis  über  4 cm  lang  werden.  Alle  Kristalle  sind  quer  gegen  die 
Vertikalachse  zerklüftet  oder  leicht  zerbrechlich.  Nochmals  mag  es  betont 
werden,  dafs  wenigstens  alle  grofsen  Prismatine  nur  in  Ausscheidungen  oder 
doch  wenigstens  von  einem  Feldspathof  umgeben  Vorkommen;  die  kleineren, 
und  zwar  stets  verschieden  grofse,  sind  oft  zu  lockeren  radialstrahligen 
Gruppen  in  der  Ebene  oder  im  Raume  vereint.  In  der  Prismenzone  sind 
die  Kristalle  immer  gut  entwickelt,  Endflächen  sind  sehr  selten;  die  Spalt- 
barkeit nach  dem  Prisma  ist  gut,  eine  Teilbarkeit  nach  Flächen  senkrecht 
oder  schräg  gegen  das  Prisma  auch  immer  vorhanden. 

Zerbrochene  Kristalle  findet  man  oft  genug,  wobei  Feldspat  und  Quarz 
zwischen  die  Stücke  eingedrungen  sind.  Feldspat  und  Quarz  liegen  aber  auch 
zwischen  den  Strahlen  der  Prismatinsonnen,  und  es  ist  geradezu  auffällig, 
wie  gerade  der  Quarz  in  den  Ausscheidungen  sich  neben  und  zwischen 
den  Prismatinen  vorfindet.  Dazu  kommt  noch  die  Skelettbildung  der  Pris- 
matine, wobei  ebenfalls  Quarz  und  Feldspat  es  sind,  die  die  Herausbildung 
geschlossener  Kristalle  verhindert  haben.  Solche  Skelettbildungen  sind 
besonders  in  Querschnitten  leicht  zu  studieren,  in  denen  ein  Prismatin  in 
Teilstücke  zerlegt  erscheint,  ja  bisweilen  eine  halboffene  Hülle  mit  anderen 
Teilen  um  Quarz  und  Feldspat  bildet,  wobei  alle  Teile  zu  einem  Individuum 
mit  genau  gleicher  optischer  Orientierung  zusammengehören.  Wahrscheinlich 
gehen  solche  Querschnitte  meist  durch  die  Enden  der  Prismen.  Die  Hüllen- 
bildung ist  sonst  ganz  gleich  derjenigen,  die  beim  Granat  in  Granuliten 
bekannt  ist. 

Im  Dünnschliff  ist  ein  Pleochroismus  der  licht  weingelben,  stark^licht- 
und  doppeltbrechenden  Prismatine  nicht  wahrnehmbar.  Als  Einschlüsse 


“59 


erscheinen  nur  selten  der  ja  überhaupt  spärlich  vorhandene  Zirkon  und 
dann  der  Rutil;  dafs  die  Kriställchen  des  letzteren  bei  der  Bildung  des 
Prismatins  auch  augenscheinlich  zur  Seite  geschoben  worden  sind,  wurde 
schon  oben  erwähnt.  Spärlich  sind  auch  Dampfporen  und  Flüssigkeits- 
einschlüsse, die  meist  in  Ebenen  quer  gegen  die  Prismenzone  angeordnet 
sind;  es  wäre  nicht  unmöglich,  dafs  die  Zerbrechlichkeit  der  Prismatine 
mit  solchen  Einschlufsebenen  zusammenhängt,  ln  Längsschnitten  sind  allerlei 
zarte  und  winzige  Dinge  zu  sehen,  die  vielleicht  auch  Einschlüsse  dar- 
stellen, aber  nur  in  einem  Querschnitt  wurden  deutliche  Flüssigkeits- 
einschlüsse mit  sehr  lebhaft  beweglicher  Libelle  gefunden , die  bei 
geringer  Erwärmung  verschwindet  und  bei  der  Abkühlung  wieder  er- 
scheint, so  dafs  man  sie  ohne  weiteres  für  Einschlüsse  flüssiger  Kohlen- 
säure halten  darf. 

Die  kleineren  Prismatine  sind  sehr  oft  völlig  frisch  und  wasserklar; 
ein  dünnster  Überzug  von  einem  glimmerigen  Mineral,  vermöge  dessen  sie 
wie  die  gröfseren  sich  leicht  aus  dem  Gestein  herausbrechen  lassen,  stammt 
wohl  eher  von  dem  anliegenden  Feldspat  her.  Dann  aber  tritt  von  aufsen 
und  von  den  Querklüften  her  die  Umwandlung  in  das  faserige,  schwach 
licht-  und  doppeltbrechende  Mineral  ein,  das  von  Sauer  als  Kryptotil  be- 
zeichnet worden  ist;  in  letzterem  kann  auch  eine  Menge  von  roten  Körnchen 
von  Eisenhydroxyd  auftreten. 

8.  Dumortierit  (?).  Nur  neben  in  der  Umwandlung  begriffenem 
Prismatin  tritt  ein  Mineral  auf,  das  vielleicht  als  Dumortierit  zu  deuten 
ist.  Es  sind  parallelfaserige  Bündel  mit  starken  Pleochroismus:  der  parallel 
der  Vertikalachse  schwingende  Strahl  ist  hell  violett,  selten  kräftig  rot,  einmal 
an  einer  kleinen  Stelle  blau,  der  senkrecht  dagegen  schwingende  ganz  licht- 
gelblich, fast  farblos.  Das  Mineral  bricht  das  Licht  schwächer  als  Pris- 
matin, stärker  als  dessen  Zersetzungsprodukt  Kryptotil;  es  liegt  neben 
dem  Prismatin  oder  wächst  an  den  Enden  der  Prismatine  gleichsam  aus 
ihm  heraus,  es  kann  aber  auch  in  Bündeln  Vorkommen,  die  nur  in  der 
Nachbarschaft  des  Prismatins  liegen.  Nur  in  sechs  Präparaten  wurde  es 
gefunden,  und  es  läfst  sich  kein  Gesteinstypus  angeben,  in  dem  es  zu  suchen 
wäre;  doch  findet  es  sich  andererseits  wohl  nur  in  Ausscheidungen  neben 
Prismatin,  wo  sich  auch  noch  faserige  Bündel  eines  nicht  farbigen  Minerals 
einstellen,  die  sich  sonst  den  violetten  ganz  ähnlich  verhalten.  Der  auf- 
fallend starke  Pleochroismus  des  Dumortierites  von  Beaunan  findet  sich 
bekanntlich  nicht  dermafsen  in  dem  violetten  von  Dehesa,  S.  Diego  Co.,  Cal. 
Das  hier  vorliegende  Mineral,  das  nur  in  äufserst  geringer  Menge  beob- 
achtet wurde,  ähnelt  auffällig  diesem  violetten  Dumortierit  von  Dehesa. 

Ich  mufs  es  unentschieden  lassen,  ob  das  in  Frage  stehende  Mineral 
sich  sekundär  durch  Verwitterung  aus  dem  Prismatin  gebildet  hat,  oder 
ob  es  epigenetisch  aus  letzterem  hervorgegangen  ist,  oder  ob  es  vollstän- 
dig unabhängig  vom  Prismatin  ist.  Einerseits  ist  daran  zu  erinnern, 
dafs  Dumortierit  von  Rösler  in  Kaolinerden  aufgefunden  worden  ist, 
andererseits  enthält  der  Korundgranulit  in  seinem  Turmalin  auch  sonst 
Borsäure. 

9.  Granat.  Eine  eigentümliche  Rolle  spielt  der  nur  spärlich  vor- 
handene Granat  in  den  Abarten  des  Korundgranulites.  Einmal  tritt  er 
spärlich  in  zwei  Abarten  des  Gesteins  an  dem  nördlichen  Ende  des  Auf- 
schlusses auf  in  kleinen  und  winzigen  Körnchen  oder  in  Rhombendodekaedern, 
Ketten  bildend  oder  am  Rande  von  groben  Sillimanitbündeln,  mit  oder  ohne 


60 


kelyphitische  Rinde,  mit  den  schwer  bestimmbaren  gewöhnlichen  Einschlüssen 
des  Granulit-Granats,  lichtrosa  gefärbt.  Dann  aber  findet  man  die  schon 
von  Sauer  erwähnten  bis  haselnufsgrofsen  Granaten  von  ganz  hellrosa 
Farbe,  die  im  ganzen  doch  auch  nur  spärlich  und  vereinzelt  in  den  Aus- 
scheidungen und  im  Gesteinsgewebe  selbst  auftreten.  Die  Granaten  treten 
nur  ganz  ausnahmsweise  auf  ohne  andere  Hüllen,  als  die  eines  lichtgrün- 
lichen Zersetzungsproduktes,  das  sich  auch  auf  Klüften  herausgebildet  hat. 
Meist  zeigen  die  Granaten  eine  Hülle  von  Biotit,  der  durch  Atmosphärilien 
leicht  gebleicht  und  grünlich  wird ; die  von  Sauer  angegebene  Hornblende 
habe  ich  nie  gesehen.  Die  Biotithülle  kann  verhältnismäfsig  schmal  oder 
breit  sein,  ja  es  kann  Biotit,  wie  es  scheint,  die  Granatsubstanz  ganz  ver- 
drängt haben.  Ein  solches  Verhältnis  zwischen  Granat  und  Biotit  findet 
sich  auch  sonst  in  Granuliten.  Unter  dem  Mikroskop  sieht  man  hier  die 
Granatsubstanz  (mit  Einschlüssen  von  Rutil)  in  Bruchstücken  ähnlichen  Resten, 
aufsen  um  die  Biotithülle  aber  wieder  noch  eine  fein  struierte  kelyphi- 
tische Hülle.  Gerade  diese  läfst  es  mir  im  höchsten  Grade  unwahrschein- 
lich Vorkommen,  dafs  hier  gewöhnliche  Pseudomorphosen  von  Biotit  nach 
Granat  vorliegen:  epigenetische  Vorgänge  gleich  bei  der  Entstehung  des 
Gesteins  dürften  eher  in  Frage  kommen,  und  zwar  um  so  mehr,  als  auch 
diese  Granaten  von  einem  Hof  von  Feldspat  umgeben  zu  sein  pflegen, 
wenn  sie  nicht  in  gröfseren  feldspatreichen  Ausscheidungen  liegen.  Im 
ganzen  ist  der  Granat  im  Korundgranulit  nur  ein  „unwesentlicher“ 
Gemengteil;  seine  Rolle  in  anderen  Granuliten  übernimmt  hier  der  Tur- 
malin. 

10.  Turmalin.  Schon  Sauer  hat  die  ungewöhnliche  Erscheinungs- 
weise des  Turmalins  in  Körnern  hervorgehoben;  nach  seiner  Analyse  ist 
es  ein  Magnesia-Turmalin.  Es  glückte  mir,  einmal  an  einer  Stelle  einige 
wenige  etwa  2 mm  grofse  scharfe  Kriställchen  zu  finden,  die  Messung  auf 
dem  Goniometer  gestatteten.  In  der  Prismenzone  der  kurz  säulenförmigen 
Kriställchen  treten  die  gewöhnlichen  neun  Flächen  auf,  an  beiden  Enden 
das  primäre  Rhomboeder;  hemimorphe  Entwickelung  war  an  den  Enden 
nicht  zu  beobachten.  Ebenso  gestaltet  sind  die  winzigen  Turmaline  von 
0,oi  mm  und  die  ein  wenig  gröfseren;  alle  makroskopisch  sichtbaren  Tur- 
maline sind  unregelmäfsig  gestaltete  Körner  und  Körnerhaufen  mit  einem 
Durchmesser  von  höchstens  etwa  2 mm.  Die  mikroskopische  Unter- 
suchung lehrt,  dafs  vornehmlich  der  Feldspat  die  scharfe  Formentwicke- 
lung  der  gröfseren  Turmaline  verhindert  hat;  er  dringt  ganz  wie  bei  den 
Korunden  in  die  Turmaline  in  Buchten  ein,  bildet  darin  rundliche  Ein- 
schlüsse, oft  in  reichlicher  Anzahl,  und  liegt  zwischen  sich  sonst  berühren- 
den Turmalinindividuen.  Von  anderen  Gemengteilen  erscheint  nur  noch 
der  Rutil  als  wahrer  Einschlufs. 

In  den  dunkelbraunen,  im  Präparat  gelbbraunen  und  wenig  stark 
pleochroitischen  Turmalinen  kommen  nicht  selten  Einschlüsse  vor  von  der 
Form  des  Wirtes;  beim  Erwärmen  nicht  absorbierbare  Libellen  sind  seltener 
wahrzunehmen,  meist  beherbergen  solche  Einschlüsse  allerlei  winzigste 
Partikeln,  wobei  es  zweifelhaft  bleibt,  ob  dann  auch  noch  eine  Flüssig- 
keit in  ihnen  vorhanden  ist.  Echte  dunkelumrandete  Dampfporen  kommen 
auch  vor.  Um  so  auffälliger  sind  die  unregelmäfsig  gestalteten,  zum  Teil 
grofsen  Einschlüsse  in  einem  grofsen  Turmalin  in  einer  Ausscheidung 
neben  den  Pseudomorphosen  nach  Andalusit.  Einige  derselben  ent- 
halten zweierlei  Flüssigkeit,  deren  innere  mit  der  an  den  Enden 


61 


und  Ecken  liegenden  anderen  sich  nicht  mischt  und  eine  bei  der  Er- 
wärmung absorbierbare  Libelle  enthält.  Die  Grenze  zwischen  den  beiden 
Flüssigkeiten  ist  schmal  und  fein,  woraus  eben  folgt,  dafs  auch  die  äufsere 
Substanz  eine  Flüssigkeit  ist.  Überdies  liegen  unmittelbar  neben  den 
Doppeleinschlüssen  auch  solche  mit  nur  einer  Flüssigkeit  und  nicht  ab- 
sorbierbarer Libelle.  Diese  Einschlüsse  sind  alle  so  grofs  und  so  günstig 
gestaltet,  dafs  die  Erscheinungen  bei  der  oft  wiederholten  Erwärmung 
mit  der  gröfsten  Sicherheit  beobachtet  werden  konnten.  In  einem  Ein- 
schlufs  treten  infolge  besonderer  Form  beim  Abkühlen  bisweilen  zunächst 
zwei  Libellen  auf,  eine  kugelrunde  und  eine  gröfsere  flache:  es  gewährt 
einen  wunderbaren  Anblick,  zu  sehen,  wie  die  zuerst  immer  gröfser  ge- 
wordene flache  Libelle  bei  weiterer  Abkühlung  langsam  wieder  kleiner 
wird  bis  zum  Verschwinden,  während  die  kugelrunde  noch  gröfser  wird. 

Der  Turmalin  ist  im  Korundgranulit  aber  noch  in  anderer  Weise 
interessant,  nämlich  dadurch,  dafs  er  andere  Gemengteile  umhüllt,  um  sie 
herumgewachsen  ist.  Es  handelt  sich  dabei  nicht  um  einfache  Einschlüsse, 
zumal  zum  Teil  nur  eine  teilweise  Umhüllung  auftritt;  in  Fällen  der 
anscheinenden  völligen  Umhüllung  auch  durch  nur  ein  Individuum  liegen 
im  Präparat  bei  verhältnismäfsiger  Gröfse  der  Gegenstände  nur  Durch- 
schnitte vor,  so  dafs  sich  eine  völlige  Umhüllung  gar  nicht  beweisen  läfst. 
Es  wurde  beobachtet:  1.  Turmalin  umhüllt  Haufwerke  von  Korundtäfelchen; 
2.  es  liegt  Disthen  mit  teilweisem  Rande  von  Korundtäfelchen  als  im 
ganzen  rundlicher  Einschlufs  im  Turmalin;  3.  Turmalin  legt  sich  an  eine 
Seite  eines  Disthenindividuums,  das  an  der  anderen  mit  Kristallzacken 
mit  Feldspat  verwachsen  ist:  die  Grenze  zwischen  Disthen  und  Turmalin 
aber  ist  glatt,  unregelmäfsig,  als  wäre  der  Disthen  angegriffen,  aufgelöst 
worden  von  dem  Turmalin;  4.  Sillimanit  mit  Korund  besetzt  erscheint  als 
Einschlufs  im  Turmalin;  5.  Turmalin  umschliefst  Bündel  von  Sillimanit 
ohne  Kristallspitzen  — sind  diese  neben  dem  Turmalin  nicht  zur  Ent- 
wickelung gelangt,  oder  sind  sie  vom  Turmalin  aufgelöst  worden?  Dabei 
tritt  der  Turmalin  als  Einschlufs  im  Korund  auf,  winzige  wohlgestaltete 
Turmalinkriställchen  erscheinen  in  Menge  als  Einschlüsse  im  Feldspat,  der 
Feldspat  dringt  in  Buchten  in  Korund  und  in  Turmalin  ein:  ich  meine, 
dafs  das  alles  Verhältnisse  sind,  die  nur  durch  eine  im  wesentlichen 
gleichzeitige  Entstehung  aller  Gemengteile  erklärt  werden  können;  eine 
sicher  bestimmbare  Altersfolge  kann  gewifs  nicht  aufgestellt  werden. 

Dafs  der  Turmalin  völlig  unzersetzt  bleibt,  dafs  in  dem  oben  S.  52 
erwähnten  Primärtrum  ein  schon  durch  Farbe  und  stärksten  Pleochrois- 
mus ausgezeichneter  anderer  Turmalin  erscheint,  ist  nur  kurz  zu  er- 
wähnen. 

11.  Biotit.  Verschieden  von  dem  mit  Granat  in  Verbindung  stehen- 
den Biotit  ist  derjenige,  der  als  ein  Hauptgemengteil  in  mehreren  Ab- 
arten des  Korundgranulites  auftritt.  Er  ist  widerstandsfähiger  gegen 
Atmosphärilien,  und  es  scheiden  sich  aus  ihm,  besonders  schön  in  den 
gröfseren  Blättchen,  mit  der  beginnenden  Zersetzung  unzählige  kurze 
Nädelchen,  wohl  von  Rutil,  aus.  Es  dürfte  ein  hellbrauner  titanhaltiger 
Magnesiaglimmer  vorliegen.  Seine  Blättchen  liegen  meist  vereinzelt  im 
Gestein,  wie  es  der  herrschenden  zuckerkörnigen  Struktur  entspricht; 
doch  kommen  auch  stellenweise  Haufwerke  von  gröfserem  Durchmesser 
vor  im  Gestein  wie  auch  in  den  leukokraten  Ausscheidungen,  in  die  er 
doch  auch,  wenn  auch  selten,  eintritt.  Echte  Flasern  bildet  er  nie. 


62 


D.  Helle,  leichte  Gemengteile. 

12.  Muscovit.  Wohl  nur  in  den  Ausscheidungen,  soweit  das  in 
Präparaten  erkennbar  ist,  tritt  Muscovit  auf  als  primärer  Gemengteil. 
Seine  Vergesellschaftung  mit  Andalusit  und  Quarz  wurde  schon  erwähnt. 
Es  wurden  auch  einige  Ausscheidungen  gefunden,  in  denen  der  Muscovit 
in  etwa  8 mm  breiten  und  bis  2 mm  dicken  Kristallen  auftritt;  die 
Kristalle  sind  stark  verzwillingt  und  zeigen  die  federförmige  Fältelung; 
sie  sind  schwer  schmelzbar  und  geben  keine  Lithiumreaktion.  Mikro- 
skopisch kleine  Blättchen  sind  vollkommen  klar  und  einschlufsfrei. 

13.  Plagioklas.  Mit  einer  Ausnahme  ist  in  allen  Abarten  des 
Korundgranulites  ein  Plagioklas  der  vorherrschende  Gemengteil,  den  Sauer 
als  „albitisch“  bezeichn ete.  Ich  weifs  nicht,  ob  das  Richtige  getroffen 
worden  ist,  wenn  in  Zitaten  aus  dem  ,, albitisch“  geradezu  Albit  geworden 
ist.  Der  Plagioklas  tritt  auf  in  Körnern,  die  eine  sehr  feine  reichliche 
Verzwillingung  nach  dem  Albitgesetz  besitzen;  gleichzeitige  Verzwillingung 
nach  dem  Periklingesetz  fehlt  meist,  oder  sie  ist  sehr  spärlich  ausgebildet. 
Wie  aber  alle  Verhältnisse  beim  Korundgranulit  schwanken,  so  findet 
man  auch  in  einem  oder  dem  anderen  Dünnschliff  reichlich  doppelte  Ver- 
zwillingung. Die  Zwillingslamellen  sind  sehr  dünn,  stets  vollkommen 
gerade  und  verlaufen  meist  durch  das  ganze  Korn.  Das  spezifische  Ge- 
wicht, durch  Suspension  in  Kaliumquecksilberjodid  neben  reinem  Albit 
als  Indikator  bestimmt,  erwies  sich  höher  als  das  des  Albites,  chemische 
Prüfung  ergab  Kalzium-  und  Kaliumgehalt,  die  Art  der  Verzwillingung 
spricht  gegen  Albit,  mehr  für  einen  zwischen  Albit  und  Oligoklas  stehenden 
Feldspat.  Es  ist  schliefslich  recht  gleichgültig,  ob  der  Plagioklas  besser 
als  Albit  oder  als  ein  dem  Albit  nahestehender  Oligoklas  bezeichnet 
werden  soll.  Eingelagerte  Spindeln  von  anderer  Lichtbrechung  scheinen 
den  Kaliumgehalt  -erklären  zu  können.  Es  genügt  hier  von  Plagioklas 
zu  reden;  die  vielleicht  von  manchem  vermifste  genaueste  Bestimmung 
liefse  sich  nur  gleich  für  alle  Granulite  durchführen.  Dampfporen  und 
in  gröfseren  Feldspäten  der  Ausscheidungen  auch  deutliche  Flüssigkeits- 
einschlüsse mit  bei  der  Erwärmung  nicht  absorbierbarer  Libelle  und 
einer  Annäherung  an  die  Form  des  Wirtes  sind  reichlich  vorhanden. 
Durch  sekundäres  Eisenhydroxyd  wird  auch  der  Plagioklas  rötlich  gefärbt. 
Seine  Körner  bilden  die  Fülle  zwischen  allen  anderen  Gemengteilen,  und 
es  ist  nur  beachtenswert,  dafs  meist  die  anderen  Gemengteile  nicht  sowohl 
in  den  Plagioklasen  liegen,  als  vielmehr  zwischen  den  Feldspatkörnern. 

14.  Orthoklas.  In  einem  fast  richtungslos  körnigen  Gestein,  wie 
es  mehrere  Abarten  des  Korundgranulites  sind,  müfsten  theoretisch  weitaus 
die  meisten  Durchschnitte  durch  einen  feinlamellierten  Plagioklas  Zwillings- 
streifung aufweisen.  Wenn  man  unter  den  Dünnschliffen  nun  auch  wieder 
solche  vorfindet,  in  denen  eine  Menge  von  nicht  verzwillingten  Feldspäten 
liegt,  die  sich  durch  keinerlei  sonstige  Eigenschaften  von  den  verzwillingten 
unterscheiden,  so  wird  man  zunächst  daran  denken,  dafs  in  dem  Gestein 
doch  eine  versteckte  Parallelstruktur  vorhanden  sein  könnte,  derzufolge 
die  Plagioklase  eine  bestimmte  Stellung  annehmen,  zumal  ja  Andeutungen 
von . Parallelstruktur  immer  vorhanden  sind.  Allein  der  Umstand,  dafs 
unter  den  Feldspäten  auch  solche  Vorkommen,  die  gar  keine  Verzwillingung, 
dagegen  die  Lamellen  oder  Schläuche  des  Mikroperthites,  wenngleich 
ziemlich  spärlich,  aufweisen,  wie  in  den  Granuliten  im  Liegenden  und  im 


63 


Hangenden,  weist  doch  wohl  darauf  hin,  dafs  neben  dem  Plagioklas  auch 
Kalifeldspat  in  Abarten  des  Korundgranulites  und  in  den  Ausscheidungen 
vorkommt.  Nur  sind  nicht  etwa  die  rötlichen  Feldspäte  alle  als  Orthoklas 
oder  Mikroperthit  anzusprechen,  wie  denn  überhaupt  strukturelle  Unter- 
schiede unter  den  Feldspäten  vollständig  fehlen.  Alles  sieht  wesentlich 
gleichartig  aus,  und  entschieden  herrscht  zumeist  ein  dem  Albit  nahe- 
stehender Plagioklas  im  allgemeinen  bei  weitem  vor. 

15.  Quarz.  Mit  blofsem  Auge  erkennt  man  den  Quarz,  abgesehen 
von  der  quarzreichen  Abart,  nur  gelegentlich  in  gröfseren  Körnern  in  den 
Ausscheidungen.  Erst  die  mikroskopische  Untersuchung  zeigt,  dafs  er 
viel  reichlicher  darin  vorhanden  ist,  besonders  in  der  Gesellschaft  des 
Prismatins,  als  es  den  Anschein  hat.  Der  Quarz,  leicht  erkennbar,  ent- 
hält meist  die  kurzen,  opak  erscheinenden,  winzigen  Nädelchen,  deren 
Natur  vielleicht  doch  noch  einmal  sicher  bestimmt  werden  kann,  und 
meist  Dampfporen  bis  Flüssigkeitseinschlüsse.  Letztere  haben  nicht  selten 
annähernd  die  Form  ihres  Wirtes,  so  dafs  es  möglich  ist,  nach  ihrer  Form 
die  optische  Orientierung  des  sonst  formlosen  Kornes  aufzufinden.  Die 
Libellen  in  den  Einschlüssen  sind  meist  recht  grofs;  aber  auch  wenn 
sie  klein  sind  und  sich  bewegen,  werden  sie  doch  nicht  bei  der  Er- 
wärmung absorbiert,  höchstens  werden  sie  dadurch  zur  Kühe  gebracht. 
Also  weder  im  Feldspat  noch  im  Quarz  treten  Einschlüsse  flüssiger  Kohlen- 
säure auf. 

(16.  Apatit)  fehlt  allen  Abarten  des  Korundgranulites  durchaus  völlig; 
vereinzelte  Körnchen  in  den  Ausscheidungen  gehören  vielleicht  zum  Apatit, 
sie  könnten  aber  ebensogut  einem  anderen  farblosen  und  stark  licht- 
brechenden Mineral  angehören.  Vielleicht  stecken  in  dem  Korundgranulit 
und  namentlich  in  den  Ausscheidungen  stellenweise  doch  noch  andere 
Mineralien,  als  ich  erkannt  habe;  in  dem  untersuchten  Material  hoffe  ich 
nichts  wesentliches  übersehen  zu  haben. 


E.  Sekundäre  Gemengteile. 

Ich  mufs  gestehen,  dafs  ich  nicht  recht  weifs,  woher  das  Eisenhydroxyd 
stammt,  dafs  nicht  nur  Feldspäte  in  feinem  Staube  rötlich  färbt,  sondern 
ganzen  Abarten  eine  rötliche  Farbe  verleiht,  darin  auch  in  kleinen  Fleckchen 
reichlicher  angehäuft  vorkommt  und  auch  manche  Klüfte  überzieht.  Ein 
primäres  Eisenerz  habe  ich  nicht  auffinden  können,  und  ich  kann  nur  ver- 
muten, dafs  doch  winzigste  Partikelchen  von  Schwefeleisen  im  Gestein,  wo 
es  rötlich  ist,  vorhanden  gewesen  sind.  Manganflecke  kommen  auf  Klüften 
auch  oft  vor.  Im  allgemeinen  ist  die  Zersetzung  des  Korundgranulites 
nur  unbedeutend;  nur  Flitterchen,  die  wohl  einfach  als  Sericit  zu  be- 
zeichnen sind,  lassen  sich  überall  zwischen  den  Körnern  der  Gemengteile 
beobachten.  Sie  werden  wesentlich  aus  den  Feldspäten  hervorgegangen  sein. 

V.  Abarten  des  Korundgranulites. 

Obwohl  das  ganze  Lager  von  Korundgranulit,  gegen  Liegendes  und 
Hangendes  scharf  abgegrenzt,  eine  tektonische  und  auch  im  geologischen 
Sinne  eine  petrographische  Einheit  darstellt,  so  lassen  sich  doch  mit 
leichter  Mühe  einige  Abarten  unterscheiden,  die  räumlich  begrenzt  auf- 

** 


64 


treten,  und  deren  Trennung  noch  mehr  zur  Charakterisierung  des  ganzen 
Vorkommnisses  beitragen  wird.  Übergangsstufen  finden  sich,  doch  sehen 
typische  Handstücke  der  Abarten  sehr  verschieden  aus. 

1.  Korundarmer  Pri s matin granulit. 

Das  weifse,  fein-  bis  kleinmittelkörnige  Gestein  ist  durch  kleinere  und 
bis  2 mm  grofse  Turmaline  von  dunkelbrauner  Farbe  gesprenkelt;  Biotit 
in  kleinsten  Blättchen  kann  ganz  fehlen  oder  stellenweise  — da  wo  Tur- 
malin spärlich  ist  oder  fehlt  — vorhanden  sein.  Granaten  von  3—4  mm 
Durchmesser  und  bis  zu  mehr  als  1 cm  dicke  liegen  vereinzelt  wie 
Fremdlinge  im  Gestein , kommen  in  dieser  Abart  aber  am  reichlichsten 
vor.  Die  ganze  Masse  ist  bald  mehr  bald  minder  stark  von  Prismatin, 
hauptsächlich  in  räumlich  strahligen  Aggregaten  aus  kleineren  Kristallen, 
durchsetzt;  grofse  Prismatine  erscheinen  nur  in  Ausscheidungen,  die  aber 
spärlich  vorhanden  sind.  Wenngleich  man  beobachten  kann,  dafs  fast 
alle  Prismatinsonnen  auch  mehr  in  reinem  Feldspat  liegen,  so  würde  es 
doch  eine  gezwungene  Auffassung  sein,  dabei  schon  jedesmal  von  einer 
Ausscheidung  zu  reden.  Diese  Abart  ist  es  allein,  die  der  Beschreibung 
Sauers  entspricht;  die  kleinen  Korundhaufwerke  können  anscheinend  ganz 
fehlen,  und  man  wird  sie  im  Hand  stück  gewifs  übersehen,  wenn  man  sie 
nicht  kennt  und  sucht.  Sie  können  aber  auch  deutlichst  und  in  gröfserer 
Anzahl  hervortreten,  und  dadurch  ist  dann  ein  Übergang  gegeben  in  die 
zweite  Abart. 

2.  Körniger  korundreicher  Granulit. 

Diese  Abart  wechselt  am  stärksten  in  ihrem  Aussehen  schon  dadurch, 
dafs  der  Grundton  bald  graulich,  bald  rötlich  ist.  Die  Korundhaufwerke 
sind  massenhaft  vorhanden,  so  dafs  namentlich  angeschliffene  Flächen 
geradezu  durch  bläulichhellgraue  Fleckchen  gesprenkelt  sind.  Parallel- 
struktur ist  nur  schwach  in  verschiedenem  Grade  vorhanden,  schon  je  nach 
dem  Gehalt  der  Abart  an  Biotit  oder  Turmalin.  Es  besteht  ein  ent- 
schiedener Antagonismus  zwischen  Biotit  und  Turmalin:  wenn  einer  von 
beiden  reichlich  vorhanden  ist,  fehlt  der  andere  gewifs  gänzlich.  Und 
ein  weiterer  Antagonismus  gibt  sich  zu  erkennen,  in  dieser  Abart  wie  in 
den  anderen  auch,  zwischen  Prismatin  einerseits  und  Turmalin  und  Biotit 
andererseits:  in  dieser  Abart  findet  sich  der  Prismatin  nur  in  deutlichen 
Ausscheidungen.  Daraus  folgt,  dafs  in  dem  Korundgranulit  die  magnesia- 
haltigen Gemengteile  einander  vertreten ; der  spärlichere  Granat  fügt  sich 
ebenfalls  diesem  Gesetz. 

3.  Biotitreicher  Korundgranulit. 

Der  erwähnte  Antagonismus  zeigt  sich  auch  vortrefflich  in  der  dritten 
Abart.  Das  Gestein  ist  ausgezeichnet  durch  seinen  Reichtum  an  Biotit,  wo- 
durch es  einen  schwach  violetten  Gesamtton  erlangt;  trotz  der  Menge  der 
sehr  kleinen  Biotitblättchen  ist  Parallelstruktur  nur  wenig  entwickelt.  Diese 
Masse  enthält  so  gut  wie  keinen  Turmalin,  der  aber  in  Ausscheidungen 
vorkommt  wie  Granat  und  Prismatin.  In  dieser  Abart  sind  die  Korund- 
haufwerke wohl  nur  erst  unter  dem  Mikroskop  zu  sehen;  dasselbe  gilt 
von  dem  Sillimanit,  der  allenfalls  mit  der  Lupe  in  matten  weifsen  Körnchen 
erkannt  werden  kann. 


65 


4.  Rötlicher  schiefriger  Korundgranulit. 

Diese  Abart  ist  es,  die  den  Korund  in  grofsen  Kristallen,  daneben 
aber  auch  stets  in  reichlichen  Haufwerken  enthält,  die  auch  mit  blofsem 
Auge  zu  sehen  sind.  Auf  der  Spaltungsfläche  eines  Handstückes  kann  man 
oft  20  und  mehr  solcher  grofsen  Tafeln  zählen;  sie  treten  durch  ihre 
glänzenden  Basisflächen  meist  gut  hervor,  aber  ihre  Zahl  nimmt  doch  erst 
bei  der  Betrachtung  mit  der  Lupe  erheblich  zu.  Sie  sind  etwas  unregel- 
mäfsig  verteilt,  auf  manchen  Spaltungsflächen  sind  sie  reichlicher  vor- 
handen, und  die  allergröfsten  kommen,  wie  oben  erwähnt,  erst  in  den  Aus- 
scheidungen mit  rötlichem  Feldspat  vor,  die  auch  allein  den  Prismatin  in 
einzelnen  Kristallen  oder  in  ebenen  Sonnen  enthalten.  Die  Abart  ist  arm 
an  Turmalin,  und  Granat  fehlt  wohl  ganz.  Rutil  und  Sillimanit  sind 
reichlich  vorhanden. 

5.  Weifser,  an  Korund  armer,  quarzreicher  Granulit. 

Die  letzte  Abart  entfernt  sich  durch  ihren  grofsen  Reichtum  an  Quarz 
von  allen  andern.  Sie  tritt  nur  in  einer  kleinen,  etwa  1 m langen  und  0,5  m 
mächtigen  Lage  gegen  das  nördliche  Ende  der  Linse  hin  bequem  zugänglich 
auf.  Das  Gestein  hat  eine  gestreckte  Parallelstruktur  dadurch,  dafs  der 
Quarz  lang  spindelförmige  etwa  0,5  mm  dicke  und  3 — 6 mm  und  mehr 
lange,  aus  Körnchen  zusammengesetzte  Körper  bildet,  zwischen  denen 
erst  der  Feldspat,  Plagioklas  und  faseriger  Orthoklas,  Sillimanit  und 
spärliche,  meist  nur  stellenweise  vorkommende  kleinste  Granaten  stecken. 
Biotit,  Turmalin  und  Prismatin  fehlen  dem  Gestein,  dessen  auffälligster 
Gemengteil  nun  der  Korund  ist.  Die  kleinen  graulichen  Korundhauf- 
werke sind  überall  bald  spärlicher,  bald  reichlicher  auf  den  ersten  Blick 
deutlich  makroskopisch  hervortretend  zu  sehen;  allerdings  ist  das  Gestein 
sehr  arm  an  Korund,  denn  es  liegen  wohl  nur  3 — 7,  höchstens  einmal 
10 — 12  Haufwerke  in  einer  einen  Quadratzentimeter  grofsen  Fläche.  Das 
Gestein  ist  unzweifelhaft  ein  Granulit,  sein  Quarz  enthält  Flüssigkeitsein- 
schlüsse und  die  feinen  kurzen  Nüdelchen  wie  der  Quarz,  der  in  den 
Ausscheidungen  die  Nähe  des  Prismatins  liebt,  seine  Korundhaufwerke 
gleichen  vollständig  denen  in  den  an  Korund  reichen  Abarten.  Warum, 
mufs  man  fragen,  tritt  in  diesem  Gestein  freie  Tonerde  neben  freier 
Kieselsäure  auf,  warum  ist  nicht  alle  freie  Tonerde,  die  nicht  zur  Bildung 
von  Feldspat  verbraucht  werden  konnte,  mit  Kieselsäure  zusammen- 
getreten zu  Sillimanit,  der  doch  auch  in  dem  Gestein  vorkommt?  Kann 
freie  Tonerde  neben  freier  Kieselsäure  in  einem  Eruptivgestein  Vor- 
kommen? 

Alle  Abarten  aber  gehören  zusammen  zu  einer  geologischen  Einheit, 
zu  einem  Korundgranulit,  einem  Gestein,  das  sich  gut  einfügt  in  die  Gruppe 
der  Sillimanitgranulite.  Der  Korundgranulit  ist  ein  ungewöhnliches  Gestein, 
aber  nach  Struktur,  Vergesellschaftung  und  Lagerung  ein  echter  Granulit. 


VI.  Das  pflanzengeographische  Form ati onsherb arium. 

Yon  Dr.  B.  Schorler. 


Schon  zu  verschiedenen  Malen  ist  in  der  botanischen  Sektion  der 
Isis  von  dem  pflanzengeographischen  Formationsherbarium  des  botanischen 
Institutes  gesprochen  und  einzelnes  daraus  gezeigt  worden.  Eine  Be- 
schreibung dieses  neuen  Herbariums  ist  aber  bisher  noch  nicht  erfolgt. 
Da  nun  von  verschiedenen  Seiten,  von  Fachbotanikern  sowohl  wie  von 
Lehrern  der  Naturwissenschaften,  Anfragen  über  Einrichtungen  eines 
solchen  Herbariums  an  das  botanische  Institut  gelangt  sind,  so  erlaube 
ich  mir  im  folgenden  eine  kurze  Beschreibung  desselben  zu  geben. 

Das  Formationsherbarium  wurde  nach  den  Anregungen  und  Plänen 
des  Herrn  Geheimrat  Drude  im  letzten  Jahrzehnt  angelegt.  Die  ersten 
Anfänge  reichen  jedoch  bis  zum  Jahre  1890  zurück.  Es  verfolgt  den 
Zweck,  das  systematisch  geordnete  Herbarium  durch  eine  geographisch- 
biologische Anordnung  zu  ergänzen,  und  es  will  Bilder  von  Vegetations- 
formationen besonders  von  Sachsen  und  Thüringen  vorführen  und  deren 
Verschiedenheiten  nach  Meereshöhe,  Unterlage  und  Jahreszeit  zugleich 
mit  der  Lebensgeschichte  und  Verbreitung  einzelner  Arten  zur  Darstellung 
bringen.  Es  soll  in  erster  Linie  Vorlesungszwecken  in  der  Pflanzengeo- 
graphie dienen  und  ist  daher  so  eingerichtet,  dafs  einzelne  Formationen 
im  Hörsaal  demonstriert  werden  können. 

Das  Herbarium  besteht  aus  84  cm  langen  und  41  cm  breiten  weifsen 
Papplatten,  die  so  grofs  gewählt  sind,  damit  auch  gröfsere  Pflanzen  mög- 
lichst vollständig  und  in  ihren  verschiedenen  Entwickelungsstadien  auf- 
geklebt werden  können.  Stärkere  Holzpflanzen  oder  solche  mit  dicken 
Wurzelstöcken,  die  am  besten  mit  Heftzwirn  befestigt  werden,  kommen 
auf  Tafeln,  die  am  Rande  einen  1 cm  dicken  Holzrahmen  als  Schutzleiste 
haben.  Je  zwei  am  oberen  und  unteren  Ende  angeleimte  Fliefspapier- 
bogen  bilden  den  nötigen  Stauhschutz. 

Die  Anordnung  und  Abgrenzung  der  Formationen  ist  nach  dem  sechsten 
Bande  der ,, Vegetation  der  Erde“*)  erfolgt.  Jedoch  sind  verwandte  Forma- 
tionen zu  Formationsgruppen  zusammengezogen,  um  den  Umfang  des  Her- 
bariums nicht  zu  grofs  werden  zu  lassen.  Und  so  sind  auf  den  Tafeln  die 
folgenden  grofsen  Formationen  zur  Anschauung  gebracht:  Wald,  Wiese,  Moor, 
subalpine  Matten,  Wasser-,  Hügel-  und  Ruderalpflanzen.  Daneben  aber  führen 
Einzelbilder  uns  besonders  charakteristische  Bestände,  wie  die  Thüringer 


*)  Engler,  A.n.  Drude,  0.:  Die  Vegetation  der  Erde,  VT.  Bd.  Drude:  Der  Her- 
cynische  Florenbezirk.  Leipzig  1902. 


67 


Muschelkalkflora,  die  Salzflora  von  Artern,  die  Lausitzer  Niederungsmoore, 
die  Bergwiesen  vom  Geising  im  Erzgebirge  usw.  vor  Augen.  Jeder  For- 
mation und  jedem  Einzelbilde  sind  überdies  Photographien  der  natürlichen 
Verhältnisse  beigegeben.  Und  bei  den  Wasserpflanzen  ist  das  Plankton 
durch  eine  Tafel  mit  farbigen  Zeichnungen  zur  Anschauung  gebracht.  In 
den  Vorlesungen  über  eine  der  Formationen  werden  die  betreffenden  Tafeln 
an  den  Schränken  des  Herbarsaales  aufgestellt  und  geben  nun  in  ihrer 
Gesamtheit  von  jener  ein  recht  deutliches  Bild. 

Die  Anordnung  der  Pflanzen  innerhalb  einer  Formation  ist  natürlich 
keine  systematische.  Sie  erfolgt  nach  der  Wuchsform,  wechselt  aber  in 
den  verschiedenen  Formationen  nach  dem  physiognomischen  Wert  der 
einzelnen  Arten  in  der  Weise,  dafs  immer  die  herrschenden  Formen  voran- 
gestellt werden.  Im  Walde  z.  B.  kommen  zuerst  die  Bäume,  die  immer- 
grünen nach  den  laubabwerfenden,  dann  die  Sträucher  mit  Zwerg-  und 
Schöfslingssträu  ehern,  hierauf  folgen  die  Farne,  Schachtelhalme  und  Bär- 
lappe, dann  die  Basenbildner  und  die  Stauden,  letztere  gruppiert  nach  der 
Art  des  Überwinterns  in  perenne  und  redivive  Stauden.  Hieran  schliefsen 
sich  die  zwei-  und  einjährigen  Blütenpflanzen,  die  Saprophyten  und  Para- 
siten, und  den  Schlufs  machen  die  Moose,  Flechten  und  Pilze.  Bei  den 
Wiesen  stehen  die  Rasenbildner  obenan  usw.  In  den  einzelnen  Gruppen 
gehen  immer  die  allgemein  verbreiteten  Formen  denjenigen  voran,  die 
nur  für  bestimmte  Regionen,  z.  B.  für  die  Niederungs-  und  Hügelwälder 
oder  für  die  Bergwälder  charakteristisch  sind. 

Für  die  Einteilung  dieser  Vegetationsformen  wurde  die  Bearbeitung 
Drudes  in  „Deutschlands  Pflanzengeographie“,  S.  33 ff.  zugrunde  gelegt. 
Zu  ihrem  Verständnis  sei  hier  nur  das  Folgende  erwähnt.  Von  den  eigent- 
lichen Grofssträuchern,  wie  Haselstrauch,  Weifs-  und  Schwarzdorn,  mit 
ihren  von  Grund  an  verzweigten  langlebigen  Holzstämmen  mit  oftmaliger 
Blütenerzeugung,  sind  die  Schöfslings-  und  Zwergsträucher  oder  Reiser 
unterschieden.  Die  ersteren  sind  ausgezeichnet  durch  einzelne  grofse, 
schon  im  ersten  Jahre  ihre  volle  Höhe  erreichende,  zwei-  oder  mehrjährige, 
beblätterte  Langtriebe  oder  Schöfslinge,  die  ein-  oder  mehrmals  blühen. 
Zu  ihnen  gehören  Brombeeren  und  Rosen.  Die  letzteren  haben  zahlreiche 
kleine  kurzlebige,  fruchttragende  Einzelsprosse  oder  Reiser,  die  ein-  bis 
zweimal  Blüten  erzeugen.  Sie  bleiben  daher  niedrig  und  erzeugen  oft 
dichte  rasenförmige  Decken  auf  der  Bodenoberfläche.  Vaccinien  und  Eriken 
sind  Beipiele  dafür.  Die  Holzstauden  umfassen  jene  Wuchsformen,  die 
man  auch  als  Halbsträucher  und  Erdstämme  bezeichnet.  Verholzte  unter- 
irdische Wurzelstöcke  oder  ähnliche  oberirdische  Erdstämme  mit  un- 
verholzten  ein-  oder  zweijährigen  Blütentrieben,  die  nach  der  Fruchtreife 
absterben,  sind  für  sie  charakteristisch.  Dryas  und  Linnaea , Thymus 
und  Calamintha- Arten  gehören  hierher.  Die  perennen  Stauden  haben  un- 
verholzte  Wurzelstöcke  oder  Rhizome  mit  oberirdischen,  auch  im  Winter 
ausdauernden  krautigen  Trieben,  die  entweder  immergrüne  Lederblätter, 
wie  Asarmn , Vinca  und  Pirola , oder  Rosetten,  wie  Primula , Fragaria , 
Hepatica  uw.,  oder  Polster,  wie  Dianthus- kr  ten,  oder  sich  bewurzelnde 
Wandertriebe  bilden,  wie  die  beiden  Chrysosplenium- Arten,  Oaleobdolon 
und  Stellaria  nemorum.  Die  rediviven  Stauden  führen  ein  hauptsächlich 
unterirdisches  Leben.  Von  ihnen  bleiben  am  Ende  der  Vegetationsperiode 
gar  keine  oberirdischen  lebenden  Teile  übrig,  Zwiebel-  und  Knollengewächse 
wie  Lilium  Martagon , Corydalis  und  Gagea-kriexi  sind  typische  Vertreter. 


68 


Daneben  kommen  noch  Erdstauden  und  Wurzelsprosser  vor.  Bei  ersteren 
perenniert  der  Wurzelstock  als  solcher  und  entwickelt  alljährlich  Kraftknospen 
für  neue  Triebe.  Hierher  gehört  die  Hauptmasse  der  einheimischen  Stauden. 
Aegopodium , Bupleurum , Aruncus , Ulmaria , Geum , Campanula , Astra- 
galus  und  Lathyrus  niger  seien  als  Vertreter  aufgeführt.  Bei  den  letzteren 
übernimmt  an  Stelle  des  Wurzelstockes  ein  reichverzweigter  wandernder 
Sprofs  die  Entwickelung  neuer  Triebe,  wie  Convallaria  und  Polygonatum , 
Paris  und  Dentaria  zeigen. 

Wenden  wir  uns  nun  zu  den  einzelnen  Tafeln  des  Herbariums.  Bei 
ihrer  Herstellung  wurde  das  Ziel  verfolgt,  die  Formation  nicht  nur  in  einem 
einzigen  Entwickelungsstadium  zu  zeigen,  sondern  auch  ihren  Jahreszeiten- 
wechsel, also  ihr  Aussehen  im  Winter,  Frühling,  Frühsommer,  Hochsommer 
und  Herbst,  zur  Darstellung  zu  bringen.  Um  hierbei  unnötige  Wieder- 
holungen zu  vermeiden,  wurde  die  Formation  nicht  in  fünf  getrennte 
Jahreszeitenbilder  aufgelöst,  sondern  für  jede  Art  der  ganze  Jahreszyklus 
auf  einer  oder  mehreren  aufeinander  folgenden  Tafeln  festgelegt.  Das 
hatte  noch  den  besonderen  Vorteil,  dafs  so  die  Lebensgeschichte  einer 
Art  zur  klaren  Anschauung  kam  und  doch  das  Jahreszeitenbild  der  For- 
mation demonstriert  werden  konnte.  Nur  bei  den  für  eine  bestimmte 
Landschaft  charakteristischen  Einzelbildern  einer  Formation  wurde  der 
Höhepunkt  in  der  Entwickelung  ausgewählt. 

Wir  sehen  z.  B.  bei  den  Bäumen  auf  dem  unteren  Teil  der  Tafel  einen 
Zweig  mit  den  ruhenden  Winterknospen  und  ihrem  Frostschutz,  darüber 
einen  zweiten  mit  den  austreibenden  Frühlingsblatt-  resp.  Blütenknospen, 
weiter  die  Vollblüte,  Vollbelaubung,  die  jungen  und  die  reifen  Früchte  und 
schliefslich  die  herbstliche  Blattverfärbung  mit  den  angelegten  Winter- 
knospen. Dadurch,  dafs  der  gleiche  Entwickelungszustand  oft  aus  ver- 
schiedenen Höhen  aufgeklebt  ist,  ergeben  sich  aus  den  beigefügten  Etiketten 
zugleich  wichtige  phänologische  Daten.  Junge  Keimpflänzchen  und  Stock- 
austriebe (z.  B.  bei  den  Pappeln)  ergänzen  die  Lebensgeschichte  der  Art. 
Bei  den  Stauden  kommt  dafür  cler  Wurzelstock,  die  Art  des  Überwinterns, 
Ausläufer-  und  Rasenbildung,  kurz  alles,  was  von  dem  vegetativen  Aufbau 
für  die  Bildung  des  Pflanzenkleides  auf  einer  Bodenfläche  von  Wichtigkeit 
ist,  zur  Darstellung. 

Weitere  pflanzengeographisch  wichtige  Angaben  bringen  dann  die  den 
Tafeln  beigegebenen  Etiketten.  Sie  unterscheiden  sich  zunächst  durch  ihre 
Farben.  Weifse  Etiketten  sind  für  die  gemeinen,  farbige  dagegen  für  die 
eine  Formation  auszeichnenden  Arten  gewählt.  So  haben  die  Charakter- 
arten des  Bergwaldes  grüne,  die  der  Niederungs-  und  Hügelwälder  rosen- 
rote, die  der  Moore  braune,  die  der  Hügelformationen  gelbe  und  die  der 
Wasserpflanzen  blaue  Etiketten.  Mit  grünen  Etiketten  sind  z.  B.  versehen: 
Abies  pectinata,  Lonicera  nigra , Athyrium  alpestre , Luzula  silvatica , 
Homogyne , Digitalis  purpurea , Mulgedium  usw.;  mit  roten:  Evonymus 
europaea,  Lonicera  Periclymenum , Scolopendrium  vulgare , Melica  nutans 
und  uniflora,  Melampyrum  nemorosum , Cypripedium  usw.;  mit  braunen:  Be- 
tula nana , Carex  pauciflora , Ledum  palustre , Vaccinium  uliginosum  und 
Oxycoccus , Rhynchospora  fusca,  Hydrocotyle , Erica  Tetralix\  mit  gelben: 
Clematis  recta , Dictamnus  albus , Asperula  glauca , Seseli  und  andere;  und 
mit  blauen  endlich:  Hottonia  palustris,  Trapa  natans , Hydrocharis  und 
Carex  stricta. 


69 


Auf  jeder  Etikette  steht  zu  oberst  der  Name  der  Formation,  dann 
kommen  die  Gruppen  der  biologischen  Yegetationsformen  und  die  Unter- 
gruppen der  Formation,  in  denen  die  Pflanze  überhaupt  im  Gebiet  vor- 
kommt, weiter  folgen  Speziesname  und  floristische  Signaturen,  die  sich 
auf  die  allgemeine  Verbreitung  der  Art  und  ihre  besondere  in  dem  her- 
cynischen  Bezirk  beziehen,  mit  Bezeichnungen  über  die  Häufigkeit  der 
Standorte  und  die  der  Individuen  daselbst  (Frequenz  und  Abundanz)  und 
den  Schlufs  machen  Angaben  über  den  Standort  der  Art.  So  haben 
Daphne  Mezereum  und  Lonicera  Periclymenum  die  folgenden  Etiketten: 

Formation  der  Wälder. 

2.  Gruppe:  Sträucher. 

b.  III:  in  Formation  (2)  7—9. 

Daphne  Mezereum  L. 

Flor.  Sign.:  Mb.  Freq.  3.  — spor. 

Standort:  Niederung  und  oberer  Bergwald  bis  ca.  800  m. 

Formation  der  Wälder. 

2.  Gruppe:  Sträucher. 

b.  I:  in  Formation  1 — 4. 

Lonicera  Periclymenum  L. 

Flor.  Sign.:  NAtl.  wh — mh.  Freq.  3.  spor.-cop. 

Standort:  Thüringer  Laubwälder.  300  m. 

Die  Bezeichnung  b.  III  und  b.  I unter  der  Gruppe  will  Folgendes  be- 
sagen: Unter  a sind  die  Sträucher  von  allgemeiner,  unter  b die  von  nicht 
allgemeiner  Verbreitung  zusammengefafst.  Es  haben  also  sämtliche  Arten 
unter  b farbige  Etiketten.  Die  Zahlen  I— III  geben  die  Untergruppen  der 
Waldformationen  an  und  zwar  I die  Plügel-  und  trocknen  Niederungs- 
wälder mit  den  Formationen  1 — 4,  d.  h.  den  Buschgehölzen,  den  ge- 
schlossenen Laub-,  Meng-  und  Kiefernwäldern,  II  die  Wälder  der  nassen 
Niederung  mit  den  Formationen  5 und  6,  d.  h.  den  Auen-  und  Bruch- 
wäldern, und  III  die  Bergwälder  bis  zur  Baumgrenze  mit  Berglaubwald, 
sumpfigem  und  oberem  Fichtenwald  (Formationen  7 — 9).  Die  unter  dem 
Speziesnamen  folgenden  geographischen  oder  floristischen  Signaturen  Mb 
und  NAtl.  geben  das  Areal  der  Art  an.  Es  bedeutet  M = Mitteleuropa 
und  Mb  ==  mitteleuropäisch-boreales,  NAtl.  = nordatlantisches,  W = west- 
europäisches, A = arktisches  Areal  usw.  Freq.  1 — 5 bezeichnet  die  Häufig- 
keit der  Standorte,  für  seltene  Arten  wird  r und  für  die  gröfsten  Selten- 
heiten rr  verwendet.  Die  von  der  westlichen  bis  zur  östlichen  Plercynia 
durchgehenden  Arten  tragen  nur  eine  dieser  Häufigkeitsbezeichnungen.  Ist 
dagegen  eine  Spezies  nur  im  Westen,  in  der  Mitte  oder  im  Osten  verbreitet, 
so  kommen  dazu  noch  die  näheren  Angaben  wh,  mh,  oh  (s.  Etikette  für 
Lonicera  Periclymenum).  Die  letzten  floristischen  Signaturen  endlich  be- 
ziehen sich  auf  die  Dichtigkeit  des  Vorkommens  oder  die  Zahl  der  Indi- 
viduen an  den  Standorten.  Dafür  sind  die  Bezeichnungen:  soc.  (plantae 
sociales)  für  die  geselligen,  greg.  (pl.  gregariae)  für  die  truppweise  auf- 
tretenden, cop.  (pl.  copiosae)  für  die  in  Menge  zerstreuten  und  spar.  (pl. 
sparsae)  für  die  vereinzelt  eingestreuten  Arten  benutzt  worden. 

Aufser  der  vorstehend  beschriebenen  Hauptetikette  finden  sich  auf 
den  Tafeln  bei  den  einzelnen  Entwickelungsphasen  noch  kleinere  weifse, 
streifenförmige  Etiketten,  die  den  Aufdruck  haben:  Winterruhe,  Frühling, 


70 


Frühsommer,  Hochsommer  und  Herbst.  Auf  ihnen  wird  der  aufgeklebte 
Entwickelungszustand  näher  charakterisiert  und  die  Zeit  des  Einsammelns 
und  die  Höhe  des  Standortes  ausführlich  angegeben.  So  tragen  bei  Daphne 
Mezereum  diese  Etiketten  folgende  Vermerke:  Frühling:  Vollblüte  mit  aus- 
treibenden Blattknospen;  unteres  Erzgebirge,  850  m;  den  14.  März  1908. 
Frühsommer:  Letzte  Blüten  und  Entfaltung  des  Laubes;  Lausitzer  Berg- 
land, 700  m;  18.  Mai  1902.  Hochsommer:  Vollbelaubung  und  reifende 
Früchte;  höchster  Standort  im  Erzgebirge  1000  m;  30.  Juli  1902. 

Ein  so  grofs  angelegtes  Formationsherbarium  läfst  sich  natürlich  nicht 
in  1 — 2 Jahren  fertigstellen.  Es  sind  zahlreiche  Exkursionen  zu  allen 
Jahreszeiten  notwendig,  um  nur  das  Material  zusammenzubringen,  und  es 
erfordert  viel  Zeit  und  Mühe,  ehe  dieses  als  Demonstrationsmittel  dienen 
kann.  Auch  unser  Herbarium  ist  noch  nicht  vollständig  und  bedarf  noch 
mancher  Ergänzung.  Trotzdem  zeigt  es  aber  deutlich,  wie  viele  wichtige 
pflanzengeographische  und  ökologische  Tatsachen  mit  ihm  demonstriert 
werden  können  und  wie  unentbehrlich  es  für  die  Vorlesungen  über  Pflanzen- 
geographie ist. 

Aber  ich  möchte  die  Anlage  von  Formationsherbarien  nicht  nur  für 
Vorlesungszwecke,  sondern  auch  für  Schulen  dringend  empfehlen.  Das 
systematisch  geordnete  Herbarium,  wie  es  sehr  viele  Schulen  besitzen,  ist 
für  den  Unterricht  nicht  verwendbar.  Es  kann  höchstens  einmal  dem 
Lehrer  das  Vergleichsmaterial  für  schwierige  Bestimmungen  liefern,  und 
selbst  dabei  läfst  es  vielfach  im  Stiche,  weil  gerade  die  gemeinsten  Pflanzen 
der  Umgebung  in  einem  solchen  von  irgend  einem  Liebhaber  angelegten 
und  der  Schule  geschenkten  Herbar  zu  fehlen  pflegen.  So  verstaubt  es 
nutzlos  in  einem  Schranke  und  wird  von  Anobien  zerfressen.  Das  Her- 
barium könnte  aber  sehr  wohl  ein  ausgezeichnetes  Anschauungsmittel  sein, 
wenn  man  bei  Anlegung  eines  solchen  von  der  systematischen  Anordnung 
ganz  absehen  und  nur  ökologische  oder  pflanzengeographische  oder  besser 
beide  Gesichtspunkte  als  Einteilungsprinzip  anwenden  würde. 

Zusammenstellungen  nach  fleischfressenden  Pflanzen,  Bestäubungs- 
einrichtungen, Samenausstreuung  usw.  existieren  wohl  schon  an  verschie- 
denen Schulen.  Pflanzengeographische  Momente  sind  aber  bisher  wenig 
oder  gar  nicht  für  solche  Gruppierungen  mafsgebend  gewesen.  Ich  meine 
aber,  dafs  das  im  Interesse  der  Heimatkunde  geboten  ist.  Der  heutige 
biologische  Unterricht  in  den  Mittelschulen  stellt  ja  unzweifelhaft  gegen 
früher  einen  grofsen  Fortschritt  dar.  Aber  er  kann  auch  leicht  zu  einer 
gewissen  Einseitigkeit  führen,  bei  welcher  die  Kenntnis  der  Heimat,  ,,das 
wichtigste  Förderungsmittel  für  Vaterlandsliebe“,  nicht  die  gebührende  Be- 
rücksichtigung findet*  wenn  man  sich  in  der  Botanik  z.  B.  darauf  beschränkt, 
die  Schüler  die  Lebensgeschichte  ausgewählter  einheimischer  Arten  kennen 
zu  lehren.  Wie  man  sich  in  der  Mineralogie  nirgends  mit  der  Betrachtung 
der  einzelnen  Mineralien  begnügt,  sondern  ihre  Verbindung  zu  Gesteinen 
und  deren  Entstehen  und  Vergehen  behandelt,  so  sollte  es  auch  in  der 
Botanik  sein.  Auf  die  Lebensgeschichte  der  einzelnen  Arten  rnüfste  sich 
die  Lebensgeschichte  der  grofsen,  in  der  freien  Natur  sich  findenden 
Pflanzenbestände,  der  Formationen,  aufbauen.  Das  heimatliche  Land- 
schaftsbild erhält  seine  Umrisse  durch  den  geologischen  Aufbau,  seine 
Farben  aber  erst  durch  das  bedeckende  Pflanzenkleid.  Ein  volles  Ver- 
ständnis dieses  Bildes  kann  uns  also  neben  der  Geologie  nur  die  pflanzen- 
geographische Formationslehre  übermitteln. 


71 


Die  Lebensgeschichte  einer  Pflanze  wird  vielfach  erst  durch  die  Be- 
rücksichtigung ihres  Standortes  und  der  hier  einwirkenden  äufseren  Faktoren 
verständlich.  Wenn  wir  aber  den  Standort  in  Betracht  ziehen,  so  sehen 
wir  hier  eine  Anzahl  von  Pflanzen  aus  den  verschiedensten  systematischen 
Gruppen  vereinigt,  welche  durch  die  gleichen  Bedürfnisse  zusammengeführt 
mehr  oder  weniger  auffällig  die  Einwirkungen  des  Standortes  zeigen,  diesem 
sich  angepafst  haben  und  demnach  die  gleiche  Haushaltsführung  aufweisen. 
Oder  anders  ausgedrückt:  „Das  räumliche  Beieinander  hat  eine  Ähnlich- 
keit der  Standortsbedingungen  zur  Grundlage  und  eine  gleichsinnige  phy- 
siologische Ausrüstung  wie  auch  eine  weitgehende  Übereinstimmung  im 
Artbestande  zur  Begleitung.“  (Gradmann.)  Und  so  führt  uns  das  Hervor- 
suchen gemeinsamer  ökologischer  Züge,  das  Streben,  die  Pflanzen  nach 
dieser  Haushaltsführung  zu  gruppieren,  häufig  ganz  ungezwungen  zu  jenen 
grofsen  Beständen,  die  die  Pflanzengeographie  als  Formationen  bezeichnet. 
Die  Formationen  der  Wasserpflanzen  mit  ihren  charakteristischen  An- 
passungen an  das  Wasserleben  und  die  der  sonnigen  Hügel  mit  den  aus- 
geprägten Trockenschutzeinrichtungen  mögen  als  Beispiele  für  das  eben 
Gesagte  dienen. 

Nun  können  zwar  Schulgärten  und  Exkursionen  bei  der  Behandlung 
der  Formationen  im  Unterricht  wichtige  Hilfen  liefern.  Leider  fehlt  es 
vielen  Anstalten,  namentlich  der  Grofsstadt,  zu  ersteren  an  dem  nötigen 
Raum  und  meist  auch  den  erforderlichen  Mitteln,  und  Exkursionen  sind 
dort  ebenfalls  nur  in  beschränktem  Mafse  ausführbar.  Da  bleibt  als  un- 
entbehrliches Anschauungsmittel  eben  nur  das  Formationsherbarium  übrig. 

Wenn  ich  nun  unser  grofses  Formationsherbarium  als  Musterbeispiel 
auch  für  Schulen  hinstelle,  so  bin  ich  mir  wrohl  bewufst,  dafs  dieses  weit 
über  das  Ziel  der  Mittelschulen  hinausgeht.  Aber  für  solche  Zwecke 
können  leicht  starke  Vereinfachungen  eintreten.  Da  ist  es  nicht  nötig, 
die  verschiedenen  Formationen  in  ihrer  ganzen  Vollständigkeit  zu  zeigen, 
sondern  nur  diejenigen,  welche  sich  in  der  näheren  Umgebung  finden,  und 
auch  diese  nur  in  der  Ausbildung,  wie  sie  die  Örtlichkeit  bedingt.  Es 
kann  sich  also  in  der  Schule  nur  um  Einzelbilder  von  Formationen  handeln. 
Dadurch  vermindert  sich  die  Zahl  der  aufzuklebenden  Pflanzen  sehr.  Und 
diese  kann  noch  mehr  beschränkt  werden,  wenn  man  die  selten  vor- 
kommenden Arten  ganz  wegläfst,  dafür  aber  die  Lebensgeschichte  der 
übrigen  möglichst  vollständig  zur  Darstellung  bringt.  Auch  die  grofsen 
Papptafeln,  die  in  ihrer  Handhabung  und  Aufbewahrung  etwas  unbequem 
sind,  sind  nicht  unbedingt  notwendig.  Man  kann  ebensogut  die  einzelnen 
Arten  oder  ihre  verschiedenen  Entwickelungszustände  auf  gewöhnliches 
starkes  Herbarpapier  auf  kleben.  Letzteres  hat  noch  die  besonderen  Vor- 
teile, dafs  man  aus  dem  etwa  vorhandenen  nicht  benutzten  systematischen 
Schulherbarium  sich  den  Grundstock  zu  einem  anzulegenden  Formations- 
herbarium aussuchen  kann,  nachdem  man  sich  im  Freien  die  in  Betracht 
kommenden  Arten  aufgezeichnet  hat,  und  dafs  die  Jahreszeitenbilder  leicht 
einzeln  zusammenstellbar  sind. 

Diese  Blätter  können  dann  leicht  im  Sammlungszimmer  aufgehängt 
oder  ausgelegt  werden  und  dienen  nicht  nur  als  Anschauungsmittel  bei 
Besprechung  einer  Formation,  sondern  auch  für  die  Vorbereitung  zu  Ex- 
kursionen in  diese.  Denn  ich  meine,  man  sollte  auf  einem  Gang  ins  Freie 
nicht  planlos  alles  beobachten  und  sammeln,  was  einem  am  Wege  gerade 
in  die  Hände  gerät,  sondern  stets  für  eine  botanische  Exkursion  als  festes 


72 


Ziel  eine  Formation  der  Umgebung  ins  Auge  fassen  und  hier  erst  mit  der 
Arbeit  beginnen.  Hat  nun  der  Schüler  sich  schon  vorher  in  der  Schule 
mit  deren  Pflanzenformen  vertraut  gemacht,  so  erkennt  er  diese  auch  im 
Freien  leicht  wieder  und  freut  sich  ihrer  Bekanntschaft.  Dadurch  aber 
wird  erreicht,  dafs  auf  einmal  nicht  allzuviel  Neues  auf  ihn  einstürmt,  er 
hat  Zeit  für  weitere  Beobachtung  und  Vertiefung.  Und  wenn  der  Schüler 
die  Formationen  seiner  Umgebung  erst  einmal  genauer  kennt,  so  hat  er 
dann  auch  ein  offenes  Auge  für  die  Pflanzenbestände  der  weiteren  Um- 
gebung. Er  schaut  die  neu  auftauchenden  Gestalten,  vergleicht  mit  der 
Heimat  und  lernt  so  deren  Besonderheiten  erkennen  und  schätzen.  Jede 
Wanderung  wird  ihm  zum  Naturgenufs. 

Botanisches  Institut  der  Technischen  Hochschule  Dresden,  20.  Dezember  1907. 


VII.  Über  Herbarien  aus  dem  16.  Jahrhundert. 

Von  Dr.  B.  Schorler. 


Unter  Herbarien  hat  man  keineswegs  immer  das  verstanden,  was  man 
heute  darunter  versteht,  nämlich  Sammlungen  von  flach geprefsten  und 
getrockneten  Pflanzen.  Plinius  gebrauchte  in  seiner  Historia  naturalis 
das  Wort  Herbarius  für  einen  Kräutersammler.  In  den  medizinisch- 
botanischen Handschriften  des  14.  und  15.  Jahrhunderts  wird  mit  Herbarius 
das  alphabetische  Verzeichnis  der  Heilpflanzen  bezeichnet.  So  hat  nach 
Maiwald*)  die  Wodnianer  Handschrift  aus  dem  Jahre  1389  unter  ihren 
16  Abschnitten  neben  einem  Verzeichnis  von  Edelsteinen  auch  schon  einen 
Herbarius.  Und  aus  dem  Jahre  1416  ist  uns  die  Abschrift  eines  anderen 
Heilpflanzenverzeichnisses  erhalten,  das  Christann  von  Prachatitz  zum  Ver- 
fasser hat  und  den  Titel  trägt:  „Jncipit  Erbarius  reverendi  Magistri 
Christanni“.  Später  ging  dieser  Name  auf  die  mit  Abbildungen  versehenen 
Kräuterbücher  über.  Man  hat  einen  Herbarius  Maguntie  impressus  anno 
1484,  auch  kurz  Herbarius  Maguntinus  genannt,  und  einen  Herbarius 
Patavie  impressus  anno  1486.  Diesen  ersten  Kräuterbüchern  sind  dann  eine 
ganze  Anzahl  mit  dem  gleichen  Namen  Herbarius  (italienisch  erbario,  eng- 
lisch herball),  für  den  man  auch  vereinzelt  den  Namen  Herbolarium,  z.  13. 
,,Herbolarium  de  virtutibus  herbarum“  1491  anwandte,  nachgefolgt.  Auch 
für  die  deutschen  Ausgaben  der  Kräuterbücher  behielt  man  diesen  lateini- 
schen Namen  bei.  So  z.  B.  endet  die  erste  deutsche  Ausgabe  des  be- 
rühmten Ortus  sanitatis,  des  ,,Gart  der  Gesundheit“  mit  den  Worten: 
„Dieser  Herbarius  ist  czu  mencz  gedruckt“  usw. 

Eine  weitere  Wandlung  erfuhr  dann  der  Begriff  Herbarius,  indem 
man  ihn  auf  den  Botaniker  selbst  übertrug,  was  von  den  Vätern  der 
Botanik  im  16.  Jahrhundert  sehr  häufig  geschah.  So  schrieb  Brunfels 
stets  „Hieronymus  herbarius“  für  Bock  (oder  Brunschwick?).  Das  ist  also 
wieder  eine  Rückkehr  zur  ursprünglichen  Bedeutung  des  Wortes.  Und 
wie  man  heute  neben  dem  „Botaniker“  auch  das  „Botanisieren“  und 
„Botanisieren  gehen“  hat,  so  gebrauchten  die  Alten  ähnliche  Wendungen, 
z.  B.  herborisare,  Herborisieren,  herbatum  ire,  herbatum  gehen  usw.  So 
schreibt  der  Pfarrer  Ch.  Lehmann  1699  in  seinem  „Historischen  Schau- 
platz derer  natürlichen  Merkwürdigkeiten  in  dem  Oberertzgebirge“,  dafs 
„fremde  und  vornehme  Medici  als  Valerius  Cordus,  Dr.  Bartholinus  aus 
Dänemark,  Dr.  Salianus  und  andere  auf  diesen  Berg  (gemeint  ist  der 
Pöhlberg)  , herbatum4  gegangen.“ 


*)  Maiwald,  V.:  Geschichte  der  Botanik  in  Böhmen.  Wien  1904. 


74 


Herbarien  in  dem  heutigen  Sinne,  also  getrocknete  Pflanzensamm- 
lungen, tauchen  erst  in  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  auf.  Man  hatte 
für  sie  zunächst  keinen  Namen,  sie  werden  schlechthin  als  Buch  resp.  als 
über,  Codex,  chartae,  libro,  livre,  book  bezeichnet.  Rauwolff  nennt  als  erster 
seine  1573 — 1575  zusammengestellte  Sammlung  Kräuterbuch.  Ihm  folgt 
in  dieser  Bezeichnung  Harder  1576.  Wahrscheinlich  um  Verwechslungen 
mit  den  gedruckten  Kräuterbüchern  zu  vermeiden,  führt  Ratzenberger  1592 
die  Bezeichnung  „Lebendiger  Herbarius  oder  Kreuterbuch“,  auch  Her- 
barius  vivus  und  Herbarium  vivum  ein.  Und  Spigel  gebraucht  dafür 
Hortus  hyemalis  (1606),  Bauhinus  Hortus  siccus  (1620),  Linne  (1756)  Hortus 
mortuus  und  endlich  Fr.  Ehrhart  (1780)  Phytophylacium  (d.  h.  Pflanzen- 
sammlung). 

Den  Vätern  der  Botanik,  Brunfels,  Bock  und  Fuchs  sind  jedoch  solche 
Herbarien  noch  nicht  bekannt.  Brunfels  z.  B.  hat  in  der  Vorrede  zu  seinem 
Kräuterbuche  ein  besonderes  Kapitel:  „Wie  man  die  Kreuter  behalten 
soll.“  Es  finden  sich  jedoch  hierin  nur  Anweisungen,  die  Pflanzen  und 
ihre  Teile  so  zu  trocknen  und  aufzubewahren,  wie  es  in  den  Drogerien 
und  Apotheken  noch  heute  geschieht. 

Es  erhebt  sich  daher  die  Frage:  Wer  war  der  Erfinder  der  heutigen 
Herbarien?  E.  Meyer  war  der  erste,  der  in  seiner  Geschichte  der  Botanik 
Bd.  IV,  1857  diese  Frage  zu  beantworten  suchte.  Er  kam  auf  Grund 
seiner  Nachforschungen  zu  dem  Resultat,  dafs  der  Italiener  Luca  Ghini, 
der  in  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  an  den  Universitäten  von  Bologna 
und  später  von  Pisa  als  „Lector  simplicium“  wirkte,  der  Erfinder  der 
Herbarien  sein  müsse,  weil  seine  Schüler  Aldrovandi  und  Caesalpini  beide 
nachweisbar  Herbarien  besafsen,  und  weil  Ghini  auch  getrocknete  Pflanzen 
an  Matthioli  schickte,  der  von  diesen  Abbildungen  anfertigen  liefs.  Die 
Zeit  der  Erfindung  der  Herbare  durch  Ghini  verlegt  Meyer  noch  vor  das 
Jahr  1548. 

Nach  Meyer  haben  sich  besonders  der  Franzose  Saint-Lager*)  und 
C.  Flatt**)  in  Budapest  mit  dem  Quellenstudium  zur  Geschichte  der  Her- 
bare befafst.  Sie  kommen  dabei  beide  zu  wesentlich  anderen  Resultaten 
als  Meyer.  Saint -Lager  stellte  fest,  dafs  die  von  Ghini  an  Matthioli  ge- 
schickten Pflanzen  nichts  weiter  als  Drogen,  also  an  der  Luft  ohne  Pressen 
getrocknete  Pflanzen  waren,  die  Matthioli,  bevor  er  sie  zeichnen  liefs,  erst 
in  kaltem  Wasser  aufweichte,  um  ihnen  einigermafsen  die  Form  lebender 
Pflanzen  zu  geben.  Auch  erwähnt  Matthioli  nirgends  in  seinen  Schriften 
das  Trocknen  der  Pflanzen  zwischen  Papier,  obgleich  er  in  dem  ersten 
Kapitel  seiner  Dioscorides-Kommentare  Ratschläge  für  das  Sammeln  und 
Trocknen  der  Pflanzen  gibt.  Aber  hier  ist  immer  nur  von  dem  bei  den 
Kräutersammlern  üblichen  bündelweise  Trocknen  an  der  Luft  die  Rede. 
Er  würde  doch  hier  sicher  die  neue  Methode,  Pflanzen  herbarmäfsig 
herzurichten,  erwähnt  haben,  wenn  er  sie  an  den  Ghinischen  Pflanzen 
kennen  gelernt  hätte. 

Des  Weiteren  wies  Flatt  nach,  dafs  in  dem  durch  Aldrovandi  ge- 
sichteten Nachlafs  Ghinis  sich  weder  ein  Herbarium,  noch  auch  nur  eine 
herbarmäfsig  hergerichtete  Pflanze  fand.  „Nichts  spricht  dafür“,  schreibt 


*)  Saint-Lager:  Histoire  des  Herbiers.  Paris  1885. 

**)  Flatt,  C.:  Zur  Geschichte  der  Herbare.  — Ungar,  bot.  Blätter.  Budapest  1902 
u.  1903. 


75 


Flatt,  „dafs  Ghini  ein  Herbar  besessen  habe,  auch  ist  keine  einzige  Spur 
vorhanden,  dafs  Ghini  Pflanzen  derart  getrocknet  hätte,  dafs  der  Begriff 
einer  , Herbarpflanze4  auch  nur  einigermafsen  auf  dieselben  passen  würde.“ 

Die  beiden  Forscher  kommen  daher  zu  dem  gleichen  Resultat,  dafs 
der  Italiener  Ghini  nicht  der  Erfinder  der  Herbarien  ist.  Die  ältesten 
Urkunden  über  Herbarien  finden  sich  in  den  Enarrationes  in  Dioscoridem 
des  Amatus  Lusitanus  1554  und  in  William  Turners:  A new  Herball,  1562. 
In  dem  ersten  Werk  erzählt  der  berühmte  Portugiese,  dafs  er  während 
seines  Aufenthaltes  in  Ferrara  im  Jahre  1540 — 1547  auch  den  Engländer 
John  Falconer  kennen  lernte,  der  auf  seinen  Reisen  eine  grofse  Zahl 
Pflanzen  gesammelt  habe,  die  er  in  kunstvoller  Weise  präpariert  und  auf 
Papierblätter  geklebt  und  zu  einem  Buche  vereinigt  habe*).  Von  diesem 
Herbarium  Falconers  berichtet  auch  Turner  in  seinem  Kräuterbuche.  Er 
zitiert  darin  aber  auch  sein  eigenes  Herbarium,  auf  das  er  sich  in  seinen 
Pflanzenbeschreibungen  vielfach  bezieht,  und  aufserdem  das  des  Hugh 
Morgan,  des  Hofapothekers  der  Königin  Elisabeth.  Von  diesen  drei 
ältesten  englischen  Herbarien  ist  uns  leider  kein  einziges  erhalten  geblieben. 

Wenn  man  nun  weiter  berücksichtigt,  dafs  in  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts  die  Italiener  Aldrovandi,  Cibo,  Caesalpini  und  Laguna, 
die  Franzosen  Girault  und  Renaud,  die  Deutschen  Rauwolff,  Harder, 
Ratzenberger  und  Burser,  der  Schweizer  Bauhin  und  andere  nachweislich 
Herbare  besafsen,  die  zum  grofsen  Teil  auf  uns  gekommen  sind,  so  mufs 
man  Saint-Lager  und  Flatt  beipflichten,  wenn  sie  der  Meinung  sind,  dafs 
die  Erfindung  der  Herbare  nicht  einem  einzelnen  zugeschrieben  werden 
kann,  sondern  dafs  man  in  der  Zeit,  da  man  anfing,  sich  mit  den  ein- 
heimischen Pflanzen  zu  beschäftigen,  in  Italien,  England,  Frankreich, 
Deutschland  usw.  gleichzeitig,  und  zwar  etwa  in  der  Mitte  des  16.  Jahr- 
hunderts, auf  die  Technik,  Pflanzen  herbarmäfsig  aufzubewahren,  gekommen 
sein  mufs. 

Wie  schon  erwähnt  sind  die  drei  ältesten  englischen  Herbarien  ver- 
loren gegangen.  Die  ältesten  erhaltenen  Herbarien,  sämtlich  aus  dem 
16.  Jahrhundert,  sind  die  folgenden: 

1.  Das  Herbarium  des  Ulysses  Aldrovandi,  das  im  Jahre  1554  an- 
gelegt wurde  und  sich  jetzt  in  der  Bibliothek  des  Botanischen  Gartens  zu 
Bologna  befindet.  Eine  eingehende  Beschreibung  dieses  Herbars  lieferte 
Saint-Lager  in  seiner  Histoire  des  Herbiers,  p.  30 — 45. 

2.  Ein  Herbarium  des  Gherardo  Cibo  in  der  Angelica- Bibliothek  zu 
Rom,  das  nach  der  Schätzung  Celanis  (Sopra  un  Erbario  di  Gherardo 
Cibo.  Malpighia  1902)  ungefähr  mit  dem  Aldrovandischen  gleichaltrig  ist. 
Ja  nach  einer  neuerdings  erst  erschienenen  Arbeit  von  Penzig  (Contri- 
buzioni  alla  storia  della  botanica  1904)  wäre  ein  Teil  des  Ciboschen  Her- 
bariums sogar  noch  älter  als  das  von  Aldrovandi  und  schon  1532  her- 
gestellt, also  das  älteste  aller  jetzt  existierenden. 

3.  Das  Herbarium  des  Lyoner  Chirurgen  Jean  Girault  aus  dem  Jahre 
1558  im  Museum  d’histoire  naturelle  de  Paris,  ebenfalls  ausführlich  be- 
schrieben von  Saint-Lager  1.  c.,  p.  45 — 66.  Hier  sind  die  Pflanzen  den 
Papierbogen  aufgenäht,  während  sie  in  den  übrigen  Herbarien  mit  ihrer 
ganzen  Fläche  aufgeklebt  sind. 


')  Amatus  Lusitanus:  Enarrationes  in  Dioscoridem,  lib.  III,  cap.  78,  pag.  337. 


76 


4.  Das  Herbarium  von  Andrea  Caesalpini  aus  dem  Jahre  1563  im 
Naturhistorischen  Museum  zu  Florenz,  beschrieben  von  Bertoloni  in  „Memoria 
sopra  l’erbario  e una  lettera  del  Caesalpino“  1819  und  von  Caruel  unter 
dem  Titel:  Illustratio  in  hortüin  siccum  Andreae  Ceasalpini.  1858. 

5.  Das  Herbarium  des  Augsburger  Arztes  Leonhard  Rauwolff  aus  den 
Jahren  1573—1575  im  Rijks  Museum  zu  Leyden,  beschrieben  von  Münter 
in  der  Oesterr.  bot.  Zeitschr.  1866,  S.  201 — 204.  Über  die  sonderbaren 
Schicksale  dieses  Herbariums  gibt  Eyries  in  der  Biographie  universelle, 
t.  37,  p.  143  interessante  Mitteilungen. 

6.  — 8.  Die  Herbarien  des  Ulmer  „Schulmeisters  und  Simplicisten^ 
Hieronimus  Harder.  Harder  stellte  nachweislich  drei  Herbarien  zusammen. 
Das  erste  aus  den  Jahren  1574 — 1576  gilt  allgemein  als  verschollen.  Ich 
komme  auf  dasselbe  weiter  unten  noch  zu  sprechen.  Das  zweite  aus  dem 
Jahre  1594  wird  in  der  Bibliothek  der  Stadt  Ulm  auf  bewahrt  und  ist 
von  Veesenmayer  in  den  Württemberg,  naturw.  Jahresheften,  12.  Jahrg., 
1.  Heft,  1856,  S.  55 — 59  beschrieben  worden.  Das  dritte  aus  dem  Jahre 
1599,  das  sich  jetzt  im  Wiener  K.  K.  Naturhistor.  Hofmuseum  befindet, 
beschrieb  G.  Beck  1888. 

9. — 10.  Die  zwei  Herbarien  von  Caspar  Ratzenberger.  Das  erste 
stammt  aus  dem  Jahre  1592,  wird  gegenwärtig  im  Königl.  Museum  in 
Cassel  aufbewahrt  und  ist  1870  von  Kessler  (Das  älteste  und  erste  Her- 
barium Deutschlands)  ausführlich  beschrieben  worden.  Das  zweite  aus 
dem  Jahre  1598,  dafs  man  bis  vor  kurzem  als  verloren  gegangen  ansah, 
befindet  sich  nach  der  Beschreibung  Zahns  (Mitteilungen  des  Thüring.  bot. 
Vereins  1901)  in  der  Herzogi.  Bibliothek  zu  Gotha. 

11.  Ein  italienisches  Herbarium  unbekannter  Herkunft  aus  den  letzten 
Dezennien  des  16.  Jahrhunderts,  das  in  dem  Staatsarchiv  von  Modena  auf- 
bewahrt wird  und  den  Titel  führt  „Ducale  Erbario  Estense“,  eingehend 
beschrieben  von  Camus  und  Penzig  1885. 

12.  Ein  spanisches  Herbarium,  das  dem  Franciscus  Ilernandez  zu- 
geschrieben und  in  der  Bibliothek  des  Escurials  aufbewahrt  wird.  Das 
Jahr  der  Entstehung  ist  nicht  bekannt,  doch  gehört  es  wie  das  vorige 
noch  dem  16.  Jahrhundert  an. 

13.  Das  Herbarium  Caspar  Bauhins  in  der  Bibliothek  des  Botanischen 
Gartens  der  Baseler  Universität  stammt  ebenfalls  aus  dem  16.  Jahrhundert, 
da  Bauhin  nach  seinen  eigenen  Worten  im  Prodromos  theatri  botanici 
bereits  mit  16  Jahren,  also  1576,  Pflanzen  zu  sammeln  begann.  Be- 
schreibungen dieses  umfangreichen  wichtigen  Herbariums  geben  Saint-Lager 
(Histoire  des  herbiers,  p.  86  — 118)  und  De  Candolle  (Bull.  Herb.  Boiss., 
s.  II,  t.  4,  p.  201—217.  1904). 

14.  Das  Herbarium  des  aus  der  Lausitz  (Kamenz)  stammenden  Joachim 
Burser,  eines  Schülers  Bauhins,  das  sich  in  der  Verwahrung  der  öffentlichen 
Bibliothek  zu  Upsala  befindet  und  am  Ende  des  16.  Jahrhunderts  angelegt 
wurde.  Beschrieben  ist  es  von  Roland  Martin  1749  in  den  Amoenitates 
Academicae,  p.  141  — 171.  Da  Burser  auch  die  Lausitz,  das  Erzgebirge, 
Böhmen  und  Thüringen  bereiste  und  auf  seinen  Reisen  eifrig  sammelte, 
so  finden  sich  in  seinem  Herbarium  wahrscheinlich  auch  sächsische  Pflanzen. 
Leider  ist  ein  grofser  Teil  des  Herbariums  durch  Feuer  zerstört  worden, 
sodafs  es  jetzt  nur  noch  240  Arten  enthält. 

Dieser  Aufzählung  der  ältesten  erhaltenen  Herbarien  aus  dem  16.  Jahr- 
hundert füge  ich  noch  ein  Herbarium  aus  dem  Anfänge  des  17.  Jahrhunderts 


77 


an,  clas  vor  allem  für  Sachsen  wichtig  ist,  nämlich  das  Leipziger  Herbarium 
von  Georg  Kirchen,  das  den  Titel  führt:  Herbarium  vivum,  in  quo 
praecipue  arbores,  frutices,  suffrutices  et  Herbae,  tarn  exoticae  quam  vul- 
gares, quas  Lipsiae  conspexi  continentur,  collectum  ab  anno  1600  usque 
ad  1606  per  M.  Georgium  Kirchenium  Wettringensem,  medicinae  studiosum. 
Das  Herbarium  ist  im  Besitz  des  Grofsherzogl.  Ludwig -Georg -Gymna- 
siums zu  Darmstadt  und  1905  von  G.  Greuel  (in  dem  Archiv  d.  Pharmazie, 
Berlin  1905,  S.  654— 667)  beschrieben  worden.  Kirchen  hat  nach  der 
Zählung  Greuels  in  seinem  Herbarium  nicht  weniger  als  1018  Arten,  da- 
runter allerdings  ungefähr  zur  Hälfte  kultivierte.  Dieses  älteste  sächsische 
Herbarium  hat  lange  Zeit  keinen  Nachfolger  gefunden  oder  es  sind  uns 
wenigstens  keine  Herbarien  aus  dem  17.  Jahrhundert  erhalten  geblieben. 
Wohin  z.  B.  das  Herbarium  von  Rivinus,  das  Kreutzer  in  seinem  Herbar 
(S.  166)  als  in  Dresden  befindlich  angibt,  gekommen  ist,  weifs  ich  nicht.. 
Ebenso  ist  uns  nicht  bekannt,  was  aus  dem  Herbarium  von  Kaulfufs  ge- 
worden ist,  das  nach  Kreutzer  Baron  Römer  in  Dresden  besafs.  Vielleicht 
geben  diese  Zeilen  die  Veranlassung  zur  Bekanntmachung  des  einen  oder 
anderen  alten  Herbars.  Das  älteste  sächsische  Herbarium  im  Besitze  des 
Botanischen  Instituts  stammt  aus  dem  Jahre  1797,  es  sind  die  „Merk- 
würdigen Gewächse  der  obersächsischen  Flora“  von  L.  G.  Erdmann. 

Von  den  oben  aufgezählten  14  Herbarien  aus  dem  16.  Jahrhundert 
haben  wir  in  Deutschland  nur  drei,  die  beiden  Ratzenbergerschen  Herbarien 
aus  den  Jahren  1592  und  1598  in  Cassel  und  Gotha  und  das  Herbarium 
von  Harder  aus  dem  Jahre  1594  in  Ulm.  Das  erste  Herbarium  Harders 
gilt,  wie  schon  oben  erwähnt,  allgemein  als  verschollen.  In  der  Vorrede 
zum  Ulmer  Exemplar  erwähnt  der  Verfasser,  dafs  er  einige  solche  Samm- 
lungen zusammengestellt  und  bei  grofsen  Herren,  z.  B.  bei  Herzog  Albrecht 
von  Bayern,  bei  dem  Bischof  von  Augsburg  und  dem  von  Knöringen  an- 
gebracht habe,  welche  besonders  Gefallen  daran  fanden.  Die  erste  dieser 
Sammlungen  erwähnt,  wie  Kreutzer  festgestellt  hat,  zum  ersten  Male  wieder 
der  Professor  der  Botanik  in  Jena  F.  S.  Voigt  in  seinem  Lehrbuch  der  Bota- 
nik, 2.  Aufl.,  Jena  1827,  S.  21.  Voigt  hat  offenbar  das  Herbarium  Harders 
unter  den  Händen  gehabt,  denn  er  beschreibt  genau  den  Titel,  die  vom 
Verfasser  gegebene  Zeit  der  Zusammenstellung  (1574—1576)  und  die  Zahl 
der  aufgeklebten  Pflanzen  (436),  gibt  jedoch  nicht  an,  wo  sich  das  Herbarium 
befindet.  Auch  Matouschek*)  und  Elatt  haben  über  Besitz  und  Auf- 
bewahrungsort dieses  Herbars  nichts  Näheres  in  Erfahrung  bringen  können. 
Es  war  verschollen,  zum  Glück  aber  nicht  in  Verlust  geraten,  denn  es 
befindet  sich  seit  Jahrzehnten  wohlbehalten  in  der  Bibliothek  unserer 
Königl.  Forstakademie  in  Tharandt.  Dafs  das  Tharandter  Herbarium  das 
von  Voigt  1827  erwähnte  erste  nachgelassene  Herbarium  Harders  ist,  geht 
aus  der  genauen  Übereinstimmung  des  Titels  usw.  (s.  die  unten  folgende 
Beschreibung)  hervor.  Und  dafs  es  jenes  Herbarium  sein  mufs,  das  Harder 
dem  Herzog  Albrecht  von  Bayern  dedizierte,  ergibt  sich  aus  dem  der 
Innenseite  des  Deckels  aufgeklebten  Ex  libris,  welches  das  von  Amoretten 
gehaltene  bayrische  Wappen  enthält  und  die  Unterschrift  trägt:  Ex  Elec- 
torali  Bibliotheca  Sereniss.  Vtrivsq.  Bavariae  Dvcvm. 


*)  Matouschek,  F.:  Über  alte  Herbarien.  — Mitt.  d.  Ver.  f.  Naturf.  in  Reichen- 
berg*,  Jahrg.  32. 

* 


78 


Das  Herbarium  wurde  um  1870  der  König].  Forstakademie  von  dem 
nun  verstorbenen  Apotheker  Back  in  Tharandt  geschenkt,  der  es  von  seinem 
Vater,  Geh.  Regierungsrat  Back  in  Altenburg,  geerbt  hatte.  Als  ,,Possessoru 
hat  sich  auf  dem  Titelblatt  Joh.  Friedrich  Geyer  eingetragen,  unter  dessen 
Namen  mit  neuerer  Schrift  Eisenberg  steht,  worunter  wahrscheinlich  das 
thüringische  Städtchen  bei  Gera  gemeint  sein  dürfte.  Das  ist  alles,  was 
über  die  Schicksale  dieses  alten  Herbariums  festgestellt  werden  konnte. 

Nach  dem  Erscheinen  von  Kefslers  Schrift  ,,Das  älteste  und  erste 
Herbarium  Deutschlands,  im  Jahre  1592  von  Dr.  Caspar  Ratzenberger  an- 
gelegt“, veröffentlichte  Professor  Nobbe  eine  kurze  Notiz  unter  dem  Titel: 
,,Ein  uralt  Kreuterbuch“  in  dem  Tharandter  forstl.  Jahrbuch  1871,  S.  79 
über  das  Tharandter  Herbarium,  das  noch  um  18  Jahre  älter  ist  als  jenes. 
Aber  diese  kurze  Notiz  in  dem  Forstlichen  Jahrbuch  ist  in  Botanikerkreisen 
nicht  bekannt  geworden.  Und  da  nähere  Mitteilungen,  die  Nobbe  in  jener 
Notiz  sich  vorbehielt,  meines  Wissens  bislang  nicht  erfolgt  sind,  so  gilt 
auch  heute  noch  das  Ratzenbergersche  Herbarium  vom  Jahre  1592  all- 
gemein als  das  älteste  in  Deutschland.  Eine  ausführlichere  Beschreibung 
des  Harderschen  Herbariums  dürfte  daher  am  Platze  sein. 


Das  erste  Herbarium  von  Harder  aus  dem  Jahre  1574—1576. 

Das  Herbarium  besteht  aus  einem  stattlichen  Folioband  mit  Leder- 
rücken und  Holzdeckeln,  die  zur  Hälfte  mit  geprefstem  Leder  überzogen 
sind.  Die  zum  Verschliefsen  ursprünglich  vorhandenen  Metallspangen  fehlen. 
Der  schön  geschriebene  Titel  auf  der  ersten  Seite  lautet:  ,, Kreuterbuch, 
darin  vierhundert  und  ein  und  vierzig  lebendiger  Kreuter  begriffen  und 
eingefafst  sein.  Wie  sie  der  Almechtige  Gott  selb  erschaffen  und  auf  erden 
hat  wachsen  lassen  das  unmöglich  ist  einem  Maler,  wie  kunstreich  er  sey, 
so  leblich  an  tag  zu  geben.  Den  gedruckten  Kreuter  zu  erkennen  Nützlich*). 
Zusammen  getragen,  auch  in  dis  werck  geordnet  Durch  Hieronimum 
Harderum  Schulmeistern  und  Simplicisten  zu  uberchingen,  angefangen 
Anno  1574  den  18.  tag  Februarii  und  vollendet  den  29.  Aprilis  in  dem 
76.  Jar.“  Darunter  steht  mit  etwas  blässerer  Tinte  und  wahrscheinlich 
fremder  Hand:  „zu  hinderst  im  buch  findt  man  2 Register  das  aine 
lateinisch  das ‘ander  teusch,  an  welchem  blat  ain  iedes  kraut  zu  finden 
sey“.  Diese  Register  fehlen  jedoch  am  Ende  des  Buches.  Der  Band 
enthält  101  Blätter  aus  starkem  Papier,  die  auf  der  Vorder-  und  Rückseite 
mit  Pflanzen  beklebt  sind.  Meist  befinden  sich  mehrere  Pflanzen  auf  einer 
Seite,  die  sämtlich  mit  ihrer  ganzen  Fläche  aufgeleimt  sind.  Die  Zahl  der 
Arten  beträgt  nach  Nobbe  436,  ich  habe  nur  430  gezählt,  441  sind  nach 
dem  Titel  ursprünglich  vorhanden  gewesen,  einige  Arten  sind  jedoch  doppelt 
eingeklebt.  Wurzeln,  Zwiebeln  und  fleischige  Früchte  sind  nicht  geprefst 
und  aufgeklebt,  sondern  vom  Verfasser  durch  kolorierte  Federzeichnungen 
ergänzt  worden,  ganz  so,  wie  das  von  den  beiden  jüngeren  Herbarien 
Harders  bereits  bekannt  ist.  Auch  fehlende  Blätter  und  fleischige  Schäfte, 
z.  B.  von  Arum,  sind  auf  diese  Weise  manchmal  nachgetragen.  Es  fehlen 


*)  Dieser  Satz  ist  durch  Auslassung  einiger  Worte  verstümmelt.  In  den  späteren 
Herbarien  schreibt  dafür  der  Autor:  „Neben  den  gedruckten  Kreuterbuechem  die  Kreuter 
zu  erkennen  Nützlich.“ 


79 


jedoch  die  in  den  Federzeichnungen  seiner  späteren  Herbarien  zugleich 
ausgedrückten  Eigentümlichkeiten  des  Standortes,  die  mit  Moos  bedeckten 
Blöcke,  das  Flufswasser  mit  Fröschen  und  Kröten  usw.  Nur  bei  einer 
einzigen  Pflanze,  bei  Asplenium  Ruta  muraria,  ist  in  der  Zeichnung  Mauer- 
werk angedeutet.  Die  Zeichnungen  der  Wurzeln  lassen  erkennen,  dafs  dem 
Verfasser  die  betreffenden  Teile  Vorgelegen  haben  und  dafs  er  bestrebt 
war,  sie  richtig  wiederzugeben.  Das  zeigen  die  Rhizome  von  Polygonatum 
und  Pentaria  bulbifera  ganz  deutlich.  Gegenüber  den  oft  recht  phan- 
tastischen Wurzelgebilden  in  den  Darstellungen  der  alten  Kräuterbücher, 
z.  B.  des  Ortus  sanitatis,  verdient  dies  besonders  hervorgehoben  zu  werden. 

Da  die  Pflanzen  mit  ihrer  ganzen  Fläche  aufgeleimt  sind,  so  haben 
sie  sich  recht  gut  gehalten.  Nur  wenige  Pflanzen  oder  deren  Teile  sind 
von  der  Unterlage  losgelöst.  Die  Anobien  haben  zwar  ihre  Spuren  hinter- 
lassen, doch  sind  noch  sehr  viele  Pflanzen  völlig  intakt  und  die  richtige 
Bestimmung  ist  bei  fast  allen  möglich.  Erschwert  wird  diese  allerdings 
zuweilen  dadurch,  dafs  manche  Exemplare  aus  Teilen  verschiedener  Arten 
zusammengesetzt  sind.  So  sind  dem  Geum  urbanum  Blätter  von  G.  rivale , 
der  Cardamine  impatiens  solche  einer  anderen  Crucifere  angeklebt,  und  ein 
Fruchtzweig  von  Thlaspi  alpestre  trägt  einen  blühenden  Seitenzweig  von 
Alyssum  calycinum  usw. 

In  der  Reihenfolge  der  Pflanzen  läfst  sich  keinerlei  System  erkennen. 
Sie  sind  eingeklebt  wie  die  Jahreszeit  sie  brachte.  Den  Anfang  machen 
Frühlingsblumen,  wie  Leucojum  vernum,  Pulsatilla,  Scilla  bifolia  und 
andere.  Dann  folgen  Sommer-  und  Herbstblumen.  Da  aber  die  Herstellung 
des  Herbariums  drei  Jahre  in  Anspruch  nahm,  so  wiederholt  sich  das 
mehrmals. 

Ein  gewisses  Gefühl  für  natürliche  Verwandtschaft  ist  insofern  zu 
spüren,  als  die  Vertreter  augenfälliger  Familien,  wie  der  Cruciferen,  Um- 
belliferen,  Compositen,  Labiaten  usw.,  beisammen  liegen.  Andrerseits  ist 
man  erstaunt,  unter  der  Bezeichnung  Viola  vereinigt  zu  finden  Arten  von 
Viola , Pinguicula , Arabis , Thlaspi , Praba,  Lunaria  und  Gentiana , während 
Viola  tricolor  nicht  darunter  begriffen  ist.  Gattungen  und  Arten  unter- 
schied man  eben  noch  nicht. 

Über  jeder  Pflanze  stehen  schön  und  deutlich  geschrieben  der  lateinische 
und  deutsche  Name,  zuweilen  auch  Synonyme.  Nur  auf  den  letzten  Blättern 
finden  sich  einige  Pflanzen  ohne  Namen,  die  an  Stelle  dieses  den  Buch- 
staben N tragen.  Offenbar  hat  der  Autor  diese  Arten  nicht  mit  den  vor- 
handenen Beschreibungen  zu  identifizieren  vermocht.  Bei  einer  dieser 
Pflanzen,  bei  Aspenda  glauca , gibt  er  in  schönstem  Küchenlatein  an:  „lila 
herba  in  petris  nascitur  et  est  incognitum  apud  Medicis.“  Fundorte  werden 
nirgends  angegeben.  In  der  Nomenklatur  stützt  sich  Harder  auf  Matthiolus 
und  Tragus.  Doch  geht  er  zuweilen  auch  seine  eigenen  Wege  und  wendet 
Namen  an,  die  weder  in  den  Kräuterbüchern  der  eben  genannten,  noch 
im  Pinax  Bauhins  verzeichnet  sind,  z.  B.  Isatis  lutea , Is.  purpurea,  Clino- 
podium  minus  agreste  usw.  Wenn  auch  eine  ganze  Reihe  dieser  alten 
Benennungen  bei  Linne  als  Gattungs-  oder  Artnamen  wiederkehren,  so 
zeigt  sich  doch,  dafs  die  alten  deutschen  Bezeichnungen  weniger  Wand- 
lungen durchgemacht  haben.  Namen  wie  Erdrauch,  Hahnenfufs,  Oder- 
mennig, Sinau,  Rittersporn,  Mondraute  usw.  haben  heute  noch  dieselbe 
Bedeutung  wie  damals. 


80 


Kritische  Bemerkungen  zu  den  aufgeklebten  Pflanzen  macht  der  Autor 
nur  ganz  selten.  So  z.  B.  bei  den  beiden  Anemonen,  von  denen  er  schreibt: 
„Aliquot  volunt,  quod  sint  Ranunculi,  Ego  nego,  quia  neque  radice  neque 
foliis  conveniunt.“  Dann  fährt  er  fort,  dafs  die  Wurzel  der  Anemonen  der 
von  Paris  ähnlich  ist  und  dafs  jene  auch  eher  blühen  als  die  Ranunkeln. 

Woher  stammen  nun  die  Pflanzen  dieses  alten  Herbariums?  Harder 
nennt  sich  auf  dem  Titel  einen  Schulmeister  und  Simplicisten  zu  Ueber- 
chingen.  Das  ist  das  heutige  Ueberkingen  im  Filstal  bei  Geislingen,  nord- 
westlich von  Ulm.  Das  hat  schon  Veesenmayer  nachgewiesen.  Durch 
einen  Druckfehler  in  Kreutzers  „Herbar“,  der  ganz  richtig  bei  Geislingen 
angibt,  ist  aus  Ueberkingen  Ueberlingen  geworden,  und  diese  unrichtige 
Angabe  findet  sich  auch  bei  Matouschek  und  Platt.  In  der  Vorrede  zu 
seinem  Herbarium  aus  dem  Jahre  1594  schreibt  Harder,  er  habe  die 
meisten  mühsam  aus  Feld  und  Wald  zusammengesucht,  einige  auch  in 
seinem  Garten  erzogen.  Das  dürfte  auch  für  unser  Herbarium  gelten. 
Da  nur  wenige  Gartenpflanzen  darunter  sind,  so  stammt  also  die  Haupt- 
masse aus  der  Umgebung  von  Ueberkingen,  d.  h.  aus  der  Schwäbischen 
Alb.  Demnach  haben  wir  in  dem  ersten  Harderschen  Herbarium  die  älteste 
Pflanzensammlung  aus  diesem  Gebiete  vor  uns,  und  dadurch  erhält  dieses 
seinen  besondern  Wert. 

Es  ist  nun  nicht  uninteressant,  an  der  Hand  des  unten  folgenden  Ver- 
zeichnisses der  Harderschen  Pflanzen  einen  Vergleich  mit  der  heutigen 
Flora  der  Schwäbischen  Alb  anzustellen,  die  ja  durch  die  vortreffliche 
Bearbeitung  Gradmanns  allgemein  bekannt  geworden  ist.  Von  den  alpinen 
Charakterpflanzen  sammelte  Harder  bereits  Saxifraga  Aizon , „das  Wahr- 
zeichen der  Schwäbischen  Alb“,  Draba  aizoides  und  Hieracium  Jacquini. 

Aus  der  Liste  der  montanen  Arten  Gradmanns  finden  sich  in  dem 
alten  Herbarium  z.  B.  Ly copodium  annotinum,  Centaurea  Montana, 
Lunaria  rediviva , Aspidium  Lonchitis , Polygonatum  verticillatum,  Primula 
farinosa , Gentiana  lutea  und  andere  weiter  verbreitete  Arten.  Die  süd- 
europäischen Arten  sind  vertreten  durch  Melittis  Melissophyllum,  Euphor- 
bia  amygdaloides,  Helleborus  foetidus , Gentiana  cruciata , G.  ciliata, 
Dianthus  caesius , Coronilla  varia,  Cytisus  sagittalis , Physalis  Alkekengi , 
Stachys  germanica,  St.  annua,  Ajuga  Chamaepitys,  Ophrys  fuciflora  und 
Asperula  arvensis.  Und  die  pontischen  Arten  endlich  durch  Panunculus 
lanuginosus,  Scilla  bifolia , Piäsatilla  vulgaris,  Alyssum  montanum,  Poly- 
gala comosa,  Linum  flavum , Coronilla  montana,  Cephalanthera  rubra, 
Asperula  glauca,  Geranium  palustre,  Falcaria  Rivini,  Arabis  arenosa, 
Lathyrus  tuberosus  und  Parietaria  officinalis. 

Von  weiteren  interessanten  Pflanzen  in  dem  Harderschen  Herbarium 
seien  genannt: 

Asplenium  fontanum  Beruh.  (=  A.  Halleri  RBr.)  Dieser  Farn,  der 
im  Schweizer  Jura  und  den  benachbarten  Alpen  des  oberen  Rhonetales 
verbreitet,  sonst  aber  sehr  selten  ist,  hat  jetzt  in  der  Schwäbischen  Alb 
einen  einzigen  Standort,  nämlich  bei  Ueberkingen,  dem  Aufenthaltsort 
unsers  Harder.  Hier  hat  er  sich  dreieinhalb  Jahrhunderte  unverändert 
gehalten,  denn  nach  einer  freundlichen  Mitteilung  des  Herrn  Dr.  Gradmann 
kommt  dieser  Farn  bei  Ueberkingen  am  Jungfraufelsen  und  dessen  Nach- 
barschaft auch  heute  noch  vor,  ist  aber  keineswegs  häufig,  sodafs  seine 
Auffindung  dem  alten  Simplicisten  wahrhaftig  alle  Ehre  macht. 


81 


Helichrysum  arenarium , Artemisia  pontica,  Saxifraga  rotundifolia , 
biflora , Myricaria  germanica , Thlaspi  alpestre  und  Tamus  communis 
fehlen  heute  der  Schwäbischen  Alb  gänzlich.  Ob  sie  im  16.  Jahrhundert 
hier  vorkamen  und  seit  dieser  Zeit  ausstarben,  oder  wo  sie  Harder  ge- 
sammelt haben  mag,  läfst  sich  nicht  mehr  feststellen.  Die  heutige  Ver- 
breitung des  Helichrysum  und  der  Artemisia  weist  auf  das  bayrische 
Keupergebiet  und  die  der  übrigen  Arten  auf  die  Umgebung  des  Bodensees. 
Es  wäre  ja  möglich,  dafs  Harder  eine  Reise  dahin  unternommen  hätte. 
Jedoch  schreibt  mir  Herr  Dr.  Gradmann,  ,,dafs  sich  ein  Aufenthalt  Harders 
daselbst  sollte  nachweisen  lassen,  kann  ich  mir  auf  Grund  meiner  Quellen- 
kenntnis nicht  denken“.  Die  Bodenseepflanzen  liegen  in  dem  Herbarium 
nicht  beisammen. 

Die  angeführten  Beispiele  ans  der  spontanen  Flora  zeigen  zur  Genüge, 
dafs  in  dem  Harderschen  Herbarium  eine  ganze  Anzahl  von  Pflanzen  mit 
jetzt  sehr  beschränkter  Verbreitung  in  der  Schwäbischen  Alb  vertreten 
sind.  Ob  man  nun  daraus  auf  eine  früher  weitere  Verbreitung  dieser 
Arten  oder  nur  auf  eine  höchst  intensive  Sammeltätigkeit  Harders  schliefsen 
darf,  ist  dem  Fernstehenden,  der  wie  ich  die  Schwäbische  Alb  nicht  aus 
eigener  Anschauung  kennt,  unmöglich  zu  entscheiden.  * 

Von  den  eingeklebten  Gartenpflanzen  dürfte  wohl  die  interessanteste 
die  Tomate,  Solanum  Lycopersicum , sein,  die  als  Solanum  marinum , Mer 
Nachtschatten,  bezeichnet  ist.  Diese  amerikanische  Nutzpflanze  findet  sich 
nach  Penzig  auch  schon  in  dem  Herbarium  des  Cibo.  Sie  wird  nach 
Dürkop*)  zum  ersten  Male  von  dem  Italiener  Luigi  Anguillara  1560  er- 
wähnt und  von  Gesner  1561  in  seinem  Horti  Germaniae  beschrieben.  Der 
erstere  nennt  sie  Pomi  del  Peru,  der  letztere  Pomum  aureum,  Pomum 
amoris  oder  auch  Pomum  de  altero  mundi.  Zur  selben  Zeit,  wo  die 
Tomate  in  Italien  bekannt  geworden  war,  mufs  sie  nach  Deutschland  ge- 
bracht worden  sein.  Gesner  erwähnt  1561,  dafs  sie  in  Nürnberg,  Breslau 
und  Torgau  kultiviert  wurde.  Aber  diese  Kulturen  waren  damals  noch 
Ausnahmen,  denn  Gesner  zählt  die  Männer  in  den  obigen  drei  Städten 
auf,  die  sich  mit  ihnen  befafsten.  Dann  scheint  allerdings  die  Kultur  sich 
rasch  ausgebreitet  zu  haben,  wie  das  Vorkommen  in  Ueberkingen  1574 
beweist.  Und  schon  1588  schreibt  Tabernaemontanus:  „Es  seyn  diese 
Oepfel  in  den  Gärten  gemein  worden.“  Das  ist  für  eine  Zierpflanze,  denn 
nur  als  solche  kannte  man  damals  die  Tomate,  eine  sehr  rasche  Ver- 
breitung. Als  Nutzpflanze  lernte  man  sie  erst  im  19.  Jahrhundert  schätzen. 
Auch  verschiedene  Varietäten  oder  Rassen  kannte  man  im  16.  Jahrhundert 
schon.  Gesner  spricht  von  Sorten  mit  kleineren  glatten  und  solchen  mit 
gröfseren  unebenen  Früchten,  die  goldgelb,  rot  und  weifs  sein  können.  Das 
Exemplar  im  Harderschen  Herbarium  trug,  wie  es  scheint,  kleine  glatte 
Früchte.  Wenigstens  hat  der  Autor  solche  in  einer  kolorierten  Feder- 
zeichnung zugefügt. 

Zu  den  Gartenpflanzen  dürfte  auch  die  in  einem  kümmerlichen  Exem- 
plare vorhandene  Valeriana  celtica  gehören,  die  früher  unter  dem  Namen 
Spica  celtica  oder  Nardus  celtica  offizinell  war. 


*)  Dürkop,  W. : Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Tomate.  Naturw.  Wochenschr. 
1907,  Nr.  35. 


82 


Die  Pflanzen  des  Harderschen  Herbariums. 


1. *)Leucoion  Theophrasti,  Hornungs- 

blumen 

Pulsatilla 

Trifolium  aureum,  sive  Epatica  nobilis, 
Guldin  lde  od.  Edel  leber  krautt 
Lichen  verum,  Brunnen  Leberkraut 
Hyacinta,  Bio  mertzen  blumen 

— alter.,  Hyacinte 
Ornithogalum  minus,  Mertzenstern 

2.  Chelidonium  minus,  F eig  wartzen  Kraut 
Viola  purpurea,  Bio  mertzen  violen 

— canina,  Hundsvyolen 

— montana  lutea 

— mira,  Wunderviolen 
Aron,  Bruchwurtz 

3.  Aristolochia  rotunda  applinaris,  die 

Runde  Osterlucey  od.  d.  Rund 
Hohlwurzel 

— longa,  die  lange  Osterlucey 
Originalis,  Wasserkron 

Herba  paratisis,  Schlisselblum 
Gamedris,  Blomenderlin 
Dio.  Chamedrys  1 querula  amara,  sub- 
acris,  Das  echt  Gamenderlin  od. 
aichelenkraut 

4.  Flos  aprilis  ceruleus,  Abrellenblumen 

— — Albus  „ 

Cruciola,  Creuzelin 

Poligala  mas,  Creutzbliemlin,  männlin 

— foemina,  „ weiblin 

Chrysanthemum,  schmaltzblum, 

dotterblum 

Ranunculus  primus  sive  martialis, 
Mertzen  Hanenfufs 

5.  Viola  petrea,  Felsen  violen 

— — cerulea,  Gel  felsen  violen 

— montana  alba,  Weis  berg  violen 

— ibea,  Igel  viole. 

Herba  umbilici,  Nabelkraut 
Telephium  magnum,  Katzen  treublin 
Diosc.  Telephium,  Mauerpfeffer 

6.  Trichomanes  terestre,  Erdrauten 

— Dioscoridis,  Rot  Steinbrech, 
Steinrauten 

Adiantum  album  Diosc.-Ruta  muraria, 
Mauer  Rauten 

Politrychon  apuley,  Guld.  Widertod 
Ruta  petrea,  Felsen  Rauten 


Leucojum  vermint  L. 

Pulsatilla  vulgaris  Milk 
Hepatica  nobilis  Schreb. 

Marchantia  polymorpha  L. 
Scilla  bifolia  L. 

Muscari  botryoides  Milk 
Gagea  lutea  Schult. 

Ficaria  verna  Huds. 

Viola  odorata  L. 

— canina  L. 

— biflora  L. 

Pinguicula  vulgaris  L. 

Ar  um  maculatum  L. 

Corydalis  cava  Schwägr. 

Aristolochia  Clematis  L. 
Chrysosplenium  alternifolium  L. 
Primula  elatior  Jcq. 

Veronica  longifolia  L. 

Teucrium  Chamaedrys  L. 

Anemone  ranunculoides  L. 

— nemorosa  L. 

Primula  farinosa  L. 

Polygala  comosa  Schk. 

— amara  L. 

Caltha  palustris  L. 

Ranunculus  auricomus  L. 

Arabis  arenosa  Scop. 

Älyssum  montanum  L. 

Thlaspi  montanum  L. 

Praha  aizoides  L. 

Saxifraga  Aizoon  Jacq. 

Sedum  album  L. 

— acre  L. 

Plagiochila  asplenoides  N.  v.  E. 
Asplenium  Trichomanes  L. 

— Ruta  muraria  L. 

Polytrichum  alpinum  L. 
Thalictrum  minus  L. 


")  Die  Vorgesetzten  Zahlen  geben  die  Blätter  des  Herbariums  an. 


83 


7. 


8. 


9. 


10. 


11. 


12. 


13. 


14. 


15. 


16. 


Polypodium,  Engelsiefs 
Phyllitis,  Hirszung 
Scolopendrium  magnum,  Grofs  Hirs- 
zung 

Loncliitis  aspera,  das  klain  Miltzkraut 
Filix  petrea,  Felsenfarn 

— muraria,  Mauerfarn 
Driopteris,  Aichfarn 

Filix  sylvestris  mas,  Waldfarn,  das 
mänlin 

Filix  sylvestris  foemina,  Waldfarn 
Weiblin 

Pulmonaria,  Lungenkraut 

— Mathioli,  Waldoxenzung 
Cynoglossum,  Hundszung 
Anchusa,  Wild  oxenzung 
Bugglossa,  Oxenzung 
Borago,  Boretsch 
Consolida  regalis,  Rittersporn 
Aculeata,  Feldröslin 
Papaver  hortensis,  Olmagen 

— agrestis,  Schnellblumen 
Pseudo  melanchium,  Ratten 
Alliaris,  Knoblauchkraut 
Lilium  convallium,  Mayblümlin 
Ophioscorodon.  Allium  sylvestre,  Wald 

Kn  obloch 

Ophioglossum,  Naterzünglin 
Lunaria,  Mon  rauten 
Nummularia,  Pfenningkraut, Egelkraut 
Asaron,  Haselwurtz 
Chamecissus  ut  corona  terrae,  Gundt- 
roeben 

Chamecissus  minor,  Edel  Gundtroeb 
Dentaria  agrestis  minor,  Zangail, 
moennlin 

Dentaria  agrestis  maior,  Zangail, 
weiblin 

Anagallis  aurea,  Guldin  gachhail 

— foemina,  Gachhail  weiblin 

— mas,  „ moenlin 

Fragaria,  Erdbeerkraut 
Veronica  mas,  Erenbreifs,  moennlin 

— foemina 

Beta  sylvestris,  Holtz  mangolt 
Pirola  vera,  das  recht  wintergrien 
Camepitis  vera,  Je  länger  ye  lieber 
Camedris  species,  Bergciprefs 
Elichryson  luteum,  Remblum 

— album,  Weis  katzenpfötlin 

— purpureum,  Rot  katzenpfötlin 


Polypodium  vulgare  L. 
Scolopendrium  vulgare  Smith. 
Blechnum  Spicant  With. 

Aspidium  Loncliitis  Sw. 
Asplenium  fontanum  Bernh. 
Cystopteris  fragilis  Bernh. 
Nephr odium  Pryopteris  Mich. 
Aspidium  Filix  mas  Sw. 

Pteridium  ctquilinum  Kuhn. 

Sticta  Pulmonaria  Schaer. 
Pulmonaria  officinalis  L. 
Cynoglossum  officinale  L. 
Echium  vulgare  L. 

Anchusa  officinalis  L. 

Borago  officinalis  L. 
Delphinium  Consolida  L. 
Adonis  autumnalis  L. 

Papaver  somniferum  L. 

— Bhoeas  L. 

Agrostemma  Githago  L. 
Alliaria  officinalis  Andrz. 
Convallaria  majalis  L. 

Allium  ursinum  L. 

Ophioglossum  vulgatum  L. 
Botrychium  Lunaria  Sw. 
Lysimachia  Nummularia  L. 
Asarum  europaeum  L. 
Glechoma  hederacea  L. 

Veronica  polita  Fr. 

— triphyllos  L. 

— hederifolia  L. 

Anagallis  arvensis  L. 

— coendea  Schreb. 

— phoenicea  Lam. 

Fragaria  vesca  L. 

Veronica  officinalis  L. 

— serpyllifolia  L. 

Pirola  rotundifolia  L. 

— secunda  L. 

Ajuga  Chamaepitys  Schreb. 
Teucrium  Boirys  L. 
Helichrysum  arenarium  DC. 
Gnaphalium  dioicum  L. 


84 


Gnaphalium  verum,  Der  rechte  Knawel 
~ Pr*mum)  Drey  Knawel  Ge- 

— tertiuml  schlecht 

17.  Morsus  gallinae,  Hüner  clarm 
Lingua  passerina,  Spatzenzinglin 
Centum  morbia,  Nummularia,  Pfen- 
ningkraut 

Yerbaseulum  Mathioli  mas,  Gold 
knöpfflin 

Verbasculum  foemina,  Goldknöptflin 

18.  Piperitis,  Senffbletter 
Yerbascum  album,  Weifs  Wullkraut 

— nigrum,  Scbwartz  Wullkraut 

19.  Polygonatum  foemina,  Weiswurtz, 

weiblin 

Polygonatum  mas,  Weifswurtz, 
männlin 

Perfoliatum,  Durchwax 
Parietaria,  Glaskraut 

20.  Mercurialis  mas,  Bingel  kraut,  märdin 
Diapensia,  Weifser  Sanickel 
Sanicula  vera,  der  recht  Sanickel 

21.  Betonica,  Braun  Betonic 
Agrimonia,  Odermeng 
Alchimilla,  Sinaw 
Serpentina,  Naterwurtz 

22.  Bifolium,  Zwayblatt 
Unifolium  Ainblatt,  mänlin 

— foemina  — , Dz  weiblin 
Benedicta  gariosilata,  Benedictwurtz 

— silvestris,  Wild  Benedict 

23.  Apiaria,  Imenkraut 
Philipendula,  Rot  Stainbrech  od.  Erd- 

aichel 

Damasonium  primum  mas,  Sackpfeiff 

— secundum  foeminum,  Hennen- 
kropf 

24.  Damasonium  tertium  foemina, 

Wunderblum 

Damasonium  quartum  mas,  Wunder- 
blum 

Aconitum  hortense,  Eysen  hütlin, 
Narren  kapp. 

— licoctonum,  Wolfswurtz 

25.  — pardalianches  sive  Herba  paris, 

Vierblatt,  Ainber  od.  Wolfsber 
Virga  aurea  mas,  Haidnisch  Wund- 
kraut 

Virga  aurea  foemina,  Haidnisch 
Wundkraut,  weiblin 


Filago  arvensis  Fr. 

Gnaphalium  uliginosum  L. 
Filago  minima  Er. 

Gnaphalium  silvatieum  L. 
Malachium  aquaticum  Fr. 
Arenaria  serpyllifolia  L. 
Lysimachia  Nummularia  L. 

(s.  Bl.  13) 

Neslea  paniculata  Desv. 

Erysimum  cheiranthoides  L. 
Lepidium  latifolium  L. 
Verbascum  Thapsus  L. 

— nigrum  L. 

Polygonatum  verticülatum  All. 

— multiflonim  All. 

Bupleurum  rotundifolium  L. 
Parietaria  officinalis  L. 
Mercurialis  perennis  L. 
Astrantia  major  L. 

Sanicula  europaea  L. 

Betonica  officinalis  L. 
Agrimonia  Eupatoria  L. 
Alchemilla  vulgaris  L. 
Polygonum  Bistor ta  L. 

Listera  ovata  RBr. 
Majanthemum  bifolium  Schmidt. 

— — (steriles  Blatt) 
Geum  urbanum  L. 

— rivale  L. 

Spiraea  Ulmaria  L. 

— Filipendula  L. 

Cypripedium  Calceolus  L. 
Cephalanthera  grandiflora  Bab. 

Epipactis  latifolia  All. 

Cephalanthera  rubra  Rieh. 

Aconitum  Napellus  L. 

• — Lycoctonum  L. 

Paris  quadrifolia  L. 

Solidago  Virga  aurea  L. 

Senecio  Fuchsii  Gm  el. 


85 


26. 


27. 


28. 


29. 


30. 


31. 


32. 


33. 


34. 


35. 


Eupatorium  Avicenne,  Künigund 

— Mesue,  Wurmkreutlin 
Onagra  Dioscoridis,  Rot  weiden 
Hypericon,  Sanc  Johanskraut 

Androsemum,  Kunradt 
Centaureum  minus,  Tausend  guldin 
Kraut 

Bonax  chironium,  Haiden  Isopp 
Linum  pratense  Mathioli,  Wilder  Flax 
Origanum,  Dosten 
Clinopodium,  Wirbel  Doste 
Menta  saracenica,  Unser  frawen  mintz 
od.  Salvay 

— serrata,  Stain  mintz 

— montana,  Berg  mintz 

— aquatica,  Wassermintz 

— equina,  Rofs  mintzen 

— sativa  ut  Bits  menta,  Biment 
Krausbalsam 

— agrestis,  Acker  mintz 
Poleium,  Boley 
Melissa,  Wantzenkraut 

— citrinaria,  Die  recht  Melissen 
Isopus,  Ispen 

Satureia,  Joseplin 
Basilicon,  Basilien 
Kunili,  Kuenlin  (Quendel) 

Sideritis  aspera  j 

— laevis  I «idkrautt 

Amaracus  sylvestris,  Wild  mayeron 

— hortensis,  Der  rechte  mayeron 
Chamecyparisus,  Cyprefs 
Lybanotis,  Rosmarin 

Caltha  hortensis,  Ringelblum 
Flos  trinitatis,  Dreyfaltigkait  od. 

Denckel  blümlin 
Jacea,  Wild  denckel  bliemlin 
Lavendula,  Lavander 
Spica  celtica,  Eselshew 

— Spicenardi 

Levcoion  citrinum,  Gel  viol 

— purpureum,  Braun  viol 
Gariophila  perversa,  Mutwille 

— tonicrualis,  Donder  nägelin 

— domestica,  Naegelin 

— petrea,  Felsen  naegelin 
Aquileia,  Aggley 

Ranunculus  montanus  sive  sylvestri 
minor,  Berg- Han enfufs 

— pratensis,  Wisen  Hanenfufs 


Eupatorium  cannabinum  L. 

? 

Epilobium  angustifolium  L. 
Hypericum  perforatum  L.  var. 

veronense  Schrank. 
Hypericum  perforatum  L. 
Erythraea  Centaurium  Pers. 

Helianthemum  vulgare  Gaertn. 
Linum  fiavum  L. 

Origanum  vulgare  L. 
Clinopodium  vulgare  L. 
Tanacetum  Balsamita  L. 

Mentha  arvensis  L. 

Calamintha  officinalis  Moench. 
Mentha  aquatica  L. 

— silvestris  L. 

— rotundifolia  L. 

— arvensis  L. 

— Pulegium  L. 

Melissa  officinalis  L. 

Melittis  Melissophyllum  L. 
Hysopus  officinalis  L. 

Satureja  hortensis  L. 

Ocimum  Basilicum  L. 

Thymus  vulgaris  L. 

Stachys  recta  L. 

— annua  L. 

Calamintha  Acinos  Clairv. 
Origanum  Major ana  L. 
Santolina  Chamaecyparissus  L. 
Rosmarinus  officinalis  L. 
Calendida  arvensis  L. 

Viola  tricolor  L. 

— — var.  arvensis  Murr. 
Lavandula  Spica  L. 

Valeriana  celtica  L. 

Lavandula  Spica  L. 
Cheiranthus  Cheiri  L. 

Matthiola  annua  Sw. 

Dianthus  superbus  L. 

— cartlmsianorum  L. 

— Caryophyllus  L. 

— caesius  Sm. 

Äquilegia  vulgaris  L. 
Ranunculus  nemorosus  DC. 

— acer  L. 


86 


36.  Ranunculus  hortensis,  Tausent  blättlin 

— sylvestris  maior,  d.  grofs  wald 
Hanenf. 

Potentilla  anserina,  Genserich 
Pentafilon  minus,  Das  klain  fünffinger- 
kraut 

— Fünffingerkraut 

37.  — album,  Weifs  fünffingerkraut 
Tormentill,  Blutwurtz,  Birckwurtz 
Asparagus,  Spargen 

38.  Antirhinon  sive  Orant,  Kalbsmaul 
Fumus  terre,  Erdrauch,  Taubenkröpff 
Apostema,  Apostelkraut 

Scabiosa  vera,  Die  recht  Scabiosen 

39.  Morsus  diaboli,  Teufelsabbis 
Apium  hortense  Diosc.  Petrosileni, 

Peterling 

Yerbena,  Eisenkraut 

40.  Erisimon  Diosc.,  Edler  senff 
Apium  agreste,  Acker  epich 

— aquaticum,  Wafser  epich 

41.  Paludapium  Dioscoridis,  Bauren  epich 
Marubium  hortense,  Andorn 

— aquaticum,  Wafser  an  dorn 

42.  — Album,  Weis  andorn 

— nigrum,  Schwartz  andorn 
Ormium  sylvestre,  Berg  Scharlach 
Urtica  sylvestris,  Wald  nefsel 

43.  — mortua  sive  Sanguisorbai  Todt  r 

Binsauge  Jnefslenl 

Urtica,  Nefsel 

— minor,  Eyter  nefsel 

44.  Fortuna,  Glückkraut 

Viola  latifolia,  Silber  glantz 

45.  — Matronalis,  Weifs  violen 
Dentaria,  Zankraut 

Cianus  maior,  Wald  kornblum 

46.  — minor,  Korn  beifs 
Lichnis  coronaria,  Margen  röslin 
Salvia  nobilis,  Edel  salvay 
Ruta  hortensis,  Rauten 

47.  Salvia  maior,  Brait  salvey 

— rustica,  Wild  salvay 
Tanacetum,  Rainfarn 

— - montanum,  Berg  Rainfarn 

48.  Meter  sive  partenium,  Matreni 
Bellis  maior,  Grofs  mafslieb 

— minor,  Klain  mafslieb 

49.  Chrysanthemum,  Goldblum 
Alisma,  Engeltranck 


Ranunculus  bulbosus  L. 

— lanuginosus  L. 

Potentilla  Anserina  L. 

— verna  L. 

— reptans  L. 

— arg  ent  ea  L. 

— Tormentilla  Sehr. 
Asparagus  officinalis  L. 
Linaria  minor  Desf. 

Fumaria  officinalis  L. 

Knautia  arvensis  Coult. 
Scabiosa  Columbaria  L. 

Succisa  pratensis  Moench. 
Petroselinum  sativum  Hoffm. 

Yerbena  officinalis  L. 
Sisymbrium  officinale  Scop. 
Ranunculus  arvensis  L. 

— sceleratus  L. 

Berula  angustifolia  Koch 
Marrubium  vulgare  L.  ? 
Lycopus  europaeus  L. 

Stachys  germanica  L. 

Ballot a nigra  L. 

Stachys  palustris  L. 

— silvatica  L. 

Lamium  maculatum  L. 

— album  L. 

TJrtica  dioica  L. 

— urens  L. 

Lamium  amplexicaule  L. 
Lunar ia  rediviva  L. 

Hesperis  matronalis  L. 
Dentaria  bulbifera  L. 

Centaur  ea  montanci  L. 

— Cyanus  L. 

Lychnis  Coronaria  Lmk. 

Scdvia  officinalis  L. 

Ruta  graveolens  L. 

Salvia  officinalis  L.  (Blätter), 

— pratensis  (Blütenst,). 

Salvia  pratensis  L. 
Chrysanthemum  vulgare  Beruh. 

— corymbosum  L. 

— Parthenium  Bernh. 

— Leucanthemum  L. 

Bellis  perennis  L. 

Anthemis  tinctoria  L. 
Doronicum  spec. 


87 


Chamomilla  vulgaris,  Gmein  Camillen 

— sativa,  Edel  Camillen,  Haber  Cam. 

50.  Thalictrum,  Krottendill 
Bubonium,  Sternkraut 

Nigella  romana,  Römisch  coriander 
Coriandrum,  Colander 

51.  Santonicum,  Wurmsamen 
Abrotanum,  Stabwurtz 
Absinthium,  Wermutt 

— ponticum,  Pontiscber  wermut 
Artemisia,  Beyfufs 

52.  Lisimachia  lutea,  Edelweyderich 

— purpur ea,  Braun  weydericli 
Gentiana  maior,  Entzion 

53.  — nigra,  Schwartz  Entzion 

— minor,  Modelzer  (?) 

Viola  gentiane,  Entzion  violen 
Coniza  maior,  Gros  dürrwurtz 

— minor,  Klain  dürrwurtz 

54.  Scroffularia  maior,  Schaumkraut 

— minor,  Braunwurtz 
Alkikengi,  Juaenkirs,  Bobrellen 
Solanum,  Nachtschatten 

55.  — marinum,  Mer  nachtschatt 
Cichorea,  Wegwart 

56.  --  lutea,  Gel  wegwart 
Flos  sancti  Jacobi 

Sonchus  aspera,  Raucher  gensdistel 

— sativus,  Genszung 

— levis,  Gensdistel 

57.  Senecio  maior,  Gros  kreutzwurtz 

— minor,  Klain  kreutzwurtz 
Hieratium,  Pfaffenrörlin 
Accipitrinum  maius,  Gros  Happichs- 

kraut 

58.  Lactuca  leporina,  Hasen  strauch  (?) 
Accipitrinum  minus,  Klain  Happichs- 

kraut 

Ursina  auris,  Beren  ohr 

59.  Pilosellum  maius,  Gros  meus  or 
Bubauris,  Sauen  ohr 
Pilosellum  minus,  Klain  meus  or 
Genista,  pfrimen 

Spartium,  pfrimen 

Flos  tinctory,  ferb  blumen 

60.  Tragopogon,  Bocksbart 
Barba  caprina,  Gaisbart 
Valeriana  maior,  Baldrion,  der  grofs 

— minor,  d.  klain  Baldrion 
Stratiotes  mille  folium,  Schaff  garb 


l Chrysanthemum  Chamomilla 
1 Bernh. 

Anthemis  arvensis  L. 

Aster  Amellus  L. 

Nigella  damascena  L. 
Coriandrum  sativum  L. 
Sisymbrium  Sophia  L. 
Artemisia  Abrotanum  L. 

— Absinthium  L. 

— pontica  L. 

— vulgaris  L. 

Lysimachia  vulgaris  L. 
Lythrum  Salicaria  L. 
Gentiana  lutea  L. 

— germanica  Willd. 

— cruciata  L. 

— ciliata  L. 

Inula  Conyza  DC. 

Erigeron  acer  L. 

Scrofularia  umbrosa  Dum. 

— nodosa  L. 

Physalis  Alkekengi  L. 
Solanum  nigruin  L. 

— Lycopersicum  Trn. 
Cichorium  Intybus  L. 

Crepis  biennis  L. 

Senecio  Jacobaea  L. 
Hieracium  boreale  Fr. 
Sonchus  asper  All. 

— oleraceus  L. 

Senecio  viscosus  L. 

— vulgaris  L. 

Taraxacum  officinale  Web. 
Leontodon  autumnalis  L. 

Crepis  virens  Vill. 

Hypochoeris  radicata  L. 

Crepis  praemorsa  Tsch. 
Hieracium  murorum  L. 

— Jacquini  Vill. 

— Pilosella  L. 

Genista  germanica  L. 

Cytius  sagittalis  Koch. 
Genista  tinctoria  L. 
Tragopogon  pratensis  L. 
Aruncus  Silvester  Kost. 
Valeriana  officinalis  L. 

— dioica  L. 

Achillea  Millefolium  L. 


88 


61.  Pimpinella  italica,  Welsch  Bibenell 

— sativa,  Bibenellen 
Pastinaca  campestris,  Pest  nachen 
Cerefolium,  Körblen  kraut 

62.  Cuminum,  Kümich 
Mirhis,  Morchen 
Branca  ursina,  Berenkla 
Ostrucium  sylvestre,Wildmaisterwurtz 

63.  — hortense,  Maisterwurtz 
Angelica,  Haillig  gaistwurtz 

64.  Ligu.sticum,  Leibstickel 
Pencedanum,  Harstrang,  Schwebel- 

wurtz 

65.  jFalcaria  Mathioli,  Sichelkrautt 

Ambrosia  maior,  Hirswurtz,  die  grofs 

66.  — minor,  Die  klain  Hirswurtz 
Feniculum,  Fenchel 

Anetum,  Dill 

67.  Linum,  Flax 
Linaria,  Harnkraut 
Canapis,  Han  ff 

Noli  me  tangere,  Junckfra  zucht,  Gel 
Rittersporn 

Chelidonia,  Schelkraut 

68.  Hirundinaria,  Schwalbenwurtz 
Symphitum  maius,  Walwurtz 
Consolida  media,  Guldin  günsel 
Brunelia,  Braun  nelle 

69.  Cathanances  femina,  Sterckkraut 

— mas,  Sterckkraut,  mänlin 
Bonus  Hainricus,  Gut  Hainrich 
Fenium  graecum,  Bocks  horn 
Trifolium  odoratum,  Marien -Magda- 

lenenkraut,  Sibenzeit 

70.  Fenium  graecum  rusticum,  Das  wild 

Bockshorn 

Lagoppus,  Katzenklee 
Trifolium  pratense  mas,  Wiesenklee, 
mänlin 

— pratense  foem.,  Wiesenklee,  weibl. 

71.  — luteum,  Gel  Stainbrech 

— pisarum,  Erbifs  klee 
N 

— Aquaticum,  Wafserklee 

72.  Plantago  aquatica,  Wafserwegerich 

— maior,  Wegerich 

— minor,  Spitzwegerich 
N 

78.  Mellilotum  nobile  minus 

— — maius 


Sanguisorba  minor  Scop. 
Pimpinella  Saxifraga  L. 
Pastinaca  sativa  L. 

Anthriscus  Cerefolium  Hoffm. 
Carum  Carvi  L. 

Myrrhis  odorata  Scop. 
Heracleum  Sphondylium  L. 
Aegopodium  Podagraria  L. 
Imperatoria  Ostruthium  L. 
Angelica  silvestris  L. 

Levisticum  officinale  Koch. 

? 

Falcaria  Pivini  Host. 
Laserpitium  latifolium  L. 
Peucedanum  Cervaria  Cuss. 
Foeniculum  vulgare  Mill. 
Anethum  graveolens  L. 

Linaria  vidgciris  Mill. 

Cannabis  sativa  L. 

Lmpatiens  Noli  tangere  L. 

Chelidonium  majus  L. 
Cynanchum  Vincetoxicüm  RBr. 
Symphytum  officinale  L. 

Ajuga  genevensis  L. 

Brunelia  vulgaris  L. 

Reseda  lutea  L. 

— Luteola  L. 

Chenopodium  Bonus  Henricus  L. 
Trigonelia  Foenum  graecum  L. 
Melilotus  coeruleus  Desr. 

Astragalus  glycyphyllos  L. 

Trifolium  arvense  L. 

— pratense  L. 

— hybridum  L. 

— procumbens  L. 

Medicago  lupulina  L. 

— falcata  L. 

Menyanthes  trifoliata  L. 

Alisma  Plantago  L. 

Plantago  major  L. 

— lanceolata  L. 

Anthyllis  Vulneraria  L. 
Hippocrepis  comosa  L. 

Lotus  uliginosus  Schk. 


89 


Mellilotum  luteum,  Geier  Stainklee 

— album,  Weyser  Stainklee 
Saxifragum  album  maius,  Der  grofs 

weifs  Stainbrech 

Saxifragum  album  medium,  d.  mittel 
weifs  Stainbr. 

Saxifragum  album  minus,  d.  klain 
weifs  Stainbr. 

Saxifragum  album  erraticum,  d.  falsch 
weifs  Stainbr. 

74.  Nasturtium  hortense,  Garten  krefs 

— aquaticum,  Brunn  krefs 

— sylvestre,  Wald  krefs 
Sium,  Bach  bungen 
Lactuca  agrestis,  Acker  Salat 

75.  — hortensis,  Garten  Salat 
Nasturtium  montanum,  Berg  krefs 
Sinapi  luteum 

— album 

Bunium  Dioscoridis,  Wafser  senff 

76.  Brassica  agrestis,  Acker  köl 
Eruca,  Raucken 

Erica,  Haid 
Mirica,  Tamariscen 

77.  Epatica  sylvestris,  Wald  leberkraut 
N 

N 

N 

Matri  sylva  maius,  Grofs  Waldmaister 

— — minus,  Klain  ,, 

78.  Aparine  maius,  Grofs  klebkraut  - 

— minus,  Klain  „ 

Rubia  rustica,  Wild  Röte 
Milium  solis  album,  Weis  xMerhirs 

— — nigrum,  Schwartzer  Merhirs 

79.  Crateogonium  Diosc.,  Flöchkraut 
Arenaria  maior,  Grieskraut,  d;  grofs 

— minor,  klain  griefs  kreutlein 
Eufrasia  vera,  der  recht  augentrost 
Eufragia  rubra,  der  rot  augentrost 

80.  Crassula  maior,  Wundkraut 
Cardiaca,  Hertz  gespan 
Hosciamus,  Bilsenkraut 
Frumentum  saracenicum,  Wild  körn 
Botris,  Traubenkraut 

81.  Atriplex  rustica,  wild  malten 

— sativa,  zam  malten 

— fimaria,  Mist  malten 
Isatis  lutea,  Geier  waid 

82.  — purpurea,  Brauner  waid 


Melilotus  officinais  Desr. 

— albus  l)esr. 

Saxifraga  rotundifolia  L. 

— granulata  L. 

— tridactylites  L. 

Cerastium  arvense  L. 

Lepidium  sativum  L. 
Cardamine  amara  L. 

— pratensis  L. 

Veronica  Beccabunga  L. 
Valerianella  olitoria  Much. 
Lactuca  sativa  L. 
Cardamine  impatiens  L. 
Sinapis  arvensis  L. 

— alba  L. 

Barbaraea  vulgaris  RBr. 
Brassica  oleracea  L. 
Nasturtium  palustre  DC. 
Calluna  vulgaris  Salisb. 
Myricaria  germanica  Desv. 
Galium  silvaticum  L. 
Asperula  glauca  Bess. 

— arvensis  L. 

Sherardia  arvensis  L. 
Asperula  taurina  L. 

— odorata  L. 

Galium  Aparine  L. 

— Cruciata  Scop. 

Galium  Mollugo  L. 
Lithospermum  officinale  L. 

— arvense  L. 

Polygonum  mite  Schrank. 
Asperula  cynanchica  L. 
Linum  catharticum  L. 
Euphrasia  officinalis  L. 

— Odontites  L. 

Sedum  purpureum  Link. 
Leonurus  Cardiaca  L. 
Hyoscyamus  niger  L. 
Polygonum  Fagopyrum  L. 
Alber sia  Blitum  L. 
Chenopodium  album  L. 
Atriplex  hortense  L. 

— hastatum  L. 

Lactuca  muralis  Less. 
Prenanthes  purpurea  L. 


90 


83. 


84. 


85. 


86. 

87. 

88. 


89. 

90. 


91. 


92. 


Clinopodium  minus  agreste,  Acker 
wirbel 

Flos  cuculi,  Guckochblum 
Frumentum  vaccinum,  Ku  weisen 

Bis  malva,  Eybisch  baplen 
Althea,  Sigmarswurtz,  Felrifs 
Malva  simplex mas,  Kes  baplen,  mänlin 

— — foemina,  ,,  ,,  weiblin 

Saphonaria,  Sayffenkraut 

S tr uch ium,  w alck erkr aut 
Digitalis,  Fmgerhutt 
Cervicaria  aut  Campanula,  Halskraut 
Rapunculus  sylvestris,  Wald  rapontzel 

— hortensis,  Gerelen 
Vesicaria,  Blasenkraut 
Leontopodion,  Vergifsmeinnitt,  weiblin 

— „ mänlin 

Crispa  gallinacea,  Hanenkam 
Amara  dulcis,  Bittersiefs 

Alba  Brionia,  Stickwurtz,  oder  weifs 
Zaunriib 

Brionia  nigra,  Schwartze  Stickwurtz 
Appium  Hedera,  Ebheu 
Yolubilis  maior,  Grofs  winden 

— minor,  Klain  winden 
Usnea  terestris,  Weinkraut 
Remor  aratri,  Leisten  wurtz 
Yicia  palaria,  Schauffel  wick 

— trifolia,  Kle  wicken 

— montana,  Bergwick 

— sylvestris,  Waldwick 
Lathyros,  Kichern 
Apios,  Erdnufs,  Erdfeig 

Heck  wicken 

Pess  columbe,  Taubenfufs,  Geschofs- 
kraut 

Geranion  gratia  dei,  Gotzsgnad 
Robertina,  Ruprechtskrautt 
Rostrum  ciconiae,  Storckenschnabel 
Bursa  pastoris  maior,  das  grofs 
Deschelkraut 

Bursa  pastoris  altera,  das  ander 
Teschelkraut 
Scoparia,  Besenkraut 

Bursa  pastoris  vera,  das  recht  Deschel- 
kraut 

Bursa  pastoris  minima,  das  klainst 
Teschelkraut 


Galeopsis  Ladanum  L.  var.  an- 
gustifolia  Ehrh. 

Lychnis  flos  cuculi  L. 
Melampyrum  arvense  L. 

(s.  Bl.  30.) 

Althaea  offlcinalis  L. 

Malm  Alcea  L. 

— silvestris  L. 

— neglecta  Wallr. 

Saponaria  offlcinalis  L. 

— glutinosa  MB. 

Digitalis  ambigua  L. 
Campanula  rapunculoides  L. 
Pliyteuma  spicatum  L. 

Sium  Sisarum  L. 

Silene  inflata  Sm. 

Myosotis  silvatica  Hoffm. 

— palustris  L. 

Alectorolophus  minor  W.  u.  G. 
Solanum  Dulcamara  L. 
Bryonia  alba  L. 

Tamus  communis  L. 

Hedera  Helix  L. 

Convolvulus  sepium  L. 

— arvensis  L. 

Ly copodium  annotinum  L. 
Ononis  spinosa  L. 

Lathyrus  Apha  ca  L. 

— pratensis  L. 

Coronilla  montana  Scop.  und 

C.  varia  L. 

Lathyrus  vernus  Beruh. 

— Silvester  L. 

— tuberosus  L. 

Vicia  Cracca  L. 

Geranium  columbinum  L. 

— Bobertianum  L. 

Geranium  palustre"  L. 

Er odium  cicutarium  L’Herit. 
Tlüaspi  arvense  L. 

— perfoliatum  L. 

— alpestre  L.  mit  Alyssum 
calycinum  L. 

Capselia  Bursa  pastoris  Mnch. 
Draba  verna  L. 


91 


Petasites  officinalis  Moench. 

Tussilago  Farfara  L. 

Helleborus  viridis  L. 

— foetidus  L. 

Euphorbia  amygdaloides  Kl.  u.  G. 

— stricta  L. 

— exigua  L. 

Orchis  sambucina  L. 

Ophrys  fuciflora  Rchb.  (?) 
Satyrium  basilicum  mas,  die  wol-  Orchis  militaris  L. 
schmeckend  Stendelwurtz. 

96.  Cynosorchis  minor,  das  klain  vögelin  Ophrys  muscifera  Huds. 
Satyrium  basilicum  foemina,  die  wol-  Gymnadenia  conopea  RBr. 

schmeckend  Stendelwurtz,  weiblin 
Orchis  femina,  Stendelwurtz,  weib.  Orchis  spec. 

Lapatum,  Straiffwurtz,  Mengelwurtz  Pumex  Hydrolapathum  Huds. 
Acetosa  maior,  Saur  ampfer  — Acetosa  L. 

97.  — minor,  klain  Saurampfer  — Acetoselia  L. 

Oxytriphyllon,  Buch  klee,  Buchampfer  Oxalis  Acetosella  L. 

Polygonium,  weggrafs  Polygonum  aviculare  L. 


Petasites  mas,  l Bolsteren,  ) 

— femina,  / Pestilentz  wurtz  1 

93.  Tussilago,  Rofs  hupf 
Yeratrum  nigrum,  Christwurtz 

94.  Sesamoides  magnum,  Leuskraut 
Esula  maior,  Wald  Wolfsmilch 

— secunda,  die  ander  Wolfsmilch 

95.  — tertia,  die  dritt  Wolfsmilch  ] 

— minima,  die  klainst  Wolfsmilch  J 
Testiculus.  Orchis,  Stendelwurtz 
Cynosorchis,  Fögelin 


Volgen  nun  mancherley  Grafs  geschlecht 


N 

N 

98.  N 

N 

Holosteon,  Hundsgras 

N 

N 

99.  Lolium,  Drefftzgen 
N 

N 

Linum  pratense,  Mattenflax 

N 

Canda  muris,  Meusschwantz 

100.  Mezereon,  Zilander 

Flos  hepatica,  Leberblum 
Cuscuta,  Filtzkraut 
Vina  pervinca 

101.  Galiom,  Meyerkraut 
Frumentum  vaccinum,  Kuweysen 
N 


Car  ex  digitata  L. 

Melica  nutans  L. 

Sesleria  coerulea  Ard. 

Br  im  media  L. 

Carex  glauca  Murr. 

Scirpus  silvaticus  L. 

Poa  spec. 

Bromus  secalinus  L. 

Luzula  campestris  DC. 
Cynosurus  cristatus  L. 
Eriophorum  polystachium  L. 
Dactylis  glomerata  L. 
Phleum  pratense  L. 

P>aphne  Mezereum  L. 
Parnassia  palustris  L. 
Cuscuta  europaea  L. 

Vinca  minor  L. 

Galium  verum  L. 
Melampyrum  arvense  L. 
Centaur ea  jacea  L. 


Botanisches  Institut  der  Technischen  Hochschule  Dresden,  Januar  1908. 


Die  Preise  für  clie  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdachsche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8 . . . . 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8.  ....  ...  . . . . . 3 1.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissenscli.  Beiträge  zur  Kenntnis  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 61.-  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  . . IM.  20  Pf. 

Sitzungsberichte'.  Jahrgang  1-863  . . . . . . . . . . . . 1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  der  Jahrgang  , . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-Dezember 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868.  der  Jahrgang.  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869.  Januar -September  ....  2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Dezember 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-Dezember  .....  3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  ...  . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  der  Jahrgang  . ..4M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  . . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-Dezember  . ...  31.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgal]  gl  881.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1887  bis  1907,  der  Jahrgang  . . . . . . . . . . 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1886.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proz.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  Sitzungsberichte 
werden  von  dem  ersten  Sekretär  der  Gesellschaft,  d.  Z.  Hofrat 
Prof.  Dr.  Deiehmiiller,  Dresden -A.,  Zwingergebäude,  K.  Mineral. - 
geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

gj^T“  Die  regelmäfsige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittiert  wird. 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in 


Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktionskomitee. 


Jahrgang  1908. 


Mit  2 Tafeln  und  5 Abbildungen  im  Text. 


Dresden, 

In  Kommission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1909. 


zobZ'IA- 


der 


0 


|| 

- 

ly 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


^6~r  'S 


in  Dresden. 


Herausgegeben  ■ 

von  dem  Redaktionskomitee. 


Jahrgang  1908. 

Januar  bis  Juni. 


' 


Mit  1 Tafel  und  1 Abbildung  im  Text. 


SP 


■ 

. ’ ' 


Dresden. 

In  Kommission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1908. 


& 


Redaktionskomitee  für  1908. 

Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Mitglieder:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi,  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner,  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  A.  Lottermoser  und  Rektor 

Prof.  Dr.  R.  Henke. 

Verantwortlicher  Redakteur:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Inhalt. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sektion  für  Zoologie  S.  3.  — Heller,  K.:  Tierwelt  der  Kanaren  S.  3.  — Jacobi,  A.: 
Ibidorhynchus  struthersi  Vig.,  Nacktschnecken  von  der  Küste  Kaliforniens,  Fischfauna 
von  Samoa,  neue  Literatur  S.  3.  — Lehmann,  H.:  Von  Makropoden  erzeugte  Töne 
S.  3.  — Schorler,  B.:  Teiche  des  Erzgebirges  S.  3,  mit  Bemerk,  von  A.  Jacobi  S.  4. 

II.  Sektion  für  Botanik  S.  4.  — Ernennung  J.  Wiesners  zum  Ehrenmitgliede  S.  4. 
— Drude,  0.:  Formationen  und  endemischer  Charakter  der  Flora  der  Kanaren 
S.  4;  Schutz  der  Erica  carnea  L.  im  Vogtlande,  Reise  nach  Gent  zur  Gartenbau- Aus- 
stellung S.  5.  — Neger,  F.:  Pilzkulturen  der  Nutzholz- Borkenkäfer  S.  4.  — Scheid- 
hauer, R. : Hochmoorbildungen  und  Moosflora  des  Zinnwalder  Moores  S.  5.  — 
Schorler,  B.:  Über  alte  Herbarien,  mit  Bemerk,  von  0.  Drude  S.  4. 

III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  5.  — Engelhardt,  H.:  Tertiärpflanzen 
von  der  Insel  Seymour  S.  7.  — Gäbert,  C.:  Neuere  Forschungsergebnisse  über 
Bildungsweise  und  Alter  der  erzgebirgischen  Gneisformation  S.  6.  — Kalkowsky,  E.: 
Umgestaltungen  durch  Bodenbewegungen , farbige  Photographien  von  Mineralien, 
Meteoreisenstruktur  S.  6;  Edelstein-  und  Steinschleiferei  und  Florentiner  Mosaik- 
arbeiten S.  7.  — Wagner,  P.:  Geologische  Übersichtskarte  des  Königreichs  Sachsen 
S.  7 ; neue  Literatur  S.  5 und  7.  — Wanderer,  K.:  Literaturbesprechung  S.  7. 

IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen  S.  7.  — Deichmüller,  J.:  Diluvialer 
Menschenkiefer  von  Mauer  bei  Heidelberg,  Nachbildung  eines  Bronzegefäfses  in  Ton, 
neue  Literatur  S.  7;  neue  Erwerbungen  der  K.  Prähistorischen  Sammlung  S.  8.  — 
Ebert,  0.:  Prähistorisches  aus  Österreich  S.  7.  — Kalkowsky,  E.:  Vorgeschichte 
von  Kreta  S.  7.  — Krull,  W. : Rethra,  Besiedelungstätte  und  Heiligtum  der 
Redarier  S.  8. 

V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  8. — Haenel,  H. : Problem  der 
Vergröfserung  des  Mondes  am  Horizonte  S.  8.  — Lange,  L.:  Moderne  bakteriolo- 
gische Methodik,  erläutert  an  dem  Verfahren  des  Typhusnachweises  S.  8.  Wit- 
ting,  A. : Entstehung  des  Planetensystems  S.  8. 

"VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  9.  — Heger,  R.:  Die 
Rohnsche  Konstruktion  der  ebenen  Kurve  III.  Ordnung  S.  9.  — Krause,  M.:  Zur 
Theorie  der  Gelenkmechanismen  S.  9.  — Schreiber,  A.:  Theorie  des  Prytzschen 
Stangenplanimeters  S.  10.  — Schreiber,  P.:  Theorie  und  Praxis  der  Wagemano- 
meter S.  10.  — Witting,  A.:  Angenäherte  Lösung  numerischer  Gleichungen  S.  9. 

WH.  Hauptversammlungen  S.  10.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  14.  — 
Kassen  ab  schlufs  für  1907  S.  12,  14  und  16.  — Voranschlag  für  1908  S.  12.  — Ge- 
schenk für  die  Bibliothek  S.  13.  — Denkschrift  über  den  naturwissenschaftlichen 
Unterricht  an  den  höheren  Schulen  S.  13.  — Verbilligung  der  sächsischen  topo- 
graphischen und  anderen  Karten  S.  13.  — Brion,  G.:  Bindung  des  atmosphärischen 
Stickstoffs  in  elektrischen  Gasentladungen  S.  12.  — Drude,  0.:  Blattform  und  Vege- 
tationsformation S.  14.  — Förster,  F. : Der  elektrische  Ofen  in  der  Eisenindustrie 
S.  14.  — Kalkowsky,  E.:  Geologie  und  Beginn  des  organischen  Lebens  S.  13.  — 
Schmidt,  K.:  Geologie  des  Simplons  und  des  Simplontunnels  S.  10.  — Ausflug 
nach  Landberg- Spechtshausen  S.  14.  , 


Inhalt  des  Jahrganges  1908. 


A.  Sitzungsberichte. 

I.  Sektion  für  Zoologie  S.  3 und  19.  — Heller,  K.:  Tierwelt  der  Kanaren  S.  3.  — 
Jacobi , A. : Ibidorhynchus  struthersiYig .,  Nacktschnecken  von  der  Küste  Kaliforniens, 
Fischfauna  von  Samoa  S.  3;  Varietäten  zweier  deutscher  Wildarten  S.  19;  neue  Literatur 
S.  3 und  19.  — Kalkowsky,  E.:  Über  Miesmuschelperlen,  ein  sprechender  Papagei 
S.  19.  — Lehmann,  H.:  Von  Makropoden  erzeugte  Töne  S.  3.  — Schorler,  B.: 
Teiche  des  Erzgebirges  S.  3,  mit  Bemerk,  von  A.  Jacobi  S.  4. 

II.  Sektion  für  Botanik  S.4  und  19.  — Ernennung  J.Wiesners  zum  Ehrenmitgliede  S.4. 
— Drude,  0.:  Formationen  und  endemischer  Charakter  der  Flora  der  Kanaren  S.4; 
Schutz  der  Erica  carnea  L.  im  Vogtlande,  Reise  nach  Gent  zur  Gartenbau- Ausstellung 
S.  5;  Darwin  und  Darwinismus  S.  20;  Selaginella  helvetica  Link,  aus  der  Sächsischen 
Schweiz  S.  21.  — Herrmann,  E.:  Gutachten  über  die  Hehn  sehen  Pilzdarstellungen 
S.  20.  — Neger,  F.:  Pilzkulturen  der  Nutzholz-Borkenkäfer  S.4;  Ambrosiagallen  und 
ihre  Pilze  S.  20.  — Rehn , A.:  Ausstellung  von  Aquarellen  und  Modellen  heimischer 
Pilze  S.  19.  — Scheidhauer,  R.:  Hochmoorbildungen  und  Moosflora  des  Zinnwalder 
Moores  S.  5;  Cylindrothecium  concinnum  Schpr.  von  Weinböhla  und  Gallier gon  gigan- 
teum  Kindb.  von  Meifsen  S.  21.  — Schorler,  B.:  Über  alte  Herbarien,  mit  Bemerk, 
von  0.  Drude  S.  4.  — Wolf,  Th.:  Monographie  der  Gattung  PotentiH a S.  21. 

III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  5 und  21.  — Engelhardt,  H.:  Tertiär- 
pflanzen von  der  Insel  Seymour  S.  7.  — Fischer,  H.:  Die  „Opferschüsseln“  im 
Fichtelgebirge  S.  21.  — Gäbert,  C.:  Neuere  Forschungsergebnisse  über  Bildungs- 
weise und  Alter  der  erzgebirgischen  Gneisformation  S.  6.  — Hibsch,  E. : Der  geo- 
logische Aufbau  des  Böhmischen  Mittelgebirges  S.  21.  — Kalkowsky,  E.:  Gin- 
gest altungen  durch  Bodenbewegungen,  farbige  Photographien  von  Mineralien,  Meteor- 
eisenstruktur S.  6 ; Edelstein-  und  Steinschleiferei  und  Florentiner  Mosaikarbeiten 
S.  7;  über  den  Korund  S.  21.  — Wagner,  P.:  Geologische  Übersichtskarte  des 
Königreichs  Sachsen  S.  7;  neue  Literatur  S.  5,  7 und  21.  — Wanderer,  K.:  Lite- 
raturbesprechung S.  7;  die  sächsischen  Kreidekrehse  S.  21. 

IY.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen  S.  7 und  22.  — Deichmüller,  J.:  Dilu- 
vialer Menschenkiefer  von  Mauer  bei  Heidelberg,  Nachbildung  eines  Bronzegefäfses  in 
Ton  S.  7;  neue  Erwerbungen  der  K.  Prähistorischen  Sammlung  S.  8;  Inventarisierung 
der  vorgeschichtlichen  Altertümer,  Steinhammer  von  Kaditz  S.  22;  neue  Literatur  S.  7 
und  22.  — Döring,  H.:  Slawische  Gefäfse  von  der  Lukaskirche  in  Dresden,  Literatur- 
besprechung S.  22.  — Ebert,  0.:  Prähistorisches  aus  Österreich  S.  7;  die  Einhornhöhle 
bei  Scharzfeld  S.  22.  — Kalkowsky,  E.:  Vorgeschichte  von  Kreta  S.  7.  — Krull,  W.: 
Rethra,  Besiedelungsstätte  und  Heiligtum  der  Redarier  S.  8.  — Ludwig,  H.:  Herd- 
gruben bei  Kötitz,  Steingerät  von  Gommern  S.  22. 

Y.  Sektion  für  Physik  und  Chemie  S.  8 und  22.  — Haenel,  H. : Problem  der  Ver- 
gröfserung  des  Mondes  am  Horizonte  S.  8.  — Lange,  L.:  Moderne  bakteriologische 
Methodik,  erläutert  am  Verfahren  des  Typhusnachweises  S.  8.  — Luther,  R.:  Nutz- 
barmachung der  Sonnenenergie  S.  22.  — Witting,  A.:  Entstehung  des  Planeten- 
systems S.  8. 

YI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  9 und  23.  — Disteli,  M.: 
Das  Hookesche  Gelenk  S.  26.  — Heger,  R.:  Die  Rohnsche  Konstruktion  der  ebenen 
Kurve  III.  Ordnung  S.  9;  Taylor  in  Prima  S.  23.  — Krause,  M.:  Zur  Theorie  der 
Gelenkmechanismen  S.  9.  — Schreiber,  A.:  Theorie  des  Prytzschen  Stangenplani- 
meters S.  10.  — Schreiber,  P.:  Theorie  und  Praxis  der  Wagemanometer  S.  10.  — 
Weinmeister,  Ph. : Autopolare  Kegelschnitte  S.  23;  Mitteilungen  über  homogene 
Koordinaten  S.  26.  — W itting , A. : Angenäherte  Lösung  numerischer  Gleichungen  S.  9. 


IV 


VII.  Hauptversammlungen  S.  10  und  27.  — Beamte  im  Jahre  1909  S.  27  und  32.  — 
Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  14  und  30.  — Kassenabschlufs  für  1907  S.  12, 
14  und  16.  — Voranschlag  für  1908  S.  12.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kasse  S.  31. 

— Bericht  des  Bibliothekars  S.  34.  — Geschenk  für  die  Bibliothek  S.  13.  — Namens- 
änderung der  Sektion  für  Physik  und  Chemie  S.  29.  — Denkschrift  über  den  natur- 
wissenschaftlichen Unterricht  an  den  höheren  Schulen  S.  13.  — Verbilligung  der 
sächsischen  topographischen  und  anderen  Karten  S.  13;  Eingabe  hierzu  an  das  Mini- 
sterium des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  S.  27.  — Brion,  Gr.:  Bindung  des 
atmosphärischen  Stickstoffs  in  elektrischen  Gasentladungen  S.  12.  — Drude,  O.: 
Blattform  und  Vegetationsformation  S.  14;  Tätigkeit  des  Landesvereins  „Sächsischer 
Heimatschutz“  S.  27  und  29.  — Förster,  F. : Der  elektrische  Ofen  in  der  Eisen- 
industrie S.  14.  — Hempel,  W.:  Bekämpfung  der  Feuersgefahr  S.  29.  — Kal- 
kowsky,  E.:  Geologie  und  Beginn  des  organischen  Lebens  S.  13;  europäische  Ent- 
fernungen S.  30.  — Patt en hausen,  B.:  Afsmanns  Versuch  mit  dem  Aspirations- 
thermometer S.  27.  — Schmidt,  K. : Geologie  des  Simplons  und  des  Simplontunnels 
S.  10.  — Schreiber,  P. : Wissenschaftliche  Aufgaben  der  Luftballonfahrten  S.  27. 

— Witting,  A.:  Einige  Zusammenhänge  der  höheren  Mathematik  mit  der  elementaren 
S.  30.  — Ausflug  nach  Landberg -Spechtshausen  S.  14. 


B.  Abhandlungen. 

Denkschrift  über  den  naturwissenschaftlichen  Unterricht  an  den  höheren  Schulen.  S.  3. 
Kalkowsky,  E.:  Europäische  Entfernungen.  S.  33. 

Menzel,  P.:  Fossile  Koniferen  aus  der  Kreide-  und  Braunkohlenformation  Nordböhmens. 
Mit  Tafel  II.  S.  27. 

Schorler,  B.:  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  in  den  Jahren  1906 — 1908.  S.  63. 
Schreiber,  P:  Allgemeine  Theorie  der  Wagemanometer.  Mit  Tafel  I.  S.  7. 
Wanderer,  K. : Ein  Vorkommen  von  Enoploclytia  Leachi  Mant.  sp.  im  Cenoman  von 
Sachsen.  Mit  1 Abbildung.  S.  23. 

Witting,  A.:  Über  einige  Zusammenhänge  der  höheren  Mathematik  mit  der  elementaren. 
Mit  3 Abbildungen.  S.  41. 

Wolf,  Th. : Über  die  neue  „Monographie  der  Gattung  Potentilla“.  Mit  1 Abbildung.  S.  52. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

A bhandlungen. 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonderabzüge  unentgeltlich,  eine  gröfsere  Anzahl  gegen  Er- 
stattung der  Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1908. 


I.  Sektion  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  27.  Februar  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A. 
Jacobi.  — Anwesend  47  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  folgende  Schriften  vor: 

Go  w ans  Nature  books,  No.  1—3.  London; 

Shelley,  G.  E.:  The  birds  of  Africa,  vol.  I,  pt.  1.  London  1906. 

Er  weist  auf  die  anziehende  Ausstattung  mit  Naturaufnahmen  von  Tieren  bei  den 
äufserst  wohlfeilen  Gowanschen  Heftchen  hin,  während  in  dem  Shelley  sehen  Werke  die 
vollendete  Wiedergabe  von  Vögeln  (Gilanzstare)  mit  metallglänzenden  Farben  gerühmt  wird. 

Derselbe  zeigt  sodann  ein  ausgestopftes  Stück  des  Ibidorhynchus 
struthersi  Vig.  vor. 

Dieser  auf  den  Hochgebirgen  Mittelasiens  hausende  Watvogel,  dessen  systematische 
Stellung  lange  verkannt  wurde,  ist  trotz  unähnlichen  Aufseren  ein  naher  Verwandter 
des  Austernfischers;  auch  von  letzterer  Art,  die  sich  selten  ins  Binnenland  verfliegt, 
wird  ein  jüngst  bei  Grofsenhain  erlegtes  Exemplar  vorgewiesen. 

Nachdem  hält  Prof.  Dr.  K.  Heller  seinen  angekündigten  Vortrag  über 
die  Tierwelt  der  Kanaren. 


Zweite  Sitzung  am  23.  April  1908  (in  Gemeinschaft  mit  der  Sektion 
für  Botanik).  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Jacobi.  — Anwesend  30  Mit- 
glieder. 

Der  Vorsitzende  legt  das 

Bulletin  of  the  bureau  of  fisheries,  vol.  XXV,  1895, 
vor  und  spricht  im  Anschlufs  daran  über  Nacktschnecken  von  der 
Küste  Kaliforniens  und  über  die  Fischfauna  von  Samoa  (Korallen- 
fische). 

HerrH.  Lehmann  berichtet  über  an  Makropoden  wahrgenommene 
Töne. 

Kustos  Dr.  B.  Schorler  spricht  über  die  Teiche  des  Erzgebirges. 

Der  Vortragende  bedauert,  dafs  viele  Teiche  des  Erzgebirges  in  den  letzten  Jahren 
trockengelegt  wurden,  weil  die  Fischzucht  nicht  mehr  gewinnbringend  war.  Er  weist 
darauf  hin,  dafs  die  Fischproduktion  unmittelbar  von  dem  Plankton  und  dieses  wieder 
von  den  im  Wasser  gelösten  Nährstoffen  (N . P2  05  . Ca . K2  0)  abhängt.  Bei  längerem 
Betriebe  tritt  in  den  Teichen  ein  derartiger  Mangel  an  solchen  Stoffen  ein,  dafs  die 
Ertragsfähigkeit  der  Teiche  an  Fischfleisch  darunter  leidet.  Es  mufs  darum  für  künst- 
liche Zufuhr  durch  rationelle  Düngung  gesorgt  werden.  Die  schädliche  Humussäure 
wird  durch  kohlensauren  Kalk  gebunden.  Der  Vortragende  legt  hierzu  vor: 
Knauthe,  K.:  Die  Karpfenzucht.  Neudamm  1901; 

Knauthe,  K.:  Das  Süfswasser.  Neudamm  1907. 


4 


Prof.  Dr.  A.  Jacobi  warnt  davor,  die  Hochteiche  zur  Karpfenzucht  zu 
verwenden,  weil  die  Durchschnittstemperatur  des  Wassers  eine  zu  geringe 
sei.  Besser  eigneten  sie  sich  für  die  Salmoniden,  nachdem  das  Wasser 
entsäuert  worden  sei. 

Kustos  Dr.  B.  Schorler  erwidert,  dafs  die  Forelle  in  den  Moor- 
teichen leicht  absterbe,  Karausche  und  Schleie  aber  sich  als  Besatzfische 
eignen  würden. 


II.  Sektion  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  9.  Januar  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  34  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  stellt  den  Antrag,  die  Sektion  möge  bei  der  Haupt- 
versammlung anregen,  dafs  der  durch  seine  vielseitige  Tätigkeit  wohl- 
bekannte  Botaniker  K.  K.  Hofrat  Prof.  Dr.  Julius  Wiesner  in  Wien  an- 
läfslich  seines  70.  Geburtstages  zum  Ehrenmitgliede  ernannt  werde. 

Nach  einem  kurzen  Überblick  über  Wiesners  wissenschaftliche  Ver- 
dienste durch  den  Vorsitzenden  wird  der  Antrag  einstimmig  angenommen.*) 

Prof.  Dr.  F.  Neger  hält  einen  Vortrag  über  die  Pilzkulturen  der 
Nutzholz-Borkenkäfer,  welche  in  sehr  interessanter  Weise  Analogien 
zu  den  aus  Möllers  Arbeiten  genauer  bekannt  gewordenen  Pilzgärten  brasi- 
lianischer Ameisen  ergeben.  Demonstrationen  am  Objekt  und  schöne 
Lichtbilder  begleiten  den  Vortrag. 

Kustos  Dr.  B.  Schorler  spricht  dann  über  alte  Herbarien. 

Der  Vortragende  legt  zwei  Bände  der  ältesten  bei  uns  befindlichen  sächsischen 
Flora  von  Erdmann  aus  dem  Jahre  1797  vor,  besonders  aber  einen  Band  von  Harder 
aus  den  Jahren  1574 — 1576,  der  z.  Z.  in  der  Tharandter  Bibliothek  auf  bewahrt  ist  und 
das  älteste  in  Deutschland  jetzt  befindliche  Herbarium,  gesammelt  im  Gebiet  der 
schwäbischen  Alb  und  dem  Alpenvorlande,  darstellt.**) 

Da  dieser  durch  sein  Alter  allein  wertvolle  Schatz  offenbar  in  der 
Tharandter  Forstakademie  nicht  am  rechten  Platze  ist,  so  besteht  dort 
die  Absicht,  ihn  auf  dem  Wege  des  Umtausches  besser  zu  verwerten.  Es 
spricht  daher  der  Vorsitzende  den  Wunsch  aus,  dafs  das  Herbar  auf 
jeden  Fall  für  Deutschland  erhalten  bleiben  möge,  entweder  in  seinem 
Ursprungsgebiete  oder  bei  uns  in  Sachsen. 


Zweite  Sitzung  am  5.  März  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  spricht  über  die  Formationen  und  den  en- 
demischen Charakter  der  Flora  der  Kanaren,  unter  Vorlage  der 
grofsen  vierbändigen  „Flora  canariensis“  von  Berthelot. 


*)  Diese  Ernennung  ist  durch  Beschlufs  des  Direktoriums  vom  20.  Januar  1908 
unter  nachträglicher  Genehmigung  der  Hauptversammlung  vom  30.  Januar  1908  erfolgt. 

**)  Die  von  Dr.  B.  Schorler  darüber  verfafste  Abhandlung  ist  als  letzte  im  Jahr- 
gang 1907  der  Isis- Abhandlungen  inzwischen  gedruckt  worden. 


5 


Nachdem  in  den  früheren  Jahren  und  auch  noch  kürzlich  durch  Prof.  Heller  die  all- 
gemein-topographische Seite  der  so  anziehenden  Inselgruppe  und  die  Tierwelt  mit  ihrem 
endemischen  Charakter  in  unseren  Isis- Sitzungen  ausführlicher  erörtert  war,  wollte  der 
Vortragende  die  floristischen  Beziehungen  der  Inselgruppe  und  ihren  hervorragend 
endemischen,  aus  alter  Tertiärzeit  sich  ableitenden  Charakter  erläutern.  Zur  Vorlage 
dienten  dabei  ausgewählte  Herbarexemplare,  welche  aus  den  Sammlungen  von  Dr.  Alph. 
Stübel  dem  Herbarium  kürzlich  geschenkt  sind  und  unter  denen  ein  besonderes  Farren- 
Herbar  im  grofsen  Format  geradezu  hervorragend  ist.  Diese  Farne  zeigen  schon  als 
gutes  Beispiel,  wie  sich  der  floristische  Charakter  zu  unserer  heimischen  Flora  verhält: 
neben  bei  uns  heimischen  Arten  (Adlerfarn!,  Pteris  aquilina ) wachsen  dort  endemische 
Arten  von  Gattungen,  die  auch  in  unserer  Flora  Arten  besitzen  (darunter  z.  B.  das  sehr 
merkwürdige  Adiantum  reniforme ),  endlich  solche,  die  auch  als  Gattungen  oder  Tribus 
ganz  anderen  Floren  angehören,  wie  besonders  der  seltene  Baumfarn  aus  der  Cyatheaceen- 
Gruppe,  Dicksonia  Culcita , welcher  auch  auf  den  Azoren  vorkommt 

Die  Formationen  werden  an  der  Hand  der  schönen  Abbildungen  von  Schimper  in 
Chuns  Valdivia-  Expedition  besprochen.  Die  heifsen  Formationen  der  Niederung  ent- 
halten mit  fleischigen  Wolfsmilchen  und  Drachenbaum  afrikanische  (z.  T.  mit  der  Insel 
Socotra  in  nahen  Beziehungen  stehende)  Elemente;  die  alt- mediterranen  stecken  im 
Bergwalde,  besonders  in  den  Lorbeerbäumen,  die  mit  Mitteleuropa  gemeinsamen  Arten 
in  den  oberen  Formationen  als  Beigemisch.  Sehr  interessant  ist  die  Retama-Formation 
auf  den  Trümmergeröllen  am  Fufse  des  eigentlichen  Piks  von  Teneriffa. 


Dritte  Sitzung  am  7.  Mai  1908.  Vorsitzender:  Geb.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  58  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  macht  Mitteilungen  von  Bestrebungen  zum  Schutze 
der  Erica  carnea  L.  im  Vogtlande. 

Ingenieur  R.  Scheidhauer  hält  seinen  angekündigten  Vortrag  über 
Hochmoorbildungen  und  die  Moosflora  des  Zinnwalder  Moores, 
unter  Vorlage  seines  reichhaltigen  Herbariums  von  Moosen,  aus  dem  die 
zur  Besprechung  gelangenden  Arten  in  sehr  anschaulicher  Weise  auf  grofsen 
Tafeln  in  Gruppen  zusammengestellt  sind. 

Nach  kurzer  Debatte  referiert  der  Vorsitzende  über  seine  Reise 
nach  Gent  zu  der  dortigen  Gartenbau-Ausstellung  zu  Ende  April, 
welche  mit  dem  Jubiläum  des  100jährigen  Bestehens  der  Societe  d’agri- 
culture  et  de  botanique  daselbst  verbunden  war.  Diese  Gesellschaft  ist 
die  führende  in  dem  durch  hohe  Bedeutung  ausgezeichneten  belgischen 
Gartenbau. 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  23.  Januar  1908.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  52  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

Naumann-Zirkel:  Elemente  der  Mineralogie,  15.  Aufl.  Leipzig  1907; 
Weinschenk,  E. : Die  gesteinsbildenden  Mineralien.  2.  Aufl.  Freiburg  1907; 
Weinschenk,  E. : Petrographisches  Vademecum.  Freiburg  1907; 

Reyer,  E.:  Geologische  Prinzipienfragen.  Leipzig  1907; 

Festschrift  zur  Erinnerung  an  die  Eröffnung  des  neuerbauten  Museums 
der  Senckenbergischen  naturforsch.  Gesellschaft  zu  Frankfurt  a.  M.  1907. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E Kalkowsky  berichtet  über  eine  im  Aufträge 
der  ,, Zentralkommission  für  wissenschaftliche  Landeskunde  in  Deutschland“ 


6 


durch  Prof.  Dr.  G.  Braun -Greifswald  versendete  Bundfrage  über  Um- 
gestaltungen durch  Bodenbewegungen. 

Fragebogen  über  Bodenbewegungen. 

1.  Möglichst  genaue  Ortsangabe  (wenn  vorhanden,  nach  dem  Mefstiscbblatt). 

2.  Wann  trat  die  Bewegung  ein  resp.  wann  wurde  sie  beobachtet?  Dauer  derselben? 

3.  Art  der  Bewegung. 

Bestimmungstabelle  dazu: 


1.  Gleitbewegung 

Bewegte  Scholle 
wenig  oder  gar  nicht 
zerrüttet 

2.  Rutschbewegung 
Bewegte  Scholle  in 
sich  stark  zerrüttet 
oder  durcheinander 
gemengt 

3.  Sturzbewegung 

Zusammenhang  der 
bewegten  Scholle 
zerstört 

4.  Sackende 
Bewegung 

a)  Weiches,  pla- 
stisches Material 

a.  Schlammstrom 

8.  Gekriech 
y.  Schlipf 

Frana  (Erdrutsch) 

> Erdfälle 

b)  Schuttmaterial 

(Hauptmasse  der 
bewegten  Scholle 
Schutt) 

Schuttgekriech 

Schuttrutsch 

Schuttsturz  * 

c)  Felsmaterial 
(Hauptmassse  ge- 
wachsenes G-estein) 

Felsrutsch 

a.  Felssturz 
ß.  Abbrüche 

4.  Kurze  Skizze  der  geologischen  und  Bodenverhältnisse  (in  Ergänzung  der  geo- 
logischen Spezialkarte,  wenn  eine  solche  vorhanden). 

Angaben  über  die  Vegetationsdecke  (Wald,  Busch,  Wiese,  Feld,  Moor).  Ist 
der  Erdboden  (Fels)  sichtbar? 

Sind  Bodentiere  (Mäuse,  Maulwürfe,  Ameisen)  oder  andere  wühlende  Tiere 
bemerkbar? 

In  welcher  Zahl? 

Können  die  Rutschungen  auf  das  Treten  von  Herdentieren  zurückgeführt 
werden  ? 

Kann  Bergbau  oder  sonstige  menschliche  Tätigkeit  (Aufschüttung)  die  Ursache 
der  Bewegungen  sein? 

Angaben  über  die  Grundwasserverhältnisse,  benachbarte  Quellen  und  Riesel. 

5.  Sind  Ihnen  andere  (auch  ältere  und  prähistorische)  derartige  Bewegungen  in  der 
Gegend  bekannt?  An  welcher  Stelle  haben  sie  stattgefunden?  Wer  könnte  über  sie 
Auskunft  geben?  Literatur? 

6.  Wer  könnte  mit  näherer  Untersuchung  betraut  werden? 

Erwünscht  ist 

a)  Übersendung  einer  Photographie. 

b)  Mitteilung  über  die  Topographie  (Kartenskizze,  Neigung  der  betr.  Abhänge 
und  Stellen,  Gröfse)  und 

c)  Geologie  (Ergänzung  nach  den  Gesichtspunkten  von  4). 

d)  Allgemeine  Beschreibung  und  Folgeerscheinungen  des  Vorgangs,  angerichteter 
Schaden,  Schutzbauten  usw. 

Derselbe  demonstriert  farbige  Photographien  von  Mineralien. 

Dr.  C.  Gäbert-Leipzig  hält  einen  Vortrag:  Neuere  Forschungs- 
ergebnisse über  Bildungsweise  und  Alter  der  erzgebirgischen 
Gneisformation. 


Zweite  Sitzung  am  19.  März  1908.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  54  Mitglieder. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  erläutert  die  Meteor  ei  son- 
st ruktur  in  Lichtbildern. 


7 


Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  bespricht  die  neue  „Geologische  Über- 
sichtskarte des  Königreichs  Sachsen  in  1 : 250  000“  und  legt  dabei 
eine  gröfsere  Anzahl  von  Originalabzügen  der  einzelnen  Farbplatten  vor. 


Dritte  Sitzung  am  14.  Mai  1908.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  44  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

Schneider,  K.:  Zur  Geschichte  und  Theorie  des  Vulkanismus.  Prag  1908. 

Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt  berichtet  über  die  von  Nordenskjöld 
auf  der  Insel  Seymour  gefundenen  Tertiärpflanzen. 

Vergl.  hierzu  Düsen,  P.:  Die  tertiäre  Flora  der  Seymour-Insel.  Stock- 
holm 1908. 

Dr.  K.  Wanderer  bespricht 

Steinmann,  G.:  Die  geologischen  Grundlagen  der  Abstammungslehre. 
Leipzig  1908. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  trägt  über  Edelstein-  und 
Steinschleiferei  in  Amsterdam  und  Oberstein  und  die  Florentiner 
Mosaikarbeiten  vor. 


IY.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  13.  Februar  1908.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof. 
Dr.  J.  Deich mü  11  er.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht  einige  neuerschienene  Werke: 

Forrer,  R.:  Reallexikon  der  prähistorischen,  klassischen  und  frühchrist- 
lichen Altertümer.  Mit  3000  Abbild.  Berlin  und  Stuttgart  1907; 

Schlemm,  J.:  Wörterbuch  zur  Vorgeschichte.  Ein  Hilfsmittel  beim  Studium 
vorgeschichtlicher  Altertümer  von  der  paläolithischen  Zeit  bis  zum  Anfänge 
der  provinzialrömischen  Kultur.  Mit  nahezu  2000  Abbild.  Berlin  1908. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  durch  zahlreiche 
Lichtbilder  erläuterten  Vortrag  über  die  Vorgeschichte  von  Kreta. 


Zweite  Sitzung  am  9.  April  1908.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  macht  auf  das  soeben  erschienene  Werk  von 

Mortimer,  J.  R.:  Forty  years  researches  in  British  and  Saxon  burial 
mounts  of  East  Yorkshire.  London, 

und  auf  den  Fund  eines  diluvialen  menschlichen  Unterkiefers 
in  Mauer  bei  Heidelberg  aufmerksam, 

und  legt  die  Photographie  eines  Tongefäfses  aus  einem  Urnenfelde 
bei  Oschatz  vor,  welches  einem  Gefäfse  aus  Bronze  nachgebildet  ist. 

Oberlehrer  0.  Ebert  spricht  über  Prähistorisches  aus  Österreich 
auf  Grund  der  bisher  erschienenen 

Mitteilungen  der  prähistorischen  Kommission  der  Kaiserl.  Akademie  der 
Wissenschaften,  Bd.  I u.  II,  No.  1.  Wien  1888—1908. 


8 


Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bespricht  neue  Erwerbungen  der 
Königl.  Prähistorischen  Sammlung. 

Yorgelegt  werden  eine  Sehnuramphore  von  Methewitz  bei  Pegau  mit  weifs 
ausgefüllten  Schnurlinien,  ein  Schnurbecher  von  Serkowitz,  dessen  Verzierungen 
mit  roter  Masse  gefüllt  sind,  ein  Gloekenbecher  von  Cröbern  bei  Leipzig,  zwei 
bandverzierte  Schalen  von  Geithain  und  von  Dr  esden- Oskarstraße,  eine  Guß - 
form  für  zwei  Sicheln  und  zwei  Pfeilspitzen  von  Gävernitz  bei  Grofsenhain,  eine 
Reihe  von  Tonklappern  aus  sächsischen  Urnenfehlern  der  Bronze-  und  älteren  vor- 
römischen Eisenzeit  und  von  sogen.  Räuchergefäfsen,  sowie  mehrere  wohlerhaltene 
slawische  Gefäfse  aus  Sachsen. 


Dritte  Sitzung  am  18.  Juni  1908.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller.  — Anwesend  33  Mitglieder. 

Dr.  med.  W.  Krull  hält  einen  Vortrag  mit  Lichtbildern  über  Rethra, 
Besiedelungsstätte  und  Heiligtum  der  Redarier. 

Der  Vorsitzende  legt  einige  neue  Erwerbungen  der  Königl.  Prä- 
historischen Sammlung  vor: 

ein  Gefäfs  des  Aunetitzer  Typus  von  Wiederau  bei  Pegau,  ein  solches 
des  Billendorfer  Typus  mit  hochglänzender,  schwarzer  Oberfläche  von  Elstra  bei 
Kamenz  und  eine  Eisennadel  aus  einer  Urne  desselben  Typus,  deren  Kopf  mit  einem 
Goldplättchen  belegt  ist,  von  Radeberg. 


V.  Sektion  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Erste  Sitzung  am  6.  Februar  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A. 
Lottermoser.  — Anwesend  45  Mitglieder  und  Gäste.  # 

Privatdozent  Dr.  L.  Lange  hält  einen  Vortrag  über  moderne  bak- 
teriologische Methodik,  erläutert  an  dem  Verfahren  des  Typhus- 
nachweises, mit  zahlreichen  Demonstrationen. 


Zweite  Sitzung  am  2.  April  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Lotter- 
moser. — Anwesend  44  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  H.  Haenel  spricht  über  das  Problem  der  Vergröfserung 
des  Mondes  am  Horizonte. 

An  den  Vortrag  schliefst  sich  eine  längere  Aussprache. 


Dritte  Sitzung  am  4.  Juni  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Lotter- 
moser. — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  A.  Witting  spricht  über  die  Entstehung  des  Planeten- 
systems. 

Auch  dieser  Vortrag  regt  zu  einer  lebhaften  Aussprache  an. 


9 


YI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  16.  Januar  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof.  Dr. 
R.  Henke.  — Anwesend  19  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  zur  Theorie  der  Gelenk- 
mechanismen. 

Die  Ausführungen  des  Vortragenden  beziehen  sich  auf  die  Frage,  unter  welchen 
Bedingungen  ein  beweglicher  Mechanismus  möglich  ist,  der  sich  aus  8 geradlinigen 
Stangen  folgendermafsen  zusammen  setzt:  Vier  Stangen  bilden  die  Seiten  eines  ebenen 
Vierecks  (Gelenkvierecks)  ABGD\  die  andern  vier  Stangen  gehen  von  einem  Punkt  F 
im  Innern  dieses  Vierecks  aus  und  endigen  auf  den  Seiten  des  letzteren.  — Der  Vor- 
tragende zeigt,  dafs  dieses  Problem  in  sehr  eleganter  Weise  analytisch  behandelt  werden 
kann;  es  läfst  sich  zurückführen  auf  die  Untersuchung  von  8 quadratischen  Gleichungen 
mit  derselben  Unbekannten,  deren  Koeffizienten  doppeltperiodische  Funktionen  eines 
Parameters  sind,  und  zwar  müssen  die  3 Gleichungen  für  unendlich  viele  Werte  dieses 
Parameters  zusammenbestehen.  Wird  die  Untersuchung  durchgefühlt,  so  zeigt  sich,  dafs 
vier  Mechanismen  der  gewünschten  Art  möglich  sind. 


Zweite  Sitzung  am  13.  Februar  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof. 
Dr.  R.  Henke.  — Anwesend  15  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  A.  Witting  spricht  über  angenäherte  Lösung  nume- 
rischer Gleichungen. 

Der  Vortragende  erläutert  nach  kurzer  historischer  Darstellung  an  mehreren 
typischen  Beispielen,  wie  man  durch  graphische  Behandlung  der  Annäherungsmethoden 
in  elementarer  Weise  ein  Urteil  über  die  Konvergenz  oder  Divergenz  der  betrettenden 
Algorithmen  erlangt.  Zum  Schlüsse  wird  darauf  hingewiesen,  dafs  die  bekannten 
Lösungen  der  Gleichungen  3.  und  4.  Grades  durch  den  Schnitt  zweier  Kurven  2.  Grades 
passende  und  mannigfach  interessierende  Übungsaufgaben  darbieten. 

Studienrat  Prof.  Dr.  R.  Heger  berichtet  über  die  Rohnsche  Kon- 
struktion der  ebenen  Kurve  III.  Ordnung. 

Es  handelt  sich  um  eine  von  K.  Rohn  im  Jahre  1907  angegebene  Konstruktion 
der  ebenen  Kurve  III.  Ordnung  aus  9 beliebigen  Punkten,  welche  alle  bisher  bekannten 
an  Einfachheit  übertrifft. 

Legt  man  durch  einen  Punkt  1 einer  C3  die  Geraden  S1  und  T±,  welche  die  C3 
noch  in  2 und  3,  resp.  4 und  5 schneiden,  so  lassen  sich  durch  diese  Punktpaare  un- 
zählige Paare  von  Kegelschnitten  Km,  Lm, legen,  die  sich  auf  der  C3  schneiden.  Aus 
C3  EE  S , . Lm  — T1  . Km  EE  St  . Ln  — Tt  . Kn  = 0 folgt  Sx  . ( Lm  — Ln)  : Tx  . {Km  — Kn)’, 
daher  enthält  Lm  — Ln  den  Faktor  1\,  und  Km  — Kn  den  Faktor  Sx.  Ist  Km  — Kn 
= . Bmn , so  ist  Lm  — Ijh=T1.  Bmn ; und  Tt  enthalten  je  zwei  Schnitte  von  Km 

und  Kn,  bez.  Lm  und  Ln,  folglich  liegen  die  andern  beiden  Schnittpaare  auf  Bmn. 

Aus  9 gegebenen  Schnittpunkten  findet  man  nach  Chasles  leicht  auf  linearem 
Wege  zweimal  3 Grade  £,,  S.2 , S3  und  T17  T2,  T3,  die  sich  auf  der  C3  schneiden,  welche  nun 
als  Glied  des  Büschels  S1 . . S3 , Tx . T2 . T3  durch  einen  weiteren  Punkt  P bestimmt 

ist.  Man  sieht  sofort,  dafs  sich  durch  P mehr  als  ein  Kegelschnittpaar  K L legeii  läfst, 
das  in  Gerade  zerfällt;  zu  einem  solchen,  Kn  und  Ln,  gehören  z.  B.  die  Geraden  P (Sx  T2) 
und  P(S8  TJ;  die  zu  T2.T3  = Km  und  S2.  S3  = Lm  sowie  Kn  und  Ln  gehörige  Gerade 
Bmn  ist  durch  die  Schnitte  von  P{S1  T2)  mit  T3  und  von  P{TX  S2)  mit  S.2  bestimmt;  die 
Geraden  (Sx  T3)  (B  T2)  und  {Tx  S3)  (B  S2)  ergänzen  Kn  und  Ln.  Die  4 Schnittpunkte 
von  Kn  und  Ln  (zu  denen  P gehört)  liegen  auf  der  C3.  Man  erhält  also  durch  Ziehen 
von  nur  fünf  Geraden  drei  neue  Kurvenpunkte. 


Dritte  Sitzung  am  12.  März  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof.  Dr. 
R.  Henke.  — Anwesend  13  Mitglieder  und  Gäste. 

Die  Sitzung  findet  auf  Einladung  des  Direktors  Prof;  Dr.  P.  Schreiber 
in  der  Königl.  Sächs.  Landeswetterwarte,  Grofse  Meifsnerstrafse  15,  statt. 


10 


Prof.  Dr.  P.  Schreiber  spricht  über  die  Theorie  und  Praxis  der 
Wagemanometer.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 


Vierte  Sitzung  am  14.  Mai  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof.  Dr. 
R.  Henke.  — Anwesend  12  Mitglieder  und  Gäste. 

Eisenbahn- Bauinspektor  Dr.  ing.  A.  Schreiber  spricht  über  die 
Theorie  des  Prytzschen  Stangenplanimeters. 

Das  Stangenplanimeter  ist  seit  Mitte  der  90er  Jahre  in  Deutschland  bekannt  und 
soll  zur  Berechnung  des  Inhaltes  beliebig  begrenzter,  ebener  Figuren  dienen.  Es  be- 
steht aus  einer  Stange  von  konstanter  Länge  (20  oder  25  cm),  an  deren  einem  Ende  ein 
Fahrstift  angebracht  ist,  mit  dem  die  geschlossenen  Figuren  umfahren  werden.  Das 
andere  Ende  ist  als  Messer  (Schneide)  ausgebildet,  so  dafs  bei  einer  beliebigen  differen- 
tialen Verschiebung  des  Fahrstiftes  das  mit  der  Schneide  versehene  Ende  der  Stange 
gezwungen  wird,  sich  in  der  jeweiligen  Stangenrichtung  zu  verschieben.  Wenn  man 
dann  eine  geschlossene  Figur  umfährt,  so  erleidet  das  Stangenplanimeter  einen  Gesamt- 
ausschlag, d.  i.  eine  Winkelgröfse,  die  man  leicht  messen  kann,  indem  man  die  zugehörige 
Sehnenlänge  mittelst  des  Zirkels  bestimmt.  Bei  geeigneter  Wahl  des  Anfangspunktes 
der  Umfahrung  (in  einem  Punkte  innerhalb  der  Figur,  möglichst  nahe  dem  Schwerpunkt) 
und  der  Anfangsrichtung  der  Stange  wird  der  Flächeninhalt  der  Figur  sehr  nahe  dar- 
gestellt durch  F = a 2 «,  wobei  a die  Stangenlange  und  a den  Ausschlag  bedeuten.  Die 
erste  ausführlichere  Abhandlung  über  das  Stangenplanimeter  in  deutscher  Sprache  stammt 
von  C.  Runge,  Ztschr.  für  Vermessungswesen  1895,  S.  821. 

Der  Vortragende  führt  eine  neue  Behandlung  des  Problems  mit  Hilfe  der  Hyperbel- 
funktionen vor  und  stellt  zunächst  die  zugehörige  Differentialgleichung  in  der  Form  auf: 
d (4>  — 30  — — d 3 (A  — B cos  — 3]). 

Hierin  bedeutet  d ^ den  Ausschlag,  den  man  erhält,  wenn  ein  differentialer  Sektor 
vom  Zentriwinkel  d 3 und  der  Länge  r umfahren  wird.  A und  B sind  Abkürzungen  für 

A = &o\  — — ©ilt  — i 5 = -Koj-  — ©in-- 

a a a ' a a 

Diese  Gleichung  läfst  sich  näherungsweise  integrieren,  wobei  3 von  0 bis  2tc  und  <]> 
(d.  i.  der  Richtungswinkel  der  Stange)  von  einem  Anfangsweite  bis  ^ + a zu  nehmen 
ist.  Hierbei  ergibt  sich,  unter  welchen  Voraussetzungen  die  obige  Gleichung  für  F 
richtig  ist,  und  wie  man  insbesondere  d»0  zu  wählen  hat. 

Die  weitere  Ausführung  der  Integration  obiger  Gleichung  zeigt,  dafs  das  Produkt 
a2  « nicht  den  Flächeninhalt  der  umfahrenen  ebenen  Figur,  sondern  den  einer  sphärischen 
Figur  angibt,  die  auf  einer  mit  dem  Radius  a (Stangenlänge)  um  den  Anfangspunkt 
der  Umfahrung  geschlagenen  Kugel  liegt,  und  deren  orthogonale  Projektion  in  die 
Zeichenebene  die  umfahrene  Figur  ist. 

Man  kann  also  den  wahren  Flächeninhalt  von  Figuren  auf  der  Kugel,  die  in 
sogenannter  orthographischer  Projektion  gezeichnet  sind,  bestimmen,  wenn  man  letztere 
mit  einem  Stangenplanimeter  von  geeigneter  Länge  umfährt. 

Näheres  hierüber  siehe  den  Aufsatz  von  A.  Schreiber:  Zur  Theorie  des  Stangen- 
planimeters. Ztschr.  für  Vermessungswesen  1908,  Heft  20. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  30.  Januar  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  149  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  begrüfst  die  als  Gäste  erschienenen  Mitglieder  des 
Sächs.  Ingenieur-  und  Architektenvereins  und  des  Vereins  für  Erdkunde 
zu  Dresden, 

Prof.  Dr.  K.  Schmidt-Basel  spricht  über  die  Geologie  des  Sim- 
plons  und  des  Simplontunnels, 


11 


Im  August  1898  waren  auf  schweizer  Seite  im  Rhonetal  bei  Brig  und  gleichzeitig 
auf  italienischer  Seite  bei  Iselle  im  Divedrotal  — also  in  zwei  Längstälern  der  Alpen 
— die  Arbeiten  an  dem  Riesenunternehmen  in  Angriff  genommen  worden ; am  24.  Februar 
1905  konnte  der  Durchschlag  des  Tunnels  erfolgen.  Damit  war  in  6 7®  jähriger  Arbeit 
die  gröfste  Tief bauanlage  der  Welt  geschaffen:  ein  Stollen  von  20  km  Länge  bei  einer 
stellenweisen  Tiefe  von  über  2000  m unter  Tag.  Im  Gegensatz  zum  Gotthardtunnel, 
der  bei  einer  Länge  von  15  km  Höhenunterschiede  von  rund  800  m zu  überwinden  hat, 
ist  der  Simplontunnel  ein  typischer  Basistunnel,  der  vermöge  seiner  weit  tieferen 
Sohle,  bei  allerdings  verlängerter  Strecke,  die  Verbindung  der  trennenden  Schranke  auf 
möglichst  ebener  Strecke  erreicht,  „un  trace  de  plaine  ä travers  des  Alpes“,  der  an 
Stelle  der  bisherigen  achtstündigen  Postfahrt  über  den  Berg  die  Fahrt  durch  das 
Gebirge  in  20  Minuten  ermöglicht. 

Die  Aufgaben,  die  ein  derartiges  Unternehmen  an  die  Geologie  stellt,  sind  mannig- 
facher Art;  sie  bestehen  im  wesentlichen  in  der  Vorherbestimmung  der  im  Berg  zu  er- 
wartenden Gestern e,  in  der  Beurteilung  der  dort  auftretenden  Wassermengen  und  der 
in  der  Tiefe  herrschenden  Temperaturen,  endlich  in  der  Untersuchung  über  die  Stand- 
festigkeit der  durchfahrenen  Gesteinsschichten.  Ausgangspunkt  für  die  Arbeiten  des 
Geologen  ist  die  Erforschung  der  Art,  des  Alters  und  der  Lagerung  der  Gesteine  auf 
der  Oberfläche.  In  weitem  Umkreis  werden  auf  den  Höhen  der  Berge,  in  den  Tiefen 
der  Täler,  an  natürlichen  und  künstlichen  Aufschlüssen,  wo  immer  sich  Gelegenheit 
bietet,  Beobachtungen  in  dieser  Richtung  gesammelt.  Ihren  Ausdruck  findet  die  Summe 
dieser  Beobachtungen  in  der  geologischen  Karte,  der  die  möglichst  genaue  topo- 
graphische Aufnahme  als  Unterlage  dient.  Das  so  gewonnene  Oberflächenbild  wird 
ergänzt  durch  Profile,  ideale  Schnitte  durch  das  Gebirge,  die  den  tatsächlichen  oder 
vermutlichen  Verlauf  der  Gesteinsschichten  unter  der  Oberfläche  zur  Tiefe  hin  veran- 
schaulichen. 

Im  Simplongebiet  haben  diese  Untersuchungsmethoden  ergeben,  dafs  die  für  den 
Tunnelbau  in  Frage  kommenden  Schichten  sich  ihrem  Alter  nach  in  drei  Gruppen  gliedern 
lassen,  von  denen  sich  jede  trotz  mannigfaltiger  Zusammensetzung  als  einheitliche  Bildung 
dokumentiert.  In  der  Reihenfolge  ihrer  Entstehung  treten  auf: 

a)  Granit-  und  glimmerschieferähnliche  Gneise  in  mannigfaltigen  Zusammen- 
setzungen ihrer  Mineralbestandteile.  Ihr  Alter  ist  archaeisch; 

b)  Marmore,  Kalke,  Dolomite,  Gipse  und  Anhydrite,  Quarzite  triadischen 
Alters; 

c)  Kalkschiefer,  die  sog.  Bündnerschiefer  der  Juraformation. 

Nirgends  in  unserem  Gebiet  finden  sich  diese  Schichten  in  ihrer  ursprünglichen  Ab- 
lagerungsform; in  der  Tertiärzeit,  in  welche  die  Aufrichtung  unserer  Kettengebirge 
fällt,  haben  die  obengenannten  Ablagerungen  in  grofs er  Tiefe  einen  Faltungsprozefs 
derart  durchgemacht,  dafs  die  ursprünglich  horizontal  gelagerte  Schichtendecke  durch 
seitlichen  Druck  zu  fünf  flachen  übereinander  liegenden  Falten  zusammen- 
geschoben wurde.  Ihre  ursprüngliche  Ausdehnung  wurde  dadurch  um  das  10— 15 fache 
verkürzt;  ihr  ursprüngliches  Aussehen  unter  der  Druckwirkung  in  tiefgreifendster  Weise 
verändert. 

Das  Massiv  des  Simplons  ist  also  wurzelecht;  seine  Schichten  sind  an  Ort  und 
Stelle  entstanden  und  stellen  keine  von  fern  überschobene  Decken  dar,  wie  sie 
in  anderen  Gebieten  der  Alpen  zur  Erklärung  der  Anatomie  des  Gebirges  herangezogen 
werden  müssen. 

Die  genaueste  Kenntnis  des  geologischen  Baues  des  Gebirges  ist  Grundbedingung 
für  die  Beurteilung  der  im  Berginnern  zu  erwartenden  Wasser.  Während  des  Tunnel- 
baues waren  drei  gröfsere  Quellregionen  angeschnitten  worden,  von  denen  die  südlichste 
in  der  Gneis-,  die  folgende  in  der  Triaszone  und  die  Hauptquellregion  — annähernd  in 
der  Mitte  des  Tunnels  — in  der  jurassischen  Schieferzone  lag.  Die  Temperaturen  dieser 
Quellen  schwankten  zwischen  10—50°  C.,  ihr  Ergufs  zwischen  30—1200  sl.  Nach  der 
Herkunft  ihres  Wassers  gehören  diese  Quellen  zu  den  vadosen,  d.  h.  sie  werden  von 
Oberfiächenwassern  gespeist  und  stehen  darum  in  engster  Beziehung  und  proportionalem 
Verhältnis  zu  den  atmosphärischen  Niederschlägen.  Die  Quellen  zeichnen  sich  alle 
durch  einen  ziemlich  hohen  Gehalt  an  Gips  aus.  Geheimnisvolle  Wasser  der  Tiefe  hat 
also  der  Tunnelbau  nicht  erschlossen. 

Gleiche  Beachtung  wie  das  Wasser  beanspruchen  bei  einer  gröfseren  Tunnelanlage 
die  Temperaturverhältnisse.  Als  Wärmequelle  kommen  für  die  Erde  in  Betracht  die 
Sonne  und  die  gewissermafsen  als  Residuum  seines  früheren  Zustandes  im  Innern  des 
Planeten  aufgespeicherte  Eigenwärme.  Die  auf  der  Erdoberfläche  herrschenden  Tem- 
peraturen und  Temperaturschwankungen  machen  sich  im  Erdinnern  nur  bis  zu  einer 


12 


Tiefe  von  ca.  30  m bemerkbar.  Es  herrscht  an  dieser  Grenze  eine  gleichmäfsige  Tem- 
peratur, die  der  mittleren  Jahrestemperatur  auf  der  Erdoberfläche  entspricht.  Für  Tiefen, 
wie  sie  der  Simplontunnel  erschließt,  kommt  daher  nur  die  zweite  Wärmequelle,  die 
Eigenwärme,  in  Betracht.  Je  tiefer  wir  in  das  Erdinnere  eindringen  und  uns  damit 
dem  zentralen  Wärmeherd  nähern,  desto  höher  wird  die  Temperatur.  Der  Grad  der 
Zunahme  ist  indessen  bei  gleichen  vertikalen  Abständen  auch  in  vollkommen  ebenem 
Gelände  an  verschiedenen  Punkten  nicht  der  gleiche;  erhöhten  Schwankungen  ist  er  in 
einem  reich  gegliederten  Gebirge  unterworfen  durch  den  beständigen  Wechsel  in  der 
Mächtigkeit  der  die  Wärme  im  Innern  zurückhaltenden  Gebirgsmassen.  Von  weiterem 
Einflufs  für  die  Temperatur  im  Berginnern  ist  die  unterschiedliche  Leitungsfähigkeit 
der  verschiedenen  Gesteine,  ferner  die  Art  ihrer  Lagerung  und  — als  sehr  wesentlicher 
Faktor  — das  Auftreten  von  Quellen.  Unter  Berücksichtigung  aller  dieser  Umstände 
wurde  in  der  für  den  Tunnel  aufgestellten  Temperaturkurve  eine  Maximalwärme  von 
53°  C.  berechnet,  der  als  tatsächlicher  Befund  eine  solche  von  56°  C.  gegenüberstand. 
In  erster  Linie  den  Temperaturverhältnissen  Rücksicht  tragend,  war  bei  der  Anlage 
des  Tunnels  ein  zweiter,  dem  Hauptstollen  parallel  laufender  Stollen  vorgesehen,  dessen 
Durchführung  sich  auch  in  anderer  Hinsicht  als  äufserst  zweckmäfsig  erwies. 

Im  weiteren  erwuchs  der  Geologie  die  Aufgabe,  die  im  Tunnel  durchfahrenen 
Gesteine  auf  ihre  Standfestigkeit  zu  untersuchen.  Man  neigt  in  der  Geologie  zur  An- 
sicht, dafs  die  Gesteine  in  sehr  grofsen  Tiefen  (manche  angeblich  schon  um  2500  m)  unter 
den  gewaltigen  Druckverhältnissen  aus  dem  festen  Aggregatszustand  in  einem  Zustand 
der  Plastizität  übergeführt  werden  müfsten.  Es  sei  vorweggenommen,  dafs  diese  Theorie, 
welche  den  ganzen  Tunnelbau  in  Frage  stellte,  durch  die  tatsächlichen  Befunde  während 
des  Baues  keinerlei  Stützen  gefunden  hat.  Dagegen  kommen  als  Faktoren,  welche  die 
Standfestigkeit  des  Gesteins  tatsächlich  beeinflussen,  der  Druck  der  überlagernden 
Gebirgsmasse,  die  Art  der  Schichtenstellung  zur  Tunnelachse  und  die  ursprüngliche 
Zusammensetzung  der  Gesteine  in  Betracht.  Während  weite  Strecken  im  Tunnel  sich 
als  absolut  standfest  erwiesen,  waren  andere  mehr  oder  minder  starken  Deformierungen 
unterworfen.  Neben  untergeordneten  Einbrüchen  örtlicher  Natur  in  sonst  standfestem 
Gestein  und  Störungen  im  Bereich  der  triadischen  Anhydrite,  hervorgerufen  durch  Los- 
brechen infolge  Wasseraufnahme  dieser  Gesteine,  liefsen  sich  vor  allen  zwei  Deformierungs- 
arten feststellen.  Zunächst  sog.  „brechendes  Gebirge“:  durch  die  Anlage  des  Stollens 
tritt  bei  dem  bisher  unter  gleichmäfsigem  Druck  stehenden  Gestein  eine  einseitige  Druck- 
entlastung gegen  den  Stollen  zu  ein,  deren  Folgen  sich  bei  festem,  homogenem 
Gestein  in  schalenförmiger  Absplitterung  äufsern.  Die  zweite  Art,  das  „treibende 
Gebirge“,  betrifft  vorzüglich  dünnschieferige  Gesteine;  auch  hier  tritt  Druck- 
entlastung gegen  den  Stollen  zu  ein,  wobei  die  ganze  Masse  in  denselben  nachdrängt. 
Durch  entsprechende  Widerlager  konnten  diese  Stellen  genügend  gesichert  werden,  so 
dafs  für  den  Weiterbestand  des  genialen  Baues  von  dieser  Seite  keinerlei  Gefahr  droht.  — 

Die  vom  Vortragenden  vorgeführten  hervorragenden  Bilder  und  Profile  sind  dessen 
Werke:  „Bild  und  Bau  der  Schweizeralpen“,  Basel  1907,  entnommen. 


Zweite  (aufserordentliche)  Sitzung  am  20.  Februar  1908.  Vor- 
sitzender: Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt.  — Anwesend  126  Mitglieder  und 
Gäste. 

Privatdozent  Dr.  G.  Brion  hält  einen  Experiraentalvortrag  über  die 
Bindung  des  atmosphärischen  Stickstoffs  in  elektrischen  Gas- 
entladungen. 


Dritte  Sitzung  am  27.  Februar  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrates,  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt, 
legt  den  Kassenabschlufs  für  1907  (siehe  S.  16)  und  den  Voran- 
schlag für  1908  vor. 

Zu  Rechnungsprüfern  werden  Bildhauer  G.  Bern  köpf  und  Prof, 
Kl.  König  gewählt;  der  Voranschlag  wird  genehmigt. 


13 


Bezugnehmend  auf  eine  von  der  Ortsgruppe  Leipzig  des  Deutschen 
Vereins  für  Schulgesundheitspflege  an  die  Landstände  gerichteten  Petition 
um  Einführung  des  biologischen  Unterrichts  an  den  höheren 
Lehranstalten  regt  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  an,  dafs  auch  die 
„Isis“  ihre  Beschlüsse  in  dieser  Angelegenheit  dem  Königl.  Ministerium  des 
Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  und  den  Landständen  in  einer  Denk- 
schrift unterbreite. 

Oberlehrer  Dr.  E.  Lohrmann  und  Prof.  Dr.  A.  Witting  werden  be- 
auftragt, den  Entwurf  dieser  Denkschrift  auszuarbeiten  und  der  nächsten 
Hauptversammlung  zur  Beschlufsfassung  vorzulegen. 


Vierte  (aufserordentliche)  Sitzung  am  5.  März  1908.  Vorsitzender: 
Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  49  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  E.  Lohr  mann  berichtet  über  die  von  ihm  mit  Prof. 
Dr.  A.  Witting  entworfene  Denkschrift  über  den  naturwissenschaft- 
lichen Unterricht  an  den  höheren  Schulen. 

Nach  längerer  Aussprache  wird  beschlossen,  diese  Denkschrift  drucken 
zu  lassen  (vergl.  Abhandlung  I)  und  dem  Königl.  Ministerium  des  Kultus  und 
öffentlichen  Unterrichts,  den  Mitgliedern  beider  Ständekammern  und  den 
Leitungen  der  höheren  Schulen  zu  überreichen. 


Fünfte  Sitzung  am  26.  März  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  79  Mitglieder  und  Gäste. 

Gegenstand  einer  längeren  Besprechung  ist  zunächst  die  Frage,  wie 
von  dem  Königl.  Sächs.  Finanzministerium  die  von  demselben  heraus- 
gegebenen sächsischen  topographischen  und  anderen  Karten  für 
Schulen  und  wissenschaftliche  Anstalten  zu  einem  billigen  bez.  dem 
Selbstkostenpreise  zu  erlangen  seien. 

Nachdem  Oberlehrer  Dr.  J.  E.  Schöne  und  Dr.  P.  Wagner  über  die 
zu  diesem  Zwecke  unternommenen,  bisher  aber  immer  vergeblichen  Ver- 
suche berichtet  haben,  wird  auf  Vorschlag  von  Geh.  Hofrat  Prof.  B.  Patten- 
hausen beschlossen,  gemeinschaftlich  mit  dem  Verein  für  Erdkunde  eine 
Kommission  zum  Entwurf  einer  Eingabe  zu  bilden,  in  der  dem  Königl.  Sächs. 
Finanzministerium  bestimmte  Vorschläge  zur  Erreichung  des  gedachten 
Zweckes  ohne  Schädigung  des  buchhändlerischen  Vertriebes  gemacht  werden 
sollen. 

Seitens  der  „Isis“  wird  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  in  diese  Kommission 
gewählt. 

Oberlehrer  Dr.  B.  Schorler  überreicht  im  Auftrag  des  Buchhändlers 
K.  Heinrich  die  in  dessen  V erlag  erschienenen  „Beihefte  des  botanischen 
Zentralblatts“  als  Geschenk  für  die  Isis-Bibliothek. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  spricht  dann  über  -Geologie 
und  Beginn  des  organischen  Lebens. 

An  den  Vortrag  schliefst  sich  eine  längere  Aussprache. 


14 


Sechste  Sitzung  am  30.  April  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  74  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  F.  Förster  spricht  über  den  elektrischen 
Ofen  in  der  Eisenindustrie,  mit  Experimenten. 


Siebente  Sitzung  und  Ausflug  nach  Landberg-Spechtshausen  am 
28.  Mai  1908.  — Zahl  der  Teilnehmer  25. 

Auf  der  Wanderung  von  Klingenberg  durch  den  Grüllenburger  Forst  nach  Spechts- 
hausen werden  die  Aufschlüsse  im  dortigen  Porphyr  und  Kugelpechstein  besichtigt. 

In  einer  im  Gasthof  zu  Spechtshausen  unter  dem  Vorsitz  von  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky  abgehaltenen  Hauptversammlung  teilt  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt 
mit,  dafs  die  Rechnungsprüfer  den  Kassenabschlufs  für  1907  richtig  befunden 
haben,  worauf  der  Kassierer  entlastet  wird. 

Nach  einer  Besichtigung  der  interessanten  Überlagerung  des  Plänersandsteins 
durch  Basalt  auf  dem  Landberg  wird  der  Basaltbruch  auf  dem  Asch^hübel  und  der 
Quadersandsteinbruch  am  Fufse  desselben  aufgesucht  und  dann  der  ^Rückweg  nach 
Tharandt  angetreten. 


Achte  Sitzung  am  25.  Juni  1908  (im  Königl.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  48  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  über  Blattform  und  Vege- 
tationsformation. 

Hieran  schliefst  sich  unter  Führung  des  Vortragenden  ein  kurzer 
Bundgang  durch  den  Garten. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 


Gestorbene  Mitglieder: 

Am  25.  Februar  1907  ist  in  Zürich  Dr.  Charles  Mayer,  Professor 
der  Paläontologie  an  der  dortigen  Universität,  korrespondierendes  Mitglied 
der  „Isis“  seit  1869,  gestorben. 


Am  16.  Januar  1908  starb  Professor  Eduard  Döll,  emer.  Realschul- 
direktor in  Wien,  korrespondierendes  Mitglied  seit  1864. 

Am  26.  Januar  1908  starb  in  Leipzig  Rittergutsbesitzer  Dr.  jur.  Eugen 
Mein  er  t,  wirkliches  Mitglied  seit  1895. 

Am  3.  Mai  1908  starb  Professor  Albert  de  Lapparent,  Ingenieur 
des  mines  in  Paris,  korrespondierendes  Mitglied  seit  1868. 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Brand,  Willy,  Bildhauer  in  Tolkewitz, 

Gottlöber,  Martin,  Bezirkschullehrerin  Dresden, 

Kose,  Wilhelm,  Dr.  med.,  in  Dresden, 

Reuter,  Am.  Klemens,  Privatmann  in  Dresden, 

Richter,  Emil,  Privatmann  in  Losch witz,  am  30.  April  1908; 


am  26.  März  1908; 


15 


Sanner,  Hugo,  Bergrat  in  Radebeul,  1 07  F v _ 1908. 

Sauer,  Kurt,  Realschullehrer  in  Dresden,  J a ’ 

Schneider,  Gustav,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  in  Loschwitz,  am  30.  Ja- 
nuar 1908; 

Schöne,  J.  E.,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  in  Loschwitz,  1 am 

Zimmer  mann,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden,  1 30.  April  1908. 


Neu  ernannte  Ehrenmitglieder: 

Krone,  Hermann,  Hofrat,  Professor  a.  D.in  Laubegast,  am  27. Februar  1908; 
Wiesner,  Julius,  Dr.  phil.,  K.  K.  Hofrat,  Professor  an  der  Universität  in 
Wien,  am  20.  Januar  1908; 

Z sch  au,  E.  Fürchtegott,  Professor  a.  D.  in  Dresden,  am  27.  Februar  1908. 


In  die  korrespondierenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 
Wicke,  Fritz,  Dr.  phil.,  Realschullehrer  in  Chemnitz. 


Kassenabschlufs  der  Naturwiss.  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1907. 

Einnahme. Ansgabe. 


16 


o 

Ph  co 


wo  \0  CO  I I iO  WO 

O*  CQ  05  I I J>  05 


!DOON(S  O O i-H  i> 

i oo  co  co  oi  o-^coo 

; CO  rH  rH  C0  C0  Ci  iO 


• bß 

CD 

'PH 


• PS 


<D 
fl  rQ 
<35  f**< 
_-H>  CS 
'ä  Sh 

h 'O 

bß o Ö 


• Sh 

05 

,ro 

«2 

• fl 

05 

*P 

• bß 


. 05 

P> 

’ 05* 


pj  PS  s 
H-=  .03  O Sh 

rfl  05  ö S 

g Sw  --g, 

05  ,fl  ö Ph 

rn  *h  otH  |h  ® 

^ P5  E£  Ja 

§ bp®ltl  'S 

Ü ÜePts 


'S 
'S  3 
■S|  8 
a t>  0 

S !H  05 
fl(33  Ö2 

fs  % 

s«w 


1-1  Ci  CO  fl  WO  co 

i>  00  05 

CO  1 1 O 1 IO 

co 

wo  O O CO  O O 1 OHIO 

?> 

Ph  05  | | H 1 1 fl 

fl 

05  Oi  WO  CO  1-1  fl  1 CO  00  co 

05 

v00©woflwocoi> 

co 

i-i>05cicoooooflr^co 

fl 

<h  t—  K5  i>  CO  fl  CO  00 

co 

OA-HrH05  00  l0iHC0W0 

05 

^»oco  co 

r— ^ 

WO  CO  O H fl  fl  lO  00  00  05 

fl 

Sh« 

\o 

rH  WO  i— < CO  HH  « 

05 

i—l 



£061  1IX  *18  nioA 

. san^i  ttisp  qoho 

• 

£3 

03 

QQ  ********"* 

p 

o 

ö 

•••••  ••••• 

& 

rH 

.CG 

*53 

l-H 

Sh 

<a> 

Sh 

a> 

Sh 

.05 

*00 

co 

cö 

M 

1S3 

N* 

fl 

fl 

cj 

s 

<X> 

H 

bß 

Sh 

O 

05 

P5 

Sh 

05 

*3 

A 

:<fl 

rfl 

-S 

O 

fl 

«+h 

o 

W 


?- 

o 

05 


a p 

<s.-ä’ 

Sh 


05 

•8 

05 

£ 

N 

M 

05 

,fl 

05-2 

bß3  * 


05 

rfl 

■ 05 


fl 

05 

bß 

I 

05 

> 


fl 

I S 

^ fl 

• Hfl 


.•fl'.'fl  fl  g 

J5 

Sh 


05 
Sh 

n_!  SH  ' 05  Sh  Sh  05 

'S« 


g>  . 

rM 

fl  . 

fl 

P . 

•fl  bß 

§§ 


Ö 'fl 


Cß  05 

fl  'fl 


■’H * t f— h Q3  — 

CO  H <r>  sTn 

„ 

fl  2 P 15  03  rH 

IlllllJ 

M^PpdbPtSJ 


bß 

fl  fl  bJO 
ä3  iR  fl  &ß 


bß 

s»!|»i!§.0 

fl'-d  S 2 

II  "s 

«SS 

M 05  05  05  Hfl  .Jh  hßjn  .fl  05 

S-S'g'S’S*  gf.a  8 

W<lPOO  ^phojmP^ 


2 1»  dü  bß+3  *43  rg  ^ . w 

fl  Gß  bß  e*H  fl  . fl 

fl  fl  05  *.{3  <£76  § 
<A  ™ s4  £ S ^ J§  *3  'S  fl 

HH  hH  ,11  Zl  CÖHflfl-fl’fl  05 

a 'S  rfl  Ph  > 

, <3? 


rH  Ci  C0  fl  iC  CD  i> 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1908. 


I.  Sektion  für  Zoologie. 


Dritte  Sitzung  am  1.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
A.  Jacobi.  — Anwesend  19  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  bespricht  folgende  Bücher,  welche  vorgelegt  werden: 

Woltereck,  R.:  Tierische  Wanderungen  im  Meere.  Berlin  1908; 

Reuter,  O.  M.:  Die  Seele  der  Tiere  im  Lichte  der  Forschung  unserer  Tage. 

Leipzig  1908; 

H empelmann,  F.:  Der  Frosch.  Leipzig  1908; 

Floericke,  K.:  Jahrbuch  der  Vogelkunde.  Stuttgart  1908. 

Ferner  zeigt  der  Vorsitzende  Varietäten  zweier  deutscher 
Wildarten  und  knüpft  Bemerkungen  daran. 

Eine  wegen  ihrer  ungewöhnlichen  Gröfse  und  Färbung  vom  Erleger  für  einen 
Bastard  vom  Hasen  und  Wildkaninchen  gehaltene  Jagdbeute  erwies  sich  als  ein  letzteres 
und  zwar  jedenfalls  als  ein  der  Gefangenschaft  entsprungenes  sogen.  Hasenkaninchen. 
Die  zur  Erkennung  dienenden  Unterschiede  am  Hasen-  und  Kaninchenschädel  werden 
erläutert. 

Eine  sehr  selten  auftretende  Abart  des  Rebhuhns,  die  sogen.  Perdix  montana,  ist 
in  einem  ganzen  Volke  unweit  Hainichen  vorgekommen  und  eine  erlegte  alte  Henne  dem 
Museum  einverleibt  worden. 


Yierte  Sitzung  am  12.  November  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
A.  Jacobi.  — Anwesend  38  Mitglieder. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag  über  Mies- 
muschelperlen, die  in  grofser  Anzahl  vorgelegt  werden. 

Derselbe  macht  weitere  interessante  Mitteilungen  über  seinen 
sprechenden  Graupapagei,  wobei  er  die  Frage  erwägt:  Spricht  der 
Papagei  oder  plappert  er? 


II.  Sektion  für  Botanik. 


Yierte  Sitzung  am  8.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Bildhauer  A.  Rehn  als  Gast  der  Gesellschaft  hat  eine  Sammlung  von 
höchst  naturgetreuen  Aquarellen  heimischer  Pilze,  etwa  200  Arten,  und 
einige  ebenfalls  vorzügliche  Modelle  von  Pilzen  auf  den  Tischen  des 
geologischen  Laboratoriums  ausgestellt. 

Herr  Rehn,  dem  eine  auch  in  den  Lehrerkreisen  und  unter  dem  Forstpersonal  nicht 
selten  verblüffende  Unkenntnis  unserer  bekanntesten  Speisepilze  aufgefallen  ist  als  eine 
der  Abhilfe  bedürftige  Sache,  wünscht  „ein  wirklich  einwandfreies  Pilzwerk  der  Fülle 


20 


der  jetzt  bestehenden  hinzuzufügen.  Nicht  für  die  Masse  des  Volkes  soll  es  berechnet 
sein,  sondern  als  ein  bis  in  die  kleinsten  Teile  treu  ausgeführtes  Studienwerk  gelten,  und 
soll  in  erster  Linie  den  Lehrern  als  den  Beratern  des  heranwachsenden  Geschlechts  zur 
Vergleichuug  dienen.“  Er  denkt  sich  die  Originale  im  Besitz  einer  der  öffentlichen 
Belehrung  allgemein  zugänglichen  Stelle.  Herr  Lehn  wünscht  ein  fachmännisches  Urteil 
über  seine  Nachbildungen  von  der  Isis  abgegeben  zu  sehen. 

Diesem  Wunsche  kommt  Lehrer  E.  Herrmann  mit  folgendem  Gut- 
achten nach: 

,, Vergleicht  man  die  bisher  erschienenen  Abbildungswerke  dieser  Art,  so  zeigt  sich 
eine  immer  fortschreitende  Vervollkommnung  sowohl  im  Entwurf,  wie  auch  in  der  tech- 
nischen Ausführung.  Ganz  besonders  ragten  die  Abbildungen  des  Michaelschen  Pilz- 
werkes durch  naturgetreue  und  künstlerische  Auffassung  unter  allen  übrigen  Werken 
hervor,  sodafs  man  meinte,  das  denkbar  Beste  auf  diesem  Gebiete  erreicht  zu  haben. 
Vergleicht  man  nun  mit  diesen  vorzüglichen  Pilztafeln  die  Naturaufnahmen  des  Herrn 
Rehn,  so  ergeben  sich  folgende  Vorzüge.  Die  Rehnschen  Tafeln  bringen  gröfsere  Gruppen 
eines  und  desselben  Pilzes  in  verschiedenen  Entwicklungsstufen  vom  jugendlichen  bis 
zum  vollständig  ausgebildeten  Zustande  in  seinen  verschiedenen  Formen  und  Farben- 
veränderungen. Jeder  Pilz  ist  mit  solcher  Plastik  und  farbenkräftiger  Wirkung  durch- 
gearbeitet, dafs  man  die  lebensvolle  Natur  vor  sich  zu  haben  meint.  Ein  gut  durch- 
geführter Hintergrund  weist  als  landschaftliches  Motiv  auf  den  Standort  hin  und  wirkt 
zugleich  dekorativ. 

Es  sind  dies  Vorzüge,  welche  in  ihrem  Zusammenwirken  alle  bisher  erschienenen 
Abbildungen  von  Pilzen  wesentlich  übertreffen  und  ihre  Betrachtung  für  jeden  Fachmann 
zum  wahren  Genüsse  gestalten,  jedem  Pilzfreunde  aber  als  sicherer  Berater  dienen 
dürften,  wenn  nämlich  jeder  Pilztafel  die  richtige  Benennung  beigefügt  sein  wird.*)  Im 
Interesse  der  Verbreitung  der  Pilzkenntnis  ist  nur  zu  wünschen,  dafs  sich  Mittel  und 
Wege  finden  möchten,  das  von  Herrn  Rehn  begonnene  und  noch  weiter  fortzusetzende 
Werk  zu  einem  Hilfsmittel  der  öffentlichen  Belehrung  zu  gestalten  und  es  zugänglich 
für  den  Gebrauch  weiter  Kreise  zu  machen. 

Gleiche  Anerkennung  ist  den  Pilzmodellen  zu  zollen.  Sie  zeigen  ebenfalls  grofse 
Gruppen  in  voller  Naturtreue,  in  sorgfältiger  Naturbeobachtung  und  gewissenhafter 
Durcharbeitung  bis  in  die  einzelsten  Teile,  sodafs  damit  verglichen  die  bisher  erschienenen 
Modelle  nur  als  schematische  Darstellungen  erscheinen.  Würde  sich  Herr  Rehn  dazu 
entschliefsen  können,  die  Modelle  bei  gleicher  Naturtreue  kleiner  und  zu  mäfsigem  Preise 
herzustellen  und  auf  eine  passende  Auswahl  zu  beschränken,  so  wäre  die  Einführung  in 
öffentliche  Lehranstalten  wesentlich  erleichtert.“ 

Darauf  hält  Prof.  Dr.  F.  Neger  einen  Vortrag  über  Ambrosiagallen 
und  ihre  Pilze,  unter  Vorführung  von  Lichtbildern  und  mikroskopischen 
Präparaten. 

Der  Inhalt  desselben  wird  in  den  Berichten  der  Deutschen  botanischen  Gesellschaft 
erscheinen. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  verliest  einen  für  die  Tagepresse  be- 
stimmten Aufsatz  über  Darwin  und  Darwinismus,  der  eine  sachliche 
Beleuchtung  eines  von  Prof.  Dr.  Dennert  jüngst  im  Vereinshause  gehaltenen 
Vortrages  ,,Vom  Sterbelager  des  Darwinismus“  bietet. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  wünscht,  dafs  dieser  Aufsatz 
auch  in  den  Isisberichten  abgedruckt  werde.**) 

*)  Dieser  Punkt  ist  von  besonderer  Bedeutung  und  Schwierigkeit.  Es  wurden  vor 
kurzem  dem  botanischen  Institut  Originalzeichnungen  der  mitteleuropäischen  (Sachsen- 
Koburgischen)  Pilze  von  Gonnermann  & Rabenhorst  zugesendet,  welche  wiederum 
zeigten,  welche  Schwierigkeiten  auch  Rabenhorst  bei  der  Feststellung  des  botanischen 
Namens  für  eine  einmal  fertiggestellte  Tafel  gehabt  hat.  Sicherlich  waren  einige  der 
von  Herrn  Rehn  vorgelegten  Aquarellen  nach  dieser  Richtung  hin  noch  kritisch. 

**)  Da  inzwischen  der  Beschlufs  gefafst  ist,  im  Februar  1909  eine  Darwin- Gedenk- 
feier' in  der  Isis  abzuhalten,  erübrigt  sich  die  Notwendigkeit,  den  damals  verlesenen 
Text  für  sich  allein  zum  Abdruck  zu  bringen.  (D.  Red.) 


21 


Fünfte  Sitzung  am  19.  November  1908.  Vorsitzender:  Geb.  Hofrat 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  33  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  Th.  Wolf  gibt  einen  Bericht  über  seine  kürzlich  erschienene 
„Monographie  der  Gattung  Potentilla 

Das  Selbstreferat  über  das  im  XVI.  Bande  der  Bibliotheca  Botanica,  Stuttgart  1908, 
veröffentlichte  umfangreiche  Werk,  von  dem  der  Verfasser  ein  Exemplar  der  botanischen 
Bibliothek  der  Technischen  Hochschule  geschenkt  hat,  ist  in  Abhandlung  VII  dieses 
Heftes  niedergelegt. 

Ingenieur  R.  Scheidhauer  legt  das  von  ihm  in  den  Weinböhlaer 
Kalkbrüchen  gefundene  Cylindrothecium  concinnum  Schpr.  ( Enthodon 
orthoccirpus  Lindt.)  vor.  Dieser  Fund  ist  neu  für  Mittel-  und  Ostsachsen. 

Das  weiter  von  ihm  vorgelegte,  mächtig  entwickelte  Moos  Gallier gon 
giganteum  Kindb.  stammtaus  den  Wassergräben  der  Nassen  Aue  bei 
Meifsen. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  noch  kurz  zum  Schlufs  über 
einen  Fund  von  Selaginella  helvetica  Link,  in  der  Sächsischen 
Schweiz,  den  ihm  ein  Musiker  vom  Prebischtor,  der  sich  lebhaft  für 
Mooskunde  interessiert,  unter  Moosen  zusendet  ohne  genaue  Ortsangabe. 
Dieser  Fund  verdient  eine  ganz  besondere  Beachtung. 


III.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Vierte  Sitzung  am  15.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner.  — Anwesend  53  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht: 

Voit,  F.W.:  Ueber  die  südafrikanischen  Diamantenlagerstätten.  Zeitschr.  f. 
prakt.  Geologie  XVI,  1908. 

Geh.  Hofrat  Prof.  H.  Fischer  berichtet  unter  Vorführung  von  Licht- 
bildern über  die  „Opferschüsseln“  im  Fichtelgebirge. 

Dr.  K.  Wanderer  bespricht  die  sächsischen  Kreidekrebse  und 
erläutert  seine  Ausführungen  ebenfalls  durch  Lichtbilder.  (Vergl.  Ab- 
handlung III.) 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag  über  den 
Korund. 


Fünfte  Sitzung  am  3.  Dezember  1908.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
Dr.  P.  Wagner.  — Anwesend  78  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

Hang,  E.:  Traite  de  geologie  I.  Les  phenomenes  geologiques.  Paris  1908. 

Prof.  Dr.  E.  Plibsch-Tetschen  hält  einen  längeren  Vortrag  über  den 
geologischen  Aufbau  des  Böhmischen  Mittelgebirges. 


22 


IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 


Vierte  Sitzung  am  5.  November  1908.  Vorsitzender:  Hofrat  Prof. 
Dr.  J.  Deichmüller.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Direktor  H.  Döring  legt  neue  vorgeschichtliche  Funde  aus 
Sachsen  vor,  darunter  zahlreiche  Reste  slawischer  Gefäfse  aus  einem  der 
Schrebergärten  an  der  Lukaskirche  in  Dresden. 

Hiernach  bespricht  derselbe  zwei  Schriften  von 

Wilke,  Gr.:  Archäologische  Parallelen  aus  dem  Kaukasus  und  den  unteren 
Donauländern.  Zeitschr.  f.  Ethnolog.  1904,  Heftl; 

Wilke,  Gr.:  Vorgeschichtliche  Beziehungen  zwischen  Kaukasus  und  dem 
unteren  Donaugebiete ; ein  Beitrag  zum  Arierproblem.  Mitteil,  anthrop. 
Ges.  Wien  XXXVIII,  1908. 

Der  Vorsitzende  legt  vor: 

Schliz,  A.:  Der  schnurkeramische  Kulturkreis  und  seine  Stellung  zu  den 
anderen  neolithischen  Kulturformen  in  Südwest-Deutschland.  Zeitschr. 
f.  Ethnolog.  1906,  Heft  8; 

Meiche,  A.:  Die  Oberlausitzer  Grenzurkunde  v.  J.  1241  und  die  Burgwarde 
Ostrusna,  Trebista  und  Godobi.  Neues  Lausitz.  Magazin,  Bd.  84. 

Oberlehrer  0.  Ebert  spricht  über  die  Untersuchungen  der  Einhorn- 
höhle bei  Scharzfeld  am  Südwestrande  des  Harzes,  auf  Grund  der 
Schriften  von 

Struckmann,  C.:  Einhornhöhle  bei  Scharzfeld  am  Harz.  Archiv f.  Anthrop., 
Bd.  XIV  u.  XV,  und  von 

Wind  hausen,  A.  u.  Hahne,  H : Die  Einhornhöhle  bei  Scharzfeld  am 
Harz.  Jahrbch.  d.  Provinz.-Mus.  Hannover  1908. 

Lehrer  H.  Ludwig  berichtet  über  die  Auffindung  von  Herdgruben 
bei  Kötitz  und  über  ein  Steingerät  aus  einer  Sandgrube  bei  Gommern 
am  Lug  türm. 

Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deich müller  macht  Mitteilungen  über  die  Fort- 
schritte der  Inventarisierung  der  vorgeschichtlichen  Altertümer, 
unter  Vorlage  einer  Anzahl  von  Blättern  des  Kgl.  Archivs  vorgeschichtlicher 
Funde  aus  Sachsen,  und 

legt  zum  Schlufs  einen  grofsen,  bei  der  Anlage  einer  Klärgrube  in 
der  Flur  Dresden-Kaditz  gefundenen  Steinhammer  vor. 


V.  Sektion  für  Physik  und  Chemie. 


Vierte  Sitzung  am  22.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
A.  Lottermoser.  — Anwesend  gegen  100  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Luther  hält  einen  Vortrag  über  die  Nutzbarmachung 
der  Sonnenenergie. 

An  der  an  den  Vortrag  sich  anschliefsenden  Aussprache  beteiligen  sich 
Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  W.  Hallwachs  und  der  Vortragende. 


23 


YI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Fünft©  Sitzung  am  9.  Juli  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof.  Dr. 
R.  Henke.  — Anwesend  12  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  autopolare 
Kegelschnitte. 

Ein  Kegelschnitt  A ist  einem  andern  B autopolar,  wenn  allen  Punkten  von  A 
Polaren,  in  Beziehung  auf  B , zugeordnet  sind,  welche  A berühren.  A und  B stehen 
hierbei  im  Doppelkontakt,  und  zwar  ist  die  Berührung  eine  äufsere.  Von  beiden  Kurven 
mufs  eine  immer  eine  Hyperbel  sein,  wenn  sie  nicht  gerade  beide  Parabeln  sind.  Man 
kann  nun  A und  B zentrisch  so  projizieren,  dafs  eine  Ellipse  und  eine  Hyperbel  ent- 
stehen, die  sich  in  den  Scheiteln  berühren  und  die  aufserdem  gleiche  Achsen  haben.  In 
diesem  besonderen  Fall  ergibt  sich  — und  es  überträgt  sich  dann  ohne  weiteres  auf  den 
allgemeinen  — die  Reziprozität  von  A und  B.  Beide  sind  einander  autopolar. 
Jede  durch  den  Schnittpunkt  der  gemeinsamen  Tangenten  gehende  Sekante  trifft  den 
Kegelschnitt  in  einem  Pol  und  dem  Berührungspunkte  seiner  Polaren.  Man  kann  nun 
das  Dreieck  der  gemeinsamen  Tangenten  und  der  Berührungssehne  als  Koordinaten- 
Dreieck  zugrunde  legen  und  erhält  dann  für  die  Gleichungen  der  beiden  Kegelschnitte 
z*  = + 4 X x y.  Hieraus  ergibt  sich,  dafs  die  Zentrale  beider  von  der  Mitte  und  dem 
Pol  der  Berührungssehne  harmonisch  geteilt  wird.  Ist  daher  der  eine  Kegelschnitt  und 
die  Berührungssehne  gegeben,  so  kann  man  leicht  den  zugehörigen  autopolaren  finden. 
Wenn  der  gegebene  Kegelschnitt  eine  Hyperbel  ist,  so  entsprechen  allen  Sehnen,  welche 
die  konjugierte  Hyperbel  schneiden,  berühren,  verfehlen,  resp.  autopolare  Hyperbeln, 
Parabeln,  Ellipsen.  Von  den  vier  Ästen  zweier  autopolarer  Hyperbeln  berühren  sich 
drei,  der  vierte  ist  isoliert.  Ist  die  eine  autopolare  Kurve  eine  Parabel,  so  liegt  der 
Mittelpunkt  der  andern  auf  ihr.  Zwei  autopolare  Parabeln  berühren  sich  von  aufsen, 
haben  parallele  Achsen  und  gleiche  Parameter.  Was  den  Kreis  anbelangt,  so  ist  zu 
bemerken,  dafs  die  spitzwinklige  Hyperbel  zwei  autopolare  gleiche  Kreise  besitzt.  Deren 
Radius  ist  r = a2:b.  Für  die  Zentrale  c gilt  die  Gleichung  c2  = r2 — 62.  Die  gleich- 
seitige Hyperbel  hat  einen,  die  stumpfwinklige  keinen  autopolaren  Kreis.  Durch  Parallel- 
projektion der  Hyperbel  mit  Kreis  kann  man  die  Aufgabe  lösen,  zwei  durch  die  Längen 
der  Achsen  gegebene  Kegelschnitte  in  autopolare  Lage  zu  bringen.  Endlich  sei  noch 
auf  die  Aufgabe  hingewiesen,  aus  den  allgemeinen  Gleichungen  zweier  Kegelschnitte  die 
drei  Bedingungsgleichungen  ihrer  Autopolarität  zu  finden. 


Sechste  Sitzung  am  8.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Rektor  Prof. 
Dr.  R.  Henke.  — Anwesend  8 Mitglieder. 

Studienrat  Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Taylor  in  Prima. 

Die  Freunde  entschiedener  Reform  führen  ihre  Schüler  nicht  blofs  an  die  Pforten 
der  Infinitesimalrechnung,  sondern  hinein  in  ihren  elementaren  Teil.  Die  einfacheren 
unendlichen  Potenzreihen  bilden  einen  wesentlichen  Teil  des  mathematischen  Unterrichts 
der  Mittelschulen,  daher  kommt  das  Bestreben,  die  Taylorsche  Reihe  im  Unterrichte  als 
Schlufs  der  Differentialrechnung  zu  behandeln.  Dem  steht  die  Meinung  entgegen,  dafs 
eine  exakte  Behandlung  an  Zeit  und  Kraft  der  Schüler  zu  hohe  Ansprüche  stellt.  Dazu 
ist  zu  bemerken,  dafs  auch  die  Behandlung  der  Reihen  ohne  Differentialrechnung  die 
Schüler  stark  in  Anspruch  nimmt,  hauptsächlich  aber,  dafs  der  Einwand  auf  nicht  richtiger 
Fragestellung  beruht.  Die  Schule  ist  an  vielen  Stellen  nicht  imstande,  den  Anforderungen 
strenger  Wissenschaftlichkeit  zu  genügen,  sondern  mufs  sich  begnügen,  wenn  das  von 
ihr  Gebotene  von  der  wissenschaftlichen  Kritik  als  eben  noch  zulässig  befunden  wird. 

So  ist  auch  betreffs  des  Taylorschen  Satzes  die  Frage  so  zu  stellen:  Gibt  es  eine 
Ableitung,  die  für  die  Schüler  nicht  zu  schwer  und  wissenschaftlich  eben 
noch  zulässig  ist?  Dies  ist  zu  bejahen,  wie  folgende  Ableitungen  zeigen.  _ 

Voraussetzungen  sind:  der  binomische  Satz  für  natürliche  Exponenten,  die  unend- 
liche geometrische  Reihe,  die  Exponentialreihe  (nach  Baltzer,  Elemente  der  Mathematik), 
letztere,  um  den  Schülern  diese  sehr  durchsichtige  Ableitung  nicht  vorzuenthalten  und 

um  für  die  Differentialrechnung  die  unbequeme  Ermittelung  von  lim^l  zu 

umgehen.  Dann  folgt  die  Differentialrechnung  mit  dem  Mittelwertsatze.  Hierauf 


24 


die  Frage,  ob  auch  andere  Funktionen  als  1 : (1  — x)  und  e*  in  Potenzreihen  entwickelt 
werden  können.  Dann  unter  der  Voraussetzung,  dafs  die  Entwickelung  innerhalb  einer 
gewissen  Giltigkeitsstrecke  möglich  ist,  die  Ableitung  der  Taylorschen  Reihe  nach  der 
Methode  der  unbestimmten  Koeffizienten.  Zur  Entscheidung  über  die  Giltigkeit  bieten 
sich  drei  Wege,  keiner  zu  schwer  für  den  Unterricht. 

1.  Weg.  Für  die  Funktion 


ist 


F (x)  = f (sc)  — f (0)  — x . f'  (0)  — • • • — xn 

F'(x)  = f'(x)-f'(0)-x.f"  (0)- 

F"  (x)  = f"  (x)  - f"  (0)  — x . ?”  (0) 


f(n)  (Q) 
n ! 


und  daher 


F(n)  (x)  = f(n)  (x)  — f(n)  (0) 

F(n  + 1)  (x)  — f(n  + l)(aj) 


F'  (0)  = F"  (0)  = • • • = F(n)  (0)  ==  0. 

Jede  so  gebildete  Funktion  F hat  hiernach  die  Eigenschaft,  dafs  sie  selbst  nebst  ihren 
ersten  n Differentialquotienten  für  x = 0 verschwindet,  während  die  folgenden  mit  denen 
der  Funktion  f übereinstimmen.  Fügt  man  die  Bedingung  hinzu,  dafs  die  Funktion  fix) 
und  alle  ihre  Differentialquotienten  von  0 bis  x endlich  und  stetig  sind,  so  gilt  dasselbe 
von  F.  Bildet  man  die  Funktion 

H(z)  = xn  + 1 . F(z)  — F(x)  .zn  + 1, 
worin  x gegeben,  z veränderlich  ist,  so  wird 

Hf  (z)  — xn  + J- . F'  (z)  — (n  + 1) . F(x) . zn, 

also  endlich  und  stetig  für  die  Strecke  0 bis  x;  daher  ist  nach  dem  Mittelwertsatze 
H (x)  = H (0)  + \xn  + 1 . F'  (£,)  — (n  -J- 1) . F(x) . . x,  O^^^x. 

Da  nun  H (0)  .=  H (x)  = 0,  so  folgt 

F(x)_  F'(Q 

l 


Xn  + 1 

Wiederholte  Anwendung  führt  auf 

F(x)_  F’  (CG  _ F"  (£2)  _ 


2T(« + !)'(£)■ 


xn  + 1 in  -j-  1)  Ciw  (n  4~  1) n • K,in~~ 1 (w  + 1)! 

wobei  alle  die  ^ £9 . . . £ zwischen  0 und  x liegen.  Daher  folgt 


f(n  + l)  (£) 

(n  + Dl’ 


f(x)  = f (0)  + os 


f (0) 


4 b xn 


f(n)  (0) 


j-  xn 


ftw+l)(£) 


1 ! ' 1 n!  1 ~ [n  + 1) ! 

Keine  der  hier  verwendeten  Schlufsfolgerungen  ist  zu  schwer  für  mathematisch 
geübte  Oberprimaner,  auch  das  Ganze  hinlänglich  durchsichtig  und  bündig.  Dasselbe 
gilt  von  dem  in  den  meisten  Kompendien  enthaltenen 
2.  Weg.  Die  Funktion 

1 

ergibt 

F'(z)  = f'(z)  +^ 


f"(ß)  + ---4- 


-rw- 

(x  — z)n 


n\ 

{x—zy— 1 


f(n)(z) 


1! 

fin  + B (z) 


f"(z)~ 


2! 
(x  - 


*)9 


2! 


(n — 1)! 

(x  — z)n  - 

in  — 1) ! 


,^’Vo, + !)(*) 


f(n)iz) 


Wenn  f,  fr,  f”,  ...  f(n  + i)  endlich  und  stetig  sind  für  £ = 0 bis  z = x , so  gilt  dasselbe 
von  F {. z ) und  F'  iz),  und  man  hat  nach  dem  Mittelwertsatze 

F ix)  = F(0)  + — />  + U (£) . x • 

Ist  X ein  echter  Bruch,  so  kann  man  £ = Xa;  setzen  und  hat 

(#  — £)»  = sc»  (1  — X)w; 

da  ferner  F{x)  = fix\  so  folgt 

(«) = m + « • ^ + -+*■•  + + « » 


n\ 


(»  + !)! 


25 


3.  Weg.  Unter  der  Voraussetzung,  dafs  f(x)  und  f'{x)  von  x bis  x + § endlich 
und  stetig  sind,  ist  die  Uleichung 

f(aj  + S)  = f(aj)  + ff  . f'(x) 

um  so  genauer  richtig,  je  kleiner  § ist;  unter  den  entsprechenden  Voraussetzungen  er- 
gibt sich  hieraus 

f (x  + 2 8)  = f (x  + §)  -f  8 . f (x  + 8) 

= {f(x)  + S.f  (*)}  + 8 {f  (x)  + 8 . f"  (*)} 

= f(ps)  + Z8.f'  (a)  + 8 *.f"(x). 

Durch  den  Schlufs  von  k auf  k + i erhält  man 

f(x  + nS)=f(x)+  (»)  fix)  .«■(*)  f"  ix)  . S2  H + F)  f(«Hx) . 8»  . 

Nimmt  man  n unendlich  und  nd  gleich  einer  endlichen  Zahl  h,  so  ist,  unter  der  Voraus- 
setzung, dafs  f1  f'i  f",  . . . für  die  Strecke  x bis  x -\-h  stetig  und  endlich  sind, 

f(x  + h)  = lim  {ft«)  + I (»)  f (x).h  + i (»)  f"  («?).»•+•••}. 

Für  jedes  7c,  für  das  lim  k\n  = 0,  hat  man 

^©“«■ÜO-OO-D-O-^K- 


lim 

Für  jedes  gröfsere  Je  ist 


lim 


nk 


folglich 


lim  Ip  © w*)  ■ hl  + pU  G©  f(t+1)w  • ^ + 1 + • • • } 


!/•(*=)(*),  f9  + . 

i-jn_w  + i*+ijrw+  + 


} 


Nach  der  Voraussetzung  sind  f(&),  fU  + i),  ...  alle  endlich;  ist  M der  gröfste  innerhalb 
der  Strecke  von  x bis  x-\-h  vorkommende  Wert,  so  ist 


P 


h , P 


ir**+ <4{f!  + '"} 

Da  man  immer  h <Z  k voraussetzen  kann,  so  hat  man  schliefslich 


fc!  (X  4 Je  7c2 


/W  (x) 


P 


■ p 
IM  * in 


7c 


fc!  " 7c!  fc  + fe 

Wächst  7c  ins  Unendliche,  so  enthält  der  Bruch 

Ink h ln  h h 

‘ 2*3  ¥ 

höchstens  eine  beschränkte  Anzahl  von  Faktoren,  die  gröfser  als  1 sind,  neben  unendlich 
vielen  echt  gebrochenen,  die  zur  Grenze  Null  abnehmen;  folglich 


und  daher 


lim^¥i(1  + l + "')=0’ 


f(x  + h)  = f.(x)-\- 


f (afl 

1! 


7^-1 


r o*o 

2! 


P 


giltig,  wenn  f,  f,  f",  jf7",  ....  innerhalb  der  Strecke  von  x bis  x + h stetig  sind. 

Auch  diese  Ableitung  macht  keine  zu  weitgehenden  Ansprüche  an  die  Schüler  und 
dürfte  wissenschaftlich  zulässig  sein.  Sie  zeichnet  sich  vor  den  andern  dadurch  aus, 
dafs  die  Untersuchung  des  Restgliedes  wegfällt. 

Bei  den  Anwendungen  machen  sin  x und  cos  x keine  Schwierigkeiten.  Mehr  Um- 
stände macht  ( l-\-x)m , doch  müssen  diese  in  gleicherweise  überwunden  werden,  wenn 
man  (l-\-x)m  ohne  Differentialrechnung  aus  den  Funktionaleigenschaften  der  Reihe  ab- 
leitet. Für  arctan  x und  arcsin  X,  die  man  gern  entwickeln  wird,  um  Reihen  für  tc  zu 
erhalten,  wird  es  zulässig  sein,  von 

d arctan  x _ . , 

= =1  — X2  -F  £C4  — 

d x 

d arcsin  x 
d x 


auszugehen.  — ■ 


26 


In  der  lebhaften  Diskussion  wird  von  einer  Seite  bei  der  3.  Ableitung  der  doppelte 
Grenzübergang  (lim  8 = 0 und  lim  n = 00)  bemängelt,  von  anderer  Seite  die  Vermeidung 
der  Restglieduntersuchung  für  einen  Vorzug  erklärt.  Das  Vorausschicken  der  Exponential- 
reihe  wird  für  unnötig  gehalten.  Auch  wird  auf  die  Verhandlungen  hingewiesen,  die  in 
diesen  Tagen  an  anderen  Stellen  über  denselben  Gegenstand  stattgefunden  haben. 


Siebente  Sitzung  am  10.  Dezember  1908.  Vorsitzender:  Rektor 
Prof.  Dr.  R.  Henke.  — Anwesend  19  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  M.  Disteli  spricht  über  das  Hookesche  Gelenk. 

Das  genannte  Gelenk  dient  zur  Übertragung  der  Drehbewegung  einer  Achse  Oj 
auf  eine  diese  schneidende  Achse  02,  die  mit  jener  einen  stumpfen,  aber  veränderlichen 
Winkel  180°  — 2s  bildet,  und  besteht  im  wesentlichen  aus  einem  starren  rechtwinkligen 
Achsenkreuz,  dessen  Endpunkte  gelenkartig  durch  Gabeln  mit  den  Achsen  verbunden 
sind.  Sind  A und  B die  Durchstofspunkte  der  Stäbe  des  Kreuzes  mit  der  um  seinen 
festen  Mittelpunkt  beschriebenen  Einheitskugel,  so  läfst  sich  die  Bewegung  des  Gelenks 
dadurch  beschreiben,  dafs  die  Punkte  A und  B auf  zwei  Grofskreisen  laufen,  deren  Ebenen 
auf  den  Achsen  Oj  und  02  rechtwinklig  stehen  und  daher  den  spitzen  Winkel  2 e ein- 
schliefsen,  während  der  Bogen  A B selbst  ein  Viertel sgrofskr eis  ist. 

Ist  0 der  Schnittpunkt  der  beiden  Grofskreise,  und  werden  A und  B bestimmt 
durch  ihre  sphärischen  Abstände  Sr  und  y)  von  0,  so  genügen  diese  der  Bedingung 

COS  2 £ = — COtg  $ . COtg  Y), 

und  es  besteht  daher  zwischen  den  Winkelgeschwindigkeiten  der  Achsen  die  Beziehung 

coj  _ Sr'  _ sin  2_3; 
to2  ~ yj'  sin  2 r\ 

also 

Wj cos2e 

w2  1 — sin2  2 £ sin2  Sr 

Kinematisch  vollzieht  sich  diese  sphärische  Bewegung  durch  Abrollen  des  beweglichen 
Polkegels  B auf  dem  festen  Polkegel  F.  Bei  zweckmäfsiger  Wahl  der  Achsen  xyz 
des  festen  und  x'  y ' des  beweglichen  Systems  lassen  sich  die  Koordinaten  des  Kegels 
B darstellen  durch  die  Proportionen 

x' : yr : zf  = cos  y)  : cos  Sr : cotg  2e, 
die  Koordinaten  des  festen  Kegels  F durch  die  Proportionen 

x : y : « = cos  S cos  „ : sin  <S  + ,) : sin  (S  - v,). 

Der  bewegliche  Kegel  ist  vom  vierten,  der  feste  vom  zweiten  Grade  und  es  rollt  der 
bewegliche  zweimal  auf  dem  festen  ab,  bis  die  Anfangslage  wieder  erreicht  ist. 

Nebst  der  Anwendung  des  Gelenks  zur  Herstellung  von  Sonnenuhren  wurden 
namentlich  noch  Kombinationen  mehrerer  Gelenke  betrachtet,  deren  Achsen  in  einer 
Ebene  liegen,  insbesondere  eine  solche  Anordnung  von  2 Gelenken  mit  3 Achsen,  für 
welche  die  Winkelgeschwindigkeit  der  dritten  (getriebenen)  Achse  gleich  derjenigen  der 
ersten  (treibenden)  Achse  ist. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  macht  kleinere  Mittei- 
lungen, homogene  Koordinaten  betreffend. 

Die  analytische  Darstellung  einer  C2  in  homogenen  Koordinaten  wird  bekanntlich 
besonders  einfach,  wenn  ein  Polardreieck  dieser  Kurve  als  Fundamentaldreieck  benutzt 
wird;  die  Gleichung  derselben  enthält  alsdann  nur  noch  die  3 rein  quadratischen  Glieder, 
während  die  3 gemischt  quadratischen  Glieder  wegfallen.  Der  Vortragende  zeigt  einen 
Weg,  auf  welchem  dieser  Satz,  der  gewöhnlich  deduktiv  bewiesen  wird,  induktiv  ge- 
funden werden  kann.  Man  geht  hierbei  von  dem  speziellen  Fall  aUs,  wo  eine  der  3 Ecken 
des  betreffenden  Polardreiecks  mit  einem  Brennpunkte  der  Kurve  zusammenfällt  und 
stellt  die  Gleichung  der  letzteren  in  bezug  auf  dieses  spezielle  Fundamentaldreieck  auf, 
zuerst  in  Abstandskoordinaten  2/j : 2/a  I «/3 , dann  in  Flächenkoordinaten  xx:  x2:  x3 ; die 
letztere  Gleichung  kann 


27 


±l_  _j_  ±2 |_ 


m o 


±5.  =0 


geschrieben  werden,  wobei  mx : m2 : m3  die  Koordinaten  des  Mittelpunktes  der  Kurve  sind. 
Auf  diesen  speziellen  Fall  aber  kann  der  allgemeine  zurückgeführt  werden  durch  das 
Verfahren  der  Parallelprojektion,  da  die  Verhältnisse  der  homogenen  Koordinaten 
xx : x2 : x3  — als  Flächenverhältnisse  — bei  Parallelprojektion  ungeändert  bleiben. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Neunte  Sitzung  am  29.  Oktober  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  59  Mitglieder. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  über  die  Tätigkeit  des  jetzt 
in  vollendeterer  Form  gebildeten  Landesvereins  zur  Pflege  heimatlicher 
Natur,  Kunst  und  Bauweise  „Sächsischer  Heimatschutz“,  über  dessen 
für  die  Zukunft  geplante  Arbeiten,  u.  a.  die  Herausgabe  eines  Merkbuchs 
der  sächsischen  Naturdenkmäler  und  einer  Zeitschrift  und  die  Erwerbung 
von  Reservaten,  und  über  die  Erlangung  eines  staatlichen  Zuschusses  für 
die  Zwecke  des  Vereins. 

Regierungsrat  Prof.  Dr.  P.  Schreiber  spricht  über  die  wissenschaft- 
lichen Aufgaben  der  Luftballonfahrten. 

Geh.  Hofrat  Prof.  B.  Pattenhausen  erwähnt  einen  interessanten  Ver- 
such Assmanns  mit  dem  Aspirationsthermometer. 


Zehnte  Sitzung  am  26.  November  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  100  Mitglieder  und  Gäste. 

Nach  der  Neuwahl  der  Beamten  für  1909,  deren  Ergebnis  auf 
S.  32  zusammengestellt  ist,  berichtet 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  über  die  von  der  Kommission  (s.  Sitzungs- 
berichte 1908,  S.  13)  eingeleiteten  Schritte  zur  Verbilligung  der  vom 
•Kgl.  Finanzministerium  herausgegebenen  Karten  und  teilt  den  Ent- 
wurf einer  an  das  Kgl.  Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen  Unter- 
richts zu  richtenden  Eingabe  mit,  die  in  nachstehender  Form  von  der 
Hauptversammlung  genehmigt  wird. 


Dresden,  am  20.  Dezember  1908. 


An 

das  Königliche  Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts. 


Verbilligung  der  Mefstischblätter 
1 : 25000  betreffend. 

Es  ist  eine  Hauptforderung  des  erdkundlichen  wie  naturwissenschaftlichen  Unter- 
richts, eine  auf  unmittelbare  Anschauung  gegründete  Kenntnis  der  Heimat  zu  vermitteln. 
Klassenausflüge  und  Einzelwanderungen  müssen  in  den  Dienst  der  Schule  treten.  Dazu 
ist  aber  unerläfslich , dafs  der  Schüler  mit  dem  Gebrauch  der  Karte  vertraut  gemacht 
wird.  Die  Erfahrung  lehrt,  dafs  in  den  breiten  Volksmassen  die  Fähigkeit,  Karten  zu 
lesen,  au iser ordentlich  gering  ist.  Die  grofse  Menge  ist  schon  zufrieden,  wenn  sie  sieh 
mit  Hilfe  einer  Karte  über  einzuschlagende  Wege  zu  orientieren  vermag.  Den  drei- 
dimensionalen Charakter  eines  Stückes  der  Erdoberfläche  auf  Grund  einer  Karten- 


28 


Betrachtung  genau  zu  erkennen,  ist  nur  wenigen  möglich.  Und  trotzdem  ist  die  Fähigkeit, 
Karten  in  dieser  Weise  lesen  zu  können,  von  ungemeinem  Bildungswert  in  formalem 
wie  materiellem  Sinne.  In  militärischen  Kreisen  ist  man  sich  darüber  einig,  dafs  Ge- 
ländestudien, wie  sie  jetzt  für  die  Zwecke  der  Kriegsbereitschaft  von  jedem  einzelnen 
Soldaten  betrieben  werden  müssen,  viel  weniger  auf  Schwierigkeiten  stofsen  würden, 
wenn  die  Schule  darin  tüchtig  Vorarbeiten  könnte. 

Aus  dem  Gefühl  für  den  grofsen  Wert  solcher  Kartenstudien  heraus,  bei  denen 
kartographische  Darstellung  und  Wirklichkeit  fortwährend  hinsichtlich  ihrer  Über- 
einstimmung verglichen  werden  können,  ist  in  schulgeographischen  Kreisen  öfters  die 
Frage  nach  der  Herstellung  guter,  den  dreidimensionalen  Charakter  der  Erdoberfläche 
darstellender  Heimatkarten  erwogen  worden.  Die  Lösung  dieser  Frage  ist  aber  mehr 
oder  weniger  immer  daran  gescheitert,  dafs  die  unverhältnismäfsig  hohen  Herstellungs- 
kosten in  kein  rechtes  Verhältnis  zu  bringen  waren  zu  dem  zu  erwartenden  Absatz 
solcher  Karten. 

Deshalb  ist  schon  mehrfach  von  berufener  Seite,  ganz  besonders  aber  vom  Deutschen 
Geographentag  der  Wunsch  ausgesprochen  worden,  die  bedeutungsvolle  Kulturarbeit,  die 
der  Staat  durch  seine  systematischen  Landesaufnahmen  und  durch  die  Herausgabe 
offizieller  Kartenwerke  leistet,  in  den  Dienst  der  Schule  stellen  zu  können.  Insbesondere 
ist  das  Bestreben  der  dafür  interessierten  Kreise  darauf  gerichtet  gewesen,  die  Mefstisch- 
blätter  1:25000  wegen  ihres  grofsen  Mafsstabes  im  Verein  mit  der  Kleinheit  der  jedes- 
mal dargestellten  Fläche,  sowie  infolge  der  Einfachheit  der  angewendeten  Signaturen 
für  Schulz  wecke  nutzbar  zu  machen.  Hindernd  stand  aber  einer  allgemeinen  Verwendung 
in  der  Schule  bisher  der  hohe  Preis  dieser  Blätter  im  Wege. 

Es  mufs  nun  allerdings  zugegeben  werden,  dafs  bei  der  jetzigen  Höhe  der  jedes- 
maligen Auflage  und  bei  der  Art  der  angewandten  Technik  in  der  Herstellung  der 
einzelnen  Mefstischblätter  eine  billigere  Abgabe  derselben  kaum  möglich  ist.  Abgesehen 
von  den  enormen  Kosten,  die  schon  der  vorbereitenden  Landesaufnahme  erwachsen,  be- 
trägt der  Selbstkostenpreis  für  ein  dreifarbig  gedrucktes  Mefstischblatt  ca.  1 Mk.,  und 
auch  bei  starker  Erhöhung  der  Auflage  läfst  sich  kaum  eine  wesentliche  Verbilligung 
bei  Anwendung  der  bisherigen  Technik  ermöglichen.  Es  ist  daher  nicht  zu  verwundern, 
dafs  das  Königlich  Sächsische  Finanzministerium  bisher  Bedenken  getragen  hat,  dem 
Wunsche  auf  Verbilligung  der  Mefstischblätter  für  Schulzwecke  Rechnung  zu  tragen. 

Die  Unterzeichneten  Vereinigungen  sind  aber  der  Ansicht,  dafs  die  Herstellungs- 
kosten für  Mefstischblätter  zum  Schulgebrauche  wesentlich  herabgesetzt  werden  könnten, 
wenn  sich  das  Finanzministerium  entschliefsen  wollte,  dreifarbige  Umdrucke  her- 
stellen  zu  lassen.  Der  Gebrauchswert  derselben  ist,  wie  eine  genaue,  mit  der  Lupe 
ausgeführte  Prüfung  ergeben  hat,  dem  der  Originalkarten  durchaus  gleich.  Nach  In- 
formationen an  kompetenter  Stelle  würde  sich  die  Herstellung  eines  dreifarbigen  Um- 
druckblattes wie  folgt  bewerkstelligen  lassen: 

bei  einer  Auflage  von  300  Blatt  51  Pf., 

>5  » » 500  „ 43  „ 

„ „ „ „ 1000  „ 37  „ 

„ „ „ „ 3000  „ 33  „ usw. 

Die  Gefahr,  dafs  bei  der  Abgabe  von  billigen  Umdruckkarten  der  geringe  Absatz 
der  Originalkarten  noch  tiefer  sinken  könnte,  als  bisher,  ist  zwar  vorhanden,  erscheint 
aber  angesichts  der  enormen  Kulturvorteile,  die  bei  Beschreitung  des  vorgeschlagenen 
Weges  erreicht  werden  könnten,  belanglos,  beträgt  doch  der  Überschufs  über  die  Her- 
stellungskosten an  dem  jedesmaligem  Vertrieb  pro  Sektion  und  pro  Auflage,  die  Ver- 
triebsspesen und  die  Buchhändlergewinne  noch  gar  nicht  abgezogen,  kaum  150  Mk. 
Übrigens  läfst  sich  dieser  Gefahr  dadurch  etwas  begegnen,  dafs  der  Verkauf  solcher 
Umdrucke  für  die  Schule  in  ähnlicher  Weise  wie  in  Preufsen  geregelt  werden  könnte. 
Nicht  unwahrscheinlich  ist  ferner,  dafs  der  Verkauf  der  Mefstischblätter  sich  im  all- 
gemeinen heben  wird,  wenn  erst  durch  die  Schule  ein  gröfseres  Verständnis  und  eine 
höhere  Wertschätzung  lür  das  offizielle  Kartenwerk  erzeugt  sein  wird. 

Die  zu  erwartende  Absatzhöhe  der  vorgeschlagenen  Umdruckkarten  wird  selbst- 
verständlich je  nach  der  Anzahl  der  beteiligten  Lehranstalten  sehr  verschieden  sein. 
Es  würde  sich  empfehlen,  wenn  das  Königliche  Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen 
Unterrichts  sich  entschliefsen  wollte,  einerseits  die  Anwendung  von  Mefstischblättern 
für  den  Unterricht  nachdrücklich  zu  empfehlen,  andererseits  aber  darüber  Erhebungen 
anzustellen,  wie  viele  Exemplare  von  jeder  einzelnen  Sektion  etwa  jährlich  gebraucht 
werden  würden. 


29 


Die  Bitte  der  Unterzeichneten  Vereinigungen,  deren  auf  Verbilligung  der  Mefstisch- 
biätter  gerichtete  Bestrebungen  auch  vom  Professorenkollegium  der  Technischen  Hoch- 
schule zu  Dresden  für  Unterrichts-  und  Übungszwecke,  besonders  in  den  Fächern 
Geographie,  Geodäsie,  Geologie,  Eisenbahn-  und  Wasserbau  geteilt  werden  (Sitzung 
vom  2.  Dezember  1908;,  geht  deshalb  dahin: 

das  Königliche  Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  wolle  im 
Hinblick  auf  den  grofsen  unterrichtlichen  und  kulturellen  Wert  der  Mefstisch- 
blätter  1 : 25000 

1.  bei  dem  Königlichen  Finanzministerium  auf  eine  billige  Ausgabe  von 
Umdruckexemplaren  für  Lehrzwecke  hinwirken, 

2 durch  eine  allgemeine  Empfehlung  der  Karte  als  Lehrmittel  für  die 
Hand  der  Schüler  deren  gröfseren  Absatz  herbeiführen  helfen  und 
3.  Erhebungen  darüber  veranstalten,  wie  grofs  sich  etwa  der  jährliche 
Bedarf  pro  Sektion  gestalten  wird. 

Einer  geneigten  Unterstützung  ihrer  Bestrebung  entgegensehend  verharren 

Verein  für  Erdkunde  Gesellschaft  für  Naturkunde 

zu  Dresden.  „Isis“. 

Geographischer  Verein 
zu  Freiberg. 

Vereinigung  von  Lehrern  an  städtischen  Sächsischer 

höheren  Schulen  Dresdens.  Lehrer -Verein. 


Anlage. 

Bisher  gewährte  Preisermäfsigungen: 

Preufsen:  Geologische  Spezialkarte  1:25000  1 Mk.  (statt  2 Mk.). 

Bayern:  Lithographische  Positionsblätter  1:25000  0,50— 0,60  Mk.  (1  Mk.). 

Blaukopien  der  noch  nicht  veröffentlichten  Positionsblätter  0,50  Mk.  (1  Mk.). 
Ebenso  alle  übrigen  Kartenwerke  mit  30—50  °/0  Ermäfsigung. 
Württemberg:  Höhenkurvenkarte  1 :25000,  dreifach  Kupferstich  0,40—1  Mk.  (1,50  Mk.). 

Topographische  Karte  1:50000,  schwarzer  Steindruck  0,25—0,50  Mk.  (0,75  Mk.). 
Geologische  Spezialkarte  1 : 25  000  2 Mk.  (2,50  Mk.). 

Geognostische  Spezialkarte  1:50000  1 — 1,50  Mk.  (2  Mk.). 


Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  einen  Experimentalvortrag 
über  die  Bekämpfung  der  Feuersgefahr. 


Elfte  Sitzung  am  17.  Dezember  1908.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat 
Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky.  — Anwesend  53  Mitglieder  und  Gäste. 

Die  Hauptversammlung  genehmigt  die  von  der  Sektion  für  Physik, 
Chemie  und  Physiologie  beschlossene  Namensänderung  in  ,, Sektion  für 
Physik  und  Chemie“. 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude  legt  die 

Mitteilungen  des  Bundes  Heimatschutz,  4.  Jahrg.  1908,  Nr.  1 — 3; 
Mitteilungen  des  Sächsischen  Heimatschutz,  Landesverein  für  Pflege 
heimatlicher  Natur,  Kunst  und  Bauweise,  1908,  Heft  1 — 3 

vor  und  teilt  als  erfreuliches  Ergebnis  der  Bestrebungen  des  Bundes  die 
Sicherung  der  Bo  sei  bei  Meifsen  durch  Ankauf  eines  Grundstücks  auf 
derselben  für  1200  Mk.  mit. 


BO 


Prof.  Dr.  A.  Witting  hält  einen  Yortrag  über  einige  Zusammen- 
hänge der  höheren  Mathematik  mit  der  elementaren.  (Ver gl.  Ab- 
handlung VI.) 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  spricht  über  europäische  Ent- 
fernungen. (Yergl.  Abhandlung  V.) 

Hieran  schliefst  sich  eine  längere  Aussprache. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  21.  Mai  1908  starb  Spiridion  Brusina,  Professor  an  der  Uni- 
versität und  Direktor  des  zoologischen  Museums  in  Agram,  korrespon- 
dierendes Mitglied  seit  1870. 

Am  15.  Juli  1908  starb  in  Serkowitz  Prof.  Dr.  Moritz  Pabst,  früher 
Konrektor  am  Realgymnasium  in  Chemnitz,  korrespondierendes  Mitglied 
seit  1866. 

Am  23.  August  1908  starb  in  Dresden  der  Chemiker  Dr.  Johannes 
Weifsbach,  wirkliches  Mitglied  seit  1903. 

Am  21.  September  1908  ist  in  Gotha  der  Kustos  der  dortigen  natur- 
historischen Sammlungen  Dr.  Wilhelm  Pabst,  Oberlehrer  am  Gymnasium 
Ernestinum,  korrespondierendes  Mitglied  seit  1881,  gestorben. 

Am  11.  Oktober  1908  verschied  Oberfinanzrat  Franz  Nowotny  in 
Dresden,  wirkliches  Mitglied  seit  1870. 

Am  15.  November  1908  starb  Professor  a.  D.  Dr.  Heinrich  Hirzel, 
Schweizer  Konsul  in  Leipzig,  korrespondierendes  Mitglied  seit  1862. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Göllnitz,  Oskar,  K.  Obervermessungsinspektor  in  Dresden,  am  26.  No- 
vember 1908; 

Grahl,  Hans,  Apotheker  in  Dresden,  j 

Kiefsling,  Hugo,  Diplomingenieur,  Stadt- } am  17.  Dezember  1908; 

Vermessungsinspektor  in  Dresden,  J 

Luther,  Robert,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 
in  Dresden,  am  29.  Oktober  1908; 

Müller,  Felix,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Weifser  Hirsch,  am  17.  De- 
zember 1908; 

n 26.  November  1908; 
a 29.  Oktober  1908; 
a.  D.  in  Dresden,  am 

26.  November  1908. 

Neu  ernanntes  korrespondierendes  Mitglied: 

Beck,  Richard,  Dr.  phil.,  Oberbergrat,  Professor  an  der  K.  Bergakademie 
in  Freiberg,  am  26.  November  1908. 

In  die  korrespondierenden  Mitglieder  ist  übergetreten : 

Holz,  Karl,  Oberlehrer  in  Berlin,  am  1.  Juli  1908. 


Oeder,  Reinhard,  Dr.  phil.,  Zahnarzt  in  Dresden,  a 
Preller,  Bernhard,  Realschullehrer  in  Dresden,!  a 
Sporbert,  Erich,  Gymnasiallehrer  in  Dresden , i a 
Taeger,  Hermann,  Geh.  Forstrat,  Oberforstmeister 


31 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bachmann,  Plauen  i.V., 
3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur  Blaschka, 
Hosterwitz,  3 Mk.;  Apotheker  Capelle,  Springe,  3 Mk.;  Privatmann  Eisei, 
Gera,  3 Mk.;  Chemiker  Dr.  Haupt,  Bautzen,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Hibsch, 
Liebwerd,  3 Mk. ; Bürgerschullehrer  Hofmann,  Grofsenhain,  3 Mk.;  Lehrer 
Hottenroth,  Gersdorf,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Müller,  Pirna,  3 Mk.;  Prof. 
Naumann,  Bautzen,  3 Mk.  5 Pf.;  Sektionsgeolog  Dr.  Petraschek,  Wien, 
3 Mk.;  Oberlehrer  Seidel  I,  Zschopau,  4 Mk.;  Privatmann  Sieber,  Nieder- 
löfsnitz, 6 Mk.;  Prof.  Dr.  Sterz el,  Chemnitz,  3 Mk.;  Dr.  med.  Thümer, 
Karlshorst,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Umlauf,  Hamburg,  3 Mk.  5 Pf.  — In 
Summa  58  Mk.  10  Pf. 


G.  Lehmann, 
Kassierer  der  „Isis“. 


32 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1909. 

Tor  stand. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Fr.  Förster. 
Zweiter  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 
Kassierer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Direktorium. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Fr.  Förster. 
Zweiter  Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sektionsvorstände: 

Oberlehrer  Dr.  E.  Lohrmann, 

Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner, 

Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deich müller, 

Prof.  Dr.  A.  Lottermoser, 

Prof.  Dr.  A.  Witting. 

Erster  Sekretär:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Sekretär:  Direktor  A.  Thümer. 

Yerwaltungsrat. 

Vorsitzender:  Hofrat  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

Zivilingenieur  R.  Scheidhauer, 

Geh.  Hofrat  Prof.  H.  Fischer, 

Bankier  A.  Kuntze, 

Geh.  Kommerzienrat  L.  Guthmann, 
Privatmann  W.  Putscher. 

Kassierer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatmann  A.  Richter. 

Sekretär:  Direktor  A.  Thümer. 

Sektionsbeamte. 

I.  Sektion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Oberlehrer  Dr.  E.  Lohrmann. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Viehmeyer. 

Schriftführer:  Lehrer  G.  Dutschmann. 

Stellvertreter:  Lehrer  G.  Schönfeld. 

II.  Sektion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Kustos  Dr.  B.  Schorler. 

Schriftführer:  Oberlehrer  Dr.  E.  Lohr  mann. 

Stellvertreter:  Lehrer  E.  Herrmann. 


38 


m.  Sektion  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner. 

Stellvertreter:  Dr.  K.  Wanderer. 

Schriftführer:  Dr.  E.  Rim  an  n. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  A.  Geifsler. 


IV.  Sektion  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Hofrat  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Direktor  H.  Döring. 

Schriftführer:  Oberlehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  M.  Klähr. 


V.  Sektion  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  Lottermoser. 

Stellvertreter:  Direktor  Dr.  A.  Beythien. 

Schriftführer:  Privatdozent  Dr.  H.  Thiele. 

Stellvertreter:  Fabrikbesitzer  R.  Jahr. 

VI.  Sektion  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  Witting. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  E.  Naetsch. 

Schriftführer:  Bauinspektor  Dr.  A.  Schreiber. 

Stellvertreter:  Gymnasiallehrer  E.  Sporbert. 


Redaktionskomitee. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Direktoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Sekretärs. 


* 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1908  wurde  die  Bibliothek  der  „Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tausch. 

(Die  tauschende  Gesellschaft  ist  verzeichnet,  auch  wenn  im  laufenden  Jahre  keine 
Schriften  eingegangen  sind.) 

I.  Europa. 

1.  Deutschland. 

Altenburg : Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes.  — Mitteil.,  n.  F., 
18.  Band.  [Aa  69.] 

Annaber g- Buchholz:  Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg : Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  XIX  und  XX.  [Aa  19.] 
Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin : Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.49. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitsehr.,  Bd.  59,  Heft  4; 
Bd.  60,  Heft  1 — 3;  Monatsberichte  1907,  Nr.  8 — 12;  1908,  Nr.  1 — 7. 
[Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Zeitschrift  für  Ethnologie,  39.  Jahrg.,  Heft  6;  40.  Jahrg.,  Heft  1 — 5. 
[G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Bheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  64.  Jahrg.  [Aa  93.] 
Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber.,  1907.  [Aa  322.] 

Brauns  chiv  eig : Verein  für  Naturwissenschaft.  — 15.  Jahresber.  [Aa  245.] 
Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XIX,  Heft  2. 
[Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 85.  Jahresber. 
[Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  XII,  Heft  2. 
[Aa  80.] 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbl.,  4.  Folge,  28.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landesteile. 

Dresden:  Gesellschaft  für  Natur- und  Heilkunde.  — Jahresber.  1906 — 1907 
und  1907—1908.  [Aa  47.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“. 
Dresden:  Verein  für  Erdkunde.  — Mittei].,  Heft  7,  und  Mitgliederver- 
zeichnis 1908.  [Fa  6.] 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  Sächs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXIX.  [G  75.] 


35 


Dresden : Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mitteil., 
1907—1908.  [Ha  9.] 

Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.- ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden : K.  Tierärztliche  Hochschule.  — Bericht  für  das  Jahr  1907,  n.  F. 
II.  [Ha  26  b.]  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen  in  Sachsen,  52.  Jahrg. 
[Ha  26.] 

Dresden : K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  für  das  Studien- 
jahr 1906 — 1907 ; Verzeichnis  der  Vorlesungen  und  Uebungen  samt 
Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1908,  W.-S.  1908  — 1909.  [Je  63.] 
— Personalverz.  Nr.  XXXVII— XXXVIII.  [Je  63b.] 

Dresden:  K.  Sächs.  Landeswetterwarte.  — Deutsches  meteorolog.  Jahrbuch 
für  1903  und  1904.  [Ec  57.]  — Dekaden  Monatsberichte,  Jahrgang  IX 
und  X.  [Ec  57c.J 

Dürkheim:  N aturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“.  — 
Mitteil.  LXIV,  Nr.  23.  [Aa  56.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 91.  und  92.  Jahresber.  [Aa  48.] 
Emden : Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften. 

Erlangen:  Physikalisch  - medizinische  Sozietät. 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1908.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  AL:  Physikalischer  Verein.  — Jahresbericht  für  1906 — 1907. 
[Eb  35.] 

Frankfurt  a.  O.:  N aturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — Helios,  XXIV.  u.  XXV.  Bd.  [Aa  282.] 

Freiberg : K.  Sächsische  Bergakademie.  — Programm  für  das  143.  Studien- 
jahr. [Aa  323.] 

Fulda:  Verein  für  Naturkunde. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften.  — Jahresbericht 
49—50;  Bericht  über  die  50jährige  Jubelfeier.  [Aa  49.] 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Codex  diplo- 
maticus  Lusatiae  superioris,  Bd.  81,  Heft  4 ; Neues  Lausitzisches 
Magazin,  Bd.  84.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifswald:  N aturwissenschaftlicher  V erein  für  Neu- Vorpommern  und  Rügen. 

— Mitteil.,  39.  Jahrg.  [Aa  68.] 

Greifswald:  Geographische  Gesellschaft. 

Greiz:  Verein  der  Naturfreunde. 

Guben : Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte.  — 
Mitteil.,  X.  Bd.,  Heft  3 — 4;  Ortsregister  zu  Bd.  IX.  [G  102.] 

Güstrow:  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg.  — 
Archiv,  Jahrg.  61,  Abt.  II,  u.  Jahrg.  62,  Abt.  I.  [Aa  14.] 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  Deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XLIV.  TAa  62.1 


36 


Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde. 

Hamburg : Wissenschaftliche  Anstalten.  — Jahrbuch,  XXIV.  Jahrg.  mit 
Beiheft  1—5.  [Aa  276.] 

Hamburg : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  III.  Folge, 
15.  Heft.  [Aa  293  b.] 

Hamburg'.  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung.  — Verhandl., 
Bd.  XIII.  [Aa  204.] 

Hanau : Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesamte  Naturkunde.  — Fest- 
schrift zur  Feier  des  100jährigen  Bestehens.  [Aa  30.] 

Hannover : Naturhistorische  Gesellschaft.  — 55. — 57.  Jahresbericht.  [Aa  52.] 
Hannover : Geographische  Gesellschaft.  — Dritter  Nachtrag  zum  Kataloge 
der  Stadtbibliothek.  1906.  [Fa  18.] 

Heidelberg : N aturhis  torisch  - m edizinischer  V er  ein. 

Hof : Nordober  fränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landeskunde. 
Karlsruhe'.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  20.  [Aa  88.] 
Karlsruhe : Badischer  zoologischer  Verein.  — Mitteilungen,  Nr.  18.  [Ba  27.] 
Kassel : Verein  für  Naturkunde. 

Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde.  — Zeitschrift, 
Bd.  41  u.  42.  [Fa  21.] 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig-Holstein.  — Schriften, 
Bd.  XIV,  Heft  1.  [Aa  189.] 

Köln : Redaktion  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  44.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
48.  Jahrg.  [Aa  81.] 

Königsberg  i.  Pr.:  Altertums -Gesellschaft  Prussia.  — Sitzungsberichte 
1900—1904.  [G  114.J 
Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshut'.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — 18.  Bericht.  [Ca  14.] 
Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Leipzig : K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-phys.  Klasse,  LIX.  Bd.,  Heft  4;  LX.  Bd.,  Heft  1 
bis  5.  [Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung.  — Erläuterungen 
zu  Sektion  Bautzen -Wilthen  (Bl.  54),  2.  Aufl.  und  zu  Sektion  Chemnitz 
(Bl.  96),  3.  Aufl.  — Geologische  Uebersichtskarte  des  Königreichs 
Sachsen,  1908.  [De  146.] 

Leipzig:  Städtisches  Museum  für  Völkerkunde.  — Jahrb.,  Bd.  1, 1906.  [G 155.] 
Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum. 
Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 
Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Jahresber.  u.  Abhandl., 
Jahrg.  1904—1907.  [Aa  173.] 

Magdeburg:  Museum  für  Natur-  und  Heimatkunde. 

Mainz:  Römisch -germanisches  Centralmuseum.  — Mainzer  Zeitschrift, 
Jahrg.  1908.  [G  145  a.] 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesamten  Naturwissenschaften. 

— Sitzungsber.,  Jahrg.  1907.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Mitteilungen  aus 
den  Sitzungen  der  Vereinsjahre  1907 — 1908.  [Aa  319.]  — Zusammen- 
stellung der  Monats-  und  Jahresmittel  der  Wetterwarte  Meissen  im 
Jahre  1907.  [Ec  40.] 


37 


München : Bayerische  botanische  Gesellschaft  zur  Erforschung  der  hei- 
mischen Flora.  — Mitteil.,  Bd.  II,  Nr.  5 — 8.  [Ca  29.] 

München : Deutscher  und  Oesterreichischer  Alpenverein.  — Mitteil.,  Jahrg. 
1908.  [Fa  28.] 

Münster : Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 
Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  ,,Philomathieu. 

Nürnberg : Naturhistorische  Gesellschaft.  — Abhand].,  Bd.  XVII  nebst  Bei- 
gabe; Mitteilungen,  Jahrg.  I;  Jahrg.  II,  Nr.  1.  [Aa  5.] 

Offenbach:  Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück : Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Passau : Naturwissenschaftlicher  Verein.  — XX.  Bericht.  [Aa  55.] 

Posen:  Deutsche  Gesellschaft  für  Kunst  u.  Wissenschaft.  — Zeitschr.  der 
naturwissenschaftl.  Abteilg.,  XIV.  Jahrg.,  Heft  3;  XV.  Jahrg.,  Heft  1—2. 
[Aa  316.] 

Regensburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — XI.  Bericht.  [Aa  295.] 
Regensburg:  K.  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen : N aturwissenschaftlicher  V er  ein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ornithologischer  Verein. 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  64,  mit  2 Beilagen.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Altertums  verein. 

Tharandt:  Redaktion  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LXVIII;  Bd.  LXIX,  Heft  1 — 4.  [Ha  20.] 
Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst.  — Mitteil., 
15.  Heft.  [Aa  145.] 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Tübingen:  Universität.  — Württembergische  Jahrbücher  für  Statistik 
und  Landeskunde,  Jahrg.  1907,  Heft  II;  Jahrg.  1908,  Heft  I.  [Aa  335.] 
Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften.  — Jahreshefte, 
13.  Jahrg.  [Aa  299.] 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  — Mitteil.,  n.  F.,  23.  Heft. 
[Ca  23.] 

Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  61. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft. 

Zerbst:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Bericht  1902 — 1907.  [Aa  332.] 
Zwickau:  Verein  für  Naturkunde.  — XXXII.  Jahresber^  [Aa  179.] 


2.  Österreich-Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelehrlingsschule.  — XXXII.  Jahresbericht.  [Je  105.] 
Brünn:  Natur  forschender  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  XLV,  u.  25.  Bericht  der 
meteorolog.  Kommission.  [Aa  87.]  — Ergebnisse  der  phänologischen 
Beobachtungen  aus  Mähren  und  Schlesien  im  Jahre  1905.  [Cc  73.] 
Brünn : Lehrerverein,  Klub  für  Naturkunde. 


38 


Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — FöldtaniKözlöny,  XXXVII. 

köt.,  9. — 12.  füz.;  XXXVIII.  köt.,  1. — 10.  füz.  [Da  25.] 

Budapest : K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften.  — Berichte,  Bd.  21  und  22.  [Ea  37.] 
Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mitteilungen, 
Jahrg.  1906  u.  1907.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  Siebenbür  gisch  er  Verein  für  Naturwissenschaften.  — Ver- 
handl.  u.  Mitteil.,  Jahrg.  LVII.  [Aa  94.] 

Iglo : Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrb.,  Jahrg.  XXXV.  [Aa  198.] 
Innsbruck : Naturwissenschaftlich  - medizinischer  Verein.  — Berichte, 
XXXI.  Jahrg.  und  Beilage  von  V.  Schiffner:  Kritische  Bemerkungen 
über  die  europäischen  Lebermoose.  [Aa  171.] 

Klagenfurt:  Naturhistorisches  Landesmuseum  für  Kärnten.  — Carinthiall, 
Mitteil.,  Jahrg.  97,  Nr.  5 — 6;  Jahrg.  98,  Nr.  1 — 3.  [Aa  42b.] 

Laibach:  Musealverein  für  Krain.  — Mitteil.,  Jahrg.  XX;  Izvestja  Let- 
nik  XVII.  [Aa  301.] 

Linz:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 37.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Linz:  Museum  Francisco -Carolinum.  — 66.  Bericht  nebst  der  60.  Lief,  der 
Beitr.  zur  Landeskunde  von  Österreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 

Olmütz:  Naturwissensch.  Sektion  des  Vereins  „Botanischer  Gartenu. 
P°ag:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medizinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“. 

Prag:  K.  Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber., 
mathem.- naturwissensch.  Kl.,  1907.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1907. 
[Aa  270.]  — F.  Vejdovsky:  Neue  Untersuchungen  über  die  Reifung 
und  Befruchtung.  [Bc  53.] 

Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Bericht  1907. 
[Aa  272.]  — Pamätky  archaeologicke,  dil.  XXII,  ses.  7—8;  XXIII.  ses. 
1—3,  [G  71.] 

Prag:  Lese-  und  Redehalle  der  deutschen  Studenten. 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Rozpravy,  trida  II, 
rocnik  XVI.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  XI.  annee.  [Aa313b.] 
— J.  Velenovsky:  Srovnävaci  Morfologie,  2 Bde.  [Bc  75.]  — B.  Nemec: 
Anatomie  a Fysiologie  Rostlin,  1.  Bd.  [Cc  76.] 

Presburg:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde. 

Peichenberg : Verein  der  Naturfreunde.  — Mitteilungen,  Jahrg.  38  u.  Rechen- 
schaftsber.  1906.  [Aa  70.] 

Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mitteil.,  Bd.  XL VIII. 
[Aa  71.] 

Temesvar:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXXI.  evol.,  füz.  3 — 4;  XXXII.  evol.,  füz.  1 — 2. 
[Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Komitates.  — 
Jahreshefte,  Jahrg.  XXIX— XXX.  [Aa  277.] 

Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1907.  [Aa  11.]  — 
Mitteil,  der  prähistorischen  Kommission,  Bd.  II,  Nr.  1.  [G  111.] 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XLV1II.  [Aa  82.] 


39 


Wien:  K.  k.  naturhist.  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XXI,  Nr.  3 — 4;  Bd.  XXLl, 
Nr.  1.  [Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft. 

Wien:  K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  — Verhandl.,  1907,  Nr.  11 — 18; 
1908,  Nr.  1—14.  [Da  16.]  — Jahrbuch,  Bd.  LVIII,  Heft  1—3.  [Da  4.] 
— Abhandl.,  Bd.  XVI,  Heft  2.  [Da  1.]  — Geologische  Karte  der 
Oesterreich- Ungarisch.  Monarchie,  7.  Lieferung  mit  6 Bl.  Karten  u. 
3 Heften  Erläuterungen;  8.  Lieferung  mit  4 Bl.  Karten  und  1 Heft 
Erläuterungen.  [Da  33.] 

Wien : K.  k.  zoologisch -botanische  Gesellschaft  — Verhandl.,  Bd.  LVII. 
[Aa  95.] 

Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität.  — Mitteil.  1908. 
[Aa  274.]  — E.  Janchen:  Die  europäischen  Gattungen  der  Farn-  und 
Blütenpflanzen  nach  dem  Wettsteinschen  System  geordnet.  [Cb  53.] 
Wien:  K.  k.  Zentral- Anstalt  für  Meteorologie  und  Geodynamik.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1906  mit  Anhangsheft.  [Ec  82.] 

3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie. 

Bukarest:  Institut  botanique.  — Bulletin  de  l’herbier,  annee  1,  Nr.  1 u.  2. 
[Ca  28.] 

4.  Schweiz. 

Aarau:  Aargauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Basel : Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XIX,  Heft  3. 
[Aa  86.] 

Bern:  Naturfor sehende  Gesellschaft.  — Mitteilungen,  Nr.  1629  — 1664. 
[Aa  254.] 

Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  XVII. 
[Ca  24.] 

Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.  der 
90.  Jahresversamml.  [Aa  255.] 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens.  — 50.  Jahresbericht. 
[Aa  51.] 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  18. 
[Aa  261.] 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  Bulletin,  vol.  XV. 

[Aa  264.]  — Memoires:  Botanik,  Bd.  II,  Heft  5.  [Aa  264b.j 
St.  Gallen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft.  — Jahrbuch  für  1906. 
[Aa  23.] 

Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  5.  ser., 
vol.  XLIII,  no.  161;  vol.  XL1V,  no.  162-163.  [Aa  248.] 

Neuchatel:  Societe  Neuchäteloise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  tome 
XXXIII  und  XXXIV.  [Aa  247.J 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mitteil., 
Bd.  XI,  Heft' 7 u.  8.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles. 
Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  52, 
Heft  3—4.  [Aa  96.] 


40 


5.  Frankreich. 

Amiens : Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France.  — Bulletin,  tome  XVI1X, 
Nr.  369— 380.  [Aa  252.] 

Bordeaux : Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Proces-verbaux, 
annee  1906 — 1907.  [Aa  253.]  — Observations  pluviometriques  et  ther- 
mometriques  1906 — 1907.  [Ec  106.] 

Cherbourg : Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques. 
Dijon : Academie  des  Sciences,  arts  et  belles  lettres. 

Le  Mans : Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe. 

Lyon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  54.  [Aa  132.] 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie.  — Annales  1906.  [Aa  133.] 
Lyon:  Academie  des  Sciences,  belles -lettres  et  arts.  — Memoires,  3.  ser., 
tome  IX.  [Aa  139.] 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXXI  u.  XXXII. 
[Ba  24.] 

Toulouse:  Societe  Frangaise  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  zoologique  et  malacologique  de  Belgique.  — Annales, 
tome  XLI  u.  XLII.  [Bi  1.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  51.  [Bk  13.] 
— Memoires,  tome  XV  u.  XVI.  [Bk  13b.] 

Brüssel:  Societe  Beige  de  geologie,  de  paleontologie  et  d’hydrologie.  — 
Proces-verbaux,  tome  XXI,  Oct.— Dez.;  tome  XXII,  Jan. — Juli.  [Da  34.] 
Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  44. 
[Ca  16.] 

Gembloux:  Institut  chimique  et  bacteriologique.  — Bulletin,  Nr.  75. 
[Hb  75.]  ^ 

Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XXV,  livr.  3; 
tome  XXVIII,  livr.  5;  tome  XXXIV,  livr.  3;  tome  XXXV,  livr.  1—2. 
[Da  22.] 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Groningen \ Natuurkundig  Genootschap.  — Verslag  107.  [Je  80.] 

Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  XI,  p.  2.  [Aa  217.] 
Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises  des 
Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  XIII.  [Aa  257.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  grandduche  de  Luxembourg. 
Luxemburg:  Institut  grand-ducal. 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  ,, Fauna“. 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  l’anno  1907.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — ßollettino,  1908,  2.  ser., 
fase.  1—4.  [Aa  149  b.] 

Florenz:  Societä  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXXVIII, 
trimestre  III — IV;  anno  XXXIX,  trimestre  I — IV.  [Bk  193.] 


41 


Mailand : Societä  Italiana  di  scienze  naturali. 

Mailand:  R.  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Rendiconti,  ser.  2, 
vol.  XL,  fase.  17 — 20;  vol.  XLI,  fase.  1 — 16.  [Aa  161.]  — Memorie, 
vol.  XX,  fase.  10.  [Aa  167.] 

Modena : Societä  dei  naturalisti. 

Padua:  Accademia  scientifica  Veneto-Trentino-Istriana.  — Atti,  nuova 
serie,  anno  V,  fase.  1;  ser,  111,  anno  1.  [Aa  193.] 

Palermo:  Societä  di  scienze  naturali  ed  economiche. 

Parma:  Redaktion  des  Bullettino  di  paletnologia  Italiana.  — Bullettino, 
anno  XXXIII,  no.  11 — 12;  anno  XXXIV,  no.  1 — 8.  [G  54.] 

Pisa:  Societä  Toscana  di  scienze  naturali.  — Processi  verbali,  vol.  XVII, 
no.  1 — 5.  — Memorie,  vol.  XXIII.  [Aa  209.] 

Rom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Rendiconti,  vol.  XI,  2.  sem.,  fase.  5; 
vol.  XVI,  2.  sem.,  fase.  12;  Rendic.  sol.  d.  7.  giugno  1908;  Rendic., 
vol.  XVII.  1.  sem.,  fase.  1 — 12;  2.  sem.,  fase.  1 — 10.  [Aa  226.] 

Turin:  Societä  meteorologica  Italiana.  — Bolletino  bimensuale,  vol.  XXVI, 
no.  8 — 10;  vol.  XXVII,  no.  1—6;  Bolletino  meteorologico  e geodina- 
mico  deH’osservatorio  dei  Real  Collegio  Carlo  Alberto,  Moncalieri,  1907, 
Okt. — Dez.;  1908,  Jan. — Mai.  [Ec  2.] 

Venedig : R.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  d’agricoltura,  scienze,  lettere,  arti  e commercio  di 
Verona.  — Atti  e Memorie,  ser.  IV,  vol.  VII  e append.  [Ha  14.] 

10.  Grofsbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  Irish  academy.  — Proceedings,  vol.  XXVII,  sect.  A,  no.  4 — 9; 

sect.  B,  no.  1 — 5.  [Aa  343.] 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Ireland. 

Edinburg:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  IX,  p.  2.  [Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society. 

Glasgow:  Natural  history  society.  — Transactions,  vol.  VIII,  part  I.  [Aa  244.] 
Glasgow:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  and  mining  society. 

Neivcastle-upon-Tyne:  Natural  history  society  of  Northumberland,  Durham 
and  Newcastle-upon-Tyne.  — Transactions,  new  ser.,  vol.  III,  p.  I. 
[Aa  126.] 

11.  Schweden. 

Stockholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  28. 
[Bk  12.] 

Stockholm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien. 

TJpsala:  Geological  institution  of  the  university.  — Bulletin,  vol.  VIII, 
Nr.  15—16.  [Da  30.] 


12.  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarbog  1907,  3.  Heft;  1908,  L — 2.  Heft;  Aarsberet- 
ning  1907.  [Aa  294.] 

Christiania : U niversität . 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmärkers  bevaring.  — 
Aarsberetning  1907.  [G  2.] 


42 


Christiania : Redaktion  des  Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne.  — Nyt 
Mag.,  Bind  45,  Heft  3 — 4;  Bind  46,  Heft  1—4.  [Äa  340.] 

Tromsoe : Museum.  — Aarsberetning  1906  u.  1907;  Aarshefter  25.  [Aa  243.] 

13.  Rufsland. 

Ekatharinenburg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles. 

— Bulletin,  tome  XXVII.  [Aa  259.] 

Helsingfors : Societas  pro  fauna  et  flora  fennica. 

Kharkoff:  Societe  des  Sciences  physico-chimiques.  — Travaux,  tome  XXXII 
u.  XXXIII;  Supplements,  fase.  XVI,  XVII,  XIX.  [Aa  224.] 

Kiew : Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XX,  livr.  3.  [Aa  298.] 
Moskau : Societe  imperiale  des  naturalistes-  — Bulletin,  1907,  no.  1—3. 
[Aa  134.] 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle-Russie. 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tome 
XXV,  fase.  2;  tome  XXVII,  fase.  2;  XXVIII,  fase.  1;  tome  XXIX, 
fase.  1.  [Ca  10.] 

Petersburg:  Comite  geologique.  — Bulletins,  XXV,  XXVI  u.  XXVII,  no.  1 — 3. 
Da  23.]  — Memoires,  nouv.  ser.,  livr.  16,  21—35,  37 — 38,  41 — 42. 
[Da  24.] 

Petersburg:  Physikalisches  Zentralobservatorium. 

Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletins , tome  XXV; 

J ahrg.  1907,  Nr.  18,  u.  Jahrg.  1908,  no.  1 — 17.  [Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Travaux  de  la  section 
geologique  du  cabinet  de  Sa  Majeste,  vol.  VIII,  livr.  1.  [Da  29c.] 
Riga:  Naturforscher-Verein.  — Arbeiten,  n.  F„  11.  Heft.  [Aa  12.] 


II,  Amerika. 

1.  Nordamerika. 

Albany:  University  of  the  state  of  New-York.  — State  Museum  report, 
no.  59—60.  [Aa  119.] 

Baltimore : John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XXIII, 
no.  199 — 208.  [Aa278.]  — American  journal  of  mathematics,  vol.  XXIX, 
no.  4;  vol.  XXX,  no.  1 — 2.  [Ea  38.]  — American  Chemical  journal, 
vol.  38 — 39.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic.  Science,  ser. 
XXV,  no.  6 — 12;  ser.  XXVI,  no.  1 — 10.  [Fb  125.]  — American  journal 
of  philology,  vol.  XXVIII,  no.  3 — 4;  vol.  XXIX,  no.  1—2.  [Ja  64.]  — 
Maryland  geological  survey,  vol.  VI;  St.Mary’s  country  mit  Atlas;  Calvert 
country  mit  Atlas.  [Da  35.]  — Maryland  weather  Service,  vol.  II. 
[Ec  95.] 

Berkeley:  University  of  California.  — Department  of  geology:  Bulletin, 
vol.  V,  no.  9—11.  [Da  31.]  — College  of  agriculture : Bulletin  188  — 191. 
[Da  31b.]  — Botany,  vol.  II,  pag.  309 — 354;  vol.  III,  pag.  1 — 302. 
[Da  31  c.  | — Physiology,  vol.  III,  pag.  61  — 86.  [Da  31  e.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XLI11,  no,  7—22  [Aa  170.] 


43 


Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  33,  no.  3—9. 
[Aa  111.] 

Buffalo : Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  VIII,  no.  6;  vol.  IX,  no.  1. 
[Aa  185.] 

Cambridge : Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol.  XLIII,  no.  6; 
vol.  XL VIII,  no.  4;  vol.  XLIX,  no.  5—7;  vol.  LI,  no.  7-12;  vol.  LII, 
no.  1—5;  vol.  LIII,  no.  1;  annual  report  1906 — 1907  u.  1907 — 1908. 
[Ba  14.]  — : Harvard  university  museum,  its  origin  and  history.  [Ja  99.] 
— W.  James:  Rede  über  Louis  Agassiz.  1896.  [Jb  97.] 

Chicago : Academy  of  Sciences.  — Special  publication  no.  2.  [Aa  123c.] 
Chicago:  Field  Columbian  museum.  — Publications,  no.  122,  123,  126,  128. 
[Aa  324.] 

Lavenport:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.  X.  u.  vol.  XII, 
pag.  1 — 94.  [Aa  219.] 

Halifax:  Nova  Scotian  ins ti tute  of  natural  Science. 

Lawrence:  Kansas  university. 

Madison:  Wisconsin  academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XV,  p.  2.  [Aa  206.] 

Mexiko:  Sociedad  cientifica  ,, Antonio  Alzate“.  — Memorias  y Revista, 
tomo  XXIV,  no.  10—12;  tomo  XXV,  no.  1 — 3;  tomo  XXVI,  no.  1 — 9. 
[Aa  291.] 

Milwaukee:  Public  museum  of  the  city  of  Milwaukee.  — Annual  report 
26.  [Aa  233  b.] 

Milwaukee:  Wisconsin  natural  history  society.  — Bulletin,  new  ser., 
vol.  V,  no.  4;  vol.  VI,  no.  1—2.  [Aa  233.] 

Montreal : Natural  history  society. 

New -Häven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences.  — Transactions, 
vol.  XIII,  pag.  47  — 147,  299—548;  vol.  XIV,  pag.  1 — 57.  [Aa  124.] 
New-York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol,  XVII,  p.  2—3;  vol.  XVIII, 
p.  1—2;  Tafeln  XXIX  u.  XXX  zu  vol.  XVII,  p.  2.  [Aa  101.] 
Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.  L1X,  p.  2—3; 
vol.  LX,  p.  1—2.  [Aa  117.] 

Philadelphia:  American  pbilosopbical  society.  — Proceedings,  vol.  XLVI, 
no.  187;  vol.  XLVII,  no.  188—189.  [Aa  283.] 

Philadelphia:  Wagner  free  Institute  of  Science. 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Annual  report  36.  [Ba  22.] 
Pochester:  Academy  of  Science. 

Pochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  XVIII.  [Da  28.] 
Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — Proceedings,  4.  ser., 
vol.  I,  pag.  1 — 6;  vol.  III,  pag.  1—40.  [Aa  112.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XVI,  no.  8— 9;  vol.  XVII, 
no.  1—2;  vol.  XVIII,  no.  1.  [Aa  125.] 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — Annual  report  1907.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XXI,  p.  1. 
[Aa  303.] 

Toronto:  Canadian  institute.  — Transactions,  vol.  VIII,  p.  2.  [Aa  222b.] 
Tufts  College. 

Washington:  Smithsonian  Institution.  — Annual  report  1906.  [Aa  120.] 
— Report  of  the  U.  S.  national  museum  1907;  classified  list  of 
Smithsonian  publications.  [Aa  120c.] 


44 


Washington:  United  States  geological  survey.  — Bulletin,  no.  328,  335, 
337,  338,  340,  343—346,  348,  350.  [De  120  b.]  — Professional  paper, 
no.  62.  [De  120c.] 

Washington:  Bureau  of  education. 

2.  Südamerika. 

Buenos- Aires:  Museo  nacional.  — Anales,  ser.  3,  tomo  VII.  [Aa  147.] 

Buenos- Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  LXIV,  entr. 
2 — 6;  tomo  LXV;  tomo  LXVI,  entr.  1.  [Aa  230.] 

Cordoba:  Academia  nacional  de  ciencias. 

La  Plata : Museum. 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  vol.  VI  [Flora  Uruguaya,  tomo  III, 
entr.  3],  [Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro : Museo  nacional.  — Archivos,  vol.  XIII.  [Aa  211.] 

San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica. 

Säo  Paulo:  Commissao  geographica  e geologiea  de  S.  Paulo.  — Carta  geral 
de  Estado  de  S.  Paulo.  [Aa  305  a.]  — Dados  climatologicos,  ser.  2, 
no.  2 — 3.  [Aa  305b.] 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


III.  Asien. 

Batavia : K.  natuurkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  67.  [Aa  250.] 

Calcutta : Geological  survey  of  India.  — Memoirs,  vol.  XXXVI,  p.  2.  [Da  8.] 
— Records,  vol.  XXXVI;  vol.  XXXVII,  p.  1.  [Da  11.]  — Palaeontologia 
Indica,  new  ser.,  vol.  V,  no.  3;  ser.  XV,  vol.  I,  p.  1.  [Da  9.]  — G.  Burrard 
and  II.  Hayden : A sketch  of  the  geography  and  geology  of  the  Hima- 
laya  mountains  and  Tibet.  Part  I — III.  [Fb  147.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mitteilungen,  Bd.  XI,  Teil  1 u.  2.  [Aa  187.] 


IV.  Australien. 

Melbourne:  Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretary 
for  mines  1907.  [Da  21.] 


B.  Durch  Geschenke. 

Almen,  E .:  Bidrag  tili  kännedomen  om  de  vid  gasers  och  vätskors  lösningar 
i vätskor  uppträdande  volymändringarne.  1901.  [Eb  64.] 

Andersson,  K.:  Die  Pterobranchier  der  schwedischen  Südpolarexpedition 
1901  — 1903,  nebst  Bemerkungen  über  Rhabdopleura  Normani.  1907. 
[Bi  91.] 

Aquila:  Zeitschrift  für  Ornithologie.  Budapest.  Jahrg.  XIII  u.  XIV.  [Bf  68.] 
Arwidsson,  J.:  Studien  über  die  skandinavischen  und  arktischen  Malda- 
niden.  [Bm  67.] 


45 


Bendz,  T.:  Öfver  diaphantiska  ekvationen  xn-\-yn  = zn.  1901.  [Ea  57.] 
Benedicks , C .:  Linnees  Pluto  Sveticus.  Linneefestschrift  1907.  [Db  95.] 
Billbergh,  Th.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  de  elektriska  disjunctions- 
strömarne.  1872.  [Eb  58.] 

Bjerke,  K.:  Ueber  die  Veränderung  der  Refraktion  und  Sehschärfe  nach 
Entfernung  der  Linse.  1902.  [Eb  59.] 

Boddaert,  D.:  Misure  magnetiche  nei  dintorni  di  Torino.  1908.  [Ec  107.] 
Bodman,  G.:  Om  isomorfi  mellan  salter  af  Vismut  och  de  sällsynta  jord- 
metallerna.  1906.  [Ed  72.] 

Bohlin , K.i  Sur  une  equation  algebrique  remarquable  se  trouvant  en 
rapport  ä la  mecanique  celeste.  [Ea  52  d.] 

Bohlin,  K:  Analytische  Merkmale  des  Dreikörper-Problemes.  [Ea  52 e.] 
Bohlin,  K:  Integral-Entwicklung  des  Dreikörper-Problemes.  [Ea  52 f.] 
Burgerstein,  A.:  Bericht  über  die  Wiesner-Feier.  [Jb  96.] 

Carlbaum,  T. : Contributions  ä la  theorie  des  mouvements  infiniment  petits 
d’un  gaz  heterogene.  1907.  [Eb  54.] 

Carlsson,  A.:  Om  itererade  funkti.oner.  1907.  [Ea  73.] 

Carpiaux,  E .:  Contribution  ä l’etude  de  l’assimilation  du  phosphore  et  de 
la  chaux  pendant  la  vie  embryonnaire  du  poussin.  Sep.  1908.  [Bc  54.] 
Centralblatt,  botanisches:  Beihefte,  Band  XX,  Abt.  1 und  2;  Bd.  XXI, 
Abt.  1 und  2;  Bd.  XXII,  Abt.  1 und  2;  Bd.  XXIII,  Abt.  1,  Heft  1 u.  2; 
Abt.  2,  Heft  1 u.  3;  Bd.  XXIV,  Abt.  1,  Heft  1.  [Ca  30.] 

Cleve,  P:  A treatise  on  the  phytoplankton  of  the  Atlantic  etc.  [Cb  52.] 
Cleve , P.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  Qvicksilfvercyanidens  föreningar  med 
Rhodanmetaller.  [Ed  88.] 

Cleve,  Th.:  Mineral-analytiska  undersökningar.  [Db  97.] 

Cronander,  W.:  Om  Fosforsuperklorid.  1873.  [Ed  86.] 

Dahlerus,  C.:  Expose  de  l’industrie  miniere  et  metallurgique  de  la  Suede. 
1905.  [Hb  137.] 

Damm,  J.:  Bidrag  tili  läran  om  kongruenser  med  primtalsmodyl.  1896. 
[Ea  56.] 

Ekeckrantz,  Th.:  Studier  öfver  Benzaldoximer  och  deras  reaktionsprodukter 
med  Diazometan.  1900.  [Ed  78.] 

Ekman,  Sv.:  Die  Phyllopoden,  Cladoceren  und  freilebenden  Copepoden  der 
nordschwedischen  Hochgebirge.  [Bl  45.] 

Ekström,  A.:  Om  teorien  för  elektriska  svängningar  i metalltradar  fram- 
kallade  af  en  Hertz’  oskillator.  1897.  [Eb  67.J 
Enander,  S.:  Studier  öfver  Salices  in  Linnees  herbarium.  [Cg  36.] 
Engelhardt , PL.:  Tertiäre  Pflanzenreste  aus  dem  Fajüm.  Sep.  1907.  [Dd94bb.] 
Engelhardt,  H.  u.  Kinkelin,  F.  : I.  Oberpliocäne  Flora  u.  Fauna  des  Unter- 
maintales, insbesondere  des  Frankfurter  Klärbeckens.  II.  Unterdilu- 
viale Flora  von  Hainstadt  a.  M.  Sep.  1908.  [Dd  94cc.] 

Ericson- Auren,  T.:  Ueber  die  Auflösungsgeschwindigkeit  von  Zink  in  sauren 
Lösungen.  1901.  [Ed  80.] 

Fagerholm,  E.:  Ueber  den  Sternhaufen  Messier  67.  1906.  [Ea  69.] 
Forsling,  S.:  Om  sulfonering  af  /2-naftylamin.  1895.  [Ed  76.] 

Forsström,  S.:  Om  temperaturens  och  ljusets  inverkan  pä  svafvelsilfrets 
elektriska  ledningsförmäga.  1900.  [Eb  50.] 

Fransen,  A.\  Om  en  generalisation  af  Dirichlets  proplem.  1899.  [Ea  60.] 
Freiberg:  Geologische  Gesellschaft.  — 1.  Jahresber.  [Da  36.] 

Fries,  E.:  Epicrisis  generis  Hieraciorum.  [Cg  37.] 


46 


Fries,  R.  E.\  Zur  Kenntnis  der  alpinen  Flora  im  nördlichen  Argentinien. 
[Cd  133.] 

Fries,  Th.:  Breef  och  skrifvelser  af  och  tili  Carl  v.  Linnee.  2 Teile. 
[Jb  99.] 

Fries,  Th.:  Caroli  Linnaei  hortus  Uplandicus.  [Cd  132.] 

Fries,  Th.:  Naturalhistorien  i Sverige  intill  medlet  af  1600-talet.  1894. 
[Ab  96.] 

Fristedt,  R.  u.  Fries,  R.:  Om  tvänne  i Sverige  hitills  misskända  arter  af 
växtsläget  Rumex.  [Cg  38.] 

Geinitz,  E.:  Ergebnisse  der  Brunnenbohrungen  in  Mecklenburg.  XX.  Mittei]. 

der  Grofsherzogl.  Mecklenb.  Geolog.  Landesanstalt  1908.  [De  217t.] 
Geinitz,  E.:  Landeskunde  von  Mecklenburg.  Güstrow  1907.  [Fb  146.] 
Göransson,  E.:  Om  periodiska  lössningar  tili  lineara  differentialekvationer. 

1901.  [Ea  72.] 

Haglund,  E.:  Ur  de  vedväxternas  ekologi.  [Cc  77.] 

Hammarsten,  0.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  gallans  kemiska  bestands- 
delar.  1902.  [Ed  83.] 

Hammarsten,  0.:  Om  lefvern  säsom  blodbildande  och  blodrenande  organ. 

1902.  [Bc  56.] 

Hammersten,  0.:  Om  näringsämnenas  betydelse  för  muskelarbetet.  1901. 
[Bc  55.] 

Hedbom,  K.:  Farmakodynamiska  studier  ä det  isolerade  och  öfverlefvande 
däggdjurshjartat.  1896.  [Bc  57.] 

Hedbom,  K:  Om  vissa  Organextrakts  inverkan  etc.  1897.  [Bc  57b. | 
Heising,  G.:  Om  a-amidonitriler,  a-aminotiamider  etc.  1905.  [Ed  77.] 
Hofman-Bang,  0.:  Studien  über  schwedische  Flufs-  und  Quellwässer. 
1904.  [Ed  79.] 

Hofsten,  N.  v.:  Studien  über  Turbellarien  aus  dem  Berner  Oberland.  1907. 
[Bm  68.] 

Holmberg , 0.:  Om  framställing  af  ren  Neodymoxid  etc.  1906.  [Ed  74.] 
Holmberg,  K.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  de  fysikaliskt-kemiska  egens- 
kaperna  hos  vattenlössningar  af  Lantan-,  Cerium-  och  Thorium-Salter. 

1903.  [Eb  52.] 

Jägerskjöld,  L. : Results  of  the  Swedish  zoological  expedition  in  Egypt  and 
the  White  Nile.  1901.  Part  1.  [Bb  71.] 

Janet , Ch.:  Anatomie  du  corselet  et  histolyse  des  muscles  vibrateurs  apres 
le  vol  nuptial  chez  la  reine  de  la  fourmi.  Hierzu  1 Bd.  Tafeln. 
[Bk  240gg.] 

Janet,  Ch.:  5 Separata  über  Ameisen.  [Bk  240 hh.] 

Jansson,  M.:  Om  värmeledningsförmagan  hos  snö.  1904.  [Ec  110.] 
Josephson,  0.:  Studier  öfver  elastiska  rotationskroppars  deformation.  1896. 
[Eb  55.] 

Koch,  J.:  Den  elektriska  gnistan.  1904.  [Eb  49.] 

Kruckenberq,  J.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  magnetostriktionsfenomenet. 
1907.  [Eb  51.  | 

Kulgren,  C.:  Om  metallsalters  hydrolys.  1904.  [Eb  53.] 

Kylin,  H.:  Studien  über  die  Algenflora  der  schwedischen  Westküste.  [Ce  40.] 
Lagergren,  St.:  Ueber  elektrische  Energieausstrahlung.  1902.  [Eb  57.] 
Langtet,  N.:  Undersökningar  inom  Arthinserien.  1896.  [Ed  85.] 

Lilljeborg,  W.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  Pterycombus  Brama.  Bidrag 
tili  kännedomen  om  Crustaceer  etc.  1865.  [Bb  69.] 


47 


Lilljeborg,  W.:  Öfversigt  af  de  inom  Skandinavien  anträffade  Hvalartade 
Däggdjur  (Cetacea).  2 Hefte.  [Be  36.] 

Lima : Cuerpo  de  ingenieros  de  minas  del  Peru.  — Boletin  50,  53,  56 — 62. 
[Aa  337.] 

Lindfors,  A.:  Linnees  dietetik.  Linneefestschrift,  1907.  [Hb  136.] 
Lindgren,  B.:  Sur  le  cas  d’exception  de  M.  Picard  dans  la  theorie  des 
fonctions  entieres.  1903.  [Ea  66.] 

Lindgren , N.:  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Spongienfauna  des  malayischen 
Archipels  und  der  chinesischen  Meere.  1898.  [Bm  69.] 

Lisell,  E.:  Om  tryckets  inflytande  pä  det  elektriska  ledningsmotständet 
hos  metaller  etc.  1902.  [Eb  62.] 

Lönnberg,  E.\  Caroli  Linnaei  methodus  avium  Sveticarum.  Linneefest- 
schrift, 1907.  [Bf  77.] 

Lönnberg,  E.:  Fortsatta  undersökningar  rörande  Öresunds  djurlif.  1899. 
[Bb  70.] 

Lundberg,  F .:  I.  Approximerad  framställning  af  sannolikhetsfunctionen; 

II.  Äterförksäkring  af  kollektivrisker.  1903.  [Ea  65.] 

Lundquist,  G.\  Undersökning  af  nägra  vätskors  ledningsförmäga  för  värme. 
1869.  [Eb  60.] 

Lundquist,  G.:  Om  friktion  hos  vätskor  och  gaser.  1875.  [Eb  60b.] 
Macdougal,  D.,  Vail,  A.  and  Skull,  G.\  Mutations,  variations  and  rela- 
tionships  of  the  Oenotheras.  Washington  1907.  [Cc  72b.] 
Marpmann,  G.:  Zeitschrift  für  angewandte  Mikroskopie.  Bd.  XIII.  [Ee  17. 
Mattson,  P.:  Contribution  ä la  theorie  des  fonctions  entieres.  1905.  [Ea  59.’ 
Mickaelson,  C.:  Om  Butylalkohol.  [Ed  82.] 

Moklin,  H.\  Undersökningar  öfver  den  ljuselektriska  strömmen.  1907. 
[Eb  56.] 

Monaco'.  Institut  oceanographique.  — Bulletins  109—125.  [Aa  336.] 
Monten,  T.  \ Om  analysis  situs  och  algebraiska  funktioner  af  Hera  oberoende 
variabler.  1901.  [Ea  63.] 

Nordblad,  J.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  Vanadiums  Amfidsalter.  1874. 
[Ed  84.] 

NordensJcjöld,  J.\  Studier  öfver  Molybdensemipentoxid  och  dess  föreningar. 
1903.  [Ed  81.] 

Nyren,  M.\  Försög  tili  bestämming  af  precessionskonstanten  medelst 
ljussvag  stjeror.  1869.  [Ea  67.] 

Odhner,  Th.:  Die  Trematoden  des  arktischen  Gebietes.  1905.  [Bm  66.] 
Paijkull,  C.:  Om  fyndet  af  en  menniskoskalle  i Fyris-äns  fordna  utlopps- 
bassin.  [G  152.] 

Paijkull,  C Undersökningar  om  granater.  [Db  96.] 

Pleijel,  H.\  Beräkning  af  motständ  och  själfinduktion  hos  ledare  omgifna 
med  metallmantel.  1906.  [Eb  66.] 

Paleigh : Elisha  Mitchell  scientific  society.  — Journal,  vol.  XXIII,  no.  3 u.  4; 
vol.  XXIV,  no.  1 — 2.  [Aa  300.] 

Pinman,  E.\  Om  triazol  — bistriazol  — och  tritriazol  föreningar.  1902. 
[Ed  73.] 

Pom:  Onoranze  al  Prof.  Alfonso  Sella.  1908.  [Jb  98.] 

Posander,  FL.:  Studier  öfver  bladmossornas  Organisation.  [Cf  33.] 

Posen,  K.\  Studien  und  Messungen  an  einem  Dreipendelapparate.  1903. 
[Eb  61.] 

Posen,  P : Komet  VI,  1863.  Upsala  1867.  [Ea  68.] 


48 


Rossander,  G.:  Om  gasers  utströmning  genom  kapillärrör  vid  läga  tryck. 
1900.  [Eb  63.] 

Budberg,  T.:  Nägra  bidrag  tili  kännedomen  om  vätskornas  emission  of 
reflexion.  1902.  [Eb  65.] 

Sandström,  J.:  En  Studie  öfver  multiplikatorsfunktionerna  och  deras  inte- 
graler. 1899.  [Ea  71.] 

Scheele,  C.  v.\  Om  Praseodym  och  nägra  af  dess  föreningar.  [Ed  75.] 
Schultz,  H.:  C.  A.  v.  Steinheil’s  justeringsmethod  för  parallaktiska  instru- 
ment  af  egen  construction.  [Ea  70.] 

Schultz,  H.\  Beobachtungen  des  Cometen  II,  1862.  [Ea  70b.] 

Schultz,  H .:  Mars  beobachtet  in  der  Opposition  1862.  [Ea  70c.] 

Schultz,  H .:  Ephemerider  för  Asteroiden  Alexandra  (54),  1862.  [Ea  70d.] 
Schultz,  H .:  Asteroiden-Beobachtungen  1862.  [Ea  70  e.] 

Schultz,  B..:  Härledning  af  element-systemet  V för  asteroiden  Alexandra. 
[Ea  70  f.] 

Schultz,  H.:  Beobachtungen  einiger  Asteroiden  und  der  Cometen  des 
Jahres  1863.  [Ea  70g.] 

Schultz,  H.:  Beobachtungen  von  Nebelflecken  im  Jahre  1873.  [Ea  70h.] 
Settenberg,  G.:  Hvilka  funktioner  äro  representabla?  1900.  [Ea  61.] 
Silven,  N.\  Om  de  svenska  dikotyledonernas  första  förstärkningsstadium  etc. 
1906.  [Cc  78.] 

Smitt,  F.:  Bidrag  tili  kännedomen  om  Hafs-bryozoernas  utveckling.  [Bi  90.] 
Stadelmann,  H.\  Psychopathologie  und  Kunst.  München  1908.  [Ja  98.] 
Sterzei,  J.\  Die  Karbon-  und  Rotliegendenfloren  im  Grofsherzogtum  Baden. 
Sep.  1907.  [Dd  153.] 

Strömholm,  D.:  Om  Sulfin-och  Tetinföreningar.  1899.  [Ed  89.] 

Studier,  botaniska,  F.  R.  Kjellman  gewidmet.  1906.  [Cb  51.] 

Studier,  zoologiska,  Prof.  Tullberg  gewidmet.  [Bb  72.] 

Sturgis,  W.:  The  Myxomycetes  of  Colorado.  1907.  [Ce  39.] 

Sva-nberg,  L.\  Om  nägra  nya  alunarter,  hvaruti  organiska  baser  etc.  [Ed  87. 
Svensson,  A.:  Zur  Kenntnis  des  ventilierten  Psychrometers.  1898.  [Ec  109. 
Swederus,  B.  \ Linnees  Vorlesungen  über  die  Kultur  der  Pflanzen.  Linnee- 
festschrift,  1907.  [Cc  74.] 

Sivederus,  B.\  Linnee  ochVäxtodlingen.  Linneefestschrift.  [Cb  50.] 
Thunberg,  T:  Undersökningar  öfver  de  köld-,  värme-  och  smärtperci- 
pierande  nervändernes  relativa  djupläge  etc.  [Bc  58.] 

Törnquist,  M.:  Linjära  homogena  funktionalekvationer  med  iterade  sub- 
stitutioner  i flera  variabler.  1906.  [Ea  64.] 

Trägardh,  J.:  Monographie  der  arktischen  Akariden.  1904.  [Bl  46.] 
Tullberg,  T.:  Linneporträtt.  [Jb  100.] 

TJpsala:  Botaniska  Sektionen  af  naturvetenskapliga  Studentsällskapet.  — 
Sitzungsberichte,  Jahrg.  II— VII.  [Aa  345.] 

Verbeek,  R.\  Rapport  sur  les  Moluques,  nebst  Atlas.  Batavia  1908. 
[De  249  b.] 

Wahlgren,  A.:  Om  de  singulära  punkterna  tili  differentialekvationer  etc. 
1903.  [Ea  62.] 

Wallin,  H.\  Om  cirkeldelningsekvationen.  [Ea  58.] 

Wiman,  C.:  Ueber  die  Graptoliten.  [Dd  154.] 

Zeipel,  H.  v.:  Recherches  sur  les  Solutions  periodiques  de  la  troisieme  sorte 
dans  le  probleme  des  trois  corps.  1904.  [Ea  74.] 


49 


C.  Durch  Kauf. 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforsch.  Gesellschaft,  Bd.  XXVII, 
Heft  4';  Bd.  XXIX,  Heft  3.;  Bd.  XXX,  Heft  3.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizerische  Altertumskunde,  n.  F„  Bd.  IX,  Heft  3 — 4; 
Bd.  X,  Heft  1-2.  [G  1.] 

Anzeiger , zoologischer,  Bd.  XXII,  No.  14 — 26;  Bd.  XXXIII,  No.  1 — 20,; 
Register  zu  Bd.  XXV — XXX  u.  zu  Bibliographia  zoologica,  Vol.  VIII — XII. 
[Ba  21.] 

Berichte  des  westpreufsischen  botanisch-zoologischen  Vereins.  — Bericht  30. 
[Aa  341.] 

Bronn' s Klassen  und  Ordnungen  des  Tierreichs,  Bd.  II,  Abt.  2,  Lief.  4—6 
(Anthozoa);  Bd.  IV  (Vermes),  Lief.  92 — 117;  Bd.  V,  Abt.  2 (Arthropoda), 
Lief.  80 — 82;  Bd.  VI,  Abt.  1 (Pisces),  Lief.  23—28.  [Bb  54.] 
Centralblatt,  biologisches,  Bd.  XX VIII.  [Aa  344.]  (Vom  Isis -Lesezirkel.) 
Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz : Ueber  Berg  und  Thal,  Jahrg.  1908. 
[Fa  19.] 

Hedivigia,  Bd.  46.  [Ca  2.] 

Heimatschutz,  Sächsischer,  Landesverein  zur  Pflege  heimatlicher  Natur, 
Kunst  und  Bauweise.  — Mitteilungen,  Heft  1 — 3,  und  Satzungen. 
[Fc  147.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenklub,  Jahrg.  43  und  9 Karten.  [Fa  5.] 
Palaeontographical  society,  London.  — Vol.  LVII  u.  LVIII.  [Da  10.] 
Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XIX,  Hft.  2.  [G  112.] 

Prometheus,  No.  947 — 999.  [Ha  40.] 

Wochenschrift,  naturwissenschaftl.,  Bd.  XXIII.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift,  allgemeine,  für  Entomologie,  Bd.  IV  und  Nachdruck  der  Hefte 
1-7  von  Bd.  III.  [Bk  245.] 

Zeitschrift  für  die  Naturwissenschaften,  Bd.  80.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  25.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Jahrg.  XXIV;  Jahrg.  XXV, 
No.  1.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  58.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  66.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  23.  Dezember  1908. 

A.  Richter, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grofse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


* 


Abhandlungen 


der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


ISIS 


in  Dresden. 


1908. 


I.  Der  naturwissenschaftliche  Unterricht  an  den 
höheren  Schulen. 

Denkschrift  der  Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  „Isis“  in  Dresden. 


Dem  hohen  Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  und 
den  hohen  Ständekammern  gestattet  sich  die  Naturwissenschaftliche 
Gesellschaft  Isis  in  Dresden  eine  Reihe  von  Leitsätzen  über  den  natur- 
wissenschaftlichen Unterricht  an  den  höheren  Schulen  vorzulegen  mit  der 
Bitte  um  geneigte  Berücksichtigung  und  Verwertung  bei  künftigen  Be- 
ratungen über  die  Gestaltung  des  höheren  Unterrichtswesens. 

Nachdem  die  hohe  I.  Kammer  bereits  in  Verhandlungen  über  eine  ihr 
vorgelegte  Petition  des  Deutschen  Vereins  für  Schulgesundheitspflege, 
Ortsgruppe  Leipzig,  und  Genossen  um  Einführung  des  biologischen  Unter- 
richts an  den  oberen  Klassen  der  höheren  Lehranstalten  eingetreten  ist, 
hält  es  die  Unterzeichnete  Gesellschaft  für  ihre  Pflicht,  hervorzuheben, 
dafs  und  in  welcher  Weise  hier  am  Orte  in  unseren  naturforschenden 
Kreisen  über  diesen  hochwichtigen  Gegenstand  unserer  Schulbildung  eine 
Richtschnur  zum  Beschlufs  erhoben  worden  ist,  welche  wegen  ihrer  reif- 
lichen Durchberatung  im  gröfseren  Kreise  mindestens  die  gleiche  Beachtung 
verdient  als  von  anderer  Seite  aufgestellte  Leitsätze.  Die  Gesellschaft 
Isis  möchte  mit  dieser  ihrer  Denkschrift  das  zur  Beratung  vorliegende 
Material  nach  mehreren  Richtungen  hin  nicht  unwesentlich  ergänzen, 
besonders  durch  Betonung  des  Bedürfnisses  des  biologischen  Unterrichts 
für  alle  Gymnasialabiturienten. 

Die  Leitsätze  der  Isis  wurden  im  Frühjahr  1907  in  mehreren  Sitzungen 
der  Gesellschaft  beraten  und  festgestellt,  sie  sind  dann  am  21.  Mai  dem 
in  Dresden  tagenden  Verein  zur  Förderung  des  mathematischen  und 
naturwissenschaftlichen  Unterrichts  vorgetragen  worden  und  erschienen 
endlich  in  den  Unterrichtsblättern  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften 
Jahrgang  XIII,  Nr.  3.  Sie  lauten  wie  folgt: 

I.  Für  die  Auswahl  und  Behandlungsart  alles  naturwissenschaftlichen 
Lehrstoffes  ist  nicht  das  Bedürfnis  des  künftigen  Studierenden  der  Natur- 
wissenschaften mafsgebend,  sondern  lediglich  die  Rücksicht  auf  den  kraft- 
bildenden Wert  des  Stoffes,  seine  Wichtigkeit  für  die  Erkenntnis  des 
Naturganzen,  und  in  zweiter  Linie  sein  praktischer  Nutzen  für  den  Menschen. 

II.  Nicht  die  Erwerbung  einer  grofsen  Summe  von  Finzelkenntnissen, 
nicht  die  Vorführung  möglichst  vieler  Naturobjekte  bildet  die  Hauptsache 
des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts;  es  soll  vielmehr  ein  Einblick  in 


4 


die  Lebenstätigkeit  der  Organismen  und  in  die  dynamischen  Vorgänge  in 
der  anorganischen  Natur  dem  Schüler  als  dauernder  geistiger  Besitz  ver- 
mittelt werden. 

III.  Ein  solcher  Einblick  ist  nur  auf  Grund  chemischer  und  physika- 
lischer Kenntnisse  möglich;  daraus  ergibt  sich  die  Notwendigkeit,  dafs 
sowohl  der  mineralogisch-geologische  als  der  zoologisch-botanische  Unter- 
richt bis  auf  die  Oberstufe  neunklassiger  Anstalten  durchgeführt  werden 
mufs.  Es  wird  dabei  vorausgesetzt,  dafs  Physik  und  Chemie  an  den  Real- 
anstalten, ebenso  die  Physik  an  den  Gymnasien  in  ihrem  bisherigen 
Umfange  erhalten  bleiben,  die  Chemie  an  den  Gymnasien  aber  entsprechend 
erweitert  wird. 

IV.  Den  Abschlufs  des  gesamten  biologischen  Unterrichts  mufs  eine 
Betrachtung  der  physiologischen  Vorgänge  mit  besonderer  Berücksichtigung 
des  menschlichen  Körpers  bilden. 

V.  Durch  Beschränkung  des  Tatsachenmaterials  in  der  anorganischen 
Chemie  ist  darnach  zu  streben,  dafs  im  letzten  Kursus  hinreichend  Zeit 
für  Berücksichtigung  der  organischen  Chemie  gewonnen  werde. 

VI.  Ein  voller  Erfolg  des  biologischen  und  geologischen  Unterrichts 
kann  nur  erzielt  werden,  wenn  er  durch  Ausflüge  und  durch  Lösung 
leichter  Beobachtungsaufgaben  zu  einem  Teil  in  die  Natur  selbst  ver- 
legt wird. 

Indem  die  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  Isis  die  vorstehenden 
Leitsätze  einer  geneigten  Berücksichtigung  empfiehlt,  möchte  sie,  wie  schon 
oben  hervorgehoben,  zur  Zeit  besonderes  Gewicht  legen  auf  die  im 
III.  Satze  ausgesprochene  Überzeugung,  dafs  es  eine  dringende  Not- 
wendigkeit ist,  den  zoologisch-botanischen  Unterricht  bis  zur 
obersten  Klasse  aller  höheren  Schulen  fortzuführen. 

Nachdem  im  Laufe  des  vorigen  Jahrhunderts  die  Naturwissenschaften 
in  allen  ihren  Zweigen  einen  ganz  hervorragenden  Aufschwung  genommen 
und  auf  viele  Verhältnisse  des  praktischen  Lebens  einen  erheblichen  Ein- 
flufs  gewonnen  haben,  mufste  schon  längst  derjenige,  der  unter  allgemeiner 
Bildung  die  Fähigkeit  versteht,  an  dem  Kulturleben  der  Gegenwart  ver- 
ständnisvoll teilzunehmen,  zu  der  Überzeugung  kommen,  dafs  alle  Schulen, 
insbesondere  aber  die  höheren,  den  Naturwissenschaften  einen  breiteren 
Raum  als  vorher  bereitstellen  müfsten.  Zum  Teil  ist  das  auch  geschehen, 
jedoch  nicht  in  dem  Umfange,  wie  es  von  Kennern  dieser  modernen  Fächer 
für  notwendig  gehalten  wurde,  weil  die  mafsgebenden  Stellen  sich  nicht 
entschliefsen  konnten,  von  den  Fächern,  die  bis  dahin  die  Gegenstände 
für  den  höheren  Unterricht  abgegeben  hatten,  und  die  sich  infolge  ihrer 
langen  geschichtlichen  Entwicklung  einer  allgemeinen  Wertschätzung  er- 
freuten, einen  entsprechenden  Teil  zu  opfern.  Insbesondere  sind  den 
biologischen  Wissenschaften  die  Oberklassen  der  höheren  Schulen  seit 
Jahrzehnten  verschlossen  geblieben  und  erst  in  neuester  Zeit  ist  die  Ein- 
reihung der  Biologie  unter  die  Lehrfächer  der  Oberstufe  für  einige  höhere 
Schulen  zögernd  und  in  sehr  beschränkter  Ausdehnung  zugestanden  worden. 

Demgegenüber  ist  die  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  Isis  der 
Überzeugung,  dafs  die  biologische  Bildung  heutzutage  so  sehr  zur  all- 
gemeinen Bildung  gehört,  dafs  dieses  Fach  an  keiner  höheren  Schule  in 
den  Oberklassen  entbehrt  werden  kann.  Dafür  seien  im  folgenden  noch 
einige  besondere  Gründe  angeführt. 


5 


Zunächst  bedarf  das,  was  in  den  Unterklassen  bis  einschliefslich 
Unter-  oder  Obertertia  von  der  belebten  Natur  gelernt  worden  ist,  einer 
Auffrischung,  um  nicht  völlig  in  Vergessenheit  zu  geraten  und  damit  für 
das  spätere  Leben  unwirksam  zu  werden. 

Sodann  können  gerade  die  wichtigsten  Lehren  der  Biologie  nur  von 
solchen  Schülern  erfafst  werden,  denen  die  Grundbegriffe  der  Physik  und 
Chemie  nicht  ganz  fremd  sind.  Dahin  gehört  vor  allem  die  physiologische 
Verschiedenheit  in  der  Ernährung  der  Tier-  und  Pflanzenwelt,  welche  ganz 
auf  chemischem  Boden  steht.  Dahin  gehört  die  Abhängigkeit  der  Organismen 
von  äufseren  Bedingungen  in  Klima,  Standort  und  Boden,  und  daran 
schliefst  sich  die  geographische  Verteilung  der  Pflanzen  und  der  Tiere, 
endlich  die  Abhängigkeit  der  Menschen  und  ihrer  Kultur  von  den  durch 
die  Natur  dargebotenen  Bedingungen  ihres  Landes. 

Dazu  gehört  weiterhin  die  Kenntnis  der  physiologischen  Vorgänge  im 
eigenen  Körper,  die  einen  bedeutenden  praktischen  Nutzen  hat.  Durch 
eine  bessere  biologische  Bildung  wird  die  heranwachsende  Jugend  zu  einer 
naturgemäfsen,  gesunden  Lebensweise  erzogen;  sie  befähigt  aber  auch 
dazu,  einerseits  die  Tätigkeit  des  Arztes  richtig  zu  würdigen,  wodurch 
dem  üppig  wuchernden  Kurpfuschertum  der  Boden  abgegraben  werden 
würde,  andererseits  die  Mafsnahmen  zu  verstehen,  die  im  öffentlichen 
Interesse  zur  Plebung  der  Volksgesundheit  verfügt  werden. 

Zum  praktischen  Nutzen  aber  gesellt  sich  auch  der  ideelle  Wert. 
Die  biologische  Wissenschaft  leitet  zu  ästhetischem  Erfassen  und  Geniefsen 
der  Natur  hin  und  bildet  gewissermafsen  eine  Brücke,  die  von  der  Wissen- 
schaft zur  Kunst  hinüberführt.  Die  staunende  Bewunderung  vor  den 
Schönheiten  der  Natur  hat  ferner  auch  einen  Gemütswert,  sie  ist  nahe 
verwandt  mit  religiösen  Empfindungen  und  kann  somit  nur  zur  Veredlung 
der  Menschheit  beitragen.  Es  ist  ein  Fehler,  die  Kenntnisse  von  der 
Natur  und  den  Genufs  ihrer  Schönheit  und  Zweckmäfsigkeit  als  etwas 
verschiedenartiges  aufzufassen. 

Nicht  gering  zu  schätzen  ist  endlich  die  grofse  Theorie  von  der  all- 
mählichen Entwicklung  des  Lebens  auf  der  Erde  aus  einfachsten  Anfängen 
während  ungezählter  Jahrtausende.  Diese  grofsartige  Idee  hat  seit  der 
Mitte  des  19.  Jahrhunderts  einen  gewaltigen  Kampf  der  Geister  auf- 
lodern lassen,  einen  Kampf,  der  nicht  auf  die  Gelehrten  beschränkt 
geblieben  ist,  sondern  die  Weltanschauung  des  Volkes  bis  in  die  untersten 
Schichten  hinein  tiefgehend  beeinflufst  hat.  Dieser  Kampf  ist  in  den 
siebziger  Jahren  auch  der  Anlafs  für  die  Ausschliefsung  der  Biologie  aus 
dem  Lehrplane  der  Oberstufe  geworden.  Aber  was  hat  man  dadurch 
erreicht?  Man  hat  erreicht,  dafs  die  grofse  Mehrzahl  der  Gebildeten 
über  die  wirklichen  und  unumstöfslichen  Grundlagen  der  Entwicklungs- 
lehre im  unklaren  bleibt,  während  doch  anderseits  eine  Hochflut  populärer, 
oft  wahres  mit  falschem  nur  zu  sehr  vermischender  Literatur  über  diesen 
Gegenstand  in  das  Volk  dringt  und  die  gymnasial  Gebildeten,  aufser  den 
Naturforschern  selbst,  völlig  unvorbereitet  trifft.  Wie  schon  angedeutet 
wurde,  hat  die  populäre  Literatur  den  Fehler  an  sich,  Hypothesen  vielfach 
als  gesicherte  Erkenntnisse  hinzustellen,  oder  auch  Schlüsse  zu  ver- 
allgemeinern, die  nur  für  einzelne  Fälle  gelten;  dadurch  ist  vielfach  die 
Weltanschauung  des  Volkes  in  falsche  Richtung  gelenkt  worden.  Hier 
hätten  nun  die  Gebildeten  die  Pflicht,  Führer  des  Volkes  zu  sein  und  es 
von  Irrwegen  wieder  auf  die  richtige  Bahn  zu  lenken.  Der  nicht  biologisch 


6 


Gebildete  ist  dazu  aber  so  gut  wie  niemals  imstande,  er  stebt  solchen 
Irrtümern  in  der  Weltanschauung  waffenlos  gegenüber. 

Ganz  besonders  würden  wohl  die  Geistlichen  oftmals  imstande  sein, 
den  Zwiespalt  zwischen  Wissen  und  Glauben  in  den  Gliedern  ihrer  Ge- 
meinde zur  Versöhnung  zu  bringen,  wenn  sie  selbst  mehr  biologische 
Bildung  besäfsen.  Schon  hat  sich  ein  beachtenswerter  Teil  des  Volkes  in 
Gegensatz  zur  Kirche  gestellt  und  der  Kampf  um  die  Entwicklungslehre 
ist  zu  einem  Kampfe  zwischen  den  Gegnern  und  den  Anhängern  der  Kirche 
geworden,  der  in  neuester  Zeit  zu  weit  umfassenden  Vereinsgründungen 
geführt  hat.  Dieser  Kampf  wTird  nur  dann  zu  einem  für  beide  Teile 
befriedigenden  Ausgleich  kommen  können,  wenn  auch  die  Vertreter  der 
Kirche  ein  Verständnis  gewinnen  für  die  durch  die  Naturwissenschaften 
festgestellten  Tatsachen,  welche  die  Ursache  der  veränderten  Weltanschauung 
so  vieler  geworden  sind.  Einzelne  Theologen  gibt  es  auch  jetzt  schon, 
die  sich  mit  der  Entwicklungslehre  vertraut  gemacht  haben  und  sie 
wenigstens  teilweise  oder  sogar  vollständig  anerkennen. 

Die  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  Isis  gibt  sich  der  Hoffnung 
hin,  dafs  das  hohe  König!  Ministerium  und  die  hohen  Landstände  in  den 
vorstehenden  Darlegungen  den  Beweis  dafür  erblicken  werden,  dafs  mit 
der  Einführung  des  biologischen  Unterrichts  in  die  Oberstufe  aller 
höheren  Schulen  nicht  länger  gezögert  werden  darf  und  dafs  der  dadurch 
erzielte  Nutzen  auf  idealem  Gebiete  den  durch  Beschränkung  eines  anderen 
Faches  — wenn  es  nicht  anders  möglich  sein  sollte  — entstehenden  Nach- 
teil reichlich  aufwiegen  wird.  Sie  verweist  daher  noch  einmal  ausdrücklich 
auf  den  ersten  der  oben  angeführten  sechs  Leitsätze,  wonach  nicht  das 
Bedürfnis  des  künftigen  Studierenden  der  Naturwissenschaften  mafsgebend 
sein  soll,  sondern  die  Rücksicht  auf  die  Wichtigkeit  der  Erkenntnis  des 
Naturganzen  zum  Zwecke  der  Allgemeinbildung,  welche  künftigen  Theologen 
und  Juristen  ebenso  schon  vom  Gymnasium  aus  mit  auf  den  Weg  gegeben 
werden  sollte  wie  denjenigen,  deren  Fachstudium  später  mitten  in  diese 
Dinge  hineinführt. 

Dresden,  den  5.  März  1908. 

Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Der  erste  Vorsitzende:  Kalkowsky. 


II.  Allgemeine  Theorie  der  Wagemanometer. 


Von  Dr.  Paul  Schreiber. 
Mit  Tafel  I. 


In  den  nachstehenden  Zeilen  handelt  es  sich  nur  darum,  in  möglichst 
kurzer  Form  eine  Darstellung  der  Wirkungsweise  der  von  mir  als  „Wage- 
manometer“ bezeichneten  Vorrichtung  zu  geben.  Vor  20  bis  30  Jahren 
habe  ich  mehrere  Arbeiten  hierüber  — namentlich  in  „Carls  Repertorium 
der  Experimentalphysik  usw.“  — veröffentlicht.  Auch  vor  und  mit  mir 
haben  sich  andere  Forscher  mit  der  Frage  beschäftigt,  es  würde  aber  nicht 
möglich  sein,  hier  eine  auch  nur  kurze  geschichtliche  Darlegung  zu  geben 
und  dabei  auf  die  Leistungen  der  einzelnen  Forscher  — wie  Sprung, 
Wild,  Radau,  Secchi  usw.  — einzugehen. 

Auf  Tafel  I habe  ich  eine  Vorrichtung  dargestellt,  in  der  eine  grofse 
Zahl  der  verschiedenen  Formen,  welche  das  Wagemanometer  annehmen 
kann,  als  Spezialfälle  enthalten  sind.  Bei  der  Zeichnung  wurden  alle 
Gröfsenverhältnisse  unberücksichtigt  gelassen,  sie  wurde  so  angelegt,  dafs 
man  aus  ihr  die  folgenden  Formeln  sofort  ablesen  kann. 

Man  denke  sich  links  eine  Glasröhre,  welche  oben  aus  einem  weiten 
Zylinder  (Kammer),  unten  aus  einem  engeren  Rohr  (das  am  unteren  Ende 
aufsen  gut  zylindrisch  ist)  besteht,  an  einem  Wagebalken  aufgehängt.  Es 
ist  dies  die  Manometerröhre.  Die  Drehachse  des  Wagebalkens  liegt  um  £0 
über  der  Nullebene;  nach  der  Zeichnung  zeigt  der  Wagebalken  den  Aus- 
schlag f (positiv  nach  oben).  Die  Manometerröhre  ragt  in  den  Trog 
hinein,  welcher  aus  Eisen  hergestellt  ist  und  oben  aus  einem  sehr  weiten 
Zylinder  besteht,  während  der  untere  Teil  eben  nur  so  weit  zu  sein  braucht, 
als  zur  freien  Bewegung  der  Manometerröhre  nötig  ist. 

Der  Trog  hängt  ebenfalls  an  einem  Wagebalken  und  zwar  soll  die 
Schneide  im  Niveau  des  oberen  Trograndes  liegen,  während  die  Drehachse 
des  Wagebalkens  um  £0  über  der  Nullebene  sich  befindet.  Nach  der  Zeich- 
nung ist  der  Ausschlag  + £.  Durch  den  Trogboden  ragt  eine  Röhre  (Glas 
oder  Eisen)  in  die  Manometerröhre  hinauf.  Die  Fortsetzung  dieser  Zu- 
leitungsröhre nach  unten  mufs  man  sich  sehr  biegsam  und  so  gestaltet 
vorstellen,  dafs  sie  als  konstanter  Teil  des  Troggewichtes  betrachtet  werden 
darf  und  der  Bewegung  des  Troges  kein  merkliches  Hindernis  entgegenstellt. 

Der  Trog  und  der  untere  Teil  der  Manometerröhre  (bis  zur  Höhe  y ) 
enthalten  Quecksilber.  Darüber  befindet  sich  in  der  letzteren  die  „Zwischen- 
flüssigkeit“ (Petroleum  oder  Luft),  welche  durch  die  Zuleitungsröhre  sich 
nach  dem  oberen  Teil  der  „Taucherglocke“  fortsetzt.  Die  Taucherglocke 


8 


steht  im  Wasser.  Die  äufsere  Oberfläche  des  Wassers  befindet  sich  in  der 
Höhe  H0  + H,  die  innere  Oberfläche  (in  der  Glocke  also  die  Grenzschicht 
zwischen  Wasser  und  Zwischenflüssigkeit)  in  der  Höhe  y' . 

Zuerst  wird  es  sich  darum  handeln,  die  Bedingungen  des  Gleich- 
gewichtes des  ganzen  Systems  aufzusuchen. 

Dann  wird  die  Frage  entstehen,  welche  Bewegungen  die  an  den  Wage- 
balken aufgehängten  Teile  des  Wagemanometers  ausführen,  wenn  man  in 
das  Bassin  rechts  Wasser  eingiefst  oder  wenn  Änderungen  im  Luftdruck 
und  der  Temperatur  eintreten.  Man  wird  also  zu  fragen  haben,  ob  es 
möglich  ist,  die  Änderung  in  Stand  H der  Wasseroberfläche  durch  die 
Beobachtung  der  Ausschläge  der  beiden  Wagebalken  zu  bestimmen.  Dabei 
mufs  aber  unterschieden  werden,  ob  als  Zwischenflüssigkeit  eine  inkom- 
pressibele  Flüssigkeit  (welche  leichter  als  Wasser  sein  mufs,  sich  mit  diesem 
nicht  mischen  kann,  keine  chemische  Wirkung  auf  Wasser  und  Queck- 
silber ausüben  darf  usw.)  oder  atmosphärische  Luft  Verwendung  findet. 
Eine  Flüssigkeit,  welche  den  gestellten  Anforderungen  entspricht,  eine 
geringe  Dampfspannung  und  niederen  Erstarrungspunkt  — leider  aber 
starke  thermische  Ausdehnung  — hat,  ist  das  Petroleum.  Es  soll  deshalb 
weiterhin  kurz  nur  von  Petroleum  oder  Luft  gesprochen  werden,  um  das 
lange  Wort  ,, Zwischenflüssigkeit“  zu  vermeiden. 

Zunächst  sollen  die  Bezeichnungen  für  die  in  den  Formeln  auftreten- 
den Gröfsen  festgestellt  werden. 

Da  wir  gewöhnt  sind,  den  Barometerstand  in  Millimetern  Quecksilber- 
säule, Gewichte  aber  in  Grammen  zu  messen,  sollen  als  Längeneinheit  das 
Millimeter,  als  Gewichts-  oder  Mafseneinheit  das  Gramm  betrachtet  werden. 
Es  sollen  also  bedeuten 


y — 13,6  X 10~3  das  Gewicht  von  1 cbmm  Quecksilber  in  Grammen, 
cp  — 10 3 x 0,0735  das  Volumen  von  1 gr  Quecksilber  in  cbmm, 
j/'  = 0,8X  10~ 3 das  Gewicht  von  1 cbmm  Petroleum  in  Grammen, 
y"=  das  Gewicht  von  1 cbmm  Luft  in  Grammen, 
a = y'/y  = Dichte  des  Petroleums  bezogen  auf  Quecksilber, 
g"=  y" Iy=  Dichte  der  Luft  bezogen  auf  Quecksilber. 


Die  Gröfsen  s bedeuten  Spannungen  im  Innern  des  Manometers  und 
der  Glocke  in  Millimetern  Quecksilbersäule.  Die  Gröfsen  Ä,  B , (7,  D,  Ä/, 
JF,  q und  Q sind  die  Gewichte  Quecksilber  in  Grammen,  welche  die  be- 
treffenden Röhren  auf  1 mm  Länge  enthalten  können. 

Man  kann  nun  die  Beziehungen  zwischen  den  aus  Tafel  I ersichtlichen 
Längen  aufstellen.  Dieselben  sind 


I. 


£ + £o  — h + h + x V =wi+  h + ^ 

£ + £o  — h + h + ^ ^ ^ = y — z 

£ + £0  — h + w2Jr  y z — u + + x 

£ + £o  = ^ +^2+  ^ z = rj  X 

y = h'+y'. 


X =&1  -f-  x 
X'=  lb  -f-  x 


Es  sind  dies  11  Gleichungen  mit  16  Variabein,  man  kann  also  durch 
J,  y , z und  yf  sämtliche  Hilfsgröfsen  ausdrücken. 

Die  Spannungen  s haben  den  nachstehenden  Zusammenhang,  wenn 
als  Zwischenflüssigkeit  Petroleum  angewendet  wird, 


9 


81  = g + wto  s"  Ms’  -f-  (y'  — H0 — E)<p  s3  = b1  + t] 

s2  = Sl  + h s"'=  s"+  H<f  s'"=  b2  + H<f 

ss  = *2  + V s'  = si  + h'a  = h + h'a"’  *) 

hieraus  folgt  weiter 

S2  ==  ^1  S ==  ^2’ 
wie  dies  direkt  hätte  abgeleitet  werden  können. 

Tritt  nun  Luft  an  Stelle  des  Petroleums,  so  hat  man  in  den  vor- 
stehenden Formeln  überall  er"  statt  er  zu  setzen.  Das  reicht  aber  eigentlich 
nicht  aus,  man  müfste  streng  noch  die  Spannung  des  Wasser- 
dampfes berücksichtigen.  Hat  die  Vorrichtung  überall  gleiche  Tem- 
peratur und  treten  alle  Änderungen  in  dem  Zustand  der  eingeschlossenen 
Luft  sehr  langsam  auf,  so  bietet  dies  keine  besonderen  Schwierigkeiten, 
wird  aber  sehr  umständlich  bei  raschen  Zustandänderungen  und  starken 
Temperaturverschiedenheiten  in  den  einzelnen  Teilen  der  Vorrichtung. 

Läfst  man  also  der  Einfachheit  wegen  die  Wirkung  des  Wasserdampfes 
unberücksichtigt,  so  kann  man  auch  a"=  0 setzen  und  bekommt 

b1  = b2  = b. 

Somit  erhält  man  als  Druckgleichungen: 

A.  Petroleum. 

s"  = s'  + (xf  — — H)y  = b s'=81  + h'a. 

sm=b  + H(p 

B.  Luft. 

=s'  + (yf  — H0  — H)(f  = b s'  = s. 
s'"  = b+H<p 

Das  Wagemanometer. 

Wenn  man  mit  P1  und  P2  die  Zugkräfte  bezeichnet,  welche  die 
Manometerröhre  und  der  Trog  auf  ihre  Befestigungspunkte  ausüben  und 
wenn  Gt  und  G2  die  Gewichte  der  Röhre  und  des  Troges  allein  bedeuten, 
so  erhält  man  die  folgenden  Gewichtsgleichungen: 

P1  = G±  + B b — Cs  + ( C — A)  (st  + wj  — (B  — A)  ss 

^2  = + (B  — D)  u-\-  (D—B)  {u-\-l^}-\-{B—F)  (s3  + ^1)+P(5  + ^2<r) — Bb. 

Hierzu  ist  folgendes  erläuternd  zu  bemerken.  Die  horizontale  Wirkung 
der  den  ganzen  Apparat  umgebenden  Luft  ist  überall  ausgeglichen.  Be- 
züglich der  vertikalen  Wirkungen  des  Luftdruckes  ist  dies  bei  allen  den 
Teilen  sofort  zu  ersehen,  welche  aufserhalb  des  Zylinders  vom  Querschnitt  B 
sich  befinden.  In  den  Formeln  erscheint  daher  als  + Bb  der  Druck  auf 
die  obere  Fläche  der  Röhre  (nach  unten  gerichtet)  und  als  — Bb  der  nach 
oben  wirkende  Druck  auf  die  untere  Fläche  des  Troges.  Die  Bedeutung 
aller  anderen  Glieder  der  Gewichtsgleichungen  läfst  sich  aus  der  Zeichnung 
mit  leichter  Mühe  erkennen. 

Zur  vollständigen  Feststellung  des  Zustandes  der  Vorrichtung  hat 
man  nun  noch  die  Mafsengleichung  für  das  Quecksilber  nötig. 


s1  = s + W2() 
s9  = s,  4-  h = b 
ss  = b +V 

s1  = s 

s2  = s + h==b 
Ss  — b + V 


*)  Angenähert. 


10 


Mit  M±  soll  das  Gewicht  des  Quecksilbers  bezeichnet  werden,  welches 
von  der  Manometerröhre  umgeben  ist,  während  M2  den  sich  im  Trog 
befindlichen  Teil  und  M das  Gesamtgewicht  bedeuten  sollen. 

Man  erhält  nach  der  Zeichnung 

M1=(C-F)w1  + (A-F)ls 

M2=  (E — D)u  + (D — B)ij  + (. D—F )#, 

M —Eu  + DI.+ ( C—F)w1Jr  (A—F)  (li — w1)—(B—A)  i]—F(u-{-l 1). 

Die  Kombination  der  zwei  Gewichtsgleichungen  mit  diesen  Mafsen- 
gleichungen  ergibt  die  nachstehenden  interessanten  Gleichungen: 

P1  = Grt  + Mt  + F(ls  + w±)  + Cw2a  — B rj 

P2  = Go  -j-  M2  H“  ^l)  ■ — (^o  & 2)  G ~f ' Btj 

P1  + P2=G1  + G2  + M+(  C — F)w2c  + Fd2o. 

Der  Ausdruck  M±-\-F(l9  + w±)  bedeutet  das  Quecksilbergewicht,  welches 
die  Manometerröhre  vom  offenen  Ende  an  bis  zum  Stand  w1  in  der  Kammer 
aufnehmen  kann,  also  einen  Wert,  der  durch  Auswägen  mit  Quecksilber 
gefunden  werden  kann.  Wächst  E,  so  wird  Mt  um  AAfj  kleiner  derart, 
dafs  (F  + A F)  (ls  + w±)  = M± — A M±  sein  mufs.  Cw2a  ist  das  Gewicht 
Petroleum,  welches  die  Kammer  auf  die  Länge  w2  aufnehmen  kann. 

Ob  die  Zuleitungsröhre  in  diesen  Raum  hineinragt  oder  nicht,  wie 
weit  dies  geschieht  und  wie  grofs  F ist,  das  ist  auf  den  Zug  P1  sonach 
ohne  jeden  Einflufs. 

Man  kann  also  die  Gleichung  für  P±  folgendermafsen  durch  Worte 
ausdrücken : 

,,Die  Zugkraft  P±  des  Manometerrohres  am  Aufhängungspunkt  ist 
gleich  dem  Gewicht  der  Röhre  mit  Zubehör  vermehrt  um  das  Gewicht  der 
Flüssigkeit,  welches  die  Röhre  bei  ,F=Null  fassen  könnte,  und  vermindert 
um  den  Auftrieb,  den  das  eingetauchte  massiv  gedachte  Rohrstück  im 
Quecksilber  erfährt.“ 


Was  den  Zug  P2  des  Troges  anlangt,  so  stellt  G2+  M2-\-  Br]  den 
Zug  dar,  den  der  Trog  ausüben  würde,  wenn  die  Röhre  nicht  vorhanden, 
der  Trog  aber  bis  zur  Höhe  u mit  Quecksilber  gefüllt  wäre.  Taucht  aber 
die  Manometerröhre  ein  und  geht  in  derselben  das  Zuleitungsrohr  bis  zur 
Höhe  ?3  + w1  + (w2  — &2)  in  die  Höhe,  so  ist  P2  um  das  Gewicht  der  von 
dem  Zuleitungsrohr  innerhalb  der  Manometerröhre  verdrängten  Flüssigkeit 
(Quecksilber  und  Petroleum)  kleiner. 

Die  Summe  Px  + P2  der  Zugkräfte  ist  — wie  dies  zu  erwarten  war  — 
gleich  der  gesamten  Mafse  des  ganzen  beweglichen  Systems. 

Fehlt  das  Zuleitungsrohr  und  ist  der  obere  Teil  der  Kammer  luftleer 
(oder  auch  nur  mit  sehr  verdünnter  Luft  gefüllt),  so  wird  aus  dem  Wage- 
manometer ein  Wagebarometer;  es  ist 

F — 0 er  ==  0 und 


P1  = G1  + M1  — Bij 
P2  = Go  d-  A/2  “P  Bi] 

p1  + p^  = g1  + g2+m. 

Da  für  Messungen  am  Instrument  die  Variabelen  f,  J,  ?/,  z und  y' 
innerster  Linie  geeignet  sind  und  alle  anderen  in  der  Zeichnung  eingeführten 
Hilfsvariabelen  durch  diese  ausgedrückt  werden  können,  müssen  die  bisher 
gewonnenen  Gleichungen  noch  weiter  umgearbeitet  werden.  Man  erhält 
als  Hauptgleichungen  für  das  Wagemanometer  zunächst 


11 


III A.  P1  = Q —(C—A)  k+  CQt  + lJtr  - [0(1  — a)  - B]X  + C{l—o)y—Bz 
P2  = G2  — (. E-D )lt  — Fl5i 7 - [E~F(\  -o)}  x — F(  1 — o)y+Ez 

P1  + P2=G1  + G2  + M+[C(l,  + l,)-Flb\a+CaX~Fax-{C-F)ay. 

Hierin  erscheinen  statt  £ und  £ noch  X und  x,  die  aber  nur  durch 
(bei  konstanter  Temperatur)  konstante  Werte  verschieden  sind,  wie  dies 
sich  aus  dem  Gleichungssystem  I ergibt.  Hierzu  kommen  nun  noch  die 
auf  die  Wirkungsweise  der  Wagebalken  bezüglichen  Gleichungen.  In  der 
Figur  sind  dieselben  als  gerade  Hebel  mit  je  zwei  gleichlangen  Armen  dar- 
gestellt, wie  sie  — wenigstens  in  gleichwirkender  Weise  — vielfach 
praktisch  Verwendung  finden. 

Die  Gegengewichte  771  und  II 2 müssen  dann  P1  resp.  P2  gleich  sein, 
wenn  Gleichgewicht  stattfinden  soll. 

Man  kann  aber  die  Wagebalken  auch  so  einrichten,  dafs  II1  und  ü2 
Funktionen  von  £ resp.  £ sind,  dann  wird  also  Gleichgewicht  stattfinden, 
wenn 


III  B. 
sind. 


Es  sind  dies  5 Gleichungen  mit  den  Variabelen 
P±  P2  X — £ + Konst.  x = £ + Konst.  y und  z, 

man  braucht  also  nur  eine  dieser  Variabelen  zu  kennen,  um  den  Zustand 
des  Instrumentes  bestimmt  angeben  zu  können.  Aus  den  Gleichungs- 
systemen I und  III  kann  man  durch  Differentiation  die  Bewegungs- 
gleichungen ableiten.  Bleibt  die  Temperatur  unverändert,  so  können  alle 
Dimensionen  und  spezifischen  Gewichte  der  Flüssigkeiten  (mit  Ausnahme 
der  Luft)  als  konstant  angenommen  werden.  Man  erhält  aus  I 

dx  = dX'  — d£  dh  = dy  — dz  dh'=dy  — dy 

dX  = d£  du  — dz  — d£ 

• dw1—~dw2  = dy — d£  dy  = dz — d£ 
d\X1==  d&2=  d£  — d£ 

und  aus  III A und  IIIB  für  Petroleum 


dP1  = -[C{l—a)  — B}d£  + 0(1— o)dy  — Bdz 
dP2=  m-[F—F(l—aJ]d£  — F(l  — o)dy  + Fdz 

dP±+  dP2  = + Cad£  — Fad£  — (C-F)ady 

dn±=  dPx=  — K1d£ 
dl. I2=  dP2—  — K2d£. 

Die  Auflösung  der  letzten  5 Gleichungen  liefert  die  Ausdrücke  für 

d£  dy  dz  , , dy  , dz 

Tc\  5P.  M'  alsoauch  dl  und  sr 

Sind  die  mit  und  X2  bezeichneten  Differentialquotienten  dnjd£ 
und  dü2/d£  voll  oder  nahezu  konstant,  so  erhält  man  für  die  obigen 
Differentialquotienten  Ausdrücke,  in  denen  nur  konstante  durch  Beob- 
achtung gegebene  Gröfsen  auftreten,  die  also  sofort  integrabel  sind.  Anders 
wird  dies  aber,  wenn  Kt  und  K2  als  Funktionen  von  £ resp.  £ auftreten 
oder  auch  die  Kammer  der  Manometerröhre  wesentlich  von  der  voraus- 
gesetzten Zylinderform  abweicht. 

Hat  man  also  die  Stellungen  £t  und  £2  des  oberen  Wagebalkens  be- 
obachtet und  kennt  die  zu  £1  gehörigen  Werte  £v  y1  und  zv  so  erhält 
man  meist 


12 


^2=  ?i+  Konstj  (f2— fj) 

y2=  Vi  + Konst.g  (f2  — 

^2=  + konst.g  (?2  — fj). 

Mit  diesen  Gleichungen  kann  man  die  Gleichungen  für  die  Hilfsgröfsen, 
deren  jede  eine  besondere  Bedeutung  hat,  aufstellen. 

Unter  diesen  tritt  die  Hilfsgröfse  h — y — z hervor,  welche  durch  die 
Gleichung 

h2  — ^1  = (Konst.2 — Konst.3)  (£2—  h1=y1  — z1 

gegeben  ist.  Bei  den  gewöhnlichen  Manometern  wird  h gemessen,  es  gibt 
die  Gröfse  s1=b  — h , also  die  Spannung  im  Innern  der  Vorrichtung,  mit 
der  das  Manometer  in  Verbindung  steht,  an  der  Stelle  der  inneren  Kuppe 
des  Quecksilbers  an.  Hierdurch  wird  der  Name  „Wagemanometer“  für 
das  auf  Tafel  I dargestellte  Instrument,  gleichgültig  zu  welchen  Zwecken 
es  dient,  gerechtfertigt. 

Wenn  als  Zwischenflüssigkeit  Luft  verwendet  wird,  so  gestalten  sich 
die  Gleichungen  einfacher  und  ergeben 

dP1  = — (C—B)d£  -\-Cdy  — Bdz 

dP2  — — (E — F)d£ — Fdy-\-Edz 

dP±  + dP2  = Null 
dP1==-^-K1d£ 
dP2  = — K2  d§. 

Wenn  man  nun  auf  das  Gleichungssystem  II  übergeht  und  dieses 
differenziiert,  so  erhält  man 


A.  Petroleum. 


ds1—  ds  -f-  a dw2 
ds2=  ds1  -j-  dh  = db 
dSg===:  db  — j—  d Tj 

ds1=  ds 

ds2=  ds  4-  dh  — db 
dss=  db-\-  drj 
wozu  noch 


ds"  = ds'  -j-  (p  dyr  — (f  dH  = db 
ds"'=  db  (f  dH 

B.  Luft. 

ds"  = ds'  -\-  (f  dy' — (f  dH  — db 
ds'"  = db  4-  <p  dH 


dh'  = dy  — dy' 

nach  den  Gleichungen  I kommt.  Hieraus  ergibt  sich 


ds'  — ds1  -j-  er  dh' 


A.  Petroleum. 


B.  Luft. 


ds  = db  + dz  — (1 — a)  dy  + a d£  ds  = db  — dh 

ds'  = db  -j-  dz  — (1 — <r)  dy  — dy'  ds'  = db  — dh 

dH—  ydz  — (y  — /)  dy  + (1  — Y)  dy'  dH—  — ydh  -f-  dy'. 

Während  also  ds  durch  Barometer  und  Manometer  vollständig  gegeben 
ist,  erfordert  dH  und  bei  Petroleum  auch  ds'  die  Kenntnis  von  dy'. 

Um  dieses  zu  finden,  mufs  auch  für  die  Zwischenflüssigkeit  eine  Mafsen- 
gleichung  aufgestellt  werden. 


A.  Petroleum. 

M'  sei  das  Gewicht  des  ganzen  im  Apparat  vorhandenen  Petroleums, 

Mo'  der  konstante  Teil  desselben  in  der  Zuleitungsröhre.  Dann  ist 
IV  A.  M'=M0'+  Cöw2—~  Fa  (w2 — ^2)  qa  (Z7  — y')*) 

*)  /7  wurde  in  der  Zeichnung'  vergessen,  es  bedeutet  den  Abstand  des  oberen  • 
Endes  der  Taucherglocke  von  der  Nullebene. 


13 


B.  Luft. 

Das  Gewicht  von  1 cbm  Luft  in  Kilogrammen  bei  s mm  Spannung 
und  der  absoluten  Temperatur  T ist 

/,=  WT  kgr/cbm- 

Wir  haben  hier  als  Volumeinheit  das  cbmm  und  als  Gewichtseinheit 
das  Gramm  eingeführt.  Setzt  man  also 

B = 2,153  X 10 + 6, 

so  wird 

s 

y'f=  j,  Gramm  pro  cbmm 

sein.  Näheres  hierüber  findet  man  in  meiner  Vorarbeit  zum  Jahrbuch  1903 
der  K.  S.  Landeswetterwarte. 

Wird  das  Volumen  der  Luft  im  Apparat  mit  v bezeichnet,  so  ist 


IV.  M'=  .p  m das  Gewicht  dieser  Luft. 

Jti  1 

Bezeichnet  v0  das  Volumen  der  Zuleitungsröhre,  so  ist 

v = v0+Ccpw2— F(f  (iv2—  #2)  + qg>(l7  — y’) 
und  man  erhält 

IVB.  M'=^T  {vo  + C(f^2-F<f(iv2- #2)+q<p(l,—y')y 


Die  Formeln  IV  A und  IV  B können  einer  wesentlichen  Umarbeitung 
unterzogen  werden. 

Wenn  man  nämlich  das  Gewicht  Mf  durch  das  Gewicht  der  Zwischen- 
flüssigkeit, welche  in  1 Millimeter  der  Taucherglocke  enthalten  sein  kann, 
dividiert,  so  erhält  man  die  Höhe  L des  Zylinders  vom  Querschnitt  der 
Taucherglocke,  in  welchem  die  ganze  Menge  M'  der  Zwischenflüssigkeit 
untergebracht  werden  kann.  Es  ist 


VA. 

VB. 


L = bei  Petroleum. 

qa 

BT 


L = 


s 


M' 

qg) 


bei  Luft. 


Wird  aufserdem  noch 


VI. 


gesetzt,  werden  also  mit  q und  q ' die  Verhältnisse  der  Querschnitte  der 
Kammer  und  der  massiv  gedachten  Zuleitungsröhre  zu  dem  Querschnitt 
der  Taucherglocke  bezeichne^  so  erhält  man  die  für  alle  Arten  der 
Zwischenflüssigkeit  gemeinsame  Formel 


V.  L = i0+  qw2 — (/  (w2—&2)  + l y'. 


Man  hat  hierbei  aber  nur  noch  zu  beachten,  dafs  bei  Petroleum  L 
eine  Konstante  ist,  so  lange  sich  die  Temperatur  nicht  wesentlich  ändert, 
bei  Luft  aber  L als  Funktion  von  s und  T auftritt. 


14 


L0  ist  aber  auch  bei  Luft  als  Konstante  v0/q<p  zu  betrachten.  Die 
Differentiation  ergibt 

VII.  dy'=  qcIw2 — q'd  (w2 — #2)  — dL  = qd£  — Qfd£  — (q—q')  dy  — dL. 

Hierin  ist  weiter  nach  II,  sowie  V A und  V B 
bei  Petroleum  dL  = 0, 

bei  Luft  dL  = — — ds  = — — db  + — dh. 

S S S 

Man  erhält  also 


A.  Petroleum. 

VII  A.  dy'=Qd£ — q' d£  — (q—  q')  dy, 


B.  Luft. 

VII B.  dyf  = — db  qd£ — Q'd'g — ( Q~q')dy — — dh, 

s s 

und  damit  schliefslich 

A.  Petroleum. 

VIII  A.  — 

B.  Luft. 

VIII B.  dH=  Qdt; - Q'dS  + (y+  |)  dz  - {y  + ^ + (e-?')} dy  + ^ db. 
Damit  ist  die  Aufgabe  noch  nicht  völlig  gelöst. 

Es  war  angenommen  worden,  dafs  die  Bewegung  durch  Eintreten  von 
Wasser  in  das  Bassin  bedingt  wird  und  die  Aufgabe  gestellt  worden,  diese 
Menge  zu  bestimmen. 

Auch  für  das  Wasser  im  Bassin  läfst  sich  eine  Mafsengleichung  auf- 
stellen, welche  die  sehr  einfache  nachstehende  Form  annimmt: 

IX.  M"=(Q-q)<pH  + q'p  (y'-H-H,). 

Wie  man  sieht,  ist  hierbei  das  Gewicht  des  von  dem  Mantel  der 
Taucherglocke  verdrängten  Wassers  — was  meist  zulässig  sein  wird  — 
vernachlässigt  worden. 

Dividiert  man  M"  durch  ( Q — q)  (p,  und  setzt 

M"  q _ „ 

^ ( Q~q)<f  Q~q  P ’ 

so  wird  [jl  die  Höhe  bedeuten,  welche  das  ganze  in  dem  Apparat  befind- 
liche Wasser  in  dem  Baum  vom  Querschnitt  ( Q — q)  cp  haben  würde,  während 
q"  das  Verhältnis  des  Querschnittes  der  Taucherglocke  zu  dem  des  Raumes 
aufserhalb  derselben  im  Bassin  darstellt.  Man  erhält  dann: 

IXa.  p = H+  q"  = (!-<>")  H+  Q"  y'-Q"  H0, 

X.  dy  = (l—Q")dH+Q"dy'. 

In  diese  Gleichung  hat  man  dann  die  unter  VII  und  VIII  gefundenen 
Ausdrücke  für  dy ' und  dH  einzusetzen. 

Es  wird  sich  nach  der  vollen  Lösung  der  gestellten  und  möglichst 
allgemein  gehaltenen  Aufgabe  nunmehr  noch  darum  handeln,  mit  tunlichster 
Kürze  eine  Übersicht  der  verschiedenen  Zwecke  zu  geben,  denen  die  Wage- 
manometer dienen  können,  und  zu  zeigen,  wie  dies  geschehen  kann. 


15 


Vorher  ist  aber  festzustellen,  dafs  es  keinen  Zweck  haben  würde,  wenn 
man  — wie  dies  bisher  angenommen  worden  war  — die  Manometerröhre 
und  den  Trog  beweglich  anordnen  wollte,  da  die  Bewegung  beider  in 
gesetzmäfsigem  Zusammenhang  steht.  Man  wird  also  entweder  nur  die 
Bohre  oder  nur  den  Trog  beweglich  einrichten,  den  anderen  Teil  aber 
festklemmen  und  es  werden  hierbei  nur  die  Gründe  der  Zweckmäfsigkeit 
in  Frage  kommen.  Die  Einrichtung,  welche  man  dem  Wagebalken  geben 
kann,  läfst  sich  sehr  verschieden  treffen.  Es  soll  angenommen  werden, 
dafs  das  Gewicht  77,  welches  an  der  Stelle  wirkt,  wo  Manometerröhre  oder 
Trog  befestigt  werden,  durch  die  Gleichung 

II  = TI0  — Kl,  oder 

n = n0  — K% 

gegeben  ist,  und  es  wird  dabei  festgestellt,  dafs  die  Konstante  K den 
Wert  Null  annehmen  darf  und  auch  negativ  werden  kann. 

I.  Das  Wagebarometer. 

Denkt  man  sich  in  Tafel  I Wasserbassin,  Taucherglocke  und  Zulei- 
tungsröhre weggelassen  und  nimmt  an,  dafs  der  Baum  w2  vollständig  luft- 
leer sei,  so  erhält  man  ein  Wagebarometer. 

Gewöhnlich  hat  man  bisher  die  Bohre  beweglich  eingerichtet.  Setzt 
man  in  den  Gleichungen  III  F = 0,  a = 0 und  auch  s — 0,  so  wird 

dh  — dl) 

und  man  erhält  streng 

0 dl)  _ (. E + C—B)  K — E ( C—B) 

dt~  EC 

Genau  denselben  Ausdruck  bekommt  man  für  db/d£,  wenn  die  Bohre 
festgehalten  und  der  Trog  beweglich  gemacht  wird,  nur  erhält  er  das 
entgegengesetzte  Vorzeichen. 

Die  Formel  2 läfst  sich  hinreichend  genau  schreiben 

db  ( K+B)—C 

d£~  C 

wenn  EC  als  sehr  grofs  gegen  K (C — B)  betrachtet  werden  darf,  was  man 
bei  der  Konstruktion  der  Wagebarometer  leicht  erreichen  kann.  Man  er- 
hält dann  in 

dt  _ C 

db  (. K+B)  — C 

einen  Ausdruck,  welcher  als  die  Bewegungsgröfse  bedingt  durch  den  Anstieg 
des  Barometerstandes  um  1 mm  bezeichnet  werden  kann.  Es  ergibt  sich 
daraus,  wie  man  die  drei  Gröfsen  AT,  B und  C zu  wählen  hat,  um  eine 
gewünschte  Bewegungsgröfse  zu  erreichen.  Diese  wird  im  allgemeinen 
mit  dem  Durchmesser  der  Kammer  wachsen;  aber  einen  noch  gröfseren 
Einflufs  hat  die  Differenz 

(K+B)~c. 

So  lange  diese  positiv,  also 

(Z+B)>C 

ist,  wird  die  Bohre  bei  steigendem  Barometerstand  sinken.  Ist 

K+B=C, 


16 


so  bringt  die  geringste  Schwankung  im  Barometerstand  eine  unendlich 
grofse  Bewegung  der  Bohre  hervor,  während  die  Bohre  mit  dem  Luft- 
druck steigt,  wenn 

K+B<C 

ist.  Untersucht  man  diese  Angelegenheit  näher,  so  findet  man,  dafs  der 
Gleichgewichtszustand 

stabil 

indifferent  ist,  wenn  K B = C 
labil 

gewählt  wird,  also  nur  im  ersteren  Fall  die  Bohre  bei  einem  gegebenen 
Barometerstand  sich  in  der  durch  die  Gleichung  2 gegebenen  Stellung 
erhalten  kann.  Das  Instrument  mufs  sonach  so  eingerichtet  werden,  dafs 
die  Bohre  bei  steigendem  Barometerstand  sinkt. 

Ist  K = Null,  hat  man  also  vielleicht  die  Bohre  an  einer  leicht  beweg- 
lichen Bolle  mit  konstantem  Gegengewicht  aufgehangen,  so  mufs  der  äufsere 
Durchmesser  des  in  das  Quecksilber  tauchenden  Bohrstückes  (B)  gröfser 
als  der  Durchmesser  der  Kammer  sein.  Am  einfachsten  erreicht  man  dies, 
wenn  man  C = A macht,  also  ein  gleichweites  zylindrisches  Bohr  anwendet. 
Hierbei  kommen  aber  noch  andere  Erwägungen  in  Frage.  Die  Wage- 
manometer sind  bisher  nur  zur  Begistrierung  des  Luftdruckes  eingerichtet 
worden,  wozu  sie  sich  besonders  eignen,  viel  besser  als  alle  anderen 
Barometerformen.  Das  Gleiten  des  Schreibstiftes  auf  dem  Papier  erfährt 
einen  gewissen  Widerstand,  der  durch  die  bewegende  Kraft  der  Luft- 
druckänderung überwunden  werden  mufs.  Nimmt  man  bei  der  Differen- 
tiation der  etwas  abgeänderten  Gewichtsgleichungen  d£  = 0 an,  so  erhält 
man  für  die  bewegende  Kraft  folgende  Formel: 

dP1_  C ■ _r 

db  ~ c—b- 

+ E 

Das  Instrument  wird  also  um  so  kleinere  Fehler  bei  der  Begistrierung 
der  Luftdruckschwankungen  — soweit  nur  die  Beibungswiderstände  zwischen 
Schreibstift  und  Papier  in  Frage  kommen  — machen,  je  gröfser  der  Durch- 
messer der  Kammer  ist.  Um  Quecksilber  zu  sparen,  gibt  man  der  Kammer 
nur  die  absolut  nötige  Länge  und  macht  dann  den  unteren  Teil  der  Bohre 
möglichst  eng.  Jedoch  kann  man  auch  in  diesem  Fall  durch  Ankitten 
eines  genügend  langen  Zylinders  aus  Stahl  oder  Eisen  die  Bedingung  B > C 
erreichen.  Dies  führt  noch  auf  eine  weitere  Frage,  die  hier  wenigstens 
gestreift  werden  möchte.  Wie  bereits  erwähnt  wurde,  treten  Bewegungen 
im  Instrument  auch  durch  Temperaturänderungen  ein  und  werden  haupt- 
sächlich durch  die  Ausdehnung  der  Flüssigkeiten  bedingt.  Da  eine  exakte 
Untersuchung  des  Temperatureinflusses  nur  bei  Instrumenten,  deren  Ein- 
richtung in  allen  Einzelheiten  genau  bekannt  ist,  stattfinden  kann  und 
selbst  eine  überschlägliche  Ermittelung  derselben  ziemlich  viel  Bechnung 
erfordert,  wurde  diese  Frage  hier  beiseite  gelassen.  Da  aber  bei  den  ! 
registrierenden  Barometern  der  Temperatureinflufs  von  besonderer  Be-  j 
deutung  ist,  sollen  hier  die  Hauptsachen  eingeschaltet  werden. 

Es  macht  dies  nötig,  auf  den  Fall  einzugehen,  bei  dem  in  der  Kammer 
sich  Luft,  wenn  auch  von  nur  sehr  kleiner  Spannung  befindet.  Die 
Gleichung  2 ist  dann  zu  schreiben 


17 


dh  _ (E  + C—B)  K — E{C — B) 
d£~~  EC 


Konst., 


da  K als  konstant  vorausgesetzt  wurde.  Die  hieraus  folgende  Gleichung 

h = h0  — Konst,  f — b — s 

ergibt  also  durch  h die  Differenz  zwischen  dem  Luftdruck  b und  der 
Spannung  s der  in  der  Kammer  sich  noch  befindenden  Luft.  Ist  v0  das 
Volumen  der  Kammer,  so  ist  das  Volumen  der  Luft 

v0 — C(fivv 

worin  w1  nach  dem  Gleichungssystem  III  als  lin  eare  Funktion  von  f — wie  h — 
dargestellt  werden  kann.  Ist  weiter  r das  Gewicht  der  Luft  in  der  Kammer, 
so  bekommt  man  nach  IV 

r.n.T 

s== 

v0  — C (f  iv1 

und  kann  somit  für  jeden  Wert  von  f den  zugehörigen  Barometerstand 
nach  der  Formel 


berechnen. 


b ===  h -j-  s 


Wenn  nun  das  Instrument  bei  dem  Barometerstand  b und  der  Tem- 
peratur 0°  C.  (T=  273)  einen  bekannten  Zustand  hat  und  man  erwärmt 
dasselbe  bei  unverändertem  Luftdruck,  so  tritt  eine  nach  der  Formel 

k_c_~bk 

^ E K* 

dt  (i  + £=**)  k-(c-b) 

zu  berechnende  Bewegung  ein.  Hierin  sind  K±  und  K2  zwei  Koeffizienten, 
welche  von  6,  s und  den  Instrumentalkonstanten  abhängen.  Läfst  man 
die  Ausdehnung  der  festen  Bestandteile  unberücksichtigt  und  bezeichnet 
den  Ausdehnungskoeffizienten  -des  Quecksilbers  mit  «,  so  erhält  man 


Es  ist  nun  klar,  dafs  man  dem  Wert  s durch  passende  Wahl  von  JT 
jede  beliebige  Gröfse  geben  kann.  Man  kann  es  also  auch  einrichten,  dafs 

A-  C-B 

l~  E 2 

ist,  in  welchem  Fall  dann 

^ = Null 

dt 

wird,  im  Instrument  also  alle  Temperatureinflüsse  „kompensiert“  sind. 

Allerdings  setzt  die  praktische  Anwendung  dieser  Methode  ein  so 
grofses  Volumen  des  Luftraumes  der  Kammer  voraus,  dafs  s bei  allen 
vorkommenden  Barometerständen  nahezu  denselben  Wert  behält,  was  aber 
sich  bequem  und  hinreichend  genau  erzielen  läfst. 

jj 

Da  — -g—  meist  sehr  klein  ist,  kann  als  Kompensationsbedingung  auch 

K}—  Null 


18 


betrachtet  werden.  Ist  die  Barometerröhre  gleichweit,  also  ist  C=A, 
so  ist  nach  Seite  10 

Pt—  G1=M1—Bri=C{li  + rj)  — Brl- 

Somit  wird 

K \ = {ch+Cs  - Ch-\-(B — C)rj\  a-  C~-  ■ 

Wenn  in  diesem  Fall  das  Barometer  vollständig  luftleer  ist,  hat  man 
s = Null  zu  setzen  und  erhält 

worin  (B — C)rj  das  Gewicht  des  von  dem  eingetauchten  Rohrstück  ver- 
drängten Quecksilbers  bedeutet. 

Ist  die  Barometerröhre  sehr  dünnwandig  und  taucht  sie  nur  wenig 
in  das  Quecksilber  des  Troges  ein,  so  ist  also  K±  sehr  klein  und  das 
Barometer  sehr  nahe  kompensiert.  Dies  hat  Veranlassung  zur  Konstruktion 
des  Sprungschen  Laufgewichtsbarographen  gegeben  und  wird  als  dessen 
Hauptvorzug  bezeichnet. 


II.  Das  Wagemanometer  für  Gasdruck. 

Läfst  man  in  Tafel  I nur  das  Wasserbassin  weg,  nimmt  an,  dafs  die 
Taucherglocke  geschlossen  sei  und  nur  Luft  oder  irgend  ein  anderes  Gas 
enthalte,  so  wird  im  Innern  der  Glocke  oder  jetzt  des  Luftgefäfses  (Rezipient) 
die  Spannung  s herrschen  und  es  wird 

s = b — h 


sein.  Die  Gröfse  von  b liefert  das  Barometer  und  den  Wert 

h = h0- f-  Konst,  f 

das  Wagemanometer.  Die  Konstante  ist  bestimmt  durch 

q TZ  , äh  K[E-\-C—B — F]  —(C — B){E—F) 

3.  Konst.  = M=~  ^ C(E-F)-F(C-B)  A . 

Man  erkennt,  dafs  der  Ausdruck  3 mit  dem  Ausdruck  2 identisch 
wird,  wenn  man  (in  3)  F = 0 setzt. 


III.  Das  Wagemanometer  als  Luftthermometer. 

Kennt  man  das  Gewicht  r der  Luft  in  dem  abgeschlossenen  Luftraum, 
mit  dem  das  Wagemanometer  in  Verbindung  steht,  so  kann  man  aus  der 
Spannung  s und  dem  Volumen  v die  Temperatur  ableiten.  Man  erhält 
nach  IV 

v=v0-\-  C(pw2—  Fcp(w2—d'2)  + 

rn VS 

r.R 

Die  hier  auftretenden  Gröfsen  iv2  und  ( w2 — #2)  sind  lineare  Funktionen 
von  f,  welche  nach  den  Gleichungen  I oder  III  bestimmt  werden  können. 
Ist  die  Temperatur  nicht  in  allen  Teilen  des  Apparates  dieselbe,  so  hat 
man  v in  mehrere  Teile  zu  zerlegen.  Wenn  z.  B.  die  Temperatur  des 
Manometers  Tv  die  mittlere  Temperatur  in  der  Zuleitungsröhre  T2  und 
die  Temperatur  in  der  Glocke  T wäre,  so  würde  Formel  IV 

rR  = s | % | gyU 

L 2^1  T J 


19 


zu  schreiben  sein.  Meist  wird  es  dann  der  Wert  T sein,  um  dessen  Be- 
stimmung es  sich  mit  Hilfe  des  Wagemanometers  handelt,  Tx  und  T2 
müssen  auf  andere  Weise  ermittelt  werden. 


IV.  Wagemanometer  als  Wassermesser. 


Bei  den  folgenden  Einrichtungen  soll  angenommen  werden,  dafs  das 
Manometerrohr  aus  einem  einfachen  zylindrischen  Rohr  — welches  am 
besten  aus  Stahl  (Mannesmannröhre)  gemacht  wird  — besteht  und  dafs 
dieses  Rohr  festgehalten  wird. 

Der  Trog  wird  beweglich  eingerichtet. 

Da  aber  dann  die  Zuleitungsröhre  durch  den  Trog  kaum  zu  brauch- 
baren Konstruktionen  führen  dürfte,  soll  weiter  angenommen  werden,  dafs 
die  Zuleitung  nach  dem  Manometerrohr  geführt  wird  und  an  der  Stelle 
A'=Z5- \-x  einmündet.  Dieses  Zuleitungsrohr  bildet  dann  eine  konstante 
Erhöhung  des  Gewichtes  0±  und  in  den  Formeln  III  ändert  sich  weiter 
nichts,  als  dafs  man 

dV  ~ 0,  d&2  = 0,  d£  = 0 und  F=  0 

zu  setzen  hat. 

Es  kann  nun  weiter  angenommen  werden,  dafs  bei 


ist,  was  auch 


h = 0 § = 0 


ergibt.  Dann  erhält  man 

V = V o + 


yo=  £o 

BE+{E—B)K t 
EC  § 


a i E — K. 

4.  z = y0+  — g— £ 

7,  K{E+C-B)-E(C-B)y 
. EC 

wobei  bemerkenswert  ist,  dafs  diese  Formeln  für  alle  Zwischenflüssig- 
keiten gelten.  Weiter  möchte  hier  noch  kurz  bemerkt  werden,  dafs  h bei 
Minder  druck  positiv  gerechnet  wurde  und  bei  Überdruck  negativ  erscheint, 
es  sinkt  dann  die  Quecksilberkuppe  in  der  Röhre  unter  das  Niveau  im  Trog. 

Wassermessungen  selbst  können  sehr  verschiedenartig  sein.  Zuerst 
kann  man  das  in  der  Zeichnung  vorausgesetzte  Wasserbassin  beibehalten. 
Dasselbe  kann  höher  oder  tiefer  liegen  als  das  Wagemanometer.  Während 
es  beliebig  hoch  gestellt  werden  kann  und  dies  nur  erfordert,  dafs  man 
die  Röhre  und  den  unteren  Trogteil  genügend  lang  macht,  ist  der  An- 
ordnung unter  dem  Wagemanometer  bei  Petroleum  eine  durch  die  Gröfse 
des  Luftdruckes  (zirka  12  m im  günstigsten  Fall)  bedingte  Grenze  gesetzt, 
obwohl  auch  hier  man  sich  helfen  könnte.  Man  wird  also  zunächst  an 
einen  der  Wasserbehälter  denken  können,  wie  sie  bei  allen  Wasserleitungen, 
Wasserstationen  für  die  Lokomotiven,  in  chemischen  und  anderen  Fabriken 
usw.  Vorkommen.  Der  Apparat  soll  dann  das  zu-  und  abgehende  Wasser 
angeben  und  zwar  dadurch,  dafs  er  alle  Schwankungen  in  der  Höhe  H 
des  Wasserspiegels  durch  das  Wagemanometer  registriert. 

In  solchen  Fällen  wird  man  als  Zwischenflüssigkeit  zwar  stets  Luft, 
aber  nur  selten  Petroleum  anwenden  dürfen.  Meist  wird  man  als  Zwischen- 
flüssigkeit direkt  das  Wasser  wirken  lassen  können. 

** 


20 


Dann  hat  man  in  Formel  VIII A y'=l  zu  setzen.  In  dieser  Formel 
und  aufserdem  in  Formel  VII A wird  weiter 

d£  = 0 q'=  0,  sodafs  diese  und  Formel  X in  der  Gestalt 

dyf  = — qdy 

dH—  ydz  - — (y  — 1)  dy 

dp  = (1  q")  dH+  q"  dyf. = (1  - f)dH  — qfdy 

erscheinen.  Hierin  ist  also 


QQ"  = 


G 


Q-r 

Da  es  in  diesem  Fall  keinen  Sinn  haben  würde,  eine  weite  Taucher- 
glocke in  das  Bassin  einzustellen,  sondern  hierzu  ein  einfaches  enges  Rohr 
ausreicht,  und  auch  Q meist  sehr  grofs  gegen  C sein  wird,  kann  man 
q"=qq"  = 0 setzen  und  erhält 

dy  = dH  = ydz  — (y  - 1)  dy , woraus 
I M — ,«0=  H — Hü=y{z-  y0)  -(y-l)  (y-  y0) 

folgt. 

Wenn  also  (Q — q)  (p  — der  Querschnitt  des  Bassins  — mit  F bezeichnet 
wird  und  G das  Gewicht  des  in  das  Bassin  geflossenen  Wassers  bedeuten 
soll,  so  hat  man 

Q=F(H-  H0)=F{r{z~y0)-  {y-l)(y -yS)  = Konst,  x 

Der  Wert  der  Konstanten  bestimmt  sich  aus  dem  Gleichungssystem  4. 


V.  Das  Wagemanometer  als  Regenmesser. 

Wenn  man  das  Bassin  so  einrichtet,  dafs  es  das  Regen wasser  von 
einer  möglichst  grofsen  Auffangefläche  aufnimmt,  so  wird  die  Einrichtung 
unter  IV  auch  als  Regenmesser  verwendet  werden  können. 

Derartige  Einrichtungen  sind  bereits  mehrere  in  Tätigkeit,  nur  werden 
bei  den  von  mir  hergestellten  Instrumenten  statt  des  Wagemanometers 
Dosenfedermanometer  verwendet,  die  ich  auch  bei  sehr  hoch  stehenden 
Wasserbehältern  in  Anwendung  bringe.  Beim  Regenmesser  ist  die  Ein- 
schaltung von  Petroleum  oft  empfehlenswert  und  hat  sich  — wenigstens 
im  Winter  — gut  bewährt.  Im  Sommer  empfiehlt  es  sich  aber,  das  Pe- 
troleum wegen  dessen  grofsen  Ausdehnungskoeffizienten  wieder  durch 
Wasser  zu  ersetzen. 


VI.  Der  hydrostatische  Pegel. 

Die  Einrichtung  auf  Tafel  I stellt  ohne  weiteres  einen  hydrostatischen 
Pegel  vor,  wenn  man  sich  das  Wasserbassin  als  einen  Flufs  oder  eine  Tal- 
sperre oder  irgend  eine  andere  Wasseransammlung  denkt,  bei  der  es  nur 
auf  die  Höhe  des  Wasserspiegels  H ankommt.  Aufserdem  hat  man  das 
unter  IV  über  die  Einrichtung  des  Wagemanometers  Gesagte  zu  berück- 
sichtigen. 

Als  Zwischenflüssigkeit  ist  Petroleum  (oder  auch  Wasser  selbst)  zu 
denken. 

Da  auch  hier  in  den  Formeln  VII  A und  VIII  A 

d£  = 0 und  q'=  0, 
f=0(Q^Wr) 


sowie  in  X 


21 


zu  setzen  sind,  erhält  man 

dy'—  — Qdy  dH—ydz  — {/  — /'  + (!—>■')<?}  dy. 

Hier  können  zwei  Spezialfälle  erwähnt  werden; 

1.  Es  wird  q = (7,  also  q = 1 

gemacht,  was  dy'— — dy  dH=ydz — (y — 1)  dy 

ergibt.  Oder  es  kann 

2.  q als  sehr  grofs  gegen  C angenommen  werden,  was 

q = 0 dy'=  0 d H=y dz — ( Y~/)dy 

liefert. 

In  jedem  Fall  lassen  sich  mit  Hilfe  der  Gleichungen  4 dH/d'i  und 
dy'ld%  als  konstante  Gröfsen  berechnen,  in  denen  aufser  /,  / und  q nur 
noch  AT,  E,  C und  B Vorkommen. 

Wenn  man  aber  in  derselben  Vorrichtung  das  Petroleum  durch  Luft 
ersetzt  denkt,  so  wird  aus  derselben 


VII.  ein  Luftdruckpegel. 


Die  Gleichungen  VII  B,  VIII  B und  X ergeben  hier 

dy'  — — dh  — qdy  — — dh 
s s 


^jdz  — 

dy  — dH. 

Diese  Gleichungen  haben  ein  ganz  anderes  Aussehen  als  beim  hydro- 
statischen Pegel.  Zuerst  fällt  auf,  dafs  ein  Glied  erscheint,  in  dem  die 
Luftdruckschwankungen  zum  Ausdruck  kommen.  Dann  ersieht  man,  dafs 
die  Gröfse  dH\d £ keinen  konstanten  Wert  haben  kann,  sondern  sich  mit  s , 
also  auch  mit  £ ändert. 

Jedoch  lehren  die  Gleichungen  auch,  wie  man  es  anfangen  mufs,  wenn 
man  möglichste  Konstanz  des  Quotienten  dH  /dg  erreichen  und  die  Wirkung 
des  Luftdruckes  tunlichst  klein  machen  will,  womit  auch  die  tunlichste 
Verminderung  des  Einflusses  von  Temperaturschwankungen  erreicht 
werden  kann. 

Man  wird  diese  Zwecke  erreichen,  wenn  man  L so  klein  und  s so 
grofs  als  möglich  macht,  sodafs  L/s  so  klein  wird,  als  es  die  Umstände 
gestatten. 

Was  zunächst  die  Spannung  s anlangt,  so  wird  diese  um  so  gröfser 
werden  können,  je  tiefer  die  Taucherglocke  unter  dem  Wasserspiegel  sich 
befindet.  Die  Einrichtung,  wie  sie  Tafel  I zeigt,  würde  also  ganz  unzweck- 
mäfsig  sein,  man  würde  die  Glocke  eingraben  müssen,  sodafs  ihr  oberes 
Ende  noch  unter  dem  tiefsten  Stand  des  Wasserspiegels  liegt. 

Um  L möglichst  klein  zu  machen,  mufs  man  den  Querschnitt  der 
Glocke  so  grofs  als  möglich  einrichten,  da 


Ü+  y + e}*/  + y db 


**=(’  + T. 


L _ M’  ET 
~ Q9  s 

gesetzt  worden  war  und  darf  überhaupt  nicht  mehr  Luft  anwenden  als 
absolut  nötig  ist.  Die  Grenze  des  Volumens  der  Glocke  ist  aber  durch 
das  Volumen  der  Luft  im  Manometer  und  in  der  Zuleitung,  sowie  die 


22 


gröfste  Schwankung  im  Wasserstand  gegeben.  Man  hat  dafür  zu  sorgen, 
dafs  beim  Anstieg  des  Wassers  und  der  damit  zusammenhängenden  Zu- 
sammendrückung der  Luft  immer  noch  ein  genügender  Luftraum  in  der 
Glocke  bleibt,  auf  keinen  Fall  aber  das  Wasser  in  die  Rohrleitung  gelangt. 
Müfste  die  Glocke  einen  sehr  grofsen  Durchmesser  erhalten , wodurch  sie 
sehr  teuer  werden  könnte,  so  kann  die  Verwendung  einer  nur  sehr  wenig 
geneigten  langen  Röhre  in  Betracht  gezogen  werden.  Es  kann  jedoch 
hier  nicht  auf  alle  in  Frage  kommenden  Einzelheiten  eingegangen  werden. 

Gelingt  es,  L/s  so  klein  zu  machen,  dafs  man  es  vernachlässigen 
darf,  in  welchem  Fall  dann  auch  q stets  weggelassen  werden  kann,  so 
nehmen  die  Formeln  die  sehr  einfache  Gestalt 

äy'= Null 
dH ^ — ydh 
an. 


Diese  Darlegungen  werden  genügend  zeigen,  welcher  weitgehenden 
Anwendungen  das  Prinzip  des  Wagemanometers  fähig  ist.  Weitere  Vor- 
schläge habe  ich  in  meinen  früheren  Arbeiten  gemacht,  habe  aber  zur 
W eiterverfolgung  dieser  Angelegenheit  keine  Zeit  — und  auch  kein  Geld 
gehabt. 


III.  Ein  Vorkommen  von  Enoploclytia  Leachi 
Mant.  sp.  im  Cenoman  von  Sachsen. 

Yon  Dr.  K.  Wanderer. 

Mit  1 Abbildung. 


Das  Königl.  Mineralogische  Museum  zu  Dresden  gelangte  kürzlich  in 
den  Besitz  einer  Enoploclytia  Leachi  Mant.  sp.,  die  ihres  stratigraphischen 
Vorkommens  wegen  Beachtung  verdient. 

Das  Fundstück  entstammt  dem  cenomanen  Quader  (Stufe  des  Acti- 
nocamax  plenus)  der  Goldenen  Höhe  bei  Welschhufe  südlich  von 
Dresden,  wo  es  von  einem  Freunde 
des  Museums,  Herrn  v.  Scheel,  im 
Steinbruch  selbst  erworben  wurde. 

Es  kann  über  die  Herkunft  des 
Krebses  ein  Zweifel  um  so  weniger 
bestehen,  als  das  Gestein  die  typi- 
sche petrographische  Zusammenset- 
zung besitzt,  die  wir  aus  den  Lagen 
mit  Douvilleiceras  Mantelli  Sow.  sp. 
dieses  Fundortes  kennen. 

Unsere  Erwerbung  stellt  den 
Cephalothorax  oben  genannter  Krebs- 
art als  Steinkern  dar,  der  einem  klei- 
neren Tiere  (ca.  13  cm  Gesamtlänge) 
zugehörte.  DerTeil  distal  der  Nacken- 
furche ist  stark  corrodiert,  das  Rost- 
rum abgestofsen;  Nacken-,  Lund 
II.  Rückenfurche,  ebenso  die  kurze 
randständige  Längsfurche  zwischen 
den  erstgenannten  Einschnürungen  Natürliche  Gröfse. 

treten  dagegen  deutlich  vor  und  ge- 
statten durch  Lage  und  Verlauf  eine  sichere  Bestimmung  der  Art. 

Enoploclytia  Leachi  galt  Reufs*)  als  eine  sehr  bezeichnende  Form  für 
das  mittlere  Turon.  A.  Fritsch**)  weist  sie  im  gesamten  Turon  und 
im  unteren  Senon  Böhmens  nach,  in  den  Weifsenberger,  Malnicer-,  Iser-, 


*)  Reufs,  A.  E.:  Die  Versteinerungen  d.  böhm.  Kreideformation.  1843.  — Über 
Olytia  Leachi  Jüfs.  1853. 

**)  Fritsch,  A.:  Die  Crustaceen  d.  böhm.  Kreideformation,  S.  27.  1887. 


24 


Teplitzer-  und  Priesenerschichten.  H.  B.  Geinitz*)  führt  Enoploclytia  Leachi 
als  „selten“  im  Labiatuspläner  von  Briefsnitz  a.  E.  an,  als  „häufiger“  im 
Plänerkalk  von  Strehlen  und  Weinböhla,  sowie  aus  dem  „oberturonen  Quader- 
mergel“ von  Königsbrunn  unweit  Königstein.  Zwei  neuere  Funde  entstammen 
dem  kleinen  Bruch  an  der  Windmühle  von  Leutewitz  bei  Dresden  und  der 
als  Fundort  für  Ammoniten  bekannten  Müllerschen  Ziegelei  zwischen  Goppeln 
und  Leubnitz,  also  unterturonen  Schichten.  In  Bayern  kennt  Gümbel**) 
die  Art  aus  den  oberturonen  Pulverturmschichten;  Leonhard***)  fand  sie 
in  Schlesien  in  der  oberturonen  Scaphitenzone  von  Oppeln.  In  England 
und  Frankreich  ist  Enoploclytia  Leachi  im  Turon  und  Senon  verbreitet. 
Gegenüber  den  bisherigen  Vorkommnissen  ausschliefslich  turonen  bez.senonen 
Alters  zeigt  unser  Fund  von  der  Goldenen  Höhe,  dafs  Enoploclytia 
Leachi  Mant.  sp.  bereits  in  der  Fauna  des  Obercenomans  ( Actinocamax 
plenus-  Stufe)  von  Sachsen  vertreten  ist. 


*)  Geinitz,  H.  B.:  Das  Elbthalgebirge  i.  Sachsen  II,  S.  205.  1875. 

**)  Gümbel,  C.  W.  von:  Frankenjura,  S.  142.  1891. 

***)  Leonhard,  K.:  Die  Fauna  d.  Kreideformation  i.  Oberschlesien.  Palaeontogr.  44, 
S.  63.  1897. 


] 


SlhtuxndUincjen  der  Jti*  in  ^Dreaden  -,1908» 


JX 


1 


■n 


$ 


H-  J*i 


5a  fei  i , 


a 


>c 


V 


I 
i 


i 

1 


V 

$3 


1 

\N 

I 

\ 


x 


'X 


&ukag r , ffir tick  de r Jfq t . &ncUfrfr» Wetterwarte 


SUkcinAluncfcn  der  3tii>  in  tyrzoAcn  >>1908, 


^ -H 


~~=~Z4ü' 


51"  — 


<a 


.'JC 

i — 


\\ 

i 


X 


ßln/togr.^ruck:  der  Xql.  foncl(^u>&tterwart&  . 


B.  Abhandlungen. 

Denkschrift  über  den  naturwissenschaftlichen  Unterricht  an  den  höheren  Schulen.  S.  3. 
Schreiber,  P.:  Allgemeine  Theorie  der  Wagemanometer.  Mit  1 Tafel.  S.  7. 
Wanderer,  K. : Ein  Vorkommen  von  Enoploclytia  Leachi  Mant.  sp.  im  Cenoman  von 
Sachsen.  Mit  1 Abbildung  im  Text.  S.  23. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen . 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonderabzüge  unentgeltlich , eine  gröfsere  Anzahl  gegen  Er- 
stattung der  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1908. 

September.  24.  Hauptversammlung. 

Oktober.  1.  Zoologie.  8.  Botanik.  — Mathematik.  15.  Mineralogie  und  Geologie. 

22.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  29.  Hauptversammlung. 

November.  5.  Prähistorische  Forschungen.  12.  Zoologie.  19.  Botanik  und  Zoologie. 
26.  Hauptversammlung. 

Dezember.  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10.  Mathematik.  17.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdachsche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8. 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntnis  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  der  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-Dezember  . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  der  Jahrgang.  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869.  Januar -September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Dezember 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-Dezember  . . . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  der  Jahrgang  . . . 4M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  . . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-Dezember  . . . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgangl881.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1887  bis  1907,  der  Jahrgang 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgangl886.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1908.  Januar-Juni  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proz.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  Sitzungsberichte 
werden  von  dem  ersten  Sekretär  der  Gesellschaft,  d.  Z.  Hofrat 
Prof.  Dr.  Deickmüller,  Dresden -A.,  Zwingergebäude,  K.  Mineral. - 
geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmäfsige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittiert  wird. 


% • Jg 

Königl.  Sachs.  Hofbuchhandlung 

' H.  Burdach  — — 

Schlofsstrafse  32  DRESDEN  Fernsprecher ’152 
empfiehlt  sich 

znr  Besorgung  wissenschaftlicher  Literatur. 

k — __  . -SS 

Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaktionskomitee, 


Jahrgang  1908. 

Juli  bis  Dezember. 

Mit  1 Tafel  und  4 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 


! 


In  Kommission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 


1909 


Redaktionskomitee  für  1908. 

Vorsitzender:  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Mitglieder:  Prof.  I)r.  A.  .Tacobi,  Geb.  Hofrat  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Oberlehrer  Dr. 
P.  Wagner,  Hofrät  Prof.  Pr.  J.  Deichmüller,  Prof.  Dr.  A.  Lottermoser  und  Rektor 

Prof.  Dr.  R.  Henke. 

Verantwortlicher  Redakteur:  Hofrat  Prof.  Dr.  ,T.  Deichmüller. 


Sitzungskalender  für  1909. 

Januar.  7 Physik  und  Chemie  14.  Zoologie  und  Botanik.  21.  Botanik.  28.  Haupt- 
versammlung 

Februar.  4.  Mineralogie  und  Geologie.  1 1 . Mathematik  18  Prähistorische  Forschungen. 
25.  Hauptversammlung. 

März.  4.  Physik  und  Chemie.  11.  Zoologie  und  Botanik.  18.  Botanik.  25.  Haupt- 
versammlung. 

April.  1.  Mineralogie  und  Geologie.  15.  Mathematik.  22.  Prähistorische  Forschungen. 
29.  Hauptversammlung. 

Mai.  6.  Physik  und  Chemie.  13.  Zoologie.  20.  Exkursion  oder  27.  Hauptversammlung. 
Juni.  10.  Botanik.  — Mathematik  17.  Mineralogie  und  Geologie.  24.  Hauptversammlung. 
September.  30.  Hauptversammlung. 

Oktober.  7.  Physik  und  Chemie.  14.  Mathematik.  21.  Prähistorische  Forschungen. 
28.  Hauptversammlung. 

November.  4.  Zoologie.  11.  Botanik.  18.  Mineralogie  und  . Geologie.  25.  Haupt- 
versammlung. 

Dezember.  2.  Physik  und  Chemie.  9.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik. 
16.  Hauptversammlung. 


Abhandlungen 


der 


Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1908. 


IY.  Fossile  Koniferen  aus  der  Kreide- und  Braunkoblen- 
formation  Nordböhmens. 

Yon  Dr.  Paul  Menzel. 

Mit  Tafel  II. 


Aus  den  Beständen  des  Museums  zu  Teplitz  gelangten  kürzlich  zwei 
interessante  Zapfenreste  aus  Sandsteinen  der  Umgebung  von  Teplitz  zur 
Untersuchung  in  meine  Hände,  die  im  Nachstehenden  beschrieben  werden 
sollen,  und  denen  ich  die  Mitteilung  einer  für  Böhmen  neuen  Kiefernart 
aus  den  plastischen  Tonen  von  Preschen  anschliefse. 

1.  Pinus  macrostrobilina  nov.  spec.  Taf.  II,  Fig.  1. 

Pinus  strobilo  longo,  cylindrico,  21,5  cm  longo,  3 cm  crasso,  paulo 
curvato,  pedunculato;  squamarum  apophysi  integra,  rhomboidali  depresse 
pyramidata,  latere  superiore  convexiore,  non  carinata,  margine  superiore 
plerumque  semicirculari,  inferiore  trigono;  umbone  centrali  magno,  elliptico, 
mutico,  paulo  elevato. 

Der  vorliegende  Zapfenrest,  der  im  Teplitzer  Museum  aufbewahrt 
wird,  stammt  aus  einem  grobkörnigen  Quadersandsteine*)  von  Tyssa  nord- 
östlich von  Teplitz  und  befindet  sich  auf  einem  Steine,  der  früher  in 
Schönau  als  Trottoirplatte  gedient  hat;  infolgedessen  ist  der  Erhaltungs- 
zustand des  Zapfens  kein  tadelloser,  läfst  aber  immerhin  dessen  Bildung 
hinreichend  deutlich  erkennen. 

Der  walzenförmige,  ganz  schwach  gekrümmte  Zapfen  mifst  21,5  cm 
Länge  bei  3 cm  gröfster  Breite;  am  Grunde  ist  er  abgerundet  und  läfst 
den  Ansatz  eines  kräftigen  Stieles  erkennen;  nach  der  Spitze  zu  ist  er 
mäfsig  verjüngt.  Schuppenschilder  sind  nur  teilweise  deutlich  erkennbar; 
ihre  Oberfläche  ist  durchgängig  abgerieben.  Die  Form  der  Schilder  ist 
rhombisch,  die  oberen  Ränder  bilden  einen  mehr  oder  weniger  halbkreis- 
förmigen Bogen,  die  unteren  Ränder  laufen  spitzwinkelig  zusammen. 

Die  Breite  der  Apophysen  schwankt  zwischen  10—12  mm,  ihre  Höhe 
zwischen  8 — 10  mm,  nach  der  Zapfenspitze  zu  nehmen  sie  wenig  an  Gröfse 
ab.  Die  Schilder  sind  mäfsig  verdickt,  und  zwar  sind  sie  in  der  oberen 
Hälfte  stärker  gewölbt  als  in  der  unteren;  ihre  Mitte  trägt  einen  grofsen, 


*)  Ob  derselbe  der  Carinaten-  oder  der  Labiatus- Stufe  entstammt,  war  nicht  fest- 
zustellen. 


28 


länglich-runden,  stumpfen,  wenig  hervorragenden  Nabel  ohne  erhaltene 
Dornbildung.  Von  einer  feineren  Flächenskulptur  der  Apophysen  erlaubt 
der  Erhaltungszustand  des  Zapfens  nichts  wahrzunehmen. 

Unter  den  bisher  bekannten  Pimts-Resten  der  Kreideformation  stimmt 
keiner  mit  dem  vorliegenden  Fossile  überein.  Am  nächsten  kommt  dieses 
folgenden: 

Pinus  longissima  Velenovsky  [Gymnospermen  der  böhmischen  Kreide- 
formation, S.  29,  Taf.  1,  Fig.  14 — 17.] 

besitzt  ebenfalls  zylindrische  Zapfen  von  erheblicher  Länge,  doch  gibt 
Velenovsky  von  seinem  gut  erhaltenen  Zapfen  an,  dafs  die  Apophysen  ge- 
wölbt und  in  der  Mitte  schwach  vertieft  seien,  unser  Zapfen  läfst  dagegen 
trotz  seines  abgeriebenen  Zustandes  einen  erhöhten,  stumpfen  Nabel  er- 
kennen. 

Pinus  Andraei  Coemans  [Description  de  la  flore  fossile  du  premier 
etage  du  terrain  cretace  du  Hainaut,  p.  12,  tab.  IV,  fig.  4;  tab.  V, 

i-] 

trägt  schlanke,  aber  wesentlich  kleinere  Zapfen,  deren  rhombische  bis 
polyedrische  Schuppenschilder  nach  des  Autors  Diagnose  einen  Querkiel 
besitzen,  der  auf  den  Abbildungen  allerdings  nicht  deutlich  hervortritt;  die 
Schilder  sind  in  der  vorderen  Hälfte  verdickt  und  entbehren  eines  vor- 
tretenden Nabels. 

Pinus  Quenstedti  Heer  [Kreideflora  von  Moletein  in  Mähren,  S.  13, 
Taf.  II,  Fig.  5—9;  Taf.  111.] 

hat  lange  zylindrische  Zapfen  mit  sechseckigen,  am  oberen  Rande  teilweise 
bogenförmig  begrenzten  Apophysen,  die  denen  unserer  Art  an  Gröfse  un- 
gefähr entsprechen,  sich  aber  von  diesen  durch  eine  deutliche  Querkante 
und  einen  viel  kleineren,  viereckigen,  warzenartig  erhöhten  Nabel  unter- 
scheiden. 

Der  Tyssaer  Zapfen  kann  mit  keiner  mir  bekannten  fossilen  Art  ver- 
einigt werden;  er  stellt  also  eine  neue  Art  dar;  ebensowenig  ist  es  mir 
möglich,  unter  den  lebenden  Kiefern  eine  im  Zapfenbau  nahestehende  Art 
anzuführen. 


2.  Pinus  ornata  Sternbg.  sp.  Taf.  II,  Fig.  2. 

Conites  ornatus  Sternberg:  Vers.  I,  4,  S.  39,  Taf.  55,  Fig.  1,  2. 

Literatur  s.  Menzel:  Gymnospermen  der  nordböhmischen  Braun- 
kohlenformation. Abh.  Isis  Dresden  1900,  Heft  II,  S.  54,  Taf.  II, 
Fig.  6—9. 

Pinus  strobilis  conicis  vel  oblongis,  3 — 12  cm  longis,  2 — 5 cm  crassis; 
squamarum  apophysi  integra,  tetra-hexagona,  planiuscula,  radiatim  striata; 
carina  transversa  prominen tiore;  umbone  centrali  transversim  rhombeo, 
plano. 

Über  das  Vorkommen  dieser  Art  in  der  böhmischen  Braunkohlen- 
formation habe  ich  1.  c.  berichtet.  Der  vorliegende,  Taf.  II,  Fig.  2 ab- 
gebildete Zapfenrest,  im  Besitze  des  Museums  zu  Teplitz,  stammt  aus  dem 
oligocänen  Braunkohlensandsteine  der  Gegend  von  Kosten,  westlich  von 
Teplitz,  also  von  einem  bisher  unbekannten  Fundorte  dieser  Föhre. 


29 


Der  Abdruck  stellt  einen  etwa  11  cm  langen,  schlank  kegelförmigen 
Zapfen  dar,  dessen  gröfste  erhaltene  Breite  2,5  cm  beträgt,  und  läfst  am 
Grunde  einen  schief  abgehenden,  starken  Stiel  erkennen;  im  unteren  Teile, 
wo  der  Zapfen  nicht  mehr  in  der  vollen  ursprünglichen  Breite  vorliegt, 
sind  vier  Reihen  von  Schuppenschildern  im  Abdrucke  erhalten;  diese  sind 
unregelmäfsig  vier-  bis  sechsseitig  mit  stumpfen  Ecken,  10  mm  breit, 
6 — 7 mm  hoch;  sie  sind  flach,  von  einem  querlaufenden,  schmalen  Kiele 
durchzogen,  der  in  der  Mitte  einen  mäfsig  erhöhten,  querrhombischen  Nabel 
trägt;  beide  Apophysenhälften,  besonders  die  obere,  sind  mit  kräftigen 
Radiärstreifen  versehen. 

Der  obere  Teil  des  Zapfens  ist  aufgebrochen  und  läfst  neben  einigen 
längsgebrochenen  Schuppen  zahlreiche  paarig  angeordnete  Samen  von 
5 mm  Länge  und  3 mm  Breite  erkennen. 

Der  vorstehend  beschriebene  Zapfenrest  stimmt  mit  den  bisher  als 
Pinus  ornata  beschriebenen  Zapfen  in  allen  wesentlichen  Verhältnissen 
überein;  nur  die  Apophysen  weisen  zum  Teil  einen  von  der  bei  dieser  Art 
gewöhnlich  rhombischen  Form  etwas  abweichenden  fünf-  bis  sechsseitigen 
Umrifs  auf.  Dasselbe  Verhalten  ist  aber  auch  bei  Pinus  halepensis  Mill0 
mit  der  P.  ornata  vermutlich  in  genetischem  Zusammenhänge  steht,  und 
mit  der  diese  im  Zapfenbau  aufserordentlich  übereinstimmt,  zu  beobachten. 

Neben  Pinus  ornata  sind  noch  eine  Reihe  anderer  fossiler  Pinus- 
Arten  mit  unserem  Reste  vergleichbar: 

Pinus  Hageni  Heer  [Flor.  tert.  Helvet.  III,  S.  308;  Mioc.  balt.  Flora, 
S.  25,  Taf.  I,  Fig.  23—33; 

Schimper:  Traite  de  paleont.  veget.  II,  p.  268,  t.  LXXVI,  fig.  12; 

Squinabol:  Contrib.  alla  flora  fossile  dei  terreni  terziarie  della 
Liguria  III,  p.  2,  t.  XV,  fig.  5; 

Meschinelli  e Squinabol:  Flora  tertiaria  italica,  p.  125.] 
bietet  eine  weitgehende  Übereinstimmung  mit  unserem  Fossile,  nur  besitzt 
sie  etwas  gedrungenere  Zapfen.  Diese  Art  ist  von  P.  ornata  Stbg.  sp. 
wohl  kaum  verschieden. 

Pinus  Ferrerii  Massalongo  [Flor.  foss.  Senigall.,  p.  159,  t.  V,  fig.  30.] 
besitzt  gleiche,  flache  Apophysen;  die  Form  des  Zapfens  ist  nicht  voll- 
ständig erhalten. 

Pinus  Coquandii  Saporta  [fitudes  sur  la  veget.  du  sud-est  de  la  France 

ä l’epoque  tertiaire  I,  a,  p.  61,  pl.  III,  fig.  5.] 
trägt  gleichgestaltete  Apophysen  an  allerdings  kurzen,  eiförmigen  Zapfen. 

Pinus  Plutonis  Bailly  [Quart.  Journ.  Geol.  Soc.,  Vol.  XXV,  p.  360, 
pl-  XV ; 

Gardener:  Monograph  of  the  british  eocene  flora,  Vol.  II,  p.  69, 
pl.XV,  fig.  1,3,4, 6, 7, 8;  pl.  XVI,  fig.  5—7,  17;  pl.  XVII;  pl.XVIII.J 

Die  Zapfen  dieser  Art  aus  dem  älteren  Tertiär  Englands  sind  nur  um  ein 
weniges  kleiner  als  unser  Rest,  mit  dem  sie  im  übrigen  vollständig  über- 
einstimmen. 

Alle  genannten,  zum  Vergleiche  herangezogenen  Arten  werden  von  den 
Autoren  mit  der  lebenden  Pinus  halepensis  Mill.  bezw.  mit  der  von  dieser 
nur  wenig  verschiedenen  Pinus  pyrenaica  La  Peyr.  verglichen,  und  es 
darf  angenommen  werden,  dafs  die  angeführten  tertiären  Kiefern  unter 
einander  und  mit  Pinus  ornata  in  engem  Zusammenhänge  stehen. 


30 


Der  Typus  der  lebenden  Pinus  halepensis  erscheint  also  — nach  den 
erhaltenen  Zapfen  zu  urteilen  — im  europäischen  Tertiär  in  verschiedenen 
Formen  mit  geringen  Abänderungen  vertreten,  die  im  englischen  Eocän, 
in  den  Gipsen  von  Aix,  im  Miocän  des  Balticums,  Böhmens  und  Italiens 
Reste  hinterlassen  haben;  und  im  Pliocän  Italiens  (S.  Venanzio  in  Maranello) 
tritt  Pinus  halepensis  selbst  auf.  (Vergl.  Meschinelli  e Squinabol:  Flora 
tert.  ital.,  p.  124.) 

Auf  genetische  Beziehungen  zwischen  mehreren  der  vorerwähnten 
tertiären  Pinus  -Arten  und  Pinus  halepensis  hat  übrigens  schon  Saporta 
[Origine  paleontologique  des  arbres  cultives  ou  utilises  par  Fhomme,  p.  65  fg.] 
hingewiesen. 

Ob  Pinus  Cortesii  Brongniart  [Lit.  s.  Squinabol:  Contrib.  alla  flora  foss. 
dei  terr.  terz.  della  Liguria  III,  p.  24; 

Meschinelli  e Squinabol:  Flora  tert.  ital.,  p.  126; 

Engelhardt  und  Kinkelin:  Abh.  Senckenb.  Naturf.  Ges.  XXIX,  Heft  3, 
S.  284,  Taf.  XXXVI,  Fig.  1,  2.], 

die  von  den  Autoren  ebenfalls  mit  Pinus  halepensis  verglichen  wird  — 
Meschinelli  und  Squinabol  drücken  sich  vorsichtig  ,,P.  halepejisi  quodammodo 
similis“  aus  — der  lebenden  Aleppokiefer  in  der  Tat  sehr  nahe  steht,  mufs 
ich  zur  Zeit  noch  dahingestellt  sein  lassen,  denn  nach  allen  mir  bekannten 
Abbildungen  und  Beschreibungen  von  Pinus  Cortesii  und  der  von  Geyler 
und  Kinkelin  zu  dieser  gezogenen  Ludwigschen  Arten  Pinus  resinosa  und 
Pinus  Schnittspahni  besitzen  deren  Zapfen  sämtlich  Schilder,  die  viel 
stärker  gewölbt  sind  als  die  flachen  Apophysen  der  Pinus  halepensis. 


3.  Pinus  uncinoides  Gaudin.  Taf.  II,  Fig.  3. 

Pinus  uncinoides  Gaudin  et  Strozzi:  Mem.  sur  quelques  gisements  de 
feuilles  fossiles  de  la  Toscane,  p.  28,  pl.  I,  fig.  3; 

Schimper:  Traite  de  paleont.  veg.  II,  p.  273; 

Heer:  Miocene  baltische  Flora,  S.  56,  Taf.  XIII,  Fig.  3 — 13; 

Peola:  Le  conifere  terziarie  del  Piemontese.  Boll.  della  soc.  geol. 
Ital.  Vol.  XII,  p.  714. 

Pinus  strobilis  pedunculatis,  reflexis,  ovatis  vel  conicis;  squamarum 
apophysi  integra,  pyramidatim  elevata,  radiatim  striata,  acute  carinata, 
latere  superiore  magis  producto;  umbone  recurvato,  planiusculo,  sulco 
excavato  cincto. 

Der  Tafel  II,  Fig.  3 abgebildete  Zapfen  stammt  aus  dem  plastischen 
Tone  von  Preschen  und  befindet  sich  im  Besitze  des  Verfassers;  er  ist  in 
einer  Länge  von  38  mm  bei  18  mm  gröfster  Breite  erhalten,  von  länglich 
eiförmiger  Gestalt  mit  schiefansitzendem,  kräftigem  Stiele. 

Die  gut  ausgeprägten  Apophysen  sind  rhombisch,  7 — 9 mm  breit, 
5 — 6 mm  hoch,  pyramidenartig  erhöht  und  von  einer  scharf  vortretenden 
Querleiste  in  zwei  ungleiche  Hälften  geteilt;  der  stumpfe,  rhombische  Kabel 
ist  von  einer  flachen,  ringförmigen  Furche  umzogen.  Die  obere  Hälfte 
der  Schuppenschilder  ist  stärker  gewölbt  als  die  untere;  der  Nabel  ist 
dadurch  etwas  zurückgekrümmt,  wie  die  Abbildung  an  den  Randschildern 
erkennen  läfst. 


Bl 


Die  Oberfläche  der  Apophysen  ist  mit  radiären  Streifen  bedeckt; 
einzelne  Schilder  besitzen  in  der  Mitte  der  unteren  Hälfte  eine  oder 
mehrere  deutliche  Längskanten. 

Unser  Zapfen  stimmt  mit  den  Heer  1.  c.  beschriebenen  Zapfen  der 
Pinus  uncinoides  von  Rixhöft  vollständig  überein. 

Die  Zapfen,  die  Ludwig  aus  dem  Oligocän  der  Wetterau  unter  den 
Namen  Pinus  nodosa  und  P.  repandosquamosa  beschrieb  [Palaeontogr.  VLII, 
S.  74,  75,  Taf.  XIII,  Fig.  2;  Taf.  XIV,  Fig.  1],  bieten  ebenfalls  überein- 
stimmende Merkmale;  diese  Arten  dürften,  wie  schon  Heer  [1.  c.  S.  57] 
angibt,  kaum  von  P.  uncinoides  zu  trennen  sein. 

Geringere  Annäherung  besitzt  unser  Zapfen  an: 

Pinus  Ludivigi  Scbimper  [Traite  de  pal.  veg.  II,  p.  266; 

Geyler  und  Kinkelin:  Abh.  Senck.  Nat.  Ges.  Bd.  XV,  S.  13,  Taf.  I, 
Fig.  6,  7; 

Engelhardt  und  Kinkelin:  Abh.  Senck.  Nat.  Ges.  Bd.  XXIX,  S.  203, 
Taf.  XXIV,  Fig.  9,  10; 

Squinabol:  Contrib.  alla  flora  foss.  dei  terr.  terz.  della  Liguria  III, 
p.  21,  t.  XV,  fig.  3; 

= Pinus  oviformis  Ludwig:  Palaeontogr.  VIII,  S.  76,  Taf.  XIV, 
Fig.  3]. 

Die  Zapfen  dieser  Art  sind  kleiner  und  besitzen  flache  Apophysen. 

Pinus  montana  Mill.  fossilis  Geyler  und  Kinkelin  [Abh.  Senck.  Nat. 
Ges.  Bd.  XV,  S.  11,  Taf.  I,  Fig.  3,  4; 

Engelhardt  und  Kinkelin:  Abh.  Senck.  Nat,  Ges.  Bd.  XXIV,  S.  207, 
Taf.  XXIV,  Fig.  5;  Taf.  XXVI,  Fig.  8; 

= Pinus  brevis  Ludwig:  Palaeont.  Bd.  V,  S.  89,  Taf.  XIX,  Fig.  1]. 
Diese  Art  hat  Zapfen  von  gedrungener  Form  mit  stark  gewölbten  Apo- 
physen, deren  Nabel  nicht  zurückgekrümmt  ist, 

Pinus  uncinoides  Gaud.  ist  mit  den  lebenden  Arten  P.  silvestris  L. 
und  P.  montana  Mill.  verglichen  worden;  Ettingshausen  stellt  sie  zwischen 
beide. 

Von  den  Zapfen  der  gemeinen  Waldkiefer  weichen  die  mir  bekannten 
Abbildungen  von  P.  uncinoides- Zapfen  aber  durch  die  Form  der  Apo- 
physen ab,  die  bei  letzteren  eine  die  Höhe  übertreffende  Breite  besitzen, 
wie  bei  Pinus  montana , während  die  Schuppenschilder  der  P.  silvestris 
annähernd  gleich  breit  wie  hoch  sind  (vergl.  Engelhardt  und  Kinkelin  1.  c. 
S.  201,  202);  aufserdem  ist  der  Nabel  der  Schilder  bei  P.  uncinoides  wie 
bei  P.  montana  von  einem  Ringe  umgeben.  „Die  Zurückkrümmung  des 
Nabels  bei  P.  uncinoides  vervollständigt  die  Übereinstimmung  dieser  Art 
mit  P.  montana  Mill.  und  zwar  mit  deren  var.  uncinata. 

Nachdem  das  fossile  Auftreten  der  Pinus  montana  — und  zwar  mit 
Zapfen,  die  der  var . pumilio  entsprechen  — in  der  Wetterau,  der  Schweiz, 
Siebenbürgen,  England  und  Norddeutschland  bekannt  geworden  (vergl. 
Engelhardt  und  Kinkelin  1.  c.  S.  201),  erfährt  das  Verbreitungsgebiet  der 
Bergkiefer  während  der  jüngeren  Tertiärperiode  eine  Erweiterung  durch 
die  Feststellung  einer  ihrer  var.  uncinata  entsprechenden  Form  im  baltischen 
und  nordböhmischen  Miocän  und  im  Pliocän  Italiens. 


32 


Abbildungen  Taf.  II. 

Fig.  1.  Pinus  macrostrobilina  nov.  sp.  Zapfen  aus  dem  Quadersand- 
steine von  Tyssa.  [Museum  zu  Teplitz.] 

Fig.  la,  b.  einzelne  Schuppenschilder. 

Fig.  2.  Pinus  ornata  Sternbg.  sp.  Zapfen  aus  dem  Braunkohlensand- 
steine von  Kosten.  [Museum  zu  Teplitz.] 

Fig.  3.  Pinus  uncinoides  Gaud.  Zapfen  aus  dem  plastischen  Tone  von 
Preschen.  [Sammlung  Menzel.] 


Y.  Europäische  Entfernungen. 

Von  Ernst  Kalkowsky. 


YV.  Deecke  hat  in  seinen  Abhandlungen  „Ein  Grundgesetz . der  Ge- 
birgsbildung?“ im  Neuen  Jahrbuch  für  Mineral,  usw.  1908,  Bd.  I u.  II, 
auch  auf  die  Beziehungen  zwischen  den  Lagen  der  Vulkane  hingewiesen. 
Solche  Untersuchungen  gehören  zunächst  in  das  Bereich  der  von  Agassiz 
als  geographische  Homologien  bezeichneten  Erscheinungen.  Wenn  nun 
hier  der  Aufforderung  Deeckes  gemäfs  eine  Prüfung  seiner  Gedankenfolge 
von  einem  besonderen  Standpunkte  aus  mitgeteilt  werden  soll,  so  mag  es 
wohl  gut  sein,  einen  Satz  aus  den  „Neuen  Problemen  der  vergleichenden 
Erdkunde“  von  Oskar  Peschei,  Leipzig  1870,  anzuführen,  der  in  dem 
Artikel  über  geographische  Homologien  S.  66  schrieb:  „Wollte  jemand  in 
solchen,  fast  pedantischen  Wiederholungen  nur  Neckereien  des  Zufalls 
erblicken,  so  müfste  er  überhaupt  verzichten,  aus  Ähnlichkeiten  in  der 
Natur  zur  Erkenntnis  eines  ursächlichen  Zusammenhanges  zu  gelangen.“ 
Wenn  man  im  Verfolg  solcher  Untersuchungen  von  der  Gleichartigkeit 
der  Erscheinungen  zuerst  verblüfft  und  überrumpelt  wird,  so  dafs  man 
sich  selbst  den  Vorwurf  der  Lächerlichkeit  zu  machen  geneigt  ist,  so 
wird  man  doch  bald  erfahren,  dafs  nur  die  Ungewöhnlichkeit  bei  der 
Verbindung  von  Gegenständen,  die  nichts  mit  einander  gemein  zu  haben 
scheinen,  und  das  Bewufstsein  unzureichender  Erkenntnis  zum  Kopf- 
schütteln veranlafst.  Grofse  Städte  und  Vulkane  könnte  man  leicht  zu 
naheliegenden  witzigen  Vergleichen  verkoppeln,  allein  in  der  vorliegenden 
Mitteilung  liegt  mir  nichts  ferner  als  Spott  und  Scherz. 

I. 

W.  Deecke  beginnt  seine  Studien  zum  Vulkanismus  mit  dem  Nach- 
weis, dafs  die  Entfernung  vom  Monte  Epomeo  auf  Ischia  nach  der  Insel 
Ustica  sich  in  der  Lage  anderer  europäischer  vulkanischer  Herde  wieder- 
holt. Fragt  man  sich,  wie  er  dazu  kommt,  gerade  diese  Entfernung 
zugrunde  zu  legen,  so  wird  wohl  die  Antwort  lauten  müssen,  dafs  sich  nach 
mancherlei  tastenden  Versuchen  eben  gerade  diese  Entfernung  als  für  Unter- 
suchungen über  die  Lage  brauchbar  erwiesen  hat.  Warum  aber  unter  allen 
vulkanischen  Herden  in  Italien  gerade  der  Lago  di  Bracciano  die  Entfernung 
Epomeo  — Ustica  vom  Vesuv  hat,  das  ist  doch  auch  eine  Frage,  die  man 
stellen  darf,  da  ja  noch  viele  andere  vulkanische  Herde  um  den  Vesuv 
herumliegen.  Europa  ist  ja  reich  an  vulkanischen  Herden  in  der  geo- 


34 


logischen  Gegenwart  und  in  dem  selbstverständlich  mit  heranzuziehenden 
Tertiär,  und  da  mufs  es  Punkte  geben,  die  gleichen  Abstand  von  einander 
haben.  Wirft  man  auf  einen  Tisch  eine  Hand  voll  Sandkörner,  so  ist  es 
eine  Aufgabe  der  Wahrscheinlichkeitsrechnung  herauszubekommen,  wie 
viele  davon  in  gleicher  Entfernung  von  einander  liegen  werden,  und  selbst 
auch,  wie  viele  auf  den  Eckpunkten  eines  Netzwerkes  mit  den  Seiten  an 
einander  stofsender  gleichseitiger  Dreiecke  liegen  werden.  Und  für  einen 
enger  begrenzten  Fall  wird  sich  nicht  nur  eine  „Regelmäfsigkeit“,  sondern 
eine  „Gesetzmäfsigkeit“  nach  weisen  lassen.  Die  Verteilung  der  Sand- 
körner auf  dem  Tische  wird  abhängen  von  ihrer  Menge,  ihrer  Gröfse,  der 
Stärke  und  Richtung  des  Wurfes  usw.;  läfst  man  aber  senkrecht  auf  eine 
ganz  glatte  Fläche  eine  Anzahl  gleichgrofser,  gleichmäfsig  kugeliger  Quarz- 
körner fallen,  so  ist  es  leicht  einzusehen,  dafs  Gewicht,  Fallhöhe,  Elastizität 
des  Quarzes,  Ebenheit  des  Tisches  usw.  Faktoren  sind,  die  der  rechnerischen 
Gewinnung  eines  Gesetzes  günstig  sein  würden. 

Bleiben  wir  aber  zunächst  bei  den  gegebenen  gleichen  Abständen  der 
vulkanischen  Herde  von  einander,  so  dürften  doch  wohl  auch  andere  gleiche 
Entfernungen  beachtet  werden  müssen.  Zum  Beispiel  zeigen  Rhone,  Rhein 
und  Donau  auffällige  Knickungen  ihres  Laufes  in  die  Nordsüd-Richtung, 
und  die  nordsüdlichen  Strecken  dieser  Flüsse  sind  gleich  lang.  Die  grofsen 
Inseln  des  mittelländischen  Meeres  Sardinien,  Sizilien,  Kreta  und  Kypern 
sind  annähernd  gleich  lang.  Und  auch  viele  grofse  Städte  in  Europa 
haben  von  einander  gleichen  Abstand.  In  den  Städten  haben  wir  ja 
gleichsam  ein  Beispiel,  dafs  sie  auf  der  Fläche  von  Europa  liegen,  wie 
Sandkörner,  die  auf  einen  Tisch  gestreut  sind.  Nimmt  man  die  Ent- 
fernung des  Vesuvs  vom  Ätna  in  den  Zirkel,  so  kann  man  auf  einer 
Übersichtskarte  von  Europa  mit  dieser  Entfernung  immer  von  einer  Stadt 
zu  einer  anderen  kommen.  Soll  es  sich  bei  einem  solchen  Tanz  auf  der 
Karte  absichtlich  nicht  um  allzu  grofse  Genauigkeit  handeln,  so  kann 
man  etwa  folgende  Reihe  nennen:  Dresden,  Nürnberg,  Triest,  Livorno, 
Toulon,  Barcelona,  Alicante  (stimmt  schlecht),  Oran,  Algier,  Mahon,  Sassari, 
Rom,  Spalato,  Belgrad,  Budapest,  Oppeln,  Berlin,  Nürnberg,  Düsseldorf, 
Calais,  Cardiff,  Brest,  le  Havre,  Antwerpen,  Frankfurt  a.  M.,  Innsbruck, 
Genua,  Lyon,  Strafsburg,  Erfurt,  Stettin,  Prag,  Kassel,  Augsburg,  Dresden. 
Nun  aber  wolle  man  beachten,  dafs  in  dieser  Reihe  weder  Krähwinkel 
noch  Cucugnan  aufgezählt  worden  sind,  sondern  nur  grofse,  allbekannte 
Städte;  dann  frage  man,  warum  liegt  London  von  Paris  so  weit  entfernt, 
wie  der  Vesuv  vom  Ätna?  Sind  es  dieselben  Beziehungen,  Verhältnisse, 
Kräfte,  die  die  vulkanischen  Schlote  entstehen  lassen  und  die,  Gestaltung 
des  europäischen  Festlandes  verursachten,  von  der  die  Lage  der  Städte 
abhängt? 


II. 

Von  der  „Annehmlichkeit  der  neuen  Ausgabe  des  Stielerschen  Atlas, 
dafs  dort  die  Hauptkarten  der  europäischen  Länder  in  gleichem  Mafsstabe 
gehalten  sind“,  spricht  Deecke.  Diese  Annehmlichkeit  haben  aber  auch 
andere  Atlanten,  und  es  erhebt  sich  die  Frage,  weshalb  können  sie  diese 
Annehmlichkeit  darbieten.  Doch  wohl  nur  deshalb,  weil  die  europäischen 
Länder  oder  Gebiete  vielfach  annähernd  dieselbe  Gröfse  haben,  ln  der 
Tat  lassen  sich  auf  einer  Übersichtskarte  von  Europa  mit  einem  und 


35 


demselben  Rechteck  eine  ganze  Anzahl  von  geologisch,  geographisch  oder 
politisch  wichtigen  Gebieten  bedecken;  so  würde  es  zum  Beispiel  leicht 
sein,  in  den  Atlanten  auch  Karten  von  Meeresteilen  mit  den  Küsten- 
gebieten zu  geben  in  demselben  Mafsstabe,  wie  von  den  politischen  Ein- 
heiten. In  der  Gestaltung  des  zerstückelten  Europa  kehrt  eben  ein  be- 
stimmtes Mals  oft  wieder,  nämlich  das  der  Entfernung  vom  Kap  Creus 
bis  zum  Kap  Finisterre  in  der  auffällig  geraden  Linie  von  Gebirgs- 
erhebungen.  Die  Entfernung  Creus  — Finisterre  ist  gleich  den  Entfernungen 
Creus  bis  Punta  Marroqui  bei  Gibraltar,  Ouessant  oder  Brest  bis  Toulon 
oder  den  Hyerischen  Inseln,  Kap  Landsend  bis  Orkneys,  Genua  bis  Nor- 
derney, Fiume  bis  Rügen,  Kap  Spartivento  bis  Como,  Vorgebirge  Emine 
bis  Zara,  Batum  bis  Konstantinopel  oder  bis  Odessa  u.  a.  Und  das 
Kaukasusgebirge  hat  auch  gerade  wieder  diese  Länge.  Tritt  in  den 
Umrissen  von  Europa  dieses  Mafs  hervor,  so  ist  es  schon  weniger  auf- 
fällig, dafs  die  gleiche  Entfernung  Creus  — Finisterre  sich  wiederfindet 
zwischen  den  Mündungen  grofser  Flüsse,  wie  Tejo  — Loire,  Minho — Seine, 
Guadiana — Gironde,  Ebro  — Po,  Loire — Weser,  Maas  — Weichsel,  Po — 
Elbe,  Elbe — Düna. 

Nicht  auffällig  wird  es  auch  sein,  wenn  nun  wieder  dieselbe  Ent- 
fernung Creus  — Finisterre  auch  zwischen  grofsen  Städten  vorkommt.  Die 
Siedelungskunde  lehrt  uns,  dafs  die  Lage  der  Städte  in  mannigfaltigster 
Weise  von  Flüssen,  Pässen,  Gebirgen,  Küsten  und  anderen  Verhältnissen 
der  Erdoberfläche,  nicht  aber  etwa  blofs  von  dem  Willen  der  Menschen 
abhängig  ist.  Grofse  Städte  weisen  von  einander  die  Entfernung  Vesuv — 
Ätna  deshalb  auf,  weil  etwa  diese  Entfernung  proportional  ist  der  Dichte 
der  Bevölkerung.  Für  die  Entfernung  Creus — Finisterre  wird  aber  das 
Verhältnis  dadurch  auffälliger,  dafs  es  gerade  die  neuen  (und  alten) 
Hauptstädte  sind,  'die  hier  in  Frage  kommen. 

Die  folgenden  Entfernungen  wurden  ohne  Rücksicht  auf  die  Ab- 
plattung der  Erde  berechnet  aus  den  Positionen  der  Sternwarten  und  in 
wenigen  Fällen  nach  Bestimmung  der  Position  des  Stadtmittelpunktes 
durch  Ausmessung  am  Gradnetz  auf  Blättern  in  gröfserem  Mafsstabe. 
Es  ist  jedoch  Europa  nur  ein  so  kleines  Stück  der  Oberfläche  der  Erde, 
dafs  die  kartographische  Darstellung  auf  einem  gröfseren  Blatte  mit  keiner 
für  den  vorliegenden  Zweck  beachtenswerten  Verzerrung  behaftet  ist. 
Immerhin  mögen  die  Zahlen  der  Entfernungen  in  Kilometern  auch  dazu 
dienen,  den  Grad  der  Übereinstimmung  zu  veranschaulichen;  dabei  wolle 
man  nicht  aufser  Acht  lassen,  dafs  bei  der  Flächenausdehnung  der  Städte 
ein  Unterschied  von  etwa  10 — 12  km  die  Gleichheit  der  Entfernungen  der 
Städte  von  einander  gar  nicht  berührt.  Die  Entfernung  Kap  Creus  bis 
Kap  Finisterre  wurde  berechnet  zu  1032  km;  die  folgende  Reihe  ist  nach 
zunehmenden  Entfernungen  angeordnet: 


Bern  — Kopenhagen 1024 

Neapel- — Prag . 1025 

Paris  — Kopenhagen 1029 

Paris — Wien 1031 

Warschau  — St.  Petersburg  ....  1031 

Bern  — Belgrad 1031 

London  — Prag 1034 

Neapel  — Bukarest . 1045 


36 


Rom  — Athen 1046 

Paris  — Madrid 1049 

St.  Petersburg  — Kijew 1051 

Wien  — Kijew  . 1053 

Stockholm  — Prag 1054 

Konstantinopel  — Kijew 1056 

Madrid  — Turin 1061 

Kristiania  — Warschau 1064 

Budapest  — Konstantinopel  ....  1067 

Neapel  — Algier 1070 

St.  Petersburg  — Kristiania  ....  1086 


Das  Mittel  aus  diesen  Zahlen  beträgt  1048;  die  kleineren  Entfernungen 
finden  sich  mehr  in  der  Mitte  von  Europa,  die  gröfseren  sind  die  nach 
Orten  mehr  in  der  Peripherie.  Der  Reihe  der  Hauptstädte  schliefsen  sich 
noch  einige  andere  Paare  von  grofsen  Städten  an,  allein  ihre  Anzahl  ist 
doch  nur  gering. 

Die  Entfernung  der  Hauptstädte  von  einander  mufs  andere  Ursachen 
haben,  als  die  Entfernung  sonstiger  grofser  Städte  von  einander,  die  auf 
Bevölkerungsdichte  zurückgeführt  wurde.  Nun  es  scheint,  dafs  auch  hier 
der  Entfernung  zwischen  den  Hauptstädten  eine  rein  geographische  — und 
damit  also  eine  geologische  — Ursache  zugesprochen  werden  kann;  be- 
herrscht die  Länge  Creus — Finisterre  die  Gestaltung  Europas,  dann  be- 
herrscht sie  auch  die  Lage  der  politischen  Mittelpunkte,  weil  die  politischen 
Einheiten  sich  den  geographischen  anschmiegen. 

Hängen  geographische  Verhältnisse  von  geologischen  ab,  woran  doch 
wohl  niemand  mehr  zweifelt,  dann  braucht  es  doch  nicht  allzu  auffällig 
zu  sein,  dafs  die  Entfernung  Creus  — Finisterre  sich  auch  zwischen  Vul- 
kanen in  Europa  wieder  findet:  beachtenswert  ist  die  folgende  Reihe  aber 
vielleicht  gerade  dadurch,  dafs  sie  (mit  einer  Ausnahme  vielleicht)  nur 
die  allerjüngsten  Vulkane  enthält.  Die  Entfernung  Creus — Finisterre 
haben  sehr  genau 

Santorin  — V esuv, 

Vesuv  — Olot, 

Vesuv  — Le  Puy, 

Vesuv  — Kammerbühl, 

Kammerbühl  — Agde, 

Agde  — Pantelleria, 

Pantelleria  — Methana, 

Methana  — Albaner  Gebirge, 

Albaner  Gebirge  — Laacher  See. 

Wenn  in  dieser  Weise  Beziehungen  zwischen  den  Entfernungen  von 
Städten  von  einander  und  von  Vulkanen  von  einander  gesucht  worden 
sind,  so  könnte  es  scheinen,  oder  es  könnte  behauptet  werden,  dafs 
Dinge,  die  nichts  mit  einander  gemein  haben,  auf  einander  bezogen 
worden  sind.  Da  mag  denn  doch  daran  erinnert  werden,  dafs  längst  eine 
Verbindung  von  grofsen  Städten  mit  Erdbeben  hervorgehoben  und  von 
der  Geologie  leicht  erklärt  worden  ist.  Und  hier  handelt  es  sich  ja  gar 
nicht  einmal  um  eine  engere  Verbindung  zwischen  Hauptstädten  und 
Vulkanen,  sondern  nur  um  gleiche  Abstände  bei  sonst  unregelmäfsiger 
Verteilung. 


37 


III. 

Die  beiden  Mafse  Vesuv  — Ätna  und  Creus — Finisterre  zeigen  sich  in 
einer  bedeutungsvollen  Anzahl  von  Fällen;  sie  werden  eben  selbst  be- 
deutungsvoll dadurch,  dafs  irgend  welche  anderen  Mafse  nicht  eine  gleiche 
Anzahl  von  Fällen  der  Übereinstimmung  ergeben.  Gewifs  wird  man  immer 
eine  ganz  beliebige  Entfernung  zwischen  zwei  oder  drei  Paaren  von  Städten 
wiederfinden  können,  aber  die  Seltenheit  nimmt  ihnen  die  Bedeutung. 
Da  ist  es  denn  überraschend  zu  sehen,  dafs  es  unter  den  europäischen 
Entfernungen  noch  eine  gibt,  die  an  reichem  Vorkommen  in  mehreren 
Beziehungen  alle  anderen  übertrifft,  zwischen  den  Vulkanen  aber  nicht 
festgestellt  werden  kann.  Trotz  letzterem  Verhältnis  ist  diese  Entfernung 
im  Zusammenhänge  mit  den  hier  vorgeführten  Betrachtungen  wohl  wert, 
näher  behandelt  zu  werden.  Denn  verwundert  mufs  man  fragen,  was  in 
aller  Welt  hat  diese  Entfernung  — die  Entfernung  Berlins  von 
St.  Petersburg,  nach  astronomischen  Positionen  1323  km  — zu  tun 
mit  dem  ,,Bau  und  Bild“  Europas.  Sicher  haben  bei  dem  Emporkommen 
Berlins  aus  einem  armseligen  Fischerdorf  und  bei  der  Gründung  St.  Peters- 
burgs durch  den  Ukas  eines  Zaren  Erwägungen  über  europäische  Ent- 
fernungen keine  Rolle  gespielt.  Aber  andererseits,  sind  diese  Städte  wirk- 
lich Schöpfungen  eines  freien  Willens? 

Ein  Kreis  um  Berlin  mit  dem  Halbmesser  von  1323  km  trifft  folgende 
Städte  mit  den  berechneten  Entfernungen  von  Berlin: 


St.  Petersburg 1323 

Galatz 1302 

Sofia . 1316 

Salerno  [für  Neapel] 1317 

Sassari 1355 

Toulouse 1328 

Bordeaux 1326 

Brest 1342 

Dublin 1320 

Umeä 1319 


Das  Mittel  aus  diesen  Zahlen  beträgt  1325.  Neapel  hat  mit  1295  km 
keine  um  mehr  zu  kleine  Entfernung,  als  Sassari  zu  grofse;  letzterer  Ort 
und  das  sonst  doch  an  geographisch  hervorragender  Stelle  gelegene  kleine 
Umeä  sind  wegen  weiterhin  folgender  Angaben  in  die  Reihe  aufgenommen 
worden.  Überhaupt  handelt  es  sich  jedoch  hier  und  in  den  folgenden 
Listen  nicht  um  mathematische  Genauigkeit;  es  ist  eben  die  grofse  Zahl 
der  Städte  auffällig,  die  einen  Abstand  gleich  dem  Berlins  von  St.  Peters- 
burg haben.  Die  Entfernungen  wurden  auch  weiter  nicht  berechnet,  da 
das  Abgreifen  mit  dem  Zirkel  auf  jeder  guten  Übersichtskarte  die  An- 
gaben bestätigen  wird.  Eine  Abweichung  von  2 bis  3 v.  H.  kann  immer- 
hin noch  als  gute  Übereinstimmung  gelten. 

Auf  einem  Kreise  mit  dem  Halbmesser  Berlin  — St.  Petersburg  liegen 
um  Galatz: 

Messina,  Rom,  Florenz,  Bologna,  Verona,  Augsburg,  Leipzig,  Berlin, 

Riga,  Moskau; 
um  Sofia: 

Tunis,  Nizza,  Bern,  Berlin,  Danzig,  Königsberg,  Taganrog; 


38 


um  Neapel: 

Cartagena,  Bordeaux,  Paris,  Brüssel,  Berlin,  Warschau; 
um  Sassari: 

Cadix,  Brest,  Amsterdam,  Berlin,  Breslau,  Krakau,  Athen; 
um  Bordeaux: 

Berlin,  Wien,  Neapel,  Tunis; 
um  Brest: 

Berlin,  Dresden,  Florenz,  Sassari,  Cadix; 
um  Dublin: 

Zaragoza,  Oporto,  Kristiania,  Berlin,  Augsburg; 
um  Umeä: 

Moskau,  Warschau,  Berlin; 
um  Wien: 

Barcelona,  Bordeaux,  Nantes,  Southampton,  Hüll,  Kristiania,  Stock- 
holm, Konstantinopel,  Athen,  Malta,  Tunis; 
um  Rom: 

Oran,  Madrid,  Calais,  Amsterdam,  Hamburg,  Stettin,  Thorn, 

Warschau,  Galatz,  Konstantinopel,  Herakleion  (Knossos)  auf  Kreta; 
um  Madrid: 

Birmingham,  Antwerpen,  Lüttich,  Karlsruhe,  Rom,  Tunis; 
um  Oporto: 

Dublin,  London,  Calais,  Genf,  Nizza; 
um  Lyon: 

Malta,  Gibraltar,  Lissabon,  Glasgow,  Warschau; 
um  Paris: 

Algier,  Cordoba,  Bergen,  Kristiania,  Danzig,  Warschau,  Neapel; 
um  Calais: 

Rom,  Oporto,  Stockholm,  Königsberg,  Warschau,  Budapest; 
um  Bergen: 

St.  Petersburg,  Warschau,  Stuttgart,  Strafsburg,  Paris; 
um  Warschau: 

Konstantin opel,  Saloniki,  Neapel,  Rom,  Lyon,  Paris,  Calais, 

Bergen,  Umeä. 

Es  sind  ferner  zu  erwähnen  die  Paare:  Edinburg  — Stockholm, 
Edinburg  — München,  Edinburg  — Prag,  London  — Valencia,  Hüll  — 
Triest,  Triest  — Konstantinopel,  Triest  — Odessa,  Lissabon  — Marseille, 
Brest —Venedig,  Turin  — Saloniki,  Mailand — Bukarest,  Florenz— Kopen- 
hagen, Brüssel  — Stockholm,  Stockholm  — Budapest,  Budapest  — Malta, 
Moskau  — Astrachan,  Astrachan  — Odessa  usw. 

Es  sind  im  Vorstehenden  111  „konjugierte  Punkte“  angegeben  worden; 
in  den  Listen  der  auf  Kreisen  gelegenen  Orte  wiederholen  sich  manche 
Namen  mehrfach.  Es  ist  nun  aber  besonders  beachtenswert,  dafs  auch 
Städte  um  die  doppelte  Entfernung  von  einander  abstehen,  darunter 
manche,  die  sich  auf  einem  Kreise  diametral  gegenüberliegen,  wie  Umeä 
und  Sassari.  Es  können  naturgemäfs  nur  weniger  Punkte  mit  doppelter 
Entfernung  aufgezählt  werden,  da  nur  die  mehr  peripherisch  gelegenen 
in  Betracht  kommen.  Es  sind  zu  nennen  die  Paare:  Lissabon — Warschau, 
Oporto  — Stockholm,  Oporto — Sofia,  Madrid  — Galatz,  Algier  — Stockholm, 
Algier — Riga,  Marseille  — Moskau,  Dublin  — Galatz,  Umeä  — Sassari,  Kri- 
stiania— Athen. 


39 


Und  noch  verwunderlicher  erscheint  es,  dafs  es  nun  auch  Tripel  gibt 
unter  den  bereits  genannten  Städten,  die  auf  den  Eckpunkten  gleichseitiger 
Dreiecke  mit  der  Entfernung  Berlin — St.  Petersburg  liegen;  es  sind  zu 
nennen: 

Sassari  — Brest  — Berlin, 

Sassari  — Brest  — Cadix, 

Sassari  — Athen  — Krakau, 

Stockholm  — Budapest  — Calais, 

Rom  — Warschau  — Calais, 

Rom  — Warschau  — Konstantinopel, 

Paris  — Warschau  — Neapel, 

Paris — Warschau  — Bergen, 

Bordeaux  — Wien  — * Tunis. 

Da  sich  nun  überdies  Paare  von  Paaren  finden,  wie  Umeä  — Moskau 
und  Galatz — Moskau,  so  ergibt  es  sich,  dafs  die  Lage  einiger  Städte 
durch  Kreise  um  andere  bestimmt  ist,  und  dafs  ein  hexagonales  Kreis- 
netzwerk  in  mehrfacher  Stellung  über  die  Städte  deckbar  ist,  so  dafs 
diese  auf  Mittelpunkten  oder  auf  Kreisbögen  liegen,  wie  dies  Deecke  für 
die  Vulkane  angegeben  hat. 

Über  die  oben  angegebenen  Städte  mit  dem  Abstande  Creus  — Finis- 
terre  läfst  sich  ein  solches  Kreisnetzwerk  nicht  decken:  der  Grund  davon 
dürfte  einzig  und  allein  darin  zu  suchen  sein,  dafs  die  Zahl  der  be- 
treffenden Punkte  zu  klein  ist.  Ein  hexagonales  Kreisnetzwerk  ergibt  die 
dichteste  regelmäfsige  Lagerung  von  Punkten  auf  der  Fläche,  und  je 
kleiner  der  Halbmesser  der  Kreise  wird,  um  so  mehr  Punkte  müssen  auf 
Mittelpunkte  oder  Kreisbögen  fallen.*)  Der  Halbmesser  Berlin — St.  Peters- 
burg ist  im  Verhältnis  zur  Gröfse  Europas  gerade  sehr  grofs,  und  es  ist 
deshalb  leicht  einzusehen,  dafs  nicht  alle  Städte  auf  das  Kreisnetzwerk 
in  einer  bestimmten  Stellung  fallen  werden.  Deecke  aber  verwendet  sehr 
enge  Netzwerke,  wobei  sich  gute  Übereinstimmung  für  die  Lage  von 
Vulkanen  zeigt.  Da  aber  das  grofse  Netzwerk  für  Städte,  die  doch 
immerhin,  wenn  auch  nur  bis  zu  einem  gewissen  Grade,  freie  Schöpfungen 
der  Menschen  sind,  etwas  ähnliches  ergibt,  wie  das  enge  Netzwerk  für 
Vulkane,  so  wird  man  wohl  behaupten  können,  dafs  das  hexagonale 
Kreisnetzwerk  nichts  für  die  Verteilung  der  Vulkane  Wesentliches  darstellt. 
Die  Übereinstimmung  in  der  Lage  der  vulkanischen  Herde  mit  einem 
solchen  Netzwerk  ist  und  bleibt  eine  Aufgabe  der  Wahrscheinlichkeits- 
rechnung, nicht  der  Geologie. 

An  diesem  Ergebnis  wird  nichts  geändert  durch  folgende  Erwägung. 
Die  Lage  grofser  Städte  ist  abhängig  von  mancherlei  „geographischen“ 
Verhältnissen.  Wenn  also  Städte  so  oft  den  Abstand  Berlin — St.  Peters- 
burg aufweisen,  so  wird  dieser  Abstand  auch  eine  europäische  Entfernung 
von  allgemeinerer  Bedeutung  sein.  In  der  Tat  finden  wir  das  Mafs  wieder 
in  der  Entfernung  des  Nordkaps  von  der  westlichsten  Spitze  Norwegens, 
in  der  nordsüdlichen  Länge  der  Ostsee  von  Haparanda  bis  Danzig;  das 
russische  Tafelland  wird  eingeschlossen  von  dem  Kreise  um  Moskau,  Flufs- 
mündungen  haben  von  einander  diesen  Abstand,  wie  die  Paare  Donau  — 


*)  Deckt  man  über  Europa  ein  Kreisnetzwerk  mit  dem  Halbmesser  von  1 km, 
nun  dann  fallen  alle  Städte  auf  Mittelpunkte. 


* 


40 


Po,  Rhein  — Ebro,  Seine — Weichsel,  Oder — Rhone,  Elbe  — Tiber.  Be- 
sonders grofs  ist  dann  noch  die  Zahl  der  Vorgebirge  mit  dem  gleichen 
Abstande:  Punta  Marroqui  — Punta  Falcone  (Sardinien),  S.  Vicente  — 
St.  Matthieu , Roca  — de  la  Hague , Finisterre — Küste  bei  Gt.  Yarmonth, 
Gata — St.  Matthieu,  Palos  — bei  Ancona,  la  Nao — Passaro,  Creus  — Glossa 
(Albanien),  Athos — Teulada  (Sardinien),  Matapan  — Corso,  Corso — Jasmund, 
Skagen  — Landsend,  Skagen  — Erris  Head,  Küste  bei  Gt.  Yarmonth  — bei 
Norrtelge,  Carnsore  Point — Falsterbo  (Südschweden).  Die  Südspitze  der 
Krim,  das  Kap  Saritsch,  ist  1296  km  entfernt  vom  Kap  Matapan : mit  der 
Entfernung  Berlin  — St.  Petersburg  kommt  man  von  Kap  Saritsch  nach 
Matapan,  nach  der  Nord  westspitze  von  Sardinien,  nach  Kap  St.  Matthieu 
oder  der  Insel  Ouessant,  von  da  nach  der  Südspitze  von  Norwegen,  weiter 
nach  einer  Nordostspitze  von  Island,  zurück  nach  der  Nordwestspitze  von 
Irland,  nach  dem  innersten  Winkel  des  Meerbusens  von  Biscaya,  nach 
Kap  Bon,  nach  dem  Ostende  von  Kreta  und  endlich  wieder  ziemlich  genau 
zurück  nach  Kap  Saritsch. 

Vulkanische  Herde  mit  dem  Abstand  Berlin  — St.  Petersburg  liefsen 
sich  zwar  ermitteln,  die  Beispiele  sind  aber  offenbar  ebenso  bedeutungs- 
los wie  Dutzende  von  Paaren  hoher  Berggipfel,  deren  Verbindung  doch 
ganz  willkürlich  sein  würde. 

Die  im  Vorstehenden  berücksichtigten  europäischen  Entfernungen  sind 
Epomeo  — Ustica  mit  233  km,  Vesuv  — Ätna  mit  346  km,  Creus — Finis- 
terre mit  1032  km,  Berlin  — St.  Petersburg  mit  1323  km:  diese  Zahlen 
verhalten  sich  nahezu  wie  2:3:9:12  [Äquatorialgrade!].  Das  einfache 
Verhältnis  spricht  vielleicht  schon  allein  dafür,  dafs  diese  Entfernungen 
eine  Rolle  spielen  in  dem  Aufbau  des  kleinen  europäischen  Stückes  der 
Erdoberfläche:  die  Entfernungen  je  zweier  Punkte  sind  gegeben,  ein 
Gesetz  für  die  Verteilung  der  vulkanischen  Herde,  kleiner  und  grofser, 
läfst  sich  daraus  allein  nicht  ableiten.  Vor  29  Jahren  habe  ich  in  einem 
Vortrage  im  Verein  für  Erdkunde  in  Leipzig  versucht,  eine  Regelmäfsig- 
keit  in  der  Verteilung  der  Vulkane  in  Europa  von  einem  anderen  Ge- 
sichtspunkte aus  nachzuweisen;  aufser  einem  kurzen  Referat  ist  jedoch 
nichts  darüber  veröffentlicht  worden. 

Dresden,  den  31.  Dezember  1908. 


VI.  Über  einige  Zusammenhänge  der  höheren  Mathematik 
mit  der  elementaren.*) 

Yon  Prof.  Dr.  A.  Witting. 

Mit  3 Abbildungen. 


Zur  Mathematik  gibt  es  keinen  Königsweg,  das  ist  ein  altes  und  immer 
noch  wahres  Wort.  Daher  ist  die  Aufgabe,  Laien  einen  Begriff  des  Wesens 
der  Mathematik  zu  geben,  streng  genommen,  unlösbar,  d.  h.  jeder  Versuch, 
dies  zu  tun,  wird  nur  mehr  oder  weniger  unvollständig  und  unbefriedigend 
bleiben  müssen.  Andrerseits  erscheint  es  sowohl  verlockend  für  den  Mathe- 
matiker als  auch  vielleicht  nicht  ganz  unnützlich  für  gebildete  Laien,  solchen 
Versuch  zu  wagen.  Das  gekennzeichnete  Problem  kann  offenbar  auf  mehr- 
fache Weise  in  Angriff  genommen  werden.  Einmal  kann  man  dem  histo- 
rischen Gang  der  Entwickelung  der  Mathematik  nachspüren  und  zeigen, 
wie  sich  bei  verschiedenen  Kulturvölkern  im  Einklang  mit  dem  Wachstum 
der  geistigen  und  materiellen  Bedürfnisse  neben  den  anderen  Wissenschaften 
und  Künsten  die  Mathematik  entwickelt  hat.  Nach  dieser  Richtung  hin 
ist  die  Darstellung  der  Entwickelung  der  Mathematik  neuerdings  in  dem 
Sammelwerke  „Schaffen  und  Schauen“,  das  bei  Teubner  erschienen  ist, 
erfolgt.  Dann  aber  kann  man  auch  einen  kurzen  Überblick  über  die 
Entwickelung  der  Mathematik  und  über  ihre  Bedeutung  in  einer  für  Laien 
einigermafsen  fafslichen  Weise  dadurch  zu  geben  versuchen,  dafs  man 
überall  an  bekannte  Dinge  anknüpft  und  zeigt,  wie  sich  schon  im  mathe- 
matischen Elementarunterrichte  Keime  zu  mannigfaltigen  wichtigen  Er- 
weiterungen vorfinden.  Aus  diesem  Grunde  wurde  auch  als  Thema  des 
heutigen  Vortrages  formuliert:  Über  einige  Zusammenhänge  der  höheren 
Mathematik  mit  der  elementaren. 

Wenn  schon  gesagt  war,  dafs  an  Bekanntes  angeknüpft  werden  sollte, 
so  mufs  zur  Kennzeichnung  unseres  Ausgangspunktes  sofort  bemerkt  werden, 
dafs  die  sogenannte  Elementarmathematik,  wie  sie  auf  unseren  höheren 
Schulen  gelehrt  wird,  als  im  wesentlichen  bekannt  vorausgesetzt  werden 
soll.  Eine  genauere  Ausführung  verbietet  die  Beschränktheit  der  Zeit, 
nur  der  Hinweis  mag  genügen,  dafs  ja  auch  die  sogenannte  Elementar- 
mathematik das  Ergebnis  einer  Jahrtausende  alten  Entwickelung  ist,  bei 
der  jeder  neue  Gedanke  die  Arbeit  von  Generationen  enthält.  Versuchen 
wir  demnach  einige  solcher  neuer  Gedanken,  die  für  den  Fortschritt  der 
Wissenschaft  Bedeutung  erlangt  haben,  zu  erkennen. 

*)  Vortrag  in  der  Hauptversammlung  der  naturwissensch.  Ges.  Isis  in  Dresden  am 
17.  Dezember  1908. 


42 


Die  Zahlenlehre  beginnt  zunächst  mit  den  ganzen  Zahlen  und  an 
ihnen  werden  die  vier  Grundrechnungsarten:  die  Addition,  Subtraktion, 
Multiplikation  und  Division  gelehrt  und  eingeübt.  Dann  wird  es  nötig, 
die  Rechenoperationen  durch  Einführung  neuer  Zahlenarten  in  allen  Fällen 
ausführbar  zu  machen.  Aus  den  zunächst  nur  vorhandenen  positiven 
ganzen  Zahlen  entstehen  die  gemeinen  Brüche  durch  Division,  die  nega- 
tiven Zahlen  werden  durch  die  Subtraktion  veranlafst.  So  wie  man  aus 
der  Summe  gleicher  Glieder  den  Begriff  des  Produkts  bildet,  so  sieht 
man  sich  später  genötigt,  das  häufig  vorkommende  Produkt  gleicher 
Faktoren  als  Potenz  zu  definieren  und  damit  eine  neue  Operation,  das 
Potenzieren,  einzuführen.  Man  erkennt  dann  weiter,  dafs,  während  Addi- 
tion und  Multiplikation  nur  je  eine  Umkehrung,  die  Subtraktion  und  die 
Division,  zulassen,  die  Potenzierung  zwei  Umkehrungen  ergibt,  das  Radi- 
zieren und  das  Logarithmieren.  Auch  hier  mufs  man  neue  Zahlenarten 
einführen,  wenn  man  diese  Umkehrungen  allgemein  ausführbar  machen 
will.  Das  einfachste  Beispiel  ist  bekanntlich  die  Umkehrung  des  Qua- 
drierens.  Wir  bedienen  uns  zu  dieser  kurzen  Klarlegung  allgemeiner  Zahlen, 
die  durch  Buchstaben  dargestellt  werden,  und  weisen  dabei  nur  kurz  darauf 
hin,  dafs  durch  die  Einführung  von  Buchstaben  eines  der  gewaltigsten 
Hilfsmittel  der  Mathematik  zugeführt  worden  ist  — nebenbei  bemerkt  in 
gewissem  Sinne  die  einzige,  allgemein  anerkannte  Weltsprache.  Die  Be- 
deutung der  Buchstabenrechnung  beruht  vor  allem  darauf,  dafs  die  Er- 
gebnisse der  Rechnung  allgemein  gültig  sind,  d.  h.  dafs  man  in  eine  fertige 
Formel,  die  die  Antwort  auf  eine  vorgelegte  Frage  enthält,  beliebige 
Zahlenwerte  einsetzen  kann,  ohne  jedesmal  von  neuem  wieder  dieselbe 
gedankliche  Arbeit  zu  leisten,  die  eben  schon  bei  der  Entwickelung  der 
Formel  aufgewendet  wurde.  Ist  also  in  der  Gleichung  y — x1  die  Gröfse  y 
gegeben  und  soll  x berechnet  werden,  so  drückt  man  diese  Forderung 
unter  Benutzung  eines  neuen  Symbols  durch  die  Gleichung  x = y/y  aus. 
Für  den  Fall,  dafs  y das  Quadrat  einer  ganzen  oder  gebrochenen  Zahl 
ist,  kann  man  eine  Rechenvorschrift,  einen  Algorithmus  angeben,  der  die 
Bestimmung  dieser  Zahl  ermöglicht.  Man  merkt  aber  bald,  dafs  wenn  y 
eine  beliebige  positive  Zahl  ist,  der  Algorithmus  kein  Ende  hat  und  kann 
leicht  beweisen,  dafs  der  entstehende  unendliche  Dezimalbruch  nichtperiodisch 
ist.  So  wird  die  Berechnung  von  x nur  mit  „ beliebiger  Annäherung“ 
möglich ; man  nennt  den  nicht  durch  die  bisherigen  Zahlen  darstellbaren 
Wert  der  Quadratwurzel  eine  irrationale  Zahl  und  bezeichnet  die  bis- 
herigen Zahlen  zum  Unterschiede  davon  als  rationale  Zahlen.  Ist  aber 
y eine  negative  Zahl,  so  erfordert  die  Lösung  der  Aufgabe  abermals  die 
Einführung  einer  neuen  Zahlenart,  der  imaginären  Zahlen,  während 
man  die  rationalen  und  irrationalen  Zahlen  reelle  Zahlen  nennt.  (Es 
ist  wohl  unnötig  hier  genauer  darauf  einzugehen,  dafs  diese  Namen  so 
mifsverständlich  wie  möglich  sind,  dafs  die  positiven  ganzen  Zahlen  genau 
so  abstrakte  Begriffe  vorstellen,  wie  die  imaginären  Zahlen.)  Die  Rechnung 
mit  imaginären  Zahlen  führt  sofort  auf  die  komplexe  Zahl,  die  Summe 
einer  reellen  und  einer  imaginären  Zahl.  Man  kann  nun  erstens  zeigen, 
dafs  die  Quadratwurzel  aus  einer  irrationalen  Zahl  wieder  eine  irrationale 
Zahl  ist  und  zweitens,  dafs  auch  die  Quadratwurzel  aus  einer  komplexen 
Zahl  eine  komplexe  Zahl  ergibt.  Ferner  aber  ist  es  wesentlich,  dafs  auch 

n 

die  Umkehrung  der  Gleichung  y = xn,  nämlich  x = yjy  nicht  zu  neuen 


43 


Zahlen  führt.  Die  bis  jetzt  genannten  Zahlen  bilden  allen  besprochenen 
Operationen  gegenüber  einen  in  sich  geschlossenen  Bereich  von  Gröfsen. 
Eine  andere  Frage  ist  freilich  die  nach  der  wirklichen  Ausführung  der 
Operationen,  nach  der  vollständigen  Auflösung  solcher  Aufgaben,  und  dazu 
bedarf  man  neuer  Hilfsmittel,  deren  Besprechung  hier  unerläfslich  ist. 

So  wie  man  zur  Berechnung  der  Quadratwurzel  aus  einer  positiven 
reellen  Zahl  einen  Algorithmus  angeben  kann,  so  kann  man  auch  für 
dritte  und  höhere  Wurzeln  Rechenverfahren  ersinnen,  nur  werden  diese 
Algorithmen  immer  komplizierter,  ihre  Anwendung  immer  zeitraubender. 
Man  könnte  daran  denken,  für  jede  dieser  Wurzeln  eine  Tabelle  zu  be- 
rechnen, aus  der  sowohl  die  betreffende  Potenz,  als  auch  die  Wurzel  mit 
einer  gewissen  Genauigkeit  abzulesen  wäre.  Bekanntlich  hat  sich  aber 
gezeigt,  dafs  man  mit  einer  einzigen  Tabelle  für  alle  Wurzeln  auskommt, 
mit  der  Logarithmentafel,  die  in  ihrer  gewöhnlichen  Form  auf  der  Um- 
kehrung der  Gleichung  y — 1(U  beruht.  Allerdings  setzt  dies  eine  Er- 
weiterung des  Begriffs  der  Potenz  voraus,  die  im  wesentlichen  von  Newton 
herrührt,  die  Definition  einer  Potenz  mit  negativem  ganzen,  mit  gebrochenem 
und  mit  irrationalem  Exponenten.  Jede  reelle  positive  Zahl  y läfst  sich 
dann  als  Potenz  von  10  darstellen;  der  Exponent  x heifst  der  Logarith- 
mus des  Numerus  y zur  Grundzahl  10,  der  dekadische  oder  gemeine 
Logarithmus  von  y ...  . x = log  y und  man  kann  eine  Tabelle  herstellen, 
aus  der  man  mit  gewisser  Annäherung  zu  jeder  reellen  positiven  Zahl  den 
Logarithmus  und  zu  jedem  positiven  oder  negativen  reellen  Logarithmus 
den  Numerus  bestimmen  kann.  Aus  den  elementaren  Sätzen  über  Potenz- 
rechnung folgt  dann,  dafs  der  Logarithmus  des  Produkts  oder  Quotienten 
zweier  Zahlen  gleich  der  Summe  oder  Differenz  ihrer  Logarithmen,  der 
Logarithmus  der  n- ten  Potenz  einer  Zahl  das  w-fache  ihres  Logarithmus 
ist;  n kann  dabei  eine  beliebige  reelle  Zahl  sein,  sodafs  das  Problem  der 
angenäherten  Wurzelberechnung  für  reelle  positive  Radikanden  erledigt 
scheint. 

Eine  wesentlich  neue  Fragestellung  drängt  sich  aber  auf,  wenn  man 
beachtet,  dafs  jede  Quadratwurzel  zwei  Werte  hat,  die  entgegengesetzt 
gleich  sind;  so  führt  die  Gleichung  x2  = 1 auf  die  Werte  + 1 und  — 1. 
Wie  steht  es  nun  mit  der  Gleichung  xn  — 1,  unter  n eine  positive  ganze 
Zahl  verstanden?  Eine  allgemeine  und  kurze  Antwort  auf  diese  Frage 
läfst  sich  nur  unter  Einführung  neuer  Symbole  geben,  deren  Ursprung 
auf  ganz  anderem  Gebiete  liegt.  Bevor  wir  aber  auf  diese  Dinge  eiri- 
gehen,  ist  es  unbedingt  erforderlich,  zweierlei  zu  besprechen,  was  grofse 
Gebiete  der  Mathematik  anschaulich  und  lebensvoll  macht,  die  Funktion 
und  die  graphische  Darstellung,  eine  Anschauungsweise  und  eine 
Methode,  die  nicht  früh  genug  im  elementaren  Unterrichte  eingeführt 
werden  können. 

Schon  im  allerersten  Rechenunterrichte  tritt  eine  Gattung  von  Auf- 
gaben auf,  die  Dreisatzaufgaben  (Regel  de  tri,  Schlufsrechnung),  bei  denen 
die  Abhängigkeit  einer  Gröfse  von  einer  anderen  betrachtet  werden  mufs. 
Damit  sind  zwei  neue  und  wichtige  Begriffe  verbunden,  der  Begriff  der 
veränderlichen  Zahl  und  der  Begriff  der  funktionalen  Abhängig- 
keit. Ihre  Wichtigkeit  liegt  in  ihrer  Fruchtbarkeit,  da  sie  bei  allen 
möglichen  Fragestellungen  auftreten;  bei  allen  möglichen  Aufgaben  erhält 
man  erst  dann  vollen  Einblick,  wenn  man  eine  oder  mehrere  der  gegebenen 
Gröfsen  als  veränderlich  ansieht  und  die  Abhängigkeit  anderer  von  ihnen 


44 


studiert.  Schon  die  vier  Grundrechnungsarten  geben  zu  solchen  Betrach- 
tungen Anlafs,  wenn  man  y = xYa,  y = ax,  y = — schreibt,  unter  a eine 

x 

feste,  unter  x eine  beliebig  veränderliche  Zahl  versteht  und  y als  Funktion 
von  x auffafst;  setzt  man  y — xz,  so  erhält  man  mehrere  Möglichkeiten, 
indem  man  irgend  einer  der  drei  Zahlen  einen  festen  Wert  beilegt,  eine 
zweite  als  beliebig  veränderlich  und  die  dritte  als  die  abhängige  Ver- 
änderliche, als  die  Funktion  betrachtet.  Zu  gröfserer  Klarheit  kommen 
diese  Begriffe  aber  erst,  wenn  eine  graphische  Darstellung  die  funktionale 
Abhängigkeit  einer  reellen  Zahl  von  einer  beliebig  veränderlichen  andern 
reellen  Zahl  veranschaulicht.  Fast  ausschliefslich  werden  dazu  zwei 
Methoden  benutzt.  Die  eine  ist  die  von  Descartes  angegebene  Methode 
rechtwinkliger  Koordinaten,  bei  der  z.  B.  das  gerade  Verhältnis  y = ax 
eine  durch  den  Koordinatenursprung  gehende  Gerade,  das  umgekehrte 

Verhältnis  y — — eine  gleichseitige  Hyperbel  als  „Diagramm“  ergibt. 
x 

Die  andre  ist  die  Methode  der  Polarkoordinaten,  die  weiter  unten  be- 
sprochen werden  soll.  Eine  wesentliche  Erweiterung  mufste  diese  Dar- 
stellung nach  Einführung  der  komplexen  Zahlen  erfahren.  Eine  beliebig 
veränderliche  Gröfse  z = x + iy  erfordert  ja  zu  ihrer  Darstellung  schon 
die  ganze  Ebene;  ebenso  ist  für  die  abhängige  Gröfse  Z—X-\-iY  eine 
ganze  Ebene  nötig,  es  schwindet  also  zunächst  die  einfache  Darstellung 
der  funktionalen  Abhängigkeit  durch  die  Punkte  einer  Kurve.  Jedem 
Punkte,  jeder  Linie,  jedem  Bereiche  der  z- Ebene  entspricht  dann  ein 
Punkt,  eine  Linie,  ein  Bereich  der  Z- Ebene  und  um- 
Fig.  1.  gekehrt  — wobei  allerdings  die  bei  vielen  Funktionen 

auftretende  Mehrdeutigkeit  nicht  aufser  Acht  gelassen 
werden  darf.  Zur  bequemeren  Veranschaulichung  führen 
wir  nun  Polarkoordinaten  ein.  Dazu  müssen  wir  die 
ursprünglich  zum  Zwecke  der  Dreiecksberechnung  er- 
y fundenen  W inkelfunktionen  sin,  cos,  tan,  cot  heran- 
— — x — — ziehen.  Ihre  Untersuchung  zeigt  zunächst,  dafs  sie  perio- 

dische Funktionen  sind,  was  bei  ihrer  graphischen 
Darstellung  besonders  anschaulich  wird.  Aus  der  bei- 
stehenden Figur  ist  unmittelbar  ersichtlich,  dafs 


z = x iy  = r (cos  cp  + i sin  (p) 


x — r cos  (p  r = + yjx2  + y2 

y = r sin  (p  tan  <p  = y : x 

ist.  Soll  nun  die  Funktion  z2  — Z oder  z — 'SjZ  untersucht  werden  und 
setzt  man  Z=X-\-iY=R{ cos  <P  + i sin  CP),  so  ergeben  sich  aus  der 
leicht  zu  berechnenden  Formel  z2  = r2( cos  2 (p  + i sin  2 (p)  die  Bezieh- 
ungen R = r2  und  cP  = 2 (p.  Erteilt  man  r einen  festen  Wert  und  läfst 

( p von  0 bis  n (=  arc  180°)  zunehmen,  so  hat  auch  R — r 2 einen  festen 

Wert  und  <I>  durchläuft  die  Werte  von  0 bis  2 tc.  Während  also  der 
Punkt  z einen  Halbkreis  um  den  Nullpunkt  vom  Punkte  + r der  x-Achse 
über  den  Punkt  ri  der  y- Achse  bis  zum  Punkte  — r durchläuft,  be- 
schreibt der  Punkt  Z in  seiner  Ebene  einen  vollen  Kreis  mit  Badius 
R — r2  um  den  Nullpunkt.  Er  durchläuft  diesen  ein  zweites  Mal,  wenn 
z den  andern  Halbkreis  von  cp  = n bis  cp  — 2 n durchmifst.  Da  nun  r 
jeden  beliebigen  positiven  reellen  Wert  annehmen  kann,  so  erkennt  man: 
jedem  Punkte  der  Z- Ebene  entspricht  nicht  ein  Punkt  der  Ebene, 


45 


sondern  es  entsprechen  ihm  zwei  verschiedene  Punkte  im  selben  Abstande 
r vom  Nullpunkte  und  mit  Argumenten  #>,  die  sich  um  tc  von  einander 
unterscheiden;  die  Verbindungslinie  zweier  solcher  Punkte  wird  also  vom 
Nullpunkt  halbiert.  Man  betrachtet  daher  auch  die  Z-  Ebene  als  aus 
zwei  auf  einander  liegenden  Blättern  bestehend  und  ordnet  dem  oberen 
Blatte  etwa  die  oberhalb  der  x- Achse  gelegene  halbe  z- Ebene  zu  und 
dem  unteren  Blatte  die  untere  Hälfte  der  £- Ebene. 

Diese  Betrachtungen  erscheinen  auf  den  ersten  Augenblick  sehr 
schwierig  und  man  könnte  meinen,  dafs  eine  solche  mehrdeutige  Be- 
ziehung zweier  Ebenen  etwas  dem  gewöhnlichen  Leben  völlig  Fernliegendes 
sei.  Betrachten  wir  aber  einmal  die  Bewegungen  der  beiden  Zeiger  einer 
Uhr,  so  erkennen  wir  da  eine  viel  kompliziertere  Abhängigkeit.  Zwölfmal 
dreht  sich  der  grofse  Zeiger  herum,  während  der  kleine  Zeiger  nur  eine 
Umdrehung  macht.  Jeder  Stellung  des  Stundenzeigers  entspricht  eine  einzige 
Stellung  des  Minutenzeigers;  aber  jeder  Stellung  dieses  letzteren  entsprechen 
zwölf  verschiedene  Stellungen  des  kleinen  Zeigers:  Wir  haben  eine  ein- 
zwölfdeutige  Beziehung.  Man  könnte  sich  also  13  Zifferblätter  über- 
einander gelegt  denken.  Das  erste  gehört  dem  kleinen  Zeiger  an,  der  auf 
ihm  die  Stunden  angibt.  Die  andern  12  dienen  in  folgender  Weise  dem 
Minutenzeiger:  Um  12  Uhr  beginnt  er  seinen  Lauf  über  das  erste  Blatt; 
hat  er  den  ersten  Umlauf  vollendet,  so  schlüpft  er  auf  dem  nach  XII 
gehenden  Radius  unter  das  erste  Blatt  und  gelangt  so  zum  zweiten,  um 
auf  diesem  seine  Drehung  auszuführen.  Dann  kommt  das  dritte,  das  vierte 
u.  s.  f.  bis  zum  zwölften  daran,  und  darauf  erhebt  er  sich  wieder  bis  zum 
ersten  Blatt.  Wir  haben  so  für  den  Minutenzeiger  eine  sogenannte 
12-blättrige  Riemannsche  Fläche  konstruiert. 

Von  hier  aus  gelangen  wir  leicht  zur  völligen  Beantwortung  der  oben 
aufgeworfenen  Frage  über  diejenigen  Werte,  die  der  binomischen  Gleichung 
n- ten  Grades  genügen,  die  wir  jetzt  allgemeiner  zn  = Z schreiben,  wobei 
n wieder  eine  positive  ganze  Zahl  bedeutet.  Man  erkennt  durch  dieselben 
Betrachtungen  wie  oben,  dafs  jedem  Werte  von  Z n verschiedene  Werte 
von  z zugehören,  die  auf  einem  Kreise  mit  Radius  r — Rn  die  Ecken 

n 

eines  regelmäfsigen  n- Ecks  bilden.  So  hat  also  y Z n verschiedene  Werte 
und  die  Gleichung  zn  = Z hat  für  jeden  bestimmten  Wert  von  Z n ver- 
schiedene Lösungen  oder  Wurzeln.  Setzt  man  insbesondere  Z—  1,  so 
gibt  die  Gleichung  zn  = 1 die  sogenannten  n- ten  Einheits wurzeln 

2 kn  . . 2 k n 

Zu  = cos h ^ sm 1 

n n 

wobei  man  k der  Reihe  nach  die  Werte  0,  1,  2,  ...  n — 1 beizulegen  hat. 

In  der  Elementarmathematik  wird  nun  gezeigt,  dafs  man  jede  qua- 
dratische Gleichung  auf  eine  binomische  Gleichung  zurückführen  kann, 
sodafs  also  jede  quadratische  Gleichung  zwei  Wurzeln  hat,  die  allerdings 
auch  gelegentlich  denselben  Wert  haben  können.  Es  erhebt  sich  daher 
die  Frage,  ob  auch  die  allgemeine  Gleichung  n-ten  Grades 
zn  + a1zn~1  + a2zn~ 2 + • • + an-\Z  + an  = 0, 
bei  der  die  Koeffizienten  a1a2...  komplexe  Zahlen  sind,  immer  n Wurzeln  hat. 

Das  kann  nun  in  der  Tat  durch  Betrachtungen  erwiesen  werden,  die 
sich  an  die  oben  ausgeführten  anschliefsen.  Ist  hiermit  die  Auflösbarkeit 
einer  jeden  algebraischen  Gleichung  bewiesen,  so  entsteht  die  weitere 


46 


Aufgabe,  einen  Algorithmus  zur  Berechnung  der  Wurzeln  zu  finden.  Die 
Vermutung  liegt  nahe,  dafs  man  hier  zu  w-ten  Wurzeln  kommen  wird.  Es 
war  daher  ein  grofses  Ereignis,  als  Abel  zeigte,  dafs  die  bisher  benutzten 
Symbole  zur  Lösung  der  allgemeinen  Gleichungen  von  höherem  als  dem 
vierten  Grade  nicht  mehr  ausreichen,  oder  genauer  gesagt,  dafs  es  keine 
aus  einer  endlichen  Anzahl  von  Wurzeln  gebildeten  Ausdrücke  in  den 
Koeffizienten  einer  allgemeinen  Gleichung  von  höherem  als  dem  vierten 
Grade  geben  könne,  die  der  Gleichung  genügen.  Es  ergibt  sich  daraus 
die  Forderung,  neue  Funktionen  zu  bilden,  die  jene  Aufgabe  lösen.  Man 
wird  mithin  bei  den  höheren  Gleichungen  zu  untersuchen  haben,  auf 
welche  einfachste  Formen  sie  reduziert  werden  können  und  nun  die  Ab- 
hängigkeit der  Gröfse  z von  den  Koeffizienten  studieren.  So  zeigt  sich, 
dafs  die  allgemeine  Gleichung  fünften  Grades  auf  eine  Form  gebracht 
werden  kann,  in  der  nur  noch  ein  einziger  unbestimmter  Koeffizient  vor- 
handen ist,  sodafs  die  Wurzeln  Funktionen  nur  einer  willkürlichen  Gröfse, 
eben  dieses  Koeffizienten  sind. 

Wir  haben  oben  eine  Ebene  mit  Hilfe  der  Funktion  z*  = Z zu 
einer  andern  Ebene  in  Beziehung  gesetzt,  indem  wir  z und  Z als  Punkte 
in  je  einer  dieser  Ebenen  deuteten.  Setzt  man  allgemein  Z = f(z),  so 
kann  man  ebenso  verfahren.  Eine  derartige  Untersuchung  nennt  man  die 
Abbildung  einer  Ebene  auf  eine  andre  Ebene  und  diese  Abbildungen 
spielen  zunächst  in  der  Funktionen theorie  eine  gröfse  Rolle.  Hat  man  in 
der  z- Ebene  zwei  Linien,  die  sich  unter  irgend  einem  Winkel  schneiden, 
so  schneiden  sich  die  Abbildungen  in  der  Z-  Ebene  unter  demselben 
Winkel;  man  nennt  solche  Abbildungen  in  den  kleinsten  Teilen  ähn- 
lich oder  konform.  Da  nämlich  einer  Geraden  der  z- Ebene  im  all- 
gemeinen nicht  wieder  eine  Gerade  der  Z-  Ebene  entspricht,  so  wird  ein 
geradliniges  Dreieck  der  z- Ebene  durch  ein  krummliniges  Dreieck  der 
if-Ebene  abgebildet.  Je  kleiner  man  nun  die  Seiten  des  geradlinigen 
Dreiecks  nimmt,  desto  mehr  wird  sich  das  krummlinige  Dreieck  dem  gerad- 
linigen Sehnendreieck  in  der  Z-  Ebene  nähern,  das  dann  wegen  der  Über- 
einstimmung in  den  Winkeln  jenem  ähnlich  ist. 

Übrigens  sind  die  Abbildungen  auch  sonst  von  Nutzen  und  häufig 
verwendet.  Schon  in  der  elementaren  Geometrie  betrachtet  man  kon- 
gruente und  insbesondere  auch  symmetrisch  gelegene  Figuren;  ferner  ähn- 
liche und  insbesondere  ähnlich  gelegene  Figuren.  Man  braucht  sich  nur 
vorzustellen,  dafs  sich  die  Figuren  in  zwei  verschiedenen,  auf  einander 
liegenden  Ebenen  befinden,  um  sofort  die  kongruente  oder  die  ähnliche 
Abbildung  einer  Ebene  auf  die  andre  zu  haben.  Projiziert  man  eine  Ebene, 
d.  h.  die  auf  ihr  liegenden  Punkte  und  Linien  durch  parallele  Strahlen 
auf  eine  zweite  sie  schneidende  Ebene,  so  erhält  man  eine  affine  Ab- 
bildung (Beispiel:  ebene  Schnitte  eines  Prismas),  und  läfst  man  die  Strahlen 
von  einem  im  Endlichen  gelegenen  Raumpunkte  ausgehen,  so  ergibt  sich 
die  Perspektive  Abbildung  (Beispiel:  ebene  Schnitte  einer  Pyramide). 
Berührt  eine  Ebene  eine  Kugel  in  dem  einen  Endpunkte  eines  Durch- 
messers, so  wird  jeder  durch  den  andern  Endpunkt  gehende  Strahl  die 
Kugel  in  einem  weitern  Punkte  schneiden  und  auch  mit  der  Ebene  einen 
Schnittpunkt  haben;  man  bezeichnet  dann  den  einen  Schnittpunkt  als  das 
Bild  des  andern.  Jede  Figur  auf  der  Kugel  erhält  dann  ein  Bild  in  der 
Ebene.  Diese  sogenannte  stereographische  Projektion,  die  in  den  kleinsten 
Teilen  ähnlich  ist,  findet  zur  Abbildung  von  Teilen  der  Erdkugel  in  den 


47 


Atlanten  Anwendung,  wo  überdies  noch  manche  andre  Abbildung  an- 
gewendet wird,  auf  deren  mathematische  Theorie  einzugehen  hier  unmög- 
lich ist.  Man  sagt  auch,  die  beiden  Flächen  seien  verwandt  und  das 
Studium  der  V erwandtschaften  kann  offenbar  sowohl  geometrisch , als 
auch  analytisch  oder  funktionentheoretisch  betrieben  werden.  Im  ersten 
Falle  wird  man  z.  B.  sein  Augenmerk  darauf  richten  können,  welche 
Eigenschaften  einer  Figur  bei  der  Abbildung  _ (Transformation)  erhalten 
bleiben;  so  ändern  sich  beispielsweise  bei  der  Ähnlichkeits-Transformation 
weder  die  Winkel  noch  die  Streckenverhältnisse.  Im  zweiten  Falle  wird 
man  ebenso  fragen  können , welche  analytische  Ausdrücke  ungeändert 
(invariant)  bleiben. 

Oben  war  die  graphische  Darstellung  der  Funktionen  im  reellen  Ge- 
biete nach  der  Methode  der  rechtwinkligen  Koordinaten  erwähnt  worden. 
Jedem  Wertpaare  x,  y entspricht  ein  Punkt  der  Ebene  und  eine  Gleichung 
zwischen  x und  y bestimmt  durch  die  unendlich  vielen  Wertpaare  x,  y, 
die  ihr  genügen,  eine  Kurve.  So  wird  also  ein  geometrisches  Gebilde 
analytisch  durch  eine  Gleichung  y = f(x)  oder  <f  (x,  y)  — 0 vollständig 
bestimmt.  Man  kann  nun  offenbar  Gleichungen  zwischen  x und  y an- 
setzen und  untersuchen,  welche  Gestalt  und  Eigenschaften  die  durch  sie 
definierten  Kurven  haben.  Aber  auch  umgekehrt  kann  man  jeder  in  der 
Ebene  ausgeführten  Konstruktion  durch  eine  analytische  Rechnung  nach- 
folgen  und  z.  B.  die  Gleichung  eines  punktweise  gezeichneten  geometrischen 
Ortes  aufstellen.  Man  wird  dann  weiter  geometrisch  gefundene  Eigen- 
schaften der  Kurven  ebenso  in  den  Eigenschaften  ihrer  Gleichungen 
wiederfinden,  wie  man  auch  aus  den  Ergebnissen  von  analytischen  Rech- 
nungen geometrische  Sätze  erkennen  wird.  Übrigens  ist  dies  Verfahren 
schon  beim  Elementarunterrichte  in  der  sogenannten  algebraischen  Analysis 
angedeutet.  Zwei  andre  Keime  aber,  die  schon  in  der  elementaren  Geo- 
metrie vorhanden  sind,  haben  hier  eine  fruchtbare  Weiterentwickelung 
gefunden,  das  Problem  der  Tangenten  und  die  Inhaltsberechnung.  Schon 
beim  Kreise  sollte  von  Anfang  an  die  Tangente  als  Grenzlage  einer  Sekante 
betrachtet  werden;  dann  erkennt  man  das  W esentliche  der  Kurventangente 
darin,  dafs  sie  als  Verbindungslinie  zweier 
unendlich  benachbarter  Kurvenpunkte  die  Fig.  2. 

Richtung  der  Kurve  an  einer  Stelle  an  gibt. 

Ist  a der  Winkel,  den  die  Verbindungslinie 
zweier  Kurvenpunkte  P±  und  P2  mit  der 
x- Achse  bildet,  so  wird  tan  a gleich  der 
Ordinatendifferenz  dividiert  durch  die  Ab- 
szissendifferenz 


tan  er  = 


__y  2 — Vi 


Xo  — X* 


Rechnet  man  diesen  Quotienten  für 
eine  gegebene  Kurvengleichung  aus,  so  kann 
man  hierin  die  Abszissendifferenz  immer 
kleiner  werden  lassen,  indem  man  mit  x2 
an  x±  herangeht;  im  allgemeinen  wird 
dann  auch  die  Ordinatendifferenz  immer 

kleiner  und  man  erhält  schliefslich  für  unendlich  kleine  Differenzen,  also 
im  Grenzfall,  als  Grenzwert  jenes  Differenzenquotienten  tan  v,  wenn  man 
mit  t den  Winkel  bezeichnet,  den  die  Kurventangente  des  Punktes  Pt 


48 


Fi g.  B. 


/f 


mit  der  sc-Achse  bildet.  Aus  demselben  Grunde  erkennt  man,  dafs  für 
den  Winkel  & = 90°  — t,  den  die  Kurventangente  mit  der  y - Achse 
einschliefst,  tan  & der  Grenzwert  der  Abszissendifferenz  dividiert  durch 
die  Ordinatendifferenz  ist,  dafs  also  dieser  zweite  Grenzwert  das  Reziprokum 
des  ersten  ist.  Diese  Grenzwerte  nennt  man  Differentialquotienten  und 
man  versteht,  dafs  die  Konstruktion  der  Tangente  in  einem  beliebigen 
Kurvenpunkte  völlig  bestimmt  ist,  wenn  man  den  einen  jener  beiden 
Differentialquotienten  berechnen  kann.  Von  hier  aus  hat  die  durch 
Leibniz  begründete  Differentialrechnung  ihren  Ausgang  genommen. 

Bei  der  Inhaltsbestimmung  des  Kreises  (und  ebenso  bei  der  Berech- 
nung des  Kreisumfanges)  gelingt  die  Lösung  nur  dadurch,  dafs  man  eine 
Summe  von  unendlich  vielen,  unendlich  kleinen  Gröfsen  herstellt.  Zur 
praktischen  Berechnung  geht  man  ja  von  irgend  einer  regelmäfsigen  Teilung 
des  Kreises  aus  und  verdoppelt  die  Anzahl  der  Teile  so  oft,  bis  die  ge- 
wünschte Annäherung  erreicht  ist,  theoretisch  aber  mufs  man  sich  diesen 
Prozefs  unendlich  weit  fortgesetzt  denken.  Solche  Summen  von  unendlich 

vielen,  unendlich  kleinen  Gröfsen  nennt  man 
Integrale,  und  die  Art  ihrer  Einführung  bei 
einer  beliebigen  Kurve  y = f(cc)  erkennt  man 
am  besten  aus  der  beistehenden  Figur.  Die 
grundlegende  Aufgabe  ist,  die  Fläche  zu  be- 
rechnen, die  von  einem  Kurvenbogen,  den 
Grenzordinaten  und  der  x -Achse  umschlossen 
wird.  Das  betreffende  Stück  der  sc-Achse  teilt 
man  in  n gleiche  Teile  und  summiert  die  zu- 
gehörigen Rechtecke.  Je  gröfser  man  n werden 
läfst,  desto  näher  kommt  man  an  die  gesuchte  Fläche  und  für  unendlich 
grofses  n erhält  man  diese  selbst. 

So  wie  sich  nun  an  die  Planimetrie  die  analytische,  oben  charakteri- 
sierte Geometrie  der  Ebene  anschliefst,  so  erhält  die  Stereometrie  ihre 
Weiterführung  in  der  analytischen  Geometrie  des  Raumes.  Die  Lage  eines 
Raumpunktes  kann  ja  durch  seine  Abstände  von  drei  zu  einander  senk- 
rechten Ebenen  festgelegt  werden.  Den  Gebilden  im  Raume  entsprechen 
dann  Gleichungen  zwischen  drei  veränderlichen  Gröfsen  und  umgekehrt 
kann  man  solche  Gleichungen  durch  Raumfiguren  anschaulich  deuten.  Den 
geometrischen  Konstruktionen  und  Beziehungen  im  Raume  entsprechen  dann 
gewisse  Rechenoperationen  und  Gleichungen  und  umgekehrt.  Die  Differential- 
rechnung bestimmt  bei  Raumkurven  und  Flächen  Tangentialebenen,  Normalen 
usw.,  die  Integralrechnung  Kurvenlängen,  Oberflächen,  Rauminhalte.  Auch 
hierfür  finden  wir  in  der  Elementarmathematik  Ansätze  bei  der  Berech- 
nung der  Oberflächen  von  Zylinder,  Kegel  und  Kugel,  bei  der  Inhalts- 
bestimmung nach  dem  Cavalierischen  Satze,  bei  den  Guldinschen  Regeln. 

Um  nun  Raumgebilde  anschaulich  zu  machen,  kann  man  sie  entweder 
in  wahrer  Gröfse  nachbilden,  Modelle  von  ihnen  herstellen,  man  kann 
zweitens  von  ihnen  nach  gewissen,  genau  bestimmten  Regeln  Reliefs  an- 
fertigen oder  man  kann  das  dreidimensionale  Gebilde  durch  Projektion  in 
einer  Ebene  darstellen.  Diese  letztere  Methode,  Raumgebilde  in  der 
Ebene  durch  Zeichnung  anschaulich  zu  machen,  hat  zu  einer  sehr  weit- 
ausgedehnten Disziplin  geführt,  zur  darstellenden  Geometrie,  die  ja 
auch  im  Schulunterrichte  seit  langem  Fufs  gefafst  hat.  So  wie  in  der 
darstellenden  Geometrie  auf  zeichnerischem  Wege,  meist  ohne  Rechnung, 


49 


ebenfalls  geometrische  Lehrsätze  — beispielsweise  über  Kegelschnitte  — 
entwickelt  werden,  so  kann  man  nun  überhaupt  grundsätzlich  auf  analytische 
Rechnung  verzichten  und  rein  geometrisch  etwa  Kurven  punktweise  durch 
Konstruktion  gewinnen,  oder  durch  bewegliche  Mechanismen  erzeugen  und 
sie  dann  untersuchen.  Auf  solchen  Wegen  geht  die  Geometrie  der  Lage 
und  die  Kinematik. 

Wir  haben  an  einzelnen  Beispielen  zu  zeigen  versucht,  wie  sich  grofse 
Gebiete  der  sogenannten  höheren  Mathematik  an  einzelne  Stellen  der 
Elementarmathematik  unmittelbar  anschliefsen.  Solcher  Anschlüsse  gibt 
es  viele  weitere  und  wir  dürfen  es  uns  nicht  versagen,  wenigstens  einige  noch 
in  gedrängter  Kürze  zu  erwähnen.  Die  einfachen  Sätze  über  die  Teilbar- 
keit der  ganzen  Zahlen,  über  Primzahlen  führen  zu  einer  grofsen  Reihe 
von  weiteren  Fragen  über  ganze  Zahlen,  die  in  der  Zahlentheori e ihre 
Beantwortung  finden,  oder  noch  einer  Erledigung  harren.  Die  periodischen 
Dezimalbrüche  ordnen  sich  den  geometrischen  Reihen  unter,  und  diese 
bieten  den  einfachsten  Fall  dar  von  Reihen,  die  sich  unter  gewissen  Be- 
dingungen ins  Unendliche  fortsetzen  lassen.  So  erhalten  wir  hier  einen 
Ausblick  in  die  wichtige  Theorie  der  unendlichen  Reihen,  von  denen 
eine  gewisse  Verallgemeinerung  der  geometrischen  Reihe,  die  Potenzreihe, 
von  besonderem  Einflüsse  auf  die  Funktionentheorie  und  auf  die  Zahlen- 
theorie geworden  ist.  In  der  Trigonometrie  wird  die  Periodizität  der 
Funktionen  sin,  cos,  tan,  cot  bewiesen.  Man  kann  nun  überhaupt  nach 
periodischen  Funktionen  fragen;  gibt  es  noch  mehr  mit  solcher  oder  anderer 
Periodizität,  gibt  es  Funktionen  mit  mehr  als  einer  Periode  usw. 

Wenn  in  der  Mathematik  ein  Lehrsatz  aufgestellt  wird,  so  mufs  er 
bewiesen  werden,  d.  h.  es  mufs  gezeigt  werden,  dafs  er  auf  Grund  der 
vorher  aufgestellten  Definitionen  und  früher  bewiesener,  einfacher  Lehr- 
sätze richtig  ist.  Bei  solchem  Verfahren  geht  man  also  rückwärts,  und 
es  ist  klar,  dafs  man  schliefslich  auf  gewisse  einfachste  Sätze,  Grund- 
sätze oder  Axiome,  stöfst,  die  von  vornherein  als  richtig  und  als  ge- 
geben betrachtet  werden  müssen.  Diese  Grundlagen  einer  mathematischen 
Disziplin  sind  nun  namentlich  neuerdings  ganz  besonders  untersucht  worden 
und  dabei  hat  sich  z.  B.  für  die  Geometrie  ergeben,  dafs  man  neben  dem 
von  Euklid  aufgestellten  System  von  Axiomen  noch  auf  mehrfache  Weise 
andere  vollständige  und  in  sich  widerspruchsfreie  Systeme  von  Axiomen 
aufstellen  kann,  auf  Grund  deren  der  folgerichtige  Aufbau  von  anderen 
Geometrien  möglich  ist. 


Betrachten  wir  nun,  worauf  die  von  allen  Seiten  zugestandene  un- 
geheuere Bedeutung  der  Mathematik  beruht.  Zunächt  wird  man  antworten 
müssen,  dafs  überall  da,  wo  es  sich  um  Messen  und  Zählen  handelt, 
Gebiete  der  Mathematik  berührt  werden;  aus  solchen  praktischen  Bedürf- 
nissen heraus  hat  sich  ja  die  Mathematik  bei  den  Alten  entwickelt.  Ins- 
besondere sind  zwei  Wissenschaftsgebiete  der  Mathematik  benachbart, 
die  Physik  und  die  Technik  im  weitesten  Sinne;  von  diesen  dreien  ver- 
dankt jede  den  beiden  anderen  aufsei  ordentlich  viel.  Schon  in  älteren 
Zeiten  war  es  gelungen  in  einem  Teile  der  Physik,  in  der  Statik,  Gesetze 
in  mathematischer  Form  aufzustellen,  also  Gleichungen  (oder  wenigstens 
Proportionen)  zu  finden,  die  die  Abhängigkeit  veränderlicher  Gröfsen  unter- 
einander festlegen  (z.  B.  Gleichgewichtsbedingungen,  Archimedisches  Prinzip). 


50 


Aber  erst  der  Vater  der  Physik,  Galilei  führte  auch  die  Zeit  als  variable 
Gröfse  in  die  Gesetze  der  Physik  ein  und  ermöglichte  eine  mathematische 
Formulierung  und  Untersuchung  von  gesetzmäfsigen  Bewegungen.  Newtons 
Scharfsinn  erweiterte  das  Anwendungsgebiet  so  wesentlich,  dafs  von  ihm  an 
erst  von  einer  mathematischen  Physik  gesprochen  werden  kann.  Die  gleich- 
zeitig und  nach  ihm  lebenden  grofsen  Mathematiker  des  17.  und  18.  Jahr- 
hunderts haben  teilweise  erhebliches  in  der  Anwendung  der  Mathematik 
auf  physikalische  und  technische  Probleme  geleistet.  Aber  erst  im  19.  Jahr- 
hundert erkannte  man  klarer,  dafs  überall  in  der  Physik,  wie  in  der 
Technik  (ja  auch  noch  in  anderen  Wissenschaften)  der  Begriff  der  Funktion 
die  ausschlaggebende  Rolle  spielt  und  dafs  daher  überall  die  von  der 
Mathematik  bereit  gestellten  Methoden  zur  Untersuchung  der  Funktionen, 
die  analytische  und  die  graphische,  anwendbar  seien.  — Es  ist  vielleicht 
nicht  überflüssig  zu  betonen,  dafs  die  funktionale  Abhängigkeit  einer 
Variabein  von  einer  anderen  bei  einem  physikalischen  Gesetze  nicht  not- 
wendig auch  eine  causale  zu  sein  braucht;  man  denke  nur  an  die  Fall- 
gesetze! — In  der  analytischen  Mechanik  tritt  der  Begriff  Prinzip  in 
dreierlei  Bedeutung  auf,  als  Axiom,  als  allgemeiner  Lehrsatz,  den  man 
benutzt,  um  daraus  andere  Sätze  abzuleiten,  und  endlich  als  allgemeine 
Methode  oder  Regel,  um  die  Differentialgleichungen  der  Bewegung  auf- 
zulösen. Stellt  man  den  Weg  eines  bewegten  Punktes  als  Funktion  der 
Zeit  dar,  so  wird  die  Geschwindigkeit  der  erste  Differentialquotient  des 
Weges  nach  der  Zeit  und  die  Beschleunigung  wird  gleich  dem  zweiten 
Differentialquotienten,  wie  man  leicht  zeigen  kann.  Da  man  nun  seit 
Newton  die  Kraft  als  Produkt  aus  Masse  und  Beschleunigung  definiert,  so 
erkennt  man,  dafs  bei  gegebener  Kraft  eine  Gleichung  für  jenen  zweiten 
Differentialquotienten  vorliegt,  deren  Lösung  ein  rein  mathematisches 
Problem  ist.  Auf  solche  Differentialgleichungen  führen  nun  fast  alle  physi- 
kalischen Fragen,  zumal  wenn  es  sich  um  Bewegungsvorgänge  handelt,  in 
der  Akustik,  Optik,  Elektrodynamik  ebenso  wie  in  der  Astronomie  bei  der 
Bewegung  der  Planeten  um  die  Sonne.  — Eine  sehr  wesentliche  Unter- 
suchung besonderer  Art  ist  es,  bei  einem  beobachteten  Naturvorgang  das 
Gesetz  zu  finden,  nach  dem  die  beobachteten  und  gemessenen  Gröfsen 
Zusammenhängen.  Häufig  wird  man  hier  zunächst  graphisch  Vorgehen; 
indem  man  alle  bei  der  zu  studierenden  Naturerscheinung  vorkommenden 
Gröfsen  bis  auf  zwei  unverändert  läfst,  die  eine  dieser  Gröfsen  willkürlich 
variiert  und  die  dadurch  bedingte  Veränderung  der  andern  mifst,  erhält 
man  zunächst  eine  Tabelle,  die  nach  der  Koordinaten-Methode  einzelne 
„Punkte“  der  Zeichenebene  liefert.  Beachtet  man  dabei  die  Beobachtungs- 
fehler, so  sind  jene  „Punkte“  mathematisch  als  Rechtecke  aufzufassen 
und  durch  Verbindung  dieser  „Punkte“  erhält  man  statt  einer  wirklichen 
Kurve  zunächst  ein  Streifenpolygon,  sodafs  also  zunächst  jede  Kurve, 
die  innerhalb  der  Streifen  des  Polygons  verläuft,  die  Beobachtung  wieder- 
gibt. Man  wird  nun,  wenn  man  keinen  theoretischen  Ansatz  für  die 
mathematische  Behandlung  der  Naturerscheinung  hat,  eine  möglichst  ein- 
fache Kurvengleichung  auswählen,  die  möglichst  wenig  konstante  Gröfsen 
aufweist;  y = a xn  + 5,  y — a log  x + b mögen  als  Beispiele  dienen.  Ist 
eine  Naturerscheinung  vollständig  neu,  so  wird  es  also  gelegentlich  auf 
ein  glückliches  Probieren  ankommen.  Sowie  aber  eine  Kurvenform  mit 
ihrer  Gleichung  das  Beobachtungsmaterial  deckt,  hat  man  durch  die 
Gleichung  einen  theoretischen  Ansatz,  der  verfolgt  werden  mufs  und  dessen 


51 


mathematische  Folgerungen  wiederum  experimentell  auf  ihre  Zulässigkeit 
zu  prüfen  sind.  Die  einfachsten  Folgerungen  bestehen  in  den  Inter- 
polationen und  den  Extrapolationen;  bei  jenen  werden  Zwischenwerte, 
bei  diesen  Aufsenwerte  nach  der  angenommenen  Kurvengleichung  berechnet 
und  dann  experimentell  geprüft.  Die  Geschichte  der  Physik  namentlich 
in  den  letzten  Jahrzehnten  ist  reich  an  höchst  interessanten  Beispielen 
für  solche  Untersuchungen.  Vielfach  wird  es  auch  nötig  sein,  aus  einer 
grofsen  Menge  von  beobachteten  Werten  den  besten,  d.  h.  wahrscheinlichsten 
Mittelwert  zu  ermitteln.  Im  einfachsten  Falle  ist  dies  das  arithmetische 
Mittel;  sind  aber  die  Fehler  der  einzelnen  Beobachtungen  nicht  gleich- 
wertig, so  führt  die  Untersuchung  zu  der  von  Gaufs  begründeten  Methode 
der  kleinsten  Quadrate.  So  erkennt  man,  dafs  in  der  Tat  die  Mathe- 
matik ein  unentbehrliches  Hilfsmittel  bei  der  Behandlung  physikalischer 
und  technischer  Probleme  ist,  und  wenn  es  gelegentlich  scheint,  als  ob  auf 
irgend  einem  Gebiete  der  Technik  das  mathematische  Bedürfnis  gestillt 
sei,  so  bedarf  es  nur  des  Auftauchens  eines  neuartigen  Problems,  um  von 
neuem  zu  bestätigen,  dafs  auch  zu  seiner  Bewältigung  die  mathematischen 
Methoden  schon  vorhanden  sind,  oder  um  zu  veranlassen,  dafs  neue  Methoden 
ersonnen  werden,  durch  die  das  Problem  abschliefsend  erledigt  werden  kann. 


YII.  Über  die  neue  „Monographie  der  Gattung  Potentilla“. 

Von  Dr.  Theodor  Wolf.*) 

Mit  1 Abbildung. 


Das  zu  besprechende  Werk  zerfällt  in  einen  allgemeinen  und  einen 
speziellen  Teil.  Der  erste  behandelt  nach  einem  einleitenden  Abschnitt  in 
acht  folgenden  die  Geschichte  und  Literatur,  die  Begrenzung  und  Definition, 
die  morphologischen  und  biologischen  Verhältnisse  der  Gattung,  ihre 
geographische  Verbreitung  in  Verbindung  mit  phylogenetischen  Betrach- 
tungen, die  Ansichten  des  Verfassers  über  Artbegriff,  Wertstufen  (Rasse, 
Varietät,  Form),  Nomenklatur,  Synonymik,  Zitate  usw.,  ferner  einige  Winke 
für  das  Studium  und  Bestimmen  der  Potentillen,  und  endlich  die  Gliederung 
der  Gattung  in  natürliche  Sektionen,  Subsektionen  und  Gruppen,  sowie 
einen  ausführlichen  Schlüssel  zur  Bestimmung  dieser  verschiedenwertigen 
Verbände. 

Der  zweite,  spezielle  Teil  des  Werkes  enthält  die  Beschreibung  der 
Arten  derart,  dafs  der  Reihe  nach  zunächst  jede  der  schon  im  ersten  Teil 
kurz  diagnostizierten  Gruppen  noch  etwas  eingehender  besprochen,  mit 
den  nächstverwandten  Gruppen  verglichen,  und  ihre  geographische  Ver- 
breitung angegeben  wird,  worauf  dann  ein  kurzer  Bestimmungschlüssel 
für  die  ihr  angehörenden  Arten,  und  schliefslich  die  eingehende  Behand- 
lung jeder  Gruppenangehörigen  und  ihres  Formenkreises  folgt.  Die  Be- 
stimmungschlüssel — im  ersten  Teil  auch  die  für  die  Sektionen,  Sub- 
sektionen und  Gruppen  — sowie  die  sehr  ausführlichen  Diagnosen  der 
Spezies,  Varietäten,  zum  Teil  auch  der  Formen  und  Bastarde,  sind  aus 
begreiflichen  Opportunitätsrücksichten  in  lateinischer  Sprache  abgefafst. 

Einen  Anhang  zum  zweiten  Teil  bildet  die  systematische  Zusammen- 
stellung der  Gruppen,  Arten,  Varietäten  und  Formen  der  Gattung  Potentüla, 
soweit  sie  bis  jetzt  bekannt  und  hier  abgehandelt  sind.  Diese  Zusammen- 
stellung kann  auch  als  Herbar- Katalog  zum  Ordnen  gröfserer  Potentillen- 
Sammlungen  dienen.  Ebenso  willkommen  dürfte  dem  Potentillenfreund 
das  umfangreiche  alphabetische  Register  sein,  weil  es  viele  Synonyme  und 
halbverschollene  Namen  mit  Angabe  ihrer  Bedeutung  enthält,  welche  sonst 


*)  Nach  dem  Selbstreferat , welches  der  Verfasser  in  der  Versammlung  der  bota- 
nischen Sektion  der  Isis  am  19.  November  1908,  nach  Vorlegen  seines  Werkes  durch 
den  Vorsitzenden  und  auf  dessen  Anregung  gegeben  hat.  — Die  Monographie  erschien 
als  XVI.  Band  der  von  Professor  Dr.  Ohr.  Luerssen  herausgegebenen  „Bibliotheca  botanicaa 
und  umfafst  VIII,  715  Seiten  Text,  2 Verbreitungskarten,  20  Tafeln  und  mehrere  Figuren 
im  Text. 


53 


im  Text  des  Werkes  nicht  aufgeführt  wurden,  um  diesen  nicht  mit  einem 
zu  grofsen,  meist  überflüssigen  Ballast  zu  beschweren. 

Die  Potentillen  haben  bekanntlich  den  Botanikern  von  jeher  viel  zu 
schaffen  gemacht.  „Admodum  obscuri  sunt  Botanici  in  historia  Penta- 
phyllorum“  klagte  schon  der  alte  J.  Ray  in  seiner  Historia  plantarum  vor 
mehr  als  220  Jahren,  obwohl  man  zu  seiner  Zeit  erst  15  bis  20  Arten 
unterschied,  und  diese  Klage  über  die  Schwierigkeit  der  Unterscheidung 
und  Bestimmung  der  Potentillen  wiederholte  sich  bis  auf  die  neueste  Zeit 
immer  lauter,  je  mehr  Arten  und  Formen  im  Laufe  der  Zeit  entdeckt 
wurden,  und  je  weniger  sich  diese  nach  den  alten  Systemen  oder  vielmehr 
„Bestimmungschlüsseln“  unterbringen  liefsen.  Noch  Linne  beschrieb  in 
der  ersten  Ausgabe  seiner  „Species  plantarum“  (1753)  nur  26  Potentillen- 
Arten  (mit  Einschlufs  von  4,  welche  er  in  andere  Gattungen  versetzt  hatte), 
heute  unterscheiden  wir  aber  über  300  gute  Arten  und  eine  Unzahl  von 
Varietäten  und  Formen,  welche  grofsenteils  von  manchen  Floristen  eben- 
falls als  Spezies  aufgefafst  wurden. 

Die  jüngst  erschienene  neue  Monographie  der  Gattung  verfolgt  nun 
den  Zweck,  alle  heutzutag  bekannten  Potentillen  der  ganzen  Erde  auf 
ihren  systematischen  Wert  — ob  Spezies,  Rasse,  Varietät  oder  nur  leichte 
Spielform  — zu  prüfen,  und  die  Spezies  und  Formen  nach  ihren  natür- 
lichen Verwandtschaften  an-  und  unterzuordnen,  also  die  Aufstellung 
eines  natürlichen,  so  weit  als  möglich  phylogenetischen  Systems. 
Ein  solches  System,  welches  alle  Arten  der  Erde  umfafst  und  verhältnis- 
mäfsig  leicht  zu  bestimmen  gestattet,  fehlte  bis  jetzt;  denn  die  älteren 
monographischen  Bearbeitungen  der  Gattung  (von  Nestler  1816,  Lehmann 
1820  und  Trattinnick  1824)  mit  ihren  unvollkommenen  Bestimmung- 
schlüsseln können  keinen  Anspruch  auf  den  Namen  eines  Systems,  d.  h. 
einer  rationellen  Gliederung  der  Gattung  erheben,  und  selbst  der  letzte 
Versuch  zu  einer  solchen,  welchen  Lehmann  vor  52  Jahren  in  seiner 
„Revisio  Potentillarum“  gemacht  hat,  ist  zum  gröfsten  Teil  mifslungen. 
Auch  dieses,  seinerzeit  besonders  wegen  seiner  meist  guten  Abbildungen 
hochgeschätzte  Werk  ist  längst  veraltet,  nicht  nur  weil  in  ihm  jetzt  gegen 
150  seit  seinem  Erscheinen  bekannt  gewordene  Arten  fehlen,  sondern  weil 
sich  viele  derselben  in  seinem  zumeist  auf  Aufserlichkeiten  und  Ober- 
flächlichkeiten gegründeten  System  gar  nicht  unterbringen  liefsen. 

In  keiner  andern  artenreichen  und  polymorphen  Gattung  der  Rosaceen 
finden  wir  eine  so  grofse  Mannigfaltigkeit  habituell  ganz  verschiedener 
Formen  und  Formengruppen,  wie  bei  Potentilla  — wie  einförmig  im 
Habitus  erscheinen  ihr  gegenüber  z.  B.  Bosa  und  Bubus\  — Zur  Unter- 
scheidung und  Anordnung  dieser  Formen  hat  man  sich  zumeist  nur,  oder 
doch  hauptsächlich  äufserlicher  und  zum  Teil  recht  unbeständiger  Merk- 
male bedient,  und  die  in  der  Beschaffenheit  der  wichtigsten  Organe  der 
Pflanze  liegenden  ganz  übersehen,  oder  für  nebensächlich  gehalten.  So 
entstanden  die  fehlerhaftesten  Anordnungen  und  unnatürlichsten  „Systeme“: 
die  nächstverwandten  Arten  wurden  weit  von  einander  getrennt,  die  hetero- 
gensten eng  zusammengekoppelt.  Man  braucht  nur  an  die  berühmte  Haupt- 
einteilung in  Pinnatae,  Digitatae,  Ternatae  zu  erinnern,  an  welcher  man 
fast  100  Jahre  lang  festhielt.  Gerade  die  Blattform,  die  sich  in  ver- 
schiedenen weit  getrennten  Gruppen  oft  zum  Verwechseln  ähnlich  wieder- 
holt, ist  das  ungeeignetste  Einteilungsmotiv,  weil  es  mitunter  selbst  in 


54 


einer  und  derselben  Spezies  ganz  auffallend  variiert  und  zwischen  gefiedert 
und  gefingert  schwankt.  Bei  der  Unklarheit  und  Unsicherheit  in  der  Be- 
wertung der  Gruppen-  und  Speziescharaktere  trat  allmählich  eine  weit- 
gehende Zersplitterung  der  Arten,  dabei  aber  auch  eine  vollständige  Ver- 
wirrung in  der  Gattung  ein,  welche  jeden  wahren  Fortschritt  in  ihrer 
Kenntnis  hinderte.  Diese  Verhältnisse  wurden  im  zweiten,  die  Geschichte 
der  Literatur  der  Gattung  behandelnden  Abschnitt  des  allgemeinen  Teiles 
der  Monographie  ausführlicher  geschildert. 

Um  hierin  Wandel  zu  schaffen,  mufste  die  Reform  mit  der  Aufstellung 
eines  natürlichen,  auf  die  wichtigsten  Organe  der  Pflanze  gegründeten 
Systems  beginnen.  Einige  beachtenswerte  Versuche,  welche  in  dieser  Hin- 
sicht gemacht  worden  sind  (so  z.  B.  von  A.  Gray,  Watson,  Focke,  Rydberg), 
konnten  nicht  oder  nur  sehr  unvollkommen  gelingen,  solange  man  ein 
System  nur  auf  die  beschränkte  Anzahl  von  Arten  eines  Landes  oder 
höchstens  eines  Kontinents  gründete  und  dessen  Anwendbarkeit  auf  alle 
Arten  der  Erde  nicht  prüfen  konnte.  Eine  solche  Prüfung  an  der  Hand 
der  existierenden  Literatur,  d.  h.  mit  den  bisherigen  Diagnosen  und  Be- 
schreibungen der  Arten  durchzuführen,  war  nicht  möglich,  weil  dieselben 

— von  den  ältesten  bis  auf  die  neuesten  — gerade  die  Hauptorgane,  auf 
die  es  ankommt,  entweder  nicht  oder  ungenau,  nicht  selten  sogar  falsch 
angeben.  Es  war  notwendig,  alle  Arten  der  Erde  durch  Autopsie  und 
eine  genaue  mikroskopische  Untersuchung  kennen  zu  lernen,  um  sie  nach 
natürlichen  Verwandtschaften  gruppieren  zu  können.  Ein  so  ausgedehntes 
Studium,  welches  bis  jetzt  noch  niemand  unternommen  hatte,  hielt  der 
Verfasser  der  neuen  Monographie  für  die  erste  Vorbedingung  zur  Auf- 
stellung eines  rationellen,  wirklich  natürlichen  Systems,  aber  erst  nach 
vieljährigen  Bemühungen  ist  es  ihm  gelungen,  das  notwendige  Unter- 
suchungsmaterial aus  allen  potentillentragenden  Ländern  zusammen- 
zubringen. Die  wenigen  noch  nicht  äufzutreibenden,  weil  höchst  seltenen 
Arten,  hei  denen  er  sich  auf  fremde,  zum  Teil  recht  unvollständige 
Beschreibungen  verlassen  mufste,  dürften  bei  ihrer  eventuellen  spätem 
Untersuchung  sein  System  kaum  wesentlich  modifizieren,  jedenfalls  aber 
nicht  umstofsen  können. 

Wenn  man  ohne  Rücksicht  auf  die  bisher  aufgestellten  Systeme  oder 
Einteilungen  alle  Potentillen  vorurteilsfrei  auf  ihre  gesamten  Eigenschaften 

— immer  mit  Voranstellung  derer  der  Hauptorgane  — prüft,  und  die  in 
dieser  Hinsicht  sich  am  nächsten  kommenden  zusammenstellt,  so  erhält 
man  etwa  30  Gruppen  (greges),  welche  sich  sehr  ungleich  zu  einander  ver- 
halten. Manche  zeigen  schon  auf  den  ersten  Blick  eine  nahe  Verwandt- 
schaft unter  sich  und  lassen  sich  unschwer  in  gröfsere  Verbände  (Sektionen 
oder  Subsektionen)  zusammenfassen,  während  andere  Gruppen  morphologisch 
und  habituell  scheinbar  ganz  isoliert  dastehen.  Dazu  kommt  der  beachtens- 
werte Umstand,  dafs  die  letzteren  arm  an  Spezies  sind  und  die  Spezies 
selbst  sehr  konstant  erscheinen,  sowie  niemals  oder  höchst  selten  Bastarde 
bilden,  die  ersteren  dagegen  meistens  eine  Reihe  nahe  verwandter,  sehr  poly- 
morpher Spezies  enthalten  und  stark  zur  Hybridenbildung  neigen.  Man 
wird  kaum  fehlgehen,  wenn  man  jene  isoliert  stehenden  Gruppen  für  die 
ältesten,  zum  Teil  schon  im  Aussterben  begriffenen,  die  polymorphen,  unter 
sich  eng  verbundenen  Gruppen  aber  für  die  jüngsten  hält,  welche  noch 
jetzt  in  voller  Entwickelung  sich  befinden.  Alle  drei  potentillenreichen  Kon- 


55 


tinente  (Europa,  Asien  und  Amerika)  weisen  eklatante  Beispiele  von  paläo- 
typen und  neotypen  Gruppen  auf. 

Es  ist  nun  auffallend,  dafs  alle  jene  meist  kleinen,  vom  Gros  des 
Potentillen-Heeres  schon  habituell  sehr  abweichenden  paläotypen  Gruppen 
behaarte  Früchtchen  besitzen,  während  die  Früchtchen  aller  polymorpher 
neotyper  Gruppen  nackt  sind.  Unter  den  ersteren  sind  dann  wieder  die 
auffallendsten  und  vermutlich  allerältesten  Formen  Sträucher  und  Halb- 
sträucher,  die  letzteren  dagegen  sind  alle  krautig.  Es  liefsen  sich  noch 
mehrere  Punkte  anführen,  in  denen  ein  merkwürdiger  Kontrast  zwischen 
den  ältesten  und  neuesten  Typen  hervortritt,  und  welche  die  Vermutung 
stützen,  dafs  die  Urpotentillen  der  Tertiärzeit,  aus  denen  sich  die  Neotypen 
der  Jetztzeit  entwickelt  haben,  Sträucher  und  Halbsträucher  mit  ge- 
fiederten Blättern  und  stark  behaarten  Früchtchen  waren.  Als 
eine  solche  Urpotentille,  die  sich  wahrscheinlich  ziemlich  unverändert  aus 
der  arktischen  Tertiärflora  herübergerettet  hat,  kann  man  die  Potentilla 
fruticosa  ansehen.  Mit  ihr  nennt  man  allerdings  den  auffallendsten  Typus, 
welcher  schwer  mit  den  neotypen  Arten  in  Verbindung  gebracht  werden 
könnte,  wenn  nicht  von  der  langen  Brücke,  die  einst  von  ihm  zu  diesen 
herüberführte,  glücklicherweise  einige  Pfeiler  — ein  paar  Halbsträucher 
Nordamerikas  und  Nordasiens  — stehen  geblieben  wären,  welche  durch 
ihre  Mittelstellung  zwischen  den  Extremen  einen  genetischen  Zusammen- 
hang als  wahrscheinlich  oder  wenigstens  als  möglich  erscheinen  lassen. 

Leider  kann  man  die  Unterscheidung  zwischen  paläotypen  und  neotypen 
Potentillen  — mag  sie  auch  in  der  Theorie  richtig  sein  — , in  der  Praxis 
nicht  als  oberstes  Einteilungsprinzip  im  System  wählen,  weil  es  kein  un- 
trügliches morphologisches  Merkmal  gibt,  welches  ausschliefslich  allen  Arten 
der  ersten  oder  allen  der  zweiten  Klasse  zukäme.  Wenn  auch  z.  B.  alle 
behaartfrüchtigen  Potentillen  paläotyp  wären,  so  dürfte  man  doch  nicht 
umgekehrt  alle  nacktfrüchtigen  für  neotyp  halten,  da  sich  unter  ihnen 
offenbar  auch  verschiedene  sehr  alte  Formen  befinden;  andererseits  treten 
bei  ein  paar  Arten,  welche  man  aus  pflanzengeographischen  Gründen  für 
sehr  jung  halten  mufs,  merkwürdige  Atavismen,  selbst  zerstreute  Haare 
an  den  Früchtchen. auf.  — Auf  ein  rein  phylogenetisches  System,  bei  dessen 
Konstruktion  so  viele  Einzelheiten  der  subjektiven  Ansicht  oder  Vermutung 
des  Monographen  anheimgegeben  wären,  werden  wir  vorläufig  und  viel- 
leicht für  immer  verzichten  und  uns  bei  der  Gliederung  der  Gattung  an 
die  greifbaren  morphologischen  Eigenschaften  der  Pflanzen  halten 
müssen,  aber  an  solche,  welche  uns  in  der  Kenntnis  der  genetischen  Be- 
ziehungen der  Arten  unter  sich  am  meisten  fördern  und  einem  natürlichen 
phylogenetischen  System  so  viel  wie  möglich  nähern. 

Das  wichtigste  Organ  der  Pflanze  ist  das  Fruchtblatt  (Karpell)  und 
sein  Zubehör.  Die  Arten,  welche  in  diesem  Organ  genau  übereinstimmen, 
stehen  sicher  auch  in  einer  nahen  Verwandtschaft  unter  sich.  Diese  Voraus- 
setzung bestätigt  sich  bei  den  Potentillen  aufs  beste;  denn  nach  den  Eigen- 
schaften des  Karpells  und  seines  Griffels  geordnet,  schliefsen  sie  sich  in 
Gruppen  zusammen,  welche  meistens  — wenn  auch  nicht  immer  — in  ver- 
schiedenen andern  mehr  oder  weniger  nebensächlichen  Merkmalen  ihre 
Natürlichkeit  zu  erkennen  geben  und  daher  zum  Teil  schon  von  älteren 
Botanikern  nach  solchen  Äufserlichkeiten  (ohne  Berücksichtigung  des 
Karpells)  annähernd  richtig  empfunden  und  aufgestellt  wurden.  Ein  paar 


56 


der  auffallendsten  Griffelformen  sind  zwar  schon  früher  hin  und  wieder 
zur  Unterscheidung  gewisser  Arten  oder  auch  einer  Gruppe  herangezogen 
worden,  aber  meist  als  untergeordnetes  Motiv  nebenbei,  oder  doch  ohne 
konsequente  Anwendung,  weil  eben  eine  solche  an  der  Hand  eines  zu  be- 
schränkten Untersuchungsmaterials  nicht  möglich  war.  Gewöhnlich  wurden 
die  Griffel,  wenn  überhaupt  in  den  Diagnosen  ausnahmsweise  die  Rede  von 
ihnen  war,  mit  den  vagen  Ausdrücken  kurz,  lang,  dünn,  dick  bezeichnet. 

Der  Griffel  der  Potentillen,  welcher  stets  auf  der  Bauchnaht  desKarpells, 
aber  entweder  fast  in  der  Mitte  (lateral),  oder  nahe  der  Spitze  (subterminal), 
oder  nahe  dem  Grunde  desselben  (subbasal)  angeheftet  ist,  tritt  in  6 leicht 
zu  unterscheidenden  Typen  auf: 


1 2 3 4 5 6 

Die  6 Grundformen  des  Griffels  in  der  Gattung  Potentilla. 


1.  keulenförmig  (clavaeformis),  aus  dünnem  Grunde  sich  nach  oben 
allmählich  stark  verdickend  und  eine  grofse  gelappte,  fast  trichterförmige, 
oder  gewölbte  Narbe  tragend,  subbasal  oder  lateral  (Potentillae  rhopa- 
lostylae); 

2.  fadenförmig  (filiformis),  vom  Grunde  bis  zur  Narbe  gleichdünn, 
meist  viel  länger  als  das  reife  Früchtchen,  lateral  oder  subbasal  oder 
subterminal  (Potentillae  nematostylae); 

3.  spindelförmig  (fusiformis),  aus  dünnem  Grunde  sich  nach  der 
Mitte  zu  allmählich  stark  verdickend  und  dann  wieder  ebenso  allmählich 
gegen  die  verbreiterte  Narbe  hin  dünn  zulaufend,  stets  subbasal  (Poten- 
tillae closterostylae); 

4.  kegelförmig  (coniformis),  gleich  am  Grunde  mehr  oder  weniger 
stark  und  oft  papillös  angeschwollen,  dann  nach  oben  bis  zur  Narbe  sich 
kegelförmig  verjüngend,  oder  auch  aus  kurz -knolliger  Basis  lang  faden- 
förmig ausgezogen,  überhaupt  vielgestaltig,  aber  stets  mit  angeschwollenem 
Grunde,  stets  subterminal  (Potentillae  conostylae); 

5.  nagel förmig  (claviculiformis),  aus  kurz-zugespitztem  Grunde  mäfsig 
und  ziemlich  gleich  dick  verlaufend  und  erst  oben  unter  der  verbreiterten 
Narbe  etwas  anschwellend,  einem  kleinen  Drahtstift  oder  auch  dem  Ende 
einer  Rebenranke  ähnlich,  subterminal  (Potentillae  gomphostylae); 

6.  stäbchenförmig  (virguliformis),  sehr  klein  und  kurz,  kaum  so  lang 
oder  kürzer  als  das  reife  Früchtchen,  vom  Grunde  bis  zur  Narbe  gleich 
dünn,  lateral  (Potentillae  leptostylae). 

Unsichere  Zwischenformen  zwischen  den  sechs  aufgeführten  Haupttypen, 
welche  beim  Bestimmen  der  Arten  Schwierigkeiten  machen  könnten,  kommen 
sehr  selten  vor;  sie  erweisen  sich  dann  meistens  als  einzelne  Mifsbildungen 
zwischen  regelmäfsig  gebildeten  Griffeln  — man  mufs  daher  stets  mehrere 
Griffel  einer  Blüte  untersuchen  — , oder  weisen,  wenn  in  gröfserer  Zahl 
vorhanden,  auf  Bastarde  zwischen  Arten  verschiedener  Sektionen  hin. 

Es  hat  sich  herausgestellt,  dafs  sich  die  zwei  ersten  Griffeltypen,  der 
keulenförmige  und  der  fadenförmige,  ausschliefslich  bei  behaartfrüchtigen, 


57 


die  vier  übrigen  aber  ausschliefslich  bei  nacktfrüchtigen  Potentillen  finden. 
Diese  neue  Beobachtung  bestätigt  die  Ansicht,  dafs  die  Griffelform  im 
Entwickelungsgang  der  Gattung  eine  bedeutsame  Bolle  spielt,  und  beweist 
zugleich  die  Natürlichkeit  eines  Systems,  welches  die  Potentillen  zunächst 
in  zwei  Hauptsektionen  teilt:  in  Trichocarpae  und  Gymnocarpae.*) 
Jene  Beobachtung  gibt  aber  auch  ein  vorzügliches  Mittel  an  die  Hand,  die 
Zugehörigkeit  einer  Pflanze  zu  den  Trichocarpae  mit  Sicherheit  zu  be- 
stimmen, wenn  deren  Früchtchen  (im  Alter)  zufällig  verkahlt,  oder  in  ein 
paar  Fällen  (bei  P.  palustris  und  P.  elatior)  ausnahmsweise  von  Anfang 
an  kahl  sind.  Die  Definition  der  zwei  Hauptsektionen  wird  sich  demnach 
so  gestalten:  I.  Trichocarpae:  Früchtchen  (mit  ein  paar  Ausnahmen)  be- 
haart, Griffel  stets  keulen- oder  fadenförmig;  II.  Gymnocarpae:  Früchtchen 
kahl,  Griffel  spindel-,  kegel-,  nagel-,  oder  kurzstäbchenförmig. 

Während  auf  den  sechs  beschriebenen  Griffeltypen  der  Hauptunter- 
schied zwischen  sechs  grofsen  Potentillen -Abteilungen  beruht,  lassen  sich 
feinere  Modifikationen  derselben,  wie  einige  in  den  Figuren  2,  3 und  4 an- 
gedeutet sind,  vortrefflich  zur  Unterscheidung  gewisser  Spezies  oder  auch 
ganzer  Speziesgruppen  verwenden.  Wenn  es  aber  nach  dem  Gesagten  nicht 
schwer  ist,  mit  Hilfe  der  Früchtchen  und  deren  Griffel  die  Sektion  und 
Subsektion  zu  bestimmen,  zu  welcher  eine  Potentille  gehört,  so  müssen 
zur  weiteren  Gliederung  der  Subsektionen  in  Series  und  Gruppen,  wo  eine 
solche  notwendig  ist,  aufser  den  feinem  Modifikationen  der  Griffeltypen 
natürlich  auch  andere  Momente  herangezogen  werden,  wie  z.  B.  die  wichtigen 
Behaarungsverhältnisse,  die  Wachstumsart  der  Pflanzen  und  anderes.  Zur 
Bestimmung  der  Gruppen  ist  im  allgemeinen  Teil  der  Monographie  ein 
sehr  ausführlicher  Schlüssel  ausgearbeitet  worden,  welcher  in  den  meisten 
Fällen  rasch  zum  Ziel  führen  dürfte.  Zudem  werden  dann  im  zweiten 
Teil  die  einzelnen  Gruppen  noch  ausführlicher  besprochen.  Dort  befindet 
sich  auch  bei  jeder  derselben  ein  Schlüssel  für  die  Bestimmung  der  zu 
ihr  gehörenden  Spezies.  — Ist  man  einmal  bei  der  richtigen  Gruppe  an- 
gelangt, so  hat  man  nur  mehr  die  Wahl  zwischen  ein  paar  bis  höchstens 
20  Arten  in  derselben. 

Es  konnten  hier  nur  die  Grundzüge  des  neuen  Systems  kurz  dargelegt 
werden.**)  Schon  auf  die  Besprechung  und  Begründung  der  Gruppen 
mufste  verzichtet  werden;  doch  dürfte  es  dem  einen  oder  anderen  Leser 
erwünscht  sein,  wenigstens  in  einer  tabellarischen  Übersicht  die  Anordnung 
derselben  kennen  zu  lernen. 

Sect.  I.  Potentillae  trichocarpae.  (Früchtchen  behaart, 
Griffel  keulen-  oder  fadenförmig.) 

Subsect.  A.  Rhopalostylae.  (Griffel  keulenförmig.) 

Gruppen : 1.  Fruticosae,  2.  Bifurcae. 

Subsect.  B.  Nematostylae.  (Griffel  lang-fadenförmig.) 

Ser.  a , Svffruticulosae.  (Halbsträucher.) 

Gruppen : 3.  Xylorhizae,  4.  Biflorae,  5.  Palustres,  6.  Triden- 
tatae,  7.  Eriocarpae. 

*)  Beiläufig  sei  bemerkt,  dafs  diese  zwei  Sektionen  sich  durchaus  nicht  mit  den 
sogenannten  „Leucotricha“  und  ,,Atricha“  Zimmeters  decken. 

**)  Soweit  sich  dieselben  bei  der  Einteilung  der  mitteleuropäischen  Gymnocarpae 
anwenden  lassen,  wurden  sie  zum  erstenmal  schon  in  Ascherson-Graebners  Synopsis  (1904) 
benützt. 


58 


Ser.  b Herbaceae . (Stauden.) 

Gruppen:  8.  Speciosae,  9.  Nitidae,  10.  Curvisetae,  11.  Crassi- 
nerviae,  12.  Caulescentes,  13.  Fragariastra. 

Sect.  II.  Potentillae  gymnocarpae.  (Früchtchen  nackt, 

Griffel  spindel-,  kegel-,  nagel-,  oder  kurzstäbchenförmig.) 

Subsect.  A.  Closterostylae.  (Griffel  spindelförmig.) 

Gruppe : 14.  Rupestres. 

Subsect.  B.  Conostylae.  (Griffel  kegelförmig.) 

Ser . a.  Eriotrichae.  (Pflanzen  aufser  schlichten  Haaren 
auch  gekräuselten  Wollfilz  tragend.) 

Gruppen : 15.  Multifidae,  16.  Graciles,  17.  Haematochroae, 
18.  Niveae,  19.  Argenteae,  19a.  Collinae. 

Ser . b.  Orthotrichae • (Pflanzen  nur  schlichte  Haare  tragend.) 

Gruppen:  20.Tanacetifoliae,  21.  Rectae,  22. Rivales,  23.Persicae, 
24.  Grandiflorae,  25.  Chrysanthae,  26.  Multijugae,  27.  Ra- 
nunculoides. 

Subsect.  C.  Gomphostylae.  (Griffel  nagelförmig.) 

Gruppen:  28.  Aureae,  29.  Fragarioides,  30.  Tormentillae. 

Subsect.  D«  Leptostylae.  (Griffel  kurzstäbchenförmig.) 

Gruppe:  31.  Anserinae. 

Bei  der  Behandlung  der  einzelnen  Arten  im  speziellen  Teil  der  Mono- 
graphie suchte  der  Verfasser  die  möglichste  Klarheit  und  Übersichtlichkeit 
zu  erzielen,  indem  er  eine  zu  weit  gehende  Spaltung  in  Subspezies,  Rassen, 
Varietäten,  Sub Varietäten,  Formen  und  Unterformen,  wie  man  ihr  zuweilen 
in  modernen  floristischen  Spezialarbeiten  begegnet,  vermied,  sehr  viele  un- 
nütze oder  nichtssagende  „Varietäten“  und  „Formen“  einfach  strich  oder 
als  Synonyme  behandelte,  den  Synonymen-  und  Zitaten  bailast  verminderte 
oder  ins  Register  verwies  usw.;  denn  nach  seiner  Ansicht  ist  ein  Monograph, 
der  sein  Werk  nicht  aus  der  existierenden,  oft  so  verworrenen  Literatur 
kompiliert,  sondern  auf  eigene  Forschungen  gründet,  durchaus  nicht  dazu 
verpflichtet,  jede  wertlose  Spezies,  Varietät  oder  Form,  die  jemals  aufgestellt 
worden  ist,  weiter  zu  berücksichtigen  und  mitzuschleppen,  sondern  soll  im 
Gegenteil  bestrebt  sein,  allen  unnötigen,  nur  Verwirrung  schaffenden  Wust 
aus  dem  Weg  zu  räumen  und  einer  vernünftigen  vorurteilsfreien  Forschung 
die  Bahn  zu  ebnen.  — In  Nomenklaturfragen  wurden,  soweit  immer  mög- 
lich, die  auf  dem  internationalen  Botanikerkongrefs  von  1905  aufgestellten 
Regeln  befolgt;  in  wenigen  Fällen,  in  denen  scheinbar  von  ihnen  ab- 
gewichen wurde,  sind  die  Gründe  dafür  angegeben. 

Bei  allen  seinen  Potentillen- Studien  hat  der  Verfasser  stets  der  geo- 
graphischen Verbreitung  der  Arten  und  Gruppen  eine  besondere  Aufmerk- 
samkeit geschenkt  und  daher  derselben  schon  im  allgemeinen  Teil  der 
Monographie  einen  Abschnitt  gewidmet,  in  welchem  er  nicht  unterlassen 
konnte,  auch  einige  phylogenetische  Ansichten  oder  Vermutungen  einzuflechten. 
Hier  können  nur  einige  Resultate  dieser  pflanzengeographischen  Forschung 
mitgeteilt  werden. 


59 


Die  Potentillen  haben  eine  sehr  grofse  Verbreitung  auf  der  ganzen 
Nordhalbkugel  der  Erde.  Nur  ein  paar  Arten  erreichen  oder  über- 
schreiten etwas  (auf  hohen  Gebirgen)  den  Äquator,  und  diese  sind  entweder 
identisch  mit  solchen,  welche  weiter  nordwärts  eine  weitere  Verbreitung 
haben,  oder  etwas  modifizierte  Rassen  oder  Varietäten  nördlicher  Arten. 
Jedenfalls  hat  die  Südhalbkugel  keinen  einzigen  besonderen  Potentillen- 
Typus  hervorgebracht.  Es  wurde  versucht,  die  Verbreitung  der  Gattung 
und  einiger  interessanter  Gruppen  derselben  auf  zwei  dem  Werke  bei- 
gegebenen Karten  darzustellen. 

In  Amerika  hört  der  Potentillen-Reichtum  in  Mexico  auf  (ein  paar 
Spezies  finden  sich  noch  in  Guatemala,  eine  noch  im  nördlichen  Süd- 
amerika, und  P.  anserina,  wohl  die  einzige  Art,  welche  den  Transport 
durch  salziges  Meerwasser  lebend  aushält,  gelangte  sogar  an  die  Küsten 
von  Chile  und  nach  Neuseeland).  Australien  und  Afrika  südlich  der  Sahara 
sind  frei  von  Potentillen.  In  Asien  finden  sich  solche  südlich  des  Wende- 
kreises schon  recht  selten  und  nur  auf  hohen  Gebirgen.  Ihr  Haupt- 
verbreitungsgebiet liegt  zwischen  dem  Wendekreis  des  Krebses  und  dem 
ewigen  Eis  der  Polarregion;  nur  dieses  steckt  ihnen  eine  Grenze  gegen 
Norden.  Nach  alledem  dürfen  wir  annehmen,  dafs  die  Gattung  Potentilla 
nicht  auf  der  Südhalbkugel  und  vor  allem  nicht  in  den  heifsen  Regionen 
der  Tropen,  sondern  im  gemäfsigten  und  kalten  Norden  entstanden  ist 
und  ihre  Hauptentwickelung  durchgemacht  hat.  Das  tertiäre  Zirkumpolar- 
land  mag  die  Heimat  der  Urpotentijlen  gewesen  sein,  und  dort,  in  der 
arktisch -tertiären  Flora  wird  sich  wohl  die  Gattung  schon  in  mehrere 
Speziesgruppen  gespalten  haben,  von  denen  sich  einige  Reste  (Palaeotypen) 
bis  heute  erhalten  haben.  Als  solche  sehr  alte  Gruppen  werden  wir  mit 
Recht  jene  annehmen,  welche  heutzutag  in  allen  drei  nördlichen  Kontinenten 
(Asien,  Europa,  Nordamerika)  verbreitet  sind,  z.  B.  die  Fruticosae,  Palustres, 
Rupestres,  Niveae,  Anserinae.  Man  wird  kaum  annehmen  wollen,  dafs  die 
Hauptrepräsentanten  dieser  Gruppen,  welche  nach  ihnen  benannt  sind,  in 
verschiedenen  Ländern  der  Nordhemisphäre  unabhängig  entstanden  seien, 
sondern  es  für  wahrscheinlicher  halten,  dafs  sie  schon  im  tertiären  Zirkum- 
polarland  allgemein  verbreitet  waren  und  von  dort  nach  allen  Richtungen 
gegen  Süden  vordrangen.  Ähnlich  wird  es  sich  mit  ein  paar  andern  kleinen 
paläotypen  Gruppen  verhalten,  die  man  jetzt  nur  mehr  in  einem  oder  in 
zwei  nördlichen  Kontinenten  antrifft  (z.  B.  die  Bifurcae,  Biflorae,  Triden- 
tatae).  Ihre  Hauptrepräsentanten  sind  stellenweise  ziemlich  weit  gegen 
Süden  vorgedrungen,  halten  sich  aber  auch  noch  im  hohen  Norden  in  der 
Nähe  ihrer  Urheimat. 

Als  die  Tertiärzeit  zu  Ende  neigte  und  die  arktisch -tertiäre  Flora 
infolge  veränderter  klimatischer  Bedingungen  teils  zugrunde  ging,  teils 
immer  weiter  nach  Süden  gedrängt  wurde,  als  zugleich  die  Kontinente  mehr 
von  einander  getrennt  wurden,  da  begann  auch  für  die  Potentillen  ein 
neues  Stadium  der  Weiterentwickelung.  Viele  alte  Arten  mögen  zugrunde 
gegangen  sein  (einige  lebens-  und  akkommodationsfähigere,  wie  die  oben 
genannten,  haben  sich  mit  Zähigkeit  erhalten),  andere  haben  sich  beim 
Vordringen  in  südlichere  Gegenden  verändert  und  umgebildet.  Gewisse 
Gruppen  (z.  B.  die  der  Multifidae)  schlugen  jetzt  in  den  drei  Kontinenten 
verschiedene  Richtungen  ein,  ja  es  entstanden  allmählich  ganz  neue  (neotype) 
Gruppen,  von  denen  wir  jetzt  im  hohen  Norden  keine  Spur  finden,  und  von 
denen  in  der  Tertiärzeit  wahrscheinlich  noch  kein  Repräsentant  vorhanden 


60 


war.  Als  die  zirkumpolare  Quelle  versiegt  war,  konnte  von  dort  kein 
Nachschub  mehr  erfolgen,  welcher  alle  drei  Kontinente  mit  der  gleichen 
Art  versorgt  hätte;  jeder  derselben  ging  seine  eigenen  Wege,  und  es  ent- 
standen spezifisch  asiatische,  spezifisch  europäische,  spezifisch  amerikanische 
Arten  und  Artengruppen,  wobei  aus  leicht  begreiflichen  Gründen  die 
Trennung  zwischen  der  neuen  und  alten  Welt  stärker  hervortritt,  als  die 
zwischen  Asien  und  Europa. 

Spezifisch  amerikanisch  sind  die  artenreichen  Gruppen  der  Multijugae, 
Ranunculoides  und  Graciles.  — Als  schönes  Beispiel  einer  neotypen 
Gruppe  der  alten  Welt  kann  man  die  Persicae  anführen,  eine  aufser- 
ordentlich  natürliche,  aber  bisher  ganz  verkannte  Gruppe,  deren  Angehörige 
z.  B.  im  Lehmannschen  System  in  vier  Gruppen  untergebracht  waren,  denen 
sie  absolut  fernstehen.  Von  den  jetzt  bekannten  19  Arten  sind  15  auf 
Persien  und  das  angrenzende  Armenien  beschränkt  und  jedenfalls  dort 
entstanden,  zwei  den  persischen  sehr  nahestehenden  Arten  gelangten  östlich 
nach  Turkestan  und  zwei  ebensolche  westlich  nach  Südspanien  und  Marokko. 
— Eine  andere,  ebenso  interessante  als  schwierige  Gruppe  ist  die  der 
Rectae,  deren  Entstehungs-  und  Hauptverbreitungsgebiet  in  Südosteuropa, 
in  den  Gegenden  um  das  Schwarze  Meer  und  der  Balkanhalbinsel  liegt, 
wo  sie  am  arten-  und  formenreichsten,  auch  in  zahlreichen  Hybriden  auf- 
tritt,  und  von  wo  sie  peripherisch  nach  allen  Richtungen,  aber  nur  in 
einzelnen  Arten  ausstrahlt;  gegen  Nordwest  und  Nordost  bis  nach  Zentral- 
europa und  dem  westlichen  Asien,  jn  der  P.  Detommasii  bis  nach  Unter- 
italien, in  der  P hirta  durch  die  Mittelmeerländer  bis  Spanien  und  Por- 
tugal, in  derselben  Art  und  in  der  P taurica  nach  Kleinasien.  Diese 
Gruppe  fehlt  vollständig  in  allen  arktischen  und  subarktischen  Gebieten, 
in  ganz  Asien  östlich  von  Turkestan  und  in  Amerika.  — Ein  sehr  ähnliches 
Verbreitungsgebiet,  wie  die  Gruppe  der  Rectae,  besitzt  die  der  Argenteae, 
einschliefslich  der  mit  ihnen  stets  assoziierten  Collinae,  nur  liegt  das 
Yerbreitungszentrum  derselben  nicht  im  Südosten,  sondern  in  Zentral- 
europa. Von  diesem  Zentrum  aus  nimmt  z.  B.  der  Hauptrepräsentant  der 
Gruppe,  die  P.  argentea,  nach  allen  Richtungen  hin  an  Individuen-  und 
Formenreichtum  ab,  oder  wird  gegen  die  Peripherie  hin  durch  vikarierende 
Spezies  ersetzt  (so  durch  P dealbata  im  Altai,  durch  P.  Meyeri  in  Klein- 
asien). Die  Gruppe  fehlt  im  höheren  Norden,  in  ganz  Asien  östlich  vom 
Altai  und  in  Amerika. 

Eine  sehr  merkwürdige  Verbreitung  weisen  die  Trieb ocarpae  her- 
baceae  auf,  welche  man  bisher  unter  dem  Namen  Fragariastra  zusammen- 
gefafst  hat,  die  aber  in  der  Monographie  in  sechs  kleine  Gruppen  zerlegt 
sind:  Speciosae,  Nitidae,  Curvisetae,  Crassinerviae,  Caulescentes,  Fragariastra. 
In  allen  arktischen  und  subarktischen  Regionen,  sowie  in  ganz  Amerika 
und  im  gröfsten  Teil  Asiens  findet  man  keine  Spur  von  ihnen.  Mit  Aus- 
nahme der  letzten  Gruppe  (Fragariastra  sensu  stricto)  sind  es  Pflanzen  der 
Hochgebirge,  welche  sich  durch  die  Mittelmeerländer  von  Spanien,  Süd- 
frankreich, Italien,  die  Alpen-  und  Balkanländer  bis  nach  Kleinasien, 
Armenien  und  dem  Libanon  in  Syrien  hinziehen  und  in  der  kleinen  Gruppe 
der  Curvisetae  noch  über  Afghanistan  bis  zum  Himalaya  Vordringen.  Ohne 
Zweifel  sind  alle  Trichocarpae  herbaceae  nicht  nur  morphologisch,  sondern 
auch  genetisch  unter  sich  nahe  verwandt  und  in  den  genannten  Ländern 
entstanden  und  zwar  — mit  Ausnahme  der  Fragariastra  genuina  — in 
sehr  alter  Zeit,  worauf  die  jetzige  Lokalisierung  und  Isoliertheit,  SeRep- 


61 


heit  und  Formenarmut  der  einzelnen  Gruppen  und  Gruppen -Angehörigen 
hinweist.  Andererseits  haben  sie  sehr  nahe  morphologische  Beziehungen 
zu  den  Trichocarpae  fruticulosae  (z.  B.  zu  den  Tridentatae),  die  wir  aus 
der  arktisch -tertiären  Flora  ableiteten,  von  denen  sie  aber  jetzt  geo- 
graphisch weit  getrennt  sind.  Mit  Ausnahme  der  Curvisetae,  welche  im 
Himalaya  mit  den  Eriocarpae  und  Tridentatae  zusammenstofsen,  klafft 
zwischen  den  südlichen  Herbaceae  und  den  nördlichen  Suffruticulosae  eine 
weite  geographische  Lücke,  welche  wir  vorläufig  nur  mit  Hilfe  der  Phan- 
tasie ausfüllen  können,  wenn  wir  annehmen,  dafs  schon  in  sehr  alter 
(tertiärer)  Zeit  von  Norden  her  gewisse  uns  unbekannte  Trichocarpae 
suffruticulosae  sehr  weit  nach  Süden  vorgerückt  sind  und  sich  auf  den 
mediterranen  Gebirgen  umgebildet  und  in  die  uns  bekannten  Trichocarpae 
herbaceae  differenziert  haben.  Vielleicht  sind  erst  in  posttertiärer  Zeit  die 
letzten  Reste  der  einst  von  Nord  nach  Süd  führenden  Brücke  verschwunden. 

Die  kleine  Gruppe  der  Fragariastra  genuina  ist  offenbar  jüngerer 
Entstehung  als  die  fünf  anderen  der  Trichocarpae  herbaceae,  und  leitet 
sich  höchst  wahrscheinlich  aus  einer  der  letzteren  (den  Caulescentes?)  her. 
Sie  gehören  zwar  noch  zu  den  Nematostylae,  aber  schon  die  merkliche 
Verkürzung  des  Griffels  bei  ein  paar  Arten,  sowie  die  nur  am  Grunde 
spärlich  behaarten,  sonst  aber  kahlen  Früchte  bekunden  eine  Hinneigung 
zu  den  Gymnocarpae  und  ihr  ganzes  Aussehen  und  Benehmen  ist  sozusagen 
ein  modernes.  Auf  neuere  Entstehung  weist  auch  ihre  starke  Neigung  zur 
Hybridenbildung  unter  sich  und  ihre  grofse  Verbreitung  in  zahlreichen 
Individuen.  Sie  begleiten  die  anderen  oben  genannten  Gruppen  der  Her- 
baceae auf  deren  ganzem  Zuge  von  Spanien  bis  nach  Persien,  beschränken 
sich  aber  nicht  auf  den  Gürtel  der  hohen  Gebirgszüge,  deren  höchste 
Regionen  sie  meiden,  sondern  streifen  vom  Fufs  derselben  weit  gegen 
Norden  hin  über  Hügel-  und  Flachländer,  z.  B.  bis  Schottland,  Schweden 
und  Mittelrufsland.  Diese  weite  Verbreitung  gegen  Norden  und  Osten 
dürften  sie  erst  in  jüngster,  postglazialer  Zeit  erlangt  haben,  in  der  die 
älteren  verwandten  Gruppen  der  Trichocarpae  herbaceae  bereits  in  ihren 
beschränkten  Gebieten  stabil  blieben  oder  sich  im  Rückzug  und  Aussterben 
befanden.  Die  Fragariastra  genuina  sind  die  einzige  neotype  Gruppe  der 
Trichocarpae,  der  einzige  junge  Schöfsling  eines  morschen,  schon  ab- 
sterbenden Baumes. 

In  der  grofsen  Gruppe  der  Aureae  scheint  ein  Beispiel  dafür  vor- 
zuliegen, dafs  eine  Gruppe  neben  sehr  alten  auch  sehr  junge  Arten  um- 
fassen kann,  dafs  also  eine  arktisch- tertiäre  Gruppe  in  posttertiärer  Zeit 
und  in  südlicheren  Gegenden  eine  neue  Entwicklungsperiode  begann,  gleich- 
sam zu  neuer  Energie  erwachte,  ohne  ihre  Gruppencharaktere  zu  ändern. 
Man  kann  bei  den  Aureae  die  morphologischen  Untergruppen  der  Frigidae, 
Alpestres,  Opacae  und  Vernae  unterscheiden;  die  beiden  ersten  sind  zum 
Teil  sehr  alt,  zum  Teil  jung,  die  beiden  letzten  aber  sehr  neu;  jene  sind 
fast  zirkumpolar  und  zugleich  auf  südlichen  Hochgebirgen  Europas  und 
Asiens  verbreitet,  diese  fehlen  in  der  Arktis  und  auf  den  Hochgebirgen, 
und  beschränken  sich  auf  die  Hügel-  und  Flachländer  Europas  und  West- 
asiens, in  welchen  sie  in  posttertiärer  Zeit  höchst  wahrscheinlich  aus  den 
älteren  alpestres  hervorgingen.  Diese  kurzen  Andeutungen  durch  Ein- 
gehen auf  die  Verbreitung  der  einzelnen  Arten  der  Aureae  weiter  aus- 
zuführen und  zu  erhärten,  würde  zu  weit  über  den  Rahmen  eines  Referats 
hinausgehen. 


62 


Aus  den  vorstehenden  pflanzengeographischen  Angaben  geht  hervor, 
dafs  die  Arten  der  nach  morphologischen  Charakteren  richtig  zusammen- 
gestellten Gruppen  nicht  gesetzlos  über  die  Welt  zerstreut  sind,  sondern 
auch  durch  eine  bestimmte  geographische  Verbreitung  zusammengehören, 
was  nur  dadurch  erklärt  werden  kann,  dafs  sie  in  einem  engen  genetischen 
Zusammenhang  untereinander  stehen.  Wir  können  also  schliefsen:  Wenn 
in  einer  Gruppe  morphologische  nahe  Verwandtschaft  der  Arten  mit  einem 
gleichen,  klar  erkannten  und  leicht  zu  erklärenden  Verbreitungsgebiet  der- 
selben zusammentrifft,  so  dürfen  wir  sicher  sein,  dafs  diese  Gruppe  auch 
phylogenetisch  richtig,  also  natürlich  ist.  Legt  man  dieses  Axiom  als 
Mafsstab  für  die  Natürlichkeit  der  Gruppen  an  das  System  in  der  neuen 
Monographie,  so  wird  das  Ergebnis  der  Prüfung  im  grofsen  und  ganzen 
zu  dessen  Gunsten  ausfallen.  Derselbe  Mafsstab  an  die  Gruppen  der  älteren 
Potentillensysteme,  z.  B.  des  Lehmannschen,  angelegt,  zeigt  sofort  die  Un- 
natürlichkeit derselben  auch  vom  pflanzengeographischen  Standpunkt  aus. 

Das  numerische  Verhältnis  der  Potentillen -Arten  in  den  drei  nörd- 
lichen Kontinenten  Europa  (mit  Nordafrika),  Asien  und  Nordamerika  (mit 
Grönland)  gestaltet  sich  nach  unserer  jetzigen  Kenntnis  der  Gattung 
folgendermafsen.  Es  finden  sich  in 

Europa  90,  davon  in  Europa  allein  . 54 

Asien  165,  davon  in  Asien  allein  . . . 126 
Amerika  98,  davon  in  Amerika  allein  86 

Europa  und  Asien  zugleich 26 

Europa  und  Amerika  zugleich  ...  0 

Asien  und  Amerika  zugleich  ....  2 

Europa,  Asien  und  Amerika  zugleich  11 


305  Arten. 


VIII.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica 
in  den  Jahren  1906  bis  1908. 

Von  Dr.  B.  Schorler. 


Nephrodium  Oreopteris  Desv.  = Aspidium  montanum  Aschers.  Diesen 
Farn  führt  Domin  in  seiner  Arbeit  über  das  Erzgebirge*)  als  zweifel- 
haft für  das  Gebirge  an.  Den  sächsischen  Floristen  ist  die  Art  als 
Bürger  des  Erzgebirges  seit  langem  bekannt.  Auch  Luerssen  schreibt 
in  seinen  „Farnpflanzen“:  „Sie  ist  im  höheren  Erzgebirge,  wenn  auch 
nicht  gemein,  so  doch  stellenweise  ziemlich  häufig.“  Das  gilt  besonders 
von  den  Abhängen  des  Fichtelberges,  wo  sie  oft  ganze  Bestände  bildet. 
Aber  auch  am  Keilberge  und  anderwärts  kommt  sie  vor. 

Aspidium  Thelypteris  Sw.  Einen  zweiten  Standort  bei  Grofsenhain  fand 
H.  Hofmann  1907  bei  Treugeböhla  auf. 

A.  cristatum  Sw.  Lausitz:  Ortrand,  an  mehreren  Teichen  bei  Kröppen 
(Mifsbach). 

A.  Braunii  Spenn.  Über  das  Vorkommen  dieses  Farns  im  Elbsandstein- 
gebirge teilte  mir  Herr  Mifsbach  mit:  ,,Er  ist  im  Schleifgrunde  und 
Uttewalder  Grunde  wohl  sicher  verschwunden.  Die  im  Wünsche  an- 
gegebenen Standorte  „Bärenhöhle  und  Rosenberg“  sind  zweifelhaft, 
dort  habe  ich  nur  A.  lobatum  Sw.  finden  können.  Im  Bärengarten 
ist  er  auch  fast  verschwunden.“ 

Struthiopteris  germanica  Willd.  liegt  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica 
aus  dem  Muldenlandterritorium  (nach  Drude)  nur  von  zwei  Stand- 
orten in  Belegexemplaren  vor,  die  1892  von  Hofmann  im  Zschopau- 
tale bei  Waldheim  und  Kriebstein  gesammelt  worden  sind.  Der  präch- 
tige Farn  scheint  aber  durch  das  ganze  Zschopautal  zerstreut  zu  sein. 
Wenigstens  teilt  mir  Professor  Dr.  Stecher-Chemnitz  mit,  dafs  er  ihn 
an  der  Lauenhainer  Mühle  bei  Mittweida,  bei  Lichtenwalde  und  weiter 
flufsaufwärts  bei  Erdmannsdorf  gefunden  habe.  Ein  neuer  Lausitzer 
Standort  wurde  von  G.  Feurich-Göda  entdeckt  und  mir  am  5.  Ok- 
tober 1908  gezeigt.  Er  liegt  zirka  zwei  Kilometer  südlich  von  dem 
in  der  Isis -Abhandlung  1905  erwähnten  Standort  bei  Coblenz,  nämlich 
am  Schwarzwasser  südlich  von  Nedaschütz,  Sektion  Bischofswerda 
der  topographischen  Karte.  Der  Bach  geht  hier  aus  einem  kurzen 
westlichen  Lauf  in  eine  nördliche  Richtung  über.  Der  Farn  bildet 


*)  Dom  in,  K.:  Das  böhmische  Erzgebirge  und  sein  Vorland.  Archiv  für  die  uaturw. 
Landesdurchforschung  von  Böhmen.  Bd.  XII  Nr.  5. 


64 


auf  beiden  Ufern  grofse  Bestände  und  fruktifiziert  reichlich.  Im  Elb- 
sandsteingebirge fand  Mifsbach  Standorte  auf  im  Polenztale,  Bahra- 
tale und  an  den  Schleusen  bei  Hinterhermsdorf;  auch  in  der  Um- 
gebung von  Dresden  beobachtete  er  einmal  einen  Bestand,  nämlich  im 
Tale  der  roten  Weifseritz  über  der  Spechtritzmühle. 

Woodsia  ilvensis  Bab.  Als  Standorte  für  diesen  Farn  im  Lausitzer  Berg- 
lande führt  Wünsche  den  Hochwald,  die  Lausche  und  den  Tollenstein 
an.  Ein  vierter  Standort  auf  dem  Irigberg,  einem  533  m hohen  steilen 
Basaltberg  nordwestlich  von  der  Stadt  Kreibitz,  wurde  dem  botanischen 
Institut  schon  1887  von  A.  Weise- Eberswalde  mitgeteilt. 

Blechnum  Spicant  Roth  rechnet  Domin  zu  den  Charakterarten  der  höchsten 
Zone  des  Erzgebirges,  die  nur  selten  tiefer  herabsteigen.  Das  kann 
bei  Blechnum  höchstens  für  den  Südhang  des  Gebirges  zutreffen.  Auf 
der  nördlichen  Abdachung  ist  der  Farn  dagegen  auch  in  tieferen 
Lagen  vom  Vogtland  bis  zur  Lausitz  verbreitet  und  im  Herbarium 
der  Flora  Saxonica  von  vielen  Standorten  vertreten.  Er  steigt  in 
Sachsen  sogar  bis  zur  Niederung  von  Königsbrück  und  Königswartha 
herab,  also  in  Gegenden,  die  unter  der  150  m -Höhenlinie  liegen. 

Asplenium  adulterinum  Milde  ist  wie  A.  cuneifolium  Yiv.  (=  A.  Serpentini 
Tausch)  charakteristisch  für  Serpentinfelsen  und  -gerölle,  doch  gibt 
Ascherson  in  seiner  Synopsis  an  ,,sehr  selten  an  Mauern“.  Neuerdings 
will  W.  Krieger  (Hedwigia  XLVI,  S.  253)  diese  Art  auch  auf  Sand- 
stein im  Kirnitzschtal  bei  Schandau  und  auf  Granit  am  Schlofsberge 
zu  Dohna  aufgefunden  haben.  Da  ich  Exemplare  von  diesen  beiden 
Standorten  nicht  gesehen  habe,  so  möchte  ich  sie  noch  als  fraglich 
bezeichnen. 

A.  viride  Huds.  Schneeberg  i.  Erzgeb.:  an  einer  alten  Bergwerksmauer 
(Eislebener  Halde)  bei  Lindenau  in  wenigen  Exemplaren  (Oberlehrer 
Lange-Schneeberg).  Von  einem  weiteren  Standort  bei  Tharandt  führt 
W.  Krieger  (Hedwigia  XLVI,  S.  253)  eine  Reihe  von  Formen  auf. 
Leider  erwähnt  Krieger  nicht,  ob  er  die  Exemplare  selbst  gesammelt 
hat,  oder  ob  es  alte  Herbarexemplare  sind.  Früher  kam  A.  viride 
Huds.  an  den  Abhängen  des  Weifseritztales  bei  Tharandt  vor.  Aber 
schon  Willkomm  gibt  1866  im  Tharandter  Jahrbuch  an,  dafs  die  Pflanze 
neuerdings  nicht  mehr  aufgefunden  worden  sei.  Daher  kann  die 
Kriegersche  Angabe  auch  nicht  als  Bestätigung  eines  alten  Standortes 
aufgefafst  werden. 

Botrycliium  Matricariae  Spr.  Mifsbach  fand  ein  Exemplar  (zwei  Jahre 
hintereinander)  am  Fichtelberg,  ein  Exemplar  am  Abstieg  vom  Keil- 
berg  nach  Oberwiesental  und  acht  Exemplare  auf  einer  Wiese  bei 
Gottesgab. 

Pilularia  globulifera  L.  Im  Wünsche  ist  unter  anderen  der  schon  von 
Heynhold  angeführte  Schradenwald  bei  Ortrand  als  Standort  für 
diesen  Wasserfarn  angegeben.  Im  Jahre  1907  fand  ihn  Mifsbach  in 
einem  Graben  bei  Groeden  zwischen  Ortrand  und  Elsterwerda  in 
Menge.  Möglicherweise  ist  das  der  alte  Heynholdsche  Standort.  Jeden- 
falls zeigt  der  neue  Fund,  dafs  die  seltene  Pflanze  knapp  an  der 
Nordgrenze  Sachsens  noch  vorhanden  ist. 

Equisetum  pratense  Ehrh.  Elbsandsteingebirge:  am  Elbufer  zwischen 
Königstein  und  Wehlen  häufig;  Pirna:  bei  Bonnewitz;  Dresden:  Elb- 
ufer bei  Zschachwitz  und  im  Gehege  (Mifsbach). 


65 


Lycopodium  inundatum  L.  ist  in  der  sächsischen  Niederung  und  dem 
Lausitzer  Hügellande  bis  an  das  Elbhügelland  verbreitet.  Es  tritt  von 
Norden  her  auch  in  das  Elbsandsteingebirge  vor,  wo  es  zwei  Stand- 
orte bei  Schandau  und  Schmilka  hat.  In  den  Mooren  des  Erzgebirges 
scheint  es  aber  sehr  selten  zu  sein.  Im  Dresdner  Herbarium  lag 
bisher  nur  ein  von  P.  Nitzsche  im  Juli  1876  zwischen  Gottesgab  und 
dem  Fichtelberge  gesammeltes  Exemplar.  Einen  zweiten  Standort 
vom  oberen  Erzgebirge  führt  Domin  (S.  56)  an,  nämlich  „auf  torfigen 
Sumpfstellen  von  Seifen  gegen  Platten  zu“.  Und  von  einem  dritten 
Standorte,  am  Spitzberge  bei  Gottesgab,  den  Domin  im  September  1904 
auffand,  erhielt  das  Herbarium  der  Flora  Saxonica  ein  Belegexemplar. 

Selaginella  helvetica  Link.  Am  10.  September  1908  sandte  Kapellmeister 
L.  Fischer  eine  Anzahl  unbestimmter  Moose  aus  der  Umgebung  des 
Prebischtores  an  das  botanische  Institut.  Darunter  befand  sich  nun 
auch  zu  unserer  gröfsten  Verwunderung  ein  Exemplar  von  Selaginella 
helvetica.  Da  Herr  Fischer  kurze  Zeit  darauf  abreiste,  so  war  es 
uns  bis  heute  nicht  möglich,  näheres  über  diesen  Fund  zu  erfahren. 
Da  die  Möglichkeit  nicht  ausgeschlossen  ist,  dafs  diese  Art  als  Fremd- 
ling nur  zufällig  unter  die  einheimischen  Moose  gekommen  ist,  so 
führe  ich  sie  mit  einem  Fragezeichen  hier  mit  auf,  um  weitere  Nach- 
forschungen nach  ihr  in  der  Umgebung  des  Prebischtores  anzuregen. 
Übrigens  soll  die  Art  schon  einmal,  wie  Wünsche  in  seinen  „Filices 
Saxonicae“  angibt,  um  Reichenberg  in  Böhmen  von  Siegmund  ge- 
sammelt worden  sein. 

Potamogeton  pusillus  L.  Pirna:  Elblachen  bei  Copitz  (Mifsbach);  var. 
mucronulatus  Fischer  bei  Grofsenhain  (Hofmann). 

P.  gramineus  L.  var.  graminifolius  Fr.  und  var.  heterophyllus  Fr.  Grofsen- 
hain: im  Spittelteich  (Hofmann). 

Scheuchzeria  palustris  L.  Domin  gibt  an,  dafs  die  Art  einen  einzigen 
erzgebirgischen  Standort  habe,  nämlich  in  dem  kleinen  Hochmoor, 
das  zwischen  dem  Gottesgaber  Spitzberg  und  der  Joachimstaler 
Strafse  liegt.  Das  ist  nicht  einmal  für  den  böhmischen  Anteil  des 
Erzgebirges  richtig.  Denn  sie  wächst  auch  in  Hochmoorlachen  westlich 
vom  Spitzberg  und  bei  Abertham  sowie  westlich  von  Hirschenstand, 
ferner  auf  sächsischer  Seite  im  Kranichsee  bei  Karlsfeld.  Das  sind 
fünf  durch  Belegexemplare  im  Dresdner  Herbarium  gut  verbürgte 
Standorte,  die,  wie  ich  mich  in  den  letzten  Jahren  überzeugt  habe, 
auch  heute  noch  unberührt  bestehen. 

Stratiotes  aloides  L.  Die  Krebsschere  reicht  mit  ihrem  norddeutschen 
Areal  bis  an  die  Nordgrenze  des  Königreichs  Sachsen,  bis  zur  Linie 
Görlitz  - Hoyerswerda -Ruhland- Prettin  a.  E. -Dessau.  Wünsche  erwähnt 
auch  einen  sächsischen  Standort  bei  Königswartha,  doch  dieser  ist 
fraglich  und  in  der  neueren  Zeit  nicht  bestätigt.  Die  Pflanze  wird 
daher  mit  Recht  in  den  Floren  als  in  Sachsen  und  Thüringen  fehlend 
angegeben.  Auf  unserer  diesjährigen  gemeinsamen  Pfingstexkursion 
haben  nun  Geheimrat  Drude  und  ich  Stratiotes  im  reufsischen 
Vogtlande  (Territorium  13  des  Hercynischen  Florenbezirks)  nördlich 
von  Zeulenroda  im  Tale  der  Weida  bei  Weifsendorf  in  einem  Teiche 
reichlich,  in  einem  zweiten  darüberliegenden  spärlich  aufgefunden.  In 
dem  unteren  Teiche  bildet  die  Pflanze  zwei  mehrere  Quadratmeter 
grofse  dichte  Bestände  vor  einem  Acorus-(j\x rtel  im  flachen  Wasser. 


66 


In  dem  oberen  Teiche  steht  sie  vereinzelt  zwischen  Potamogeton  natans 
und  Equisetum  limosum.  Da  Stratiotes  hier  in  kleinen  Bauernteichen 
wächst,  absolut  nicht  benutzt  wird,  ja  den  Leuten  nicht  einmal  be- 
kannt ist,  so  hielten  wir  eine  Anpflanzung  für  ausgeschlossen  und  ver- 
muteten eine  zufällige  Einschleppung  mit  Satzfischen  aus  den  grofsen 
Senftenberger  Teichwirtschaften.  Herr  Hofrat  Ludwig  teilte  mir  jedoch 
auf  eine  Anfrage  mit,  dafs  Stratiotes  in  den  Weifsendorfer  Teichen 
von  dem  Lehrer  G.  Weidhaas  in  Greiz  ausgesetzt  worden  sei  und  sich 
dort  stark  vermehrt  habe.  Solche  Anpflanzungen  sollte  man  doch 
lieber  unterlassen,  da  durch  sie  die  wirklich  vorhandenen  Naturdenk- 
mäler in  ihrer  Beweiskraft  für  die  Entwicklungsgeschichte  unserer 
Flora  nur  verlieren. 

Hierochloa  odorata  Whlbg.  In  der  Isis -Abhandlung  IV,  1904  hatte  ich 
angegeben,  dafs  der  in  Wünsche  angegebene  Standort  dieser  Art  bei 
Lockwitz  nicht  existiert.  In  den  beiden  letzten  Jahren  hat  nun  Mifs- 
bach  diese  Art  zwischen  Wehlen  und  Rathen  beobachtet,  wo  sie 
zwischen  den  Quadern  des  Schutzdammes  an  der  Elbe  kriecht.  Offen- 
bar ist  sie  hier  durch  die  Elbe  von  böhmischen  Standorten  her  an- 
geschwemmt. 

Alopecurus  geniculatus  X pratensis.  Dresden:  im  Gehege;  Meifsen:  Diesbar 
gegenüber  (Mifsbach). 

Ammophila  arenaria  Link.  Dresden:  auf  dem  Heller  (Mifsbach).  Ob  an- 
gepflanzt? 

Festuca  sciuroides  Roth.  Dresden:  im  Gehege  (Mifsbach). 

Elymus  arenarius  L.  Bei  Bischofswerda  (Mifsbach). 

Carex  dioeca  L.  Grofsenhain:  am  kleinen  Spittelteich  (Hofmann). 

C.  pseudoarenaria  Rchb.  Während  die  echte  C.  arenaria  L.  nur  zwei 
Standorte  in  Sachsen  hat,  den  Heller  bei  Dresden  und  Zeisholz  bei 
Königsbrück,  kommt  nach  Mifsbach  die  viel  umstrittene  C.  pseudo- 
arenaria , die  Kükenthal  als  Bastard  von  C.  arenaria  X brizoides  und 
Haufsknecht,  Ascherson  und  Gräbner  als  C.  brizoides  X leporina  an- 
sehen,  vor:  1.  im  Priefsnitzgrunde  bei  Dresden  an  verschiedenen  Stellen 
und  reichlich  — das  ist  ihr  ältester  schon  Reichenbach  bekannter 
Standort;  2.  und  3.  bei  Meifsen  am  Golkwalde  häufig  und  südwestlich 
davon  im  Dieraer  Hölzchen;  4.  nordwestlich  von  Königsbrück  in  der 
Nähe  des  Rohnaer  Forsthauses  zwischen  Rohna  und  Otterschütz.  Die 
an  den  Standorten  2—4  vorkommenden  Pflanzen  unterscheiden  sich 
nicht  von  der  Dresdner  Form. 

C.  brizoides  L.  var.  curvata  Knaf.  Diese  Varietät  oder  Unterart  von 
C.  brizoides  unterscheidet  sich  von  der  Hauptart  durch  ihre  Schläuche, 
die  erst  von  der  Mitte  an  geflügelt  und  kleingesägt  sind.  Sie  ist  bisher 
in  Sachsen  nur  an  drei  Stellen  aufgefunden  worden,  nämlich  am  Wacht- 
nitzer  Steinbruch  bei  Meifsen  (Stiefelhagen),  unterhalb  Meifsen  am 
Gohrisch  bei  Diesbar  an  der  Elbe  und  Grofsenhain:  bei  Skassa 
(Hofmann). 

C.  brizoides  X remota.  Dresden:  Porsberggebiet  (Mifsbach). 

C.  paniculata  L.  Meifsen:  bei  Naundörfel;  Grofsenhain:  bei  Treugeböhla 
(Hofmann). 

C.  teretiuscula  Good.  Grofsenhain:  Volkersdorf  und  Ottendorf- Okrilla 
(Mifsbach).  Vgtl.  Auma:  im  Reinsdorfer  Teich  (Drude  und  Schorler). 


67 


C.  Buekii  Wimm.  Am  linken  Elbufer:  von  der  Landesgrenze  bis  Ober- 
vogelgesang oberhalb  Pirna  stellenweise  in  Menge,  z.  B.  auf  der  ehe- 
maligen Prossner  Insel;  unterhalb  Pirna;  an  der  Meufslitzer  Lache 
gegenüber  Pillnitz  häufig.  Am  rechten  Elbufer:  an  der  Mündung  der 
Lachsbach  und  Wesenitz  und  noch  weiter  elbabwärts  bei  Birkwitz. 
Fast  immer  an  steilen  angebrochenen  Uferhängen  (Mifsbach). 

? C.  rigida  Good.  In  dem  Jahresber.  d.  Ver.  f.  Naturkunde  zu  Zwickau  1891 
veröffentlicht  Wünsche  „Beiträge  zur  Flora  von  Sachsen“.  In  diesem 
Verzeichnis  sind  die  für  Sachsen  neuen  Arten  fett  gedruckt.  Darunter 
befindet  sich  auch  C.  rigida  Good.,  den  Laubinger  auf  dem  Fichtel- 
berge  gefunden  haben  sollte.  Da  Ausrufungszeichen  hinter  dieser 
Angabe  fehlen,  so  geht  daraus  hervor,  dafs  Wünsche  weder  den  be- 
treffenden Standort  selbst  beobachtet  hat,  noch  auch  ihm  Pflanzen 
von  dem  angeführten  Orte  Vorgelegen  haben.  Trotzdem  hat  Wünsche 
die  Pflanze  in  seiner  Exkursionsflora  von  Sachsen  aufgenommen  und 
bis  in  die  neueste,  neunte  Auflage  fortgeführt.  Wenn  nun  auch  das 
Vorkommen  dieser  Gebirgsart,  die  im  Harz  und  den  Sudeten  ihre 
nächsten  Standorte  hat,  im  Erzgebirge  nicht  unmöglich  ist,  sind  doch 
die  Angaben  Wünsches  bisher  von  Niemandem  bestätigt  worden.  Die 
Dresdner  Botaniker  haben  nach  der  Art  am  und  auf  dem  Fichtelb'erge 
viel  gesucht,  aber  immer  ohne  Erfolg.  Auch  in  dem  Herbarium  der 
Flora  Saxonica  liegt  kein  sächsisches  Exemplar.  Ich  glaube  daher, 
dafs  der  Angabe  Wünsches  eine  falsche  Bestimmung  oder  eine  Ver- 
wechslung zugrunde  liegt  und  bezeichne  daher  C.  rigida  noch  als 
zweifelhaften  Bürger  unseres  Erzgebirges. 

C.  pendula  Huds.  Elbsandsteingebirge:  am  Schneeberg  an  der  Strafse 
vom  Dorfe  Eulau  nach  Dorf  Schneeberg  (Mifsbach). 

G.  fulva  X euflava  A.  u.  G.  Meifsen:  bei  Naundörfel  mit  den  Eltern  nicht 
selten  (Mifsbach). 

Streptopus  amplexifolius  DC.  hat  im  Zechgrunde  bei  Oberwiesental  nicht 
„seinen  einzigen  sichergestellten  erzgebirgischen  Fundort“  (Domin).  Er 
wächst  auch  noch  hoch  oben  am  Keilberg  bei  1100  m am  Fufsweg 
nach  Oberwiesental  (Mifsbach)  und  an  den  Wirbelsteinen  (Schorler). 

Orchis  sambucina  L.  reicht  mit  ganz  vereinzelten  Standorten  vom  Hügel- 
lande bis  zum  oberen  Erzgebirge.  So  sind  folgende  Territorien  im 
Dresdner  Herbarium  vertreten:  Das  Vogtland  mit  Schreyersgrün  bei 
Treuen  (Artzt);  das  Muldenland  mit  Schneppendorf  bei  Zwickau  (Nau- 
mann); das  Lausitzer  Bergland  mit  dem  Hutberg  bei  Weifsig,  der  Lausche 
und  dem  Kaltenberg  in  Nordböhmen;  das  untere  Erzgebirge  mit  Ölsen, 
dem  Ölsengrund  und  Hellendorf  bei  Gottleuba,  sowie  dem  Geising 
bei  Altenberg.  In  Reichenbachs  Pdora  Saxonica  wird  als  Standort  auch 
der  Fichtelberg  erwähnt.  Diese  Angabe  wurde  in  den  letzten  Jahren 
insofern  bestätigt,  als  0.  sambucina  von  Mifsbach  im  Zechgrunde,  also 
am  Abhange  des  Fichtelberges  gefunden  wurde. 

0.  ustulata  L.  Im  Müglitztale  bei  Schlottwitz  (Ostermaier)  und  Maxen 
(Mifsbach). 

Salix  daphnoides  Vill.  Bei  Pirna  mehrfach  angepflanzt  (Mifsbach). 

S.  purpur eaX  viminalis  = S.  rubra  Huds.  Wird  mit  S.  viminalis  L.  am 
Elbufer  öfters  angepflanzt  (Mifsbach). 

Betula  carpatica'Knana=B.SeidelianaM\fab.  Hochmoore  zwischen  Gottes- 
gab und  dem  Spitzberg  (Mifsbach,  xHlgem.  botan.  Zeitschr.  1908,  S.  120). 


68 


Rumex  domesticus  Hartm.  Wünsche  führt  in  der  Auflage  seiner  Exkursions- 
flora aus  dem  Jahre  1891  zum  ersten  Male  als  Standort  dieser  Art 
Gablenz  bei  Chemnitz  an.  Darüber  schreibt  mir  Herr  Gymnasial- 
oberlehrer F.  Kramer:  „Gefunden  soll  sie  Diakonus  em.  Weicker  haben. 
Aber  in  einem  Verzeichnis  von  Weicker  aus  dem  Jahre  1865,  das  mir 
vorliegt,  ist  sie  nicht  angegeben.  Ich  habe  mit  Dr.  Reiche  Gablenz 
und  Umgebung  oft  abgesucht,  aber  die  Pflanze  nirgends  gefunden. 
Gablenz  gehört  seit  einigen  Jahren  zur  Stadt  Chemnitz  und  hat  sich 
so  verändert,  dafs  das  Vorkommen  von  Rumex  domesticus  ausge- 
schlossen ist.“ 

f Cycloloma  platyphyllum  Mog.  Dresden:  Sandflächen  am  Elbufer  gegenüber 
Uebigau  (Stiefelhagen).  Aus  Nordamerika  eingeschleppt. 

Atriplex  tataricum  L.  Dresden:  bei  Laubegast  (Mifsbach). 

Cucubalus  baccifer  L.  Elbtal  zwischen  Loschwitz  und  Wachwitz  und  ober- 
halb Königstein  (Mifsbach). 

-\Herniaria  hirsuta  L.  Bei  Kamenz  (Lampert). 

Nymphaea  candida  Presl.  Die  Art  oder  Unterart  wird  häufig  verkannt 
und  ist  auch  in  Sachsen  nicht  so  selten,  wie  die  wenigen  Literatur- 
angaben vermuten  lassen.  Nach  den  Exemplaren  im  Herbarium  der 
Flora  Saxonica  und  den  Angaben  in  Wünsches  Flora  (9.  Aufl.)  sind 
bis  jetzt  folgende  Standorte  sicher  gestellt:  1.  im  Vogtlande:  Ziegen- 
rück, Auma,  Zeulenroda,  Pausa  und  Falkenau  a.  Eger;  2.  im  Mulden- 
lande: bei  Lausigk,  Öderan,  Limbach  bei  Chemnitz,  Zwickau,  Kirch- 
berg  und  Hartenstein;  3.  im  Elbhügellande  nur  bei  Weinböhla;  4.  in 
der  Lausitz  bei  Radeburg  und  Königsbrück  und  5.  im  unteren  Erz- 
gebirge bei  Stollberg  und  Olsnitz.  W.  candida  ist  auch  im  nicht- 
blühenden Zustande  leicht  an  dem  Verlauf  der  Nerven  in  den  Blatt- 
lappen zu  erkennen,  die  vom  Blattstielansatz  bogig  nach  den  Ecken 
der  Lappen  verlaufen,  so  dafs  sie  sich  in  der  Verlängerung  schneiden 
würden.  Bei  N.  alba  sind  diese  Nerven  nahezu  parallel.  Nach  den 
Angaben  verschiedener  Floren  soll  N.  candida  meist  dreispitzige 
Narbenstrahlen  haben.  Bei  den  Exemplaren  in  unserem  Herbarium 
fand  ich  keinen  einzigen  dreispitzig.  Auch  die  Beschaffenheit  der 
Pollenkörner  liefs  sich  nicht  immer  zur  Unterscheidung  der  beiden 
Arten  benutzen.  N.  candida  hatte  zwar  immer  Pollenkörner  mit  ge- 
körnter Oberfläche,  aber  N.  alba  nur  selten  solche  mit  Stacheln.  Die 
Stacheln  sind  übrigens  niemals  spitz,  sondern  stäbchenförmig. 

f Helleborus  foetidus  L.  Meifsen : im  Triebischtal  in  der  Nähe  des  Roth- 
schönberger  Stollens  verwildert  (Leonhardt). 

Aconitum  Stoerkeanum  Rchb.  Im  Weifseritztal  von  Hainsberg  bis  Röthen- 
bach vereinzelt,  häufiger  bei  Dorfhain.  Ferner  Zöblitz:  bei  Sorgau 
(Mifsbach). 

f Berberis  vulgaris  L.  Verwildert  an  den  Abhängen  des  Müglitztales 
zwischen  Dohna  und  Mügeln  (Mifsbach). 

j* Lepidium  apetalum  Willd.  Am  Elbufer  bei  Dresden  auf  Ausschiffungs- 
plätzen mehrfach  und  zahlreich  (Mifsbach). 

Erysimum  virgatum  Roth.  An  der  Niederwarthaer  Elbbrücke  (Mifsbach). 

E.  crepidifolium  Rchb.  Im  Elbtal:  einzeln  bei  Niederwartha,  häufiger 
Säufslitz  gegenüber  (Mifsbach). 

Myssum  montanum  L.  Grofsenhain:  am  Grödeler  Kanal  bei  Langenberg 
(Hofmann);  Strehla:  bei  Lorenzkirch  (Fritzsche). 


69 


Drosera  anglica  Huds.  (=  D.  longifolia  L.).  Von  dieser  Art  gibt  Domin 
an:  „Sie  wurde  von  F.  W.  Schmidt  bei  Gottesgab  angegeben,  aber 
dort  seither  nicht  mehr  gefunden,  wiewohl  diese  Angabe  nicht  un- 
wahrscheinlich ist.  Drude  gibt  einfach  an,  dafs  sie  im  westlichen 
Erzgebirge  Vorkommen  soll.“  Nun,  im  westlichen  Erzgebirge  kommt 
D.  anglica  tatsächlich  auch  heute  noch  vor  und  zwar  im  Kranichsee 
und  den  diesem  benachbarten  Hochmooren.  Im  Dresdner  Herbarium 
liegen  Exemplare,  die  Naumann  1892  im  Kranichsee  gesammelt  hat, 
und  solche,  die  ich  selbst  1895  in  den  Mooren  westlich  von  Hirschen- 
stand,  also  auf  der  böhmischen  Seite  des  Erzgebirges,  auffand.  Von 
einem  im  Wünsche  nicht  angegebenen  Standort  im  Lausitzer  Hügel- 
lande, nämlich  dem  Keulenberg  bei  Königsbrück,  hat  A.  Schulz  Beleg- 
exemplare an  das  Herbarium  gesandt. 

Cotoneaster  integerrima  Med.  Von  dieser  für  die  Entwicklungsgeschichte 
der  sächsischen  Flora  wichtigen  Art  führt  Wünsche  einen  Standort 
nicht  an,  den  F.  Ludwig  bereits  1893  in  den  Abh.  aus  d.  Ver.  d.  Natur- 
freunde zu  Greiz  veröffentlichte,  nämlich  den  Teufelsberg  an  der  Weida 
unterhalb  Zeulenroda.  Die  Pflanze  vergesellschaftet  sich  hier  auf 
Diabasboden  mit  Seseli  Libanotis  Koch  (Libanotis  Montana)  und  anderen 
südöstlichen  Arten,  wie  Herr  Geheimrat  Drude  und  ich  auf  einer  ge- 
meinsamen Exkursion  vorige  Pfingsten  uns  selbst  überzeugen  konnten. 
Ein  zweiter  in  Wünsche  nicht  angegebener  Lausitzer  Standort  auf  dem 
Irigberg  nordwestlich  von  der  Stadt  Kreibitz  wurde  von  A.  Weise 
bereits  1887  entdeckt  und  dem  botanischen  Institut  mitgeteilt. 

R.  caesius  X Idaeus.  Meifsen:  bei  Naundörfel  (Mifsbach). 

R.  corymbosus  P.  J.  Müller.  Diese  Form  gehört  zu  den  R.  Apiculati,  die 
sich  an  die  Radula- Gruppe  anschliefsen.  Sie  ist  von  Mifsbach  bei 
Wachwitz  bei  Dresden  aufgefunden  worden.  Eine  zweite  Form  dieser 
Gruppe,  R.  acanthodes  Hofm.  wurde  von  Mifsbach  im  Elbsandstein- 
gebirge im  Zschirrgrund  und  besonders  häufig  am  Gabrielensteig 
gefunden. 

Rubus  Bayeri  Focke  wird  in  Wünsches  sowie  auch  in  Garckes  Flora 
vom  Pichow  bei  Dretschen  in  der  Lausitz  angegeben.  Das  ist  nach 
einer  freundlichen  Mitteilung  von  Herrn  Hofmann- Grofsenhain  ein 
Irrtum.  Die  dort  vorkommende  Form  ist  R.  lusaticus  Rostock.  Der 
R.  Bayeri  Focke  ist  eine  österreichische  Art,  die  auch  am  Fufse  der 
bayerischen  Alpen  einige  Standorte  hat.  Demnach  ist  R.  Bayeri  Focke 
für  die  sächsische  Flora  zu  streichen. 

R.  serpens  Whe.  var.  lusaticus  Rost.  Elbhügelland  bei  Pillnitz:  Friedrichs- 
grund und  Porsberg  (Mifsbach);  Elbsandsteingebirge:  am  Rosenberg 
(Hofmann). 

Alchemilla  vulgaris  L.  var.  glaucescens  Wallr.  Ascherson  und  Graebner 
unterscheiden  in  ihrer  Synopsis  von  der  Gesamtart  drei  Unterarten, 
nämlich  A.  glaberrima  Schmidt,  A.  pubescens  Lam.  und  A.  vulgaris  L. 
Von  diesen  kommen  nur  die  beiden  letzteren  in  unserem  Gebiete  vor. 
Sie  unterscheiden  sich  leicht  durch  die  Behaarung  des  Blütenstan'des, 
der  bei  A.  pubescens  auch  in  seinen  letzten  Verzweigungen  bis  zu  den 
einzelnen  Blütenstielen  und  Kelchen  behaart  ist,  während  bei  A.  vulgaris 
die  letzten  Verzweigungen  und  die  Kelche  kahl  sind.  A.  vulgaris  ist 
in  der  Niederung  bis  zum  Berglande  weit  verbreitet.  A.  pubescens 
dagegen  scheint  das  obere  Erzgebirge  vorzuziehen.  Sie  findet  sich 


70 


dort  in  der  von  Wallroth  als  glaucescens  bezeichneten  Form  mit  dicht 
weifs -wollig  behaarten  Blütenstielen  und  Blüten,  die  Ascherson  und 
Grraebner  ihrer  Varietät  A.  Montana  Willd.  unterordnen.  Der  Einfach- 
heit wegen  ziehe  ich,  wie  das  auch  schon  Wünsche  getan  hat,  die 
sächsischen  Pflanzen  als  var.  glaucescens  Wallr.  zu  A.  vulgaris  L. 
A.  glaucescens  W.  liegt  von  folgenden  Standorten  im  Dresdner  Her- 
barium: 1.  Bergwiesen  an  den  Tellerhäusern  bei  Gottesgab  in  950  m 
Höhe  (Drude  1893);  2.  am  Kupferhübel  bei  Kupferberg  (Hofmann); 
3.  bei  Geising  (Hofmann  1905)  und  4.  am  Wege  von  Vorder-Zinnwald 
nach  dem  Mückentürmchen  zu  (Hofmann  1907). 

A.  vulgaris  var.  alpestris  Schmidt.  Lausitz:  bei  Zittau,  Waltersdorf  und 
Bautzen;  Erzgebirge:  am  Keilberg,  im  Zechgrund  und  bei  Reitzenhain 
(Hofmann). 

Rosa  glauca  Vill.  Am  Teufelsberg  bei  Zeulenroda  am  12.  Juni  1908  von 
Drude  und  Schorler.  Der  Teufelsberg  ist  einer  der  zahlreichen  Diabas- 
berge des  Vogtlandes,  die  alle  mehr  oder  weniger  durch  ihren  Pflanzen- 
reichtum sich  auszeichnen.  Namentlich  sind  es  die  warmen  Hügel- 
pflanzen südosteuropäischer  Herkunft,  die  diesen  sonnigen  Hängen 
einen  von  der  übrigen  Flora  des  Vogtlandes  ganz  abweichenden 
Charakter  verleihen.  Es  sind  die  letzten  südlichen  Ausstrahlungen 
der  reichen  Geraer  Flora.  Der  Teufelsberg  ist  nun  besonders  reich 
an  solchen  politischen  Hügelpflanzen.*)  ln  der  Gesellschaft  der  Rosa 
glauca  befinden  sich  z.  B.  Cotoneaster  integerrima,  Libanotis  Montana , 
Teucrium  Botrys , Lonicera  XylosteuM  usw. 

Astragalus  Cicer  L.  Dresden:  am  Eisenbahndamm  hinter  Klotzsche  (Stud. 
Böhm).  Der  von  Wünsche  noch  angegebene  Standort  „im  Grofsen 
Gehege  bei  den  Schusterhäusern“  existiert  nicht  mehr  (Mifsbach). 

GeraniuM  pliaeuM  L.  Pillnitz  bei  Bannewitz  und  Hohenstein-Ernstthal 
(Mifsbach). 

f G.  pyrenaicuM  L.  Erzgebirge:  Dorfgärten  in  Ölsa  (Mifsbach). 

Polygala  aMara  L.  Bei  Bischofswerda  (Mifsbach). 

P.  serpyllacea  Wh.  Schneeberg:  am  Filzteich  (Lampert). 

LythruM  Hyssopifolia  L.  Dresden:  Bärwalde  bei  Moritzburg  und  Ortrand: 
Frauendorf  (Mifsbach);  Kamenz:  bei  Deutscli-Baselitz  (Lampert). 

EpilobiuM  trigonuM  Schrank.  War  bisher  nur  aus  dem  Zechgrund  bei 
Oberwiesenthal  bekannt.  Jetzt  hat  es  sich  bis  nach  Gottesgab  aus- 
gebreitet, wo  es  im  letzten  Sommer  von  Lampert  im  Strafsengraben 
gefunden  wurde. 

f Lupinus  polyphyllus  L.  Lausitz:  Ruppersdorf  bei  Löbau  (Neumann- 
Bautzen). 

Hydrocotyle  vulgaris  L.  Auma:  bei  Reinsdorf  auf  moorigen  Wiesen  an 
einem  Teiche,  der  durch  das  Vorkommen  von  Naumburgia  thyrsiflora 
ausgezeichnet  ist  (Drude  und  Schorler  den  11.  Juni  1908).  Der  neue 
Standort  bei  der  weimarschen  Stadt  Auma  liegt  zwischen  den  seit 
längerer  Zeit  bekannten  Standorten  bei  Eisenberg  und  Schleiz.  Be- 
merkenswert ist,  dafs  die  Art  sogar  noch  weiter  südlich  in  das  vogt- 
ländische Hügelland  vordringt,  wie  die  Auffindung  eines  Standortes 
bei  Mühltroff  durch  Artzt  beweist  (s.  Isis -Abhandlungen  1905,  S.  84). 


*)  S.  das  Verzeichnis  von  Prof.  Dr.  Ludwig:  Die  Flora  der  Diabasinseln  von 
Zeulenroda.  Abhandlungen  aus  dem  Verein  der  Naturfreunde  zu  Greiz,  1893. 


71 


Seseli  annuum  L.  Sekt.  Bischofswerda:  bei  Dahren  (Feurich). 

Chimophila  umbellata  Nutt.  In  der  Dresdner  Heide  (Mifsbach). 

Vaccinium  Myrtillus  L.  var.  chlorocarpum  Dum.  Klotzsche  bei  Dresden 
und  Geifsmannsdorf  bei  Bischofswerda  (Mifsbach). 

V.  Myrtillus  X Vitis  idaea  (—  V.  intermedium  Ruthe).  Dresden : zwei  Stand- 
orte bei  Klotzsche;  Ortrand:  bei  Tettau  und  Hoyerswerda:  an  der 
Strafse  nach  Schwepnitz  (Mifsbach). 

Naumburgia  thyrsiflora  Rchb.  Wird  in  Wünsche  für  Sachsen  als  zer- 
streut angegeben.  Das  ist  sie  höchstens  in  der  nördlichen  Lausitz. 
Im  westlichen  Teile  der  sächsischen  Niederung  ist  sie  sehr  selten  und 
ebenso  im  Hügel-  und  Berglande.  Einige  weit  in  das  Hügelland  hinein 
vorgeschobene  Standorte  haben  Drude  und  ich  am  11.  Juni  1908 
an  Teichen  westlich  von  Auma  zwischen  den  Dörfern  Reinsdorf  und 
Wüstenwetzdorf  in  einer  Höhe  von  300  m aufgefunden.  Die  Pflanze 
wurde  dort  an  fünf  oder  sechs  Teichen  in  Vollblüte  beobachtet.  Sie 
wächst  im  seichten  Wasser  oder  am  Ufer  mit  Ranunculus  Flammula. 
Belegexemplare  eines  neuen  Standortes  für  das  Muldenland  übergab 
Dr.  Uhlig  dem  Herbarium  der  Flora  Saxonica.  Diese  stammen  aus  dem 
Schafteich  bei  Dreiwerden  südlich  von  Mittweida,  der  240  m hoch 
liegt.  Weiter  aufwärts  im  Zschopautal,  nämlich  in  der  Lache  bei 
Frankenberg,  250  m Höhe,  und  bei  Zschopau,  320  m Höhe,  fand  sie 
Forstassessor  Bruhm. 

Gentiana  campestris  L.*  baltica  Murb.  Lausitz : auf  trocknen  Wiesen  am 
Warnsdorfer  Spitzberg  (Hofmann). 

Myosotis  caespitosa  Schultz.  Bei  Mittweida  (Uhlig). 

Teucrium  Scorodonia  L.  Die  Standorte  dieser  atlantischen  Art  sind  in 
Sachsen  selten.  Sie  findet  sich  in  Territorium  3 bei  Leipzig  und  Eilen- 
burg, in  Territorium  5 bei  Rochlitz,  Waldheim,  Chemnitz,  Zwickau 
und  Stollberg,  in  Territorium  6 bei  Dresden  und  Schandau,  in  Terri- 
torium 7 bei  Langebrück,  Grofsenhain,  Königsbrück  und  Kamenz  und 
in  Territorium  8 im  Kirnitzsch-  und  Bahratale.  Zu  den  Lausitzer 
Standorten  kommen  jetzt  zwei  neue.  Der  eine  von  G.  Feurich-Göda 
entdeckt,  liegt  östlich  von  dem  Dorfe  Spittwitz  (Sekt.  Bischofswerda), 
wo  die  Pflanze  üppig  unter  Weidengebüsch  am  Weg  und  Waldrande 
wächst,  und  der  zweite,  von  dem  H.  Hofmann  Belegexemplare  an  das 
Dresdner  Herbarium  einsandte,  am  Herrn sberge  bei  Köblitz  (Lehrer 
Wauer). 

■ \8ideritis  montana  L.  Verwildert  im  Dresdner  Grofsen  Gehege  (Mifsbach) 
und  bei  Tharandt  (Neumann-Bautzen). 

Stachys  alpina  L.  Am  linken  Zschopauufer  bei  der  Lauenhainer  Mühle 
(Uhlig). 

Hyoscyamus  niger  L.  Im  Herbarium  der  Flora  Saxonica  liegt  eine  von 
A.  Schulz  bereits  am  25.  September  1890  bei  Königsbrück  gesammelte 
Form,  deren  grofse  dicht  gestellte  obere  Blätter  sowohl  innerhalb  des 
Wickels  als  auch  an  den  Seiten  trieben  keine  Spur  eines  Einschnittes 
oder  einer  Zähnelung  aufweisen.  Auch  zeichnen  sich  die  Blätter  durch 
ihre  geringe  Behaarung,  die  auf  die  Hauptnerven  und  eine  schwache 
Bewimperung  des  Randes  beschränkt  ist,  aus.  Das  Exemplar  ist 
leider  nicht  vollständig,  der  vorhandene  obere  Teil  der  Pflanze  mifst 
30  cm  und  trägt  13  Früchte  und  Blüten,  die  deutlich  violett  geadert 
sind,  und  20  Blätter,  wobei  die  an  den  beiden  kurzen  Seitenzweigep 


72 


stehenden  nicht  mitgerechnet  sind.  Die  Mafse  für  die  Blätter  be- 
tragen 9 : 4,5. 

Physalis  Alkekengi  L.  Meifsen:  bei  Niederau  (Drude  und  Schorler). 

Verbascum  Blattaria  L.  Bei  Nossen  (Mifsbach). 

V.  nigrum.X  Thapsus  (=  V.  collinum  Schrad.).  Kamenz:  bei  Brauna 
(Lampert). 

Linaria  arvensis  L.  Bei  Kamenz  (Lampert). 

Veronica  praecox  All.  Leipzig:  an  der  Bahn  bei  Leutzsch  (Mifsbach). 

V.  agrestis  L.  Meifsen:  Acker  bei  Oberau  und  Grofsdobritz;  Grofsenhain : 
bei  Böhla;  Pirna:  am  Kohlberg  und  bei  Pillnitz  (Lehmann);  Vogtland, 
Pausa:  bei  Mehltheuer  (Grofse). 

V.  opaca  Fr.  Pirna:  bei  Rottwerndorf;  Erzgebirge:  bei  Schellerhau  (770  m) 
(Lehmann);  Vogtland,  Plauen:  bei  Kauschwitz,  Syrau  und  Mehl- 
theuer (Grofse). 

Orobanche  arenaria  Borkh.  Meifsen:  bei  Seufslitz  (Müller). 

Dipsacus  pilosus  L.  Dresden:  Müglitztal  bei  Köttewitz  (Böhm). 

Knaatia  silvatica  Dub.  Im  Elbtal  zahlreich  bei  Schöna  (Mifsbach). 

Campanula  latifolia  L.  Unteres  Erzgebirge:  im  Tale  der  Wilden  Weifseritz 
von  Klingenberg  (Holzmühle)  bis  herunter  nach  Tharandt,  zahlreich 
bei  Dorfhain  (Mifsbach);  auch  bei  Zinnwald  (Böhm), 
f Solidago  serotina  Ait.  Am  Elbufer  bei  Laubegast  (Böhm)  und  Scharfen- 
stein (Scheidhauer). 

f Erigeron  annuus  Pers.  Dresden:  Schlofsmauer  zu  Hermsdorf  bei  Lausa 
(Schorler). 

Homogyne  alpina  Cass.  ist  keineswegs,  wie  Domin  angibt,  auf  die  höchste 
Zone  des  Erzgebirges  von  Platten  bis  Gottesgab  mit  einer  unteren 
Grenze  bei  zirka  800  m beschränkt.  Sie  wächst  an  geeigneten  Stand- 
orten auf  dem  ganzen  Kamme  von  Schöneck  im  Westen  bis  Frauen- 
stein und  Bienenmühle  im  Osten,  also  zwischen  der  oberen  Zwickauer 
und  Freiberger  Mulde.  Von  hieraus  steigt  sie  am  Nordhang  in  den 
Tälern  bis  zu  600  m und  weiter  herab  (z.  B.  bei  Buchholz  bis  550  m 
Höhe).  Auf  dem  Südhange  liegt  natürlich  ihre  untere  Grenze  höher, 
doch  auch  nicht  so  hoch,  wie  Domin  angibt.  So  hat  sie  hier  nach 
Köhler  noch  Standorte  bei  700  m,  z.  B.  unterhalb  Kupferberg,  bei 
dem  Forsthaus  Hauenstein  und  beim  Forsthaus  Weite  Wiese.  Es 
wäre  demnach  die  untere  Grenze  für  den  Nordhang  bei  600  m und 
für  den  Südhang  bei  700  m anzusetzen. 

Senecio  paluster  DC.  Pirna:  Pratzschwitzer  See  (Mifsbach). 

Carduus  Per sonata  Jacq.  Am  linken  Zschopauufer  bei  der  Lauenhainer 
Mühle  und  Tanneberg  bei  Mittweida  (Uhlig). 

Cirsium  oleraceum  Scop.  var.  amarantinum  Lang.  Meifsen:  Nasse  Aue 
(Mifsbach). 

C.  heterophyllum  X palustre.  Erzgebirge:  am  Fichtelberg  bei  Kretzscham- 
Rothensehma;  Gottleuba:  am  Bienhof;  im  Tal  der  Wilden  Weifseritz 
oberhalb  Klingenberg  und  an  der  Beerwalder  Mühle  (Mifsbach);  bei 
Reitzenhain  und  Steinbach  (Hofmann). 

C.  oleraceum  X palustre.  Meifsen:  bei  Naundörfel  (Stiefelhagen). 

C.  heterophyllum  X oleraceum.  Erzgebirge:  bei  Berggiefshübel;  im  Tale 
der  Wilden  Weifseritz:  bei  der  Barth-,  Holz-  und  Beerwalder  Mühle 
(Mifsbach);  im  Prefsnitztal  zwischen  Jöhstadt  und  Schmalzgrube 
(Hofmann). 


73 


Centaurea  nigra  L.  Für  diese  Art  wird  von  Wünsche  ein  Standort,  und 
zwar  der  einzige  in  Sachsen,  bei  Rachlau  bei  Bautzen  angegeben.  Der 
Angabe  dürfte  wohl  eine  fehlerhafte  Bestimmung  zugrunde  liegen. 
Herr  G.  Feurich  teilte  mir  mit,  dafs  er  die  Umgebung  Rachlaus  wieder- 
holt gründlich  abgesucht,  von  C.  nigra  jedoch  niemals  etwas  gesehen 
habe.  Es  kommt  dort  aber  als  Seltenheit  die  im  Erzgebirge  verbreitete 

C.  pseudophrygia  Mey.  vor,  die  zu  jener  fehlerhaften  Angabe  die  Veran- 
lassung gegeben  haben  dürfte.  C.  nigra  L.  ist  daher  für  Sachsen  zu 
streichen. 

Crepis  praemorsa  Tausch.  Meifsen : am  Zaschendorfer  Graben  (Stiefel- 
hagen). 

Hieracium  floribundum  W.  u.  Gr.  Erzgebirge:  bei  Altenberg  und  Geising 
(Mifsbach). 

H.  Auricula  X Pilosella.  Elbsandsteingebirge:  bei  Waltersdorf;  Erzgebirge: 
bei  Lauenstein  und  Altenberg  (Mifsbach). 

H.  Pilosella  X praealtum.  Erzgebirge:  bei  Altenberg  und  Schellerhau 
(Mifsbach). 

H.  Pilosella  Xpratense.  Dresden:  bei  Strehlen;  Erzgebirge:  bei  Altenberg 
und  Olbernhau  (Mifsbach). 


/ 


:.'V  . 


. 


■ 


Taf.  II. 


Abhandl.  d.  Isis  in  Dresden,  1908. 


Br.  Deisler, Dresden, lith.  Druck  v.  H.  Kraja,  Dresden. 


i ■ Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdachsche  Ilofbuch- 
handlung  in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  Dresden  1860.  8.  . . . , . . 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 ....  3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntnis  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  . 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  . . . . . . . . . . . . 1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  J ahrgang  1864  und  1865,  der  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-Dezember 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  der  Jahrgang . . . 3 1.-  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869.  Januar -September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Dezember 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-Dezember  .....  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  der  Jahrgang  . . . 4 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  . . . . ..  . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-Dezember 3M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1881.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1887  bis  1908,  der  Jahrgang  . . . . . . . . . . 5 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgangl886.  Juli-Dezember  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proz.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  Sitzungsberichte 
werden  von  dem  ersten  Sekretär  der  Gesellschaft,  d.  Z.  Hofrat 
Prof.  Dr.  Deichmüller,  Dresden -A.,  Zwingergebäude,  K.  Mineral.- 
geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmäfsige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittiert  wird. 


■ V 

/ 

W* 

1 v 

< : 

» 

's* 

Sc 

, ¥ 

4'  A 

* 

WP 

ß*l 

V 

JB i 

\ € 

— m 

'\  \ 
V % 

r 

1 

1 v 

» 

, * ■* 

K * 

'Ä 

; > 

Jl 

v •'? 

m 

l 

.'  4»  . 

, f 1 

♦ - 

% 

’ ; * 

V 

P > 

.'S  Ä 

< / 

ft  r 

* I t 

3 9088  01357  8830